Das Jerusalem der Wissenschaft und der Kultur

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Mit freundlicher Bewilligung der Autorin Barbara Pfeffer Billauer

 

Am 12. Oktober 2016 verabschiedete die UN Education, Science and Culture Organisation, gemeinhin als UNESCO bekannt, eine Resolution, die die jüdischen Beziehungen mit dem Tempelberg ignorierte, indem sie sich ausschliesslich seines arabischen Namens bediente.

Der britische Guardian und in der Folge auch zahlreiche andere Zeitungen inklusive dem Boston Globe reagierte folgendermassen: “Das tendenziöse Spiel mit der Sprache spielt der andauernden Propaganda der PA in die Hände, die mit allen Mitteln versucht, die Identität Jerusalems, der jüdischsten aller Städte weltweit zu entjudaisieren. Die UNESCO geht fehl darin, sich in diese Kontroverse hineinziehen zu lassen.

Es ist kein Wunder, dass die Resolution angenommen wurde. Angeregt von Algerien, Ägypten, Libanon, Marokko, Oman, Katar und Sudan wurde sie von 24 der 56 Mitgliedsstaaten akzeptiert, es gab sechs Gegenstimmen und 24 Enthaltungen. Unter den 24, die für die Resolution stimmten, haben zumindest neun (mehr als ein Drittel), starke muslimische Verbindungen, gegen ein kleines Land weltweit, das jüdisch ist.

Was aber trotzdem überrascht, ist, dass die UNESCO ihre eigene Charta und Existenzberechtigung verletzten würde, wenn sie sich in eine politische Diskussion einlassen würde. Dass sie es erlauben würde, vom derzeit herrschenden Übergewicht der arabischen Staaten im UNESCO-Gremium bis zur Selbstzerstörung vereinnahmt zu werden. Und, dass sie ganz bewusst internationale Meinungsverschiedenheiten kreieren, indem sie eine Resolution verabschieden, die direkt eines ihrer selbst festgeschriebenen Ziele verletzt. Enttäuschend ist, dass die UNESCO ihre selbstgewählte Objektivität aufgibt und in den politischen Sumpf hineingerät.

Und was ebenfalls enttäuschend ist, ist die inhaltlich schwache, doch gleichzeitig pedantische und umständliche Antwort der Israelis auf diese Resolution.

Wie der Name sagt, die UNESCO steht im Dienst von wissenschaftlichen, kulturellen und pädagogischen Belangen. Ihre Aufgabe ist es eher Brücken zwischen unterschiedlichen Ansätzen zu stärken, „zum Frieden und zur Sicherheit beizutragen, indem die internationale Zusammenarbeit der Regionen gefördert werden soll, als neue Brücken zu bauen”. Darüber hinaus ist unter anderem ihre Aufgabe, die kulturelle Vielfalt zu fördern, Weltliteratur zu übersetzen und internationale Vereinbarungen zur Sicherheit von Weltkulturerbe und Weltnaturerbe zu sichern. (World Heritage Sites)

Unmittelbar nach der Abstimmung kritisierte der israelische Botschafter der UNESCO die Haltung des Komitees in durchaus vorhersehbarerer Weise: „Sie haben eine Resolution gegen die historische Wahrheit verabschiedet, die alles historisch Bekannte ablehnt, ohne sie noch einmal zu verifizieren.” Weil sich jedoch die Resolution ausschliesslich mit Gebetsplätzen von Muslims beschäftigt, sahen die Muslims die Sprache als durchaus adäquat an und somit keine Notwendigkeit einer Änderung.

Es muss nicht erwähnt werden, dass die palästinensische Antwort den derzeitigen Zustand reflektiert und historische und/oder kulturelle Verbindungen zu diesem Ort völlig ausser Acht lässt. Auf den Punkt gebracht: Sie reflektiert im Kern eine aktuelle Momentaufnahme, die die Vergangenheit und eine mögliche Zukunft respektlos ignoriert. Allein die Sprache kann polarisieren. Genau das ist hier geschehen. Die Tatsache, dass der zur Diskussion stehende Ort muslimische Gebetsplätze umfasst, macht die Diskussion nicht einfacher.

Zu behaupten, dass diese Tatsache den speziellen Gebrauch der Sprache rechtfertigt, ist natürlich ein unhaltbares Argument. Zahlreiche Juden und Christen würden den Tempelberg gerne als Gebetsstätte nutzen, wie es vor Hunderten von Jahren möglich war.

The Economist erklärt in seinem Artikel „The trouble at Temple Mount“ vom 17. Nov. 2014 :” Schliesslich impliziert das Recht zu beten das Recht des Eigentümers.“ Aber vielleicht hat The Economist hier unrecht; vielleicht impliziert das Recht des Eigentümers das Recht zu beten – und deshalb sind die Palästinenser so entschlossen, ein Scheinbild von Eigentum zu schaffen – um ihr Recht, an ihrem drittheiligsten Ort zu beten zu bekräftigen – und dabei gleichzeitig den Juden das Recht, an ihrem heiligsten Ort zu beten zu verweigern.

Trotzdem, es ist wirklich besorgniserregend, dass die wissenschaftlichen und kulturellen Standbeine der Organisation entfernt wurden. Wenn man sich im Entscheidungsprozess befindet, auf welche Weise man die Orte beschreiben soll, wäre es da nicht wichtig gewesen, mit in den Prozess hinein zu beziehen, wie Wissenschaftler und Kulturschaffende sie beschreiben und sehen? Bevor ein Land sich dabei festlegt, hätten sie nicht erforschen sollen, wie ihre eignen Koryphäen und Helden den Ort von einem historischen Blickwinkel heraussahen? So gesehen gehören die Orte des Weltkulturerbes zum Aufgabengebiet der Organisation. Das Weltkulturerbe Tempelberg ist ein Hinweis darauf, wie die Sprache dieser Resolution hätte sein sollen?

Was hätten grossartige Wissenschaftler und Kulturschaffende möglicherweise dazu gesagt? Ohne Frage, Albert Einstein (war auf Einladung des damaligen Präsidenten in Israel, gilt als einer der Mitbegründer der Hebrew University in Jerusalem, der er seine gesammelten Schriften vermachte) und Aaron Aaronson (der Entdecker des Urweizens) wären geschockt. Beide waren glühende Zionisten, beide förderten die Gründung des Jüdischen Staates mit Jerusalem als seiner Hauptstadt. Selbstverständlich, beide, Einstein und Aaronson waren jüdisch und voreingenommen. Ihre Gefühle in dieser Frage wurden abgelehnt. (Das ist ein anti-semitischer Kommentar, kann sein, aber andererseits, ist nicht Antisemitismus die Wurzel des Konfliktes?)

Also schauen wir doch einige „unvoreingenommene“ Kulturschaffende und herausragende Wissenschaftler an, wie sie sich in der Geschichte gezeigt haben, und arbeiten ihre Ansicht zum Thema „Tempelberg“ heraus. Halten wir fest, dass Tempelarbeit, Grundlagen und Hintergründe der Freimaurer sich aus Hochachtung vor dem Tempel Salomons auf dem Tempelberg so gestaltet haben, wie sie sind. Ohne jedes arabische Wort.

Lasst uns untersuchen, wer die Treuepflicht zur Freimaurerei gelobte und deren Grundsätze aus Respekt vor dem Tempel Salomons, der auf dem Tempelberg gebaut wurde, akzeptierte. Tatsächlich sind zahlreiche Staaten, die der Resolution zugestimmt haben, oder sich der Stimme enthielten, stolz auf ihre Berühmtheiten, auch wenn sie Freimaurer sind. (Die Freimaurerei betont den metaphorischen Tempel Salomons und konzentriert sich auf die symbolischen Aspekte seiner physischen Konstruktion. Diese basiert auf biblischen Quellen, Lehren der Templer aus der Zeit um 1446 CE und kabbalistischen Schriften.)

Araber muslimischen Glaubens, die Freimaurer waren:

  • Abdelkader El Djezairi(1808–1883) Algerisch islamischer Gelehrter
  • Abd al-Qadir al-Jazairi (1808-1883), Emir von Mascara in Algerien,

(Algerien stimmte für die Resolution)

  • Sayyid Jamal al-Din al-Afghani aus Egypt.
  • Muhammad ‘Abduh and Shaykh Abdullah Quilliam, der Grand Mufti von Ägypten

(Ägypten stimmte für die Resolution).

  • Sayyid Jamal ad-Din al-Afghani, Gründervater der Panislamischen anti-kolonialen Politik
  • Habibullah Khan, Emir von Afghanistan,
  • Süleyman Demirel, Präsident der Türkei.

 

Kulturschaffende Freimaurer: Nat King Cole, Cecil B. DeMille, Arthur Conan DoyleDuke Ellington, Clark Gable, Mozart, Gilbert und Sullivan, Goethe, Burl Ives, Al Jolson, Rudyard Kipling, Franz Liszt, Willie Mays, ,Felix Mendelssohn, Richard Pryor, Sugar Ray Robinson, Oscar Wilde, Mark Twain, Gustave Eiffel, Sir Walter Scott, John Steinbeck,

Politiker: Winston Churchill; Práxedes Mateo Sagasta (1825–1903), Premier Minister von Spanien (Spanien enthielt sich); Antonio López de Santa Anna, mexikanischer General und Präsident; (Mexiko stimmte für die Resolution).

 Philosophen: Marquis de Condorcet, Mathematiker und Philosoph; Denis Diderot. Voltaire. Drei der grössten neuzeitlichen Philosophen waren Franzosen, trotzdem enthielt sich Frankreich.

 Freiheitskämpfer und Kämpfer für das Menschenrecht: Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes; Lafayette; Madame de Xaintrailles, Heldin der Französischen Revolution. Drei der grössten Freiheitskämpfer waren Franzosen, wie bereits geschrieben, Frankreich enthielt sich.

Wissenschaftler: Enrico Fermi, Gewinner des Nobel Preises Physik, Alexander Fleming, Edward Jenner, Benjamin Franklin, Washington­ und Christopher Wren.

 

Die amerikanische Erfahrung mit Freimaurerei

Die amerikanische Assoziation mit Freimaurerei (Die USA stimmten gegen die Resolution) erklärt sich selbst durch die elf Präsidenten, die Freimaurer waren.

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Franklins Vorschlag für die Gestaltung der Rückseite des Staatswappens der USA

George Washington (Präsident), John Jay (erster Chefrichter am Obergericht), Thurgood Marshall (Richter am Obergericht), Jesse Jackson, John Hancock und Paul Revere waren Freimaurer. Benjamin Franklin, ebenfalls Freimaurer, war fraglos einer der angesehensten Wissenschaftler seiner Zeit. Seine Verbindung zwischen Wissenschaft und Diplomatie wurde erst lange nach seinem Tod gewürdigt und weiter ausgearbeitet. Franklins Vorschlag, auf der Rückseite des US-Staatswappens den Auszug der Hebräer aus Ägypten zu verbildlichen wurde letztendlich abgelehnt.

 

Diese grossartigen Menschen wären erschrocken, hätte sie erleben müssen, wie die Beziehung zwischen dem Tempelberg und seinen jüdischen Wurzeln durch die rein arabisch sprachliche Beschreibung des Ortes ausgelöscht hätten werden sollen.

Jedoch die Verbindung zwischen Kultur und Wissenschaft und dem Tempelberg ist viel klarer und geht viel tiefer. Salomons Tempel und die jüdischen Verbindungen zu Jerusalem waren ein begehrtes Thema bei prominenten Künstlern. Die UNESCO lehnt nicht nur die jüdischen Verbindungen zu diesem Ort ab, sondern auch die kulturelle Verbindung, die durchgehend in unserem künstlerischen Erbe vorhanden ist.

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Die künstlerische Gemeinschaft hält an den jüdischen Verbindungen zum Tempel und zu Jerusalem fest. Der von Rubens festgehaltene Moment, als Abraham in Salem von Melchizedek wie in der Genesis beschrieben wird, begrüsst wird, weist Melchizedek als König von Salem aus. Zahlreiche Textstellen belegen, dass Salem später in Jerusalem umbenannt wurde. Ob dies in Zusammenhang mit dem Opfer Abrahams an seinem Sohn Jitzhak steht, ist nicht eindeutig belegt. Ja, Abraham ist der Vater von beiden Traditionen, den Jüdischen und den Muslimischen, wäre das nicht ein Grund gewesen, darüber vor der Verabschiedung der Resolution nachzudenken?

 

Die Sichtweise der wissenschaftlichen Koryphäen

Was sagt die wissenschaftliche Gemeinschaft zu diesem Thema? Was ist ihre Ansicht? Mindestens fünf unserer grossartigsten Wissenschaftler waren Freimaurer. Selbst wenn wir hier die Ansichten Albert Einsteins, anerkanntermassen der grossartigste Wissenschaftler aller Zeiten gerade wegen seiner jüdischen Wurzeln ignorieren, was ist dann mit dem zweiten Kandidaten für den Titel „Grösster Wissenschaftler aller Zeiten“ Sir Isaac Newton?

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Newtons Meinung zum Tempelberg, sowohl was die Vergangenheit angeht, aber auch seine Visionen für die Zukunft waren, sind gut dokumentiert. Seine Beschreibung vom Tempel Salomons basiert auf dem Buch des Propheten Ezekiel. In „Chronologie des antiken Königreiches Amended“ (London 1828) widmet Newton dem Tempelberg ein Kapitel und einige Diagramme. Newton war überzeugt, dass König Salomon den Tempel mit von Gott privilegierten Augen und mit göttlicher Führung geplant hatte. Der grandiose Entwurf stelle einen ausgezeichneten mathematischen Plan dar und lieferte gleichzeitig einen Zeitrahmen für die Chronologie der hebräischen Geschichte.

Kelly J. Whitmer beschrieb, dass es zumindest drei grosse hölzerne Modelle des Salomon-Tempels gab, die zwischen 1660 und 1730 verschiedenen Orte Nordeuropas ausgestellt wurden. Unter diesen Städten waren: Hamburg, Amsterdam, London, Halle – Fakten, die die UNO-Resolution völlig verschweigt.

Bezogen auf die derzeitige Ausstellung am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte mit dem Titel“ Die Modelle des Tempels Salomon als wissenschaftliche Objekte ist die UNESCO-Resolution eine Beleidigung eines wichtigen und respektierliche Institution.

In ihrer Bemühung, sich den politischen Muskelspielen seiner Mitglieder zu beugen hat die UNESCO ihre Wurzeln verlassen und ihre Ikonen verletzt. Sie machten die Geschichte der Wissenschaft und des Weltkulturerbes lächerlich.

Hier ist mehr in Gefahr, als die simple Bestätigung der jüdischen Leidensgeschichte und ihren Anspruch auf ihre heiligsten Orte. Hier gibt es die Pflicht, die ewige Wahrheit zu reflektieren, eine Wahrheit die sich durch die Jahre, durch die Geschichte zeigt und sich nicht den jeweiligen Launen von sturen und umbarmherzigen Politikern zu beugen.

 

© Barbara Pfeffer – Billauer

© Übersetzung esther scheiner, israel

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Das Lügengebilde der PA: Ein palästinensischer Terrorist entspräche einem Israel Soldaten? Lügen, nichts als Lügen!

Der nachfolgende Brief wurde am 2. Mai 2017, vor dem bevorstehenden Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Abbas in Washington von Shurat HaDin verschickt. Der Adressat, Stabschef Reince Priebus, hat das Schreiben offensichtlich auch an Präsident Trump weitergeleitet, der das Thema während des Treffens auch kurz ansprach. Den nachfolgenden Text habe ich mit Bewilligung von Shurat HaDin übersetzt.

      

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Nitsana Darshan-Leiter

             

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Robert Tolchin (r) mit Mika Lakin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Betreff: Treffen zwischen Präsident Trump und dem PA Präsidenten Mahmoud Abbas         – Fördergelder für Terroristen

Sehr geehrter Herr Priebus,

Wir sind Rechtsanwälte von amerikanischen Bürgern, die von palästinensischen Terroristen in Israel während der aktuellen Welle von Gewalt ermordet wurden. Unter unseren Klienten befindet sich die Familie von Taylor Force, einem West Point Absolventen und Veteran der Armee, der in Tel Aviv im März 2016 während eines Besuches der Universität ermordet wurde. Wir vertreten auch die Familie von Hallel Yaffa Ariel, einer 13 jährigen US Bürgerin, die im Juli 2016 während sie schlief in ihrem Bett erstochen wurde. Und wir repräsentieren die Familie von Richard Lakin, einem 76 jährigen pensionierten Lehrer und Friedensaktivisten aus Connecticut, der während einer Busfahrt in Jerusalem im Oktober 2015 erstochen wurde.

Wir schreiben dies anlässlich des bevorstehenden Treffens zwischen Präsident Trump und dem PA Präsidenten Mahmoud Abbas. Wir bitten Präsident Trump, während des Treffens auch das Thema der fortlaufend von der PA gezahlten Fördergelder für rechtskräftig verurteilte Terroristen und für die Familien von während des Terroranschlages getöteten Terroristen anzusprechen. Die Zahlungen werden auch im Fall von Selbstmordbombern geleistet,

Die Zahlungen bedeuten einen wirtschaftlichen Anreiz für weitere Terrorakte und belohnen für bereits ausgeführte Terroranschläge. Präsident Trump sollte darauf bestehen, dass diese Fördergelder sofort eingestellt werden. Monat für Monat zahlt die PA diese Fördergelder für inhaftierte Mörder von unschuldigen Zivilisten.

Sollte der Terrorist im Laufe des Anschlages getötet werden, so wird von der PA ein ähnlicher Betrag für seine Familien bereitgestellt.

Die Höhe der Unterstützung wird in Relation zur Zahl der Haftjahre berechnet. Das bedeutet: Die grausamsten und gewaltsamsten Kriminellen erhalten das meiste Geld.

Bashar Masalha, der Terrorist, der Taylor Force ermordete, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und erhält eine entsprechende Unterstützung.

Mohammad Trayara, der Verbrecher, der Hallel Yaffa Ariel im Schlaf erstach, wurde im Zuge des Terrors getötet. Seine Familie erhält in seinem Namen die Gelder.

Balal Abu Gaanam, der Terrorist, der den 76 jährigen Robert Lakin erstach, sitzt eine dreimal lebenslange Haftstrafe ab und erhält seine Fördergelder von der PA.

Die offizielle Politik der PA, denjenigen, die unschuldige Opfer zum Ziel ihrer Anschläge gemacht haben, Geld und nicht finanzielle Belohnungen als Anerkennung zur Verfügung zu stellen, löst bei unseren Klienten unsagbaren Schmerz, Frustration und Zorn aus. Die Tatsache, dass diese Mörder von der palästinensischen Gesellschaft glorifiziert und verehrt werden, verstärkt den Schmerz und das Leiden, das der bittere Verlust eines geliebten Menschen in ihnen ausgelöst hat.

Diese Zahlungen sind eine deutliche Nachricht für die Terroristen und ihre Familien, dass sie durch die PA Regierung und das palästinensische Volk geehrt werden und eine hohe Wertschätzung erfahren. Junge Palästinenser werden darin bestärkt, in den Terroristen Helden zu sehen und ihr Verhalten nachzuahmen.

Keine zivilisierte Nation sollte Unterstützungsgelder an verabscheuungswürdige Kriminelle zahlen, die in voller Absicht unschuldige Opfer, inklusive schlafender Kinder angreifen.

Tatsächlich sind die USA der grösste ausländische Geldgeber der PA. Diese Entwicklungshilfe aus den USA ermöglicht es, dass andere Gelder der PA freigestellt werden, um diese Terroristen zu unterstützen. Weil Geld austauschbar ist, finanziert diese amerikanische Entwicklungshilfe unmittelbar die Unterstützung der Terroristen. Wir halten fest, dass die Unterstützung von Terroristen den Prinzipien von Präsident Trump ganz und gar nicht entspricht.

Herr Abbas hat öffentlich verlautbaren lassen, dass er die Absicht hat, das Thema der palästinensischen Staatsgründung mit Präsident Trump zu diskutieren. Unsere Klienten empfinden eine solche Anfrage unpassend, besonders, weil sie von einem politischen Führer kommt, der in aller Offenheit Terrorismus unterstützt. Und der die Verursacher dieser abscheulichen Terrorakte verherrlicht und auszeichnet und so die Gesetze völlig missachtet.

Im Namen unserer Kunden bitten wir mit allem Respekt, dass Präsident Trump von Herrn Abbas das sofortige Ende der Unterstützungsgelder für Terroristen fordert.

 

Hochachtungsvoll

 

Robert J. Tolchin, Esq.

United States Counsel to Shurat HaDin-Israel

Law Center

 

Nitsana Darshan-Leitner, Adv.

President

Shurat HaDin-Israel Law Center

 

 Während das Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Abbas hinter für die Presse geschlossenen Türen weiterging, gab der Pressesprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer folgende Erklärung ab:

„Beide (Trump und Abbas) haben gerade ihre eigenen Aussagen gemacht. Ich möchte Ihnen einige zusätzliche Details geben, über welche Themen diskutiert wurde. Beschleunigung des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses; vorbeugende Massnahmen, um weitere Gewalt zu verhindern; Terrorbekämpfung, inklusive das Schwächen von ISIS; Massnahmen, um die palästinensische Wirtschaft und die bessere Integration der Palästinenser innerhalb der Wirtschaft zu fördern. Zusätzlich äusserte der Präsident (Trump) seine Bedenken über die Zahlungen, die an palästinensische Gefangene und deren Familien geleistet werden. Diese Häftlinge, die in israelischen Gefängnissen ihre Strafe absitzen, haben Terrorakte begangen. Dieses Thema muss, so hob der Präsident hervor, unbedingt gelöst werden.“

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Nabil Shaat

Die Antwort der PA liess nicht lange auf sich warten und war eigentlich erwartungsgemäss. Einer der in edles Grau gewandeten offiziellen Vertreter der PA, Nabil Shaat (im Range eines Beraters als Aussenminister) meldete sich unmittelbar nach dem Treffen zu Wort.

Er wies die Forderung der Amerikaner, die Zahlungen an inhaftierte palästinensische Terroristen, resp. an deren Familien zu stoppen als „verrückt“ ab und bezeichnete die Gelder als Sozialleistungen. Das Vorbringen dieser Forderung sei nichts anderes als „ein speziell erarbeitetes Vorgehen, um jede potenzielle Erneuerung der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche unter amerikanischer Führung bereits im Vorfeld zu torpedieren.“

Für ihn sind die einsitzenden Palästinenser nichts anderes als Opfer der israelischen Besatzung der Westbank.

„Es ist absurd zu verlangen, dass wir die Zahlungen an die Familien der Häftlinge einstellen. Das ist so, als würde man Israel bitten, seine Soldaten nicht mehr zu bezahlen.“

Für PM Benjamin Netanyahu stellen die Zahlungen an inhaftierte Terroristen durch die PA ein Haupthindernis für den Frieden dar. Am Dienstag hatten drei republikanische Senatoren Präsident Trump dringend aufgefordert, Präsident Abbas bei ihrem Treffen auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

Während der Presskonferenz befleissigte man sich schöner Worte, wie bei solchen Anlässen üblich.

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Trump: „Ein stabiler Frieden wird erst möglich sein, wenn die palästinensischen Führer sich einstimmig gegen Aufruf zu Gewalt und Hass aussprechen.“

Abbas: Wir erziehen unsere Jugend, unsere Kinder und Enkelkinder zu einer Kultur des Friedens.“

Derweil verbreitete Ahmad Majdalan, einer von Abbas’ Beratern im Israel Radio, dass „im Mai 2014 Netanyahus’ Chefunterhändler Yitzchak Molcho, der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat und der amerikanische Aussenminister John Kerry ein Dokument unterschrieben haben, das es den Palästinensern erlaubt, Gehälter an die Familien der Inhaftierten zu bezahlen. Diese Gelder sollten aus einem PLO-Fond gezahlt werden und nicht mehr mit den Geldern der PA finanziert werden.“

Dieser unglaublichen Aussage, die, wenn der Vertrag denn jemals existiert hätte, zu einem politischen Erdbeben in Israel und den USA geführt hätte, folgte unmittelbar darauf eine Erklärung aus dem Büro von PM Netanyahu: „Dies ist eine weitere palästinensische Erfindung, die jeder Grundlage entbehrt und die nur dazu dient, von der Diskussion abzulenken, die das Ziel hat, die Zahlungen der PA an Terroristen einzustellen.“

 

Weitere Informationen und Originaldokumente zu den Zahlungen gibt es in meinem Beitrag vom 18. Dezember 2015

©esther scheiner, israel

 

 

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Petra – ein Fels in der antiisraelischen Brandung

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Mittwoch, 30. Juli 1997, 13 Uhr 15, Jerusalem. Petra wacht auf der „falschen“ Strassenseite gegenüber des Machane Yehuda Marktes auf.  Für den Abend hat sie Gäste aus Kanada erwartet, wollte in einer Arbeitspause schnell noch frisches Obst und Gemüse einkaufen. Und wurde beim Doppelanschlag zweier Hamas Terroristen schwer verletzt. 16 Menschen starben beim Anschlag, 168 wurden verletzt. Ihre schweren Wunden an Armen, Händen und im Gesicht sind verheilt. Dank eiserner Disziplin und guter medizinischer Betreuung konnte sie sich innerhalb von fünf langen Jahren zurückkämpfen ins Leben.

1951 war Berlin physisch noch ungeteilt. Die Bundesrepublik existierte seit dem 2. Mai 1949, die DDR ab dem 7. Oktober desselben Jahres. Bis zur endgültigen Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten mit ihren umfassenden Sperranlagen war ein Überqueren der Grenze in beide Richtungen noch möglich.

Westberlin leckte noch immer seine Wunden. Der Heilungsprozess lief nur langsam an. Zuerst konnte man die Veränderungen in der Innenstadt spüren und langsam zeigte sich die zunehmende Normalisierung auch in den Aussenbezirken. In der DDR fanden im August 1951 bereits wieder die „Weltjugendfestspiele“ statt. Ernst Honecker eröffnet die Spiele und beschreibt sie als das, was sie entsprechend präsentiert sein werden: Propagandaspiele der Sowjetunion. „Es lebe der Führer und Bannerträger des Friedens in der Welt, der Lehrmeister der Jugend aller Länder, unser geliebter Josef Stalin.

Der Stadtteil Charlottenburg, seit 1920 eingemeindet, umfasst die beliebten Quartiere rund um die Ruine der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Kudamm, Bahnhof Zoo, Messegelände und das heute quirligen Gebiet rund um die Kantstrasse. Auch das Jüdische Leben fand im Dreieck zwischen der Fasanenstrasse, Joachimstalerstrasse und Pestalozzistrasse statt.

In dieser Stadt des Aufbruchs wurde im Jahr 1951 Petra Heldt geboren und legt dort im Jahr 1971 ihre Matura ab.  

Es war die Zeit der 68er Studentenunruhen, die über nahezu ganz Europa hinwegfegte. Ein Aufbegehren gegen das Establishment, gegen das verzopfte Relikt der Weimarer Republik. Aber auch gegen die Verharmlosung der Schuldfrage der Elterngeneration während der NS Zeit. Petra ist sich nicht sicher, ob sie von diesen Umstürzen beeinflusst wurde. „Ob ich allerdings meinen Bakunin ausserhalb dieser Zeit gelesen hätte, ich weiss es nicht.“

Auch die Kirchen begannen sich, ausgehend von Lateinamerika zögerlich neu zu orientieren.  Unter Inkaufnahme der Kritik an herrschenden Kirchenhierarchien rückte der Fokus der Befreiungstheologie die Situation der unterdrückten Bevölkerung in den Vordergrund der Exegese. Es kam zu Kirchenausschlüssen und Predigtverboten.  Nicht selten nahmen im Zuge des Umbruches Priester auch politische Ämter ein, um die Forderungen der mündig werdenden Menschen gegenüber Diktaturen und Klerus zu stärken.

UnknownOffenbar war der kritische Zeitgeist für die junge intellektuelle Frau so anregend, dass sie sich während des Studiums die Zeit nahm, die sie brauchte, um ihren Weg und ihr eigentliches Ziel zu finden.  Sie nahm sich Zeit, ihr Wissen zu erweitern. Vielleicht war nicht immer gleich nachvollziehbar, wie sie dieses in ihr Ziel einarbeiten würde. Worin besteht der praktische Nutzen, die Keilschriften der Sumerer entziffern zu können? Worin der des Aramäischen oder dessen Vorgänger, dem Akkadischen? Aramäisch war im historischen Palästina die Alltagssprache und findet sich in den Schriften des Talmud und des Midrasch, sowie in einigen heute gebräuchlichen Gebeten des Judentums.

Ihre Studien führten sie an die Universitäten von Berlin und Heidelberg (vergleichende Religionswissenschaften und Sprachen des Altertums im levantinischen Raum), Amsterdam und schliesslich an die Hebrew University in Jerusalem.

Petra sah ihren Weg nicht in einer Position als Gemeinde- oder Schulpastorin. Sie sah von Beginn der Studien an ihren Weg in der Forschung. Die Ordination zur evangelischen Pastorin stand nie zur Diskussion. Ob es daran lag, dass eine ordinierte Pastorin, die gleichzeitig auch Forscherin war, besser in das Bild der offiziellen Kirche passte, als das einer, die sich der Forschung verschrieben, und sich damit ihre Autonomie erhalten hatte? 1985 beugt sie sich und wird in Berlin ordiniert.

Bereits seit 1979 lebt Petra in Israel. Sie studiert Talmud und Midrasch mit einem der damals bedeutenden deutschsprachigen Rabbiner, Tovia Ben Chorin, und lernt durch ihn zahlreiche Alltagsschriften, wie Siddur (Gebetbuch für den Alltag) und Machsor (Gebetbuch für die jüdischen Hohen Feiertage) kennen.

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In dieser Zeit lernt sie auch ihren Ehemann, Malcom Lowe kennen.  Malcom untersuchte damals gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund David Flusser die „synoptische Problematik“ der drei frühen Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas. In diesem Bereich der Religions- und Bibelwissenschaft geht es darum zu erforschen, welches der drei Evangelien in welchem Ausmass als Quelle für die beiden anderen genutzt worden ist. Frühchristliche schriftliche Umformulierungen, Neuanordnungen und Änderungen in der Gewichtung lassen die dahinterliegende mündliche tradierte Geschichte nur mehr verschwommen auftauchen. Sie wieder freizulegen ist spannend und wirft ein ganz neues Bild auf das frühe Christentum.

1980 legte Petra ihre Masterarbeit an der Kirchlichen Hochschule in Berlin vor. Der Titel lautete: The Reading of “ Ani” we “Ebion” in the Writings of Qumran. Beide Begriffe tauchen mehrfach in den Fragmenten der Qumran Rollen auf und werden oft synonym in der Bedeutung von „arm“ (im Sinne von erbärmlich, nicht im materiellen Sinne) gebraucht. Die Judenchristen um 100 CE gaben sich selbst den Namen „Ebioniten“, um sich von den „Nazarenern“ abzugrenzen. Zunächst durchaus als stolze Beschreibung der Gruppe gedacht, geriet der Name immer mehr in Verruf. Der Bezug zu Jesus, der zu den Armen eine ganz besondere Beziehung hatte trat in den Hintergrund. Sie wurden von ihrem Umfeld mindestens kritisch beobachtet. Obwohl sie sich selber als Juden betrachteten, akzeptierten die Juden sie nicht. Sie sahen in Jesus den Messias und lehnten die Tieropfer, die bis zum Ende der Tempelzeit an der Tagesordnung waren, ab. Die Christen nicht jüdischen Ursprunges lehnten sie ab, weil sie gegen das Missionswerk von Paulus waren und den Sühnetod Christi nicht als solchen anerkannten. Das Abendmahl, zentraler Punkt der christlichen Theologie geriet zu einer Erinnerungsfeier an Jesu.

Im Jahr 2002 erwarb sie ihr PhD an der Hebrew University in Jerusalem nach Vorlage der Arbeit: The Reading of the Epistle of Paul to the Galatians 4, 21-31 in the Writings of the Early Church. A Study in Patristic Exegesis. Dass Petra dieses Thema gewählt hat, ist auf dem Hintergrund ihrer Masterarbeit nicht verwunderlich.  Einer ihrer Forschungsschwerpunkte war der Einfluss der Juden auf das frühe Christentum. Eine der massgeblichen Personen dieser Zeit war Paulus, der auf seinen Reisen intensiv missionierte und versuchte, die Beeinflussung durch judenchristliche Missionare in dieser Region zu revidieren. In seinen Briefen betont er, dass die christliche Erlösung nur durch das Sühneopfer Jesu erlangt werden kann und stellte sich damit gegen anderslautenden Tendenzen in der frühen christlichen Gemeinde.

Man muss Petras’ professionellen Hintergrund zumindest in einigen Punkten andenken, wenn man begreifen will, was ihre Bestrebungen heute und für die Zukunft sind.

Seit 38 Jahren lebt sie mit ihrem Mann Malcom in Jerusalem. Das ist mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Lebenszeit. Die beiden leben nicht in Ostjerusalem, so wie es vom Mainstream erwartet würde, sondern mitten im alten Jerusalem. Arnona, 1938 gegründet ist einer der südlichen Stadtteile. 1967 verlief die Kriegsfront mitten durch das Gebiet, das daraufhin kurzfristig aufgegeben werden musste. Das heutige Arnona ist auf dem besten Weg, einer der „gefragteren“ Vororte Jerusalems zu werden, die Luft ist hier, am höchsten Punkt der Stadt einfach ein bisschen besser, der Blick bis hinunter zum Toten Meer einfach unschlagbar. Irgendwo mittendrin wird immer noch ein grosser Bauplatz freigehalten, da soll einmal die US Amerikanische Botschaft entstehen, so ist es geplant.

Die Nachbarschaft ist gemischt, Orthodoxe und Säkulare leben in den klassischen 80er Jahre Gebäuden. Niemand stört sich, wenn Petra Klavier spielt oder „so laut singt, dass die Wände wackeln“. Die Wohnung ist der charmante Rückzugsort zweier liebenswerter Wissenschaftler. Überall stehen Bücher, die Regale sind oft von zwei Seiten begehbar. Erbauliche Literatur sucht man vergebens. Malcom sucht ein bestimmtes Buch und hat es mit einem Griff gefunden. Aber die Bücher erschlagen einen nicht, im Gegenteil, sie locken und laden ein zum Stöbern, wozu leider keine Zeit bleibt.

Petra will keinen Blick auf die Vergangenheit werfen, „die ist völlig unwichtig“. Ihr Blick geht nach vorne.

Sie sieht ihre Aufgabe darin, falsche Bilder von Israel, die in den Köpfen von jungen, noch leicht manipulierbaren Menschen ver-rückt, wurden, wieder gerade zu rücken. Die alten Verzahnungen zwischen der christlichen und der jüdischen Religionskultur wieder sichtbar zu machen. Diese werden auch dadurch aufgeweicht, dass offizielle christliche Besucher Israel gar nicht oder nur noch marginal auf ihrem Besuchsprogramm finden. Diese Besuche finden heute fast ausschliesslich in Yehuda und Samaria statt. Einer der gefährlichsten Brunnenvergifter ist der arabische Pastor Mitri Raheb, der die jüdischen Wurzeln Jesu’ verleugnet. Seine Aktivitäten sind strikt anti-israelisch und anti-jüdisch. Trotzdem gelingt es ihm immer wieder, Besucher jeglicher couleur von der Richtigkeit seiner Ansichten zu überzeugen. Auch hier bedarf es der korrigierenden Betreuung, sofern die Besucher ihren Weg doch noch nach Israel machen.

Petra ist unermüdlich unterwegs, bei Vortragsreisen, Schulungen, Diskussionen und natürlich mit ihren Publikationen. Israel darf, dass ist ihr Seelenwunsch, nie zu einem islamisch geprägten Terrorstaat werden. Die letzten Entscheidungen der UNESCO, Israel jeden Zusammenhang mit dem Tempelberg in Jerusalem abzusprechen sind ein Schritt in die falsche Richtung. Ebenso die Anerkennung historischer Orte der jüdischen Geschichte als „präpalästinensisch“ oder gar „palästinensisch“.

„Antisemitismus als Antiisraelismus“, so Petras’ düstere Voraussicht „wächst derzeit krakenartig und, wie jede Generation, so muss auch diese dem antibiblischen Geist Einhalt gebieten.  Jüdische und christliche Stimmen warnen vor dem islamistischen Aufruf, Israel zu zerstören. Die Shoah ist die ultimative Verpflichtung, Leben zu schützen. Wo Kirchenleitungen versagen, müssen einzelne Christen in die Bresche springen.“

Eine Aufgabe die viel Kraft braucht. Vor allem, weil die offizielle Kirchenmeinung nicht allem zustimmen mag.

csm_78806_78824_01_58c49dfe49Freitag, 14. April 2017, 12 Uhr 45, Jerusalem. Die Juden feiern Pessach, die Christen begehen den Karfreitag. Jerusalem erwartet an diesem Wochenende mehr als 150.000 Besucher. Hannah Bladon, Austauschstudentin aus Birmingham, steht kurz vor dem Ende ihrer Zeit in Jerusalem. Sie überlässt im vollbesetzten Tram ihren Platz einer Schwangeren. Neben ihr steht ihr Mörder. Hannah überlebt den Terroranschlag nicht.

Der Anschlag auf das eigene Leben im Jahr 1997 löste in Petra kein Trauma aus. Der Anschlag vom Karfreitag jedoch hat sie zutiefst erschüttert: Hannah war ihre Studentin.

„Hannah war eine von den wenigen Studenten, zu denen ich ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut habe. Das, was sie am Ende ihres Lebens getan hat, indem sie den Platz mit einer schwangeren Frau getauscht hat, ja, das war sie, immer hilfsbereit. Ihr Tod trifft mich so sehr, ich kann es noch gar nicht richtig glauben.“

Und trotzdem, Petras’ Blick geht nicht nach hinten, er geht in die Zukunft. Dahin, wo sie ihre Aufgabe sieht.

 

Links:

https://de.gatestoneinstitute.org/author/Malcolm+Lowe

http://www.jweekly.com/2005/12/23/pastor-argues-for-separation-of-church-and-hate-in-israel/

http://www.berliner-zeitung.de/46jaehrige-berliner-pastorin-bei-bombenanschlag-in-jerusalem-verletzt–israel-war-ihr-lebenstraum–16286474

http://www.etrfi.org/about-us.html

http://donatus-brand.kibac.de/nachrichtenansicht?id=2546813c-2a27-49fe-ae9b-de49b338a57c&view=detail

http://www.kath.net/news/58134

http://www.kasseler-sonntagsblatt.de/index.php/aktuelles/400

http://www.jpost.com/Diaspora/German-state-head-gives-BDS-Bethlehem-hate-preacher-nearly-32000-488053

https://www.breakingisraelnews.com/86578/palestinian-terrorist-kills-british-christian-woman-jerusalem-video/#BH0uTDquEp7SO2dS.97

https://de.wikipedia.org/wiki/Befreiungstheologie

http://blog.camera.org/archives/2012/04/malcom_lowe_on_mitri_rahebs_tr_1.html

https://books.google.co.il/books?id=a_kKgpyzc8UC&pg=PA213&lpg=PA213&dq=david+flusser+%2B+malcom+lowe&source=bl&ots=LC65IzNdP9&sig=TKtuHn2_7EgbplSjwOCfmwLjfKw&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjKiPugqrjTAhUSJ1AKHaW0BjoQ6AEIIzAA#v=onepage&q=david%20flusser%20%2B%20malcom%20lowe&f=false

 

© esther scheiner, israel

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Mimouna – der Pessach Abschluss der anderen Art

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Während mindestens acht Tagen haben wir Mazzot gegessen und auf alles verzichtet, was auch nur im entferntesten den Verdacht auslösen könnte, gären zu können.

Nichts was aus den Getreidearten Weizen, Gerste, Buchweizen, Hafer und Roggen hergestellt wird hat sich im Haus befunden. Dazu gehören natürlich auch Bier und Whisky. Des Weiteren haben wir auf Hülsenfrüchte verzichtet, also waren Bohnen, Erbsen, Reis, Mais, Kichererbsen, Linsen vom Speisezettel gestrichen. Über den Reis kann man streiten. Er ist kein Getreide, sondern eine Grassorte. Mais gehört im Prinzip auch nicht dazu. Ganz sicher aber gehören Erdnüsse zu den zu streichenden Lebensmitteln, sie gehören zu den Hülsenfrüchten.

An Pessach lesen wir am ersten Abend, dem Sederabend, die Geschichte des Exodus der Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten. Wir sollen uns so kleiden, dass wir sofort nach dem Essen reisebereit sind.

Bereits während der Lesung wird Wein getrunken und Mazze gegessen, Höhepunkt ist dabei das „Hillel Sandwich“. Hierzu wird eine Mazza mit Charosset, einer Mischung aus Datteln, Aepfeln, Nüssen, Honig, Zimt bestrichen und zusammengeklappt. Das Rezept variiert von Familie zu Familie. Eines ist aber allen gemeinsam. Das Buch, die Haggada, aus dem gelesen wird, weist genau an dieser Stelle Gebrauchsspuren auf, Überreste des Hillel Sandwiches!

Und doch geniessen wir vorher ein aufwändiges Mahl. Der Klassiker besteht aus den Gängen: Gefillte Fisch und gehackte Leber, Hühnersuppe mit Mazzeknödel, Fleisch mit Beilagen und abschliessend ein Dessert.

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Am letzten Abend, nach sieben Tagen, beginnt nochmals ein Feiertag, ausserhalb von Israel sind es sogar zwei Tage.

Und dann ist auf einmal Schluss!

Richtig? Falsch!

 

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Bei den aus Afrika stammenden Juden beginnt unmittelbar nach dem Ende des letzten Tages, heuer also am Montag Abend, das Mimouna Fest. Bereits in den Tagen vorher wurde in den Küchen gebacken und gekocht, um vorbereitet zu sein, auf den Ansturm der Gäste.

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Mimouna wird überall gefeiert. Daheim, in Parkanlagen, in Gemeindezentren und Restaurants. Freunde und Familie besuchen sich gegenseitig, sogar die Politiker aller Parteien lassen sich gerne bei ihren Besuchen filmen und fotografieren. House-hopping ist angesagt. Die Stimmung ist fröhlich und locker.

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Es ist ein farbenfrohes Fest. Frauen und Männer tragen Kaftane, aufwändig gearbeitet, auch reichhaltig bestickte Hemden werden zu diesem Feiertag aus dem Schrank geholt.

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Mimouna ist auch, wenn im Freien gefeiert wird, Anlass für ein ausgiebiges Grillieren. Aber auch ohne das saftige Stück Fleisch auf dem Teller verhungert niemand. Süßigkeiten mit buntem Zuckerguss, getrocknete Früchte, und natürlich Mufletas werden serviert.

F160430HP41-635x357Im Prinzip ist es nicht schwierig, diese marokkanischen Crepes herzustellen. Aber, im Gegensatz zu den hauchdünnen Crepes der Bretonen fliesst dieser Teig nicht, sondern muss mit den Fingern vor dem Backen „ausgezogen“ werden. Serviert werden sie mit Butter, Honig, Schokolade, ganz nach dem eigenen Geschmack.

Wir würden nicht in Israel leben, wenn Mimouna nicht inzwischen ein nationaler Feiertag geworden wäre! In einigen Gemeinden mit überwiegend Nordafrika stammenden Juden ist Mimouna ein anerkannter arbeitsfreier Tag. So wie in Dimona wo seit 60 Jahren der Grossteil der Bevölkerung dieses Fest feiert.

Beni Bitton, Bürgermeister von Dimona ist überzeugt, dass das Bedeutsame dieses Festes der familiäre Aspekt und das Aufrechterhalten von jüdischen Traditionen ist.

 

© esther scheiner, israel

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Ungleiche Nachbarn, aber Nachbarn

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24628154Jisr az-Zarqa könnte ein schöner Ort sein. Es ist die einzige rein arabische Siedlung in Israel, die gänzlich am Mittelmeer liegt. Im Norden begrenzt von den Fischteichen des Kibbutz Ma’agan Michael, im Süden von Caesarea. Im Nord-Osten liegt der Naturpark “Taninim Stream” was soviel bedeutet wie Krokodil Fluss. Das letzte dort lebende Krokodil wurde Ende des 19. Jahrhunderts getötet. Seither muss kein Tourist mehr um sein Leben bangen.

Der “Krokodilfluss”, der die Grenze zwischen Jisr und Ma’aganz Michael bildet, gilt als einer der saubersten Flüsse Israels. Der Name Jisr az-Zarqa leitet sich vom Begriff “Brücke über das Blau (… den blauen Fluss)” ab.

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Bei dem dünnen Rinnsal, das schlussendlich an der Küste ankommt, ist das eine etwas fragwürdige Auszeichnung. Als fliessendes Wasser nehme ich es immer nur während der wenigen Wochen wahr, in denen es Regenfälle gibt.

Im Osten wird das Ortsgebiet von einer Schnellstrasse begrenzt.

Im 4. Jahrhundert BCE gab es hier eine Stadt mit Namen “Crocodilopolis”, einige wenige Überreste können heute noch im Nationalpark entdeckt werden.

Tatsächlich wurde der Ort schon sehr früh besiedelt. Etwa 700 Siedler kamen mit dem Heer von Muhammad Ali im Jahr 1834, der das Land in Folge der Bauernaufstände gegen die ägyptischen Machthaber für sich als Vizekönig besetzen wollte.

Die Mehrheit der ursprünglichen Bevölkerung gehörte dem Beduinen-Clan der Ghawarina an. Diese kamen Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jordan Tal und siedelten in den malariaverseuchten Sümpfen, die den Küstenstreifen unbewohnbar machten. Nicht so für die Beduinen, sie schienen vom Malariaerreger verschont zu bleiben. Ein Umstand, den die Siedlerfamilien, die sich ab 1882 im Gebiet des heutigen Zichron Ya’acov ansiedelten, zu Nutze machten. Ein weitläufiges Gebiet an der Küste und entlang der Ausläufer des Carmel Gebirges war vom Baron Edmond de Rothschild rechtmässig erworben und besiedelt worden.

Am Eingang zum Friedhof von Zichron Ya’acov erinnert heute noch eine Tafel daran, dass eine grosse Zahl der ersten Siedler von der Malaria hinweggerafft worden war. Die mitten im Sumpfgebiet lebenden Beduinen wurden angestellt, um die Sümpfe trocken zu legen.

Das Projekt war im Jahr 1928 beendet. Als Dank für die unschätzbare Hilfe, die eine andauernde Besiedelung erst ermöglicht hatte, wurde ihnen ein an die ehemaligen Sümpfe angrenzendes Gebiet übertragen. Das Gebiet umfasste 12.000 Dunam, also etwa 150 ha, auf einem Hügel unweit des Strandes gelegen.

Damit war das bisher endgültige Gebiet von Jisr festgelegt.

Und damit begann das erste Dilemma, aus dem sich Jisr bis heute nicht hat befreien können.

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Auch wenn man in anderen, ähnlichen Fällen davon spricht, dass ein Ort „eingebunden ist zwischen…“ so kann man das in diesem Fall nur als zynisch bezeichnen. Es gibt derzeit nur eine Möglichkeit in den Ort hinein zu fahren. Das Strässchen führt viel zu eng, viel zu niedrig unter einer Brücke hindurch. Kunstbeflissene Bürger haben das Portal verziert. Die Keramik ist schon lange angeschlagen, jeder LKW hinterlässt seine Spuren im Zement.

Früher einmal gab es eine zweite Brücke, die anlässlich des Besuches von Kaiser Wilhelm II im Jahr 1898 gebaut wurde. Sie spannte sich über die Mündung des Krokodil Flusses, und sollte den Kaiser trockenen Fusses auf dem Weg von Haifa nach Jerusalem bringen. Ob er jemals über diese Brücke geritten ist, ist nicht dokumentiert. Erkennen kann man ihren ehemaligen Standort nur mehr an den Ruinen.

Das zweite Dilemma begann mit der angeblich völligen Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus ihren Wohnsiedlungen anlässlich des Krieges von 1948 durch Juden. „Nakba“ – Katastrophe nennen sie es. Tatsache ist, dass in den meisten Fällen die Araber von ihren eigenen Anführern aufgefordert wurden, ihre Siedlungen zu verlassen. Man würde, so die dahinterstehende Idee, die Juden in wenigen Tagen besiegt und vertrieben haben. Anschliessend könne die zwischenzeitlich geflohene Bevölkerung zurückkehren und grössere und ertragreichere Pfründe übernehmen. Ein Fehlentscheid der nicht zum Ziel führte. Die Armee des jungen israelischen Staates gewann den Krieg und etwa 750.000 Araber hatten, durch Intervention ihrer eigenen Landsleute und auch durch Vertreibung, ihre Heimat verloren.

Aus den seinerzeit 750.000 Flüchtlingen sind heute, 69 Jahre später, mehr als 5 Millionen geworden. Betreut von der UN Organisation UNWRA und finanziert von Steuergeldern aus aller Welt und durch Spenden von israelfeindlichen NGO‘s.

Dass zeitgleich im Jahr 1948 etwa 780.000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben wurden wird dabei gerne vergessen. Sie kamen nach Israel und wurden schnellstmöglich völlig in die Gesellschaft integriert. Ohne, dass für sie eigens eine UN-Organisation gegründet wurde.

Doch nicht überall mussten die Araber fliehen. In den beiden Orten Jisr az-Zarqa und dem benachbarten Fureidis sorgten die Bürgermeister von Binjamina und Zichron Ya’acov dafür, dass die Menschen in ihren Orten blieben. Fureidis, einige wenige Kilometer im Landesinneren gelegen, hat sich zu einer prosperierenden Stadt entwickelt. Bevölkerungsmässig sind beide in etwa gleich gross, Fureidis verfügt allerdings über die fast doppelt so grossen Grundfläche.

Ein drittes Dilemma lag in den guten Beziehungen, die beide arabischen Orte während der britischen Mandatszeit mit den jüdischen Nachbarn hatten. Während dieser Umstand den Bürgern von Fureidis rasch verziehen wurde, werden die Menschen aus Jisr von Palästinensern heute immer noch als Kollaborateure verurteilt.

Ein viertes Dilemma liegt in der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Sowohl von Juden, als auch von Arabern gab es jahrzehntelang die Zuschreibung „schwarz und sudanesisch“, obwohl die Bevölkerung sich aus Beduinen, Jordaniern, Irakern, Syriern, Ägyptern und eben auch aus Sudanesen zusammensetzte. Sie wurden als Afrikaner bezeichnet, oder auch als Sumpfmenschen. Bis vor Kurzem gab es praktisch keine Eheschliessungen zwischen Bürgern aus Jisr und aus anderen arabischen Orten.

Bedingt durch all diese Umstände hat es Jisr nicht geschafft, sich zu einem modernen Ort zu entwickeln.

Einen Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz gibt es schon lange nicht mehr. Wer einen Bus erreichen will, muss einige Kilometer laufen. Das Meer vor der Küste ist schon lange überfischt, an manchen Tagen kommen die Fischer mit einem so kleinen Fang heim, dass es knapp für das eigene Essen reicht.

Bis vor wenigen Jahren gab es nur eine Grundschule. Wer eine weiterführende Schule besuchen wollte, musste lange Schulwege mit dem Schulbus in Kauf nehmen. Nun gibt es zumindest eine Junior High School. Trotzdem ist die Zahl der Schulabbrecher und Analphabeten sehr hoch. Nur wenige haben es bis zum Uniabschluss geschafft.

Ungenutzte Bauplätze gibt es nicht. Vergrössert sich die Familie, so wird auf das bestehende Haus ein zweiter oder gar dritter Stock aufgebaut.

Die Kriminalitätsrate ist hoch, israelische Taxis versuchen, Fahrten nach Jisr zu vermeiden.

Die Lebensbedingungen in Jisr sind wirklich nicht dazu angetan, wirtschaftliche Erfolge zu erringen. Und so rangiert der Ort auch als rote Laterne ganz am Ende der Skala vom Bruttosozialprodukt.

Caesarea, eine der reichsten Gemeinden Israels hat sich vor einigen Jahren demonstrativ vom armen Nachbarn abgeschottet. Zwischen den Gemeindegebieten wurde in einer Nacht- und Nebelaktion ein Damm aufgebaut. Angeblich, um die Lautstärke des Muezzins abzumildern, der fünfmal täglich die heilige Ruhe der Villenbesitzer stört.

Naheliegender ist es, um den Blick auf die nackte Armut zu blockieren.

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Dabei gäbe es ein Potential. Der Strand, der sanft ins kristallklare Wasser hineinführt und ausbaufähig wäre. Der Israel Trail  , jener Weg, der vom hohen Norden bis ganz in den Süden verläuft, passiert auch Jisr.

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Vor einigen Jahren wurde mitten im Ort ein Guest House  eröffnet, dass für Backpacker Touristen einen idealen Zwischenstop darstellt. Die Idee dazu hatte Neta Hanien, jüdisch-israelische Rechtsanwältin. Sie fand in Ahmad Juha, Besitzer einer Eisdiele und eines Cafés einen Partner, der ihr die misstrauisch verschlossenen Türen in Jisr öffnete. Beide bastelten an der Idee, sammelten das notwendige Geld mittels Crowdfunding. Scheinbar ging der Plan auf. Das kleine Hostel mit zwei Schlafräumen und zwei Doppelzimmern wird von den Rucksacktouristen gerne angenommen.

Zweimal kamen Filmteams vorbei. Sie suchten die „perfect location“, um in einem Film das „Flüchtlingscamp in Gaza“ zu drehen.

Aber das alleine wird Jisr noch nicht retten.

Zweimal tauchte der Name in den letzten Jahren in den Medien auf. Einmal, als die möglicherweise älteste Frau der Welt, Mariam Anmash im Jahr 2012 im Alter von 124 Jahren verstarb. Ihre israelische ID Karte gibt als Geburtsjahr 1888 an, der Tag und Monat der Geburt sind nicht vermerkt, sie waren unbekannt. Sie hinterliess zehn Kinder und etwa 300 Enkel und Urenkel.

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Als im Jahr 2016 der israelische Fussballnationalspieler Taleb Tawatha zu Eintracht Frankfurt wechselte, brachte ihm das sogar eine Eintragung in Wikipedia als „berühmter Bürger“ auf der Seite von Jisr.

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Kein gutes Zeichen ging von einem Schulausflug aus, als Kinder aus Caesarea den Nachbarort Jisr besuchten. Organisiert worden war der Ausflug von der im Programm des Erziehungsministeriums fest verankerten Organisation „New Way“. Kinder aus Jisr zeigten Kindern aus Caesarea ihre Mosche, soweit so gut. Und zeigten ihnen ihre Gebetsrituale. Dazu aufgefordert oder nicht, die jüdischen Kinder knieten auf den Gebetsteppichen und verneigten sich zu den Gebeten gemäss islamischem Ritual. Erwachsene haben die Freiheit zu entscheiden, wieweit sie sich auf neue Erfahrungen einlassen wollen. Kinder sind leicht beeinflussbar. Sie können diese Entscheidung nicht treffen. Und deshalb ist diese Vorgangsweise zumindest äusserst fragwürdig.

Ungeheuerlich wird dieser Vorfall, wenn man zu Kenntnis nimmt, dass einer der notorisch anti-israelischen NGOs, der „NIF“, (New Israel Fund) New Way allein im Jahr 2015 mit US$ 94.000 unterstützt hat. Es bleibt zu hoffen, dass Minister Naftali Bennet die Botschaft erkannt hat und die Zusammenarbeit mit „New Way“ sofort beendet.

Hoffentlich werden sich die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarorten nach diesem durch den NIF provozierten Vorfall nicht verschlechtern.

© esther scheiner, israel

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Miklós Klaus Rózsa  – Staatsverbrechen Fotografie

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„..der Mensch braucht eine Heimstatt, um sich heimisch zu fühlen.“ Diese Worte stammen aus der Feder von Paul Hefty, Alumni des Ungarischen Gymnasiums Burg Kastl in Bayern.

Diese katholische Internatsschule sollte für den jungen Miklós die Startbasis für ein akademisches Leben werden. Das zumindest war der Plan seiner Eltern.

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Mit Mutter und Schwester noch in Ungarn

Im September 1954 in Budapest geboren, erlebte der zweijährige Miklós zusammen mit seiner vier Jahre älteren Schwester Olga den Ungarnaufstand. Das bürgerliche Ungarn lehnte sich gegen die Regierung der kommunistischen Partei und die Besatzungsmacht Sowjetunion auf. Es herrschten kriegsähnliche Zustände. Die beiden Kinder mussten in der Wohnung der Eltern erleben, wie eine Panzergranate in ihr Elternhaus einschlug und dieses ausbrannte. Zum Zeitpunkt des Einschlages waren die beiden Kinder allein in der Wohnung. Sie wurden von russischen Soldaten in letzter Minute in den Keller des Hauses gebracht, wo sie bange Tage verbringen mussten.

Miklós’ Vater Egon, ein Holocaustüberlebender, der Auschwitz überlebt hatte und im April 1945 von der US Armee in Dachau befreit wurde und seine Mutter Livia, der zwar das KZ erspart geblieben war, die aber fast ein Opfer der faschistisch-antisemitischen Pfeilkreuzler geworden wäre, beschlossen, dass Ungarn, ihr Heimatland und das ihrer Kinder nicht länger ein sicherer Ort sei, und flohen in die Schweiz.

Diese Flucht markierte den ersten Wendepunkt im Leben von Miklós. Die ungarische Regierung, oder besser, das was von ihr noch übrig war, entzog allen illegalen Flüchtlingen – und legale Flüchtlinge gab es nicht – die Staatsbürgerschaft. Familie Rózsa wurde staatenlos. Ein Status, der sich für Miklós erst nach 44 Jahren wieder ändern würde.

Staatenlose dürfen Steuern zahlen. Staatenlose dürfen aber nicht frei und unbeschränkt reisen. Vor allem dieses Faktum beeinträchtige Miklós für viele Jahre.

Für Familie Rózsa begannen harte Jahre.

Miklós begann seine typisch Schweizer Schulkarriere: Kindergarten, Primarschule und die Entscheidung, wohin der Weg gehen soll. Das Schweizer Schulsystem machte es den Kindern noch nie leicht, gemeinsam mit den Eltern, geschweige denn, allein, die beste Entscheidung zu treffen. Heute spricht man von einem „durchlässigen“ System. Das soll denen, die es im ersten Anlauf nicht gewollt oder geschafft haben, helfen den Weg zu einer Matura zu ebnen. Miklós wollte nicht. Trotzdem bestand er die Prüfungen, die den Weg zu einer höher bildenden Schule freimachten, wenn auch mit Verspätung.

Sein Vater hatte mittlerweile von Deutschland eine „Wiedergutmachungszahlung“ in Höhe von 30.000 DM erhalten. Ein lächerlicher Betrag für etwas, was nicht mit Geld abzugelten ist: Demütigungen, Qualen, Angst und ein nie wieder heilbares Trauma.

Aber eine für damalige Zeiten unglaubliche Summe. Die Eltern, Egon und Livia konnten ihre wirtschaftliche Situation dahingehend verbessern, dass sie die kleine Boutique „Livia“ in einem gutbürgerlichen Quartier von Zürich eröffneten und auch ihren Wohnsitz dorthin verlegten.

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In Zürich im Kreis 4

Raus aus dem demoskopisch nicht unproblematischen Kreis 4. Damals das Sammelbecken für Auswanderer und kleine Gewerbetreibende. Auch die jüdisch –orthodoxe Gesellschaft war dort angesiedelt und ist es immer noch. Später wurden Teile des Quartiers Zentrum von billigem Nachtleben, Prostitution und Drogengeschäften. Kinder, die dort aufwuchsen, hatten es schwerer als andere. Heute zeigt das Quartier durch entsprechende Förderungen eine lebendige Mischung mit einem immer noch sehr hohen Anteil an Ausländern. Studenten und Künstler haben sich angesiedelt, auch die Sicherheit im Quartier konnte deutlich verbessert werden.

Damals aber muss Familie Rózsa den Umzug auf den Zürichberg, mitten in das dörfliche Wittikon, als Erlösung vorgekommen sein.

Das Geld aus Deutschland ermöglichte es auch, dass Miklós in einer ungarisch-katholischen Internatsschule in der Burg Kastl in Bayern angemeldet wurde. Hier sollte er das Gymnasium besuchen. Dass Miklós nicht katholisch war, blieb unausgesprochen. Mittlerweile weiss er, dass es noch andere jüdische Schüler dort gab.

Die Lehrkräfte und dementsprechend auch der Unterricht, so erzählt er, sei reaktionär gewesen. Zahlreiche Mitschüler von damals sitzen heute wieder in Regierungspositionen in Ungarn. Strikt rechts, strikt antisemitisch und strikt nationalistisch. Kastl war für die Ungarn das, was die Napolas für die Nationalsozialisten waren: Kaderschmieden.

Miklós wusste, was er wollte und was er nicht wollte. Er suchte die Freiheit, zuzustimmen, oder zu verweigern. Und er wollte nicht manipuliert und verbogen werden. Nach heftigen Konfrontationen mit Religions- und Lateinlehrern verlässt er spontan im Jahr 1970 die Erziehungsanstalt und kehrt nach Zürich zurück.

Kurz nach seiner Rückkehr verstarb seine Mutter Livia. Für Miklós, der ein enges Verhältnis zu ihr hatte, war dies ein weiteres erschreckendes Erlebnis. Nicht nur, dass seine Mutter starb, sondern, dass sie ihre Krankheit vor ihm geheim gehalten hatte. Es war die indirekte Konfrontation mit dem Trauma der Überlebenden der Shoa, das auf die zweite Generation weiter gegeben wurde. Das Schweigen, das nicht mehr sprechen können. Die Bitte, keine Angst zu haben, um die eigene Angst zu verdrängen. Auch das mag zum Entschluss, Burg Kastl zu verlassen beigetragen haben, die drängende Frage: Warum bittet mich meine Mutter, mir keine Sorgen zu machen. Das „Alles ist in Ordnung“ als Überlebensstrategie.

Miklós war 16 Jahre alt und wollte seinen eigenen Weg gehen. Den Weg „Widerstand durch fotografische Dokumentation“.

Im Jahr 1970 näherten sich die Studentenunruhen in Westeuropa langsam aber sicher ihrem Ende. Der Paradigmenwechsel nach einer Änderung im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, in der Hochschulpolitik und in der Jugendkultur hatte zahlreiche Opfer gefordert. Europa kam langsam wieder zur Ruhe.

In Zürich, der Stadt, die immer noch dem Geist Huldrych Zwinglis (1484 – 1531) regiert wurde, aber gärte es. Zwingli war der extrem lust- und lebensfeindliche Reformator, der Zürich mit harter Hand theologisch führte. Nur was ausdrücklich in der Bibel stand, wurde als Lebensmaxime akzeptiert.

In dieser rigiden Atmosphäre begannen sich die Jugendlichen zwischen den Jahren 1968 bis in die Mitte der 80er Jahre gegen die starren Vorschriften zu wehren. Ihre Anliegen waren nicht nur politisch. Sie wollten vor allem ihre eigene Situation verbessern. Sie forderten mehr Freiräume für sich selber. Für ihre Bedürfnisse und Lebenspläne. Sie forderten die Unterstützung von Stadt und Staat ein. Dass sie es mit nicht immer adäquaten Mitteln taten, ist das Vorrecht der Jugend.

Die Jugendunruhen 1968 begannen die „Zürcher Jugendkrawalle“ mit der Weigerung der Stadt, das leerstehende Provisorium des Globus Kaufhauses im Anschluss an die Limmatbrücke beim Hauptbahnhof als Jugendzentrum freizugeben. Die Weigerung der Stadt auf die Forderung einzugehen, endete in wilden Krawallen, die von der Polizei brutal aufgelöst wurden. Die Weichen waren gestellt, eine konstruktive Kommunikation war auf Jahre hinaus unmöglich. Die Zürcher Bürgerschaft stellte sich hinter den Polizeieinsatz mit dem Hinweis, dass „..die Jugendlichen vom kommunistischen Ostblock gesteuert würden und man aus diesem Grund die Bewegung im Keim ersticken müsse.”

Immerhin meldeten sich im September 1968 einige Intellektuelle, Künstler und andere namhafte Persönlichkeiten zu Wort und verfassten das Zürcher Manifest, in dem die Haltung der Stadt gegenüber den Forderungen der Jugendlichen kritisiert wird. Jugendliche  aller politischen Gruppen gründen den Verein “Autonomes Jugendzentrum” (AJZ). Einige Monate später wird im Bunker auf dem Lindenhof (heute Urania Garage) das Jugendhaus Bunker eröffnet. Die “Autonome Republik Bunker” (ARB) steht bald wieder im Zentrum der Polizeibeobachtung und wird bereits 68 Tage nach der Eröffnung des AJZ geschlossen.

Verschiedene andere Möglichkeiten eine Jugendhauses wurden verworfen, angenommen und wieder aufgegeben.

Im Februar 1971 verfiel Zürich in Hysterie: „Da fährt so ein Langhaariger schon das dritte Mal im Tram um unseren Block. Der könnte doch etwas im Schilde führen.“ Angst ging in Zürich um, „Berufsrevolutionäre“ hatten bei einem Sit-in beim Bahnhof angekündigt, Trams und Polizeiwagen entführen zu wollen.

Im September 1971 kam es in der „Kantonalen Arbeitserziehungsanstalt“ in Uitikon zur „Aktion Heimkampagne“, im Zuge derer 17 Zöglinge entweichen konnten und es zu Sachbeschädigungen kam. Hier wird der Name Miklós Rózsa erstmals aktenkundig.

„R o z s a Miklos, Ungare (sic), Werkstudent, geb. 11. 9. 1954 in Budapest, whft. Loorenrank 30, 8053 Zürich in UH vom 1.10. – 12.10.

Das war das Erste von 3200 Datenblättern, die die Kantonspolizei Zürich über ihn angelegt hat. Mit der Nummer 31/553 ist er somit aktenkundig und ordnungsgemäss registriert.

Trotzdem war man sich nicht sich nicht sicher, um welche Person es sich tatsächlich handelte. In den Schriften tauchen verschiedene Namen auf: Nikolaus, N., Niklaus, Miklos, K. Rochat, Klaus Schmidt, Klaus Schmid, Klaus Rozsa, Miklos (Klaus), Robert Nikolaus.

Aktennotizen gingen verloren, waren nicht mehr auffindbar und es erfolgte trotzdem eine Nachkontrolle.

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Haben wir  nicht alle so ausgesehen?

Er war Ungare (sic), Ungar Flüchtling (sic), staatenlos, ohne Papiere, Hilfsarbeiter, Werkstudent, Journalist. Hatte, wie man im August 1982 festhielt einen Presseausweis. Hatte eine Niederlassungsbewilligung. Sieht aus wie ein Rockers (sic) mit Vollbart, Mähne und entsprechender Kleidung.

Seine Schwester wurde 1971 eingebürgert. Das entsprechende Gesuch seiner Familie, das, so vermutet die Kantonspolizei, auch ihn eingeschlossen hätte, sei seit 1969 pendent. Es drohte der Entzug der Flüchtlingseigenschaft und der damit verbundenen Niederlassungsbewilligung.

Am 20.12.1972 wird Miklós zu einer Befragung vorgeladen. Ein Kernsatz seiner Aussage lautet: „Ich meine aber, dass meine Tätigkeit als Junger, der einfach mit den heutigen Zuständen da und dort nicht zufrieden ist, gar nicht so gravierend angesehen werden darf. Ich muss zugeben, dass ich anfänglich da und dort etwas über die Schnur gehauen habe. Ich bin in der Zwischenzeit aber – wie viel andere auch – klüger geworden und habe gemerkt, dass man nach Möglichkeit die legalen Mittel verwenden muss, eventuell einmal verbunden mit einer Demonstration, welche aber bewilligt sein soll.“ (entnommen aus dem Band Miklós Klaus Rózsa)

Miklós, inzwischen 18 Jahre alt konnte sich gut mit den Wutentladungen identifizieren. Er spürte die aufgestaute Frustration und suchte sich seinen Platz in einer Nische der Jugendbewegungen. Immer mit dabei: die Fototasche, ein Fotoapparat und mehrere Objektive. Wo immer es zu Demonstrationen kam, Miklós war dabei.

Ging auf sichere Tuchfühlung mit der Polizei, dokumentierte die Gesichter, bildete sie ab bei allem, was sie taten. Wann immer es zu kritisch wurde, zog er sich zurück, wo es für ihn ungefährlich war. Oft sogar hinter die Polizeireihen.

 

1935460_3347289764697_1596884038_nPressekollegen nahmen es zur Kenntnis: Da wo der Wasserwerfer hinzielt, steht Rózsa. Da sollten wir uns fernhalten. Er wurde zum Feindbild der Sicherheitskräfte.

Miklós sah seine Aufgabe nicht länger im Politaktivismus, sondern in der Dokumentation der Handlungen der Polizei. Die wiederum verstand seine andauernde Präsenz als Störung ihrer Arbeit. Er dokumentierte Hausbesetzungen und deren gewaltsames Ende, Demonstrationen und die Aggression der Polizei. Aber auch die Gesichter der Polizisten hinter ihren Gasmasken.

Was er schon lange ahnte, aber erst anlässlich einer Bahnfahrt mit deutschen Polizeibeamten auf dem Weg zum WEF in Davos erfuhr: In der Schweiz mischte man in das Wasser der Wasserwerfer verflüssigtes Tränengas. Mehr als einmal kam er mit dieser schmerzhaften Mischung, die die Augen stark irritiert, in Kontakt.

Miklós musste oft genug den sinnlosen Amtsmissbrauch der Polizei am eigenen Leib erfahren. Einmal wurde er auf dem Heimweg vor einer roten Ampel ohne Notwendigkeit von Polizisten aus dem Auto gezerrt und schwer misshandelt.

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2008 auf der Rückfahrt von einer Ferienreise, der Horror nimmt kein Ende

Als Absender eines Briefs an den Stadtpräsidenten vermutete er nicht 13 Wutbürger, sondern 13 Polizisten, die aufforderten seinem Gesuch um Einbürgerung nicht stattzugeben. Wer ausser Polizisten hätte über die dort erwähnten Informationen verfügen können?

Ein Foto, das ihn anlässlich einer Einvernahme im Zusammenhang mit einer gewaltsamen Demonstration mit einer Baulatte in der Hand zeigt, entpuppte sich schnell als Fälschung. Zwei Bilder waren – wir sprechen von vor Fotoshop Zeiten – übereinander gelegt worden.

Was blieb, war die Frage nach der Einbürgerung. Der dritte Versuch im Jahr 1991 wurde vom damaligen Stadtpräsidenten Josef Estermann abschlägig unterschrieben. Estermann bezeichnete ihn in einem nachträglich nicht freigegeben Interview als „Intimfeind“.

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Ablehnung des Antrages auf Einbürgerung von 1991

Miklós erhielt sie schlussendlich doch. Nach fünfjähriger Ehe mit seiner Frau Susann erhielt er das Dokument. Quasi, nachdem er fünf Jahre lang bewiesen hatte, keine Ehe eingegangen zu sein, die nur dazu diente, eine Staatsbürgerschaft zu erhalten.

© esther scheiner, israel

© Fotos: Miklós Rózsa, Zürich

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Stille kann man sich wünschen – Taubheit nicht

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Da ist die Stille mitten in der Nacht, wenn kein Vogel mehr singt, kein Motorenlärm mehr stört, keine menschliche Stimme mehr zu hören ist. Die Welt scheint in solchen Sekunden stillzustehen, aus der Zeit gefallen zu sein. Man kann von dieser absoluten Stille aufwachen. Sie entspricht nicht der Norm. Manch einer wartet dann auf ein „erlösendes Lebenszeichen“. Der Hund, der irgendwo bellt, der Partner, der leise schnarcht, das Kind, das kurz weint, ohne dabei aufzuwachen. Diese kleinen Geräusche sind wohltuend, die Norm ist wieder hergestellt.

Zur Bedeutung des Schweigens im Judentum und in anderen Religionen habe ich hier eine spannende Textstelle gefunden.

„Während der Aufrechte sein Lob durch gesprochenes Gebet artikuliert, der Gerechte durch stummes Bewegen der Lippen, beim Frommen sich das Wort nicht von der Zunge löst, verbirgt der Heilige als Verstehender seine Anbetung im Inneren: “Wenn ein Mensch den höchsten Verstehensgrad erreicht hat, ist er zum Stillesein gezwungen.““Im Buddhismus

weist das Schweigen in einer anderen Weise über die Sprache hinaus. Die buddhistische Dialektik zwingt zum Überwinden des logischen Denkens. Erst im unauflöslichen Widerspruch flackert die Wahrheit auf, und im Vollzug des Schweigens kommt die Erleuchtung zur Vollendung. Diese Zenerfahrung selbst widersetzt sich jedem rationalen Zugriff.

Die Stille, der sich der selbst ernannte Asket aussetzt, bringt ihn ganz zu sich. Den freiwilligen Rückzug aus der Gemeinschaft hält nicht jeder aus. Schweigeorden, wie die Trappisten oder Kartäuser erlauben das Gespräch nur in wenigen Ausnahmefällen. Sogar das Essen wird, ausser an den Feiertagen nicht gemeinsam eingenommen.

Auch die Freimaurerei kennt in ihrem Aufnahmeritus den Moment des Schweigens und der Stille. Bekannt wurde dieses Detail durch die Zauberflöte. Prinz Tamino wird von den Priestern für die Dauer der Prüfungen, die ihn schlussendlich gemeinsam mit Pamina in den Tempel der Weisheit bringen mit einem Schweigegebot belegt, wiederum mit dem Ziel, ganz und gar bei sich und seinen Zielen zu sein.

Jeder gesunde Mensch, der sich freiwillig einem solchen Schweigen unterwirft, kann es jederzeit beenden. Seine Fähigkeit zu hören und zu sprechen wird auch von einer längeren Zeit der Stille nicht nachhaltig geschädigt.

Manchmal tut es auch einfach gut, sich aus der Menge der Reize, die unaufhörlich auf uns einprallen zurückzuziehen. Akustische und optische Reize stellen die beiden intensivsten Reizquellen dar. Weil das Gehirn für jeden Reiz eine eigene „Schaltzentrale“ hat, gibt es in der Regel keine Überforderung, auch wenn es einmal in der Disco zu laut oder zu grell-blitzend ist. Es ist nicht die Menge der Reize, die uns überfordert, es ist der Reizkonsum. Aber dem kann man manchmal nicht ausweichen.

 

Bei Autisten verläuft die Grenze zwischen gerade noch erträglichen Reizen und nicht mehr erträglichen Reizen hauchzart.

Autisten haben sich ihr Problem sicher nicht selber ausgesucht, für sie ist der Alltag ein einziger Kampf gegen das Unausweichliche. Ihr Überlebensmechanismus ist der Rückzug in eine nur ihnen bekannte und erschlossene Welt.

Ganz anders ergeht es Menschen, die seit Geburt taub und stumm sind.

Sie haben sich weder die Stille noch das Schweigen um sich herum freiwillig ausgesucht, es ist nicht krankheitsbedingt, noch können sie es jederzeit beenden.

Allein die Zuschreibung, „stumm“ zu sein, implizierte in früheren Gesellschaften oft stumm = dumm. Als stumm, im Sinne von kommunikationsunfähig sieht sie heute nur der Mensch an, der die Gebärdensprache nicht beherrscht. Der also „gebärdensprachbehindert“ ist.

Menschen, die seit der Geburt taub sind und nicht das Glück hatten, entsprechende Schulungen bereits im frühesten Kindheitsalter zu erhalten, fehlt die Fähigkeit zu hören und sinnvolle wortbildende Tonfolgen zu bilden. Sie können lesen, sie können schreiben. Eine in normalem Sprechtempo geführt Konversation ist so trotzdem nicht möglich. Eine sinnvolle Alternative stellt das Erlernen der Gebärdensprache dar.

 

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Es gibt durchaus auch Kinder, die sofern der Hörnerv in der frühen Fetalperiode (bis zum 3. Monat) angelegt wurde, nach der Geburt ihre Hörfähigkeit entwickeln. Sollte dies nicht der Fall sein, diskutiert man in der Fachwelt bereits eine Operation innerhalb des ersten Lebensjahres. Das wäre dann innerhalb jenes Zeitraumes, in dem der Spracherwerb vor sich geht. Für die OP im Kleinkindalter gibt es zwei Zeitfenster. Das erste liegt zwischen dem 8. und 9. Lebensmonat. Langzeitstudien haben ergeben, dass sich bei einer signifikant hohen Zahl an Babys und Kleinkindern durch diese Unterstützung die Hörfähigkeit und damit auch der Spracherwerb normal entwickeln und auf eine weitere Unterstützung verzichtet werden kann. Das zweite Zeitfenster endet im Alter von in etwa 3 ½ Jahren. Dabei muss klar sein, dass, je länger dem Gehirn akustische Reize vorenthalten werden, je grösser die Gefahr der anhaltenden Taubheit ist.

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Bei der Cochlea Implantation, wird in einer in etwa zweistündigen Operation unter Vollnarkose eine Innenohr Prothese eingesetzt. Der externe Teil besteht aus Mikrofon, Sprachprozessor, Spule und Akku. Der implantierte Teil besteht aus Spule, Signal (Sprach) Prozessor mit Stimulator und stimulierenden Elektroden. Die beiden Spulen werden mit Magneten fixiert.

Über das Mikrofon erhaltene akustische Signale werden mittels Sprachprozessor in elektrische Signale umgewandelt. Anschliessend werden die Signale an den innenliegenden Sprachprozessor weitergeleitet. Dieser gibt sie an einen Elektrodenträger weiter, der in der Hörschnecke (Cochela) platziert wurde. Die Elektroden üben eine stimulierende Wirkung auf den Hörnerv aus. Als Resultat entsteht im Gehirn ein Höreindruck.

Für Menschen, die noch nie in ihrem Leben gehört haben, ist das ein überwältigendes Erlebnis, das neben dem Glück, diese Erfahrung zu machen auch Angst auslösen kann. Die Reizüberflutung muss Angst und Schrecken auslösen.

Deshalb ist es auch von grösster Bedeutung, dass möglichst unmittelbar nach der Implantation mit der Reha und dem Hörtraining begonnen wird. Das Gehirn muss es erst langsam lernen, die Reize den entsprechenden Regionen zuzuordnen und dort zu verarbeiten. Dazu muss es aber auch erst lernen, verschiedene Geräusche zu unterscheiden.

Je jünger die Patienten, desto schneller wird der Lernprozess ablaufen.

Die zweite grosse Lernaufgabe ist es, Worte, die dem Patienten durchaus bekannt sind, mit den entsprechenden Lauten zu verbinden, also das zu tun, was ein Kleinkind mühelos tagtäglich leistet.

Eine Operation ohne Nachbetreuungskosten kostet in etwa € 20.000,–

 

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Derzeit unterziehen sich 17 palästinensische Kinder aus Gaza sowie aus Yehuda und Samaria im Hadassah Krankenhaus in Jerusalem dieser Operation, die ihr Leben verändern wird. Ermöglicht wurde die Behandlung durch das Peres Peace Center. Dieses vom verstorbenen Präsidenten Shimon Peres ins Leben gerufene Zentrum soll palästinensischen Kindern in medizinischen Notfällen helfen.

Sechs der 17 kleinen palästinensischen Patienten haben die OP bereits hinter sich. Bei einigen mussten die Einreisepapiere erst durch das israelische Verteidigungsministerium ausgestellt werden, nachdem keinerlei Ausweise vorhandeln waren.

Die Kinder kamen ohne jeglichen Arztbrief. Sie mussten zunächst in Jerusalem völlig durchgecheckt werden, um sicherzustellen, dass ihr Allgemeinbefinden eine OP zuliess.

Für die Kinder hat sich eine neue Welt aufgetan. Noch werden sie für einige Zeit in einer Reha Klinik bleiben müssen, bis sie genug sprachliche Sicherheit haben, um sich allein im Alltag zurechtfinden zu können.

 

 

© esther scheiner, israel

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