Ben & Jerry – Wenn Gutmenschen Eiscrème produzieren

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Zugegeben, ich habe noch nie ein Eis dieses Unternehmens probiert, habe also (noch) keine Ahnung, ob es auch nur ansatzweise das hält, was das Leitbild verspricht.

„Wir produzieren die beste Eiscrème auf die bestmögliche Art.“

 Die deutsche Webseite  ist voll mit Informationen, wie und wo produziert wird, hebt hervor wie nachhaltig mit den Grundstoffen umgegangen wird. Dass nur Milch von glücklichen Kühen und Eier von glücklichen Hühnern verwendet werden, ist dabei nur der kleinste Glücksmoment!

Die Brownies kommen aus einer Bäckerei, die als Sozialprojekt geführt wird und Menschen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess hilft. „Lean & Green“ zertifizierte Kühlschränke sorgen für eine energieeffiziente Kühlung, Milchproduktabfällen werden (allerdings derzeit nur in den USA) an die Milchlieferanten retourniert. In speziellen Anlagen werde sie dort in Strom umgewandelt.

Nachhaltige Verpackungen tragen ebenfalls dazu bei, dass der ökologische Fussabdruck möglichst gering bleibt.

Ben & Jerry ist „Eis-Partner“ beim 1. FC St. Pauli    und  half mit, dass die “Ehe für alle” in Deutschland gesetzlich verankert wurde. Dass alle Menschen weltweit in die Gesellschaft integriert sind ist ihnen ein Anliegen. Damit das so ist, fordern sie jeden auf «…  gemeinsam für eine süssere Welt und eine inklusive Gesellschaft einzustehen.»

Klingt doch alles sehr gut!

Ben & Jerry hatten 1978 eine gute Idee, aber wenig Geld.  In Burlington/Vermont entstand mit geliehenem Kapital der erste «Ben & Jerry Scoop Shop». Nach einer unglaublichen, bald auch internationalen Erfolgsstory wird das Eis Unternehmen im Jahr 2000 von Unilever zu 100% aufgekauft.

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Die Geschmacksvielfalt wächst und wächst.  Gleichzeitig wächst auch das soziale Engagement und damit die Politisierung des US-Amerikanischen Unternehmensteils.  2016 hatten sie den demokratischen Kandidaten Bernie Sanders aktiv unterstützt und ihm sogar eine eigene Eisspezialität komponiert. Diese Wahlkampfaktion war rein privat initiiert. Das Schoko-Minze Eis brachte Sanders aber genauso wenig den ersehnten Erfolg, wie seine strikt anti-israelische Einstellung.

Wenn es schon auf der Politbühne niemanden mehr gibt, der unterstützt werden kann, dann muss eben ein politisches Feindbild für die Unternehmens-PR herhalten. In diesem Fall war es der amtierende Präsident Donald Trump, der unmittelbar vor den Midterm Wahlen Zielscheibe der politisierten Eiscrème wurde. «PeCan Resist», ein Wortspiel, das nur im Englischen funktioniert und etwas frei übersetzt erinnern soll an «Wir können dagegenhalten!» Mit dem Erlös aus dieser Eissorte werden Organisationen und Bewegungen in den USA unterstützt, die den Widerstand gegen die Politik Donald Trumps zum Ziel haben. Ob ich das gut finde, oder nicht, soll hier nicht diskutiert werden. Was die deutsche Webseite verschweigt, wird auf der amerikanischen klar präsentiert.

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Eine der auf den Eisbechern abgebildeten Frauen ist Linda Sarsour, eine palästinensische Amerikanerin, die als Aktivistin der BDS Bewegung nahesteht und sich immer wieder abwertend über den Zionismus äusserte. Pro-Israel Aktivisten, wie unter anderem der israelische Rapper Yoav Aliasi verurteilten dies scharf und riefen zum Boykott von Ben & Jerry auf. Die zwei jüdischen Unternehmer Ben & Jerry verwiesen darauf, dass Linda Sarsour sich stark in Frauenprojekten engagieren würde und verteidigten das neue Produkt.

Linda Sarsour wurde als Mitorganisatorin vom «The women’s March» vom   Glamour Magazin als einer der «Frauen des Jahres 2017» gewählt.   Eine Frau, die Israel die Schuld an der Unterdrückung der Schwarzen im Amerika gab. Und die den Israelis Herrenmenschentum unterstellt, die sowohl Palästinenser, als auch schwarze Amerikaner unterstützen.

Wirklich, eine tolle PR Ikone für ein jüdisches Unternehmen!

 

Seit einigen Jahren betreibt hetzt BDS gegen das israelische Franchise Unternehmen von Ben & Jerry in Beer Tuvia, einer Kleinstadt wenige Kilometer östlich von Ashkelon im israelischen Kernland. Bis 1947 stand in diesem Gebiet das arabische Dorf Quastina, welches im Zuge des Unabhängigkeitskrieges erobert wurde. Ein gefundenes Fressen für BDS.  Bereits im Jahr 2013 wurde Unilever aufgefordert die Produktion einzustellen.

Nicht nur, dass sich die Produktionsstätten auf gestohlenem Land befinden, das Wasser, welches zur Produktion notwendig ist, wird, so die Anklage, dem Jordan und dem oberen Aquifer entnommen. Also auch gestohlen. Wie das rein technisch funktionieren soll, bleibt ein Rätsel.

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Wasserversorgung in Israel, Beer Tuva wird vom Küsten Aquifer versorgt

Es kommt aber noch besser.

Die Auslieferung in die Supersol Filiale in Pisgat Zeev erfolgt über Strassen, die nur für Israelis geöffnet sind und in Filialen, in denen nur «Siedler» kaufen dürfen. Pisgat Zeev, ein östlicher Ortsteil von Jerusalem mit etwa 50.000 Einwohnern gehört zu den «Ring- Stadtvierteln», und ist nicht, wie behauptet, eine «illegale Siedlung». Lügen, nichts als BDS Propaganda-Lügen, die zur Untermauerung der Delegitimierungsbestrebungen angeführt werden.

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Seit im Jahr 2006 Sicherheitssperren zwischen Jerusalem und Judäa und Samaria eingerichtet wurden, sind zahlreiche Bewohner der arabischen Ortsteile Beit Hanineh und Shuafat nach Pisgat Zeev gezogen.

Aber, um sicher zu sein, dass die Botschaft auch ankommt und Israel wieder einmal dämonisiert wird, legt BDS noch eine Schaufel nach.

Die Ausstattung der Eisproduktion wurde bei der Beth-El Gruppe gekauft. Diese Gruppe, die ihren Unternehmenssitz in Zichron Ya’acov hat, gehört dem deutschen Kibbuz gleichen Namens. Bekannt wurde das Unternehmen mit den Luftfilteranlagen, die Lösungen für alle Notwendigkeiten anbietet. Mittlerweile expandierte das Unternehmen und hat neben anderen Standorten auch einen auf dem Golan, einem Gebiet, welches laut BDS von Israel besetzt wird, und das eigentlich zu Syrien gehört. Eine seltsam anmutende Behauptung, wenn man weiss, dass Bnei Yehuda bereits im Jahr 1885 von Einwohnern von Sfad gegründet wurde.

Ich jedenfalls werde zwar in den USA die Eis Sorte boykottieren, sie aber hier im Land am Sonntag einmal kaufen.

Und wenn das Eis nur halb so gut ist, wie Ben & Jerry behaupten, dann wird das nicht mein letzter Kauf gewesen sein.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zähle die Träume deines Lebens; wenn die Zahl der Träume grösser ist, als die Zahl dessen, was du erreicht hast, so bist du jung! (Shimon Peres)

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Heute,  am 26. Oktober jährt sich ein Ereignis, dass vor fast einem Viertel Jahrhundert grosse Hoffnungen mit sich brachte.

Der 1994 zwischen dem damaligen König Hussein und unserem damaligen Premierminister Yitzhak Rabin abgeschlossene Friedensvertrag sollte, so die Hoffnung der Vertragspartner, ein Neubeginn sein.  Damit, so glaubte man, würde eine 43 Jahre andauernde Ära der Unruhe und Kämpfe beendet, und eine andauernde Phase der Ruhe und des Friedens in der Region beginnen. 1988, noch während der teilweise als Geheimverhandlungen geführten Vorgespräche, verzichtete Jordanien zu Gunsten des Friedensvertrages und geplanter Verhandlungen zwischen der PLO und Israel auf seine Ansprüche auf das sogenannte «Westjordanien», also das heutige Gebiet Samaria und Yehuda. Mit diesem Schachzug standen sie gut da, einerseits waren sie die Verantwortung über das ungeliebte Land westlich des Jordans los. Und andererseits zeigten sie sich grosszügig, was die Gründung eines zukünftigen Palästinenserstaates anging.

Schon Wochen vor dem Vertragsabschluss hatten sich die positiven Zeichen vermehrt.  Im August war König Hussein, selber ein begeisterter Pilot, mit seiner Maschine über dem Tempelberg gekreist, um Jerusalem zumindest schon einmal von oben zu betrachten. Das erste direkte Telefongespräch zwischen Präsident Ezer Weizmann und König Hussein wurde live im israelischen Fernsehen übertragen.

 

Hassan

Abraham -Geiger-Preis, Berlin 2008

Der Bruder des Königs, Hassan, war gleichzeitig auch sein Kronprinz. Warum er kurz vor dem Tod seines Bruders zu Gunsten seines Neffen, dem heutigen König Abdullah «ausgetauscht» wurde, bleibt ein Geheimnis des Haschemiten Clans. Zu liberal? Zu weltoffen und zu wenig militärisch? Wo Abdullah sich gerne in Uniform und «wir haben alles im Griff» Blick zeigt, reist Hassan unermüdlich durch die Welt, um seinen Kampf für Menschenrechte und Konfliktlösungsprojekte voran zu bringen. Er ist einer der grossartigsten und freundlichsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe. Im Jahr 1994 war er der Wegbereiter, der aus der öden Wüste zwischen Eilat und Akaba ein Vorzeigeprojekt des neuen Miteinander schuf. Als der Vertrag in Akaba unterschrieben wurde, glänzten der neue Grenzübergang und die Stadt in bisher nie dagewesenen Glanz.

Wenige Wochen später, am 10. Dezember 1994 erhielten in Stockholm Präsident Shimon Peres, Ministerpräsident Yitzhak Rabin und Jassir Arafat den Friedensnobelpreis.

Nur ein Jahr später, am 4. November 1995 wurde Premierminister Yitzhak Rabin von einem jüdischen Extremisten ermordet.  Bei seiner Beisetzung zwei Tage später spricht auch der Haschemitenkönig. Er spricht langsam, so als schmerze ihn jedes Wort. Er spricht von Rabin als seinem Freund und Bruder, er spricht von den gemeinsamen Hoffnungen und Träumen. Und davon, dass er nie daran gedacht habe, dass sein erster (offizieller) Besuch in Jerusalem so einen traurigen Anlass haben würde.

Viele Hoffnungen hatten vor allem die Jordanier in die neue Partnerschaft zwischen ihrem Land und Israel gesetzt. Jordanien ist ein armes Land, nur 5% der Bodenfläche sind für die Landwirtschaft geeignet. Durch das fehlende Süsswasser und das fast niederschlagsfreie Klima ist die Bewässerung der Felder sehr mühsam. Der Jordan, einst der grösste Wasserlieferant, ist mittlerweile zu einem Rinnsal geschrumpft.

Dafür wird immer wieder Israel zur Verantwortung gezogen. Tatsache ist aber, dass die Oslo Verträge genauestens festgelegt haben, welche Wassermeng Israel an Jordanien und an die palästinensischen Siedlungsgebiete abliefern muss. Hier hat allerdings der Klimawandel zu beträchtlichen Veränderungen geführt. Der Kinneret, einstmals der grösste und wichtigste Süsswasserspeicher des Landes hat die kritische Obergrenze von – 213.0 m im Mai 2017 letztmals unterschritten und liegt derzeit bei – 214.53 m. Das gemeinsame «Zwei-Meere-Projekt», das Meerwasser aus dem Golf von Akaba nach Norden leiten sollte, wenn alles geklappt hätte, hätte in diesem Jahr starten sollen.

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Screenshot Spiegel

Ein Teil des Wassers sollte den anliegenden Staaten und Gebieten zu Gute kommen und entsalzt werden, ein Teil der drohenden Austrocknung des Toten Meeres entgegenwirken. Umweltschützer hatten immer wieder Bedenken geäussert, dass das in das Tote Meer eingeleitete Salzwasser mehr Schaden anrichten, als dass es nützen würde.

An Bodenschätzen verfügt das Land über Phosphat, Kupfererz und Pottasche aus dem Toten Meer, die exportiert werden.

Der Tourismus, vor allem in Petra, in Akaba und am Toten Meer ist einer der grössten Geldbringer des Landes. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Die Öffnung der Grenzen und Erleichterungen bei den Arbeitsbewilligungen für Israel entschärfen im Süden die Situation ein wenig.  500 Tagesvisa wurden in den vergangenen Jahren jeweils ausgestellt, mit einer Option, diese Zahl bei Bedarf auch zu erhöhen. Offensichtlich schlugen alle Versuche, einheimische Mitarbeiter zu engagieren, fehl. Eilat ist für Israelis eine Stadt für Ferien und Partys, aber keine Stadt zum Arbeiten.

Aus dem warmen, freundlichen Frieden zwischen den Ländern scheint sich zwischenzeitlich eine kühle, nur mehr auf Fakten abgestellte Geschäftsbeziehung zu entwickeln.

König Abdulla gerät mit seiner Regierung immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.  57 % der Arbeitnehmer sind Beamte. Die Bevölkerung wächst schneller, als die Wirtschaft, die Verschuldungsrate des BIP liegt bei knapp 100%. Der Wüstenstaat, der 1.2 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, steht vor dem endgültigen wirtschaftlichen Ruin, obwohl er von US-Aid soviel Geld erhält, wie kaum ein anderer. Jordanien gilt als ein Verbündeter des Westens und nimmt im Nahen Osten (noch) eine strategisch wichtige und stabilisierende Rolle ein.  Der überwiegende Anteil der Jordanier sind Palästinenser. Auch Königin Rania, entstammt einer palästinensischen Familie.

Und trotzdem, es sind überwiegend Palästinenser, die auf den Strassen lautstark die Absetzung des Königs fordern. Sie wehren sich gegen die Zusammenarbeit mit dem «zionistischen Feind» und gegen die von Grossbritannien eingesetzte Königsfamilie. Die Opposition steht hinter ihnen. Sie zieht immer mehr Nationalisten und fundamentalistisch religiöse Personen an. Immer lauter werden die Stimmen, den Friedensvertrag mit Israel unilateral aufzukündigen. König Abdullah sieht sich unter Druck. Will er, wie er es seit dem Jahresbeginn versucht, Steuerreformen und Sparmassnahmen durchsetzen, um sein Land vor dem endgültigen Kollaps zu bewahren und das Stigma des «failed state» vermeiden, so muss er nachgeben. Er tut dies, indem er zwei Anhänge des Friedensvertrages aufkündigt.

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Zwei unmassgeblich kleine Enklaven, eine im Norden, südlich des Kinneret und eine im Süden, etwa 100 Km nördlich von Eilat in der Arava Wüste wurden 1994 an Israel verpachtet. Israelische Farmer betreiben bis heute dort intensive Landwirtschaft.  Diese Pachtverträge wurden damals für 25 Jahre ausgehandelt, mit der Auflage, dass sie, sollte der Vertrag nicht automatisch verlängert werden, mit einer Vorlaufzeit von einem Jahr aufgekündigt werden. In dem Falle muss man, so wurde festgehalten, nochmals neu über das Thema verhandeln. Jordanien ist also absolut im Recht, wenn es vor wenigen Tagen Israel über die Kündigung der Verträge informierte. Erneute Verhandlungen seien nicht geplant, so verlautbarte es aus Jordanien.  Heute beginnt das 25. Jahr. Also, alles kein Grund zur Aufregung?

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Das Wasserkraftwerk 1946, wikicommons

Die Geschichte von Naharayim (Zwei Flüsse) [arab. al-Baqura] beginnt im Jahr 1919 mit dem russischen Ingenieur Pinhas Rutenberg. Die «Palestine Electric Corporation»hatte 600 Hektar für die Errichtung eines Wasserkraftwerkes gekauft, was sich damals am Zusammenfluss zwischen Jordan und Yarmuk anbot. Im Gegensatz zu heute, wo der Jordan nur mehr ein armseliges Rinnsal ist, war er damals ein kraftvoller Strom. 1932 wurde das Kraftwerk in Betrieb genommen und versorgte sowohl Jordanien als auch Teile des heutigen Israel mit Strom.  Im Jahr 1948 wurde es von einfallenden arabischen Truppen zerstört. Israel behielt während und nach dem Krieg die Kontrolle über das Gebiet.

Mitarbeiter des Kraftwerkes und Mitgliedes des Kibbuz Ashdot Ya’acov bearbeiteten das Gebiet. Der Name des Kibbuz erinnert an Baron Jakob Rothschild, der durch Landkauf die Siedlung ermöglicht hatte.

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Die Originalkarte, Appendix zum Friedensvertrag

Durch eine Ungenauigkeit beim händischen Einzeichnen der Waffenstillstandgrenze zwischen Jordanien und Israel auf einer Kartenkopie kam es möglicherweise zu einer Fehleinschätzung des Grenzverlaufes. Jenes, heute zur Diskussion stehende Landstück lag auf diesem Papier, klar westlich der Waffenstillstandlinie, und damit auf israelischem Staatsgebiet. Als 1950 Israel dort Truppen stationierte, beschwerte sich Jordanien beim UN Sicherheitsrat. Offensichtlich hatten beide Staaten unterschiedliche Karten zu den Verhandlungen über den Waffenstillstand in Rhodos gebracht. Obwohl nicht geklärt werden konnte, welche Karte tatsächlich korrekt war, entschied der spätere Friedensnobelpreisträger und UN Chefunterhändler zu Gunsten Jordaniens.  Auch wenn das fragliche Gebiet unbestreitbar in Israel lag, rechnete er es der Staatshoheit Jordaniens zu.

Im Zuge der Friedensverhandlungen von 1994 wurde diese Entscheidung bestätigt. Jordanien verpachtete es jedoch an Israel. Die Farmer und Kibbuzim behielten das private Eigentumsrecht und die Zusicherung eines ständigen uneingeschränkten Zugangs, sowie das Recht, das Land weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen. Dies sollte für 25 Jahre gelten.

Durch die beiden Flussläufe und die Aufschüttung von Dämmen entstand eine künstliche Insel, die seit 1994 in Erinnerung an die besondere Stellung innerhalb des Friedensvertrages den Namen «Island of Peace» trägt.

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Island of peace mit der Gedenkstätte für die sieben ermordeten Mädchen

Die Ruinen des Kraftwerkes sind heute noch zu besichtigen. Ein kleiner Park auf der Insel erinnert ein an schreckliches Massaker, das 1997 dort stattfand.  Ein jordanischer Soldat palästinensischer Herkunft erschoss sieben Schülerinnen, die sich auf einem Klassenausflug dort befanden. Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt.  König Hussein flog eigens nach Beit Shemesh, dem Heimatort der Mädchen, um den Familien sein Beileid auszusprechen.

Das zweite von Jordanien beanspruchte Gebiete liegt im Süden Israels. Tzofar [arab. al-Ghamr] ist ein kleiner Moshaw (landwirtschaftliche Siedlung) mit etwa 400 Einwohnern, der 1975 gegründet wurde. Anlässlich des Friedensvertrages übergab Israel einen Teil des Landes an Jordanien. Ebenso wie Naharayim wurde ein Pachtvertrag auf 25 Jahre ausgehandelt, der es den Bauern ermöglichte, weiterhin ihr Land zu bearbeiten.  Während dort 230 Farmer befürchten, ihr Land zu verlieren und somit ohne Erwerbsgrundlage zu sein, gibt es liberale Stimmen in Jordanien, die beschwichtigen, dass es durchaus fremden Landbesitz in Jordanien gäbe. Das könnte bedeuten, dass zwar das Eigentum zurück an Jordanien fällt, das Besitzrecht aber neu verhandelt werden könnte. Um das zu klären müssten aber Vertreter beider Länder an einem Tische zusammensitzen. Etwas, was derzeit wohl nur Wunschdenken ist.

Von Israel wurde bis anhin kein Gesuch um weiterführende Gespräche gestellt. Auch wenn, wie der jordanische Aussenminister nicht müde wird zu betonen, die Gespräche sich ausschliesslich mit den Übergabemodalitäten drehen würden, als Signal an Jordanien wäre ein solcher Schritt wichtig gewesen.

So ganz aus dem blauen Himmel, wie man in Israel glauben möchte, kam dieser Schritt nicht. Bereits am 15. Januar dieses Jahres titelte die jordanische online Zeitung 7iber «Wird Jordanien seine Gebiete im kommenden Jahr von Israel zurückfordern?»

Die beiden Vertragspartner leben leider nicht mehr. Ihnen wird folgender Dialog zugeschrieben:

«Warum verpachten Eure Majestät uns das Land nicht für einige Zeit?» fragte Rabin.

«Eine Verpachtung ist nicht vorgesehen,» antwortete der König, «aber wie lange möchtet ihr denn dortbleiben?»

«Hm, sagen wir 25 Jahre im gegenseitigen Einverständnis.»

«Das klingt einleuchtend. »

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Das war die damalige Politik unter Freunden, die wenn auch nicht mehr ganz jung an Jahren, noch voller Träume und jung im Kopf geblieben waren.  PM Netanyahu und König Abdulla haben leider diese Beziehung nie fortgesetzt und gepflegt.

So war es denn auch heute den jordanischen Medien nicht ein Wort wert, dass die IDF  mit mehreren Hubschraubern, sowie Rettungsteams von Polizei und Militär bei der Suche,  Rettung und Bergung von 43 Schülerinnen und Lehrer half, die Opfer eines verheerenden Unwetters wurden. Der Bus der Gruppe war in der reissenden Flut abgetrieben worden. Leider haben 20 Schülerinnen nicht überlebt.

 

© esther scheiner, israel

 

 

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Am Anfang war das Feuer

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Als der Mensch lernte, Feuer zu bewahren und zu beherrschen, änderte sich das Leben auf der Erde. Das Feuer brachte Licht, Wärme und Sicherheit. Bot nachts Schutz vor Gefahren, diente nach einem erfolgreichen Beutezug dazu, eine bis dahin unbekannte Art von Nahrung aufzunehmen. Ob «Lucy»  vor etwa 3 Millionen Jahren schon erkannt hatte, dass man mit Hilfe von heissem Wasser oder von Gluthitze Nahrungsmittel deutlich schmackhafter zubereiten kann, oder ob dies erst ihre Nachfahren feststellten, nachdem sie ihren Lebensraum von den Bäumen auf die Erde verlegt haben, kann nicht bewiesen werden. Es gibt Funde, die darauf schliessen lassen, dass es vor etwa 1.5 Millionen Jahren schon eine gezielte Nutzung des Feuers gab. Menschliche Backenknochen aus dieser Zeit deuten darauf hin, dass sich die menschlichen Zähne bereits damals an das neue Nahrungsangebot gewöhnt hatten.

Feuer war, wenn es sich beherrschen liess, ein Freund des Menschen. Durch die gezielte Nutzung des Feuers wurde die Evolution der Frühmenschen beschleunigt. Nach den Steinwaffen der Frühzeit entwickelten unsere Vorfahren Waffen aus Kupfer, Bronze und Eisen. Archäologische Funde zurückgehend bis 4.000 BCE belegen diese Entwicklung.

Feuer wurde also auch früh zur Waffe.  Vielleicht gelangen die ersten Angriffe auf Feinde als Zufallstreffer, vielleicht waren sie erste Zeichen einer gezielten Abwehr.  Niemand kann das heute beurteilen.

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Prometheus

Fast alle Kulturen anerkannten die Macht des Feuers. Ra (Re) war der Sonnengott im antiken Ägypten, der das Leben auf der Welt ermöglichte. Ab etwa 2.600 BCE nannten sich die Pharaonen «Sohn des Re». Der sumerische Gibil vereinte als Feuergott und Lichtbringer beide Seiten des Feuers in sich. Er verursachte Feuersbrünste, diente aber auch als Schutz gegen Zauberei. Der griechische Prometheus stahl von Zeus für die von ihm erschaffenen Menschen das Feuer und brachte es zur Erde. Er wurde dafür schwer bestraft. Zeus überliess den Menschen zwar das Feuer, schickte ihnen aber auch die unheilbringende Büchse der Pandora. Die Griechen und Römer kannten auch die göttliche Hüterin des Herdfeuers, Hestia und Vesta.

Gott spricht mit Moses im brennenden Dornbusch und führt die Hebräer sicher aus Ägypten durch das Schilfmeer und die Wüste Sinai, indem er ihnen eine Feuersäule zur Orientierung vorausschickt.

Das Christentum kennt den Begriff des reinigenden Fegefeuers, ein Konzept, das in keiner weiteren Religion vorkommt. So haben sie auch die Verbrennung als bevorzugte Hinrichtung von Menschen benutzt.

Während die Leuchttürme, die in der Antike ein brennendes Feuer als Signal verwendeten, um Seeleute den Weg in den Hafen zeigten, waren es in der Wüste die Minarette, die mit Fackeln ausgestattet waren. Der Name bedeutet im Wortsinn «Ort des Feuers».

Seit März 2018 wird die Macht und Aggression der Feuerdrachen genutzt, um die Bevölkerung entlang des Gaza Streifens tagtäglich zu terrorisieren. Kein einziger Tag vergeht, ohne dass sie dem hochgiftigen und schmierigen Qualm der verbrannten Autoreifen ausgesetzt sind.

Die nächste Stufe des Terrors waren die Feuerdrachen, die bis heute etwa 12 km2 kostbarer Erde auf Jahre hinaus verbrannt und damit nicht nutzbar gemacht haben. Neben den Feldern der Bauern wurden – ich habe davon berichtet – auch weite Teile von Naturschutzgebieten zerstört.

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Die Reichweite der neuen Brandballons

Nach den mit einfachen Mitteln gebastelten Feuerdrachen kamen mit Helium gefüllten Ballonbomben, die weiterfliegen können und nicht mehr «nur» Brände verursachen, sondern die auch hochexplosiv sind. Die Reichweite dieser Ballonbomben liegt mittlerweile bei bis zu 80 Km.  Sie werden zu ganzen Bündeln zusammengefasst, verfügen über einen Zünder und erreichen infolge der Heliumfüllung grosse Höhen, so dass sie eine grosse Reichweite problemlos erreichen.  Manchmal landen sie, ohne zu explodieren. Sobald sie entdeckt werden, müssen sie von einem speziellen Roboter gezielt zur Explosion und damit unschädlich gemacht werden. Explodieren sie, wie in einem Kibbuz vor wenigen Tagen, so kommt es zu grossen Bränden.

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Feuer im Kibbuz Zikim

Brände kann man, wie problematisch es auch immer sein mag, löschen. Jeder entstandene Sachschaden kann behoben werden. Aber was ist, wenn ein Kind auf den lustig bunten Ballon zuläuft, ihn aufnimmt und er in der Hand des Kindes explodiert? Es ist eine Frage der Zeit, bis dieser grausame Fall eintreten wird. Den Hamasterroristen ist das egal. Sie haben kein Herz für Kinder, auch nicht für die Eigenen.

Wir alle in Israel hoffen, dass in diesen Tagen die ersten starken Regenfälle beginnen werden und dass dann der Terror mit Brandbomben ein Ende finden wird.

Einen Vorgeschmack auf das, was uns im Anschluss erwartet, mussten wir bereits seit einigen Wochen in Kauf nehmen. Der erneute Terror mit Raketen. Bisher kam es nur zu wenigen Sachschäden, die meisten Raketen konnten vom Iron Dome abgefangen werden. Bisher richtete sich der Beschuss ausschliesslich auf die Siedlungen rund um den Gaza Streifen, so dass nur in diesen Gebieten Iron Dome Abwehrsysteme bereitstanden. Heute in den frühen Morgenstunden wurde eine Rakete auf das 45 km entfernte Be’er Sheva abgefeuert und traf ein zweistöckiges Wohnhaus. Die im Erdgeschoss lebende Mutter konnte ihre drei Kinder, die im ersten Stock schliefen gerade noch in den Bunker des Hauses bringen. Es ist ein Wunder, dass es keine ernsthaft Verletzten, oder gar Tote gab!

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Das Haus ist unbewohnbar und einsturzgefährdet.

Eine zweite Rakete landete im offenen Meer.

Wie lange unsere Regierung noch zusehen kann, wie der Süden des Landes und zunehmend auch das Zentrum unter dem Terror aus Gaza leidet, lässt sich in Tagen, vielleicht auch nur mehr in Stunden bemessen. Bisher hat sich die IDF darauf beschränkt, die terroristische Infrastruktur (Abschussbasen, Waffenproduktionsstätten, Terrortunnel, Versorgungstunnel, und administrative Gebäude) zu zerstören.

Der heutige Angriff könnte der berühmte Strohhalm gewesen sein, der dem Kamel den Rücken bricht.

Glaubt man den Hamasführern, so wollen sie keine erneute militärische Auseinandersetzung. Im Gegenteil, sie behaupten nach wie vor mit Hilfe Ägyptens einen langfristigen Waffenstillstand zu erreichen. Und so schieben sie denn auch alle Schuld an der Eskalation auf den Islamische Jihad ab. Aber nicht der, sondern Hamas trägt die Verantwortung für den Gaza Streifen.

Wir in Israel wollen ganz sicher keine neuen intensiven Kämpfe. Wir wollen keine Verletzten und keine Toten. Aber, wenn es darum geht, die Sicherheit im Land wiederherzustellen, dann wissen wir, dass die IDF ihr Bestes tun wird, um dieses Ziel zu erreichen. Mit der grösstmöglichen Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in Gaza. Und mit der grösstmöglichen Effizienz im Einsatz.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

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Will ich sesshaft sein, oder nicht? Eine Identitätskrise.

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Das arabische Wort badawī» bedeutet «nicht sesshaft», nomadisch. Diese Bezeichnung wird allerdings von den Beduinen selber kaum benutzt. Sie nennen sich, wenn sie nomadisch leben, als «arab»in Abgrenzung zu den Nichtnomaden, die sie als «ḥaḍar» bezeichnen.

Beduinen sind Araber, muslimisch und sehen Ismael, den erstgeboren Sohn Abrahams als ihren Stammvater an. Die Mutter Ismaels war Hagar, die Sklavin von Abrahams Frau Sarah. Die Geschichte Ismaels in der Tora und im Koran sind grundsätzlich unterschiedlich. In der Tora gibt es nur mehr eine Verbindung, als Ismaels Tochter Mahalat  Esau heiratet. Im Koran wird er als Prophet und Auserwählter Gottes beschrieben, der gemeinsam mit Abraham die Kaaba erbaut haben soll.

In einigen arabischen Staaten sind sie als «Bedun» (Staatenlose) diskriminiert, sie erhalten keine Papiere, können keine Schulen besuchen, kommen nicht in den Genuss von staatlichen Sozialleistungen und können auch keinen Führerschein machen. Das gilt besonders für Kuweit, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Im Süden Israels, in der Negev Wüste machten arabische Beduinen ab dem 7. Jahrhundert CE den Nabatäern die Handelswege entlang der Weihrauchstrasse streitig. Die meisten Handelsposten entlang der 2384 Km langen Route und somit das ausgeklügelte System, das die Strecke in 65 Teilstrecken unterteilte, wurde zerstört. Die Negev Wüste wurde entsiedelt und blieb, bis auf die Nabatäer Stadt Shivta für viele Jahrhunderte nahezu menschenleer.

In der 70er Jahren durfte ich die Gastfreundschaft von Beduinen erleben, die entlang der damals noch nicht so gut wie heute ausgebauten Strasse 1 von Jerusalem ans Tote Meer führte. Die Stammesmitglieder lebten in authentischen Zelten, ausgelegt mit Teppichen, über die auch schon mal das eine oder andere Schaf oder die eine oder andere Ziege hinweglief. Die Dromedare, der ganze Stolz der Familie, mussten allerdings draussen bleiben. Vor dem Zelteingang stand der Traktor und ein schon leicht rostiger Jeep. Der Tee war heiss und süss, der Humus vielleicht einer der besten, die ich jemals gekostet habe, und die Pita Brote ganz hervorragend. Ähnliches durfte ich in der nördlichen Sahara Tunesiens erleben. Unvergessliche Erlebnisse, die ich keinesfalls missen möchte.

Mitte des 19. Jahrhunderts berichtete ein Reisender von Beduinen des Gahalin Stammes, die zwischen dem Toten Meer und dem Gebiet südlich von Hebron siedelten. Es sollen etwa 150 Beduinen gewesen sein. Bis die Ottomanen das Land um 1870 übernahmen, waren sie Vollnomaden. Beim Tauschhandel auf den regionalen Märkten tauschten sie ihre Tiere aus der eigenen Zucht gegen Getreide. Ihre Haupteinnahmequelle aber war die Kontrolle über die Handelsstrassen, die durch ihr Gebiet führten. Wichtige Pilgerstrassen von Jerusalem zum Katharinen Kloster auf der Sinai Halbinsel, oder nach Mekka und Medina boten für Reisende oftmals die einzige, wenn auch gefährliche Route. So bot sich das Erheben von Geleitschutzgeldern oder Wegzoll als einfache Einkommensquelle an. Tributzahlungen von sesshaften Bauern, Plünderungen und Raubzüge gegen andere Stämme spülten ebenfalls Geld in die Kasse der Beduinen.

 

Jedoch endete die Zeit des relativen Wohlstands mit der Eröffnung des Suezkanals 1869, dem Bau von Eisenbahnen und der zunehmenden Beliebtheit von LKWs. All das markierte das Ende der Handelskarawanen.

Gleichzeitig strömten die ersten jüdischen Einwanderer ins Land und begannen damit, den Negev zu besiedeln. Auch die neu gezogenen Grenzen zu Ägypten und Jordanien beschränkten die bisher ungehinderten Wanderungen.  Die Beduinen begannen damit Ackerbau in den umliegenden Wadis zu betrieben und wurden so langsam zu Halbnomaden.

Sowohl die Ottomanen, als auch die Briten versuchten, ein aussagekräftiges Kataster zu führen, um die Eigentumsverhältnisse sicher dokumentieren zu können. 1858 wurde das wertlose Unland (mawat) im Negev den Farmern als eingeschränktes Eigentum übergeben. 1921 gaben die Briten all jenen, die Eigentumsrechte auf ein Landstück erheben wollten, zwei Monate Frist, dies zu tun. Die Landstücke, auf die niemand einen Anspruch erhob, gingen in unwiderrufliches Staatseigentum über. Was die Beduinen dazu brachte, das Land nicht für sich registrieren zu lassen, hat mehrere Gründe. Der eine lag in einem Systemfehler. Wenn im Norden und im Zentrum des Landes die Information über die jeweilige Siedlung noch recht genau war, wurde sie weiter südlich immer ungenauer. Viele Siedlungen waren nicht markiert und daher gab es auch seitens der Regierung keinen Handlungsbedarf. Zum anderen aber gab es viele Vorbehalte seitens der Beduinen. Jede Zusammenarbeit mit einer Regierung wurde abgelehnt, administratives Vorgehen war ihnen fremd. Es war aber auch die Angst, Steuern zahlen zu müssen, oder zum Militärdienst eingezogen zu werden.

Dieser fehlende Nachweis des Eigentums, erwies sich 1952 als Bumerang. Die traditionellen Vorstellungen über «mein» und «dein» der Beduinen wurden vom Staat nicht anerkannt, die Gebiete fielen an den Staat.

Nach der Staatsgründung zogen immer mehr Einwanderer, Juden und Moslems nach Israel. Der junge Staat benötigte Land, um die Neuankömmlinge anzusiedeln. Im Negev gab es mehr als genug davon. Die Beduinen wurden gezwungen, sich innerhalb eines definierten Gebietes zwischen Beer Sheva, Arad und Yeroam  neu anzusiedeln.

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Ursprüngliche Siedlungsgebiete der Negev Nomaden und das neue ihnen zugewiesene Gebiet

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Die neu errichteten Beduinenstädte im Gebiet des Reservates

Bereits seit den 60er Jahren gab es Bestrebungen seitens der Regierung, die Halbnomaden in neuen Kleinstädten anzusiedeln. Der gewünschte Erfolg blieb allerdings mehrheitlich aus.  Die Städte Rahat, Laqiya, Hura,Negev Shalom, Tel Sheva, Ar’ara BaNegevund Kseifagehören zu den Gemeinden Israels, die die niedrigsten sozio-ökologischen Bewertungen verzeichnen.  Diese Zahlen beziehen sich zwar auf das Jahr 2013, ich bin aber sicher, dass sie sich kaum signifikant verbessert haben. Al-Kasum, das sieben anerkannte Siedlungen umfasst und Neve Midbar mit vier anerkannten Siedlungen, schreiben leider auch keine Erfolgsgeschichten.

Gemeinsam mit den neun Beduinen Städten im Negev weisen zwei, überwiegend von Ultraorthodoxen besiedelte Orte, Beitar Illit und Modi’in Illit gleichfalls den niedrigst möglichen Faktor dar.

Auch wenn es derzeit im Süden des Landes relativ ruhig ist, das Problem der Beduinen in Israel ist dort noch lange nicht gelöst. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu gewaltsamen Räumungen von illegal errichteten «Siedlungen» durch die IDF. Immer gingen den Räumungen Aufforderungen voraus, in eine bewilligte Siedlung zu ziehen, oder sich zumindest an einem Ort niederzulassen, für den es eine Bewilligung geben würde. Nur in dem Fall stellt der Staat sicher, dass die normale Infrastruktur, wie Wasser, Strom, Abfallwesen, Anbindung an das Verkehrsnetz zur Verfügung gestellt wird. Sobald die legale Siedlung eine bestimmte Grösse erreicht wird auch eine Schule installiert und für die medizinische Versorgung Sorge getragen. In illegalen Siedlungen findet man all das nicht. Für eine minimale Stromversorgung sorgt dort der mit Solarstrom betriebene Generator, Wasser kommt mit dem Tankwagen, der Müll landet irgendwo in der Natur.

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Und weil die Schulen nur schwer zu erreichen sind, kommen Mädchen oft gar nicht in den Genuss einer minimalen Bildung, die Zahl der Maturanten ist erschreckend niedrig, Uni Absolventen gibt es kaum.

Und trotzdem, es gibt sie, die Beduinen, die sich loyal gegenüber Israel verhalten, das auch ihre Heimat ist. Die im Militär als Späher und Spurenleser vor allem an der Grenze zum Sinai unschätzbare Dienste leisten, und in dem sie hohe Ränge einnehmen. Und die, wie Ishmael Khaldi, den Weg ins diplomatische Corps finden. Für jeden einzelnen von ihnen müssen wir dankbar sein und jedem von ihnen unsere Unterstützung zusichern.

In den letzten Wochen fanden Mitglieder des Gahalin (Jahalin) Stammes, von denen schon vorher die Rede war wieder ihren Weg in die Presse. Im Zuge des Unabhängigkeitskrieges verliessen sie ab 1948 ihr traditionelles Siedlungsgebiet im Negev und zogen nach Norden, in das Gebiet zwischen Jericho und Jerusalem. Einer der Gründe war die fehlende Bereitschaft der Beduinen, mit den IDF zusammen zu arbeiten. Bei den anschliessenden teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen kamen einige Beduinen ums Leben. 1950 baten sie um Anerkennung als palästinensische Flüchtlinge bei der UNRWA.

Jordanien besetzte das Gebiet im Zuge des Unabhängigkeitskrieges und annektierte es später. Der Gahalin Stamm lebte damals auf jordanischem Staatsgebiet. Bereits kurz nach der Besatzung wurden allen auf diesem Gebiet siedelnden Personen die jordanische Staatsangehörigkeit und begleitende Massnahmen zur Wiederherstellung der Autonomie angeboten. Hierzu mehr im UNRWA Jahresbericht 51/52, Punkte II/13 und IV/66.

Im gleichen Jahresbericht hält der Direktor der UNRWA fest, dass es «schwer sei, wirkliche Flüchtlinge von arbeitslosen, bedürftigen (Ur)einwohnern oder einfachen nomadischen Beduinen (sic!) zu unterscheiden.»Die damalige Aussenministerin Golda Meir bezog sich in ihrer Rede vor der UN Generalversammlung vom 15.Dezemer 1961 nochmals auf diesen Text.

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1967 gelang es Israel, die von Jordanien annektierten Gebiete zurück zu erobern. 1995 wurden im Zuge des Oslo II Abkommens die Gebiete von Judäa und Samaria aufgeteilt. Zone C umfasst 62% des Gebietes, ist aber nur von 6% der regionalen Bevölkerung bewohnt. 400.000 von ihnen sind Juden, 90.000 Araber. Zone C untersteht in allen Belangen der israelischen Rechtshoheit.  Im Jahr 2014 wurden 550 Fälle von illegalen arabischen Bautätigkeiten berichtet, denen 150 durch jüdische «Siedler» gegenüberstanden. Israel besteht darauf, sowohl jüdische, als auch arabische illegale Siedlungen aufzulösen, oder, wenn dem Ansuchen nicht Folge geleistet wird, von den IDF abreissen zu lassen.

 

Wo auch immer das Abrisskommando aktiv wird, sind Menschenrechtsorganisationen und linke Aktivisten nicht weit. Sie begleiten jeden Schritt mit ihren omnipräsenten Kameras und sorgen via Internet für eine schnelle globale Verbreitung. Dokumentiert werden dabei natürlich nur das radikale Vorgehen, Hintergründe sind uninteressant und lassen sich schlecht verkaufen.  Dabei ist es nicht so, dass die Betroffenen von jetzt auf gleich ohne Dach über dem Kopf dastehen. Jedem wird eine Alternative angeboten, sei es der bezahlte Umzug in eine bereits bestehende Siedlung, oder ein provisorischer Umzug, bis die neue Siedlung fertig ist. Oder auch eine finanzielle Entschädigung, wenn es wirklich ein «Haus» war, das abgerissen wurde.

 

 

Khan al Ahmar, die seit 2017 zur Diskussion stehende Siedlung liegt südlich der Schnellstrasse 1, die das Tote Meer mit Jerusalem verbindet. Sie verläuft ausschliesslich durch die Zone C und quert kurz vor Jerusalem das sogenannte E1 Gebiet. Dieses 12 qkm kleine Gebiet wurde im Laufe der Jahre auch immer wieder zu einem Diskussionsgegenstand zwischen Palästinensern und Israelis.

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Für die Palästinenser gilt es als gesichert, dass dort eine Erweiterung der Stadt Ma’ale Adumim geplant ist, und damit endgültig die Trennung zwischen den beiden von ihnen beanspruchten Regionen Ost-Jerusalem, sowie Judäa und Samaria besiegelt werden würde. Dier Bebauungsplan existierte tatsächlich, wurde aber bereits 2009 eingefroren. Tatsächlich ist bereits eine Bypass Strasse im Bau, die die Verbindung zwischen diesen Gebieten für Palästinenser sichert, ohne, dass sie eine der zahlreichen Kontrollposten passieren müssten.  Neue Pläne gehen entweder von einer touristischen Nutzung, oder von der Ansiedlung eines neuen Gewerbegebietes aus.

In der Siedlung, die objektiv betrachtet nicht mehr als eine zusammengewürfelte Sammlung von Wellblechhütten, Zelten und Holzverschlägen, leben derzeit etwa 180 Personen, davon 95 Kinder.  In der Siedlung gibt es eine wirklich spannende Besonderheit: «The mud and tyre school».  Diese Schule bietet 150 Kindern aus der Umgebung die Chance, regulären Unterricht zu erhalten. Vier Lehrer und eine Direktorin werden von der PA bezahlt.  Der Schulbau besteht aus ausrangierten, mit nassem Lehm gefüllten Autoreifen, die die Struktur darstellen. Bezahlt wurde die Schule von einer italienischen NGO.

Es ist schade, dass mit der Siedlung auch das Schulgebäude verschwinden wird.

Die Siedlung, die in Steinwurfweite der belebten Schnellstrasse liegt, kann allein aus Gründen der Sicherheit für die Autofahrer nicht dortbleiben. Eine neue Ansiedlung, angebunden an die moderne Infrastruktur wurde in wenigen Kilometern Entfernung in Aussicht gestellt. Wohncontainer stehen bereit und warten auf ihren neuen Bewohner.

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Gesamtansicht von Khan al Ahmar. Die Schnellstrasse ist links im Bild deutlich zu erkennen.

Ob die Scheichs des Gahaliden Stammes diesmal zustimmen, dass die Stammesmitglieder sesshaft werden? Ohne ihre Zustimmung wird sich nichts verändern, und der Aufschrei wird gross sein, wenn die Behausungen abgerissen werden.

Und ich bin sicher, in der neuen Siedlung wird es eine neue Schule geben, vielleicht nicht ganz so bunt, vielleicht nicht ganz so spektakulär wie die jetzige.  Aber auch sie wird ihrem Zwecke dienen.

 

© esther scheiner, israel

 

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Spieglein, Spieglein an der Wand…

 

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..SPON greift wieder mal tief in die emotionale Schublade und schrappt an der Realität vorbei

Als «Edelfeder»wird im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache ein «besonders anspruchsvoll und kultiviert Schreibender (Journalist)» bezeichnet. Clap, das People-Magazin der Kommunikationsbranche setzt noch einen drauf.

DER SPIEGEL“: OSANG WIRD IN ISRAEL KRISENREPORTER

«Er ist die „Edelfeder“ schlechthin beim Spiegel und sucht sich jetzt eine neue Herausforderung: Alexander Osang, der nunmehr langjährige Spiegel-Reporter, wechselt von Berlin nach Tel Aviv.»

Osang hat also das einige Zeit verwaiste Spiegel Büro in Tel Aviv übernommen. Herzlich willkommen bei uns! Hoffentlich haben Sie und ihre Frau Anja Reich sich gut bei uns eingelebt. Ihre Frau stellte sich immerhin vor der Abreise aus Berlin im März dieses Jahres noch der Frage »Ich werde dort leben – und habe keine Ahnung, was das bedeutetNur zwei Wochen später scheint sie schon gut angekommen zu sein «Ich hätte nie gedacht, dass ich es einmal kaum erwarten kann, in den Gaza-Streifen zu fahren. Gaza, dachte ich, besuche ich nach ein paar Wochen oder Monaten, wenn ich richtig in Israel angekommen bin.»  

Dreimal stand er bei der Vergabe des «Henri Nannen» Preises auf den ersten Rängen. Nominiert war er für den respektablen Preis so häufig, dass seine Kollegen schon vom «Osang Preis» sprachen. Seit 2001 ist es ruhig um ihn geworden. Sein Name ist mir noch nirgendwo aufgefallen, bis ich in Facebook ein kurzes Video entdeckte. Die Meinung der Kommentatoren: «Der weiss nicht von was er spricht!» machte mich neugierig.

Osang liefert ein sprachlich dürftiges Beispiel seiner Professionalität ab. Ok, nicht jeder der schreiben kann, muss auch sprechen können. Aber inhaltliche Korrektheit, klare nachvollziehbare Aussagen muss man bei einem so hochgelobten und ausgezeichneten Journalisten doch erwarten.

«Das UNRWA Gebäude war drei Wochen besetzt. Aus verschiedensten Richtungen, also eigentlich aus allen Richtungen, um ehrlich zu sei. Nämlich den Israelis, die sie als Terrororganisation bezeichnen, seitens der Amerikaner, die sozusagen der grösste Geldgeber unter den UNO Mitgliedsländern sind der UNRWA (sic!), die sagen sie halten den Friedensprozess auf, weil sie immer noch palästinensische Flüchtlinge registrieren. (…) Im Prinzip ist das alles Preis der Bully Diplomatie, die die Amerikaner probieren (…)»

Bemerkenswert was Osang sich da alles zusammenreimt! Dass wir die UNO im Allgemeinen und die UNRWA im Speziellen nicht sonderlich mögen, ist eines. Warum das so ist, darüber wurde schon viel geschrieben, auch hier. Dass wir sie als eine Terrororganisation bezeichnen ist schlicht eine Lüge, die durch nichts haltbar und beweisbar ist.

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Screenshot SPON

Die Print Ausgabe räumt für den Artikel fünf Seiten ein. Der Titel «Karams erster Schultag»lässt schon erahnen, dass es sich mehr um eine emotionale, als um eine sachliche Reportage handelt.

Schon im Header spricht Osang von einem «grossen Menschenexperiment» und weckt damit bei mir starke negative Assoziationen. Lehrer und Schüler sind die Teilnehmer daran, und die Nahostpolitik von Präsident Trump führt das Experiment durch.

«Sein Vater hat ihm eine palästinensische Fahne gegeben, die hat er getragen. Er hat den Rauch gesehen und die Schüsse gehört. Er hat mit der Fahne gewinkt. Er lacht, wenn er das erzählt. (…)Weiter vorn, näher am Zaun, sind jede Menge Menschen gestorben.» Keine Kritik am Vater, der seinen kleinen Sohn absichtlich der Gefahr aussetzte. Keine Frage an den Vater, warum er das getan hat. Ein stilles Gutheissen des gewaltsamen Aufstandes gegen Israel. Kein Hinterfragen, was die Palästinenser unter friedlichem Protest verstehen.

«Vor fünf Wochen hat Karams Vater einen Brief seines Arbeitgebers bekommen, in dem ihm Kurzarbeit angekündigt wurde oder Entlassung. Karams Vater heißt Ahmad Shahin und ist Psychologe. Seit 13 Jahren arbeitet er für die UNRWA, die Hilfsorganisation der Uno für palästinensische Flüchtlinge, als Mental Coach an einer Schule. Etwa tausend Schulpsychologen der UNRWA bekamen Ende Juli einen Brief, in dem ihnen ihre Entlassung, der Vorruhestand oder eine Teilzeitarbeit mitgeteilt wurde.» Um dann wenig später festzustellen«.., dass es ist kaum zu glauben ist, dass dieser Mann für die mentale Gesundheit einer Schule zuständig war. Jemand sollte sich dringend um ihn kümmern.» Auch hier wieder eine Ungenauigkeit.Die 1000 «blauen Briefe» betrafen Mitarbeiter in allen Bereichen der UNRWA, darunter 113 sofortige Kündigungen, weitere 120 sind zwischenzeitlich entlassen worden. Die übrigen Fälle sind, so tragisch jeder Einzelfall auch ist, zunächst als Ankündigung zu verstehen. Als Information, dass möglicherweise ab dem Jahresende Kurzzeit gearbeitet wird. Eine dramatische Situation, die aber leider in wirtschaftlich schweren Zeiten auch in hochentwickelten Industrieländern nicht unbekannt ist. Mit einem Unterschied, der Schuldige wird hier selten bei den Gewerkschaften gesehen, und es gibt in der Regel Auffangorganisationen, die über das Gröbste hinweghelfen. Aber dieses System der Selbstverantwortung und der regelmässigen Zahlung von Sozialleistungen ist bei den Palästinensern unbekannt.

«Vater und Sohn sind in die ganz große Weltpolitik geraten. Ihr Leben ist Teil des Plans geworden, mit dem der amerikanische Präsident den Konflikt im Nahen Osten lösen will. Und weil niemand weiss, wie dieser Plan genau aussieht, am wenigsten wohl der amerikanische Präsident selbst, fühlen sich die beiden, als nähmen sie an einem Experiment teil. Einem Menschenexperiment.» Gaza ist eine sehr problematische Region. Gemessen an der Weltpolitik aber völlig überbewertet. Die arabischen Bruderstaaten schaufeln immer noch Unsummen dorthin, auch die EU hat sich bereit erklärt, Teile der von den USA zurückgehaltenen Zahlungen zu übernehmen, auch die Schweiz beteiligt sich. Keiner der Donatoren will einsehen, dass Gaza und die Hamas nichts anderes als eine Geldverbrennungsmaschinerie sind, die die Gelder in die Aufrüstung der Infrastruktur für den Terror gegen Israel steckt und das, was übrigbleibt, wird von den Oberterroristen in den privaten Säckel gesteckt. Wenn hier der Begriff «Menschenexperiment» fällt, dann muss er sich korrekterweise gegen die Hamas wenden. Der Arbeitstitel des Experiments könnte lauten «Wie lange kann ich mein eigenes Volk ausbluten und unterdrücken, bevor es aufwacht und sich gegen mich erhebt?»

 «Und die Zahlungen der Amerikaner für die UNRWA versiegten. Die Palästinenser hatten gehofft, mit den Freitagsmärschen ihrem Ziel näherzukommen. Der Gerechtigkeit, wie auch immer die aussieht. Aber sie trieben weiter ab in Richtung Ungerechtigkeit. Sie haben die Männer am Zaun verloren, die Hauptstadt Jerusalem, und jetzt wackelt auch die UNRWA, die so was ist wie der Lebensbaum Gazas.» Das haben die Oberterroristen ihnen so erzählt. Aber sie mussten erkennen, der der Schuss in die falsche Richtung ging. Die bisher als selbstverständlich angenommene Unterstützung fiel weg, die Hoffnungslosigkeit stieg. Und damit die Wut. Die berechtigte Wut. Aber die darf sich nicht gegen die eigenen Leute entladen, das wäre tödlich. Also zielt sie genau dahin wo sie den grössten Schaden anrichtet. Gegen Israel und gegen die USA.

»Wir sind das grosszügigste Land der Welt«, erklärte Nikki Haley. »Es ist in unserem Wesen. Wir glauben an Demokratie, Freiheit und Menschenrechte und kämpfen für sie, nicht nur hier in Amerika, sondern für jedes Land, das sie erreichen will. Wieso sollen wir jemandem Geld geben, der uns den Tod wünscht? Die Palästinenser beschimpfen Amerika, aber halten die Hand auf, weil sie unser UNRWA-Geld wollen«, sagt die Uno-Botschafterin der USA. Und dann fragt sie: »Die Länder, denen wir Geld geben, glauben sie daran, woran wir glauben?« Es ist die Frage eines Inquisitors.  Diesen Absatz kann ich vollinhaltlich unterschreiben. Wenn da nicht der letzte Satz wäre. Ein Inquisitor ist vom Wortstamm her zunächst einmal nichts anderes, als ein Untersuchungsrichter, der in einer «inquisitio» versucht, Abweichungen von Normen festzustellen. Traurige Berühmtheit erfuhr sie während der gegen Juden gerichteten kirchliche Verfolgung im Mittelalter. Die Folgen waren Tod und Vertreibung. Nikki Haley in den Kontext dieser grausamen Verfolgung zu stellen, ist mehr als geschmacklos.

«Nikki Haley ist das Kind indischer Einwanderer, sie hat Buchhaltung studiert und anschließend das Bekleidungsgeschäft ihrer Mutter zu einem mittelgroßen Unternehmen ausgebaut. Sie hat einen Offizier der Army National Guard geheiratet und wurde die erste Gouverneurin von South Carolina. Trump schickt sie von dort in die Uno. Sie hat lange Haare und lange Beine und eine gute Geschichte. Sie soll jetzt den Nahostkonflikt lösen. Gemeinsam mit ihrem aufmerksamkeitsgestörten Präsidenten, dessen Schwiegersohn und zwei ehemaligen Anwälten, denen Donald Trump einen Gefallen schuldet. Eine Buchhalterin. Sie macht hier einen Strich und da einen Strich und guckt dann, was hinten rauskommt.» Geschmackloser geht es nun gar nicht mehr! Der sachlich relevante Inhalt dieses Absatzes ist gleich Null. Osang outet sich als sexistischund stellt Nikki Haley, eine der intelligentesten Frauen die in der UNO sitzen, als Dummerle hin, die sie ganz und gar nicht ist. Allein dafür gehört er journalistisch abgewatscht. Diese Meinung unterlegt er auch noch mit dem Zerrbild eines Buchhalters und dem Kohlismus «was hinten rauskommt».

«Die UNRWA registriert in ihren Feldbüros jeden neuen palästinensischen Flüchtling. Mit der Geburt bekommt man eine Flüchtlingskarte. So wächst die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge immer weiter. 1948 waren es 700 000, heute sind es über fünf Millionen. Es ist einer der grössten Kritikpunkte an der Organisation. Die Produktion von Flüchtlingen.»

Ja Herr Osang, das ist das Verbrechen der UNRWA an den Palästinensern. Dass diese von Anfang an den Flüchtlingsstatus zementieren wollte und sie nicht loslässt und ihnen sagt, dass sie selber gehen können, einen mühsamen Weg, einen langen Weg, aber einen, der in die Freiheit zum Ziel hat.

Die Freiheit, die selbstständig macht, unabhängig vom Terrorregime der Hamas, die abnabelt vom Geldsack der falschen Freunde.

Herr Osang, wenn Sie das nicht verstanden haben, dann sollte Sie schnell wieder zurück nach Berlin reisen, bevor es Ihnen zu wohl wird in Tel Aviv. Ihre Frau kann dann mit ihrer Freundin Yael wieder quasi von Balkon zu Balkon quatschen. Humus und Tehina gibt es auch dort!

 

© esther scheiner, israel

 

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Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen

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Warum ich dieses Zitat von Franz Werfel, einem jüdisch-österreichischen Schriftsteller, der 1938 nach Frankreich und 1940 nach den USA emigrierte, wo er 1945 verstarb, als Überschrift gewählt habe? Auf diese Frage möge sich jeder Leser selber eine Antwort geben, und sie mir vielleicht als Kommentar im Blog mitteilen.

Mein heutiger Blog beschreibt die UNRWA mit ihren schier grenzenlosen Ansprüchen, die sich, seit Pierre Krähenbühl Ende März 2014 den Posten des Generalkommissars übernahm, noch weiter gesteigert haben. Krähenbühl, zuvor ab 2002 Operationsleiter beim IKRK, verstand es aufs Vortrefflichste, die UNRWA in ihren exorbitanten Forderungen weiter zu steigern und zu stabilisieren. Seine Arbeit beim IKRK war ihm dabei durchaus hilfreich. Hat doch das damaligen DRK während der Shoa und auch später eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt. Hochstehende Mitglieder der NS Schergen konnten sich mithilfe dieser Organisation und des Vatikans ihrer Prozesse bei den Nürnberger entziehen. Adolf Eichmann und Josef Mengele sind nur zwei der hochstehenden Nazis, denen über die sogenannte «Rattenlinie» die Flucht gelang. In der Neuzeit verweigerte das IKRK unter anderem einen Besuch beim von der Hamas jahrelang festgehaltenen IDF Soldaten Gilad Shalit.

Krähenbühl kämpft, was durchaus legitim ist, um seinen Job. In einem offenen Brief an die Flüchtlinge und an seine Mitarbeiter stellt er die Behauptung auf, dass auch Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Sudan, Somalia und dem Kongo vom UNO Flüchtlingswerk einen «vererbbaren» Flüchtlingsstatus haben, es sich also keinesfalls um eine Besonderheit bei den Palästinensern handeln würde. Leider kann dieser Vergleich nicht als Beweis herangezogen werden. Es gibt einen nicht abzuleugnenden Unterschied, die Kriege und Unruhen in diesen Ländern dauern an, es gibt tagtäglich neue Fluchtversuche der gepeinigten Bevölkerung. Die Geschichte der palästinensischen Flüchtlinge begann und endete um die Staatsgründung Israels und wurde verursacht durch einen von den arabischen Staaten angezettelten Krieg gegen den damals jungen Staat.

Christian Weisflog, Journalist bei der israel-kritischen NZZ springt voller Elan auf den von Krähenbühl gestarteten Zug auf. Er gibt den Palästinenserversteher und stellt Israel einmal mehr als den Staat dar, der das israelisch-palästinensische Problem nicht lösen will. Mir scheint, Weisflog positioniert sich als potenzieller Nachfolger von Monika Bollinger und Ulrich Schmid. Seine klar erkennbare Antipathie gegenüber Israel lässt weitere giftige und verfälschende Berichte erwarten. Die journalistische Grundregel der objektiven Berichterstattung gilt bei der NZZ im Falle von Israel schon lange nicht mehr.

Das Recht auf Rückkehr, seit dem heurigen Frühjahr die Begründung für den andauernden Terror gegen Israel, muss ein zentrales Thema von Friedensverhandlungen sein. Israel lehnt dies, mehr als berechtigt, ab. Offensichtlich war schon Yassir Arafat sich bewusst, dass dieser Punkt in der Durchführung kaum anwendbar sein würde. Er forderte seine arabischen Bruderstaaten auf, die aufgenommenen Flüchtlinge und deren Nachfahren in einem möglichst menschenunwürdigen rechtlosen Status zu halten, um dies als Druckmittel gegen Israel einsetzen zu können. Saudi Arabien hat diese Forderung Arafats besonders intensiv verinnerlicht. Das neue Einbürgerungsgesetz aus dem Jahr 2004  schliesst die Palästinenser explizit von den mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechten aus.«…wir wollen damit eine Verwässerung ihrer Identität verhindern und ihr Recht auf Rückkehr in ihr Heimatland erhalten.» 

Jetzt droht der Druck von Israel genommen zu werden. Dank, so Weisflog, des Einfrierens der US-amerikanischen Gelder. (« ein überschaubarer Betrag, für den sich andere Geldgeber finden lassen sollten.») 

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Über die Geburtenrate lässt sich diese Steigerung nicht erklären

Die Flüchtlingszahlen, die von der UNRWA mit mehr als 5 Millionen Menschen immer wieder veröffentlicht werden, sind falsch. Die US Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, stellte vor wenigen Tagen klar, dass die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge grundsätzlich neu bewertet werden müsse. Nur dann, wenn die Zahlen nach viel zu vielen Jahren endlich den Realitäten angepasst würden und entsprechende Reformen bei der palästinensischen Verteilungspolitik der Spendengelder stattfinden würden, könne und werde man über eine erneute Zusammenarbeit nachdenken.

Damit schliesst sie sich der Meinung von zahlreichen Kritikern der bisherigen UNRWA Politik an, die nur die tatsächlichen Flüchtlinge aus dem Jahr 1948, also in etwa 750.000 Personen akzeptieren. Deren Nachkommen, sogar die, die als Adoptivkinder angenommen wurden, oder die, die schon lange in ihren neuen Heimatländern eine sichere und wirtschaftlich erfolgreiche Existenz aufgebaut haben, sowie deren Nachkommen, können, so ihre Berechnung, nicht mehr als «Flüchtlinge» im Sinne eines UNO Hilfswerks gelten.

Bei dieser klaren Berechnung reduziert sich die Zahl der von der UNRWA Betreuten schnell auf einige wenige zehntausend Menschen. Und diese relativ wenigen Menschen, denen sie eine Unterstützung zugesteht, leben grossteils möglicherweise gar nicht mehr in Staaten, in denen die UNRWA tätig ist.

Ich kann mich den USA durchaus anschliessen, wenn sie Anfang des Jahres die zugesagten 350 Millionen US Dollar zunächst auf 60 Millionen gekürzt haben, und darüber nachdenken, auch diese zu stoppen. Damit sind mehr als 30% der Unterstützungsgelder für 2018 nicht mehr verfügbar.

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Alltag in Gaza. Wer nicht für die Hamas ist, darf am Geldkuchen nicht teilhaben

Die Folge dieser Mangelunterstützung ist klar. Weniger Geld für den weitaus überbewerteten Mitarbeiter Speckgürtel. Der besteht in Gaza überwiegend aus hamas-treuen Beamten und Lehrern, die an den UNRWA Schulen unterrichten, Sozialarbeit leisten und für die Verteilung von Alltagsgütern sorgen. Natürlich nur an die, die wiederum Hamas treu sind. Sind sie es nicht, müssen sie weiter davon träumen, dass ihr bescheidenes Heim aufgebaut wird, dass der Vater eine regelmässige Arbeit zugeteilt bekommt, dass ihre bescheidenen, selbsthergestellten Waren auch auf den Markt kommen.

Wer nicht linientreu ist, kann vom neuen Wirtschaftswunder in Gaza City nur träumen. Die neuen Shopping Malls bleiben ihm verschlossen, der Wiederaufbau rauscht an ihm vorbei.

Die USA haben einen guten Weg beschritten. So wie man den Terror der Hamas nur stoppen kann, indem man ihre Finanzquellen austrocknet, kann man die Vetternwirtschaft der UNRWA nur stoppen, indem man sie nicht länger finanziert.

Nur wenn sich Hamas und ihre Terrororganisationen bewusst werden, dass da niemand mehr ist, der sie grenzenlos finanziert, werden sie erkennen müssen, dass auch sie sich auf ein neues Minimum reduzieren müssen.

Und spätestens dann wird es für sie heissen, gehen sie zurück auf START. Erinnern Sie sich an Maslow.

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Na, wo finden sie sich aktuell wieder???? Auf welcher Stufe der Pyramide?

Übrigens und nur mehr ganz am Rande. Die UNRWA ist das weitaus am deutlichsten aufgeblähte und unterstützte Flüchtlingshilfswerk der UN. Die UNHCR, die für alle anderen Flüchtlinge weltweit zuständig ist, muss mit weitaus weniger Unterstützung auskommen.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

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Gestatten, Möwe, Möwe Jonathan Livingston, israelischer Agent

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Die meisten Menschen meiner Generation erinnern sich an die Geschichte der Möwe Jonathan, den Film, unterlegt mit der teils romantischen, teils dramatischen Musik des jüdischen Musikers Neil Diamond. Unvergesslich wie die Texte die Geschichte der kleinen neugierigen und freiheitsliebenden Möwe beschreiben.

Nightbird
Find your way
For none may know it
just as you may

Jonathan will nicht nur fliegen, um zu fressen, er will fliegen, um zu lernen und um seinen Horizont zu erweitern. Täglich absolviert er seine Flugübungen, fliegt immer höher, fliegt in immer engeren Kurven, erlebt tagtäglich die Schmach, wieder total durchnässt und mit schmerzenden Knochen im Wasser zu liegen. Unfähig, seinen durch die Natur vorgegebenen Körper zu überwinden. Die Flügel sind zu lang, der Körper zu plump. Er wollte den Gleitflug erlernen, um sanft und elegant auf dem Wasser zu landen, aber jedes Mal endete er in einem unkontrollierbaren Sturzflug. Es war ihm unmöglich den Flügelschlag zu kontrollieren, wenn er aus zu grosser Höhe hinabstürzte. Jonathan hätte problemlos jeden Möwen Rekord im Höhenflug oder in der Geschwindigkeit erreichen können. Wenn da nicht jedes Mal die betonharte Wasseroberfläche gewesen wäre, auf der er aufprallte. Trat er dann müde in der Dunkelheit den Heimflug an, so versagten ihm  seine Augen den Dienst. Für den Nachtflug hätte er die Augen einer Eule gebraucht, aber er war eben eine Möwe, nichts anderes, als eine Möwe.

Er übte und übte weiter, flog immer höher und immer schneller und er verlor sich selbst dabei immer mehr.

Jonathan war überzeugt davon, alle anderen Möwen glücklich zu machen, befreien zu können aus ihrer scheinbaren Eintönigkeit.  Und er war so überzeugt von sich, dass er es gar nicht glauben konnte, als er von seinem Schwarm «…wegen skrupellosen Leichtsinns, mit dem gegen die Würde und die Tradition der Möwen verstossen wurde..» ausgestossen wurde.

Er macht sich auf und findet neue Freunde und neue Lehrer. Von seinem besten Freund Sullivan verabschiedet er sich viele Jahre später mit den Worten:«Wäre unsere Freundschaft von Raum und Zeit abhängig, dann taugte sie nichts mehr, sobald wir Raum und Zeit hinter uns lassen. Überwinde den Raum und alles was uns übrigbleibt, ist das Hier. Überwinde die Zeit, und alles, was uns übrigbleibt, ist Jetzt.»

Die Möwe Jonathan als moderne Fabel. Wir müssen täglich unsere Grenzen erkennen und daran arbeiten, sie zu überwinden. Nur so können wir unser Tun perfektionieren, um unser Wissen weiter zu geben.

War das das Ziel, das eine kleine Möwe jetzt zu erfüllen hatte, als man ihr im Ramat Gan Park in der Nähe von Tel Aviv einen kleinen GPS Sender am Bein anbrachte und auf ihren Forschungsflug schickte? Dummerweise war die Möwe zu neugierig und flog über das Mittelmeer. Sie landete in Tripolis, der Hauptstadt von Libyen, wo man sie einfing und den Sender entdeckte.

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Die in Tripolis aufgefundene Möwe

Die Behörden in Tripolis “entlarvten“ sie schnell als israelischen Spion und überstellten das Tier, das offensichtlich verletzt war, nach Beirut. Bis dahin konnte der Weg der harmlosen Möwe, die einfach zu neugierig gewesen war, verfolgt werden. Einige Zeit konnten noch Signale des Senders empfangen werden, am 15. August stoppte der Signalgeber. Das Schicksal des Vogels ist unbekannt, möglicherweise wurde er von Hisbollah Terroristen getötet und der GPS Signalgeber zerstört.

Amir Ben Dov, der Ornithologe, der für das Forschungsprogramm zuständig ist, bittet darum, das Tier, sofern es noch lebt, freizulassen. Es ist Teil eines von Deutschland gesponserten Forschungsprogrammes, das den Migrationsweg von armenischen Möwen erforschen soll.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

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