„Wir dachten, sie würden uns erschiessen“

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Als vor fünf Jahren die ersten Menschen aus Syrien sich der syrisch-israelischen Grenze auf dem Golan näherten, waren sie sicher, sie würden von den IDF-Soldaten, die sie beobachteten, erschossen.

Doch ihre Not war grösser als ihre Angst.

Der damalige Kommandant des Nordkommandos, Major Yair Golan traf eine zutiefst menschliche Entscheidung. Er liess die Hilfesuchenden nach Israel einreisen.

Dr. Salam Zarka, leitender Direktor des Ziv Medical Centers in Sfad erinnert sich: „Als die ersten Verletzten und Kranken an der Grenze auftauchten, hatte ich gerade meine Zeit als Chief Medical Officer beim Nordkommando absolviert. Ich bin heute noch glücklich, dass es damals, als wir uns der aufkommenden Herausforderung stellen mussten, grosse Zustimmung unter den Ärzten gab und wir die Verletzten hereinbringen konnten.“

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Feldlazarett am Golan

Auch als in den vergangenen Tagen die Spannungen zwischen Israel und Syrien einen neuen Höhepunkt erhielten, wurden die Bemühungen um eine medizinische Betreuung von Syrern nicht eingestellt. Sieben Personen, zwei Kinder und fünf Erwachsene mit schwerwiegenden Schussverletzungen wurden noch im Feldlazarett in der Nähe der Grenze notversorgt und anschliessend in nordisraelische Krankenhäuser gebracht. Die meisten Hilfesuchenden kommen aus den Dörfern auf dem Golan, es gab aber auch schon vereinzelt Kranke, die den Weg aus Damaskus hinter sich hatten.

Im Durchschnitt kommen täglich laut IDF Berichten drei bis vier Verletzte zur Grenze. Nicht zu einer Behandlung in Israel kommen Schwerstkranke im Endstadium und Personen, die eine Transplantation benötigen. Einerseits gibt es in Israel schon eine lange Warteliste für Transplantate, dazu brauchen die Organempfänger eine umfangreiche und lange Nachbehandlung. Kann die nicht gewährleistet werden, ist die Gefahr einer Organabstossung hoch.

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Mutter mit Kind im Ziv Medical Center in Sfad

Der Schwerpunkt für Behandlungen von Erkrankten liegt bei den Kindern. Allein im Jahr 2017 wurden mehr als 1.000 syrische Kinder in Israel behandelt. Viele von ihnen leiden an Gehörschäden, die vom Lärm der Bomben in ihrer unmittelbaren Umgebung bis zur Taubheit verstärkt wurden.

Ein israelischer Milliardär, Morris Kahn war sofort bereit, zu helfen. Dank seiner Unterstützung haben bereits fünf Kinder hochwertige Hörgeräte erhalten, derzeit stehen weitere 100 auf der Warteliste. Die Zahl wird sich erhöhen, solange der Krieg in Syrien weitergeht. Die Kosten pro Gerät belaufen sich auf NIS 5.000,–.

 

©esther scheiner, israel

 

 

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Shurat HaDin klagt Boykotteure an

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©constanza.ch, flickr

Die Künstlerin ist 21 Jahre jung, viel Lebenserfahrung hat sie demnach noch nicht. Ihr Künstlername ist „Lorde“ und weist auf ihr Interesse für Adels- und Königshäuser hin. So heisst auch einer ihrer ersten Hits „Royals“ und schafft es, sich wochenlang auf den Spitzenplätzen der US Charts zu halten. Fans und Kritiker sind begeistert. Auch in Israel. Das Konzert ihrer Welttournee ist für den 5. Juni 2018 geplant. Der Kartenvorverkauf läuft schnell an.

Doch dann beschliessen zwei Frauen,  Justine Sachs and Nadia Abu-Shanab, Neuseeländerinnen wie sie, ihr einen offenen Brief zu schreiben. Justine Sachs ist Jüdin, Nadina Abu-Shanab Palästinenserin. Beide sind Mitgründer von Dajenu, New Zealand Jews Against Occupation.

In ihrem Brief lassen sie keinen der klischeehaften Vorwürfe aus, die von den Gegnern Israels immer wieder vorgebracht werden. Und, sie haben letztendlich Erfolg: Lorde beugt sich dem Boykott und sagt das Konzert ab.

Wie kann es dazu kommen, dass ein Jude gegen Israel und gegen das Judentum vorgeht? Wieso wird man zum selbsthassenden Juden? Zwei Charaktereigenschaften sind uns zu eigen, der bekannte jüdische Humor und das Leiden, mit der wir das Leben manchmal zelebrieren. Gespeist wird dieser Leidenswunsch von Thanatos, der nach Selbstzerstörung schreit. Manch einem mag in Kriegszeiten die Thanatose, der Totstellreflex das Leben gerettet haben. Er ist aber auch Ausdruck des ewigen Kreislaufes von Schmerz und Schuld. Ein Jude, der sein Land liebt, wird Kritik ertragen, aber auch selber formulieren. Ein Jude, der diese Liebe nicht kennt, baut einen Leidensdruck auf, der aus für ihn existierenden Missständen resultiert, für die er sich schuldig fühlt, wenn er sie nicht bekämpft. Er wird zum selbsthassenden Juden, der sich nur gut fühlt, weil er gegen sie aktiv geworden ist. Die Mittel der Wahl sind ihm gleichgültig.

Die BDS-Bewegung bedroht Israel seit Jahren. Ziel ist es, Israel wirtschaftlich, politisch und kulturell zu isolieren. Inzwischen ist BDS auch global gegen jüdische Firmen, Institutionen und Personen aktiv. In manchen Bereichen greifen die Boykottaufforderungen sehr gut, Konsumgüter für den Export müssen genau angeben, wo sie produziert und verpackt wurden. Produkte aus Judäa und Samaria wurden teilweise aus den Regalen der Grossverteiler entfernt. Wissenschaftler sagten Kongressbesuche ab, Künstler stornierten ihre Konzerte, Israel wurde aus dem Angebot von Reiseveranstaltern genommen, die Liste kann leider ohne Ende fortgesetzt werden. Den Palästinensern selbst hat BDS noch nie genützt. Im Gegenteil.

BDS wird u. a. von folgenden jüdischen NGOs unterstützt: New Israel Fund (NIF), JStreet, JCall, Jews for Peace, JVJP.CH. Sie alle verleumden und dämonisieren den Jüdischen Staat Israel und das Judentum.

Bisher musste man diese Situation zähneknirschend aushalten. Doch jetzt gibt es in Israel ein Gesetz, das es ermöglicht, jeden, der zum Boykott aufruft anzuklagen, wenn ausreichend belegt ist, dass der Aufruf erfolgreich war. Shurat HaDin hat sich dreier junger Frauen angenommen, die für das Konzert bereits Karten gekauft hatten, und sich nun düpiert fühlen. Zum einen wurde der Kaufpreis nicht refundiert, und sie fühlen sich auch emotional geschädigt.

Die Klage wurde am 31. Januar in Jerusalem eingebracht, die Klagesumme beläuft sich auf $ 13.000,–. Nitsana Darshan-Leitner von Shurat HaDin ist gespannt auf den bevorstehenden Prozess. Er stellt in sofern eine Premiere dar, dass das Gesetz erstmals in der Praxis Anwendung findet. Der Kausalzusammenhang zwischen Boykottaufruf und messbarem Schaden ist in diesem Fall erstmals klar erkennbar.

Ob der hochintelligenten Lorde bewusst ist, dass das Land, auf dem sie lebt, einst Maori Land war und nur unter teilweise unklaren Umständen in den Besitz der Briten überging?

 

© esther scheiner, israel

 

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Todeszug in die Freiheit

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Rezension eines Filmes von Andrea Mocellin und Thomas Muggenthaler, Erstausstrahlung ARD 29. Januar 2018, 23:50

Der bewusst ohne durchgehende Handlung angelegte Film begleitet den Transport ZugNummer 94803 auf seinem Weg quer durch das Protektorat Böhmen. Leitmeritz, der Beginn der Todesfahrt, war das grösste Aussenlager vom KZ Flossenbürg, das bereits am 23. April 1945 befreit worden war. Durch das umfassende Originalmaterial, und durch Interviews mit Überlebenden, sowie durch zurückhaltende Filmergänzungen ist der Film wirklich etwas ganz Besonderes und ein wertvolles Zeitdokument.

Jörg Skriebeleit, der Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg (Bayern) berichtet: „Wir haben vor mehr als 15 Jahren Fotos entdeckt, auf denen man einen großen Zug und KZ-Häftlinge sieht sowie Zivilisten, die den Häftlingen helfen. Wir konnten diese Fotos nicht zuordnen. Dann haben wir weiter recherchiert und gemerkt, dass es noch mehr Material gibt. In diesem tauchte immer wieder die Stadt Roztoky auf, aber auch Orte wie Kralupy oder Olbramovice. Wir haben eine Zeit lang gebraucht, bis wir begriffen haben, dass diese Fotos alle dasselbe Ereignis zeigen: einen Todeszug aus Leitmeritz, dem größten Außenlager des KZ Flossenbürg, der Richtung Süden fuhr. Das Ziel war Mauthausen.(Österreich)“ 

Der Zug war lang, die 77 (!) Waggons waren oben offene Kohlewaggons. Unter den Häftlingen lief das Gerücht, dass man sie als „lebende Wand im Kampf gegen die Befreier” verwenden würde, erinnert sich eine Zeitzeugin. 4000 Menschen waren insgesamt in die Waggons gepresst worden. Der Zynismus der Nazis kennt auch anlässlich dieses Leidens der Häftlinge kein Mitleid: „Am Ende des Zuges sind leere Wagen angehängt, wem es hier zu eng ist, der kann umsteigen.” Diejenigen, die diese Ankündigung glaubten und sich meldeten, wurden sofort erschossen. Die Bewacher sind junge SS-Schergen aus der SS-Nachrichtenschule aus Leitmeritz, die sich noch immer, trotz dem nahenden Kriegsende, beweisen möchten und ihren Fanatismus voll ausleben.

Der Weg, den der Zug nimmt, liegt auf dem letzten verbliebenen Korridor zwischen den Alliierten und der Roten Armee. Während die Rote Armee auf Berlin marschiert und die Amerikaner kurz vor der tschechischen Grenze ebenfalls nach Norden abschwenken, bildet dieser Korridor das Letzte noch verbliebe Gebiet, auf dem sowohl die Wehrmacht, als auch die SS nahezu uneingeschränkt vorgehen können.

Jedes Mal, wenn der Zug eine Station verlässt, melden die Tschechen an die nächste Station, dass ein Zug mit Häftlingen auf dem Weg nach Süden ist. Unmittelbar nach dem Erreichen des Protektorates Böhmen und Mähren erhalten die Häftlinge völlig unerwartet Esswaren. Noch haben sie keine Ahnung, dass sich etwas Grundlegendes für sie geändert hat. Am 29. April erreicht der Zug die erste Station Kralupy und bleibt dort stehen.

Am Bahnhof stehen viele Menschen, Tschechen und bitten die Bewacher, die Häftlinge aussteigen zu lassen. Die Menschen bitten um Wasser. Viele haben Angst, erschossen zu werden, wenn sie den Zug verlassen. Aber der Durst ist drängender. Sie steigen aus, zögernd. Zunächst geschieht nichts, die SS-Schergen wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen.

Doch dann fallen Schüsse, 13 Menschen sterben.

Am gleichen Abend erreicht der Zug Roztoky, einen Ort kurz vor Prag. Eine grosse Menschenmenge erwartet den Zug am Bahnhof und fordert von der SS, den Menschen helfen zu dürfen. Ein junger Fotograf dokumentiert das Geschehen und riskiert dabei sein Leben. Unter anderem ist es seinen Aufnahmen zu verdanken, dass das beherzte Vorgehen der Tschechen jetzt langsam bekannt wird. Ein Mann, der im Besitz einer Kamera ist, filmt heimlich. Es sind die einzigen Bilder, die nicht in den befreiten KZs entstanden sind, sondern das Grauen in Anwesenheit der SS festhielten.

Der Bahnhofvorsteher verzögert die Weiterfahrt und gewinnt so wertvolle Stunden. Er hatte die Menschen in der Umgebung gebeten, Essen vorzubereiten und damit zu Bahnhof zu kommen. Die Menschen im Film sind ausgemergelt, sie kämpfen um das ihnen angebotene Essen, die erste nahrhafte Mahlzeit, die sie seit Wochen erhalten. Unter den mutigen Helfern sind auch Kinder. Sie alle riskieren ihr Leben. Noch heute haben sie die Bilder im Kopf, wie die SS-Schergen hektisch hin- und herliefen, auf die Häftlinge einprügelten und die Waffen auch gegen sie richteten. Die Schalterhalle wird zur Feldküche umfunktioniert, die Frauen des Ortes kochen dort unermüdlich Suppe mit dem wenigen, was sie selber gegen Ende des Krieges noch haben.

Und sie bringen noch mehr zum Bahnhof: Kleider. Es gelingt ihnen, etwa 300 Häftlinge in die Wartehalle zu schmuggeln, wo sie sich umziehen und nicht mehr als Häftlinge erkennbar mit ihren Rettern weglaufen. Sie werden im Ort versteckt. Aus dem Armenhaus wird ein Notlazarett für etwa 80 Menschen, die hier von der Bevölkerung gesund gepflegt werden, es gibt keine Medikamente, kein Verbandszeug, alles wird improvisiert. Nicht alle überleben.

Der nächste Halt des Zuges ist der Verladebahnhof Prag-Bubny. Hier warten auch Schwestern der Caritas und tschechische Ärzte. Doch die Deutschen sind alarmiert wegen der Rettungstätigkeit der Tschechen. Die Gestapo verlangt, dass die Versammlung aufgelöst wird. Doch niemand befolgt den Befehl, der Bahnhofsvorstand sabotiert die Lokomotive, macht sie fahruntüchtig. Die Tschechen befreien nun aktiv die Gefangenen, legen sie auf Bahren, decken sie zu und bringen sie als „Tote“ aus dem Bahnhof. Sie können mit der Tram fliehen. Hunderte werden in Prag in Wohnhäusern versteckt, insgesamt sind es etwa 1000 Menschen, die befreit werden können.

Berlin ist bereits von der Roten Armee besetzt, trotzdem muss der Zug seinen Weg fortsetzen.

In der Nähe eines SS Übungsgeländes wird er auf ein Abstellgleis gebracht. Dort bleibt er während der kommenden sechs Tage. Die Situation eskaliert noch einmal, als eine Gruppe von SS-Schergen beim Zug auftaucht. Sofort beginnen sie zu schiessen, noch einmal müssen 27 Menschen sterben. Sie sind Opfer der puren Willkür der Nazischergen.

Am 7. Mai, einen Tag vor der Kapitulation des Naziregimes fährt der Zug weiter, diesmal mit unbekanntem Ziel. Mauthausen, das eigentliche Ziel der Irrfahrt ist mittlerweile ebenfalls befreit. Die Unruhe unter den Gefangenen ist gross, werden sie nun alle ermordet werden, um nicht den Alliierten in die Hände zu fallen?

Am 8. Mai beschliessen die Tschechen, den Zug endgültig zu stoppen. Mit Hilfe von russischen Soldaten entwaffnen sie die Wachmannschaften. Für die Häftlinge endet hier das Martyrium.

Fast 3000 Menschen haben den Todeszug überlebt. Viele von ihnen leiden an Flecktyphus. Im Ort gibt es keine Häuser für sie, und so müssen sie die ersten Tage auf dem Fussballplatz verbringen. Ein langer und zaghafter Weg zurück in das Leben kann beginnen.

Jörg Skriebeleit kommt am Ende des Films noch einmal zu Wort: „Es war keine Aktion der Tschechen gegen die Deutschen, die sie hassten. Es war ein reiner Akt der Menschlichkeit, die im Deutschen Reich so, in dieser Form nicht, oder jedenfalls nicht nachweisbar auch so kurz vor Kriegsende nicht vorgekommen ist.“

 Der Film ist in der Mediathek des ARD noch bis Ende Januar 2019 abrufbar. http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Todeszug-in-die-Freiheit/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=49593248

Mein Dank gilt Franz-Josef Schmidt, der mir bereits vor der Ausstrahlung den Link geschickt und mich so auf den Film aufmerksam gemacht hat.

 

©esther scheiner, israel

 

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„Mein Denken ist oft Musik, ich lebe meine Tagträume durch Musik“ (Albert Einstein)

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Der jugendliche Huberman

Bronislav Huberman wurde am 19. Dezember 1882 in Tschenstochau (Polen) geboren und verstarb am 16. Juni 1947 in Corsier-sur-Vevey (Schweiz).Seine Eltern erkannten sehr früh sein aussergewöhnliches musikalisches Talent. Als Sechsjähriger erhielt er seinen ersten Geigenunterricht und debütierte schon ein halbes Jahr später. Schon im Alter von zehn Jahren vollendete er in Berlin seine musikalische Ausbildung.

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Von Brahms signierte Karte

 

 

 

Am 29. Januar 1896 traf Huberman in Wien bei einem Konzert auf Johannes Brahms und beeindruckte diesen sehr mit der Interpretation seines Klavierkonzerts. Huberman beschwerte sich, dass das Publikum während seines Spiels spontan applaudiert hatte, und wurde von Brahms beschwichtigt: „Du hättest eben nicht so wunderbar spielen dürfen!“

Zahlreiche Konzertreisen innerhalb Europas folgten und festigten seinen Ruf als einen der „wichtigsten Geiger im 20. Jahrhundert“.

Nach einem Konzert in Wien schrieb die „Neue Freie Presse“ am 10. November 1928: „Bronislav Huberman hat Schubert gespielt. Da verstummte für einen Augenblick das pomphafte Fanfarengeschmetter offizieller Festakte. Und übrig blieb ein zauberhaft betörender Geigenton, ein schlagendes Herz und – Schubert.“

Huberman verstand sich zeit seines Lebens als homo politicus. Seine Musik war für ihn Werkzeug und Ausdruck des Kampfes für eine bessere Welt. Er hatte schon früh die Vision eines vereinten Europas und eines jüdischen Staates in Palästina.

Als mit der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 die Naziherrschaft begann, musste Huberman schnell erkennen, welche grauenhafte Zeit auf die Juden Europas zukam. Bereits im April 1933 wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums umgesetzt. Der darin enthaltene Arierparagraph besagte, dass alle „nichtarischen“ Beamten mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand zu versetzen seien. Erstmals seit 1871 gab es wieder Sondergesetze für die jüdische Bevölkerung, die nur ein Ziel hatten: Die Juden aus der Gesellschaft schnellstmöglich und vollständig zu entfernen. Zunächst gab es noch Ausnahmen, die auf Betreiben von General von Hindenburg den Betroffenen noch einige Zeit Aufschub gaben. Doch dann verloren auch ehemalige Frontkämpfer, ihre Witwen und Kinder, sowie Juden, die bereits vor dem 1. August 1914 in ihren Positionen gewesen waren den Schutz.

Ohne zwingende Notwendigkeit, nur aus vorauseilendem Gehorsam schlossen sich Vereine und freiwillige Feuerwehren dem Verbot für jüdische Mitglieder an. Schulen und Universitäten folgten ebenso, wie standesrechtliche Vereinigungen für Ärzte, Rechtsanwälte und Notare. Bis 1938 durften Ärzte ihre jüdischen Patienten noch als „Krankenbehandler“ weiter betreuen. Rechtsanwälte konnten bis dahin ebenfalls eine gewisse Zahl ihrer jüdischen Klienten betreuen, sie mussten dies aber unter der Berufsbezeichnung „Konsulent“ tun. Künstler, die an staatlichen Bühnen angestellt waren, fielen ebenfalls unter das Berufsverbot. Sie durften ebenfalls nur noch vor jüdischem Publikum auftreten.

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Programmblatt mit den Unterschriften der Künstler

Im Mai 1933 nimmt Huberman gemeinsam mit Arthur Schnabel, Paul Hindemith und Pablo Casals am Johannes Brahms Fest in Wien teil. Das Konzert findet im Grossen Musikvereinssaal statt, in dem die alljährlichen Neujahrskonzerte des Wiener Musikvereins aufgezeichnet werden.

Im Juni 1933 erhält Huberman eine Einladung von Wilhelm Furtwängler, der gerade „Erster Kapellmeister“ der Berliner Staatsoper geworden war, gemeinsam mit den Berliner Symphonikern aufzutreten. Huberman reagiert mit einem vielbeachteten Brief, in dem er die sich in Nazideutschland abzeichnende Katastrophe anprangert. Die Rolle Furtwänglers während dieser Zeit ist fragwürdig. Trotzdem schreibt Huberman: „Lieber Freund, erlaube mir zu allererst meine Bewunderung für die Furchtlosigkeit, Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein zu danken, mit der du deine Bemühungen im April begonnen hast, um die Konzertbühne vor einer bedrohlichen Zerstörung durch rassistische Reinigung zu schützen.“

Furtwängler hatte sich mit dem Inkrafttreten des Verbotsgesetzes für den Verbleib einiger jüdischer Kollegen im Orchester eingesetzt. Ob er aber letztendlich doch antisemitisch war oder ob er nur aus purem künstlerischen Überlebenswillen agierte, kann nicht einwandfrei belegt werden. Einerseits liess er sich lange nicht von seinem obersten Chef, dem damaligen Ministerpräsidenten Hermann Göring einschüchtern, andererseits wirkte er aber auch bei der Durchsetzung des Reichbeamtengesetzes mit. Dennoch kritisierte er in einem Brief an Goebbels am 11. April 33: „Nur einen Trennungsstrich erkenne ich letzten Endes an: den zwischen guter und schlechter Kunst.“

Goebbels Antwort darauf: „Lediglich eine Kunst, die aus dem vollen Volkstum selbst schöpft, kann am Ende gut sein und dem Volke, für das sie geschaffen wird, etwas bedeuten […] Gut muß die Kunst sein; darüber hinaus aber auch verantwortungsbewusst, gekonnt, volksnahe und kämpferisch.” Es war Furtwängler zu verdanken, dass der „Arierparagraph“ zunächst nicht auf jüdische Mitglieder der Berliner Philharmoniker angewendet wurde. Die Nazibonzen wussten, dass sie nicht einfach auf so einen beliebten und anerkannten Künstler verzichten konnten, und nahmen ihn 1944 in die „Gottbegnadeten Liste“ auf. Auf dieser Liste wurden 1041 Künstler aufgeführt, die den Nazis wichtig erschienen und die vom allgemeinen Wehrdienst ausgenommen waren. Furtwängler erscheint sogar auf der, von Hitler persönlich erstellten Liste der „Unersetzlichen Künstler“.

Dass er im Jahr 1936 die Möglichkeit, als Nachfolger Toscaninis in New York zu arbeiten ablehnte, brachte ihm bis zu seinem Tod viel Kritik ein. Die Amerikaner verhängten 1945 ein Berufsverbot über ihn, er galt als „Hitlers gehätschelter Maestro“, wie es Erika Mann ausdrückte. Jüdische Kollegen, die emigriert waren, nahmen ihm übel, dass er bis zum Schluss mit den Nazis paktiert hatte.

Unglaublich, dass es Musiker wie Paul Hindemith, Yehudi Menuhin und Szymon Goldberg, sowie seine jüdische Sekretärin Berta Geissmar waren, die sich im Entnazifizierungsverfahren und im Prozess für ihn einsetzten, so dass er 1947 freigesprochen wurde.

Während Furtwängler weiter von Erfolg zu Erfolg eilt, erkannte Huberman, dass der Ausschluss der jüdischen Musiker aus der Musikszene eine grosse Chance für etwas Neues war. 1929 war Huberman zum ersten Mal in Palästina und verliebte sich in das Land. Bei seinem zweiten Besuch 1931, noch bevor die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, hatte er bereits die Vision, die besten Musiker nach Palästina zu bringen und dem Publikum dort erstklassige Musikangebote zu bringen. In seinen Gedanken wuchs das „Palestine Symphony Orchestra“ zu einem grossartigen Klangkörper zusammen.

imagesHuberman fand ab 1934 prominente Unterstützer. Arturo Toscanini, Albert Einstein und Chaim Weizmann. Anlässlich einer Konzertreise in den USA erspielte er bei 42 Konzerten das notwendige Geld, um sein Projekt durchführen zu können. Er beendete seine beruflichen Verpflichtungen in Berlin und Wien und kehrte nach Palästina zurück. Dort erkannte er schnell, dass durch die Gründung des Orchesters zahlreiche arbeitslose Juden eine neue Perspektive erhalten könnten. Annähernd 1.000 Menschen wurden von Huberman vor der Ermordung durch die Nazischergen gerettet und fanden eine neue Heimat in Palästina. Albert Einstein hatte sich zuvor schon zusammen mit der geflüchteten Pianistin Harriet Cohen anlässlich einer Wohltätigkeitsgala in New York als hervorragender Geiger geoutet und Geld gesammelt, um in Berlin gestrandeten Wissenschaftlern die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen. 1936 sammelte er bei einer Abendveranstaltung Geld für die Künstler, die ebenfalls in Berlin auf die Ausreise hofften. Kurz darauf verzichtete Arturo Toscanini auf ein Engagement in den USA und erklärte sich bereit, die ersten Konzerte des neuen Orchesters zu dirigieren.

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Toscanini und Huberman bei der Generalprobe

Das Orchester setzte sich aus 73 Mitgliedern zusammen: 19 Polen, 16 Deutsche, 10 Österreicher, je vier Ungarn und Niederländer. 20 Mitglieder waren lokale Musiker, die sich dem Orchester anschlossen. Am 26. Dezember 1936 traten die Musiker erstmals auf. Der Erfolg war überwältigend.

Den grössten Erfolg durfte Huberman nicht mehr miterleben. Unmittelbar nach der Proklamation des Jüdischen Staates Israel spielten seine Musiker erstmals die „HaTikva“, die Nationalhymne des neuen Staates. Ben Gurion, der anfänglich Zweifel am Erfolg des Orchesters gezeigt hatte, gab ihm seinen neuen Namen, unter dem sie heute weltbekannt sind: Israel Philharmonic Orchestra.


<p><a href=“https://vimeo.com/97556294″>AFIPO intro video</a> from <a href=“https://vimeo.com/stepheneckelberry“>Stephen Eckelberry</a> on <a href=“https://vimeo.com“>Vimeo</a&gt;.</p>

© esther scheiner, israel

 

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Wer hat’s erfunden?

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Nein, die Frage ist nicht, wer die berühmten Ricola ® Kräuter Bonbons erfunden hat – diese Frage muss man klar mit „Die Schweizer“ beantworten.

Zu den neuesten Ausgrabungen in der Nähe von Jaljulia erhob sich für Amanda Borschel von der Times of Israel die Frage, ob sich dort vielleicht die erste Produktionsstelle von „Schweizer Militärtaschenmessern“ befunden haben könnte.

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Das erste Schweizer Militär Taschenmesser

Ab dem Jahr 1890 wurden für das Schweizer Militär die ersten Taschenklappmesser hergestellt, die erste Serie kam noch aus der deutschen Messerstadt Solingen. 1891 übernahm der Schweizer Hersteller von chirurgischen Geräten Karl Elsener die Produktion und benannte die Firma nach seiner Mutter Victoria. Später, als für die Produktion rostfreier Stahl zur Verwendung kam ergänzte der den Namen um das Kürzel „Inox“. Das war die Geburtsstunde der heute weltweit bekanntesten Taschenmesser. Vom handlichen Kleinstmesser mit nur einer Klinge bis hin zum wahrlichen Giganten variiert das Angebot. „The Giant“, wohl kaum alltagstauglich, wurde 2006 produziert und wurde prompt in das Guinness Buch der Rekorde aufgenommen. Alle 87 bisher produzierten Werkzeuge mit 141 verschiedenen Funktionen wurden zu einem Messer vereint. Der Preis des Monsters belief sich auf US$ 1.000.

Wer über die Yitzak Rabin Autobahn fährt, die sich über 170 km von Yoqneam im Carmel Gebirge bis nach Be’er Sheva am Rande der Negev Wüste hinzieht, durchquert ganz unterschiedliche Regionen. Auf den ersten Kilometern bestimmen die vier Kamine des Kraftwerks Hadera den Horizont. Die Entfernung zum Mittelmeer beträgt nur wenige Kilometer.

Es ist die schmalste Stelle von Israel. Die Landschaft westlich der Autobahn ist weitgehend geprägt von Obstplantagen, mehrheitlich Bananen.

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Im Osten liegen die Hügel von Samaria, das bis zur Vereinigung des Landes durch König David, das Königreich Israel darstellte. Hier liegen zahlreiche arabische Orte, deren Skyline durch goldene und grüne Minarette geprägt ist.

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Qalqiliya

 

 

 

 

 

Hier verläuft auch ein Teil der tatsächlichen „Mauer“. Hinter der Mauer liegt Qalqilya, eine Stadt mit etwa 50.000 Einwohnern. Warum hat Israel gerade hier den Grenzverlauf mit einer echten Mauer gesichert? Qalqilya gehört entsprechend dem Oslo Abkommen zur Zone A und steht damit ausschliesslich unter palästinensischer Verwaltung. Nachdem jedoch während der Al-Aqsa-Intifada (2000 bis 2005) zahlreiche Terroristen aus diesem Ortsgebiet kamen, die zumeist von der Hamas in Gaza ausgebildet worden waren, konnte die Sicherheit der israelischen Gebiete nicht mehr sichergestellt werden. Um den Zugang nach Israel deutlich zu erschweren, entschloss sich die IDF,  zeitweilig die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen. Gleichzeitig wurde mit dem Bau der Mauer begonnen. 3,5 Kilometer ist sie hier lang. Qalqilya ist vielleicht der Ort, dessen Bürger am heftigsten für die Untaten von Wenigen büssen müssen. Seit 2003 ist der Ort nur mehr über zwei Checkpoints zugänglich. Von der ehemals ertragreichen Landwirtschaft profitieren sie nicht mehr, die meisten Gebiete fielen den Grenzanlagen zum Opfer oder liegen jenseits der Autobahn, früher einmal durch Tunnel erreichbar. Selber schuld? Diesen Zynismus möchte ich mir nicht erlauben. Aber, hier wird spürbar, welche Folgen eine andauernde virulente Gefahr für die Sicherheit Israels mit sich bringt. Seit es die Mauer gibt, sind die Anschläge deutlich weniger geworden. Die Mehrtausend Autofahrer, die täglich die Autobahn benutzen, können sich so vor Steinen und Molotow Cocktails sicher fühlen, die früher regelmässig geworfen wurden. Die Lösung? Sie ist leider nicht in Sicht. „Einfach aufhören mit dem Terror“, wird in Israel immer wieder als Allheilmittel vorgeschlagen. Aber wie lange muss dann die gewaltlose Probezeit sein, die als Basis für „vertrauensbildende Massnahme“ gelten kann? Ein Jahr? Zehn Jahre? Immerhin, es wäre ein Anfang. Die Stadt Mühlheim an der Ruhr hat eine Städtepartnerschaft mit Kfar Saba, der israelischen Nachbarstadt. Mit Qalqilya haben die Westfalen immerhin schon eine Vorstufe dazu, die Städtefreundschaft.

Nahe der Grenze zum ehemaligen Königreich Juda liegt, wenige Kilometer südlich von Kfar Saba Jaljulia, eine arabische Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern. Ausgrabungen vom Jahr 2010 belegten, dass der Ort bereits zur Zeit der Mamelucken besiedelt war.

Die Thora benennt fünf Orte, die den Namen „Gilgal“ (wenn auch in verschiedenen Schreibarten) tragen. Zurückgehen mag der Name auf den „Steinhaufen der Erinnerung“ der von Jakob und seinem Schwiegervater Laban aufgeschichtet wurde (Gen 31;48 – 54). Laban benannte ihn mit dem aramäischen Namen „Jegar Sahaduat“ während Jakob ihn als „Gal Ed“ bezeichnet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die römische Ortsbezeichnung „Galgulis“.

Auf dem heutigen Ortsgebiet von Jaljulia befand sich nachweislich in byzantinischer Zeit eine Siedlung mit dem Namen Ǧilǧūlije. Vieles spricht dafür, dass der Name Jaljulia auf diese byzantinische Bezeichnung zurückgeht. Frühere Grabungen erbrachten Funde aus der Eisenzeit, sowie einige Mosaikarbeiten. Die Eisenzeit in der Levante wird datiert mit dem Zeitraum 1200 bis 500 BCE.

Lange Zeit vor der Landnahme durch die Israeliten, die ihre Spuren überall hinterliessen, war die Region keinesfalls unbesiedelt. Die Zeugen dieser Besiedlung liegen unter mehr oder weniger dicken Erdschichten verborgen. Wann immer in Israel ein grösseres Bauvorhaben geplant wird, tritt zunächst die Israel Antiquities Authority in Aktion. Bevor sie nicht das gesamte Baugebiet genauestens untersucht haben, darf kein Bauprojekt gestartet werden.

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Eines der neuen Projekte ist die Überbauung der zwischen Schnellstrasse 531 und Autobahn. Hier sollen neue Brücken, Auf- und Abfahrtsysteme helfen, den immer stärker werdenden Verkehr zu entlasten.

 

Von der arabischen Kleinstadt Jaljulia führt die 531 nach Westen in die dicht besiedelte Hightech Region um die Küstenstadt Herzliya. Eine Verbesserung des Verkehrsflusses ist dringend notwendig.

 

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Jaljulia mit dem trockenen Wasserlauf des Quana

Auf dem Bild erkennt man einen trockenen Flusslauf. Während und nach der Regenzeit führt der Quana heute noch reichlich Wasser. Vor 500.000 Jahren wird es wohl noch mehr gewesen sein. Der Fluss entspringt in den Hügeln Judäas und endet im Yarkon, der nördlich von Tel Aviv ins Mittelmeer fliesst.

Unsere Vorfahren fanden hier alles, was sie zum Leben brauchten. Reichlich Trinkwasser und Nahrung, Tierherden zum Jagen und Feuersteinknollen, die mit dem Wasser herangeschwemmt wurden.

Es dürften unsere afrikanischen Vorfahren gewesen sein, die vom Gebiet südlich der Sahara aus nach Osten und Norden wanderten. Die ältesten Funde stammen aus der der frühen Eiszeit. Diese dauerte von 1.9 Millionen bis 700.000 Jahre BCE. Als im Jahr 1891 die ersten Skelett-Fragmente auf Java gefunden wurden, glaubte man zunächst an die Entdeckung einer neuen Spezies von Menschenaffen. Erst der Fund eines kompletten Oberschenkelknochens liess die Erkenntnis zu, dass es sich um eine Übergangsform zwischen Menschenaffen und Menschen handelte, die sich durch einen aufrechten Gang auszeichneten. AB 1950 wird die wissenschaftliche Bezeichnung „Homo erectus“ eingeführt.

Unser biologischer Stammvater hatte nun einen Namen.

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In Europa entwickelte sich aus dem „Homo erectus“ der Neandertaler. Irgendwann mögen sich die beiden Gruppen auf ihren Wanderungen begegnet sein. Im Laufe der Evolution hat der Neandertaler den Kampf um die Weiterentwicklung verloren.

In Europa, Asien und Ostafrika begann der Siegeszug des „Homo erectus“. Im Laufe der Jahrzehnte, mit zunehmend verbesserter Forschungstechnik gewann man ein umfassendes Bild. Besonders aufschlussreich war der Fund des nahezu komplett erhaltenen Skeletts vom „Turkana Boy“ aus Afrika im Jahr 1984. Unser Vorfahr erreichte eine Körpergrösse von maximal 1.80m und war von kräftigem Körperbau. Das Gehirnvolumen umfasste 650 – 1250 cm3, die kindliche Wachstumsphase, bei der auch das Gehirn wächst, ist wesentlich kürzer, als sie heute ist. Berits im Alter von 1 Jahr verfügte das Kleinkind über etwa 80% des Hirnvolumens eines Erwachsenen. Beim „Homo sapiens“ beträgt das Hirnvolumen 1100 – 1800 cm3, das einjährige Kind erreicht davon etwa 50%.

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Der Turkana Boy

Die aufgefundenen Zähne lassen auf eine Mischkost schliessen.

Die Ausgrabungen in Jaljulia beweisen, dass unser Urvater keinesfalls der ungeschickte, unerfahrene Jäger war, für den man ihn jahrelang hielt. Massenhafte Funde von Jagdgerätschaften aus Feuerstein zeigen, dass es den Jägern nicht nur gelang, den Stein so zu bearbeiten, dass er mit scharfen Kanten und einer pfeilartigen Spitze geeignet war, Tiere zu töten und zu zerteilen. Aufgefunden wurden auch komplexere Werkzeuge. Dazu wurden die Steine an einer Seite so bearbeitet, dass man sie zur Verlängerung an einem Holzstock befestigen konnte.

Unsere Vorfahren waren Nomaden. Sie kannten die besten Plätze, um im Laufe des Jahres ihrem Stamm das Überleben zu sichern. Israel war einer davon!

 

©esther scheiner, israel

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Ahed Tamimi, aka Shirley Temper

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Im Jahr 2012 sorgte ein mageres kleines Mädchen bekleidet mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „I Love You“ für weltweites Aufsehen.

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2012 einer der ersten provokativen Auftritte

Ahed Tamimi, damals jüngstes und medienwirksamstes Mitglied des berüchtigten Tamimi Clans, versuchte bei einer „Freitagsdemonstration“ Soldaten der IDF zu provozieren. Die angebliche Menschenrechtsorganisation B’tselem hatte zuvor zahlreiche Frauen aus Nabi Salih, darunter auch Aheds Mutter mit einer Kamera ausgestattet, um jeden Vorfall filmen zu können, der Israel als Bösewicht zeigen könnte. B’tselem hat auch zahlreiche andere Palästinenser in Judäa und Samaria mit Kameras ausgestattet. Bezahlt mit unseren Steuergeldern und vom grössten Sponsor New Israel Fund.

Im Jahr 2012 wurde Ahed vom Türkischen Präsidenten Erdogan zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen und erhielt danach den „Handala Courage Award“. In der Türkei galt sie fortan als Heldin. Damals wollte sie noch Rechtsanwältin werden, um „dem palästinensischen Volk zu helfen.

Vor etwas mehr als einer Woche wurde sie wieder einmal ihrem Ruf gerecht, indem sie, diesmal gemeinsam mit einer Cousine und wiederum gefilmt von ihrer Mutter versuchte, Soldaten der IDF zu provozieren. Doch die blieben so ruhig, wie es die Dienstvorschrift verlangt. Obwohl sie einem der beiden Soldaten eine Ohrfeige und anschliessend einen Tritt in den Bauch gab.

Doch diesmal ging das Spiel für sie, ihre Cousine und ihre Mutter nicht gut aus. Sie wurden alle verhaftet. Mutter und Cousine wurden rasch wieder freigelassen, aber Ahed sitzt immer noch in Untersuchungshaft. Ganz so glücklich und selbstbewusst wie sonst sieht sie während der Befragung nicht aus. Aber immerhin, es gehe ihr gut sagt sie mit einem zaghaften Lächeln.

Ob sie ihren neuesten Berufswunsch, eine Märtyrerin zu werden, immer noch weiter verfolgt?

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Im Militärgefängnis von Ofer Dez 2017

Aber selbst, wenn sie für einige Zeit im Militärgefängnis bleiben müsste, es gibt bereits seit Jahren eine Nachfolgerin für sie. Ihre kleine Schwester Janna Jihad Ayyad trat das erste Mal im zarten Alter von fünf (!) Jahren vor die Kameras und quietschte ihre hasserfüllten Parolen in Richtung der Soldaten. Damals noch im süssen hellblauen Kinderkleid, etwas später dann praktischer in Jeans und Shirt. Sie nennt sich selber „Journalistin“.

Janna Tamimi steht bereit. Ihre ältere Schwester wird bald 17 und ist damit dem Alter entwachsen, in dem sie glaubhaft als unschuldige, von reinsten Motiven getriebene Aktivistin für ihre Heimat gelten kann.

Präs. Abbas übermittelte telefonisch seine Glückwünsche für die ganze Familie. Er sei stolz auf die wichtige Rolle, die der ganze Tamimi Clan beim Widerstand gegen die Besatzertruppen spielen würde.

Eine Tante war massgeblich beim Sbarro Attentat (2001) beteiligt, das 15 Todesopfer und mehr als 130 Verletzte forderte. Die sass einen Teil der Strafe in einem israelischen Gefängnis ab, wurde aber im Rahmen des Shalit Austausches freigepresst und lebt nun in Jordanien. Nariman Tamimi, die Mutter von Ahed bezeichnete diesen Terroranschlag als absolut gerechtfertigt. Ihr Mann Bassem empfindet den Missbrauch von Kindern, Frauen und Alten als menschliche Schutzschilde als durchaus angebracht bei Terrorattentaten gegen israelische und jüdische Zivilisten.

Das zeigt wieder einmal ganz deutlich, welch „guter und zuverlässiger“ Partner der Präsident der PA, Dr. Mahmud Abbas ist. Wer eine Familie von Terroristen im Kampf gegen Israel so hoch lobt, kann niemals am Frieden mit Israel interessiert sein.

 

 

©esther scheiner, israel

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Warum ist die UNO – United Nations Organisation immer wieder vereint gegen Israel?

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Die Welt weist derzeit 193 Konstrukte auf, die die drei Voraussetzungen erfüllen, um ein „Staat“ im Sinne der UNO zu sein. Sie verfügen über ein Staatsvolk, ein definiertes Staatsgebiet und eine funktionierende Staatsgewalt.

Vertreter dieser 193 Staaten bilden die Vollversammlung der UNO, jenes Vereins, in dem sich die grössten politischen Ignoranten auf hohem Niveau tagtäglich gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich gegenseitig in der Wesentlichkeit ihres Tuns bestätigen. Sowohl von der Generalversammlung, als auch von den bei- und untergeordneten Gremien werden Resolutionen verfasst, von deren Berechtigung sie zutiefst überzeugt sind, die aber keinerlei Rechtsverbindlichkeit haben.

Sonderfälle sind der Malteserorden und das IKRK. Völkerrechtlich werden beide als souveräne, nichtstaatliche Völkerrechtssubjekte betrachtet und sind deshalb als nicht-staatliche Organisationen der UNO beigeordnet.

Des Weiteren gibt es zwei Staaten mit dem Status des permanenten Beobachters. Sie haben die gleichen Rechte, wie jedes Vollmitglied, sind aber nicht stimmberechtigt. Es sind dies der Heilige Stuhl als Vertreter des Vatikan und seit einigen Jahren auch Palästina. Palästina hat kein Staatsvolk, keine Staatsgewalt. Am Freitag, dem 22.12., scheiterte gerade wieder der x-te Versuch zwischen Hamas und PLO/PA nachhaltig zusammen zu arbeiten und so vielleicht doch einst zu einer gemeinsamen Regierung zu kommen. Und es hat schon gar kein definiertes Staatsgebiet.

Und schliesslich gibt es noch weitere Territorien, denen es auch verschiedenen Gründen bis anhin nicht gelungen ist, sich die Anerkennung durch die UNO zu erringen. Darunter befinden sich die Republik Abchasien, Republik China (de facto Taiwan), Republik Kosovo, Republik Südossetien, Türkische Republik Nordzypern (de facto von der Türkei besetztes zypriotisches Staatsgebiet), Demokratische Arabische Republik (de facto von Marokko besetztes Gebiet Westsahara) und die Cook Inseln.

Die Zahl der weltweit gelisteten Staaten variiert von 193 seitens der UNO bis zu 254 im CIA World Fact Book.

Die Zahl der islamischen Staaten in der UNO wird in der nachfolgenden Grafik erkennbar. Sie haben dort, auch wenn es sich teilweise um Mini- oder Mikrostaaten handelt nach dem Prinzip „One state, one vote“ eine Mehrheit.

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Verteilung der moslemischen Staaten weltweit

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Staaten der Arabischen Liga

Finanziert wird die UNO durch ihre Mitgliedsstaaten

Im Jahr 2017 zahlten die USA 22%, Japan 9,7%, die Volksrepublik China 7,9% und Deutschland 6,4%. Alle anderen Staaten wurden mit jeweils weniger als 5% des Gesamtbudgets in Höhe von US$ 2.776.529.900 belastet.

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Und jetzt hat der Hauptträger der Kosten die Nase voll. Die US-amerikanische Botschafterin Nikki Haley liess im Namen ihres Chefs verlautbaren, dass „.. die Unwirtschaftlichkeit und die ungeplanten Mehrausgaben der UN wohlbekannt sind. Wir werden nicht länger die Grosszügigkeit des amerikanischen Volkes als selbstverständlich und von vornherein als akzeptiert ansehen.“ Sie fuhr fort: „Diese historische Kürzung der Zahlungsleistung ist nur eine von vielen anderen Aktivitäten, um die UN effizienter und verlässlicher zu machen – sie ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Wir sind sehr zufrieden mit den diesjährigen Budgetverhandlungen, aber Sie müssen wissen, dass wir sehr genau hinschauen werden, wie die Effizienz der UNO gesteigert werden wird und wie wir gleichzeitig unsere Interessen schützen werden.“

Warum ist die USA so erbost? Warum reagiert Präsident Trump so stark? Beruft er sich auf den alten Bibel Spruch (Matthäus 12,22 ff): „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ ?

Zumindest hat er allen Staaten der UN Vollversammlung die Rute ins Fenster gestellt und ihnen angekündigt, Zahlungen an sie mit ehestmöglicher Wirkung einzustellen, falls sie sich seiner Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, entgegen stellen würden.

Und genau darum ist es in der Sitzung vom 21. Dezember 2017 gegangen.

Die USA sollten durch die noch zu bestätigende Resolution, die derzeit nur als Entwurf vorliegt, die USA, resp. deren Präsident Donald Trump bewegen, seine Entscheidung rückgängig zu machen.

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Das Abstimmungsergebnis war peinlich. 128 Länder sprachen sich für die Resolution und damit gegen US-Präsident Donald Trump und gegen Israel aus, 9 Staaten waren dagegen, 35 enthielten sich und 21 blieben der Abstimmung fern.

Unter den gegen die USA und Israel stimmenden Staaten findet man fast die gesamte EU, aber auch die neutrale Schweiz, die sich konsequent als pro-palästinensisch und anti-israelisch zeigt. Der Stimme enthalten haben sich aus der EU Kroatien, Lettland, Polen, Rumänien, die Tschechische Republik und Ungarn.

Präsident Donald Trump ist konsequent. Er hat keine politischen Spielchen nötig. Für ihn gibt es nur pro oder contra. Er hat keine Familie hinter sich, die auf weitere Präsidenten hofft. Keine Kennedys, keine Bushs. Er hat das Glück, einfach er selbst sein zu dürfen.

Vielleicht ist er der erste Präsident, der wirklich gut für Israel und den Frieden im Nahen Osten sein wird.

Der Erfolg scheint ihm Recht zugeben.

Am Tag nach der UNO Abstimmung erklärte Tschechien seine Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt, liess aber die Absicht für einen Umzug der Botschaft noch offen. Rumänien und Guatemala haben indes den Umzug der Botschaft bereits angekündigt. Mit weiteren Staaten wird zur Zeit verhandelt.

 

©esther scheiner, israel

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