Vom Falken zur Taube – Shimon Peres

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Er war einer der ganz grossen Politiker, die die Bezeichnung „Staatsmann“ verdienten. Präsident Shimon Peres, geboren am 2. August 1923 als Szymon Perski in Wiszniewo verstarb am 28. September 2016, 25. Elul, 5776.

1934 wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus. Nach dem Besuch einer Landwirtschaftsschule lebte er im Kibbuz Gewa im Norden des Landes.

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Bereits im Jahr 1939 begann er seine politische Karriere. Er trat in die Mapai, eine Vorläuferpartei der heutigen Arbeitspartei „Awoda“ ein, und schloss sich der Gewerkschaftsorganisation Histadrut an. Von 1941 bis 1945 war der Generalsekretär der Jugendbewegung.

Im Jahr 1947, im Alter von 24 Jahren wurde er Mitglied der Haganah, der Vorgängerorganisation der IDF. David Ben-Gurion, Mitbegründer der Haganah setzte ihn als Verantwortlichen für die Personal- und Waffenbeschaffung ein.

Während der Zeit der Staatsgründung und des anschliessenden Unabhängigkeitskampfes war er in leitender Position in der Marine tätig. Nach einem Studienaufenthalt in den USA zeichnete er als Staatssekretär im Verteidigungsministerium für die Waffenbeschaffung des noch jungen Staates verantwortlich. Zu dieser Zeit war Peres sich noch sicher, die Existenz des jüdischen Staates Israel nur mit Waffengewalt sichern zu können.

Ab 1957 kam es zu Geheimverhandlungen zwischen dem damaligen Staatssekretär Peres und dem damaligen deutschen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss. Die Verhandlungen über Waffenlieferungen von Deutschland an Israel fanden grossteils in Strauss’ Privathaus statt. Sie waren erfolgreich, die nachfolgenden Lieferungen mussten unter grösstmöglicher Geheimhaltung vor sich gehen. Peres umging mit diesen Verhandlungen alle diplomatischen Kanäle, die jede Waffenlieferung an Israel mit Sicherheit unmöglich gemacht hätten. Nur Frankreich hatte sich bis anhin pro-israelisch verhalten, sah sich aber ausser Stande, das notwendige Volumen allein aufzubringen. Der Vorschlag, Deutschland mit „ins Boot zuholen“ kam aus Paris.

Franz Josef Strauï¬ in Israel

Ab 1959 war er Abgeordneter in der Knesset und bekleidete in den nachfolgenden Jahren zahlreiche Ministerposten. Ab 1977 übernahm Peres die Führung der Arbeitspartei.

Mehrmals trat er mit ihr als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten an und verlor jedes Mal die Wahl. Niederlagen waren für ihn aber nie der Grund aufzugeben, sondern noch intensiver zu arbeiten. Waren zwei Ansätze nicht geeignet, ein Problem zu lösen, so suchte er einen dritte.

Im Laufe seines Lebens wandelte sich Peres vom Falken, der auch die Siedlungspolitik stark unterstützte, zur Taube, die den Weg in der Diplomatie und den direkten Verhandlungen sah.

Yossi Beilin, s.l., ein langjähriger Weggefährte bezeichnet es als Pragmatismus, der Peres erkennen liess, dass Israel seinen Anspruch auf einen demokratischen jüdischen Staat nur erhalten kann, wenn es sich im Gedanken eines Gross Israel löst. Beilin war es, der vom damaligen Aussenminister Peres mit zunächst inoffiziellen Gesprächen mit den Arabern in Oslo beauftragt wurde. Verhandlungspartner auf der palästinensischen Seite war der damalige Aussenminister Abbas. Der seinerzeit amtierende Ministerpräsident Jitzchack Rabin, s.l., lehnte zunächst sämtliche direkten Gespräche mit Yassir Arafat ab.

1994 erhielt Peres gemeinsam mit Rabin und Arafat den Friedensnobelpreis für den „Friedensvertrag“ von Oslo, der bis heute nur in wenigen marginalen Punkten eingehalten wird.

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Peres gewann selber keine Wahl zum Ministerpräsidenten, hatte das Amt aber trotzdem im Laufe seiner politischen Laufbahn dreimal inne: 1977 bis zu den regulären Wahlen, nachdem Rabin kurzfristig vor der Wahl zurückgetreten war, 1984 bis 1986 als Rotationsnachfolger von Jitzchak Shamir, s.l., und 1995 bis 1996 nach der Ermordung des amtierenden Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin.

Dass er in dieser Situation Neuwahlen ausrief und nicht die volle verbleibende Kadenz im Amt blieb, schätzte Peres später als Fehler ein. Das Friedenslager stand nach Rabins Mord unter Schock. Vielleicht wäre es für die Weiterführung der Verhandlungen und das Aushandeln eines Friedensvertrages besser gewesen, Rabins’ Strategie weiter zu verfolgen. Statt dessen rief er Neuwahlen aus, die er gegen den heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu verlor.

Im Jahr 2000 verlor Peres seine erste Wahl zum Staatspräsidenten. Im Jahr 2007 gelang es ihm endlich, seinen ersten Wahlerfolg zu feiern. Nach sieben Jahren intensiver Tätigkeit als Präsident Israels trat er im Juni 2014 nicht mehr zu den Wahlen an.

Der Falke, der zur Taube wurde.

Peres hat fast sein ganzes Leben dem Wohlergehen seines Staates, dem jüdischen Staat Israel gewidmet. Es war nicht immer nur Liebe, die ihm dafür entgegengebracht wurde.

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Peres hat es ertragen. Im Ausland wurde der für seine Bemühungen um Ausgleich und Frieden hochgeschätzt. Im Inland sah er sich ständig einer kritsichen Beobachtung und Wertung ausgesetzt.

Und er hat unermüdlich weitergekämpft. Baruch Dayan Emet.

 

@esther scheiner, israel

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Tachles und Helferei in Zürich, New Israel Fund und Ha’aretz – Vier gegen Israel (Teil II)

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Und nun haben sie sich also getroffen, nicht zum ersten Mal, aber erstmals in Zürich. Unter dem Titel „Ist Israels Demokratie in Gefahr“ luden NIF Schweiz und Ha’aretz zu einer Podiumsdiskussion ein.

Ort des Geschehens:

Tag 1: Helferei

Die Helferei in Zürich hat sich über die Jahre als Bühne für all jene positioniert, die wenn man es milde ausdrückt, über wenige bis keine pro-israelischen Einstellungen verfügen. Moshe Zuckermann, immer noch als Professor für Geschichte und Philosophie an der Uni Tel Aviv im Verzeichnis aufgeführt war bereits mehrfach hier. Nicht nur, dass er den Staat Israel harsch kritisiert und diffamiert, nein er geht weiter. Er vertritt vehement das „symbolische Rückkehrrecht“ von bis zu 400.000 vertriebenen Palästinensern in das israelische Kernland als ersten Schritt. Später sollen, so seine Vision, Israel und das zu schaffende Palästina als ein Gebilde mit konföderierten Strukturen entstehen. BtS war, wie weiter oben beschrieben hier.

Und nun auch der NIF.

Seine Präsidentin, Talia Sasson, ehemals Richterin am israelischen Obergericht, dann kurzzeitig Rechtsberaterin von Präsident Ariel Sharon, sieht als selbstdefinierte Zionistin nur eine Möglichkeit, die Demokratie in Israel auf Dauer zu retten. Die Schuld für ein mögliches Scheitern sieht sie einzig bei der israelischen Regierung.

Zu dieser Regierung zählt sie auch den amtierenden Botschafter Israels in der Schweiz, Jacob Keidar. Erst wenige Wochen in der Schweiz akkreditiert, hätte er, laut Einladung die Grussworte für die Hauptveranstaltung sprechen sollen. Er hat abgesagt. Für Sasson ein Grund für einen kräftigen Seitenhieb: «Mit dem Rückzug der Zusage hat er auch das Fragezeichen aus dem Titel der Veranstaltung entfernt.» Jetzt müsse sie am Sonntag gar nichts mehr nachweisen, der offizielle Vertreter der Regierung habe durch sein Handeln bestätigt, wie schlecht es in Israel um Demokratie und Toleranz stehe.“ Ich bin zutiefst dankbar, dass der Botschafter sich nicht vor den Karren einer durch und durch anti-israelischen Veranstaltung spannen liess. Seine Teilnahme wäre das absolut falsche Signal gewesen.

Tag 2: Gemeindehaus der Jüdischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ)

Unter der Leitung von Daniel Eisner, Radio SRF News, diskutieren:

Amos Schocken und Talia Sasson, die ich bereits vorgestellt habe.

Carmi Gillon ist dem einen oder anderen Leser möglicherweise aus dem Film „The Gatekeepers“ (in der unglücklichen Deutschen Übersetzung „Töte zuerst“ bekannt. Er gehört zu jener Gruppe von ehemaligen Leitern des Shin Bet, des israelischen Inlandgeheimdienstes, die sehr subjektiv über ihre Berufserfahrungen erzählten. Warum subjektiv? Im Film werden keinerlei Begründungen, nota bene, nicht Rechtfertigungen gegeben, warum die eine oder andere drastisch erscheinende Aktion für Israel lebenswichtig war.

Yulia Zemlinsky, Aktivistin der Gruppe „Unser Vermächtnis“ (Morashtenu)  kümmern die palästinensischen Belange sehr wenig. Ihre Zielgruppe sind die russischen Einwanderer, die, wie sie glaubt beobachten zu können, zu wenig in die Gesellschaft integriert sind. Der Graben, den sie zwischen der russischen Gesellschaft und dem Staat Israel verortet, sei bedrohlich. Er gehe zurück auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und sei somit ein Spiegelbild der gesamten israelischen Gesellschaft. Das stimmt nicht. Neben Hebräisch und Arabisch entwickelt sich zusehends Russisch als dritte offizielle Landessprache. Sehr viele Formulare liegen bereits dreisprachig auf. Dass auch hier der NIF als Spender auftritt verwundert nicht mehr.

Yves Kugelmann als Oberguru der jüdischen Medien in der Schweiz darf da natürlich nicht fehlen. Zu erleben, wie er seine stromlinienförmig glattgebügelte Meinung, man darf sie auch opportunistisch nennen, in dieser Runde eingebracht hat, hätte spannend sein können.

Es muss festgehalten werden, dass der Anlass wohl in den Räumen der ICZ als Vermieterin stattfand, diese aber nichts mit der Planung und Durchführung der Veranstaltung zu tun hatte. Es handelte sich um eine Propagandaaktion des NIF und des Ha’aretz.

Übrigens: Die für den vergangenen Dienstag geplante Veranstaltung des NIF in Berlin wurde abgesagt.

Alle Informationen zum DuMont Verlag, der Familien Schocken und DuMont habe ich, sofern nicht anders angeführt, Wikipedia entnommen, das in diesem Falle durchaus ausreichend informiert.

Weitere ausführliche und gut dokumentierte Informationen zum NIF findet man als Hintergrundinformation zum  Buch von Edwin Black und hier

 

 

 

©esther scheiner, israel

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Max Mannheimer – ein Leben gegen das Vergessen

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Geboren wurde Max Mannheimer am 6. Februar 1920 in Neutitschein in Nordmähren. Am Freitag verstarb er im Alter von 96 Jahren in Haar bei München.

Sein Vater, so erzählte Max einmal, hätte nie geglaubt, dass den Juden in Deutschland ein so grausames Schicksal bevorstehen würde. Sie seien doch alle Deutsche, viele hätten im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland gekämpft.

Kurz darauf begann das jahrelange Martyrium der Familie Mannheimer, so wie es für abertausende andere jüdische Familien begann. Von Neutitschein floh die Familie 1939 nach Ungarisch Brod, fand dort aber nur kurz wirklichen Schutz vor der Verfolgung durch die Nazi Schergen. Das Leben wurde immer mehr mit Einschränkungen versehen. Einer der Brüder, Erich wurde 1942 kurz darauf verhaftet und verstarb wahrscheinlich in Brünn.

Am 27. Januar 1943 wurden Jakob und Margarethe Mannheimer, sowie ihre Kinder Max mit seiner Frau Eva, Käthe, Ernst und Edgar nach Theresienstadt deportiert und von da aus am 1. Februar 1943 nach Auschwitz. Die Eltern wurden gleich nach der Ankunft ermordet, Schwester Käthe nur wenige Tage später. Bruder Ernst erkrankte Anfang März und wurde ebenfalls ermordet.

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„Der weisse Rabe“ 2009, screenshot

Von der einstmals grossen Familie Mannheimer lebten nur noch die Brüder Max, der Älteste und Edgar, der Jüngste. Es gelang ihnen, bis zu ihrer Befreiung zusammen zu bleiben. Von Auschwitz ging es im Oktober 1943 nach Warschau und von dort im August 1944 nach Dachau. Befreit wurden die Brüder, schwerst gezeichnet von Zwangsarbeit, Mangelernährung und Misshandlung und vom Typhus geschwächt am 30. April 1945 im Aussenlager Tutzing.

Edgar wanderte in die Schweiz aus und Max kehrte in seine Heimat Neu Titschein zurück. Nie wieder wollte er nach Deutschland zurückkehren.

Aber das Leben hatte andere Pläne.

Bald lernte er die ehemalige deutsche Widerstandskämpferin Elfriede Eiselt kennen, die seine zweite Frau wurde. Aus dieser Ehe stammt ihre Tochter Eva. 1946 kehrte die Familie nach München zurück.

Bis zum Jahr 1964 arbeitete Max für einige jüdische Wohlfahrtsorganisationen. In jenem Jahr starb seine Frau an Krebs. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Max mit keinem Menschen über sein Leben während der Shoa gesprochen. Während eines Aufenthaltes in den USA erlitt er einen psychischen Zusammenbruch, der ihm zeigte, dass er seinem Leben einen neuen Sinn geben musste.

Max beschrieb sein Leben in einer Folge der Dachauer Hefte, welches 1985 unter dem Titel „Spätes Tagebuch“ erschien. Ein Exemplar der Erstausgabe liegt in Yad Vashem in Jerusalem.

Er begann, Besuche in Schulen zu machen, um über sein Leben zu sprechen. Unermüdlich war er unterwegs, in der näheren Umgebung zunächst noch mit seinem geliebten Tatra, später dann mit der Bahn und mithilfe später mithilfe von privat organisierten Fahrdiensten.

Max verstand es, die Herzen der Schüler zu öffnen und seine Botschaft tief einsinken zu lassen. Er nahm ihnen die Angst, zur Verantwortung gezogen zu werden für etwas, was ihre Väter- und Grossvätergeneration verbrochen hatte. „Nein, ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber ihr tragt die Verantwortung, dass es nie wieder geschehen darf.“

Er scheute sich auch nicht, die direkte Konfrontation mit Kindern von prominenten Nazis zu suchen. So sass er mit Martin Bormann, dem Sohn von Ernst Bormann zusammen bei einer Podiumsdiskussion.

Wie oft habe ich Max gesehen, wenn er, als dies seine Beine noch zuliessen, nach einer Lesung mit Schülern auf dem Raucherplatz stand und Fragen beantwortete, die sich vorher, im Klassenzimmer niemand getraut hatte zu fragen.

Oder den einen oder anderen Witz erzählte…

1965 heiratete Max in dritter Ehe Grace Franzen. Dieser Ehe entstammt ihr Sohn Ernst.

Am 23. September 2016 ist Max in einem Krankenhaus in München verstorben. Die starke versöhnliche Stimme gegen das Vergessen ist für immer verstummt.

 

©esther scheiner, israel

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Tachles und Helferei in Zürich, New Israel Fund und Ha’aretz – Vier gegen Israel (Teil I)

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Die einst als liberal geltende Tageszeitung Ha’aretz muss heute als links ausgerichtet betrachtet werden. Federführende Journalisten wie Gideon Levy und Amira Hass sind nicht die einzigen, aber sicher die im deutschsprachigen Raum bekanntesten. Im Tachles, dem einzigen verbliebenen jüdischen Wochenblatt in der Deutschschweiz, bekommt Levy mehrmals im Jahr Doppel- und Dreifachseiten, um dort seine politischen anti-israelischen Ungereimtheiten verbreiten zu dürfen. Die Leser vom Tachles werden es Yves Kugelmann, Teilhaber und Chefredakteur dieses seichten Blättchens danken. Die kritische und ausgewogene Auseinandersetzung mit Israel und dem Judentum wurde mit der Namensänderung von „Israelitisches Wochenblatt“ in „tachles“ aufgegeben.

Zurück zum Ha’aretz. 1919 unter dem Namen „Chadashot min Ha’aretz“ (Neuigkeiten aus dem Land (Israel)) gegründet, endete der erste Teil seiner Geschichte bereits 1922. Diesmal waren es Berliner Zionisten, die das marode Blatt kauften und als Genossenschaft weiterführten. 1933, mit der Machtübernahme Hitlers wurde diese in eine Anteilsgesellschaft umgewandelt.

Salman Schocken, Zionist und Journalist, lebte nach dem Motto: Rückbesinnung auf jüdische Werte und Traditionen ist gleich Selbstbehauptung.“ 1934 wanderte er zunächst nach Palästina aus, wo er 1937 mit dem Kauf des Ha’aretz den Grundstein für die Ha’aretz Gruppe legte. 1940 wanderte er in die USA aus.

Von 1939 bis 1990 fungierte sein Sohn Gershom Schocken als Chefredakteur vom Ha’aretz. Er bezeichnete die Zeitung als unabhängig von jeder Partei und sah sie im politisch liberalen Spektrum als Mitte-Links angesiedelt. Seit seinem Tod ist Amos Schocken Herausgeber.

Obwohl die Auflage der Printversionen (Englisch und Hebräisch) sehr klein ist und der Leseranteil im Jahr 2015 nur zwischen 4,6% und 5,8% lag, gilt Ha’aretz als eine der wichtigen Zeitungen weltweit. Leider wurde vor einigen Jahren ein knallharter „pay wall“ eingerichtet, der selbst das Lesen von tagesaktuellen Artikeln kurz nach deren Freischaltung verhindert.

Eine ganz normale Zeitung also? Mit ganz normalen Eigentümern?

Bis zum Jahr 2006 war Familie Schocken Alleineigentümerin der Ha’aretz Gruppe. Mit Hilfe von Avi Primor, dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland, wurde ein Deal mit der deutschen Verlegergruppe DuMont Schauberg eingefädelt, die 25% der Ha’aretz Gruppe kauften.

Im Jahr 2011 erwarb Leonid Nevzelin 20%, wobei er 15% des Unternehmens von der Eigentümerfamilie Schocken erwarb und 5% von DuMont Schauberg. Seither liegen 60% der Anteile bei der Gründerfamilie und je 20% bei ihm und bei DuMont Schauberg.

Der Verkauf an das Verlagshaus DuMont Schauberg ist bis heute in Israel nicht unumstritten. Kurt Neven DuMont, Sohn des Unternehmensgründers, trat 1927 in den Verlag ein. Seit 1805 wurde dort u. a. die Kölnische Zeitung (sic) herausgegeben. Nach anfänglichem Beharren auf einer Politik der Mitte, passte sich die Ausrichtung bereits vor 1933 der Beeinflussung durch die Nationalsozialisten an, verfolgte strikt die Parteilinie und schrieb am 1. Januar 1933: Das Jahr 1933 stellt Hitler vor die Entscheidung, ob er als vergötterter Führer und vielleicht auch als Märtyrer einer Glaubensgemeinschaft vor den Toren der Politik stehen bleiben will, oder ob er die Verantwortung zu tragen bereit ist, die positiven Kräfte seiner Bewegung in die Waagschale der praktischen Politik zu werfen. Im Interesse einer nationalen Festigung möchte man hoffen, dass Hitler den zweiten Weg findet.“

Die im Juni 1933 von führenden Grossindustriellen angeregte Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft, war für jeden Unternehmer verpflichtend. Der zu zahlende Beitrag betrug 5 Promille der gesamten Lohnkosten und erbrachte bis 1945 die Summe von 700 Millionen Reichsmark. Auf der Berechnungsbasis von 2008 entspräche die Kaufkraft einer RM heute dem Gegenwert von € 3,10. Initiiert worden war die Spende, um die Bande zwischen der Wirtschaft und der NSDAP zu verbessern. In Tat und Wahrheit handelt es sich aber um ein „Taschengeld ad usum proprium“ des Führers. Der Beitrag des Hauses DuMont dazu betrug zwischen 5.000 und 6.500 RM pro Jahr.

1937 bereits war Kurt Neven DuMont der NSDAP beigetreten. Im Gegensatz zu anderen, renommierten Zeitungsverlagshäusern gelang es ihm, sozusagen unter dem direkten Schutz des Reichspropagandaministeriums seinen Verlag bis zum Ende des Krieges aktiv und unbehelligt am Leben zu erhalten. Seine früh einsetzenden opportunistische Einstellung verhalf der Kölnischen Zeitung zu Ruhm und Ehre, sie war das Aushängeschild, dass der Welt beweisen sollte, wie frei und ungehindert der deutsche Journalismus inmitten von finsterster Meinungsunfreiheit blühte.

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Faksimile des Beiblattes von 1816

Antisemitische Tendenzen zeigten sich schon sehr früh. Im Jahr 1816 erschien im Beiblatt der Zeitung die Werbung für ein antisemitisches, im eigenen Verlag erschienenes Buch. Sie (die Juden) sind in ihrem jetzigen Zustande Wucherpflanzen, die die Staatskräfte aussaugen, indem sie sich ausbreiten; die, bei denen ihnen in den neuesten Zeiten eingeräumten Vortheilen, Verderben über die Länder bringen, und der Sittlichkeit der Einwohner, die sie zugleich arm machen, höchst gefährlich werden.“

 

 

 

Ob die Familie DuMont sich direkt oder indirekt am Erwerb von jüdischem Eigentum   bereichert hat, wollte der Spiegel im Jahr 2006 aufklären. Offensichtlich konnte er seine Argumente nicht ausreichend belegen, sodass er den Prozess gegen die Klägerfamilie DuMont verlor.

Der New Israel Fund (NIF) bekräftigt auf seiner Schweizer Facebook Seite: „Auch in der Schweiz – wir sind Israel!“ und hat sich anlässlich seines 20 jährigen Europa Jubiläums einem medialen Lifting unterzogen. Kurz und prägnant werden die Inhalte vermittelt, die dem NIF wichtig zu sein scheinen: „Ja aus Liebe zu Israel“ und „Ja zu gewaltfreiem Dialog“ „Ja zum verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen“. Schlagworte, mit denen sich jeder gesunde Mensch, der Israel liebt, durchaus identifizieren kann. Seit der Gründung im Jahr 1979 in den USA gibt er an, sich für Demokratie, Respekt und soziale Gerechtigkeit in Israel einzusetzen. Dies ganz im Sinne der zionistischen Staatsgründer. Deren Ziel, so kann man nachlesen sei es gewesen, allen Bürgern, ohne Rücksicht auf Herkunft und Religion die gleichen sozialen und politischen Rechte zu gewähren. So, wie es in der Gründungsurkunde vom 14. Mai 1948 nach einigen Diskussionen festgeschrieben wurde: Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen.“

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Screenshot Facebook NIF.ch

Wenn also die Ziele des Staates Israel und des NIF so deckungsgleich sind, dann kann man unbesorgt spenden und sogar Legate errichten. Das Geld wird den Weg in die richtigen, wünschenswerten Kanäle finden! Ist das so?

Seit seiner Gründung hat der NIF laut eigenem Bekunden mehr als 200 Millionen Dollar an über achthundert wegbereitende Bürgerrechtsorganisationen vergeben.

Als Spender wir der NIF in den nachfolgenden NGOs genannt:

Btselem also jener Organisation, die u. a. die radikalen Palästinenserinnen in einigen demonstrationsbereiten Dörfern mit modernsten Videorekordern ausgestattet hat. Jeden Freitag begeben sich Frauen und Kinder der Dorfgemeinschaft in die Nähe des Grenzzaunes, um dort gegen die „israelische Besatzung“ zu demonstrieren. Wenn es nur dabei bliebe! Eine Familie aus dem Tamimi Clan missbraucht ihre Kinder regelmässig. Begonnen hat es mit Ahed Tamimi (im Internet bekanntgeworden als Shirley Temper) die lautstark und mit dem ganzen Körpereinsatz einer damals 12 jährigen Soldaten der IDF aus der Ruhe zu bringen versuchte. Bevor sie sich, ein wenig zu alt geworden, um als Kinderstar des Widerstandes aufzutreten, zurückzog, beeilten sich die Präsidenten Erdogan und Abbas, sie wie einen Superstar zu empfangen. Ihre Rolle haben mittlerweile die kleine Schwester und der Bruder übernommen. Btselem hat auch jüdische Aktivisten mit Kameras ausgestattet, die nun tagtäglich an den grossen Checkpoints rund um Jerusalem lauern und während den Stosszeiten jedes Auto filmen. Es könnte ja mal etwas Spannendes geschehen, dann hätten sie authentisches, gegen Israel zu verwendendes Material.

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Der Tamimi Clan bei der Arbeit

Auch Breaking the Silence  darf sich jährlich über eine erkleckliche Unterstützung durch den NIF erfreuen. Dass die Aktivisten von BtS mittlerweile Hausverbot in allen militärischen Einrichtungen haben, ändert nichts mehr am Schaden, der in den vergangenen Jahren angerichtet worden ist. In anonymisierten Berichten verfolgt BtS nur ein einziges Ziel: Die Integrität der IDF zu untergraben und Israel zu beschuldigen, regelmässig Kriegsverbrechen zu begehen. Als wäre es der Regierung nicht extrem wichtig, jedes Verbrechen, dass gegen Palästinenser und/oder Araber begangen wird bis zum letzten Detail aufzuklären und entsprechend zu ahnden. Das beste Beispiel ist der derzeitig verhandelte Vorfall, bei dem Elor Azaria am 23. März in Hebron einen bereits wehrlosen Terroristen erschossen haben soll. Die Kameras von Btselem scheinen diesen Vorgang zu belegen, die Zeugen sind sich immer noch nicht einig. Eine dokumentarische Ausstellung von BtS fand im Jahr 2015 in der Helferei in Zürich statt. Die entsprechende Ausstellung in Köln, die im Rahmen zu „50 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland-Israel“ geplant war, wurde abgesagt.

Rabbis for Human Rights 1988 gegründet von Rabbiner Arik Asherman hat es sich zum Ziel gesetzt, immer und in jedem Fall die Sache der Palästinenser zu stärken. Ob dies nun durch menschliche Schutzschilde geschieht, die die Olivenbäume der Palästinenser vor Plünderung oder Zerstörung durch jüdische Siedler schützen, durch Hilfe in Rechtsfällen, vor Gericht oder auch durch Widerstand gegen den Abriss von illegalen Häusern. Auch seine Aufrufe an die Palästinenser zu Widerstand gegen die (israelische) Staatsgewalt sind Zeichen seiner durch und durch anti-israelischen Einstellung.

 

Diese drei Beispiele sollen die Frage aufwerfen, ob die seitens des NIF unterstützten NGOs in Israel tatsächlich „wegbereitende Bürgerrechtsorganisationen“ sind. Vom zionistischen Gedanken haben sie sich offensichtlich sehr weit entfernt.

©esther scheiner, israel

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Schabbatabend in Wien

 

Freitag Abend, eine gute Stunde vor Schabbat Eingang. In seinem Restaurant in der Seitenstättengasse 2, unmittelbar neben dem Wiener Stadttempel schaut Eddie sehr vergnügt drein.

Die Türen sind, im Gegensatz zu früheren Besuchen, weit geöffnet und geben den Blick frei auf ein gepflegtes Restaurant. Die Tische sind festlich eingedeckt, wie es sich für einen Freitagabend gehört, auf jedem Tische stehen eine Flasche Rotwein und ein grosses Mineralwasser. Die Speisen befinden sich noch im Kühlraum, was bei der Hitze, die derzeit Wien fest im Griff hat, auch dringend angeraten ist.

Auf der Anrichte brennen auf einem grossen Tablett, ausgekleidet mit Alu Folie, schon zahlreiche Schabbat Kerzen. Einige Frauen und Mädchen nutzen die Gelegenheit, auch hier, in Wien, weit weg von daheim die Schabbat Kerzen anzuzünden.

Wir haben unseren Tisch telefonisch bestellt und auch die Rechnung bereits mit Kreditkarte einige Tage vorher bezahlt. Mit € 30,– (CHF 32,90/ NIS 126,50) pro Person inklusive Wein und Mineralwasser ist der Preis eher bescheiden. Weder in der Schweiz, aber auch nicht in Israel würden wir dafür ein wirklich schmackhaftes Schabbat Menü erhalten.

Vor dem Essen besuchen wir das Freitagabend Gebet in der Hauptsynagoge von Wien. Die Einlasskontrolle war diesmal wesentlich stressfreier, die Ausweise wurden zügig kontrolliert und nach zwei, drei Fragen wurden wir freundlich willkommen geheissen. Im Gegensatz zu vorherigen Besuchen ist heute auch die „Damenabteilung“ im 1. Stock gut besucht. Im Erdgeschoss bei den Herren herrscht das übliche Gedränge. Kinder wuseln zwischen den Männern herum, ein kleiner Bub, der sich daumenlutschend in die Nähe des Rabbiners schleicht, wird allerdings von diesem schnell wieder in die Obhut des Vaters dirigiert.

Gebetbücher sind auf der Frauenempore heute Mangelware. Ich versuche, trotz der völlig anderen Aussprache auch ohne die Textunterstützung nicht den Faden zu verlieren. In den jüdisch-orthodoxen Gemeinden sind Frauenstimmen, ganz besonders singende, für die Ohren der Männer ein Gräuel. So sagt man. Sie würden die Andacht stören. Na ja. Um so erfreulicher ist es für mich, dass bei „Lecha Dodi“ die Frauen sehr wohl ihre Stimmen klar und deutlich erheben! Und sich prompt wie eine Klangwolke über die der Männer legen!

Auffallend ist heute die grosse Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die von Rabbiner Eisenberg besonders begrüsst werden. Es sind Gäste einer Janusz Korczak Stiftung, die Kinder aus Israel, deren Väter während einer der letzten Kampfhandlungen in Gaza umkamen, nach Wien, Budapest und Prag eingeladen hat. Janusz Korczak war ein jüdischer Lehrer, der den Gang in die Gaskammer der Freiheit vorzog. Statt, wie ihm von den Nazi Schergen angeboten wurde, das KZ zu verlassen, blieb er bei „seinen Waisenkindern“, die er so lange betreut hatte. Er brachte es nicht über das Herz, sie im Stich zu lassen.

Nach dem Ende der Gebete eilt ein Teil der Männer nach Hause. Die meisten Frauen und Töchter, darunter viele Gäste aus den USA und Israel, treffen sich beim Eingang wieder mit ihren Männern und Söhnen und streben gemeinsam ins „alef alef“.

Ich kenne das Restaurant schon seit vielen Jahren. Zunächst sass man noch auf unbequemen Stühlen an Tischen, die mit Wachstuch eingedeckt waren. Das Interieur wirkte leicht angegammelt, aber der Duft, der durch den Raum waberte, war unvergleichlich: Gebratene Gans, hausgemachtes Blaukraut und Serviettenknödel – so musste es im Shtetl Galiziens gerochen haben!

Ein neuer Pächter kam, er machte marginale Verbesserungen und verstand es, die Küche zu „globalisieren“. Sie war nicht schlecht, sie war nicht gut, sie war, wie man sagt: „Nisch ahin, nisch aher.“

Und dann ging der sterbende Stern vollends unter. Er verschwand mit den Ambitionen des Pächters sich lieber dem verdienstvolleren Catering zuzuwenden. Wien verlor sein geliebtes koscheres Restaurant.

Im Sommer 2015 schloss Eddie Ferszt einen Vertrag mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien ab, die Pacht des Restaurants „alef alef“ zu übernehmen.

Eddie erfüllte sich damit einen lang gehegten Traum, zu kochen, kreativ zu sein und Gastgeber zu sein. Seine Gäste sind Gäste und keine Kunden.

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Das beliebte Mittwochabend Buffet (Photo von Vina Magazin)

Nichts blieb mehr, wie es vorher war, die Küche wurde saniert, ebenso die Sanitäranlagen, die Gaststuben bekamen einen neuen Boden, ein neues Wand Design und ein völlig neues Lichtkonzept.

Das angedeutete Tonnengewölbe ziert ein ornamentaler Dekor in warmen, hellen Ockerfarben, die den Raum noch höher und weiter erscheinen lassen.

Die in die Jahre gekommenen Möbel wurden ausgetauscht. Tischwäsche, Geschirr, Gläser und Besteck zeugen von modernem Geschmack.

Auch der altgediente, wenngleich auch noch junge Kellner wurde einem kompletten Imagewandel unterzogen. Statt wie früher knötterig und einsilbig zu servieren, kommt er nun durchaus charmant und redefroh daher.

Seit vielen Jahren lebt Eddie, der vor 67 Jahren in Bolivien geboren wurde, in Wien. Studiert hat er in Haifa, Maschinenbau am Technion. Dann hat er seine Frau kennengelernt und ging mit ihr nach Wien. Für ein halbes Jahr, ein Jahr……. Schlussendlich für mittlerweile mehr als 40 Jahre. Seine 14 Enkelkinder kommen ihn jedes Jahr im Sommer besuchen. Sie kommen in drei Gruppen, mehr Platz bietet seine Wohnung nicht. Und dann ist er ganz einfach nur Grossvater.

Am Schabbat verwandelt sich Eddie in einen Gastgeber par excellence. Im hellgrauen Anzug mit weissem Hemd, Fliege und Kippa begrüsst er jeden Gast, als sei er sein liebster Freund.

An jedem Tisch wird Kiddusch gemacht, der traditionelle Segen über Wein und Brot. Je nach Familientradition sitzend oder stehend, in der Langversion, die auch noch einige Lieder beinhaltet, oder in der gestrafften Kurzversion.

Die Tische sind voller Köstlichkeiten: Challot, Tehina, Humus, mariniertem Gemüse, Pilzen, Auberginen, israelischem Salat, Krautsalat. Anschliessend serviert man eine Hühnersuppe, die den Namen „Goldene Joich“ verdient, gefolgt von gegrilltem Huhn mit Gemüse und Erdäpfeln. Alles hausgemacht, kein Convenience food. Nichts ist verkocht, sogar das lauwarme gegrillte Gemüse hat noch einen perfekten Biss. Um das zu schaffen, muss man sein Handwerk wirklich verstehen. Immerhin sind die Speisen seit Stunden schon auf den Warmhalteplatten und in entsprechenden Schubladen zwischengelagert. Der Herd selber darf am Schabbat nicht benutzt werden. Als Abschluss gibt es frischen Fruchtsalat.

Sonderwünsche bei den Getränken werden unkompliziert erfüllt, wie es der Küchenmannschaft gelingt, das Huhn gegen ein Schnitzel zu tauschen, ist mir nicht klar. Sie wurden jedenfalls erst als Letztes serviert. Vielleicht musste hier die Wärmeschublade zum Erwärmen dienen…..

Die Stimmung ist grossartig. Festlich, wie es typisch für den Schabbatabend ist und trotzdem locker. Ebenso vielfältig wie die Heimatländer der Gäste sind auch die Sprachen, die sich neben dem vorherrschenden Wiener Deutsch behaupten.

Wer nach diesem himmlischen Essen nicht satt ist, ist selber schuld!

Zwei Tage später, am Sonntagabend sind wir noch einmal zu Gast bei Eddie, der sich an uns erinnert.

Die Karte ist traditionell, Wiener Schnitzel vom Kalb oder Huhn werden ebenso geschmackvoll angeboten, wie der traditionelle Gulyas oder der Fiaker Gulyas. Im Herbst, so hat es Eddie versprochen, soll wieder die traditionelle Gans auf der Karte stehen.

Eddi hat sich ein zweites Standbein geschaffen. In der Taborstrasse im zweiten Bezirk hat er eine wunderbare Vinothek eröffnet. Schade nur, dass er bisher keine Weine aus unserem Heimatort verkauft!

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Weinverkostung bei Eddie (Bild aus der Homepage)

Für Besucher, die erstmals oder auch zum wiederholten Mal nach Wien kommen lohnt es sich, diesem sehr guten Restaurant im 1.Bezirk einen Besuch abzustatten. Ein gut geführtes Restaurant, eine geschmackvolle Küche und eine angenehme Atmosphäre.

 

©esther scheiner, israel

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Boykottaufruf gegen Kempinskibetriebe!

Berthold Kempinski, der Namensgeber der Kempinski Hotels verstarb bereits 1910. Nachdem er keinen männlichen Erben hatte, übergab er die Betriebe an seinen Schwiegersohn Rudolf Ungar mit der Auflage, den Firmennamen „Kempinski“ beizubehalten. So erlebte er nicht mehr, wie die Betriebe von den Nazis „arisiert“ wurden. Erworben wurden die Betriebe von der  M. Kempinski & Co., Weinhaus- und Handels-GmbH. So blieb zumindest der Name erhalten. Der Enkel des Unternehmensgründers gründete auf dem rückgeführten Grundstück am Kurfürstendamm. 1953 verkaufte der den Betrieb und den Firmennamen. Heute gehören knapp 80 Betriebe, Hotels der Luxusklasse zu Kempinski Hotel Betriebs AG. Sie sind in 31 Ländern zu finden, 13 sind geprägt vom Islam.

Vor diesem Hintergrund muss man den nachfolgenden Artikel lesen, der heute von Claude Lanzmann, dem Regisseur von „Shoa“ in der FAZ veröffentlicht wurde.

Unknown

„Ich möchte versuchen, mit wenigen Worten Zeugnis abzulegen von einem üblen Erlebnis, dessen Zeuge und in gewisser Hinsicht auch Opfer ich in Berlin geworden bin. Zu verstehen und zu vermitteln, warum es mich aufs tiefste schockiert hat.

In Berlin befand ich mich aus Anlass der Beerdigung von Angelika Schrobsdorff, einer halbjüdischen deutschen Schriftstellerin, mit der ich zehn Jahre verheiratet war. Ich hatte, ohne mir viel dabei zu denken, ein Zimmer im Kempinski am Kurfürstendamm gebucht, das Hotel ist mir seit 1986 vertraut, ich logierte hier, als ich erstmals meinen Film „Shoah“ in Berlin vorstellte.

Was kommt vor Italien?
Vor achtundvierzig Stunden saß ich in meinem Zimmer und durchstöberte die „Gebrauchsanweisung“ des Hotels, in der die verschiedenen Dienstleistungen beschrieben werden. Zu den Unterlagen gehört die Liste mit den Vorwahlnummern für die verschiedensten Länder der Welt. Aufgeführt sind Rumänien, die Vereinigten Staaten, Thailand, Belgien, die Ukraine . . . Beim flüchtigen Überfliegen stießen meine Augen auf „Italien“, und „Italien“ löste eine reflexartige Reaktion aus. Der Name beginnt mit I – wie Israel.

Und nun schaute ich zweimal hin: Wir sind in Berlin, im August 2016, im Hotel Kempinski, und Israel existiert nicht. Israel fehlt auf der Liste der Länder, die man aus dem Zimmer direkt anrufen kann. Man muss die Vorwahl für die Verbindung erst in Erfahrung bringen – es gibt den entsprechenden Hinweis am Ende der Liste: „Für Länder, welche hier nicht aufgelistet sind, erfragen Sie bitte die Nummer bei der Telefonzentrale unter der Durchwahl 9.“

Wie ist das möglich?
Die Ländervorwahl von Israel, das nicht auf der Liste ist, kenne ich auswendig: 972. Ich war entgeistert: Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird? Dass Israel ausradiert wird, hatte ich in Gaza erlebt, in einer eher ruhigen Phase, als ich dort die arabischen Schulen besuchte. Man zeigte mir die Karten der Region: Israel war auf ihnen nicht verzeichnet, denn Israel darf in den Köpfen der Araber nicht existieren. Hier und jetzt, in Berlin, das Gleiche: Israel wird von der Telefonliste gestrichen.

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Voller Angst und Empörung begab ich mich zur Rezeption und fragte nach einem Verantwortlichen des Hotels. Ein durchaus freundlicher Mann kam und sagte mir: „Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen. Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind.“

„Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber“
Aber warum? Ich war völlig niedergeschlagen: Gibt es dafür eine Erklärung? Seine Antwort: „Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde.“ Wie auf den geographischen Karten in Gaza. Israel existiert nicht. Ich stand an der Rezeption, es war zehn Uhr abends, und blickte um mich. Die Hotelhalle war voller Kinder, dreißig müssen es gewesen sein, in kurzen Hosen, sie fühlten sich sichtlich zu Hause, sie kümmerten sich um keinerlei Belange des Anstands. Es kam mir wie eine Art Besatzung vor.

Man wird wohl leicht verstehen, dass ich von dieser Szene schockiert war. 2016, in Berlin, im Kempinski, wo ich 1986 erstmals übernachtet hatte, als in mehreren Vorstellungen bei den Festspielen mein Film „Shoah“ aufgeführt worden war, der die Deutschen im Herzen getroffen hatte – schon wieder „das“?

Alles scheint wieder möglich zu werden
Es war grauenhaft. Alles um mich herum schien wieder möglich zu werden. Nicht nur die Auferstehung des Nationalsozialismus. Auch alle seine zeitgenössischen Ausformungen, zu denen die Terroranschläge mit massenhaft Opfern genauso wie die Messerstechereien aus der Nähe gehören. Und so weiter, und so weiter.

Kurz, es geht mir einfach darum, jene zu informieren, welche diese Zeilen lesen, und sie aufzufordern: Handelt ohne Umschweife. Denn man kann nicht gegen den arabischen Terrorismus kämpfen und gleichzeitig erlauben, dass in einem der nobelsten und wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird.

Israel ausmerzen heißt zu verlangen, dass die Israelis ausgemerzt werden. Dass man sie tötet.“

Immerhin, Kempinski reagiert schnell:

„Nach Darstellung des Hotels soll an diesem Rückschluss jedoch nichts dran sein. Man könne, heißt es auf Anfrage, die von Lanzmann „beschriebenen Aussagen des Mitarbeiters so nicht bestätigen“. Weiter heißt es: „Es gab und gibt keine Anweisung seitens der Hoteldirektion und auch nicht von der Kempinski AG, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahl-Liste aufzunehmen. Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen.“ Die genannte Liste stelle keine vollständige Auflistung aller Ländervorwahlen dar, sondern nur eine Auswahl. Es habe „keinen dezidierten Grund“ für die Nichtnennung Israels gegeben, man habe aber „die Vorwahl selbstverständlich ergänzt“.“

……

Und da sitzt nun also der neunzig Jahre alte Claude Lanzmann, der zur Beerdigung der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff, mit der er zehn Jahre lang verheiratet war, nach Berlin gekommen ist, in dem Hotel, in dem er in der deutschen Hauptstadt immer logiert, seit er hier 1986 seinen Film „Shoah“ vorstellte, und sieht, dass die Nummer von Israel fehlt, und hört, dass es dafür einen bestimmten Grund gibt. Ist das eine Petitesse? Selbst wenn Lanzmann komplett falschläge und die Dementis der Hotelleitung stimmten, woran man seine Zweifel haben darf – „so nicht bestätigen“ -, gilt: Die Nummer von Israel hätte auf der Liste des Kempinski Bristol am Kurfürstendamm nicht fehlen dürfen. Aber es musste erst Claude Lanzmann nach Berlin reisen, bevor das jemandem auffiel.

Auch wenn die Unternehmensleitung schnell reagiert hat, der Schaden ist angerichtet und nicht mehr reversibel. Alle Versuche, zu erklären, zu entschuldigen können nur mehr schal schmecken.

Wir können nichts anderes tun, als die Betriebe weltweit zu boykottieren. Ich werde das ganz sicher tun.

 

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Was der Papst in Auschwitz hätte sagen müssen

etwasanderekritik

David KleinDavid Klein

Nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hat mit Franziskus nun also auch ein dritter (!) Papst den Weg nach Auschwitz gefunden, diesen unseligen Ort, der wie kein anderer den versuchten Genozid der Nazis an den europäischen Juden symbolisiert.

Freilich kam Franziskus nicht aus freien Stücken, sondern folgte der Einladung ehemaliger Auschwitz-Häftlinge, mit denen er in Auschwitz «ein kurzes Gespräch» führte.

Man fühlt sich unangenehm an Wagner-Kanzlerin Merkel erinnert, die zwar jedes Jahr wallfahrtähnlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth pilgert, jedoch erst ein Mal, ebenfalls auf Einladung des 93-jährigen Holocaustüberlebenden Max Mannheimer, die Gedenkstätte des KZ Dachau bei München besuchte. Auf dem Weg zu einer Bierzelt-Wahlveranstaltung stattete Merkel als erste deutsche Regierungschefin überhaupt, dem einzigen Konzentrationslager, das in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft durchgehend in Betrieb war, eine offizielle Visite ab und hielt «als Zeichen des Respekts für die ehemaligen Häftlinge» eine «kurze Rede». Von sich…

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