Das sind die offiziellen Ergebnisse.

ב“ה

Nach wiederholten Mehrfachauszählungen in einigen Stimmabgabestationen wurde am Freitag, 12. April, endlich das endgültige Ergebnis der Wahl vom vergangenen Dienstag bekannt gegeben.

Hier nochmals die letzten Prognosen vor der Wahl

 

Screenshot 2019-04-12 13.21.09

Und hier das endgültige Ergebnis:

Screenshot 2019-04-12 17.11.36 Kopie

 

11 Parteien werden in die Knesset einziehen und die 120 Sitze einnehmen.

Nach der ersten Auszählung lagen Likud (Benjamin Netanyahu) und Blau-Weiss (Benny Gantz/Yair Lapid) mit je 35 Stimme gleichauf, beide leicht über den Prognosen. Im Zuge der Nachzählungen gewann Likud einen Sitz dazu.

Die Arbeiterpartei Awoda blieb mit 6 Sitzen hinter den Schätzungen zurück. Die in den 60er Jahren stärkste Partei Israels liegt nun hinter den religiösen Parteien zurück. Avi Gabbay, der Parteichef, kündigte aufgrund des schlechten Ergebnisses seinen Rücktritt von seinem Amt an.

Die Union der rechten Parteien (Rafi Peretz), ein erst im Februar gegründetes Wahlbündnis traf mit 5 Sitzen die Prognosen. Auch das Vereinigte Thora Judentum erfüllte mit 7 Sitzen die Erwartungen.

Der arabischen Partei Hadasch Ta’al mit Ahmad Tibi konnte sich ebenfalls mit 6 Sitzen behaupten.

Enttäuscht waren nach den von ihnen verlangten Neuauszählungen der ehemalige Erziehungsminister Naftali Bennet und die ehemalige Justizministerin Ayelet Shaked. Nach ihrem Austritt aus der alten Regierung hatten sie im Dezember diese neue Partei gegründet. Mit weniger als 3.25% der abgegebenen Stimmen verpassten sie den Einzug in die neue Knesset.

Ebenfalls nicht geschafft hat es Zehud, die ebenfalls unter 3.25% blieb. Moshe Feiglin, ein ehemaliger Likud Politiker, zeichnete sich vor allem durch seine strikte Ablehnung eines Palästinenserstaates aus. Gleichzeitig forderte er immer wieder die Annexion des Gaza Streifens und von Judäa und Shomron.

Die orthodoxe Shas Partei (Arje Deri) übertraf mit 8 Sitzen die Erwartungen und ist damit stärker als in der letzten Regierung.

Tamar Zandbergs’ linksorientierte Meretz schaffte mit 3.3% nur sehr knapp den Einzug in die Knesset und blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Sie verlor bei den Nachzählungen einen Sitz an den Likud.

Die politisch im Zentrum zwischen Likud und Awoda angesiedelte Partei von Mosche Kachlon, Kulanu erfüllte mit 4 Sitzen knapp die Erwartungen.

Ra’am – Balad, die zweite arabische Wahlplattform konnte immerhin 4 Sitze erreichen, was den Prognosen entsprach.

Avigdor Liebermann konnte für seine bereits totgesagte Partei, Israel Beitenu immerhin 5 Sitze erkämpfen. Sein Austritt aus der Koalition als Verteidigungsminister im vergangenen Herbst hatte die Neuwahlen beschleunigt. Seine 5 Sitze in der Knesset könnten nun das Zünglein an der Waage werden. In einem Interview sagte er, dass er weder Benny Gantz als neuen PM vorschlagen würde, aber auch nicht einer von Netanyahu geführten Regierung beitreten würde. Sein Platz wäre dann in der Opposition. Wir dürfen gespannt sein, welche Joker er im Ärmel hat!

Ab Anfang der kommenden Woche wird Präsident Rivlin mit jedem Parteivorsitzenden sprechen. Es geht darum abzuschätzen, wie hoch die Zustimmung für welchen potenziellen PM ist und wie realistisch dessen Koalitionsmöglickeiten sind. Wichtig ist, dass der Präsident im Prinzip in seiner Entscheidung, wem er den Regierungsauftrag übergibt, völlig frei ist. Für diesen Entscheid hat er zwei Wochen Zeit. Innerhalb von sechs Wochen nach dem Auftrag muss die Regierung stehen. In besonders schwerwiegenden Fällen kann die Dauer um zwei weitere Wochen erstreckt werden.

Hinter den Kulissen wird natürlich schon heftig sondiert, diskutiert, versprochen und geschachert.

Mit viel Glück werden wir kurz vor der Sommerpause der Knessset eine neue Regierung haben.

 

© esther scheiner, israel

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Die Zitterwahl von 2019

ב“ה

 

Noch 4 ½ Stunden sind in Israel die Wahllokale geöffnet. Nur noch wenige Stunden, bis das Auszählen dieser vielleicht wichtigsten Wahl beginnen kann. Mit dem endgültigen Ergebnis wird erst im Laufe des Donnerstags gerechnet.

Und dann beginnt der eigentliche Kampf, der um mögliche Koalitionen, die  letztlich entscheiden, ob es zu einer Neuauflage von Likud-Rechts-Bibi kommt, oder ob es den lange schon überfälligen Wechsel gegeben hat. Dann dürfte es Blau/Weiss-Mitte Links- Gantz/Lapid werden, die in den kommenden Jahren richtungsbestimmend für Israel sein werden.

Offiziell durften seit Sonntag keine neuen Prognosen mehr veröffentlicht werden. Die letzten, noch am Freitag erstellten zeigten, dass das Ergebnis sehr, sehr knapp werden dürfte.

Hier nur die niedrigsten und die höchsten Vorhersagen:

Likud                                                    26 – 31 Sitze

Blau-Weiss                                          27 – 32 Sitze

Labour                                                 8 – 11 Sitze

Vereinigte Rechte                              5 – 7 Sitze

Vereinigtes Torah Judentum           6 – 8 Sitze

Hadash – Taal                                    6 – 8 Sitze

Die Neue Rechte                                5 – 6 Sitze

Zehud (Identität)                               4 – 6 Sitze

Shas                                                      4 – 6 Sitze

Meretz (Energie)                                5 – 8 Sitze

Kulanu (Wir alle)                               4 – 6 Sitze

Raam Balad                                         0 – 4 Sitze

Ysrael Beitenu (Unser Haus Israel) 0 – 5 Sitze

Gesher (Brücke)                                 0 – 4 Sitze

Drei Stunden vor dem Ende der Wahl wurde klar, dass die Wahlbeteiligung wieder einmal niedriger war, als bei den vorhergegangen Knesset Wahlen. Gegenüber 2015 (45.2.%) gingen bisher nur 42.8% zur Wahl. Bei der arabischen Bevölkerung lag die Wahlbeteiligung, die immer recht niedrig ist, nur bei erschreckenden 20%. Die Spitzenkandidaten der arabischen Parteien fürchten bereits, dass es im schlimmsten Fall keine Vertreter ihrer Interessen in der neuen Regierung geben werde.

Woran diese extrem niedrige Wahlbeteiligung liegen mag, wird in den kommenden Tagen genau analysiert werden. Ein Grund mögen die etwa 1.200 Wahlbeobachter sein, die mit teilweise gut getarnten Body Kameras ausgestattet in den Wahllokalen auftauchten. Ihre Aufgabe war es, den korrekten Wahlablauf zu überwachen. Es gab keinen Auftrag der Wahlbehörde. Es gab «nur» den mittlerweile zugegebenen Auftrag des Likud. Und der galt nur für arabisch dominierte Gemeinden. Der Beschwerde von Blau-Weiss, dass der Einsatz der Kameras nicht nur rechtswidrig sei, sondern auch zu einer Verunsicherung der Wähler führen könne, wurde stattgegeben. Die Kameras mussten entfernt werden. Eine genaue Untersuchung der Vorfälle wird in den kommenden Wochen stattfinden. Aber bis dahin ist der Schaden bereits passiert…. Rechtsanwälte des Likud versuchen sich bereits in einer Art Schadensbegrenzung

Gegenseitige Vorwürfe kamen aus beiden Lagern in Richtung der anderen Partei. Nachdem Blau-Weiss Wahlzettel aufgetaucht waren, die durch zusätzliche Markierungen auf der Rückseite ungültig gemacht worden waren, wurde dieser Vorfall, der ein kein Einzelfall war, der Wahlaufsichtsstelle berichtet. Kurz darauf kamen gleiche Vorwürfe in die andere Richtung aus dem Likud Lager. Theoretisch ist so etwas durchaus möglich, weil in Israel nicht mittels einer Liste mit allen Parteien/Kandidaten gewählt wird, sondern durch das Einlegen des Zettels mit dem Parteikürzel in den Umschlag. Die markierten Stimmzettel, so wird im Laufe des Abends angekündigt, werden als gültig anerkannt werden.

gross-wie-nie-der-frankfurter

Wahlzettel in Deutschland – die Qual der Wahl, aber immerhin lesbar

91741250100287640360no

Wahlzettel in Israel – eine Wissenschaft für sich

Im Jahr 2015 hatte sich Amtsinhaber Netanyahu am Wahltag «besorgt» darüber gezeigt, dass die arabischen Wähler mit Unterstützung linker Organisationen massenhaft an die Wahlurnen gebracht würden, um seine Wiederwahl zu verhindern. Nun hat er reagiert. 2000 Freiwillige sollen dafür sorgen, dass Wähler, die entweder nicht zum Wahllokal kommen können, oder auch einfach nicht wählen wollen, zu Hause abgeholt und zur Wahlurne gebracht werden.

22 Uhr Ortszeit in Israel, 21 Uhr in Zürich.  Die Wahllokale sind geschlossen. In wenigen Minuten werden die ersten Hochrechnungen erwartet. Noch eine Stunde vor Ende der Wahlzeit hat Blau-Weiss seine Wähler mit SMS aufgefordert, die noch fehlenden Stimmen abzugeben «Macht schon!» war von Ya’alon zu hören, «Du hast genau drei Sekunden, dich zu bewegen» bellte Ashkenazi «Los, greif an!» war von Benny Gantz zu lesen. Da wurden drei Neo-Politiker wieder zu IDF Oberbefehlshabern.

Sowohl Benjamin Netanyahu, als auch Benny Gantz erklärten sich unmittelbar nach dem Bekanntgeben der ersten Hochrechnungen zum Gewinner der Wahl, Netanyahu kündigte an, sofort mit der Regierungsbildung zu beginnen.

Im Laufe des Nachmittags hatte sich die Wahlbeteiligung gebessert. Von den Minaretten in den arabischen Orten Tamra und Taibeh waren Aufrufe an die Bevölkerung gegangen, unbedingt zu den Wahlen zu gehen. Die Wahlbeteiligung lag nun bei 61.3% und damit nur 1% niedriger, als im Jahr 2015. In den arabischen Gemeinden lag die Beteiligung bei 44%.

Erste Zahlen zeigen ein äusserst knappes Ergebnis:

Likud 36 : Blau-Weiss 37

Likud 33 : Blau-Weiss 37

Likud 36 : Blau-Weiss 36

Weitere Ergebnisse dürfen wohl für heute Abend nicht erwartet werden.  Klar ist: Es wird ein ganz knappes Rennen

Hier ein paar Bilder vom Wahltag

 

F190409GE05-e1554804384898-1024x640

Ihr schönster Tag

 

Bibi-beach-e1554817815962-640x400

Bibi am Strand „Geht wählen!“

AP19099341191198-1024x640

Ein Mann, eine Stimme!

AP19099321359635-1024x640

Beduinenfrau bei der Wahl

 

91745381987876640360no

Präsident Rivlin gibt seine Stimme ab

 

917485901002265640360no

Bibi und Sarah, Bild ohne Worte

 

917088201001095640360no

Benny Gantz mit einer Motorradrally

914767701000100640360no

Gegen Bibi: Ein drusischer IDF Veteran…

914767501000100640360no

…und sein Freund hoffen auf einen für sie positiven Wahlausgang

9173604099489640360no

Pro Bibi: In der Altstadt von Jerusalem macht dieser Mann Wahlkampf für Likud

 

000_1FH66M-e1554822682613-640x400

Eine Araberin bei der Wahl

000_1FH9S0-1024x640

Der Wahltag nach der Pflicht – die Kür am Strand, endlich Sonne und Wäme nach dem Winter

 

000_1FB5GQ-1024x640

Beste Freunde sehen anders aus!

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Der Wahlkampf wird immer härter ….. und unfair

 

Noch zwei Wochen Zeit haben die beiden politischen Hauptprotagonisten, der amtierende PM Benjamin Netanyahu und sein Herausforderer Benny Gantz, bis sie sich der Wahl stellen müssen.

Ob es zu einer Neuauflage von Likud kommen wird, und damit ausser Frage stehen wird, dass der neuen PM wieder Netanyahu heissen wird, oder ob sich das neue Wahlbündnis Blau-Weiss durchsetzen wird, kann niemand vorhersagen.  In dem Fall würden sich Benny Gantz und Yair Lapid die Amtszeit teilen. Während der ersten 2 ½ Jahre wird Benny Gantz die Funktion des PM übernehmen, während Yair Lapid den Posten des Aussenministers übernehmen wird.  Für die zweite Halbzeit der Regierungszeit , so ist es geplant, wird er als PM eingesetzt, Wer für diese Zeit den Posten des Aussenministers übernimmt, wurde noch nicht endgültig benannt. Wahrscheinlich ist, dass der dann Benny Gantz heissen wird.

Die neueste Runde an Terrorattacken wurde am 25. März gegen Morgen eingeläutet. Eine Langstreckenrakete vom Typ Fajir – 5 traf ein Wohnhaus in Mischmoret, nördlich von Kfar Saba. Ein Haus wurde gänzlich zerstört, das zweite trug erhebliche Schäden davon. Sieben Personen wurden verletzt, zwei von ihnen mittelschwer.  Die Reichweite dieses Raketentyps, der ursprünglich aus dem Iran stammt, wird mittlerweile in Gaza nachgebaut. Die Reichweite, die ursprünglich 75 Km betrug, wurde auf 120 Km erhöht,

Möglicherweise wurde die Rakete vom Islamischen Jihad abgeschossen. Für Israel ist aber die Hamas allein verantwortlich für sämtliche Angriffe aus Gaza. Zuvor hatte es im Gefängnis Ketzitot im Negev einen Aufstand von palästinensischen Gefangenen gegeben, die zwei Aufseher niedergestochen hatten. Im nachfolgenden Versuch, die Aufständischen ruhig zu stellen, waren elf von ihnen verletzt worden. Wie zu erwarten, kam prompt eine Reaktion des Islamischen Jihad. “ Israel muss mit einer starken Reaktion rechnen, wenn die IDF jetzt Gaza angreift.” Einige Hamasführer rechnen nun damit, dass ein solcher Angriff möglicherweise bevorsteht. Sie haben sich in den Untergrund begeben…. Bisher ist die israelische Reaktion moderat. Die Grenzübergänge Erez und Shalom wurden geschlossen und die Präsenz der IDF an der Grenze zu Gaza wurde mit der Einberufung von Reservisten verstärkt.

Was das mit dem Wahlkampf zu tun hat?

PM Netanyahu befindet sich derzeit wieder einmal in den USA, um sich mit seinem Freund Präs. Trump zu treffen. Von dem wird er heute das beeindruckendste Wahlgeschenk erhalten. Präs. Trump hat beschlossen, dass es nun endlich an der Zeit sei, den Golan als legitimen Teil Israels anzuerkennen. Von den 22.000 Drusen, die auf dem Golan leben, aber auch von einigen Nachbarstaaten wird diese einseitige Anerkennung als höchst problematisch angesehen. Es ist durchaus vorstellbar, dass es in den kommenden Tagen und Wochen zu verstärken Angriffen auf den Golan kommen wird.

Also alles gute Gründe dafür, dass der amtierende PM sich besser im Land befindet, als sich im Ausland seine Meriten, zu denen er in keiner Weise selber beigetragen hat, abzuholen. Präs. Trump, der sich selber als grossen Staatsmann sieht, hätte sicher Verständnis dafür, wenn sich sein Gast bereits auf dem Rückflug befinden und schon bald in Ben Gurion landen würde. In Washington ist es gerade erst 09:00 vormittags, grossartig verkürzen kann er seinen Aufenthalt in den USA also nicht. Vor morgen Vormittag kann er wohl kaum wieder in seinem Büro sein.

Doch genau das verlangt Benny Gantz. Hier in Israel sei nun sein Platz und nicht in den USA. “ ….Netanyahu muss sofort packen und nach Israel zurückkehren, um sich hier mit der ernsten Eskalation auseinandersetzen. Wird er sich wieder mit der laschen Entschuldigung, es sei ein Irrtum gewesen zufrieden geben, oder wird er sich endlich auf die Sicherheit der Bürger konzentrieren und nicht so sehr auf seine rechtlichen Probleme?” 

Ein kleiner Vorteil ergibt sich aus der dramatischen Lage für Benny Gantz. Während PM Netanyahu seine Rede vor der AIPAC, die für morgen, Dienstag geplant war, absagen musste, kann Benny Gantz seine Ansprache wie geplant am Vormittag halten, gemeinsam in einer Sitzung mit US Vizepräs. Mike Pence, der ehemaligen US Abgeordneten in der UNO, Nikki Haley und dem Bürgermeister von New York, Bill de Blasio. Er kann seine Feuertaufe vor diesem Gremium in Ruhe vorbereiten, so viel Ruhe und Zeit wird er als PM nie mehr haben, wohl wissend, dass immer wieder etwas dazwischen kommen kann.

Aber von welchen rechtlichen Problemen spricht Benny Gantz?  Mittlerweile ist er selber ins Fadenkreuz seiner politischen Kontrahenten geraten. Angeblich, so stand es in den Medien, war das private Handy von Gantz durch den Iran gehackt worden. Netanyahu stellte blitzschnell in einer Pressekonferenz die Frage, “ Benny Gantz, was versteckst du vor der israelischen Öffentlichkeit? Was wissen die Iraner von dir, was du uns nicht sagen willst? Welche wichtige Informationen haben die Iraner jetzt, die du nicht einmal deinen Parteifreunden enthüllen willst?”  Gantz‘  Erwiderung war nachvollziehbar. In Richtung seines Kontrahenten stellte er die berechtigte Frage, dass er seit mehr als vier Jahren nicht mehr in irgendeinem politischen oder militärischen Amt sei, um welchen sensiblen Daten des sich denn da noch handeln könne. In Richtung des Iran stellte er anlässlich seiner Rede vor der AIPAC heute fest: “Ihr kennt mich gut, aber nicht wegen meines Handys! Wenn es nach mir geht, wird der Iran nie eine regionale Machtstellung bekommen. Und ich werde nicht zögern, kraftvoll zu reagieren, wenn es notwendig sein wird.“

Die Iraner scheinen ihre Freude daran zu haben, für Wirbel in Israel zu sorgen. Auch die Handys von Sarah und Yair Netanyahu, dem medien- und social-media affinen Sprössling der Netanyahus sollen vor einigen Monaten gehackt worden sein. Was sich die Ajatollahs davon versprachen, mag verstehen, wer kann.  

In der Handy-Leak Affäre steht es also 1:1, keine win-win, sondern eine lose-lose Situation ist  diese Aktion, ob sie stimmt oder ein Fake ist, eine iranische oder israelische PR Aktion, ist einfach lächerlich.

Ganz und gar nicht lächerlich, sondern, wenn man es genau betrachtet, möglicherweise kriminell, falls die Anschuldigungen stimmen sollten, ist ein Insidergeschäft, an dem unser PM einige Millionen US$ verdient haben soll. Hier fasse ich nur die angebliche Faktenlage zusammen, die mich erstaunt zurücklässt.

Wie kann es sein, dass PM Netanyahu im Jahr 2007 Aktien im Wert von 1 Million US$ bezieht und sie am 29. November 2010 wieder verkauft? Und zwar zu einem unglaublichen Preis von 4 Millionen US$. Am Tag nach dem Rückkauf wurde das Unternehmen von einem anderen übernommen. Das erste Unternehmen, Sea Drift wurde von einem Cousin des PM geführt. Das neue Unternehmen, Graf Tech hielt bereits seit einiger Zeit 19% der Sea Drift Aktien. Zudem ist es ein Lieferant des deutschen Unternehmens Thyssen Krupp, das seinerseits in die als causa 3000 ( die U Boot Affäre ) bekannt gewordene Untersuchung im Fall PM Netanyahu  involviert ist. Doch das ist noch nicht alles. Um die auf den Gewinn anfallenden Steuern zahlen zu können, wurde PM Netanyahu bei einem persönlichen Freund vorstellig und erbat von diesem einen Kredit.

Ist das nun der Strohhalm, der dem Kamel den Rücken bricht, oder ein weiteres Polster auf dem langen Weg des Bibi zurück zur Macht oder endlich auf dem Weg nach Hause?

 

© esther scheiner, israel

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Am 8. März war der Weltfrauentag

ב“ה

 

Das Thema des heurigen Weltfrauentages war, nicht zum ersten Mal, die Gleichstellung der Frau.

Dass die auch im Jahr 2019 immer noch thematisiert werden muss, dass es immer noch endlose Diskussion, Demonstrationen, Gerichtsurteile geben muss, ist ein erbärmliches Zeichen dafür, dass die ansonsten ach so aufgeklärte Welt weit davon entfernt ist, endlich anzuerkennen, dass Frauen und Männer nicht zwei unterschiedlichen Spezies angehören.

Das Urproblem wird bereits in der Thora beschrieben. Im 1. Buch Moses, 1;27 lesen wir: «Und Gott schuf ihn (den Menschen) nach seinem eigenen Bild, im Bildnis Gottes schuf er ihn; er schuf den Mann und die Frau» Das geschah am 5. Tag der Schöpfung. Mann und Frau als gleichgestellte Menschen. Beide, weder der Mann noch die Frau hatten einen Namen. «Und er (Gott) sah, dass es gut war.»Doch dann verschwindet die Frau von der Bildfläche. Ihr Name, so erfährt man in den wenigen jüdischen Textstellen, war Lilith. Eine Powerfrau, die sich ihrem Mann nicht unterwerfen wollte und ein selbstbestimmtes Leben für sich anstrebte. Im gleichen Buch, Kapitel 2;7 lesen wir «Gott schuf aus dem Staub der Erde einen Mann, hauchte ihm seinen Atem des Lebens ein und gab ihm eine Seele.» In Kapitel 2;18 zeigt Gott Erbarmen mit dem einsamen Menschen «Es ist nicht gut, dass der Mann allein ist, ich werde ihm eine Hilfe zur Seite stellen.» Gott lässt sich Zeit mit seinem göttlichen Tun. Erst in Abschnitt 2;21 versetzt er Adam «Mensch» in einen Tiefschlaf. Aus einer seiner Rippen bildet er seine neue Partnerin, die Adam Eva nennt. Im Hebräischen heisst Eva «Chavah», was für «das Leben Schenkende» steht.

Mit Evas Verführung durch die Schlange beginnt der Jahrtausende lange Interpretationsfehler. In Umkehrung von Aktion und Reaktion gilt fortan Eva als die Schuldige, die die Vertreibung aus dem Paradies verursacht hat. Die Frau als Sinnbild allen Übels. Ihr Name wird nur an ganz wenigen Textstellen genannt, sie tritt völlig in den Schatten ihres Mannes hinein.

Lilith hingegen wurde im modernen Feminismus zum Sinnbild der Emanzipation. Die gelehrte, starke Frau, die sich ihrem Mann entzogen hat steht der bescheidenen, folgsamen Eva gegenüber, die sich den patriarchalen Zwängen kritiklos fügt.

Über die Jahrhunderte wurde die Frau in die Rolle eines Menschen zweiter Klasse gedrängt. Selbstbestimmte Frauen, die mutig gegen alle Widerstände ihren Weg gingen, wurden misstrauisch betrachtet, ja sogar gesellschaftlich geächtet. Noch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts ging die Frau quasi vom Eigentum des Vaters in das Eigentum des Mannes über, durfte nicht wählen, kein eigenes Konto eröffnen. Wollte sie arbeiten, brauchte sie seine Zustimmung.

Seither hat sich viel getan, viel, aber lange noch nicht genug. Am WEF (World Economic Forum) im Januar 2019 wurde die weltweit immer noch vorherrschende Benachteiligung der Frauen im «Global Gender Gap Report 2018» vorgestellt. 149 Staaten wurden darauf untersucht, wie Frauen in den Bereichen: Wirtschaft, Ausbildung, Gesundheit und Politische Mitbestimmung gestellt sind.

Um in den Bericht aufgenommen zu werden, müssen im jeweiligen Staat 12 von 14 Indikatoren messbar sein.  Seit der Bericht im Jahr 2006 erstmals erstellt wurde, kamen 106 Staaten zu den ersten 43 hinzu. Heuer wurden neu aufgenommen: Kongo, Irak, Oman, Sierra Leone und Togo. Bei 22 Staaten fehlt ein Indikator, bei 19 weiteren fehlen zwei.

Die Info Karten aller Staaten mit allen Informationen gibt es hier.

 

Den 1. Rang übernimmt Island mit einem Ergebnis von 0.858.

Screenshot 2019-03-20 17.57.28

Screenshot 2019-03-20 17.57.13

Deutschland steht mit dem Ergebnis von 0.776 auf Platz 14.

Screenshot 2019-03-20 18.00.09

Screenshot 2019-03-20 17.59.59

Die Schweiz erreicht Platz 20 mit dem Ergebnis von 0.755.

Screenshot 2019-03-20 18.04.24

 

Screenshot 2019-03-20 18.04.01

 

Israel nimmt mit dem Ergebnis von 0.722 die 46. Stelle ein.

Screenshot 2019-03-20 18.02.50

Screenshot 2019-03-20 18.02.39

 

Österreich hat mit einem Ergebnis von 0.718 nur den 53. Platz erreicht.

Screenshot 2019-03-20 22.08.45

Screenshot 2019-03-20 18.01.30

 

Das Schlusslicht bildet der Yemen mit einem Ergebnis von 0.499 auf dem 149. Platz.

Screenshot 2019-03-20 18.15.01

Screenshot 2019-03-20 21.57.51

 

Weltweit beträgt die Lücke zwischen den Geschlechtern durchschnittlich 68%. Gegenüber 2017 hat sich der Wert nur marginal verbessert. Auch wenn es in der subjektiven Bewertung vielleicht ganz anders aussieht, Frauen sind nach wie vor in den meisten Staaten der Welt noch immer benachteiligt.  Es wird, wie die Grafik zeigt, noch viele Jahre brauchen, um das zu ändern.

Screenshot 2019-03-20 18.07.43

© alle Bilder, sofern nicht anders angeführt Screenshots WEF

© esther scheiner, israel

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Dann bebte die Erde und nichts war mehr, wie es vorher war.

ב“ה

 

«Die Erde bebte und wankte, und die Grundfesten der Berge bewegten sich und bebten, da er zornig war.» (Psalm 18:8)

 

Ein strahlend heller Frühlingstag mit milden Temperaturen. Der Winter war so regnerisch gewesen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Wasserstand des Kinneret zeigte heute -212.74 m. Dieser «Höchststand» war zuletzt im Mai 2017 gemessen worden.

Ein Grund, in den Norden zu fahren und sich ein schönes Wochenende zu machen. Halb Israel schien unterwegs zu sein, um nach der langen Regenperiode endlich wieder einen Ausflug zu unternehmen. Die Nebenstrassen konnten das grosse Verkehrsaufkommen fast nicht bewältigen.

Am Ziel angekommen war da auf einmal dieses unheimliche Grollen ganz tief unten in der Erde. Man konnte es «hören», mit den Füssen, mit dem Zwerchfell und dann irgendwann auch mit den Ohren. Erst weit entfernt und weniger als eine Sekunde andauernd. Dann kam es wieder, einmal, mehrmals, immer stärker werdend. Der See beginnt unruhig zu werden.

Unruhe, Angst. Das war keine der bekannten Arten von Erdbeben mit leichten, fast nicht spürbaren Geruckel. Diesmal war es etwas anderes.

Nur fort von hier, weiter nach oben, da wo es keine Gebäude mehr gibt. Freies Gelände. Die Beine gehorchen nicht, sie werden von der wackelnden, sich aufbäumenden und dann wieder kollabierenden Erdoberfläche weggerissen. Die Luft brennt in den Lungen. Weiter, nur weiter, hier ist es noch nicht sicher. Endlich liegen die Häuser weit zurück.

Die Erde scheint wieder sicher zu sein. Wie viele Minuten waren vergangen, seit das grosse Beben begann? Es waren nur unglaubliche drei Minuten. Doch da war noch das Nachbeben gewesen, nicht mehr ganz so stark. Es kam in drei weiteren Wellen.

Und dann nichts als Ruhe. Unheimliche Ruhe. Die Luft ist voller Staub, der das Atmen schwermacht.

Ein Blick nach unten auf die Stadt zeigt ein Bild der Verwüstung.

Dort wo die modernen Siedlungen am Hang oberhalb vom See stehen, ist es weniger dramatisch. Dort befindet sich auch die eigene Ferienwohnung. Weiter unten am See, in der Altstadt bis hinüber weiter nördlich über die neuen Hotelanlagen und Kibbuzim am See bis zur Ausgrabung von Magdala liegt dicker Dunst über allem, ebenso wie über den Gebieten weiter im Süden, wo der erste Kibbuz Dagania liegt, bis hinüber zur historische Stadt Bet She’an. Die behäbigen breiten Ausflugsboote liegen wie Kinderspielzeug übereinander geworfen mitten in der starken Gischt. Erste Explosionen sind zu hören, erste Brände breiten sich rasend schnell in den verwinkelten Gassen der Altstadt aus.

 

So, oder ähnlich könnte sich ein grosses Erdbeben abspielen. Niemand, so sagt Prof. Dr. Amotz Agnonvon der Hebrew University in Jerusalem, könne wissen «Wann, wo, und, in welcher Stärke uns das nächste Erdbeben treffen wird.» Prof. Agnon, einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Erdbeben und Geodynamik, kann mit seinen Mitarbeitern, die nicht nur in Jerusalem, sondern auch an der Uni Tel Aviv und am Negev Institut für Geoinformatik arbeiten, Rückschlüsse aus der Vergangenheit ziehen und Prognosen für die Zukunft machen.

Screenshot 2019-03-05 19.09.03

Die Schichtungen zwischen ruhigen und „gestörten“ Ablagerung lassen deutliche Rückschlüsse auf lange zurückliegende Erdbeben zu

Untersuchungen von Sedimenten in Tropfsteinhöhlen geben verlässliche Informationen, in welchen Abständen grössere und kleinere Erdbeben zu erwarten sind. Diese Informationen werden durch Untersuchungen an Abbrüchen am Ufer des Toten Meeres bestätigt. In beiden Fällen zeigen «Verwirbelungen» der ansonsten linearen Sedimentformation klar auf, wann es zu einem grösseren Erdbeben gekommen ist.

Screenshot 2019-03-05 19.08.42

In dieser Aufnahme wird die „Wellenbewegung“ eines Erdbebens deutlich sichtbar.  Die Probe stammt vom Ufer des Toten Meeres

Seine beruhigende Aussage ist: Erbeben, die grosse Schäden anrichten, finden nur durchschnittlich alle 10.000 Jahre statt. Allerdings ist die Abweichung von der Norm +/- 5.000 Jahre. «Und wir befinden uns gerade am Beginn dieser 5.000 Jahre!»

Screenshot 2019-03-05 19.08.02

Das sind keine besonders guten Neuigkeiten! Was also tun? Hinsetzen, warten, wie das Kaninchen vor der Schlange?

Immerhin verläuft quer durch Israel der Jordangraben, der Teil des grossen afrikanischen Grabenbruchs ist. Seit Millionen Jahren reiben sich die Arabische und die afrikanische Platte aneinander. Mit einer Bewegung von einem halben Zentimeter pro Jahr verschieben sie sich in gegenläufiger Richtung.

Screenshot 2019-03-05 19.09.42

Die jeweils erste und zweite Aufnahme ist ident. Die erste, vom 28.02.19 verzeichnet nur  Beben der Stärke 2 und 3. Das jeweils zweite Bild erfasst nur Beben mit einer Stärke zwischen3.5 und 4, sowie wenigen Beben der Stärke 5 im Zeitraum 1984 – 2019.

Screenshot 2019-03-05 19.10.50

Die dritten Bilder erfassen Beben im Zeitraum von 1900 bis 2019 in der Stärke zwischen 4 und 5 (oben ) und 5 bis 6 (unten). Klar ersichtlich wird bei allen Abbildungen die Häufung im Jordangraben, im Roten Meer und rund um den Sinai.

Das letzte grosse Beben fand am 11. Juli 1927 statt. Das Beben, dessen Epizentrum nördlich vom Toten Meer lag, hatte eine Stärke von 6.3 und verursachte massive Schäden in Jerusalem, Jericho, Ramallah und Tiberias. 500 Menschen kamen bei dieser Katastrophe ums Leben. Als Ursache für das Beben wird angenommen, dass sich die beiden Kontinentalplatten spontan mit mehr als 50 cm bewegten.

In den vergangenen Wochen kam es wieder zu einer Häufung von wahrnehmbaren Beben, die aber keinerlei Schaden anrichteten.

Dr. Eli Jaffe,stellvertretender Generaldirektor von Magen David Adom (MDA/ Mada) ist überzeugt, dass seine Organisation die richtigen Werkzeuge in der Hand hat, um auch im wirklich «schlimmsten Fall» über die richtigen Hilfsmittel und Ressourcen verfügt und niemand in Israel ohne Hilfe bleiben wird. Dennoch, er muss zugeben, keinerlei praktische Erfahrung in Bezug auf grosse Erdbeben zu haben.

Auch für ihn gilt: «Wir haben keine Ahnung wann, was, wo in, welcher Stärke geschehen wird.»

Screenshot 2019-03-05 19.13.54

Zahl der bei einem grossen Beben der Stärke 7 erwarteten Opfer in Israel.

Wenn Dr. Eli Jaffe nach dem weiter oben virtuell geschilderten Erdbeben oberhalb von Tiberias stehen würde, dann würden jetzt bei ihm ganz professionell einige Aktionen ausgelöst werden, die jeder der unzähligen freiwilligen und professionellen Mitarbeiter von MDA immer wieder trainiert. Man muss dabei bedenken, dass im Falle eines starken Erdbebens möglicherweise viele Strassen nicht mehr befahrbar oder sogar nicht mehr vorhanden sind. Die Stromversorgung wird ebenso wie die Versorgung mit Frischwasser stark eingeschränkt sein. Die Kommunikation mit Mobiltelefonen oder Funkgeräten bricht zusammen, sobald die entsprechenden netzunabhängigen Batterien aufgebraucht sind.

Es gibt daher keine hierarchischen Anweisungslinien mehr, jeder muss für sich selber entscheiden und autonom handeln. Grundsätzlich gilt bei jedem Einsatz, die Rettung und Behandlung von Familienangehörigen und Freunden hat, sofern sie sich in erreichbarer Nähe befinden, immer den Vorrang vor anderen Personen. Ebenso darf das eigene Leben nicht gefährdet werden.

Schäden werden in drei Kategorien eingeteilt, je nachdem, wie lange ein mögliches Hilfeszenario dauert. A – sofort verfügbar, keine, oder nur sehr geringe strukturelle Schäden. B – zeitlich auf max. 48 Stunden beschränkter Einsatz, keine Verschütteten, Häuser können, mit entsprechenden Vorsichtsmassnahmen noch betreten werden. Keine Brände. C – Katastrophe, Einsatz von einer bis zu mehreren Wochen. Kollabierte Häuser, schwer löschbare Brände. Zahlreiche Verschüttete, Einsatz von schwerem Gerät notwendig, medizinische Behandlung unter schwersten Bedingungen. Einsatz von Suchhunden. Je nach Klima Seuchengefahr. Die Überlebenszeit von Verschütteten beträgt normalerweise nur wenige Stunden.

Screenshot 2019-03-05 19.13.31

Screenshot 2019-03-05 19.13.18

Bestenfalls kann der Mitarbeiter sofort mit der Hilfeleistung beginnen. Die dazu notwendigen Utensilien hat er in der Regel immer bei sich, um jederzeit einsatzbereit zu sein. Sobald ein Mitarbeiter nicht mehr vor Ort gebraucht wird, begibt er sich zur nächsten Station, um von dort aus weiter zugewiesen zu werden. In grösseren Städten sind zu diesem Zweck auch Sammelpunkte definiert worden.

Erdbeben sind sehr regional eingeschränkte Naturkatastrophen. Um eine ehestmögliche Versorgung der Opfer zu gewährleisten, werden, zentral organisiert, alle zur Verfügung stehenden Rettungsfahrzeuge zum Einsatzort geschickt. Das Gleiche gilt für alle zur Verfügung stehenden Ersthelfer, Paramedics und Ärzte. Selbstverständlich bleibt immer eine notwendige Mannschaft samt Fahrzeugen «daheim».

 

Screenshot 2019-03-05 19.15.36

Jeder kann zu den wichtigen Informationen beitragen: Wer wurde wann, wo und in welchem Zustand gesehen. Fotos, die jeder machen kann, helfen Opfer und ihre Familie wieder zusammen zu bringen oder zumindest ihr Schicksal zu klären. In dieser Situation ist Fotografieren keine Voyeurismus, sonder ein notwendiges Hilfsmittel.

Insgesamt verfügt MDA, seit 2006 Mitglied vom Internationalen Roten Kreuz, über:

Screenshot 2019-03-05 19.12.20

MDA wird nur mit 6% des Budgets staatlich gefördert und lebt von den angebotenen Dienstleistungen. In 19 Ländern auf allen Kontinenten haben sich selbstständige Vereine gebildet. Sie suchen unermüdlich Geldgeber. Mit den Geldern, von Kleinstbeträgen bis hin zu Erbschaften, werden nicht nur die Fahrzeuge finanziert. Auch neue Stationen in bisher schwach ausgebauten Regionen können mit diesen grosszügigen Spenden erneuert oder neu gebaut werden.

Weitere Informationen gibt es hier:

https://www.mdais.org/en

https://www.mda-schweiz.ch/index.php/DE/home

Noch ganz neu ist die bemerkenswerte App «My MDA». Jede Form der Kommunikation zwischen dem Patienten und der Leitzentrale von MDA ist via Smartphone problemlos möglich. GPS Daten führen das Rettungsteam direkt zum richtigen Ort, mit der freigegebenen Kamera können sich die Ersthelfer schon vor dem Eintreffen einen Überblick über die Situation schaffen. Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose!

Magen David Adom – das Ziel ist, mehr Leben zu retten.

© Sofern nicht anders gekennzeichnet: Folien MDA / Dr. Eli Jaffe und Hebrew University / Prof. Dr. Amotz Agnon beim Vortrag in Zürich am 4. März 2019

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

Ring frei zur nächsten Runde….. der lange Weg zur Wahl

ב“ה

Am vergangenen Donnerstagabend um 22 Uhr hätte es soweit sein sollen, dass die endgültigen Kandidatenlisten aller Parteien in der Knesset vorliegen sollten. Kurz zuvor muss es in den weitläufigen Gängen aber noch wie in einem Bienenstock gesummt haben. Da wurden noch fleissig Gespräche geführt, mögliche wahlnützliche Koalitionen gesucht, gefunden und wieder verworfen.

Doch dann standen sie endlich fest. Die ersten Umfragen zeigten noch, dass Likud und seine «natürlichen Partner» einen knappen Vorsprung in der Wählergunst hatten. Wie auch immer man den Begriff der «natürlichen Partner» definieren mag.

Am vergangenen Sonntag dann eine neue Umfrage und ein neues Bild.

Die neu entstandene Union zwischen  Beny Gantz (Chosen le Israel) und Yair Lapid (Yesh Atid) mit dem Namen «Blau -Weiss» hat auf einmal die Chance, 35 Plätze in der 22. Knesset zu erreichen.

«Blau Weiss» war der Name eines jüdischen Jugendbundes in Europa. Entstanden ist er zu Beginn der 20. Jahrhunderts und stand dem zionistisch-liberalen Judentum nahe. Heute ist er nahezu bedeutungslos geworden. Im Winter veranstalten die wenigen Mitglieder der Nachfolgeorganisation «Emuna» gemeinsam mit dem Jugendbund der ICZ Zürich gemeinsam Winterferien.

Die Wahl des Namens für das neue Bündnis spiegelt also das klare Bekenntnis zum Zionismus. Und der ist politisch dem linken Lager zuzuordnen.

Die aktuelle Umfrage verwies den Likud des Amtsinhabers auf den zweiten Platz mit möglichen 29 Plätzen.

polls

© screenshot ynet

 

Könnte damit die Wahl schon gewonnen werden? Oh nein, weit entfernt! Wenn auch die «Rechten» und die «Mitte-Links» Parteien gemäss den Umfragen auf jeweils 48 Stimmen kämen, so müssen sie weitere Bündnisse schmieden, um zumindest die hauchdünne Mehrheit von 61:59 Sitzen in der Knesset zu erhalten.

Das zu erreichen wird schwierig. Den Rechten stehen als weitere Koalitionspartner nur die ultra-orthodoxen Parteien zur Verfügung. Und die kennen ihre politische Bedeutung genau. Sie werden in die Koalitionsverhandlungen einbringen, was immer ihnen wichtig ist. Kein Militärdienst, keine Ziviltrauungen, keine Anerkennung von nicht orthodoxen jüdischen Ausrichtungen, keine nicht-orthodoxen Übertritte …… Es bleibt alles ganz anders, es bleibt alles wie es ist.

Den «Mitte-Links» Parteien geht es nicht besser. Ihnen stehen die arabischen Parteien zur Verfügung. Und die waren noch nie das Zünglein an der Waage. Zum einen ist die Wahlbeteiligung bei den Arabern immer sehr niedrig. Zum anderen hat es bisher noch nie eine Regierungsbeteiligung dieser Gruppe gegeben. Aber, vielleicht geschieht ja doch einmal ein Wunder.

Sämtliche Zahlen, die derzeit veröffentlicht werden, sind jeweils nur eine Momentaufnahme, ein flüchtiges Bild der Wählerstimmung. Sie werden sich ändern und am Wahltag wird alles nochmals ganz anders sein.

Erschreckend ist aber, mit welch untergriffigem Aktivismus der Amtsinhaber agiert.  Er spielt mit der Angst «Wenn ihr ihn wählt bekommt ihr….» und verweist auf die erste und zweite Intifada. Ein wenig erinnert das an ein Video „The daisy girl“ , das während der Wahlkampagne zwischen Lyndon B. Johnson und Barry Goldwater im Jahr 1964 nach der Ermordung von Präsident J.F. Kennedy veröffentlicht wurde. Damals lautete die Botschaft: «Wenn ihr ihn wählt, bekommt ihr die Atom Bombe!» Heute heisst es «Nur wenn ihr mich wählt, bekommt ihr Sicherheit.»

«Wenn ihr ihn wählt, dann bekommt ihr……», das ist es was der heutige Amtsinhaber mantrahaft verkündet. Ob dies eines Staatsmannes würdig ist, sei dahingestellt.

Wer der Bessere für Israel ist, wird erst die Geschichte wissen. Ich hoffe, dass das Wahlergebnis diese Erkenntnis widerspiegelt. Unser kleines Land hat es verdient, dass der Bestmögliche es regieren wird.

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Verlassene Kinder

ב“ה

 

Neun Monate, oder 268 Tage dauert eine normale Schwangerschaft beim Menschen. Neun Monate, in denen das Kind im Mutterleib wächst, sich entwickelt, von der Mutter ernährt wird und eine intensive Beziehung zu ihr aufnimmt. Im Gegensatz zur Tierwelt bedarf es keiner nachgeburtlichen Prägezeit. Mutter und Kind sind sich unmittelbar nach der Geburt vertraut. Sie sind einzigartig füreinander. Das gilt für Einzelgeburten, aber auch für ein- oder mehreiige Zwillings- oder Mehrlingsgeburten. Nur die Mutter schafft es von der ersten Minute an, eineiige Säuglinge auseinanderzuhalten.

Mütter, die aus verschiedenen Gründen, die im Sinne des Kindeswohls immer zu akzeptieren sind, ihre Kinder unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigeben, können entscheiden, ob sie ihr Kind unmittelbar nach der Geburt sehen wollen, oder ob es gleich an die Adoptiveltern oder das Jugendamt übergeben wird. Gleiches gilt auch für die Mütter, die ihr Kind an einem sicheren Ort, der Babyklappe, anonym abgeben.

Zwangsadoptionen sollten, so hofft man, ein Phänomen sein, das es seit dem Mauerfall in der westlichen Welt nicht mehr geben wird.

In der DDRwurde von 1960 bis 1989 eine bislang unbekannte Zahl von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern von «Staats wegen» von den Eltern getrennt. Teilweise wurden die Säuglinge als Totgeburten registriert, teilweise erfolgte die Trennung später. Margot Honecker, die Frau des letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, zeichnete hauptverantwortlich für dieses Programm. Die Eltern wurden als asozial oder staatsfeindlich eingestuft, der Willkür waren keine Grenzen gesetzt. Immer noch versuchen Eltern und Kinder den durchschnittenen Beziehungsfaden wieder zusammenzufügen. Margot Honecker äusserte sich 2011 in einem Interview: «Es gab keine Zwangsadoption. Mich haben diese Fälle eher immer gerührt, wenn Leute auf diese verantwortungslose Weise ihre Kinder im Stich gelassen haben.» Die Eltern hatten meist nichts anderes getan, als einen Ausreiseantrag zu stellen.

Auch in der Schweizgab es von 1926 bis 1972 die Zwangswegnahme von Kindern. Betroffen waren mehr als 2000 Kinder von «Fahrenden». So lautet die offizielle Bezeichnung in der Schweiz für die heute als nationale Minderheit anerkannte Gruppe der «Jenischen». Der eigens zu diesem Zweck gegründete Verein «Pro Juventute», war allein für 600 gestohlene Kinder verantwortlich. Es war unerheblich, ob die Eltern sesshaft waren, oder tatsächlich noch einen fahrenden Lebensstil hatten. Zumeist lebten sie in Heimen, in denen die Kinder umerzogen werden sollten, in einer entsprechend lieblosen Umgebung. In seltenen Fällen wurden sie zur Adoption freigegeben, ein Vorgehen, das das «Hilfswerk» wegen der fehlenden Einflussnahme zu vermeiden versuchte.

In anderen Staaten hatten die Zwangswegnahmen von Kindern zumeist einen rassistischen Hintergrund. In Australienwaren es meist Kinder, von denen ein Elternteil nicht zu den Aborigines gehörte. In den USA und Kanadawaren es zumeist Kinder von indianischen Eltern, die entweder zur Adoption freigegeben wurden (etwa 20.000) oder in meist kirchliche Heime eingewiesen wurde (etwa 150.000). In Argentinienwurden zwischen 1976 und 1983 in der Haft geborene Kinder von Regimegegnern von der Regierung zur Adoption freigegeben. Insgesamt sollen auf diese Art etwa 500 Kinder ihren Ursprungsfamilien entrissen worden sein. Diese Zahlen werden übertroffen von dem, was zur Zeit der Franco Diktatur (1936 – 1977) im kleinen Spanien geschah. Jungen Müttern, die entweder arm oder alleinstehend waren teilte man mit, dass ihr Kind tot zur Welt gekommen sein. Tatsächlich wurden etwa 30.000 sogenannte «irreguläre» Adoptionen durchgeführt.

Es ist beschämend, feststellen zu müssen, dass es auch in Israel zwischen 1981 und 1986 zahlreiche ungeklärte Fälle von plötzlichem Kindestod gibt. Die Kinder kamen nach einer problemlosen Schwangerschaft gesund zur Welt. Für die Eltern völlig unverständlich, «verstarben» sie in den ersten Lebensstunden. Betroffen waren ausschliesslich Kinder von äthiopischen Frauen, die noch nicht lange in Israel lebten. Zahlen gibt es nicht, auch keine Informationen, was mit den Kindern tatsächlich geschah. Es gibt keine Gräber, es gibt keine Dokumente, es gibt nur Ungewissheit. Die Äthiopier tragen ihr Herz nicht auf der Zunge, dazu kamen in der ersten Zeit Sprachschwierigkeiten, die mögliche Nachforschungen verunmöglichten.

Abertausende von Elternschicksalen. Eine nicht enden wollende Trauer. Quälende Fragen, Selbstvorwürfe. Zerrissene Familien. Der natürliche Trieb der Eltern, ihre Kinder zu schützen, darf nicht ausgelebt werden.

Was aber geht in den Köpfen von Eltern vor, die ihr Baby oder Kleinkind ohne zwingende Not einfach zurücklassen? In der Hoffnung, dass sich irgendein Mensch erbarmt und sich des Kindes annimmt? Eltern, die nur das eigene Wohl im Kopf haben?

52153206_2027811457314528_4210725884765667328_n

© screenshot Facebook, COGAT

In der vergangenen Woche wurde am Grenzübergang Erez, zwischen Israel und Gaza, ein vier Jahre alter Knabe aufgefunden. Er war offiziell mit seinem Vater nach Israel ausgereist, um dort eine notwendige medizinische Behandlung zu erhalten. Statt gemeinsam mit seinem Kind wieder nach Haus zurückzukehren, stellte der Vater den Kinderwagen im Wartebereich des Grenzübergangs ab und verliess den Terminal Richtung Israel. Die Videokamera zeigte, dass er es wohl der «Obhut» eines Fremden überliess, bevor er sich davon machte. Oberst Eyad Sirhan, Chef der COGAT( Coordination of Government Activities in the Territories), berichtete über den Vorfall auf seiner Facebook Seite.

Der Vater zog es vor, nach Israel zu gehen und dort in der Illegalität zu leben. Ein trauriger Vorfall, der leider kein Einzelfall ist. Seit einigen Monaten erleben es die Soldaten immer wieder, dass Kleinkinder allein und schutzlos an der Grenze aufgefunden werden.

Leider widerspiegelt dieses unverantwortliche und unmenschliche Vorgehen genau die «Wertschätzung», die die Terrororganisation Hamas Kindern und Jugendlichen entgegenbringt. Nützliche Opfer.

 

© esther scheiner, israel

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein