Boykottaufruf gegen Kempinskibetriebe!

Berthold Kempinski, der Namensgeber der Kempinski Hotels verstarb bereits 1910. Nachdem er keinen männlichen Erben hatte, übergab er die Betriebe an seinen Schwiegersohn Rudolf Ungar mit der Auflage, den Firmennamen „Kempinski“ beizubehalten. So erlebte er nicht mehr, wie die Betriebe von den Nazis „arisiert“ wurden. Erworben wurden die Betriebe von der  M. Kempinski & Co., Weinhaus- und Handels-GmbH. So blieb zumindest der Name erhalten. Der Enkel des Unternehmensgründers gründete auf dem rückgeführten Grundstück am Kurfürstendamm. 1953 verkaufte der den Betrieb und den Firmennamen. Heute gehören knapp 80 Betriebe, Hotels der Luxusklasse zu Kempinski Hotel Betriebs AG. Sie sind in 31 Ländern zu finden, 13 sind geprägt vom Islam.

Vor diesem Hintergrund muss man den nachfolgenden Artikel lesen, der heute von Claude Lanzmann, dem Regisseur von „Shoa“ in der FAZ veröffentlicht wurde.

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„Ich möchte versuchen, mit wenigen Worten Zeugnis abzulegen von einem üblen Erlebnis, dessen Zeuge und in gewisser Hinsicht auch Opfer ich in Berlin geworden bin. Zu verstehen und zu vermitteln, warum es mich aufs tiefste schockiert hat.

In Berlin befand ich mich aus Anlass der Beerdigung von Angelika Schrobsdorff, einer halbjüdischen deutschen Schriftstellerin, mit der ich zehn Jahre verheiratet war. Ich hatte, ohne mir viel dabei zu denken, ein Zimmer im Kempinski am Kurfürstendamm gebucht, das Hotel ist mir seit 1986 vertraut, ich logierte hier, als ich erstmals meinen Film „Shoah“ in Berlin vorstellte.

Was kommt vor Italien?
Vor achtundvierzig Stunden saß ich in meinem Zimmer und durchstöberte die „Gebrauchsanweisung“ des Hotels, in der die verschiedenen Dienstleistungen beschrieben werden. Zu den Unterlagen gehört die Liste mit den Vorwahlnummern für die verschiedensten Länder der Welt. Aufgeführt sind Rumänien, die Vereinigten Staaten, Thailand, Belgien, die Ukraine . . . Beim flüchtigen Überfliegen stießen meine Augen auf „Italien“, und „Italien“ löste eine reflexartige Reaktion aus. Der Name beginnt mit I – wie Israel.

Und nun schaute ich zweimal hin: Wir sind in Berlin, im August 2016, im Hotel Kempinski, und Israel existiert nicht. Israel fehlt auf der Liste der Länder, die man aus dem Zimmer direkt anrufen kann. Man muss die Vorwahl für die Verbindung erst in Erfahrung bringen – es gibt den entsprechenden Hinweis am Ende der Liste: „Für Länder, welche hier nicht aufgelistet sind, erfragen Sie bitte die Nummer bei der Telefonzentrale unter der Durchwahl 9.“

Wie ist das möglich?
Die Ländervorwahl von Israel, das nicht auf der Liste ist, kenne ich auswendig: 972. Ich war entgeistert: Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird? Dass Israel ausradiert wird, hatte ich in Gaza erlebt, in einer eher ruhigen Phase, als ich dort die arabischen Schulen besuchte. Man zeigte mir die Karten der Region: Israel war auf ihnen nicht verzeichnet, denn Israel darf in den Köpfen der Araber nicht existieren. Hier und jetzt, in Berlin, das Gleiche: Israel wird von der Telefonliste gestrichen.

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Voller Angst und Empörung begab ich mich zur Rezeption und fragte nach einem Verantwortlichen des Hotels. Ein durchaus freundlicher Mann kam und sagte mir: „Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen. Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind.“

„Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber“
Aber warum? Ich war völlig niedergeschlagen: Gibt es dafür eine Erklärung? Seine Antwort: „Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde.“ Wie auf den geographischen Karten in Gaza. Israel existiert nicht. Ich stand an der Rezeption, es war zehn Uhr abends, und blickte um mich. Die Hotelhalle war voller Kinder, dreißig müssen es gewesen sein, in kurzen Hosen, sie fühlten sich sichtlich zu Hause, sie kümmerten sich um keinerlei Belange des Anstands. Es kam mir wie eine Art Besatzung vor.

Man wird wohl leicht verstehen, dass ich von dieser Szene schockiert war. 2016, in Berlin, im Kempinski, wo ich 1986 erstmals übernachtet hatte, als in mehreren Vorstellungen bei den Festspielen mein Film „Shoah“ aufgeführt worden war, der die Deutschen im Herzen getroffen hatte – schon wieder „das“?

Alles scheint wieder möglich zu werden
Es war grauenhaft. Alles um mich herum schien wieder möglich zu werden. Nicht nur die Auferstehung des Nationalsozialismus. Auch alle seine zeitgenössischen Ausformungen, zu denen die Terroranschläge mit massenhaft Opfern genauso wie die Messerstechereien aus der Nähe gehören. Und so weiter, und so weiter.

Kurz, es geht mir einfach darum, jene zu informieren, welche diese Zeilen lesen, und sie aufzufordern: Handelt ohne Umschweife. Denn man kann nicht gegen den arabischen Terrorismus kämpfen und gleichzeitig erlauben, dass in einem der nobelsten und wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird.

Israel ausmerzen heißt zu verlangen, dass die Israelis ausgemerzt werden. Dass man sie tötet.“

Immerhin, Kempinski reagiert schnell:

„Nach Darstellung des Hotels soll an diesem Rückschluss jedoch nichts dran sein. Man könne, heißt es auf Anfrage, die von Lanzmann „beschriebenen Aussagen des Mitarbeiters so nicht bestätigen“. Weiter heißt es: „Es gab und gibt keine Anweisung seitens der Hoteldirektion und auch nicht von der Kempinski AG, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahl-Liste aufzunehmen. Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen.“ Die genannte Liste stelle keine vollständige Auflistung aller Ländervorwahlen dar, sondern nur eine Auswahl. Es habe „keinen dezidierten Grund“ für die Nichtnennung Israels gegeben, man habe aber „die Vorwahl selbstverständlich ergänzt“.“

……

Und da sitzt nun also der neunzig Jahre alte Claude Lanzmann, der zur Beerdigung der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, mit der er zehn Jahre lang verheiratet war, nach Berlin gekommen ist, in dem Hotel, in dem er in der deutschen Hauptstadt immer logiert, seit er hier 1986 seinen Film „Shoah“ vorstellte, und sieht, dass die Nummer von Israel fehlt, und hört, dass es dafür einen bestimmten Grund gibt. Ist das eine Petitesse? Selbst wenn Lanzmann komplett falschläge und die Dementis der Hotelleitung stimmten, woran man seine Zweifel haben darf – „so nicht bestätigen“ -, gilt: Die Nummer von Israel hätte auf der Liste des Kempinski Bristol am Kurfürstendamm nicht fehlen dürfen. Aber es musste erst Claude Lanzmann nach Berlin reisen, bevor das jemandem auffiel.

Auch wenn die Unternehmensleitung schnell reagiert hat, der Schaden ist angerichtet und nicht mehr reversibel. Alle Versuche, zu erklären, zu entschuldigen können nur mehr schal schmecken.

Wir können nichts anderes tun, als die Betriebe weltweit zu boykottieren. Ich werde das ganz sicher tun.

 

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Was der Papst in Auschwitz hätte sagen müssen

etwasanderekritik

David KleinDavid Klein

Nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hat mit Franziskus nun also auch ein dritter (!) Papst den Weg nach Auschwitz gefunden, diesen unseligen Ort, der wie kein anderer den versuchten Genozid der Nazis an den europäischen Juden symbolisiert.

Freilich kam Franziskus nicht aus freien Stücken, sondern folgte der Einladung ehemaliger Auschwitz-Häftlinge, mit denen er in Auschwitz «ein kurzes Gespräch» führte.

Man fühlt sich unangenehm an Wagner-Kanzlerin Merkel erinnert, die zwar jedes Jahr wallfahrtähnlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth pilgert, jedoch erst ein Mal, ebenfalls auf Einladung des 93-jährigen Holocaustüberlebenden Max Mannheimer, die Gedenkstätte des KZ Dachau bei München besuchte. Auf dem Weg zu einer Bierzelt-Wahlveranstaltung stattete Merkel als erste deutsche Regierungschefin überhaupt, dem einzigen Konzentrationslager, das in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft durchgehend in Betrieb war, eine offizielle Visite ab und hielt «als Zeichen des Respekts für die ehemaligen Häftlinge» eine «kurze Rede». Von sich…

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Bereshit (Genesis) – die ethnische Vielfalt in Israel

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In Genesis 1, 27 heisst es „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ Stop! Wir sind noch lange nicht bei Adam und Eva! Hier sprechen wir von Adam und Lilith! Erst bei Genesis 2,7 lesen wir „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ Ok, nun haben wir den Adam als Person. Dem Knaben wurde es bald langweilig, so alleine im Paradies umher zu wandeln. Gott hatte ein Einsehen. Genesis 2,21 ff berichtet von der Erschaffung der Frau: „Da liess Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss die Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, formte aus der Rippe, die er dem Menschen entnommen hatte eine Frau und führte sie dem Menschen zu.“

Ich halte fest: „Als sein Abbild“ schuf Gott den Menschen. Als ich ein kleines Kind war, war meine Welt weiss. Es gab noch kein Farbfernsehen und die fantastische Welt der Bücher war mir noch fremd. Bevor ich den ersten Afroamerikaner gesehen hatte, war ich erschüttert ob der vermeintlich „schmutzigen Haut“. Er trug es mit Fassung, lachte herzlich, hielt mir seinen Arm zum Rubbeln hin und schenkte mir eine Tafel Schokolade. Fortan war meine Welt viel farbiger.

Ein Blick in die dunkelste Zeit des letzten Jahrhunderts zeigt, dass gemäss der antisemitischen „Rassenlehre“ der typische Jude so auszusehen hatte: klein und untersetzt, olivfarbene Haut, krumme Nase, schwarze Haare, schwarze Augen. So wurde er karikiert. Ich lebe seit acht Jahren in Israel und sehe tagtäglich viele Menschentypen, nur diesen einen habe ich noch nicht gefunden. Gott ist, wie wir in der Schöpfungsgeschichte gelesen haben, viel fantasievoller.

Der Matnas stellt, je nachdem in welcher Gemeinde man lebt, den am wenigsten geliebten Ort dar, oder den, den man als das Zentrum des Lebens ansieht. Vielleicht ist es zu vereinfacht zu sagen, je reicher, je homogener eine Gemeinde ist, desto weniger wird der Matnas genutzt.Matnas kann man am ehesten noch mit „kommunalem Gemeindezentrum“ übersetzen.

Zichron Yaacov ist so ein Beispiel. Die Aufgabe vom Matnas beschränkt sich darin, während der ersten zwei Ferienwochen im Sommer Beschäftigungsangebote für Schüler anzubieten. Und ein Programm auszuarbeiten, das für alle ein bisschen was hergibt: ein bisschen Musik, Schauspiel, Ballett, Ausflug und Kino. Und wo meist auch die Räume für den verpflichtenden Iwrit-Sprachkurs für Neueinwanderer bereitgestellt werden.

Darüber hinaus träumt er gelangweilt vor sich hin.

Sehr lebendig ging es im Jahr 2014 hingegen im Süden des Landes zu, als ganz Israel für einige Wochen unter dem Dauerbeschuss der Hamas aus Gaza in den Süden des Landes litt. Die anschliessende Militäroperation „Fels in der Brandung“ blockierte hingegen nicht nur den Süden, sondern das ganze Land. Statt sich den uneingeschränkten Ferienfreuden hinzugeben, verbrachten die Kinder ihre freie Zeit in der Nähe von Bunkern und Sicherheitsräumen. Diese und der „Iron Dome“ trugen dazu bei, dass die Zahl der israelischen Zivilopfer relativ gering blieb.

Für 200.000 Beduinen im Süden Israels, die teils in nicht anerkannten Siedlungen im Negev leben, stehen nur wenige Bunker zur Verfügung. Ihre Siedlungen gelten als „offene Gebiete“, sodass der „Iron Dome“ dort nicht eingesetzt werden kann. Die Beduinen, die von jeher schon unter schwierigen Bedingungen lebten, waren der Bedrohung durch die Raketen um ein Vielfaches mehr ausgesetzt. Prozentual gab es mehr Verletzte und Tote, als im übrigen Israel, darunter auch vier Kinder.

Dank einer grosszügigen Spende war es möglich, dass die nationale Matnas Organisation für Kinder und Jugendliche aus fünf besonders betroffenen Siedlungen Freizeitaktivitäten anbieten konnten, die teilweise in privaten, sichern Häusern durchgeführt wurden, aber auch Ausflüge in sichere Regionen beinhalteten. Dort wurden dann Wasser- und Freizeit Parks besucht, Wanderungen und sogar Camping angeboten. Eine besondere Herausforderung war, dass die Operation „Fels in der Brandung“ genau während des Ramadan stattfand, was in die Planungen hineinfliessen musste.

Finanziert wird ein Matnas sowohl von der Gemeinde, als auch vom nationalen Zusammenschluss der Matnasim. Diese wiederum erhalten ihre Gelder vom Ministerium für Erziehung und Kultur, sowie von zahlreichen privaten Stiftungen. Einzelne Programme werden je nach Schwerpunkt von den zuständigen Ministerien unterstützt.

Die Hafenstadt Haifa verzeichnet derzeit eine Bevölkerungszahl von etwa 280.000. Die arabische und äthiopische Einwohnerzahl liegt bei je rund 40.000 (je 14,3%).

Das moderne Haifa breitet sich entlang des Nordausläufers vom Carmel, mit wunderbarem Blick auf das Mittelmeer und perfekter Anbindung an das Stadtzentrum. Die Wohngebiete der arabischen und äthiopischen Bevölkerung schliessen sich nördlich an das Stadtzentrum an. Der Blick geht, wenn das Wetter klar ist, hinauf bis zum Libanon. Vorher bleibt er aber am Containerhafen und den Chemiewerken hängen.

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Die Satellitenaufnahme der NASA zeigt die starke Besiedelung im NO der Stadt

Hier leben etwa knapp 100.000 Menschen, die es im Leben nicht wirklich geschafft haben. Sie arbeiten, sind teilweise Doppelverdiener. Das klingt gut. Trotzdem schaffen sie es nicht, mit beiden Einkommen zusammen den Familienunterhalt zu sichern. Die Zahl, der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Familien steigt. Innerhalb der OECD zeigt nur noch die Türkei ein schlechteres Bild. Die Zahl der Kinder, die morgens ohne ausreichendes, oder ohne Frühstück zur Schule gehen, ist erschreckend hoch.

 

Sie sind arm, sie haben wenig Perspektiven.

Eines aber haben sie gerettet und erhalten: ihren Stolz.

Jonathan, ein Freund, wurde von der Stadt Haifa gebeten, ob er quasi die Schirmherrschaft über die drei Matnasim (einen arabischen, einen für äthiopische Einwanderer und einen für europäische Einwanderer) in diesem Stadtteil übernehmen würde. Wobei nur der arabische Matnas ein Eigenleben führt. Zwischen den beiden anderen findet ein reger Austausch statt. Er hat zugesagt, wohl wissend, dass ihm ein zäher Kampf bevorstehen würde. Neben der Organisation zusammen mit dem jeweiligen Team müssen Gelder aufgetrieben werden. Gelder, die helfen, aus einem leeren, oft hässlichen Gebäude ein Stück Zuhause zu schaffen.

Wir waren vor einigen Wochen im grössten der drei Matnasim zu Gast und wurden anlässlich eines Rundganges mit dem Angebot vertraut gemacht.

Grundsätzlich steht der Mannas „Neve Yosef“ allen Altersgruppen offen. Die alleinerziehende junge Mutter findet eine kurzfristige professionelle Betreuung für ihr Kind (ab 3 Monaten) ebenso unkompliziert, so wie sich auch die stimmgewaltigen Senioren zu einem Chor zusammen finden können.

Das Töpferatelier ist das neueste Projekt, das jedem offensteht, auch wenn er nicht in Haifa lebt.

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Das neue Töpferatelier

Während des Schuljahres stehen Lehrer kostenlos zur Verfügung, um Kindern und Jugendlichen bei Schulschwierigkeiten zu helfen oder gezielt auf Aufnahmeprüfungen für weiterführende Schulen vorzubereiten.

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Einzelplatz Lernkabinen für den 1:1 Unterricht

Professoren des Technions fördern interessierte Jung-Wissenschaftler ebenso, wie Mitarbeiter von INTEL mehrmals im Monat gratis Workshops für talentierte zukünftige IT Spezialisten anbieten.

Eine umfangreiche Bibliothek wird zur Zeit völlig neu konzipiert. Bücher können mit nach Hause genommen werden, die Quote der nicht zurückgekommenen Bücher tendiert gegen Null. Zu hoch wird der Wert eines Buches eingeschätzt.

Es gibt Spiel- und Sportplätze, auf Funktionalität wird mehr geachtet, als auf Design.

Nach der Schule kommen sehr viele Kinder und Jugendliche in „ihren Matnas“. Für viele ist das der Ort, wo sie Freunde treffen können, chillen und abhängen, wo es klare Regeln gibt, aber sie nicht eingeengt werden. Es ist der Ort, an dem sie in Ruhe aufwachsen können. Weg von der Strasse, an einem sicheren Ort. Die Eltern wissen das und sind froh.

Der eigentliche Anlass unseres Besuches war das Jahresschlusskonzert der Musikgruppen.

Vom ganz jungen Musikschüler, der gerade erst verinnerlicht hat, wie man seinem Instrument wohlklingende Töne entlocken kann, bis zum Halbprofi präsentierten alle ein wunderbares Programm. Von eingängigen klassischen Melodien, über israelische Volksmusik, Beat und Pop der 70er Jahre alles wurde mit viel Liebe und Engagement vorgetragen. Die Musik war so vielfältig, wie die Musiker. Solisten, gemischte Gruppen, Sängerinnen mit einem begleitenden Trio, der bereits oben genannte Senioren Chor, die jüdisch-arabisch gemischte Gruppe mit klassischen arabischen Instrumenten …..

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Spass und Freude – der Seniorenchor

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Eine der Jüngsten

 

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Fast schon Profis

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Die gemischte Band

Eye Catcher waren – wieder einmal – die Mädels aus Äthiopien, die im Winter schon einmal bei uns in der Gemeinde aufgetreten sind. Das ist einfach geballtes Temperament und Lebensfreude pur.

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Januar 2016 in Zichron Yaacov

Man spricht derzeit viel davon, Minderheiten, gleich welcher Art nicht nur zu integrieren, sondern sie zu inkludieren.

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Die Matnasim in Israel tragen dazu wesentlich viel bei. Jonathan erzählte uns, dass an den israelischen Feier- und Gedenktagen der Matnas ganz selbstverständlich nach draussen verlegt wird. Damit alle mitmachen können. Ob es die lauten und lustigen Feiertage sind wie Purim, oder die ruhigen, besinnlichen wie der Holocaust Gedenktag oder der Erinnerungstag an die Gefallenen der Kriege und Opfer der Terroranschläge. Die äthiopischen Jugendlichen sind der Meinung: „Der Holocaust traf Juden und unter den Gefallenen der Kriege und unter den Terroropfern sind auch Einwanderer aus Äthiopien. Und wir sind Juden wie alle anderen auch.“

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Die israelische Institution „Matnas“ ist für Kinder und Jugendliche eine wichtige Hilfe für gesellschaftliche Inklusion und ein Beispiel für Nachhaltigkeit. Deshalb bitte ich an dieser Stelle, die Matnasim finanziell zu unterstützen, danke.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

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Die Philister – das unbekannte Seevolk

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Sie kamen aller Wahrscheinlichkeit aus dem Gebiet der Ägäis. Eine erste Quelle dazu findet man bei Propheten Amos, der im 8. Jahrhundert BCE schrieb: „Habe ich nicht Israel aus dem Lande Ägypten heraufgeführt, und die Philister aus Kaphtor und die Syrer aus Kir?” Kaphtor wird dem ägyptischen Keftiu, welches Kreta bedeutet gleichgesetzt. Zwischen Ägypten und Kreta bestanden bereits um 3.000 BCE Handelsbeziehungen, die sowohl über den direkten Seeweg, aber auch über den längeren Land- und Seeweg statt. Kir ist der Name des Ursprungslandes der Aramäer.

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Rückschlüsse auf das ursprüngliche Heimatland der Philister (hebräisch: P‘lishti) können die Forscher aus den tönernen Grabbeigaben ableiten, die mit roter und schwarzer Farbe bemalt sind. Sie siedelten zwischen 1200 und 600 BCE im Küstengebiet zwischen dem heutigen Gaza und Akko. Dieses Gebiet unterstand zu der Zeit der ägyptischen Herrschaft, die jedoch nach den grossen Kämpfen zwischen Ägypten und den „Völkern der See“ unter Ramses III (1221-1156 BCE) langsam zusammenbrach.

Die Philister errichteten zusätzlich zu den bestehenden ägyptischen Küstenstädten Gaza, Ashkelon und Ashdod, die Städte Ekron und Gat und begründetetn dort die Pentapolis (5-Städte-Bund). Jede dieser Städte wurde autonom von einem Fürsten regiert. Aufgrund einer bei Ausgrabungen gefundenen Schrift geht man davon aus, das Ekron das politische Zentrum war.

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Die Ansiedlung der Neuankömmlinge blieb natürlich den Nachbarn, die im Hügelland lebten, den Israeliten und den Kanaanitern, die weiter im Norden siedelten, nicht verborgen. Es kam, so berichtet die Thora, immer wieder zu erbitterten Kämpfen, in denen die Philister immer wieder siegten.

 

David, dem späteren König, gelang in jungen Jahren ein entscheidendes Zurückdrängen der Feinde, indem er in einem unfairen Kampf, den er eigentlich nur hätte verlieren können, gegen den Riesen Goliath gewann. David kam an den Hof von König Saul und wurde ein enger Freund dessen Sohnes, Jonatan. Seine Erfolge, sowohl in den Kämpfen als auch im Privaten, riefen den Neid von König Saul hervor. Dieser versuchte mehrfach, David ermorden zu lassen. David hingegen zeigte sich grosszügig und schenkte Saul zweimal das Leben.

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König Saul, der angetreten war, die Philister zu besiegen und zu vertreiben, konnte sich letztlich nicht durchsetzen und stürzte sich, um nicht in die Hände der Feinde zu fallen, in sein Schwert.

König David, der unmittelbar auf König Saul folgte, gelang es, erstmals das Nord- und Südreich zu vereinen.

In wieweit es während der Regentschaft Davids noch zu grösseren kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Philistern und ihren Nachbarn kam, bleibt im Nebel der Geschichte verborgen.

Als im Jahr 586 BCE Nebukadnezar Jerusalem eroberte und damit die Zeit des ersten Tempels beendet war, gingen auch die Städte der Philister unter.

Was ist Wahrheit, was ist Legende?

Seit 1985 führte ein Team der privaten Leon-Levy-Expedition Grabungen im ehemaligen Siedlungsgebiet der Philister durch. Das Team arbeitet eng mit dem Semitischen Museum der Harvard Universität in Ashkelon zusammen.

Bisher fand man kleine Dinge, die für spezialisierte Historiker ungeheuer spannend sind, aber sicher keine Begeisterungsstürme beim breiten Publikum auslösen. Es gelang einfach nicht, die Decke des Verborgenen anzuheben, die sich über die Geschichte und über das Leben der Philister gesenkt hatte.

Knapp vor dem Ende der offiziell vereinbarten Grabungsarbeiten stiess das Team um Daniel Master auf eine Sensation. Mehr als 100 Mitarbeiter und Freiwillige legten die Gräber von mehr als 150 Skeletten frei. Diese waren in drei Meter tiefen Gruben mit zahlreichen Grabbeigaben beigesetzt worden und lagen dort verborgen unter einer dicken Sandschicht. Sämtliche Funde stammen aus der Zeit zwischen 1100 und 800 BCE. Entnommene DNA Proben werden in den USA untersucht. Von den Ergebnissen erhofft man sich genauere Kenntnisse über die Herkunft der Seevölker.

„Wir werden“, so Master „ihre Geschichte erzählen und nicht mehr die Geschichte über sie“.

Einen Riesen allerdings hat man nicht gefunden, die Menschen seien von der für die damaligen Zeit bekannten Grösse gewesen. Dass sie an harte Arbeit gewöhnt waren, belegen die Knochenfunde. „Möglicherweise haben sie sogar die Zähne beim Weben als Hilfshandwerkszeug benutzt, mutmasst die Anthropologin Sherry Fox. Sie erkennt auch bereits nach wenigen Blicken auf den Zustand der teilweise sehr gut erhaltenen Gebisse, dass die Menschen damals kein leichtes Leben hatten. Der Zustand der Zähne weise teilweise auf deutliche Mangelernährung hin.

In einigen der Grabbeigaben fanden die Forscher Rückstände von Olivenöl und wohlriechenden Essenzen. Auch Aschereste, möglicherweise von verbrannten Körpern stammend wurden gefunden.

Zu den Fundstücken gehören auch Schmuckstücke.

Rockefeller Museum

Photo: Rockefeller Museum

Einige der Fundstücke werden seit heute im Rockefeller Museum in Jerusalem ausgestellt. Selbstverständlichen befinden sich keine Knochen unter den Exponaten. http://www.imj.org.il/exhibitions/presentation/exhibit/?id=1103

Die wirkliche wissenschaftliche Arbeit beginnt jetzt, nachdem die Grabungsregion wieder verschlossen wurde. Jeder Knochen wurde fotografiert, nummeriert und verpackt. Viele der Skelette wurden unversehrt geborgen. Die Untersuchung der Fundstücke und die Auswertung werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Mehr über die Grabungsarbeiten, Bildmaterial und ein tägliches Follow-up findet man auf dieser äusserst informativ gestalteten Seite: http://digashkelon.com/discover/

Die Funde sind für die Wissenschaft und für die Geschichte sensationell. Beweisen sie doch erneut, dass die Thora auch als geschichtliche „Timeline“ durchaus Recht hat.

Auch der politische Aspekt wird noch von Bedeutung werden. Die palästinensischen Araber leiten ihre Herkunft fälschlicherweise von den Philistern, den P’lishtim ab. Der Name „Palästina“ wurde nach der Niederschlagung des Bar Kochba Aufstandes vom römischen Kaiser Hadrian eigens designt, um den Juden im Jahr 135 CE ihre Identität zu nehmen.

 

 

© esther scheiner, israel

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Shurat HaDin Konferenz: Law of War 20. /21. Juni 2016, Jerusalem – Teil 4

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Avi Dichter, Bild: Shurat HaDin

Avi Dichter begann seine Karriere indirekt mit einer Empfehlung durch Vorgesetzte, den Militärdienst bei der absoluten Eliteeinheit der IDF, der Sajeret Matkal zu absolvieren. Ziel dieser Spezialeinheit ist die Terrorbekämpfung und die nachrichtendienstliche Aufklärungsarbeit. Zahlreiche ehemalige und noch aktive Politiker haben dort gedient. Der ehemalige PM Ehud Barak ist einer der ehemaligen Kommandanten. Unter ihm dienten auch PM Benjamin Netanyahu und Avi Dichter.

Einer der weltweit meist beobachteten und verfolgten Aktionen war die Operation Entebbe, heute in Israel als Operation Yonathan bekannt, im Jahr 1976. Eine mit 270 Personen besetzte Maschine der Air France wurde nach einer Zwischenlandung in Athen von vier Terroristen, darunter zwei Mitgliedern der „Volksfront zur Befreiung Palästinas/PFLP“ entführt und nach Entebbe umgeleitet. Unter den Terroristen befanden sich auch zwei Deutsche, Mitglieder der pro-palästinensischen „Revolutionäre Zelle“. Dort schlossen sich weitere Mitglieder der PFLP den an Bord befindlichen Terroristen an. Offensichtlich wurden sie durch das pro-palästinensische Regime von Idi Amin unterstützt. Ziel der Aktion war es, 53 Gefangene aus Gefängnissen in Deutschland, Israel, Frankreich und der Schweiz freizupressen. Zunächst wurden nicht-jüdische Geiseln freigelassen und konnten nach Hause fliegen, die Flugzeugbesatzung weigerte sich, die Maschine und die restlichen Geiseln zu verlassen. Die Vorbereitung der Befreiungsaktion dauerte einige Tage, wurde dann aber erfolgreich in nur 1 ½ Stunden durchgeführt. Drei der Geiseln starben bei der Aktion, eine weitere wurde am kommenden Tag von den Schergen Idi Amins im Krankenhaus ermordet. Oberstleutnant Yonathan Netanyahu, der ältere Bruder von PM Benjamin Netanyahu, wurde während der Befreiungsaktion erschossen.

 

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Gedenktafel am Flughafen Entebbe

Im UNO-Sicherheitsrat kam es zu einer Sondersitzung wegen ernster Verletzung der Souveränität eines Mitgliedsstaates. Der damalige, später wegen seiner Aktivitäten während der Nazizeit scharf umstrittene Uno Generalsekretär Kurt Waldheim verurteilte die Aktion entsprechend – nicht unerwartet, wenn man die Antragsteller ansieht: afro-arabische und sozialistische Staaten.

1974 trat Avi in den Inlandgeheimdienst, Shin Bet, ein und war von 2000 bis 2005 dort Direktor. Eine Zeit, in der zahlreiche, vom Ausland oft auch kritisch betrachtete Aktionen durchgeführt wurden. Es war die Zeit der zweiten Intifada.

Im Film „The Gatekeepers“ (die deutsche Fassung trägt den unglücklichen Titel „Töte zuerst“ äusserte er sich in einem Interview kritisch zu den Erfolgen und Misserfolgen und kam zum Schluss,„..dass man keinen Frieden mit militärischen Mitteln schaffen [kann]“. Dieser Film und insbesondere dieses Interview dient anti-israelischen Gruppen und Aktivsten immer wieder als Argument, die israelische Politik in Bezug auf Judäa und Samaria aufs Übelste anzugreifen und hat sich leider zum Kommunikationskiller entwickelt.

 2005 trat er Arik Sharons Partei „Kadima“ bei und kandidierte 2006 bei den Wahlen. In der Regierung unter PM Ehud Olmert diente er bis 2009 als Minister für innere Sicherheit. 2012 legte er sein Mandat nieder. Nach einer kurzen politische Pause wurde er 2013 wiederum in die Knesset gewählt, nunmehr als Mitglied der Likud Partei.

Wie erst in der Vorwoche bekannt wurde und erst gestern zur Veröffentlichung freigegeben wurde, führte Jitzhack Herzog (Oppositionsführer, Zionistische Union) während der Wahlkampfphase 2014/15 geheime Verhandlungen mit PA Präs. Abbas. In seiner Funktion als Vorsitzender des Knesset Komitees für Aussenbeziehungen und Verteidigung, warnte Avi eindringlich vor den Folgen, die ein solches Abkommen mit sich bringen würde. Kernpunkt der Verhandlungen war die Zusage, das gesamte Gebiet von Judäa und Samaria, sowie Ost Jerusalem an die Palästinenser abzutreten. „Herzog versprach ihnen 100 % von Judäa und Samaria. Nur 4 % des diskutierten Gebietes würden mit einem Landtausch abgegolten werden. Wie war das in Gaza? Abbas war seit neun Jahren nicht in Gaza. Seit die Hamas dort de facto die gesamte Kontrolle übernommen hat. Wie kann man mit jemandem verhandeln, der keinerlei Kontrolle über sein eigenes Gebiet hat? „Haben wir denn gar nichts aus den Fehlern, die wir in der Vergangenheit gemacht haben gelernt? Ich nenne das einen üblen Scherz!“

Avi stellte die provokante, aber zutreffende Frage: „Haben Sie schon einmal von einem Präsidenten gehört, der nicht einmal 45 % seiner Gesamtbevölkerung repräsentiert?“ und fuhr mit seiner Kritik an die Verhandlungsfähigkeit der palästinensischen Verwaltung fort: „Sie reden über einen Zwei-Staaten-Lösung. Wir aber sehen drei Staaten.“ Er liess bei seiner Kritik auch die eigene Regierungspartei nicht ganz ungeschoren: “Das ist nicht das, was wir von unseren Politikern erwarten, um die Voraussetzungen für einen Friedensvertrag weiter vorwärts zu bringen.“

 

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S.E. John R. Bolton, Bild: Shurat HaDin

S.E. John R. Bolton gilt als neokonservativ und scharfer Kritiker der UNO. Unter den Präsidenten Ronald Reagan und George Bush leitete er zunächst die US Agentur für internationale Entwicklung (USAID), als stellvertretender Generalstaatsanwalt für das US-Justizministerium und als Unterstaatssekretär beim US-Aussenministerium. 2001 wurde er zum Unterstaatssekretär beim US-Amt für Rüstungskontrolle und Internationale Sicherheit und ist seither auch Mitglied des Rates für Aussenbeziehungen. Der durch Präsident G.W. Busch persönlich ausgesprochene Vorschlag, ihn zum Botschafter der USA bei der UNO zu ernennen stiess auf harte und nicht aufweichbare Kritik seitens des Senats und der Republikaner. Der Präsident nutzte daraufhin sein Recht, Bestellungen auch ohne Zustimmung des Senates in absentia, also während deren Urlaubszeit, durchzusetzen. Bei dieser, bisher einmaligen Art der Bestellung eines Botschafters endet dessen Amtszeit automatisch mit dem Ende der Legislaturperiode des Kongresses. Da es klar war, dass die Demokraten, die die Wahl gewonnen hatten, ihn nicht unterstützen würden, verzichtete er auf eine erneute Kandidatur.

In seiner Rede beschränkte sich John auf wenige Punkte, die er leider nur kurz anschnitt, ohne in die Tiefe zu gegen.

Er sieht in dem mit dem Iran ausgehandelten Atomvertrag grosse Probleme auf die Welt zukommen. „Die Iraner haben gelernt, dass sie nur Geduld haben müsssen. Irgendwann werden die Amerikaner aufgeben und sämtliche Sanktionen gegen den Iran aufheben. Ist das erst einmal geschehen, steht ihnen jeder Weg offen. In dem Moment, in dem die USA sich nicht mehr um den Iran kümmern, werden sie ihr Atomwaffen Programm aufdecken.“

Seiner Meinung nach ist das bis die höchsten Kreise der US Regierung bekannt, sogar, wie er sagt, im „Oval Office“, und damit auch dem derzeitigen Präsidenten Barack Obama. Und trotzdem haben sie dem Vertrag zugestimmt.

Sanktionen gegen den Iran hält er für überflüssig und lehnt sie deshalb auch rigoros ab. Internationale Sanktionen gegen Staaten, die den Terror unterstützen, sind sinnlos. Es ist, als ob die sich immer wieder von neuem selbst erschaffen.

Eine ähnlich schlechte Meinung hat John zum Internationalen Gerichtshof ICC. „Die Richter, die dort Recht sprechen, sind keine ernstzunehmenden Richter.“

Jegliche Kooperation mit dem ICC müssen von Staaten, die sich selber ernst nehmen sofort gestoppt werden. Im Gegenteil, jede Zusammenarbeit stärkt den ICC und legitimiert ihn. „Der ICC ist eine Fiktion, eine Illusion. Da sitzen Männer in schwarzen Roben. Keinem Einzigen von ihnen wird es gelingen, die brutalen Diktatoren weltweit zu stoppen, damit es nicht zu weiteren Massakern kommt. Keiner hat sie gewählt, es gibt keine konkreten Vergleiche und Querhinweise.“

In Tat und Wahrheit, so beklagt er, sei es ein ad hoc Gericht, um gegen afrikanische Führer vorzugehen.

Sein glücklichster Moment während seiner Amtszeit in der US amerikanische Regierung sei gewesen, als die Unterschrift der USA für das Rom Statut zurückgezogen wurde.

Er beendet seine Worte mit der Warnung, dass, wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnen wird, eine ihrer ersten Taten sein wird, das Rom Statut zu ratifizieren und dem ICC wieder beizutreten.

 

 

 

©esther scheiner, israel

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Shurat HaDin Konferenz: Law of War /21. Juni 2016, Jerusalem – Teil 3

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MK Yair Lapid war bereits, als er 2012 seine Karriere als Journalist und Fernsehmoderator aufgab, um Politiker zu werden, umstritten. Ob er mit diesem scheinbar spontanen Wechsel eine Gesetzesvorlage torpedierte, die angeblich speziell für ihn formuliert worden war, wurde nie öffentlich diskutiert. Der Verdacht liegt aber nahe. Journalisten sollten eine Karenzierung von bis zu einem Jahr einhalten, bevor sie sich für eine passive Wahl zur Verfügung stellen.

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MK Yair Lapid (Bild: Jerusalem Post)

Noch als Journalist hatte er sich dafür eingesetzt, eine Verfassung für Israel auszuarbeiten, das Wahlgesetz zu ändern, die Militärausgaben zu verringern, den Golan an Syrien zurückzugeben und sich weitgehend aus Judäa und Samaria zurückzuziehen. Alles Forderungen, die ihn nicht zum Lieb Kind der Regierung Netanyahu machten. Bei den Wahlen 2013 trat er mit seiner neuen Partei „Yesh Atid“ (Es gibt eine Zukunft), die zweitgrösste Fraktion wurde. In der Koalitionsregierung mit dem Likud diente er als Finanzminister unter PM Netanyahu. Ende 2014 wurde er vom PM seines Amtes enthoben. Derzeit sitzt er mit 11/120 Plätzen in der Opposition. Yair gilt nach wie vor als Hoffnungsträger für alle, die an ein modernes, nicht von den Religiösen geprägtes Israel glauben.

In seiner aufrüttelnden Rede hält er fest:

vignette-nation-winteregg_DSC9997„Ich möchte heute mit Ihnen über etwas diskutieren, das die UNO verloren hat. Wann immer es um Israel geht, hat die UNO alles verloren, sämtliche Fähigkeiten, ihre Logik, ganz besonders aber das, war ihr einst so wichtig war, ihre Integrität. Ende März stand ich gemeinsam mit mehreren Hundert Demonstranten in Genf, eingehüllt in die israelische Fahne gegenüber dem Gebäude des UNO-Menschenrechtsrates. Im UNHRC wurde gerade wieder einmal über Israel debattiert. Über eine neue Resolution gegen unser Land. Die UNO hat in ihrer Israelkritik schon lange die legitimen Grenzen überschritten. Sie ist zu einer beunruhigenden Obsession geworden. In den letzten zehn Jahren wurden insgesamt 61 (!) Resolutionen weltweit verabschiedet, und 67 (!) gegen Israel. Gegen ein demokratisches Land, das sich an die internationalen Gesetze hält, Israel wurden mehr Resolutionen verabschiedet, als gegen die ganze restliche Welt.“

 

Jeder, der die Nachrichten regelmässig verfolgt, weiss es. Trotzdem ist aufrüttelnd, die Länder aufgezählt zu bekommen, in denen tagtäglich Massaker und/oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgeführt werden: 400.000 Menschen wurden in Syrien ermordet, es gab und gibt noch bewaffnete Konflikte in Libyen, Afghanistan, Irak, Ukraine, China, Iran. Aber Israel ist das einzige Land, das einen Dauerplatz auf der Agenda des UNHRC und des UNSC einnimmt.

Das hat sicher ursächlich damit zu tun, dass jede Klage, die von den Palästinensern vorgebracht wird, eine breite Unterstützung nahezu aller arabisch-islamischen Staaten, die im UNHRC und UNSC in der Mehrheit sind, hat. Klagen, die erwiesenermassen von den Organisationen kommen, die sich darauf eingeschworen haben, Israel zu zerstören. Immer wieder haben objektive Untersuchungen gezeigt, dass es sich um künstlich geschaffene Klagen handelt, die keinen realen Hintergrund haben. Das interessiert die UNO aber schon lange nicht mehr. Yair verwies auf seine Rede vor der UNO, in der er dargelegt hatte, dass Israel gleichzeitig vier islamischen Terror Organisationen gegenübersteht: ISIS, Hitzbollah, Hamas und Al Quaida.

Organisationen, deren Mitglieder ganz offen sagen, Juden ermorden wollen, einzig und allein deshalb, weil sie Juden sind. Sie erhalten logistische und finanzielle Unterstützung vom Iran. Einem UNO-Mitgliedsstaat, der sagt, sein Ziel sei es, einen anderen UNO Mitgliedsstaat völlig auszurotten: Israel. Jede offensichtliche Lüge, die von der Hamas vorgebracht wird, wird von der UNO gerne und nicht hinterfragt angenommen.

Eine der Resolutionen befasste sich erst kürzlich wieder einmal mit dem von Israel „besetzten“ Golan. Kein Wort, so Yair, sei im Protokoll enthalten gewesen, dass nur etwa 200 Meter hinter der Grenze zwischen Israel und Syrien auf dem Golan das grosse Morden bereits zur Tagesordnung gehörte. Eine Rückgabe des 1967 umkämpften und eroberten Gebietes würde für den Norden Israels ein hochgradiges Sicherheitsproblem darstellen. Kein Wort sei zu lesen gewesen, dass Israel seit Kriegsbeginn leise und von der Weltöffentlichkeit fast unbemerkt Tausende von Kranken und Kriegsopfern in israelischen Krankenhäusern behandelt und gepflegt habe. Kostenlos.

In einem Report klagten die Palästinenser, dass Israel ihre Mitbürger mit Krebs infizieren würden. Dies würde, so steht es zu lesen, mittels Impfungen geschehen. Diese infame Lüge wurde nicht hinterfragt, ihr Wahrheitsgehalt wurde nicht verifiziert, nein, sie wurde in einem offiziellen UNO Papier veröffentlicht.

Während und nach dem Gaza Krieg 2104 wurden Bilder von der Hamas veröffentlicht, die eindeutig einer Bearbeitung mit Photo Shop unterzogen worden waren, um ihre Wirkung und Glaubwürdigkeit zu verstärken. Bilder die eine Szene in Gaza darstellen sollten, waren tatsächlich in Beirut aufgenommen worden. (Anm.: Man kann dies leicht am Datum der Veröffentlichung feststellen). Sie wurden, ebenfalls nicht verifiziert in einem offiziellen UNO Report weltweit verbreitet.

Es gibt, so fuhr Yair fort, im UNO-Hauptquartier in New York eine Ausstellung mit dem Titel „The Palestinian refugee problem“. „Schaut man die Statistiken an, so sieht man, dass im Jahr 1948 in etwa 700.000 Araber aus Israel flohen, oder vertrieben wurden. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine Tragödie. Aber, man muss sich in Erinnerung rufen, dass Israel nicht der Angreifer war. Die UNO stimmte dafür, den Staat Israel zu gründen und die Antwort war, dass der junge Staat von sieben arabischen Staaten und den Bewohnern des ihnen zugesprochenen Landes angegriffen wurde. Die Flüchtlinge glaubten den Lügen, die verbreitet wurden „Wenn Israel den Kampf verliert, werden wir alle Juden töten, und ihr bekommt eure Häuser und euren Grund zurück.“ Es kam anders. Ähnliches geschah zu der Zeit in weitaus grösserem Umfang weltweit.“

Dank der UNWRA, die eigens zur Betreuung der palästinensischen Flüchtlinge gegründet wurde – keine andere Flüchtlingsgruppe hat eine individuelle UN Betreuung – gibt es heute mehr als 5 Millionen palästinensische Flüchtlingen weltweit, die – ebenfalls ein Unikat – ihren Status von Generation zu Generation weitergeben. Kein Mensch wurde jemals per Geburt zum Flüchtling, das gibt es nicht. Ausser, er ist ein Palästinenser. Die UN hat für sie die Regeln geändert. Gleich, ob das Baby in einem Flüchtlingscamp im Libanon oder in einer Villa in Katar geboren wurde. Sie werden in einem Land geboren und erhalten gleichzeitig den Flüchtlingsstatus eines anderen Landes, in dem sie niemals waren. Was ist die Rechtfertigung dafür?

Die UNO ist Gefangene ihres eigenen Systems geworden. Nicht-demokratische Staaten haben eine überwältigende Mehrheit in der Generalversammlung. Was einst eine unabhängige Bewegung sein sollte, hat sich zu einer Organisation entwickelt, in der 136 Staaten, sehr viele davon islamisch, die Mehrheit bilden. Diese Staaten haben die ursprünglichen Ziele der UNO zerstört und haben ihre Handlungsmöglichkeit völlig verändert. Sie sind Partner von BDS mit seinen bekannten Zielen. Anstelle die Organisation zu sein, die die Freiheit der Menschen beschützt, liberale Werte, Demokratie und Frieden sicherstellt, hat sich ein Teil der UNO für das Gegenteil entschieden. Sie wurden zu Kollaborateuren vom fundamentalistischen Islam, von Terrororganisationen wie Hamas und wie Hitzbollah.

„Es ist inakzeptabel, dass die UNO amerikanisches Geld, amerikanische Ressourcen und amerikanische Unterstützung missbraucht, um es in eine Propagandakampagne zu stecken, die die Zerstörung des Jüdischen Staates zum Ziel hat.“

Die Mehrheit der nicht demokratischen Staaten in den Gremien sichert eine Mehrheit gegen Israel. Statt ernsthafter Debatten über globale Probleme verteilt die UNO antisemitische Propaganda.

Angesichts dieser Fakten ist das relative Schweigen der USA und Europas verstörend. 22 % des UNO-Budgets werden von den USA gezahlt, 65 % werden von sechs Staaten getragen, von USA, Japan, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und Italien. Aber wo sind ihre Stimmen, die klar und deutlich und laut sagen: „Nein, wir wollen das so nicht mehr! Wir erlauben nicht mehr, dass das so weiter geht!“

Die UNO wurde in ihrem Inneren bereits von nicht-demokratischen Ländern übernommen, nun ist es höchste Zeit, dass die demokratischen Staaten sie wieder zurückerobern.

 

©esther scheiner, israel

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Shurat HaDin Konferenz: Law of War 20. /21. Juni 2016, Jerusalem – Teil 2

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MK Tzipi Livni, ist seit dem Jahr 2000 aus Israels politischer Landschaft nicht mehr wegzudenken. Sie begann ihre Karriere als Knesset Mitglied in der Likud Partei und war in den folgenden Jahren in einige Ministerposten tätig. 2005 trat sie der Partei Kadima bei, die von Ariel Sharon als Abspaltung des Likud gegründet wurde. 2006 wurde sie als zweite Frau nach Golda Meir zur Aussenministerin ernannt. Intern wurde sie als Nachfolgerin von Ariel Sharon gehandelt. Allerdings unterstützte sie Ehud Olmert als Parteipräsidenten und amtierenden PM. Nach den Wahlen blieb sie Aussenministerin und stellvertretende PM. Tzipi war die erste israelische Politikerin, gegen die ein internationaler Haftbefehl vorlag. Der hätte bei der Einreise nach Grossbritannien zu ihrer Verhaftung geführt. Als Begründung wurden Kriegsverbrechen im Gaza Streifen während der Operation „Vergossenes Blei“ angeführt. Der Haftbefehl wurde später wieder aufgehoben, führte jedoch zu diplomatischen Verstimmungen zwischen London und Jerusalem. Nach dem Rücktritt Ehud Olmerts im Oktober 2008 wurde Tzipi mit der Regierungsbildung beauftragt. Dies gelang ihr jedoch nicht, woraufhin es im Februar 2009 Neuwahlen gab. Ihre Partei Kadima wurde zwar die stärkste Fraktion, konnte aber keine mehrheitsfähigen Koalitionspartner finden. Bei den nächsten Wahlen 2012 trat sie mit ihrer neuen Partei Hatnua an und wurde als Finanzministerin Mitglied der Koalitionsregierung Netanyahu. 2014 wurde sie aufgrund von öffentlich geäusserter Kritik am PM von diesem entlassen. Zur Wahl im Jahr 2015 formte sie gemeinsam mit Jitzhack Herzog und dessen Awoda das Wahlbündnis „Zionistische Union“, das die Wahl knapp verlor und seither in der Opposition sitzt.

Tzipi betonte, dass das derzeitig geltende Recht weltweit dahingehend missbraucht werden kann, um Klagen gegen israelische Soldaten und Offiziere einzubringen. Auch gegen Meinungsbildner kann, wie oben beschrieben, beim ICC (Internationaler Strafgerichtshof) Anzeige gemacht werden. Der ICC habe seine Türen weit für die palästinensische Sache geöffnet. Dieser Umstand führt dazu, dass die Palästinenser ihre Absicht, Israel nachhaltig zu diffamieren, zielstrebig verfolgen können.

Um dem entgegenzuwirken, muss Israel mit seinen Freunden so eng wie möglich zusammenarbeiten. Leider gibt es aber zahlreiche Stimmen, die beklagen, dass die Welt antisemitisch sei. Sie glauben, dass die Welt in Bezug auf Israel derzeit von BDS geändert würde, und dass es keine Möglichkeit gäbe, dem entgegenzuwirken. Die Welt sei gegen Israel und das einzig deshalb, weil Israel existiere.

Es gibt Antisemitismus in der Welt, aber nicht die ganze Welt ist antisemitisch. Statt BDS die Chance zu geben, einen Keil zwischen Israel und der Welt zu treiben, es zu isolieren und es zu einem „Jüdischen Ghetto“ im Nahen Osten zu machen, müsse Israel die Entwicklung umdrehen und einen Keil zwischen BDS und die internationale Gemeinschaft treiben.

Obwohl wir nur ein sehr kleiner Staat sind, noch dazu umringt von feindlichen Staaten und Terrororganisationen, dürfen wir uns nicht als „der kleine David“ fühlen. Das wäre gefährlich. Das ist es, was die Welt von uns wahrnimmt. Der israelische Soldat auf der einen und das palästinensische Kind auf der anderen Seite. Das ist es, was die Welt glauben gemacht wird: Israel ist der Aggressor. Wir müssen uns unserer Werte bewusst sein. Der Werte, die in der Unabhängigkeitserklärung festgeschrieben wurden, auf die wir uns beziehen, wenn wir erklären, dass Israel der einzige demokratische Staat im Nahen Osten ist, und die auch die Basis für die Beziehungen zwischen Israel und den USA sind.

„Es ist daher von grösster Bedeutung, dass wir diese Werte verinnerlichen. Wir müssen sie zum unabdingbaren Teil der Erziehung der nächsten Generation machen. Meine Söhne legen ihre Werte, die ich ihnen vermittelt habe, nicht ab, wenn sie ihre Uniformen anziehen. Diese Werte sind der beste Weg, um die israelischen Soldaten zu verteidigen. Wenn Israel notwenige Untersuchungen selber an den Gerichtshöfen durchführt, wenn die IDF dort selber aktiv wird, dann sind wir auf dem rechten Weg.“

Ein anderer Aspekt, den Tzipi hervorhob ist, dass Terrororganisationen, wie Hamas in Gaza, Hisbollah im Libanon und die PA ihre Identität wechseln. Von den USA und den meisten Staaten Europas als solche anerkannte Terrororganisationen ziehen sich selber das Schafsfell an und nennen sich „politische Partei“. Und so sitzen sie in der Regierung des Libanon und haben die politische Gewalt in Gaza übernommen.

„Im Jahr 2005 traf ich Condoleezza Rice, die damals ganz am Anfang ihrer Karriere als Aussenministerin unter G.W. Bush stand. Sie meinte „Demokratie? Du redest über Demokratie? Ihr glaubt ein demokratischer Staat zu sein? Dazu gehört aber mehr, als ein Wahlsystem. Zu einer Demokratie gehören auch ethische Werte.“ Man darf doch diesen Terrororganisationen nicht die Chance geben, an Wahlen teilzunehmen. Nicht, solange sie das System bekämpfen. Mehr noch, solange sie es missbrauchen.“

Tzipi mag derzeit aus der Oppositionsrolle heraus keinen grossen Einfluss auf die aktuelle Politik Israels haben. Für mich ist und bleibt sie eine der Hoffnungsträgerinnen für kommende Wahlen.

 

© esther scheiner, israel

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