Gaza VII – Flieg Vöglein flieg!

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Die Frauen aus Gaza haben eine neue, demonstrationswichtige Aufgabe übernommen. Im Schein von Kerzen sitzen sie in den Zelten von Gaza und beschreiben kleine Zettel. Darauf immer die gleiche Botschaft:

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Im Prinzip eine wirklich friedliche Art der Demonstration. Immerhin, Brieftauben gelten bereits seit dem Altertum als schnelle und zuverlässige Postboten. Ramses II liess so seine erfolgte Inauguration verkünden, Julius Caesar berichtete über die aufständischen Gallier und rief seine Soldaten herbei. Akko fiel kampflos an die Kreuzritter, nachdem diese eine Brieftaube Saladins abgefangen hatten, die Hilfe für die bedrängte Stadt ankündigte.

 

Brieftaube mit Fotokamera

Fototaube WK I – © Bundesarchiv

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Brieftaube Versteigerung € 500,–

Brieftauben sind teuer, sie können einige Hundert Euro kosten. Brieftauben haben aber auch ein Problem. Sie finden immer den Heimweg zu ihrem Nistplatz, aber nicht wieder zurück zum Abflugort. Wohin werden die Friedenstauben aus Gaza wohl fliegen? Vielleicht sollen sie in Gaza aber auch nur der moralischen Unterstützung und der Unterhaltung der Demonstranten dienen.

Sollte das die Absicht gewesen sein, so gibt es noch ein Beispiel eines nicht gelungenen Entertainment Versuches. Drei rechts-aussen Aktivisten aus Israel versuchten einen Feuerdrachen in Richtung Gaza zu schicken, um dort, sozusagen im Gegenrecht, einen Brand auszulösen. Der Versuch misslang und der auf israelischer Seite entfachte Brand konnte von der Feuerwehr gelöscht werden, bevor es zu einem nennenswerten Schaden kam. Ran Karmi Buzaglo, ein bekannter Aktivist und seine zwei Begleiter wurden kurzfristig zur Einvernahme angehalten. Nach ihrer Freilassung versicherte er, die Absicht der Aktion sei gewesen «Die Bewohner dieser Region, die durch die Feuerdrachen (aus Gaza) Schaden erlitten hätten, zu unterhalten und ihre Moral zu stärken.»Ein teures, gefährliches und hirnloses Tun!

Die IDF hat sich indessen zur Bekämpfung der Feuerdrachen etwas Unkonventionelles einfallen lassen. Kostengünstig und sehr effektiv! Kleine Modellflugzeuge, gesteuert mit Joy Sticks, werden an den Tragflächen mit äusserst scharfen Klingen ausgestattet, steuern den jeweiligen Drachen an und durchschneiden das Lenkseil. Der Drache stürzt ab und der Schaden geschieht, wenn überhaupt in Gaza. Laut IDF Berichten konnten am Freitag sieben Drachen gezielt zum Absturz gebracht werden.

Die folgenschwerste Terrorattacke wurden zum zweiten Mal auf den Übergang Kerem Shalom im Süden des Gaza Streifens ausgeführt. Dieser einzige Versorgungsübergang für den Gaza Streifen ist tagtäglich der Umschlagplatz für Waren- und Hilfsgüter Lieferungen.

Neben der Gasleitung nach Gaza und dem Verwaltungsgebäude sind nun auch andere Infrastrukturen auf palästinensischer Seite des Übergangs zerstört. Der geschätzte Schaden beläuft sich auf etwa 9 Millionen Dollar. Verteidigungsminister Liebermann kündigte gestern, am Samstag an, dass der Übergang bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Im Klartext heisst das: keinen Treibstoff, kein Gas, keine Medikamente, keine Lebensmittel, keine Baustoffe.

Trotz der Zerstörung des grössten Teils der Infrastruktur und der daraus resultierenden Sperre des Überganges Kerem Shalom werden heute im Laufe des Tages sechs LKW mit dringend notwendigen medizinischen Hilfsgütern durchgelassen werden.

Ägypten hat seit gestern, 12. Mai, den Grenzübergang Rafah für vier Tage geöffnet. In der Regel ist diese Öffnung allerdings eine Einbahnstrasse Richtung Ägypten, um Studenten an einer Universität, Kranken mit Behandlungsbedarf und Arbeitern mit einer Arbeitsbewilligung die Ausreise zu ermöglichen.

Für die Menschen in Gaza verschärft sich damit die Situation noch mehr. Mir tun diese Menschen, die mehrheitlich nur Eines wollen, ein Leben in Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung, unendlich leid. Und fast niemand in der Welt steht auf, um das Unrecht anzuprangern. Im Gegenteil, die Hilfsgelder fliessen nach wie vor und kommen kaum dort an, wo sie gebraucht werden.

Yahya Sinwar, Anführer der Hamas Terrororganisation in Gaza sagte in seiner ersten grossen Pressekonferenz, dass in der kommenden Woche Hunderttausende Palästinenser den Grenzzaun nach Israel durchbrechen und nach Jerusalem gehen werden. «Warum soll es ein Problem sein, einen Zaun zu durchbrechen, der niemals eine definierte Grenze war?» Er und andere Führer seien bereit, für ihren Kampf zu sterben.

Israel wird alles daransetzen, dass dies nicht geschieht.  Waren es in dieser Woche etwa 15.000 Demonstranten, die sich an fünf Orten entlang der Grenz zu Israel einfanden, rechnet die IDF in der kommenden Woche mit 17 Orten, von denen die Demonstrationen ausgehen werden.  Die IDF Präsenz vor Ort wurden bereits verstärkt. Es bestehen jedoch grosse Bedenken, dass Unruhen auf Ost-Jerusalem und das Gebiet Judäa und Samaria übergreifen könnten.

Besonders hoch wird die Aufmerksamkeit und Bereitschaft sein, wenn am Montag, 14. Mai die US Amerikanische Botschaft in Jerusalem eingeweiht wird und am darauffolgenden Tag der Nakba Tag (Tag der Katastrophe) stattfindet.

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So sehen echte Freiheitskämpfer aus, Ismail Haniyeh

Auch Ismail Haniyeh liess sich die Chance nicht entgehen, im Norden des Gaza Streifens ein paar aufmunternde Worte an die Aufrührer zu richten: « Wir erwarten den Grossen Marsch am 14. und 15. dieses Monats – das gesamte palästinensische Volk wird dann unterwegs sein!» Er selbst hat sich auf den Weg nach Kairo gemacht, wo er ein Treffen mit dem Chef des nicht militärischen Geheimdienstes  Abbas Kamel einberufen hat. Selbstverständlich, so betont er vor seiner Abreise, wird er vor Beginn der Demonstrationen am kommenden Montag wieder in Gaza sein, um an den Demonstrationen. Wahrscheinlich möchte er sich heldenhaft als erster in den Zaun werfen…..

Vor einigen Tagen offerierte die Hamas, in indirekte Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe einzutreten. Nota bene, in eine Waffenruhe, nicht in einen Waffenstillstand! Aber im Prinzip ist es gleichgültig, welcher Begriff hier zur Anwendung kommt. Auch in diesem Fall muss man leider wieder von Taqiyya ausgehen, dem Lügengespinst, das jeden Vertrag zum Platzen bringt, bevor die Tinte auf dem Papier trocken ist.

Das Angebot: Kein Terror mehr, Ende der «Blockade», umfangreiche Infrastruktur Projekte, Gefangenenaustausch.

Der Vermittler: Ägypten

Die Forderungen Israels:  Ende der Weiterentwicklung von Waffen, Ende des Tunnelbaus, Entmilitarisierung der äusserst militanten Izz ad-Din al-Qassam Brigaden.

Verhandlungen könnten, so Israel, nach Ende des Nakba Tages und des Marsches der Rückkehr begonnen werden.

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Aber wahrscheinlich ist der Vertrag ja schon wieder obsolet.  In der Nacht auf heute hat die IAF erstmals einen Tunnel gesprengt, der sich noch nicht auf israelischem Gebiet befand. Der Tunnel, der sich in unmittelbarer Nähe zum Personenübergang Erez befand, war bereits vor einiger Zeit entdeckt worden. IDF Sprecher Lt. Col. Jonathan Conricus brachte es in seinem Twitter account auf den Punkt: #HamasKillingGaza. Die Hamasterroristen tun wirklich alles, um ihre Mitmenschen zu quälen. Wenn sie nicht gestoppt werden, wird Gaza in nicht allzu langer Zeit lebensunfähig sein.

Nicht wegen Israel, sondern wegen des Terrorregimes, das dort mit Unterstützung von vielen Staaten wie die Made im Speck lebt und die Menschen zerstört.

 

 

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gaza VI –

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…. der Freitag der Arbeiter

(Gaza V ist nicht etwa verschwunden, in der letzten Woche gab es keinen Bericht von mir)

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Es gibt Menschen, die meinen, dass ein mit der Schleuder abgeschossener Stein nur ein Spielzeug ist. Und am menschlichen Schädel nicht mehr bewirkt, als die Landung einer Fliege. Ob wir die Geschichte von David und Goliath glauben, oder sie ins Reich der Legenden verschieben, spielt keine Rolle. Seit vorgestern, Freitag 4. Mai wissen wir, dass eine gut getroffene Drohne damit vom Himmel geholt werden kann. Plötzlich wird die David Geschichte glaubhafter! Die IDF bestätigte die Abschüsse, betonte aber auch sofort, dass der Verlust der Drohnen zwar bedauerlich sei, aber kein Sicherheitsrisiko darstelle.

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Teil der israelischen Drohne

Die beiden „Schützen“, denen es gelang, israelische Drohnen, die die Lage hinter der Sichtbarriere aus dickem schwarzem Rauch an der Grenze zu Gaza filmen sollten, abzuschiessen, wurden wie Helden gefeiert. Stolz wurden Trümmerteile gezeigt, es wurde gejubelt, gelacht, getanzt. Fast so, wie man es nach einem gelungenen Terroranschlag kennt.  Eifrige Hobbyfilmer und Pressemitarbeiter hatten die Szenen gefilmt. Leider nicht sehr ausdrucksstark. Man sieht nur einen kleinen Punkt, der trudelnd zu Boden fällt. Ein Fest in Gaza, nur dass es keine Umzüge und keine Süssigkeiten gab, wie nach einem tödlichen Terroranschlag.

 

Die Frauen hatten anderes zu tun. Ihre Hauptaufgabe besteht meist darin, die „kämpfenden Männer“ der „friedlichen Demonstrationen“ mit Wasser und Essen zu versorgen. Einige halten auch den Kontakt zu den „Social Media“ Gruppen, die sie virtuell unterstützen. Ihre Basis sind die Zelte, die etwas weiter von der Grenze entfernt aufgebaut wurden. Aber, ganz im Sinne von neuem weiblichen Selbstbewusstsein – oder sollte man besser sagen, im Sinne von falsch definiertem Feminismus? – wollen sie auch ganz vorne mitmachen. „Einige sagen, wir können nicht das machen, was die Männer können. Andere sind besorgt, dass wir verletzt werden könnten. Und wieder andere unterstützen uns.“  berichtet Aya Abeid „Zweimal bin ich am Zaun gewesen und habe eine palästinensische Flagge gehisst. Das ist ein Ort, an den sich kaum jemand zu gehen traut. Ich habe auch Steine auf die israelischen Soldaten geschleudert.“Ist niemand da, der der 18-Jährigen sagt, sie solle daheimbleiben? Auch Jehad Abu Muhsen, 48, möchte etwas zum Kampf beitragen: „Ich komme drei oder vier Mal in der Woche mit einem Eselskarren hierher und bringe Reifen. Das ist das, was ich tun kann, um zu helfen. Getötet wurde noch keine der „mutigen Frauen“, aber es gab schon einige, die verletzt wurden.

Die fliegenden Drachen haben leider mittlerweile in der israelischen Landwirtschaft beträchtlichen Schaden angerichtet. Obwohl in alle Kibbuzim in der Nähe des Gaza-Streifens andauernd Patrouillen stattfinden und auch die Feuerwehren in steter Alarmbereitschaft stehen, gelingt es nicht immer, entfachte Brände zu löschen.

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Mehr als 800 Dunam an landwirtschaftlich genutzten Flächen sind verbrannt und für einige Jahre nicht nutzbar. Ein Waldgebiet konnte erst nach dem Grosseinsatz von einigen Feuerwehren gelöscht werden. Auch hier wird es Jahre dauern, bis der Wald wieder aufgeforstet worden ist. Für die Bauern der Region ist das ein völliger Ausfall ihres Einkommens. Wohl haben die Steuerbehörden und das Finanzministerium eine Entschädigung der Schäden in Aussicht gestellt. Auch wenn man versprach, unbürokratisch vorzugehen, es wird Monate dauern, bis die Gelder ausgezahlt werden. Die Regionalverwaltungen sind ungehalten über den Obersten Gerichtshof. „Statt sich unserer Probleme anzunehmen, verhandelt man dort lieber mit linken Menschenrechtsorganisationen, die verlangen, den Soldaten Handschellen anzulegen. Dabei sind auch Steinwürfe und Feuerdrachen ein Verbrechen. Beide haben bereits Schaden angerichtet und werde es weiterhin tun. Neben dem ökonomischen Schaden gefährden beide auch Menschenleben.“

Mit diesem unkonventionellen Kampfstoff hat die IDF noch Probleme. Es müssen erst Mittel und Wege gefunden werden, die Brandsätze vor der Landung auf israelischem Territorium abzufangen.

Avichai Edry, Leiter des arabisch-sprechenden Kommunikationsbüros des IDF Sprechers informierte die Gazaner entlang der Grenze „Das Problem der brennenden Drachen ist nicht etwas, das wir nicht sehen. Wir nehmen das Problem sehr ernst. Explosive Drachen sind kein Kinderspielzeug. Aus der Sicht der IDF ist die Hamas füralles verantwortlich, was innerhalb von Gaza geschieht oder von dort losgeschickt wird. Einwohner von Gaza – die Hamas missbraucht euch und zieht euch in einen Strudel des Terrors. Am „Freitag der Arbeiter“, wie die Hamas es nennt, schlagen wir euch vor: Hört auf für Hamas zu arbeiten und beginnt, für euch selbst zu arbeiten und eure Probleme zu lösen.“Ein Aufruf, der leider wieder ungehört verhallen wird.

Am Freitag starteten die Terroristen, anders mag ich die Demonstranten gar nicht mehr nennen, ihre bis anhin letzte Wahnsinnstat. Sie setzten Anlagen des wichtigen Grenzübergangs Kerem Shalom in Brand. Über diesen im Süden des Gazastreifens gelegenen Übergang liefert Israel tagtäglich tonnenweise Material nach Gaza. Bei gewaltsamen Eindringen in den palästinensischen Teil des Übergangs wurden die Verwaltungsbüros angezündet, der Treibstofftank, der die Generatoren betreibt und die Benzinpumpen wurden zerstört. Die Schäden, die hierdurch entstanden, richteten bei der Versorgung des Gaza Streifens nachhaltigeLückenan. Es wird Wochen dauern, den vollen Normalbetrieb wieder aufzunehmen.

Ein Schaden, der, nota bene, nur indirekt Israel betrifft, sondern ausschliesslich das eigene Volk. Schwachsinn? Zerstörungswut? Verblendung?

Die IDF beschallte die meist jugendlichen Terroristen über das vorhandene Lautsprechersystem: „Hamas hat dich hierhergeschickt, du bist nur ein Junge! Geh studieren, suche dir einen Job! Hamas wird nicht für dich sorgen!“

Zwischen 7.000 und 10.000 Demonstranten waren es gestern, mehr als die doppelte Zahl der beiden Vorwochen.

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Präsident Abbas, wirklich kein Mann milder und friedensstiftender Worte, forderte in der vergangenen Woche auf: „Haltet junge Männer von der Grenze entfernt, führt die Kinder weg von dort, wir wollen nicht zu einem Volk von Menschen mit einer Behinderung werden.“ 

Ismail Haniyeh, Führer der Hamas Terrororganisation, forderte vor einigen Wochen die Gazaner auf, ihre Proteste an der Grenze zu Israel fortzusetzen, auch wenn sie bereits Todesopfer gefordert hätten. „Gaza ist in eine neue Szenerie des friedlichen und populären Widerstandes eingetreten.“ 

Ob das genau das traf, was Präsident Abbas gemeint hatte? „Hamas hat begonnen, den populären Widerstand mit friedlichen Methoden zu übernehmen. Ich gratuliere ihnen dazu, dass sie zugestimmt haben, dass ein friedlicher Widerstand weitaus effektiver ist.“ 

 

© esther scheiner, israel

 

 

 

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2018 beginnt das Giro d’Italia in Jerusalem…

.. zu Ehren von vier italienischen Gerechten unter den Völkern

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Seit 1909 gibt es das Giro d’Italia, das nach der Tour de France zweitwichtigste Strassenrennen der Welt. Zwar führte das Giro schon häufiger ins Ausland, begann aber noch nie ausserhalb Europas.

Die erste Teiletappe beginnt am kommenden Freitag, 4. Mai in Jerusalem. Am Samstag führt der Weg von Haifa über Akko, Zichron Yaacov, Caesarea nach Tel Aviv. Die längste Strecke müssen die Fahrer am Sonntag absolvieren. Die Strecke führt an diesem Tag von Be’er Sheva nach Eilat. Ab Dienstag 8. Mai verläuft das Rennen dann auf italienischem Gebiet, bevor es am Sonntag, 27. Mai in Rom endet.

In Zichron Ya’acov läuft schon seit Wochen die Planung. In der vergangenen Woche durften einige Radler die Strecke unter „Wettbewerbsbedingungen“ abfahren. Die Strecke war geschmückt. Hunderte Schaulustige spendeten herzhaften Beifall, wenn sich wieder der eine oder andere Fahrer über den Anstieg aus dem Tal heraufgequält hatte. Die Stimmung war so gut, dass man sich für das eigentliche Spektakel nicht Besseres wünschen kann.

Der Wetterbericht für die kommenden Tage ist gut, die derzeitige Hitze und die starken Winde sollen abflauen, für Samstag sind nur mehr 24° prognostiziert.

Warum beginnt diese italienische Nationalveranstaltung im Jahr 2018 in Israel?

Gino Bartali

Gino Bartali bei der Schweizer Meisterschaft in Zürich, die er 1946 und 1948 gewann

Der Grund ist ein Mann namens Gino Bartali.  Geboren wurde er am 18. Juli 1914 in Ponte a Ema (Toskana). Der winzige Ort profitiert einzig durch seinen bekannten Bürger, dem auch ein kleines Museum gewidmet ist.

Gino Bartali wird auch der „radelnde Mönch“ genannt. Tiefgläubiger Katholik, wie viele Menschen es in den ländlichen Gegenden Europas waren, war er der Mystiker unter den Rennfahrern. Wortkarg, verschwiegen, eigensinnig. Jeden Renngewinn teilte er unmittelbar nach dem Erhalt unter der Mannschaft auf. Jede Etappe beendete er mit einem Gebet. 1937 trat er als Laie in den Dritten Orden der Karmeliter ein.

Als er im Jahr 1948 die 35. Tour de France gewinnt, erzählt er, er habe seinen Sieg auf er Etappe Biarritz-Lourdes als Omen angesehen. Dieses Rennen ist das erste, das vom französischen Fernsehen teilweise übertragen wird. 2000 Pariser Haushalte konnten so den Zieleinlauf und die Siegerehrung mitverfolgen.

Zwischen seinem ersten Sieg der Tour de France und diesem zweiten Erfolg lagen zehn Jahre. Es war die Zeit des Naziterrors, der so viele Menschen das Leben kostete.

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Seine Freundschaft mit dem damaligen Erzbischof von Florenz, Elia Dalla Costa brachte ihn in Kontakt mit einer katholischen Widerstandsbewegung. Seit der Machtübernahme der Nazis wurden ab 1943 auch italienische Juden in die Konzentrationslager deportiert. Gemeinsam mit dem Oberrabbiner von Florenz, Nathan Cassuto, den Nonnen eines Klarissinnen Klosters in Assisi und zwei Druckern, Luigi Brizi, sowie seinem Sohn Trento, hatte Elia Dalla Costa in Assisi ein Netzwerk des Widerstandes geschaffen. Etwa 800 Juden wurden mit neuen Papieren, die in Assisi gedruckt wurden, versehen und konnten so fliehen.

Gino Bartali stellte sich als Kurier zur Verfügung. Auch wenn zu der Zeit keine Radrennen stattfanden, war es durchaus glaubhaft, dass er, in der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende wieder trainierte. Und so fuhr er tagtäglich von der Toskana nach Umbrien, in die Abruzzen und wieder zurück. In den Gestängen seiner Velos säuberlich zusammengerollt die Papiere. Er radelte allein, unter den Augen der Nazis, geriet immer wieder in gefährliche Situationen, riskierte mehr als einmal sein Leben. An manchen Tagen fuhr er mehr als 300 Km.

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Die Druckerpresse, auf der die Dokumente gefertigt wurden © screenshot  Yad Vashem

 

 

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Einer der gefälschten Pässe, @ screenshot Yad Vashem

 

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Nathan Cassuto mit seiner Familie

Nathan Cassuto wurde im November 1943 von der SS gefangengenommen und mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert. Seine Frau überlebte, wanderte nach Israel aus und wurde während des Unabhängigkeitskrieges bei einem Überfall auf einen Krankentransport getötet. Ihre beiden Kinder überlebten den Krieg im Versteck bei einer christlichen Familie in Florenz.

Im Keller seines Hauses in Florenz versteckte Gino Bartali einige der jüdischen Familien, die er mit den Ausreisepapieren versorgte. Die Menschen, denen er mit zur Flucht verhalf, haben ihn nie gesehen. Das Essen wurde ihnen von seiner Frau gebracht, die offiziell nicht wusste, dass ihre Gäste Juden waren.

Er hat selten über seine Heldentat gesprochen. Seiner ältesten Enkelin, Gioia hat er früh eingeschärft, worauf es ankomme im Leben: «Demut, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit. Gewisse Medaillen heftet man sich nicht an die Jacke, sondern an die Seele.»

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Gino Bartali verstarb am 5. Mai 2000 in Florenz. Sowohl er, als auch Erzbischof Elia Dalla Costa und die beiden Drucker Luigi und Trento Brizi fanden posthum als „Gerechte unter den Völkern“ in Yad Vashem Aufnahme. Gestern, am 2. Mai, nahm seine Enkelin, Gioia Bartali von Avnet Shalev,  Vorsitzenden von Yad Vashem,  die Urkunde in Empfang, mit der ihr Grossvater zum Ehrenbürger Israels ernannt wurde.

 

© esther scheiner, israel

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Von Tel Megiddo zu Armageddon

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«Die Geister führten die Könige an dem Ort zusammen, der auf Hebräisch Har Magedon heisst.» (Offenbarung d. Johannes 16.16)

Am Har Megiddo, dem Berg Megiddo, hatten sich schon oft Schicksale entschieden. Nach der Flucht aus Ägypten und der anschliessenden 40 Jahre andauernden Wanderung ist das Volk der Israeliten nicht mehr das gottesfürchtige Volk, als das es Mose gern gesehen hätte. Immer wieder verletzt es die göttlichen Gesetze. Die Strafe dafür scheinen andauernde Bedrohungen durch eroberungssüchtige Nachbarn zu sein. In diesen Momenten der Gefahr erinnern sich die Israeliten, die von einem gemeinsamen Staat noch einige Zeit entfernt sind, wieder an Gott und flehen um Hilfe.

Der schickt immer wieder Menschen, oft in Form von Richtern, die das Volk erretten. Deborah ist unter den bekannten Richtern die einzige Frau, die als solche anerkannt wird. Sie setzt sich über die vorherrschenden patriarchalischen Strukturen hinweg und erkämpft sich ein eigenständiges Leben.

Debora befielt Barak mit einem grossen Heer gegen den kanaanitischen König Jabin zu ziehen. Die Schlacht soll am Berg Tabor, in Sichtweite von Megiddo, stattfinden. Barak fleht Deborah an, mit ihnen zu ziehen, auch wenn er selbst dadurch nicht in den Genuss des Sieges kommen wird. Er muss akzeptieren, dass der Tod von Jabins Heerführer Sisera durch eine Frau herbeigeführt werden wird. Durch den Tod Siseras können die Israeliten das Joch der Fremdherrschaft wieder für einige Zeit abschütteln.

Das Lied, dass nicht nur die Schlacht beschreibt, sondern vor allem auch die starke Deborah liebevoll schildert, gehört zu den ältesten Texten des Tanach und dürfte bereits um 1200 BCE entstanden sein.

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Schon vorher, am 26. April 1457 BCE (21. Schemu I /21. Tag des ersten Hitzemonats nach ägyptischer Zeitrechnung) fand eine andere grosse Schlacht bei Megiddo statt.  Hatschepsut (1495 – 14. Januar 1457 BCE) war eine der vier bekannten Pharaoninnen. Sie übte die Regentschaft für ihren Stiefsohn Thutmosis III aus. Hatschepsut war die Pharaonin der friedlichsten Zeit im antiken Ägypten. Zu ihren Lebzeiten fand nur ein bedeutender Feldzug statt, der mit der Einnahme von Gaza gegen Ende ihrer Regierungszeit endete. Thutmosis III liess sich bezeichnenderweise auf dem Vormarsch seines Heeres nach Norden in Gaza krönen.

Da zwischen dem Tod von Hatschepsut und dem Kampf in Megiddo nur sehr kurze Zeit vergangen war, geht man davon aus, dass Thutmosis III sie möglicherweise ermordete und der Feldzug schon zu ihren Lebzeiten vorbereitet worden war. Nach einem perfekt gelungenen Angriff auf die Verteidiger stiess das ägyptische Heer plötzlich auf passiven Widerstand – die Verteidiger hatten sich völlig in die Festung zurückgezogen. Ausgeklügelte Wasser- und Tunnelsysteme, die bis heute noch funktionsfähig sind, erlaubten es ihnen, sich einige Zeit mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen. Neun Monate musste der Ägypter die Festung belagern, bis er sie endlich erfolgreich einnehmen konnte. Statt die besiegten syrischen Fürsten zu ermorden oder in Gefangenschaft zu setzen, forderte Thutmosis III hohe Tributzahlungen. Mit der Eroberung von Meggiddo endeten die Eroberungszüge von syrischem Gebiet.

34 Mal wurde in und um Megiddo gekämpft.

Die letzte Entscheidungsschlacht fand zwischen dem Osmanischen Reich und Grossbritannien am 19. und 20. September 1918 statt. Es war die letzte grosse Schlacht des ersten Weltkrieges im Nahen Osten. Interessant ist, dass die Briten ebenso den Weg durch die schmale Schlucht von Südwesten aus in Richtung Megiddo nahmen, wie das Heer von Thutmosis III. Nach zwei Tagen war das Osmanische Heer ausgeschaltet und die Briten nahmen unter General Allenby ihr Hauptquartier im damaligen Westjordanland.

Zwischen den Schlachten und Kriegen träumte Megiddo einen teilweise beschaulichen Traum.

Die topografische Lage zwischen dem Mittelmeer im Westen und der arabischen Wüste im Osten, vom Süden her gut erreichbar über die Negev Wüste bis hinauf in den Libanon und weiter über die Türkei nach Europa bot sich an für die bekannten Handelswege der Antike. Seidenstrasse, Gewürzstrasse und Weihrauchstrasse, sie alle führten am Kreuzungspunkt Megiddo vorbei.

Die ältesten Zeugnisse andauernder Besiedlung gehen auf die Zeit um 4.000 BCE zurück, bereits 3.000 BCE ist die Stadt schon gut befestigt. Um 918 BCE wurde die Stadt völlig zerstört. In den folgenden Jahrhunderten war sie Teil von Ägypten, des Königreiches Israel, Assyriens, Persiens… Jeder Eroberer baute eine neue Schicht auf die bestehenden, so dass sich im Laufe der Zeit ein typischer Tell (künstlich entstandener Siedlungshügel) entwickelte. Seit mehr als hundert Jahren wird im Megiddo gegraben.

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Der Rundweg über das plateauförmige Megiddo ist wie ein Weg durch die Menschheitsgeschichte. Im Eingangsbereich kann man an Hand eines beweglichen Modells die verschiedenen Schichten erkennen.  Mindestens 20 Schichten haben die Archäologen gezählt. Sie wurden zerstört durch Kriege oder Feuer, oder verfielen zu Zeiten, in denen die Stadt nicht besiedelt war. An einigen Stellen kann man wunderbar die einzelnen Schichten erkennen, an anderen sind die einzelnen Schichten ineinander gestürzt, lassen sich nur mehr erahnen.

Oha woher kommen die Kisten denn?

Zeichen einer deutlich späteren „Kultur“  – Fundort: Grabungsstelle Südpalast

 

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Teile des Südpalastes

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Durch das Nordtor gelangt man zum Südpalast (Area L), ein Bereich, der um 1960 ausgegraben wurde. Auffallend ist, dass die Gebäude aus sorgfältig behauenen Quadersteinen erbaut wurden. Mit der noch nicht ganz so ausgefeilten Bearbeitung der Steinquader, wie später, zur Zeit Herodes.  Am Ende des Palastareals geht der Blick über die weite Jezreel Ebene bis hin zum Berg Tabor. Die hebräische Bedeutung des Wortes Tabor ist «Nabel». Er weist auf die besondere Bedeutung dieses Berges in verschiedenen Kulturen hin. In der Thora wird er als Kultstätte erwähnt, die Kanaaniter verehrten dort Ba’al, für die Christen ist er der Ort, an dem Jesus drei seiner Jünger in verklärter Form erschien und sich mit Moses und Elijas traf. Links am Horizont kann man Nazareth erkennen und eine Wegstunde entfernt einen kleinen Ort Namen Bethlehem Haglilit. Ich stehe nicht allein mit meiner Vermutung, dass Jesus hier und nicht im weit entfernten Bethlehem neben Jerusalem geboren wurde. Ist doch eigentlich naheliegend!

Um die Mittagszeit signalisiert ein immer lauter werdendes Brummen, das sich zu einem unglaublichen Crescendo steigert, dass Jagdflugzeuge auf die nahe gelegene Basis Ramat David zurückkehren, eine der drei grössten des Landes.

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© Hanan Isachar/ALAMY (Discover Magazin)

Einer der faszinierendsten Teile der Ausgrabung liegt zwischen dem Südpalast und dem Quartier der Handwerker und Händler (Area K). Hier reihen sich kleine Häuser aneinander, sie gleichen einer kleinen Stadt, die auf dem Reissbrett entstanden ist. Alle Häuser haben vier kleine Räume mit einem Innenhof in der Mitte. Interessant sind die Familiengräber, die zumeist in Rundbauten errichtet, einen Teil des Gebäudes ausmachen. Unter dem Fussboden eines Hauses hat man 22 Skelette aus der mittleren Bronzezeit gefunden (2200 – 1500 BCE). Immer wieder wurde eine Schicht über die andere gelegt, so sind zahlreiche Funde aus früheren Zeiten relativ gut erhalten.

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Zwischen dem Südpalast und diesem Wohngebiet liegt der optisch spektakulärste Bereich (schräg oberhalb von Area J). Lage um Lage wurde vorsichtig abgetragen. An den Felsen im Hintergrund kann man in diesem kraterartigen Gebiet die einzelnen Schichten erkennen, einige sind sehr gut erkennbar, bei anderen muss man genau hinschauen, um den Schichtverlauf erkennen zu können.

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Beeindruckend ist der runde Altar, der den Kanaanitern als Ritualort diente und der auf die frühe Bronzezeit (3500 – 2200 BCE) datiert wird. Wahrscheinlich haben ihn die nachfolgenden Generationen als «Kraftort» empfunden, was erklärt, dass auf diesem Altarhügel weitere Ritualplätze gebaut wurden.

Unterwegs bezeugen weitere relativ kleine Häuser das reiche Leben in Megiddo. Einige weisen Überreste von alten Backöfen auf. Die zerbrochenen Tongefässe lassen den Rückschluss zu, dass die «Stadt der roten Ziegel», wie dieser Teil der Ausgrabungen auch genannt wird, möglicherweise durch ein Erdbeben zerstört wurde. Nachdem die Tongefässe in den Öfen gefunden wurden, lassen sie sich zeitlich recht genau zuordnen. Man kann daher den Zeitpunkt des Erdbebens eingrenzen.

Untersuchungen mit Infrarot-Spektroskopie lassen die Vermutung zu, dass die Brände, die durch das Erbeben ausgelöst wurden, auf bereits vorhandene aktive Feuerstellen trafen. Professor Ruth Shahack-Gross von der Universität Haifa untersuchte im Auftrag des Weizmann Instituts wie schnell und bei welcher Temperatur diese einfach herzustellenden Ziegel zerstört werden. Die fertigen Ziegel setzte sie in einem Ofen hohen Temperaturen aus und fand heraus, dass sie nach nur 2 – 3 Stunden, in Abhängigkeit von der Grösse, auf 600°C aufgeheizt waren und zerbrachen. Das dürfte auch in etwa die Temperatur gewesen sein, die herrschte, als Megiddo den Flammen zum Opfer fiel. Dieses Erdbeben war, wie die Ausgrabungen belegen, das Ende der Zeit der Kanaaniter in der Stadt.

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Eine Ausgrabung von 2014 mit vom Feuer schwarz gefärbten Sedimenten. Die Wand besteht aus roten und gelblichen Ziegeln © Ruth Shahack-Gross

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Weitere Zeugen der ausgiebigen Landwirtschaft ist der Getreidesilo (Area Q). Das Besondere an diesem Bau ist, das sich auf der einen Seite eine schmale, steile Treppe nach unten windet und auf der gegenüberliegenden Seite das passende aufwärtsführende Gegenstück. Wer immer auch dort Getreide transportierte, er konnte es ungehindert und ohne Angst vor «Gegenverkehr» tun.

Pferdetränken in den Ställen des Salomon (Meggido)

Der letzte Höhepunkt der Wanderung durch das alte Megiddo ist der Besuch der Pferdeställe (unterhalb von Area Q) mit dem davor liegendem Exerzierplatz. Bekannt geworden sind die als Einzelboxen mit individuellen Futterkrippen für 450 Pferde konzipierten Ställe als «Ställe Salomons». Neuere Forschungen gehen jedoch davon aus, dass sie eher etwas später unter der Herrschaft von König Ahab gebaut worden sind.

Immer wieder gab es neue Entdeckungen, die spektakulärste wurde jetzt bekannt. Unter dem Arbeitsnamen «Grab Nr. 50» wurde eine Grabkammer entdeckt. Drei nahezu vollständig erhaltene Skelette, geschmückt mit Juwelen und umgeben von reichen Grabbeigaben wurden in der Hauptkammer aufgefunden. Unmittelbar daneben ein Beinhaus, mit den Gebeinen von sechs weiteren Menschen, die allerdings weit weniger liebevoll beigesetzt worden waren. Reichhaltige Lebensmittelvorräte sollten sicherstellen, dass auch im Nachleben kein Mangel herrschte. Sowohl die in der Grabkammer, aber auch in der darüber liegenden Schicht aufgefundenen Tongefässe lassen eine Datierung auf die Zeit der Kanaaniter um 1700 BCE zu. Das war die Zeit, als die Herrschaft der Kanaaniter in Megiddo einerseits ihren Machthöhepunkt hatte, wenig später dann aber von Thutmosis Armee gewaltsam beendet wurde.

 

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3-D Modell des Vorraumes zur Grabkammer Nr. 50 vor der Öffnung. Der eigentliche Eingang liegt am rechten unteren Rand und ist durch sei gegeneinander gelehnte Steine abgedeckt. © Adam Prins.

 

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Innenraum vom Grab Nr. 50. © Robert S. Homsher

Offensichtlich wurden hier Mitglieder der Königsfamilie, wenn nicht die Familie selber beerdigt. Eines der Skelette wurde als das eines etwa 40-jährigen Mannes identifiziert, das zweite als das einer Frau um die 30, und das letzte dürfte das Skelett eines 8 – 10-jährigen Kindes sein. Auch die unmittelbare Nähe zum königlichen Palast lässt diese Vermutung zu.

3600 Jahre blieb das Grab unentdeckt und ungeöffnet, keine Grabräuber kamen, um die Schätze zu stehlen, wie man es von den Gräbern der Pharaonen in Ägypten kennt. Thutmosis III hatte dieses Glück nicht. Als sein Grab 1898 entdeckt wurde, fand Victor Loret nur den Sarg, einige zerstörte Möbel und Statuen. Seine schlecht erhaltene Mumie, die sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo befindet, wurde in eine Nekropole nördlich von Theben umgebettet.

 

© esther scheiner, israel  inkl. der nicht anders beschrifteten Bilder

 

 

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Tag der Masken – Gaza IV

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Guy Fawkes, der einzige Mann, der jemals mit ehrlichen Absichten in das britische Parlament hineinging.

 

 

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Am 5. November 1605 plante Fawkes einen Sprengstoffanschlag auf den englischen König Jakob I. und das gesamte Parlament. Der Anschlag misslang. Fawkes entzog sich der Urteilsvollstreckung, indem er selber vom Galgen-Podest heruntersprang und sich das Genick brach.

Im Jahr 2002 wählten ihn die Briten auf Platz 30 der hundert bedeutendsten Landsleute.

1982 erschien ein Comic mit dem Titel „V for Vendetta“, der im Jahr 2005 verfilmt wurde. Er spielt im fiktionalen London um 2030. V, ein maskierter Freiheitskämpfer verfolgt den autoritären Staat mit zwei Zielen: er möchte einen gesellschaftlich-politischen Umsturz herbeiführen und eine persönliche Rache ausüben.

Die Maske, die V im Comic und auch im Film trägt, erinnert an Gay Fawkes, dessen Image sich im Laufe der Zeit änderte. Zu Lebzeiten wurde er als Terrorist gesehen, der er nach heutigem Rechtsempfinden auch war. Später wurde ihm das Etikett „libertärer Anarchist“ angeheftet. Heute sehen ihn die Kreise, die sich der Maske als Symbol und Tarnung zugleich bedienen als Freiheitskämpfer, der sich für die Freiheit des Einzelnen einsetzt.

 

Nun sind die Masken auch in Gaza angekommen.  Sie werden im Gesicht getragen oder auch auf dem Hinterkopf. Irgendwer hat offensichtlich eine Massenlieferung bestellt. Bei Amazon gibt es die hochweissen, nachgemachten Masken schon für weniger als € 5,– zu kaufen. Für die leicht gelblichen Originale, muss man entweder tiefer in die Tasche greifen, oder einen 3-D-Drucker haben. Beides sollte im wirtschaftlich gut vernetzten Gaza Streifen für Hamasterroristen kein Problem sein.

Nur mehr etwa 3.000 protestbewegte Gazaner kamen am vierten Freitag (20.4.) an den Grenzzaun. In den Tagen vorher hatten sie ihre Zelte, in denen sie bis zum 15. Mai ausharren wollen, um etwa 50 Meter in Richtung Grenze bewegt.

Die oberste palästinensische Behörde des Protestes liess am Mittwoch in der arabischen Zeitung al-Resalah verlautbaren: „Die Verlegung der Zeltstadt dient als Fortsetzung des nationalen Programmes „Marsch der Rückkehr“ und der Beendigung der Besatzung. Es ist eine starke Nachricht unseres Volkes an die Welt um uns herum, dass wir weitermachen mit dem Ziel, unsere legitimen und andauernden Ziele zu erreichen. Die Verlegung des Lagers ist ein erster Schritt.“

1.6013130.1477578184Am Freitagvormittag waren von der IDF Flugzettel über Gaza abgeworfen worden. Neben Piktogrammen mit verbotenen Waffen und Sprengkörpern, die auf keinen Fall in die Nähe der Grenze gebracht werden durften, enthielten sie scharfe Warnungen an die Bevölkerung von Gaza. “Ihr nehmt an gewaltsamen Störattacken teil. Hamas nutzt euch aus, um terroristische Attacken auszuüben. Die IDF ist für jedes Szenario gerüstet. Nähert euch nicht dem Zaun und versucht nicht, ihn zu beschädigen. Vermeidet es, Waffen zu tragen und gewaltsame Angriffe gegen israelische Sicherheitskräfte und Zivilisten auszuüben. Bleibt terroristischen Gruppen ebenso fern, wie jenen, die gewaltbereit sind. Die IDF wird gegen jeden Versuch, den Zaun und Teile davon zu beschädigen vorgehen. Das gilt auch für das Beschädigen von militärischer Ausstattung. Hamas missbraucht euch, um ihre Interessen voranzutreiben. Folgt ihren Anweisungen nicht, sie gefährden euer Leben. Es ist möglich, sich anders zu verhalten. Eure Zukunft liegt in euren Händen.“

Die IDF tut wirklich alles, um „nützliche Opfer“ der Hamas zu vermeiden!

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Tage zuvor hatte der Islamische Jihad ein Video veröffentlicht, das israelische Soldaten im Fadenkreuz von palästinensischen Scharfschützen zeigt. Es war das zweite Video dieser Art. Mit dem Unterschied, dass diesmal COGAT Chef Major General Yoav Mordechai und der Chef des Südkommandos, Major General Eyal Zamir zu erkennen waren. Das Video wurde aus einem Haus in Gaza aus aufgenommen wurde. Die Nachricht am Ende des Films lautete „Ihr ermordet unsere Leute kalten Blutes und fühlt euch sicher dabei. Aber die Zielfernrohre unserer Scharfschützen sind schon auf eure Kommandanten gerichtet.“ 

Leider kam es am Freitag zu einem dramatischen Todesfall, der nun intensiv von der IDF untersucht wird.

Wenn die Bilder und Videos der palästinensischen Journalisten sich als echt erweisen, wurde ein 15-jähriger Jugendlicher mit einem Kopfschuss getötet. Bisher galt es als gesichert, dass der Einsatz von scharfer Munition nur und ausschliesslich nach einer entsprechenden Befehlsfreigabe von direkten Vorgesetzten erfolgen darf. Der Schuss darf maximal bis in Kniehöhe abgegeben werden, so dass der Getroffenen zwar ausser Gefecht gesetzt wird, aber keinesfalls getötet werden darf.

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Die bisher einzige glaubhafte Aussage stammt von der Mutter von Mohammad Ayoub, die ihm verboten hatte, zu den Demonstranten zu gehen. Kurz nachdem die Flugzettel abgeworfen worden seien, sei er einfach davongelaufen. Seiner Tante hatte er noch gesagt, er würde in einer Stunde wieder daheim sein.

In einem israelischen TV Sender wurde berichtet, er hätte versucht, den Grenzzaun zu beschädigen und dazu bereits die erste Stacheldrahtsperre überwunden. Ein palästinensischer Journalist beschrieb gegenüber APA, dass der Junge 150 m hinter dem Zaun gestanden und Schutz gesucht habe.

Lassen wir es hier undiskutiert, dass das militärische Sperrgebiet bei 300m liegt und dies den Gazanern auch kommuniziert wurde.

Lassen wir es hier auch undiskutiert, was ein 15-jähriger Junge dort zu suchen hat.

Lassen wir es hier auch undiskutiert, wer seine Kinder so wenig liebt, dass er sie in diesen Krieg ziehen lässt.

 

Verteidigungsminister Avigdor Liberman  machte Hamas für den Tod des Jungen verantwortlich:  „Die Hamasführer sind die einzig Schuldigen am Tod des Jungen, die feigen Anführer, die sich hinter Frauen und Kindern verstecken und diese dann als menschliche Schilde vorschicken. Sie können in der Zwischenzeit in Seelenruhe weiter ihre Tunnel graben und Terrorattacken gegen Israel unternehmen.“Der Zusammenhang wird erst auf den zweiten Blick klar. Während die Weltöffentlichkeit mantramässig Israel beschuldigt, sieht keiner, was sonst noch in Gaza geschieht. Aus dem eigentlichen Hauptschauplatz wird ein Nebenschauplatz.

Der Koordinator für den Friedensprozess im Mittleren Osten, Nickolay Mladenov, kommentierte: „Es ist unerhört, Kinder zu erschiessen! Wie kann das Töten eines Kindes in Gaza heute dem Friedensprozess helfen? Es hilft nicht! ….Es löst nur Wut aus und führt zu weiterem Töten. Kinder müssen vor Gewalt geschützt und ihr nicht ausgesetzt werden. Und dürfen nicht getötet werden! Dieser tragische Vorfall muss genauestens untersucht werden.“

 

Ja, stimmt, es hilft nicht! Wie kann man Kinder erschiessen? Es ist ein Verbrechen, unschuldige Kinder zu erschiessen. Aber wenn das Kind zu Waffe gemacht wird, missbraucht wird von Fanatikern und Terroristen? Wie kann man erkennen, wie alt diese Waffe ist? Der einzige Schutz ist, Kinder aus diesem miesen Spiel herauszuhalten. Und dieser Schutz wird ihnen nicht gewährt.

Der israelische UN Botschafter Danny Danon rief die UNO dazu auf, endlich die Hamas zu verurteilen, weil sie immer noch und immer wieder Kinder als Schutzschild für ihre Terroraktivitäten missbraucht. „Hamas fördert die Gewalt gegen Israel mit allen Mitteln, wie Molotow-Cocktails und andere Schaden anrichtende Dinge, um die Grenze zu beschädigen und nach Israel zu infiltrieren. Ich fordere die UNO Repräsentanten auf, die Hamas ebenso für ihre Aufrufe zur Gewalt zu verurteilen wie für ihren gewissenlosen Missbrauch von Frauen und Kindern, die sie der Gewalt aussetzen.“ 

 

 

© esther scheiner, israel

 

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Tag der fliegenden Drachen – Gaza III…

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… ein Rückblick und ein zaghafter Blick in die Zukunft

Um den Unterhaltungswert der auf insgesamt mehrere Wochen geplanten Demonstrationen mit dem offiziellen Titel «Marsch der Rückkehr» zu steigern, war für den vergangenen Freitag, 13. April etwas ganz Besonderes geplant.

Zahlreiche bunte Drachen sollten von Gaza aus über die Grenze nach Israel fliegen. Gross und bunt sollten sie sein. Und eine ganz besondere Fracht mit sich führen, bereits brennende kleine Kanister, die die Weizenfelder der grenznah gelegenen Kibbuzim anzünden sollten. Unterstützend sollten Molotowcocktails geworfen werden, die beim Aufprall explodieren und ebenfalls zu einem Brand führen sollten. Die Folge dieser Brände wäre ein riesiger wirtschaftlicher Schaden für die Bauern gewesen. Der Sommerweizen ist trocken und fast reif, braucht aber noch ein wenig Zeit. «Bauern, die jetzt ernten müssen, verlieren viel Geld. Noch ist das Getreide nur als Tierfutter geeignet.» stellte einer der Betroffenen klar. Nachdem aber weder die Wurftechnik, noch der Wind die erwünschten Erfolge brachte, konnte die Feuerwehr die entstandenen kleinen Brände rasch löschen.

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Eine bittere Beschwerde eines Sprechers aus dem Transportministerium der PA, Mohammed Hamdan, in einem Interview stellt Israel wieder einmal als Verursacher aller wirtschaftlichen Engpässe in Gaza da: «Wir wurden von israelischer Seite informiert, dass der Import von Autoreifen bis auf Weiteres eingestellt ist. Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Einstellen der Reifenimporte eine negative Auswirkung auf die Palästinenser in Gaza haben wird. Insbesondere nachdem es bereits jetzt Versorgungslücken gibt. Wir werden alles daransetzen, dass Israel seine Entscheidung nochmals überdenkt.» 

Die Teilnehmerzahlen waren am Freitag mit etwa 10.000 Demonstranten wiederum niedriger, als in der Vorwoche und blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Entsprechend palästinensischen Quellen gab es am Freitag einen Toten und knapp 1.000 Verletzte, darunter zwei Journalisten und vierzehn Sanitäter. Laut Ma’an News wurden neun Personen durch scharfe Munition verletzt, alle anderen litten an Rauchgasvergiftungen oder Verletzungen mit Gummigeschossen. Die IDF bestätigt hingegen einen Toten und 200 Verletzte, Zahlendifferenzen, die wir bereits aus der Zeit von Gaza 2014 (Fels in der Brandung) kennen.

Zum Gedenken an dem zweiten Protestfreitag (6. April) erschossenen Journalisten Yasser Murtaja wurden an einigen Orten grosse Poster mit seinem Bild und Namen aufgestellt.  Schon seine Beisetzung, an der auch Hamas Chef Ismail Haniyeh teilnahm, geriet zur Märtyrerverehrung. «Reporters without Borders» beschuldigte Israel, den Journalisten in Ausübung seines Berufes willentlich erschossen zu haben. Bekannt geworden war Murtaja durch seine Arbeit mit Drohnen. Auch an jenem Freitag soll er eine Drohne zum Einsatz gebracht haben, die über israelisches Gebiet geflogen und von dort informative Bilder mitgebracht haben soll. Der Fall wird derzeit noch intensiv untersucht.  Ob er nun tatsächlich ein ranghoher Terrorist der Hamas war, wie behauptet  wird, oder nicht, werden erst weitere Untersuchungen ergeben. Eine Sprecherin des US Aussenministeriums erklärte, dass ihres Wissens nach Yasser Murtaja gerade überprüft wurde, ob er geeignet sei von der US Agentur für internationale Entwicklung (US-Aid) Fördergelder zu erhalten. Routinemässig wird auch jeweils die IDF zu den in Frage kommenden Empfängern befragt, zu Yasser Murtaja gab es möglicherweise keine entsprechenden Akten.

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Was innerhalb des militärischen Sperrgebietes ein älterer Mann mit Krücken zu suchen hat, inmitten einer Gruppe, die gerade Sprengladungen am Grenzzaun anbringen will, entzieht sich meinem Verständnis. Dieses perfekt orchestrierte Bild könnte betitelt sein: «Friedliche Demonstranten und bereits vom heldenhaften Kampf gezeichneter Anführer bereiten Angriff vor. Die Presse dokumentiert das völlig harmlose Verhalten.» Ein etwas sperriger Titel, aber das ist bei modernen Bildern nichts Ungewöhnliches.

Ein Blick zurück in die Geschichte um 1948. Das arabisch-palästinensische Narrativ, das immer wieder herhalten muss, wenn Palästinenser auf ihr Recht nach Rückkehr pochen und dies von der UNRWA gerne unterstützt wird, heisst Naqba, Katastrophe. Mit diesem Begriff wird die gewaltsame Vertreibung der Araber aus ihren Häusern, Orten und Städten bezeichnet, die die Grundlage für die einzigartige Vermehrung von 750.000 Flüchtlingen im Jahr 1948 auf mehr als 5 Millionen heute, legte.

In seinem 2016 erschienenen Buch «Refuting the Anti-Israel Narrative» lässt Jeremy Havardi Politiker und andere Meinungsbildner zu Wort kommen, um das in der Welt vorherrschende verzerrte Bild zu korrigieren. Bereits 1991 veröffentlichte Yitschak Ben Gad sein Buch «Politics, Lies and Videotape», in dem er sich der Thematik noch umfassender annimmt.

So wird Abu Mazen (Mitglied des Exekutivrates der PLO) zitiert: «Arabische Truppen sind nach Palästina gekommen, um die Palästinenser vor der zionistischen Tyrannei zu schützen. Doch stattdessen haben sie sie aufgegeben, sie gezwungen zu emigrieren, ihre Heimat zu verlassen. Sie haben sie politisch und ideologisch paralysiert und sie in Gefängnisse geworfen, die den Gettos ähnlich waren, in denen die Juden in Europa gelebt hatten…..»  (Falestin el-Thawra, Beirut, März 1976)

Ein Aufruf der Histadrut und des jüdischen Arbeiterrates Haifa vom 28. April 1948 forderte auf Plakaten die Araber dringend auf zu bleiben: «Zerstört eure Häuser nicht mit eignen Händen, gebt eure Einkommensquellen nicht auf. Stürzt euch nicht selber in eine unvermeidbare Katastrophe, indem ihr grundlos flieht. Wenn ihr geht, werdet ihr in Armut und Elend enden. Aber hier in Haifa findet ihr und eure Familien weit offene Türen zur Arbeit, zum Leben und zum Frieden. Aufrechte und friedliebende Arbeiter! Der Arbeiterrat von Haifa und die Histadrut fordern euch zum eurem eigenen Besten auf, in der Stadt zu bleiben und zur gewohnte Arbeit zurückzukehren!»

Der jordanische König Abdullah macht in seinen Memoiren die palästinensische Führung für das Flüchtlingsproblem verantwortlich: «Die Tragödie der Palästinenser ist, dass die meisten ihrer Führer sie mit falschen und substanzlosen Versprechungen belogen haben. Sie wären nicht allein und 80 Millionen Araber und 400 Millionen Moslems würden sofort und auf wundersame Weise zu ihrer Hilfe herbeieilen.»  (Yehoshofat Harkabi, Arab Attitudes To Israel, Jerusalem: Israel Universities Press, 1972, p. 364).

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Am Mittwochabend, am 18. April 2018 beginnt eine Stunde nach Sonnenuntergang mit dem Ende von Yom HaSikaron der 70. Geburtstag von des Jüdischen Staates Israel. Vierzehn Bürger Israels sind eingeladen, feierlich die Fackeln zu entzünden. Unter ihnen sind in diesem Jahr Mowafaq Tarif, dessen Familie seit 1753 das geistige Oberhaupt der Drusen stellt.

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Margalit Zinati wurde 1931 in Kfar Peki’in in Galiläa geboren. Der Stammbaum ihrer Familie lässt sich bis zur Zeit des zweiten Tempels zurückverfolgen. Damals lebte im Dorf eine lebendige jüdische Gemeinde. 1938 wurden sie von den Briten gezwungen, ihr Dorf zu verlassen und zogen nach Hadera, was sie als «Exil» empfanden. Nur ihre Familie kehrte nach zwei Jahren in den Heimatort zurück. Margalit hat nie geheiratet, um nicht, wie es der Brauch verlangt hätte, das Dorf verlassen zu müssen. Sie ist heute die letzte Jüdin, die in der von Drusen und Arabern bewohnte Gemeinde lebt.

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Aviezri Siegmund Fraenkel ist ein bekannter israelischer Mathematiker, der sich mit zahlreichen Projekten einen Namen machte. So entwickelte er einen der ersten Grossrechner am Weizmann Institut und erstelle eine umfassende elektronische Textsammlung hebräischer Texte. 2014 wurde einer seiner Enkelsöhne, Naftali Fraenkel zusammen mit zwei anderen Jugendlichen von Hamasterroristen entführt und ermordet.

70 Jahre, in denen sich die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern kontinuierlich verschlechtert haben. Die jüdische Katastrophe, die Shoa, endet mit dem Ende des Naziterrors und der Gründung des Staates Israel im Mai 1948. In diesem Datum sehen die Palästinenser die Naqba, ihre Katastrophe. Und sie beschuldigen uns, daran die Schuld zu tragen. Es ist an der Zeit, die Geschichte nicht neu zu schreiben, aber neu zu akzeptieren.

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Nur so kann eines Tages der Traum von Ben Gurion und den anderen Mitunterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung wahr werden: »Wir wenden uns – selbst inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind – an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufrufe, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen.

Wir reichen allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem unabhängigen hebräischen Volk in seiner Heimat auf.» 

Aber, die angebotene Hand muss auch angenommen werden! Und davon sind wir leider noch lange entfernt.

Und noch einmal Palliwood

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© esther scheiner, israel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Rollen vom Toten Meer in Denver – 930 Manuskripte, mehr als 10.000 Fragmente – das weltgrösste Puzzle!

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Von Andrea Jacobs, IJN Redakteurin

Veröffentlicht mit freundlicher Bewilligung der Intermountain Jewish News, Denver,

Am zweiten Tag der Ausstellung der «Rollen vom Toten Meer» im Denver Museum für Natur und Wissenschaften, war die Suche nach einem Parkplatz genauso schwierig, wie der Versuch, ein Ticket für diese hochangesehene Präsentation zu ergattern.

Studenten, Lehrer, Eltern mit Kinderwagen, Jugendliche, ältere Menschen, Akademiker, Touristen haben sich an diesem kalten, verschneiten Morgen vor dem Eingang zum Museum versammelt. Organisiert von der Israelischen Antiquitäten Behörde (IAA), umfasst diese Ausstellung unvorstellbare Schätze: zehn Rollen (einige von ihnen wurden noch nie ausgestellt) und über 6.000 hebräische Ausstellungsstücke.

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Photo: A. Kolesnikov

Die zufällige Entdeckung der Rollen im Jahr 1947 durch junge Beduinen klingt wie eine Spionagegeschichte. Sie begann mit einer verirrten Ziege. Der Staat Israel stand kurz vor seiner Entstehung. Der Schäfer Muhammed edh-Dhib und zwei Freunde verloren inmitten der trockenen Umgebung von Qumran, am nordwestlichen Ufer des Toten Meeres eine Ziege. Er vermutete, dass sie sich in einer Höhle befand, ging hinein, warf einen Stein – und zerbrach ein tönernes Gefäss. Dort fand er eine Sammlung von antiken Gefässen und dazwischen ein Pergament, das mit einer ausgebleichten Schrift beschrieben war und in zerschlissenes Leinen eingewickelt war.

Edh-Dhib war ahnungslos auf einen der grossartigsten historischen und archäologischen Schätze gestossen.

Ohne sich des Wertes bewusst zu sein, brachten Edh-Dhib und seine Freunde das Fragment zu Kando, einem Antiquitätenhändler aus Bethlehem. Kando wies ihn an, zurückzugehen und nach mehr zu suchen. Die Beduinen kamen mit sieben Rollen zurück, verkauften davon vier an Kando und drei an einen Händler namens Salahi. Kando verkaufte die Rollen weiter an Erzbischof Samuel, den Vorsteher des syrisch-orthodoxen Klosters St. Markus in Jerusalem.

Als Professor Eliezer Lipa Sukenik von der Hebräischen Universität von diesen ungewöhnlichen Rollen erfuhr, arrangierte er ein Treffen mit einem armenischen Händler im von Briten beherrschten Militärgebiet entlang der Grenze zu Jerusalem.

Der Armenier hielt ein Fragment hoch und Sukenik spähte durch den Stacheldraht. Er erkannte die archaische Schrift und traf sich mit Salahi, um dessen Rollen in Bethlehem zu sehen. Dort erkannte er ungläubig eine 2.000 Jahre alte Entdeckung. Sukenik erwarb Fotos von den drei Rollen im St. Markus Kloster und veröffentlichte sie 1948.

Im Jahr darauf schmuggelte der syrisch-orthodoxe Erzbischof Samuel seine vier Rollen nach New Jersey. 1954 platzierte er ein Inserat im Wall Street Journal und bot die vier Rollen zum Verkauf an. Yigal Yadin, der Sohn von Prof. Sukenik, selbst ein gefeierter Archäologe (und später hochrangiger Politiker) erwarb die Rollen für den Staat Israel.

1965 baute Israel den «Schrein der Bücher», um dort die sieben Rollen gemeinsam unter einem Dach zu beherbergen.

Während der letzten 71 Jahre wurden 90 Manuskripte und mehr als 10.000 Fragmente, die alle von den Essenern stammen, entdeckt. Man sagt, dass diese jüdische Sekte dort zwischen 140 BCE und 70 CE gelebt hat.

Seit die Rollen nach ihrem 2.000 Jahre andauernden Schlaf erwacht sind, sind sich Archäologen, rivalisierende religiöse Gruppierungen und Akademiker verschiedener Fachrichtungen immer wieder gegenseitig auf die Zehenspitzen getreten, um Zugang zu ihren fragilen Geheimnissen zu bekommen. Die Rollen sind das grösste Puzzle der Geschichte. Zehn Rollen, wunderbare Pergament Schnipsel, sprichwörtlich der Geschichte entrissen, liegen im Museum. Dort können wissenschaftliche Beweise und ihr schwer zu lösendes Geheimnis gut miteinander existieren.

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Jennifer Moss Logan, IAA

Niemand versteht das besser, als Jennifer Loss Mogan, die Museumspädagogin, die Intermountain Jewish News durch die Ausstellung führt. Was folgt, ist kein schrittweiser Reisebericht über Ausstellungsstücke, die 3000 Jahre alt waren bevor sie entdeckt wurden. Es ist eine facettenreiche Unterhaltung über die Rollen, eine sichtbar gewordene Erzählung vom geheimnisvollen Überleben und eine akademische Jagd im Versuch, die radikale jüdische Sekte zu verstehen, die sie erschaffen haben und dann urplötzlich verschwanden. Ein Puzzle dieser Grösse kann nicht allein gelöst werden.

Logan, die immer wieder vor einem der Ausstellungsstücke stehenbleibt, bevor man zu der besonders beachteten Halle der Rollen kommt, sagt: «Unsere biblischen Texte bezeugen den unmittelbaren Weg, der zum Monotheismus führte, z.B. dem Bruch mit den Hausgöttern. Es ist faszinierend. Aber was ich an dieser Ausstellung am meisten liebe, ist die Art, wie sich die Ausstellungsstücke in vorhandene Lücken einfügen und die darunter liegende verwirrende Geschichte erzählen.» sagt sie und zeigt auf eine Sammlung von winzig kleinen, für den Haushalt geschaffenen, Idolen, die etwa aus dem 10. bis 7. Jahrhundert BCE stammen. «Es ist klar, dass die Menschen Zeit brauchen, den Text zu verstehen.»

Ob man Gegenstände untersucht, die aus der Zeit des Ersten Tempels stammen, der um 586 BCE zerstört wurde, oder solche, aus der Anfangszeit des Zweiten Tempels, etwa 515 BCE oder später erklärt Logan «dass es hier viele Beispiele gibt, wo archäologische und bildliche Beweise auf biblische Beschreibungen treffen.»

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Logan erreicht die Halle der Rollen. Ein geschickt ausgeleuchteter, beeindruckender Raum mit einem kreisförmigen Sockel, der von einem Tongefäss gekrönt wird, das 1947 gefunden wurde. Die Schlichtheit der Präsentation ist unglaublich.

 «Teile von Genesis, Exodus, Leviticus, Numbers und Deuteronomium wurden in der Sammlung von Manuskripten und Fragmenten gefunden.» erklärt Logan. Der gesamte Kanon der hebräischen Bibel wurde in der einen oder anderen Form in den Rollen gefunden – dabei tauchten die ältesten Texte der hebräischen Bibel erst etwa 1.000 Jahre später auf. «Man sieht biblische Texte und Kommentare dazu. Das Alles war schon da. Das ist es, was man in den Rollen findet, sektiererische und nicht-sektiererische Texte.» Die Rollen decken zumindest Teile von jedem biblischen Text ab, mit Ausnahme vom Buch Esther. Weil dieses Fehlen noch nicht erklärbar ist, ist es vorstellbar, dass die Purim Geschichte noch in der Erde ruht.

Damit keine Schäden entstehen, werden die Rollen im Juni, zur Halbzeit der Ausstellung, ausgetauscht. Zunächst werden getauscht: Toharot – Reinheitsgebote (die zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden), Jesaja, Levi (aramäisch), Festtage der Gemeinde, Kriegsrecht, Gemeinderegeln, Psalmen (König David wird als Autor genannt), Exodus (Paleo Hebräisch war die erste Form der hebräischen Kalligrafie), der Bar Kochba Papyrus und Enoch.

Jede Rolle wird identisch präsentiert: Eine kurze Erklärung zum Inhalt, das aktuelle Pergament, eine 1:1 Übersetzung des gesamten Textes und ein hochaufgelöstes Digitalbild. Die Fragmente – atemberaubend, herausfordernd und unlesbar für das untrainierte Auge stellen die zentralen Ausstellungsstücke dar.

Die Besucher werden auf eine 2000-jährige Zeitreise genommen, die teilweise die Gegenwart zu ersetzen scheint. Es ist magisch.

Die Jesaja Rolle, bezeichnet als 1Qlsaa, auch bekannt als die «Grosse Jesaja Rolle», ist eine der ersten sieben Rollen, die die beduinischen Schäfer 1947 in der Qumran Höhle 1 gefunden haben. Zusätzlich zur «Grossen Jesaja Rolle» – dem einzigen Buch, das komplett erhalten ist, wurden in Qumran einige Kopien gefunden. Das lässt vermuten, dass dieses prophetische Werk, das das Wiederkommen des Messias beschreibt, von einzigartigen Bedeutung für die Essener war. «Es ist eindeutig apokalyptisch und verbunden mit den messianischen Zeiten, die kommen werden. Wir wissen, dass für die Essener die bevorstehende Zukunft sehr wichtig war. Wir sehen das als belegt in biblischen Texte an, die zu jener Zeit von allen Juden geteilt wurden. Aber wir sehen auch in den anderen Essener Rollen Gemeinde Regeln und verwaltungstechnische Schriften. Auch das war extrem wichtig.»

Also wer waren die Essener? «Eine gute Frage! Die etwa 300 Essener waren Ableger der ursprünglichen Gruppe, die an einem anderen Ort lebte. Die Gruppenmitglieder, die in Qumran siedelten, mussten männlich, unbescholten und über 21 Jahre sein.» Die Essener aus Qumran hatten Jerusalem verlassen, weil sie überzeugt waren, dass die Bevölkerung die Reinheitsgebote nicht einhielt. «Etwas, was die Menschen rituell unrein machte, war sexuelle Aktivität. Die Essener sahen ganz Jerusalem als Teil des Tempels an. Das erforderte, dass alle dort lebenden Juden rituell rein sein mussten. Nur weil die Menschen dort lebten und Familien hatten, war klar, dass sie Sex hatten. Aber das war eine Entweihung des Tempels. Also verliessen sie die Stadt.»

Logan sagt, dass die aufgefundenen Texte nahelegen, dass die Essener ausschliesslich männliche Mitglieder hatten. Es gibt nur ein oder zwei verborgene Hinweise auf Frauen in den Texten. Allerdings wurden auf dem Friedhof einige weibliche Skelette gefunden. «Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was uns die Texte sagen und was die Archäologie findet.»

Die religiöse Orientierung der Essener unterscheidet sich massgeblich von der der zeitgleich lebenden Sadduzäer und den vorherrschenden Pharisäern, sagt sie. «Die Essener Gemeinschaft hielt sich strikt an die nicht-verhandelbare Vorschrift, jüdische Feiertage niemals zu verschieben. So wollte Jerusalem nicht, dass z.B. Yom Kippur auf einen Freitag oder einen Sonntag fiel. Fiele er auf einen Freitag, könne sich niemand vernünftig auf den Schabbat vorbereiten. Fiele er auf einen Sonntag, könne man sich nicht angemessen auf das Fasten vorbereiten. Jerusalem drehte ein wenig am Neumond und alles funktionierte. Nicht so die Essener. Kein Feiertag wurde verlegt. Alles verlief, wie es verlaufen sollte.» Angesichts simpler Lösungen oder strikter Beachtung der Vorschriften, wählten die Essener Letzteres. Während die Gemeinderegeln sehr differenziert sind, sagt Logan, widerspiegelt der Unterschied zwischen den Essenern und anderen jüdischen Gemeinden deren weiter gefassten Ansatz im Umgang mit den jeweiligen Glaubenssystemen.

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Kalksteinbecher aus Sammlung

Ausstellungsstücke die sich in den Schaukästen an den Wänden befinden, zeigen das Alltagsleben der Essener, von rituell genutzten Gegenständen bis zur Körperpflege; ein aus Kalkstein geschnitzter Becher, der beim Segen vor dem Essen benutzt wird, ein grob gezahnter Kamm, auch ein Kamm zum Herauskämmen von Läusen, Sandalen, winzige Boxen für Tefillin, Leinenstreifen…… «Hier kommen religiöse und alltägliche Dinge zusammen.» sagte Logan.

Die Belagerung von Jerusalem im Jahr 70 CE war der entscheidende Beginn des ersten jüdisch-römischen Krieges. Die Truppen von Kaiser Titus eroberten Jerusalem, schalteten die jüdischen Rebellen aus und zerstörten den Zweiten Tempel. Die Essener von Qumran verschwanden während dieser erdbebenartigen Katastrophe. Vielleicht haben sie mit ihrer starren apokalyptischen Weltanschauung darin das Ende der Welt gesehen. «Es gab Spekulationen, dass die Römer ganz Jerusalem zerstören wollten. Massada liegt nur noch wenige Jahre voraus. Die Essener verstauten die Rollen hastig in Krügen, und verstauten sie, als ihnen keine Zeit mehr zu bleiben schien, in Höhlen.» Es gibt auch Vermutungen, dass die Essener nach Massada, einer das Tote Meer überschauenden Festung flohen. Als die Römer Massada am Ende des ersten jüdisch-römischen Krieges angriffen, begingen 960 Menschen, die meisten von ihnen Rebellen, Selbstmord. «Eine der Rollen, ‘Das Lied vom Schabbat’ wurde in Massada gefunden. Das lässt vermuten, dass Mitglieder der Essener Gemeinde dorthin geflohen waren.» Ob speziell diese Rolle nicht-sektiererisch ist, also für viele zugänglich war, oder sektiererisch, als nur für die Essener erreichbar, ist ungewiss.

Es gibt auch Vermutungen, dass Jesus bei den Essenern lebte, bevor er im Alter von etwa 30 Jahren seine Predigerwanderung aufnahm. «Es gibt interessante Ansätze, die mit dieser Ausstellung verbunden sind und die sich auch mit diesen Aspekten der Geschichte beschäftigen. Für mein Empfinden sind das keine wissenschaftlichen Ansätze.» so Logan, «Wir haben darüber gesprochen, wie wichtig den Essenern rituelle Reinheit war, wie starr sie daran festhielten. Jesus, wie er in den Testamenten beschrieben ist, ist das reine Gegenteil davon. Ganz sicher gab es keine Übereinstimmungen. Aber trotzdem, dieser Punkt ist wichtig für die weitere Entwicklung von Judentum und Christentum. Die Juden glaubten, dass Gott im Tempel wohnte. Dorthin brachten sie ihre Opfergaben. Als der Tempel zerstört war, wohin war ‘Gott’ gegangen, wo konnte man mit ihm sprechen?» Logan sagt, dass beide Religionen, das Judentum und das Christentum diese Fragen für sich beantworten müssen. Das rabbinische Judentum bezieht sich auf die Thora, die Mitzwot und die Gebete. Erhaltung und Herausforderung verschmolzen in den Rollen vom Toten Meer, sagte sie. «Die Tatsache, dass wir so viele Kopien der Jesaja Rolle haben, ist bemerkenswert. Aber hinter all dem gibt es ein Element der Herausforderung: Was wurde in den Krügen versteckt, welche Krüge sind zerbrochen, sei es durch Witterung oder durch Tiere.»

Konservierungstechniken, verstärkt durch Technologien und gesunden Menschenverstand haben sich in den letzten siebzig Jahren laufend weiterentwickelt.»  Logan erwähnt ein «..phänomenales Bild aus dem Rockefeller Museum, aufgenommen in Jerusalem. Man sieht dieses helle Licht, das genau auf die Fragmente scheint, die mit irgendeinem Klebband zusammengehalten werden. Und jemand steht da und raucht! Das ist nicht die Art von Konservation, die wir heute praktizieren. Kein Sonnenlicht, keine Klebbänder und keine Zigaretten.» Heutzutage können Wissenschaftler, Linguisten und Amateure die Leon Levy Dead Sea Scrolls Digital Library online besuchen.

Nach fast einer Stunde mit Gesprächen über die Essener in der Halle der Rollen, begibt sich Logan zum letzten Ausstellungsteil «…da wo die Geschichte endet. Wir haben gerade alle diese Dinge gesehen, die mit dem Zweiten Tempel verbunden sind. Wir dachten, wir bringen ein Originalstück von dort hierher.» Ein grosser Stein vom Robinson Bogen, der an der südlichen Ecke der Kotel in Jerusalem unter der Fassade des Zweiten Tempels heraussteht. «Ja, er ist echt!» sagt Logan und lässt ihre Hand über den Stein streichen. «Das ist für viele Besucher die Möglichkeit, zum ersten Mal die Mauer zu berühren, oder sich an ihren letzten Besuch in Jerusalem zu erinnern. Einige der Besucher haben sogar Zettelchen hineingesteckt.» Diese Nachrichten werden nach Jerusalem geschickt und dort in der Kotel plaziert werden. Auf der anderen Seite des Raumes weist und Logan auf eine Webkamera hin, die die Sicht auf die Kotel freigibt.

Denver ist die letzte der sieben Städten in den USA, in denen die Rollen ausgestellt waren. Begonnen hat die Ausstellung in New York, vorhergegangen waren Jahre der Vorbereitung zwischen dem Museum in Denver und der IAA. Einige der Chef Kuratoren reisten mehrfach nach Denver, um sicherzustellen, dass die Konservierungsmethoden exakt eingehalten würden.

Sieht man die Begeisterung in den Gesichtern von Mitarbeitern, Freiwilligen und Besuchern, so weiss man, dass sich die Mühe gelohnt hat. «Man kann erkennen, wie alles aufeinander aufgebaut wurde, und wie die Texte und die Ausstellungsstücke perfekt zueinander passen. Hier wurde ein umfassendes Bild unserer gemeinsamen Geschichte gestaltet.» schliesst Logan.

Die Ausstellung der Rollen vom Toten Meer im Museum von Kunst und Wissenschaft in Denver dauert noch bis zum 3. September 2018.

 

© Übersetzung esther scheiner

 

 

 

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