Archiv der Kategorie: Allgemein

Die vergessenen Flüchtlinge – Teil II Vom jüdischen Flüchtling zum freien israelischen Bürger

ב“ה

Mitte des 20. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation für Juden in den arabischen Ländern markant. Seit Bekanntwerden des UN-Teilungsplanes im Jahr 1947 kam es zunächst im Jemen zu dramatischen Pogromen. Durch diese Pogrome hatte die jüdische Gemeinschaft im Jemen, aber auch in Aden, Eritrea und Dschibuti, de facto keine Lebensgrundlage mehr. Unter dem Namen „Operation Fliegender Teppich“ wurden in den Jahren 1949 bis 1950 etwa 50.000 Vertriebene nach Israel gebracht. Um diese Transporte zu ermöglichen, wurden Geheimverhandlungen geführt, Briten und Amerikaner stellten Transportflugzeuge zur Verfügung.

350px-Op_Magic_Carpet_(Yemenites)

Operation Fliegender Teppich

Am 16. Mai 1948 veröffentlichte Mallory Brown einen aufrüttelnden Artikel in der NY Times: „Jews in grave danger in all moslem lands“. Die Befürchtungen könnten deutlicher nicht sein. Nicht nur, dass die herrschenden Spannungen jederzeit in eine Welle der Gewalt gegen Juden kippen könnte, auch von Kautionszahlungen ist die Rede, von Zurücklassung von jeglichem Besitz. Insgesamt sitzen fast 900.000 Juden am Tag der Staatsgründung Israels in der Falle. Und sie machen sich auf, alleingelassen und ohne Perspektive. Nichts hatte geholfen, die scheinbare Eingliederung in die islamische Gesellschaft war nur kurzfristig hilfreich gewesen. Sie machten sich auf, zu Fuss, oder, wenn sie Glück hatten, auf einem Schiff oder mit einem Flugzeug.

220px-Yemenites_go_to_Aden

Jemenitische Juden auf der Flucht

Es war auf jeden Fall der Weg in eine ungewisse Zukunft.

Und der Exodus ist noch nicht beendet. Zwischen 2003 und 2016 wurden in geheim gehaltenen Aktionen etwa 220 Juden aus dem Jemen nach Israel geholt. Bis auf 40 Menschen, die sich auf einem speziell geschützten Areal neben der US Botschaft in der Hauptstadt Saana aufhalten, gibt es nun keine Juden mehr dort. Mit dem letzten Flug im März 2015 kam auch der Gemeinderabbiner, der eine mehr als 500 Jahre alte Torah Rolle mitbrachte.

Im Iran, jenem Staat, der immer wieder damit droht, Israel zerstören zu wollen, leben hingegen derzeit zwischen 10.000 und 25.000 Juden. Die Zahl variiert je nachdem, wer die Statistik erstellt hat. Sie leben unter dem Schutz des Regimes, geniessen Religionsfreiheit und sind eine als Minderheit anerkannte Volksgruppe. Und trotzdem, sie sind Bürger zweiter Klasse. Der Aufstieg in höhere Positionen im öffentlichen Dienst bleibt ihnen verwehrt. Bei den Wahlen dürfen sie Juden oder Moslems wählen, Moslems hingegen dürfen keine jüdischen Kandidaten wählen. Der Iran braucht sie einerseits als Beweis für seine vorgetäuschte liberale Politik, zum anderen aber auch als Unterpfand. Sollte Israel jemals den Gottesstaat angreifen, werden die jüdischen Bürger sicher die ersten Opfer sein. Die moderne Form des Dhimmitums.

Wer heute von den vergessenen Flüchtlingen des Nahen Ostens spricht, der meint damit die palästinensischen Flüchtlinge, die grossteils auf Anweisung ihrer eigenen Clanchefs ihre Siedlungen verlassen haben. Sie gingen in der Hoffnung, dass sie nach kurzer Zeit als Sieger wieder zurückkehren könnten. Ihre Hoffnung erwies sich als falsch. Sie wurden Opfer einer fehlgeleiteten Propaganda.

Die UNO hat mehr als 600 Resolutionen zum Thema „Israel-Palästina“ verabschiedet, 101 davon behandeln das Thema „palästinensische Flüchtlinge“. Aber es gibt keine einzige Resolution, die sich mit den jüdischen Flüchtlingen aus arabischen Ländern auseinandersetzt. Dabei ist deren Zahl nahezu doppelt zu hoch. Aussagekräftig ist auch die angesetzte Summe der bei der Flucht zurückgelassenen Vermögenswerte.

In den frühen 50er Jahren nahm Sir John Measham Berncastle, der lange Zeit in Palästina den Wert von Liegenschaften eingeschätzt hatte, im Auftrag der United Nations Conciliation Commission for Palestine (UNCCP) eine Einschätzung des bei der Flucht zurückgelassenen Vermögens von arabischen Flüchtlingen vor. Er kam zum Schluss, dass der Gesamtwert an Grund und Boden, Häusern, Schmuck, Bargeld und nicht zuletzt auf den bei israelischen Banken eingefrorenen Konten bei etwa 4.4 Milliarden US$ (Wert 2012) liegen würde. Diese Beträge resultieren aus den Fluchtwellen um die Staatsgründung und aus der Zeit nach dem Sechs Tage Krieg. Das klingt dramatisch.

Aber, es darf nicht vergessen werden, dass von der Hätscheltruppe der UNO, der speziell und einmalig für eine Gruppe von Flüchtlingen geschaffenen UNWRA, unendlich viele Gelder gesammelt werden. Als kleine Wiedergutmachung. Pech nur, dass die einfachen Palästinenser davon nichts mitbekommen.

Die jüdischen Flüchtlinge mussten entweder ihr Hab und Gut zu Spottpreisen verkaufen, oder sie flohen nur mit dem, was sie am Leib hatten. Ihre Verluste werden mit 6.7 Milliarden US$ beziffert. Verloren für immer, denn da gibt es niemanden, keine NGO, keine UNO Hätscheltruppe, die sich für diese Menschen einsetzen würde. Sie flohen mit Nichts und sie kamen mit Nichts in Israel an.

Der junge Staat Israel, gerade erst gegründet, sah sich durch die enormen Flüchtlingswellen bis an seine Grenzen gefordert. Innerhalb kurzer Zeit verdoppelte sich die Bevölkerungszahl, eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln schien zeitweise nicht mehr gesichert. Doch das Wunder gelang, die Flüchtlinge, die oft über Jahre hinaus in Flüchtlingscamps leben mussten, wurden in die israelische Gemeinschaft integriert.

Ich wage an dieser Stelle ein Rechenexempel. Aus ursprünglich etwa 700.000 palästinensischen Flüchtlingen wurden bis zum Jahr 2017 eine Zahl von 5 Millionen, also eine Vervielfachung um Faktor 7. Ganz anders bei jüdischen Flüchtlingen. Ihr „Flüchtlingsstatus“ erlischt unmittelbar nach der Registrierung als Einwanderer in Israel.

Zum aktuellen Jahreswechsel 5778 sprach die Statistik von 6.5 Millionen jüdischen Israelis. Etwa 50% davon sind Nachkommen der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Ländern, das entspricht etwa 3.25 Millionen, also eine Vervielfachung um Faktor 3, was innerhalb von 70 Jahren durchaus realistisch ist.

Warum aber nun die vergessenen Flüchtlinge?

Der leider nur in Englisch verfügbare Film: „The forgotten refugees“ beleuchtet das Thema der Million vergessener Flüchtlinge an Hand von Berichten von Söhnen und Töchtern von Geflohenen, aber auch von historischen Zeugnissen. Gefragt, warum sie sich als „vergessene Flüchtlinge“ bezeichnen, antwortet eine Frau: “Wir wurden aus dem Bild der gesamten Geschichte des Nahen Ostens völlig herausgeschnitten.“ Und sie fügt selbstbewusst hinzu „Dabei sind wir das Gesichts Israels.“ Eine andere sagt: „Niemand hat uns beachtet, wir wurden gar nicht wahrgenommen. Wir spürten die grosse Ungerechtigkeit, der wir uns ausgesetzt sahen. Aber was hätten wir tun können? So haben wir unseren Schmerz runtergeschluckt und haben weitergemacht. Heute denke ich, dass uns das auch geholfen hat, uns schneller in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Die ägyptische Regierung hat uns alles genommen. Wir werden nie zurückkehren. Aber wir werden unseren Kampf um Gerechtigkeit auch nie aufgeben.“ Gegen das Vergessen muss gekämpft werden: „Wir wollen sprechen, wir wollen unsere Geschichten erzählen. Wir wollen nicht, dass unsere Geschichte, unser reiches Erbe, das älter als dreitausend Jahre ist, vergessen wird.“

Ein kleiner, aber doch bedeutender Schritt in diese Richtung wurde im Sommer 2015 von der Knesset beschlossen. Als nationaler Gedenktag für die aus arabischen Ländern geflüchteten Juden wird der 30. November festgelegt. Dieses Datum markiert den Tag, an dem im Jahr 1947 der UN Teilungsplan bekannt gegeben wurde. Und der damit die Geburtsstunde des Jüdischen Staates Israel darstellt.

Am 30. November 1947 fanden in zahlreichen arabischen Staaten „spontane“ Angriffe und Überfälle auf ihre jüdischen Gemeinden statt, der Beginn des grossen Exodus’.

220px-Magen_Avraham_Synagogue

Die Grosse Synagoge von Aden, zerstört im Jahr 1947

Es ist für jeden Menschen unendlich schwer, ein Flüchtling zu werden oder mit dem Stigma des Flüchtlingsstatus leben zu müssen. Es ist daher nicht moralisch, das jeweilige Elend mit dem einer anderen Flüchtlingsgruppe aufzurechnen. Es gibt nur, wie bereits oben geschrieben, eine einzige Gruppe, die der palästinensischen Flüchtlinge, die nicht nur von der UNO bestens betreut und „vermarktet“ wird. Der mediale Fokus wird immer wieder auf sie gerichtet, die aufgeblähten Zahlen immer wieder veröffentlicht, um den riesigen medialen, politischen und wirtschaftlichen Aufwand zu rechtfertigen, der rund um sie betrieben wird.

Einer der Kernsätze des römischen Rechts „Audiatur et altera pars“ wird in der UNO nicht angewendet, wenn es um die jüdischen Flüchtlinge geht. Deren Existenz wird dort schlichtweg ignoriert.

Meine Absicht ist es, jene Flüchtlingsgruppe in den Mittelpunkt zu stellen, über die so selten gesprochen wird, die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Staaten.

 

© esther scheiner, israel

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Die vergessenen Flüchtlinge – Teil I Vom jüdischen Königreich zum Dhimmitum

ב“ה

 

Vergessene Flüchtlinge? Wo soll es die geben? Das UNO Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), 1951 von der UNO Generalversammlung gegründet, vergisst doch niemanden! Und trotzdem, zwischen 750.000 und 900.000 (einige Statistiken gehen sogar von einer Million aus) jüdischer Flüchtlinge, die zwischen 1948 bis in die 70er Jahre ihre arabischen Heimatländer verlassen mussten, bleiben fast unerwähnt. Dazu kommen noch jüdische Flüchtlinge in eher geringen Zahlen aus dem Jemen und aus Ägypten vor 1948.

Machen wir einen Blick zurück, tief in die Geschichte.

Im Jahr 70 CE brennt Jerusalem. Titus, der Sohn Vespasians zerstört den zweiten Tempel, das geistige, religiöse und emotionelle Zentrum der Juden, hat aufgehört zu existieren.

Schon kurz vor der Zeitwende hatte sich das Drama angekündigt. Judäa war von den Römern annektiert worden. Jerusalem droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, Caesarea gewinnt an Bedeutung und wird Sitz der römischen Besatzer. Geldgier, Korruption und ein fast rechtsfreier Raum bestimmen die Beziehung zwischen Römern und Juden. Wer aufmuckt, wird kurzerhand ohne Prozess getötet.

Als sich der Prokurator Gessius Florus an der Tempelkasse vergreift, um die leere Staatskasse zu füllen, entlädt sich der Zorn der Bürger von Jerusalem. Florus’ Reaktion war ein Blutbad unter der Bevölkerung. Josephus Flavius schreibt über ihn:

In seiner Grausamkeit kannte er kein Mitleid, in seiner Ruchlosigkeit keine Scham, und nie hat einer so die Wahrheit in Lüge verkehrt oder schlauere Mittel ersonnen, um verbrecherische Absichten zu erreichen.“ (Jüdischer Krieg 2,14.2).

Josephus Flavius erkennt in diesen Tagen den Beginn des Ersten Jüdischen Krieges, der erst im Jahr 73 CE mit dem Fall der Felsenfestung Masada endete. 960 Widerstandskämpfer unter Führung des Zeloten Eleazar Ben Ya’ir, wählten den Freitod, um einer Gefangennahme und Versklavung durch die Römer zu entkommen. Nicht umsonst ist Masada bis heute das Symbol für unseren Freiheitswillen.

Mehr als 1 Million Menschen verloren während des Krieges ihr Leben, wer fliehen konnte, der floh. Anders als nach der Zerstörung des 1. Tempels, als der überwiegende Teil der Juden nach Babylon verschleppt wurde, und sich dort mehr oder weniger etablierte.

Kurz darauf folgte der Bar Kochba Aufstand (132-135 CE). Was der Grund für diesen Aufstand war, ist nicht gesichert. War es das Verbot der Beschneidung, war es die Gründung der römischen Stadt Aelia Capitolina auf dem Gebiet von Jerusalem, oder war es einfach die Unzufriedenheit der Juden mit den politischen Gegebenheiten? Die Historiker sind sich unsicher. Die Folgen waren grauenhaft, 580.000 Juden verloren ihr Leben, 50 Städte und 985 Dörfer wurden zerstört. Diese Zahlen mögen hoch sein, aber sie sind es, die die Historiker der damaligen Zeit kannten.

Was von Jerusalem noch übrig war, wurde nun zerstört, die jüdische Gemeinschaft zerstreute sich in die Welt, es entstand die Diaspora.

Fortan siedelten sich die Juden rund um das Mittelmeer an, wanderten über das Rhone Tal bis hinauf nach Norden, fanden auch den Weg zurück in das Land, aus dem einst Abraham gekommen war, nach Mesopotamien.

Doch die Juden kamen nicht zur Ruhe. Zwischen 115 und 117 CE brach der „Diaspora-Aufstand“ der Juden in Mesopotamien, Syrien, Zypern, Ägypten und in der Kyrenaika (Ost-Libyen) aus. Die Hintergründe für diesen Aufstand (der nicht als Krieg/bellum) sondern als „tumultus iudaicus“ bezeichnet wird) sind nicht bekannt, wohl aber, dass er von fanatischen Juden begonnen wurde, an Grausamkeiten kaum zu überbieten war und so viele Opfer forderte, dass Ost-Libyen fast entvölkert war und von den Römern mit Veteranen neu besiedelt werden musste. Gut nachbarschaftliches Miteinander war für lange Zeit nicht mehr vorstellbar. Für Zypern wurde sogar ein „ewiges“ komplettes Einreise- und Aufenthaltsverbot für Juden verhängt.

Trotzdem wuchs die jüdische Gemeinschaft ständig an.

Die Wanderung der Spanischen Juden zur Zeit der Inquisition

Zur Zeit der Inquisition, im 15. Jahrhundert, wanderte nochmals eine grosse Zahl von Juden aus Spanien aus. Ein Teil gelangte über Frankreich nach Deutschland und weiter in das östliche Europa. Zahlreiche Juden zogen zurück in den Nahen Osten, andere suchten ihr Glück in Marokko, Tunesien, Algerien und Ägypten.

Allerdings waren sie „Dhimmis“, was nicht anderes bedeutete, als dass sie nicht nur eine „Schutzsteuer“ zahlen mussten, sondern auch einigen Vorschriften der Sharia unterworfen waren. Die im Islam vorherrschende Kopfbedeckung für Männer war der Turban. „Dhimmis“ war das Tragen verboten, weil sie in den Augen der Moslems ehrlos waren, der Turban aber ein Zeichen der Ehre für die Araber war. Juden und Christen mit guten Beziehungen zu den moslemischen Herrschenden konnten sich manchmal das Recht, diese Ehre zu erhalten mit zusätzlicher Zahlung von Steuern erwerben. Dies galt auch für Nichtmoslems, die in irgendeiner Art eine wichtige Funktion innehatten.

Maimonides (geb. 1135 in Cordoba, gest. 1204 in Kairo) gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Wissenschaftler nicht nur seiner Zeit. Vor die Wahl, zum Islam überzutreten oder zu fliehen, wählte er die zweite Option und zog mit seiner Familie nach Marokko. Von dort zogen sie zunächst nach Jerusalem, später weiter nach Alexandria und Kairo. Maimonides verfasste seine Schriften in Judeo-Arabisch, der in arabischen Ländern für Juden vorherrschenden Alltagssprache. Maimonides dürfte zu den Juden gehört haben, die sich die Ehre des Turbans käuflich erwarben.

Maimonides Bild auf einer Briefmarke aus Israel

 

Ab Mitte des 7. Jahrhunderts CE beginnt der Islam sich sehr schnell entlang des Mittelmeeres, auf dem Balkan, in Spanien, dem Iran, Irak, der Türkei, der Arabischen Halbinsel auszubreiten. Dort lebende Juden und Christen dürfen zwar ihre Religion beibehalten und unterstehen als „Menschen des Buches“ dem „Schutz“ der neuen Herrscher.

 

Eines der „Geniza“ Fragmente. Sie stammen aus dem 7. Jahrhundert und belegen, dass sich zu der Zeit schon Jüdische Gemeinden in Aegypten befanden.

Doch die wirkliche Gefahr, die bereits vom frühen Islam ausging und sich bis heute – sogar noch verschärft – erhalten hat, ist die klare Absicht der Moslems. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich in Sure 17 entscheidende Hinweise finden, wie mit Ungläubigen und deren Eigentum umgegangen wird, wenn sie sich nicht zum Islam bekennen. Allerdings findet man auch den nachfolgenden Hinweis: „Wenn sich einer rechtleiten lässt, tut er das zu seinem eigenen Vorteil, und wenn einer irregeht, zu seinem eigenen Nachteil. Und keiner wird die Last eines anderen tragen. Und wir hätten nie (über ein Volk) eine Strafe verhängt, ohne vorher einen Gesandten (zu ihm) geschickt zu haben.“

Wie beruhigend. Aber welche Aufgabe hat der Gesandte? Beschwichtigen? Druck ausüben? Wie erkennt man die Gesandten? Ohne tief reichende Forschungen und Koranexegesen vorzunehmen, darf man zwei Punkte als gesichert annehmen:

  1. Dhimmis haben keine Ehre, sie befinden sich, unabhängig von ihrer persönlichen Stellung in völliger Abhängigkeit von der jeweiligen moslemischen Verwaltung ihres Heimatstaates.
  2. Jedes Gebiet das jemals von Moslems erobert und/oder besetzt wurde, gilt für sie auf ewig als islamisches Gebiet, das sie mit der grössten Selbstverständlichkeit für sich beanspruchen.

Daraus leiten Moslems bis heute als ihr Exklusivrecht ab, dass Dhimmis nie über einen eigenen Staat verfügen dürfen. Dass also auch folgerichtig, Israel nie als jüdischer Staat existieren darf.

 

@esther scheiner, israel

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

‚Shiluvim Koliym‘ in South Korea

ב“ה

 

Text: Dovev Rochine, Matnas Neve Yosef, Haifa

‚Shiluvim Koliym‘, der Jugendchor des Gemeindezentrums Neve Yosef in Haifa, nahm vom 25. Juli bis zum 01.August 2017 am Gangneun International Junior Art Festival in Süd Korea teil.

Zu unserem Stolz wurde unser Chor gewählt, bei diesen Festspielen Israel und Haifa zu vertreten. Das Festival fand in Gangneun statt, einer Stadt, die im Nord-Osten von Süd Korea liegt. Gangneun ist eine bei Touristen beliebte Stadt mit 250.000 Einwohnern, die in etwa 160 km östlich von Seoul liegt. Das erfolgreiche Festival findet seit 16 Jahren statt. Die Stadtverwaltung tut alles, um es für die Teilnehmer zu einer einmaligen Erfahrung werden zu lassen.

IMG-20170726-WA0005

Stadtrundfahrt

Die Jugendlichen hatten die Chance, Gleichaltrige im Alter zwischen 14 und 18 Jahren aus aller Welt zu treffen. Die täglichen Auftritte aller Gruppen fanden auf drei verschiedenen Bühnen statt.

 

Zusätzlich gab es farbenfrohe Paraden durch die Stadt, an denen die Chormitglieder in ihren Bühnenkostümen teilnahmen. Der Besuch von Kunstaustellungen und die Teilnahme an einer traditionellen Tee Zeremonie rundeten das Programm ab. Selbstverständlich fehlte auch eine Stadtrundfahrt nicht, die den Mädchen einen guten Überblick über die Stadt und ihre Umgebung verschaffte.

tea ceremony 1 july 29

Geimeinsam mit anderen Teilnehmern bei der Tee Zeremonie

Während des viertägigen Festivals trafen sie die Delegationen von Russland, Sri Lanka, Algerien, Japan, Tschechien, China, Thailand und dem Gastgeberland Süd Korea. Das farbenfrohe Bild der Eröffnungszeremonie mit der Flaggenparade, den Tänzen und Gesängen stimmte das Publikum auf das ein, was sie in den kommenden vier Tagen begeistern würde.

Auf der Hauptbühne am Strand fanden an jedem Abend einzigartige und multi-kulturelle Shows statt. Shiluvim eroberte sich am Eröffnungsabend einen zentralen Platz. Ihr Repertoire, gesungen in Hebräisch, Amharisch, Suaheli und Englisch begeisterte das Publikum.

Am Ende des Auftritts standen alle Zuschauer und tanzten, getragen auf einer Welle von purer Lebensfreude. Die Show war so aussergewöhnlich, dass zum ersten Mal in den 16 Jahren, in denen das Festival durchgeführt wird, ein lauter Ruf nach einem “da capo” erschallte.

Unser Chor wurde aufgrund des grossen Erfolges eingeladen, die Schlusspräsentation zu übernehmen, die in Anwesenheit des Bürgermeisters und seiner leitenden Mitarbeiter, sowie anderer VIPs stattfand.

Während ihres Aufenthaltes haben die Mädchen viel von ihren neuen Freunden gelernt, über deren Kulturen, über für sie fremde Länder und für eine Woche gab es keine nationalen und politischen Grenzen und Mauern, sondern nur herzliche Freundschaft und gegenseitigen Respekt. Wir hoffen, dass diese Erfahrung für eine lange Zeit anhalten wird.

Dana Harit, die Managerin der Gruppe sagte: “Die Jugendlichen hatten während dieser vier Tage ein einzigartiges Erlebnis, das ihre Herzen öffnete und ihr Bewusstsein erweiterte. Es war für sie eine Zeit des Friedens und der absoluten Menschlichkeit. Sie bekamen einen Eindruck davon, wie Menschen friedlich nebeneinander leben können und wie ihre Zukunft aussehen kann. Sie werden das alles mitnehmen und haben verstanden, dass es in ihrer Verantwortung liegt, ihr Leben bedeutungsvoller und stärker zu machen. Wir haben Israel und die Stadt Haifa sehr würdevoll vertreten. Das wird die Einstellung Israel gegenüber bei all denen, die wir getroffen haben, nachhaltig beeinflussen. Für das kommende Jahr haben wir bereits wieder eine Einladung erhalten.”

Shimon Ifrach, der CEO von Neve Yosef sagte: “Das ist eine grosse Ehre und erfüllt uns als Sponsoren und Lehrer mit Stolz. Wir danken dem Vorstand und allen Partnern und Freunden, die uns bei der Finanzierung dieses Projektes geholfen haben und es überhaupt erst möglich gemacht haben. Ich habe die Reise von Israel aus verfolgt. Wir haben alle Hauptveranstaltungen auf YouTube quasi live anschauen können und waren von den aussagekräftigen Vorführungen mindestens so berührt wie das Publikum vor Ort. Ich habe nie daran gezweifelt, dass die Gruppe uns sehr stolz machen wird, und dass ihr grosser Erfolg ihre persönliche Zukunft beeinflussen wird.”

Das Projekt Shiluvim Koliym besteht seit 15 Jahren am Neve Yosef Gemeinschaftszentrum.

Musikalische Leitung: Hillel Shitrit

Choreographie: Doron Guetta

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

In Basel habe ich den Judenstaat gegründet

 

ב“ה

Im Jahr 1886 veröffentlichte Herzl sein aus heutiger Sicht fast prophetisches Werk “Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage.”

Im Anschluss an den ersten Zionistenkongress schrieb er am 3. September 1897 in sein Tagebuch: „Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen ­ das ich mich hüten werde, öffentlich auszusprechen ­ so ist es dieses: In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in 5 Jahren, jedenfalls in 50 wird es jeder einsehen “ Herzls Vision sollte tatsächlich Wirklichkeit werden. 51 Jahre später wurde 1948 der Staat Israel gegründet. Ein Traum ging in Erfüllung. Wer war dieser Theodor Herzl und was trieb ihn, sich derartig für den Zionismus einzusetzen?

images

Ortseinfahrt von Herzliya, Israel

Geboren wurde er am 2. Mai 1860 in Pest als Sohn einer teilweise assimilierten Familie. Während sein Vater mit ihm regelmässig die Gottesdienste in der Grossen Synagoge besuchte, vermittelte ihm die Mutter hauptsächlich die österreichische Geschichte und Kultur, und unterrichtete ihn in Deutsch. Sein Grossonkel hielt enge Kontakte zu den „Chibat Zion“ (Zionsliebe). Diese 1881 gegründete Organisation verfolgte in den von Pogromen geplagten Staaten Europas das Ziel, Juden zur Auswanderung nach Palästina zu motivieren und sie dabei zu unterstützen. Zu den ersten Orten in Israel, die von diesen Auswanderern besiedelt wurden, gehört auch Zichron Ya’acov.

1878 übersiedelte die Familie nach Wien, wo er sein Studium der Rechtswissenschaften aufnahm und 1985 beendete. Ab 1881 wurde er Mitglied der Burschenschaft Albia, trat allerdings bereits 1883 wieder aus, als er sich vermehrt mit antisemitischen Strömungen konfrontiert sah. Albia gehört auch heute noch zu den pflichtschlagenden Burschenschaften und nahm ab 1882 keine jüdischen Mitglieder mehr auf.

PikiWiki_Israel_6976_Julia_Herzl

Julie Herzl, geb. Naschauer

Im Juni 1889 heiratete er Julie Naschauer. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Die Ehe von Theodor und Julie muss als tragisch bezeichnet werden. Die ältere Tochter starb an den Folgen ihre Morphiumsucht, der einzige Sohn beging Selbstmord. Die jüngere Tochter starb in Theresienstadt. Julie starb 1907 in der Psychiatrischen Klinik von Wien.

Herzl verliess die Rechtswissenschaften sehr bald und wandte sich dem Journalismus zu. Von 1891 bis 1895 arbeitete er als Journalist für die Wiener Zeitung „Neue Presse“ in Paris. Auf Grund des immer stärker werdenden Antisemitismus glaubte Herzl, das Problem der Diskriminierung der Juden durch eine Massenkonversion zum Katholizismus beseitigen zu können. Er habe, so schrieb er: „.. keine Hemmungen, pro forma zum Christentum zu konvertieren. Er könne so beruflich schneller vorankommen und seinen Kindern Diskriminierungen zu ersparen.” 1893 legte er sogar bereits recht ausgearbeitete Pläne dazu vor. Diese Pläne gab er jedoch wieder auf und glaubte mit seinem Drama “Das neue Ghetto” (1884) zu gegenseitiger Toleranz von Christen und Juden beizutragen. Die Dreyfuss Affaire (1884), die mit der öffentlichen Degradierung von Hauptmann Dreyfuss im Januar 1885 ihr unrühmliches Ende nahm, beeinflusste seine weitere Tätigkeit sehr stark.

Er sah fortan seine Zeit in Paris und die Erfahrungen, die er dort gemacht hatte, als Wendepunkt in seinem Leben an. Als Journalist hatte er den antisemitisch begründeten und mit falschen Beweisen vorangetriebenen Dreyfuss Prozess verfolgt und sah seither, dass für ihn eine neue Aufgabe bevorstand: Die Rettung der europäischen Juden und deren Heimführung in einen eigenen Staat.

Sein Buch “Der Judenstaat” schrieb er in den letzten zwei Monaten seiner Zeit in Paris. Und er verliess sich dabei nur auf sich selbst und sein, man kann es durchaus so formulieren, überhöhtes Selbstwertgefühl. Wäre er nicht so überzeugt davon gewesen, dass alles, was er beginnen würde, auch zu einem positiven Ende führte, er hätte dieses Projekt nie wagen können. So aber schrieb er munter drauflos, ohne zuvor die Schriften des grosssen jüdischen Aufklärers Moses Hess, von Nathan Birnbaum, der den Begriff “politischer Zionismus” einführte, oder von Leon Pinsker, der die Idee der Assimilation verwarf und statt dessen die jüdische Emanzipation und die Schaffung einer jüdischen Nationalität vorantrieb, je ausführlich gelesen zu haben. Erst viel später gab er zu, das Projekt “Judenstaat” nie begonnen zu haben, wenn er die Schriften gekannt hätte.

So aber schuf er eine Art Leitfaden mit ganz praktischen Hinweisen für die Organisation und den Aufbau des neu zu schaffenden Staates. Als Ungarn-Österreicher war gutes Essen wahrscheinlich eine seiner Leidenschaften.

und-liegt-direkt-rechts

Um zu verhindern, dass die Einwanderer auf irgendeine beliebte Speise verzichten müssten und sich das verpflegungstechnische Disaster der Hebräer während der Wüstenwanderung nicht wiederholen würde, schrieb er: „Während der Verpflanzung muss man lokale Bräuche respektieren. Salzstangen, Bier, Kaffee, gewohntes Fleisch u.s.w. sind nicht gleichgültig. Moses vergaß die Fleischtöpfe Ägyptens mitzunehmen. Wir werden daran denken.“

Herzl versuchte, seine Idee des jüdischen Nationalstaates in Palästina auf dem 1. Zionistischen Weltkongress einer breiten Teilnehmerschaft vorzustellen und schmackhaft zu machen. Stattfinden sollte er in München. Doch die Bayerische Metropole winkte ab. Die Deutsche Rabbinerkonferenz hatte Angst, ein Bekenntnis der Juden zu einem eigenen jüdischen Staat würde die Loyalität der Juden zu Deutschland schwächen. Erst 1861 war das Judenedikt von 1813 aufgehoben worden, das die Niederlassungsfreiheit und das Recht der Gewerbeausübung einschränkte. Vielleicht kein ganz abwegiger Gedanke.

Und so kam Basel in den Genuss, Gastgeber für den 1. Zionistischen Weltkongress vom 29. bis 31. August 1897 zu sein. Die Herren erschienen, so lautete die Anweisung im Frack und weissen Hemd, die Damen in eleganter Garderobe, ohne stimmberechtigt zu sein.

Kurz vor seinem Tod besuchte Theodor Herzl Papst Pius X . Er wollte ihn für die Idee des jüdischen Staates in Palästina begeistern und um Unterstützung für dieses Projekt bitten. Pius X. lehnte diese Bitte ab. Er könne es nicht verhindern, dass die Juden nach Palästina ziehen, könne es aber nie sanktionieren. Jerusalem sei durch Jesus Christus geheiligt. Und nachdem die Juden den christlichen Gott und Jesus Christus nicht anerkannt hätten, könne er als Oberhaupt der Kirche auch die Juden nicht anerkennen.

 

Unknown

Das Familiengrab am Herzl Berg in Jerusalem

Herzl verstarb am 3. Juli 1904 in Erdlach an der Rax. Zunächst wurde er auf dem Döblinger Friedhof beigesetzt. Am 14. August 1949 wurden die Särge von Theodor Herzl und die seiner Eltern nach Jerusalem überführt und auf dem nach ihm benannten Herzl Berg beigesetzt. 2006 wurden die Särge seiner älteren Tochter und seines Sohnes, 2007 der seines einzigen Enkels ebenfalls dort beigesetzt.

Am 14.Mai 1948 verlas David Ben Gurion, der erste Premierminister die Unabhängigkeitserklärung. Darin enthalten sind die folgenden Worte: Im Jahre 1897 trat der erste Zionistenkongress zusammen. Er folgte dem Rufe Dr. Theodor Herzls, dem Seher des jüdischen Staates, und verkündete das Recht des jüdischen Volkes auf nationale Erneuerung in seinem Lande. Dieses Recht wurde am 2. November 1917 in der Balfour-Deklaration anerkannt und auch durch das Völkerbundmandat bestätigt, das der historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit dem Lande Israel und seinem Anspruch auf die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte internationale Geltung verschaffte. (…)Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offenstehen. Er wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.”

Theodor Herzl hat die Erfüllung seiner Vision nicht mehr erleben dürfen. Er war der Mann der grossen Visionen. Ebenso wie es David Ben Gurion war. Und auch wie es Donna Gracia Nasi war, auch wenn ihre Pläne letztlich scheiterten.

© esther scheiner, israel

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Korporal Gaya, Kommandantin einer Kampftruppe

ב“ה

Gaya Bertele ist der Name einer bekannten Konditorei in Petach Tikwa, in der Nähe von Tel Aviv. Viele der dort produzierten und angebotenen Kuchen haben einen Hauch von “hausgemachtem Kuchen aus Deutschland” kombiniert mit einem Hauch von israelisch bunt. Cross-over pastry. Der Eigentümer dieses Kuchenparadieses ist Hans Bertele. Der Name klingt deutsch. Und er ist es auch.

alt-header

Bild: Webseite der Konditorei Gaya Bertele in Petach Tikwa, IL

Dass Hans seit vielen Jahren als Jude in Israel lebt hat ihm die Zauberfee, die an seiner Wiege stand, nicht geweissagt. Wäre es nach seinem Vater gegangen, so wäre er heute ein stramm rechter Deutscher, der möglicherweisen an allen anti-Israel Demos in Deutschland teilnehmen würde. Und der in einem Monat die AfD wählen würde.

Hans wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges geboren. Seine Familie war christlich. Hans hatte sechs Geschwister. Einer seiner Brüder wurde als Flakhelfer mit knapp 16 Jahren eingezogen und geriet nach einem Monat in britische Gefangenschaft. Er war Teil von Hitlers letztem Versuch, den Krieg, der schon verloren war, doch noch zu gewinnen. Ein zweiter Bruder war Pilot und wurde abgeschossen. Ein Bruder lebt noch in Deutschland. Zu ihm gibt es Kontakt, aber er ist sehr anti-israelisch. Israel hat er nie besucht, wird es auch nicht tun. Obwohl er regelmässig mit der Familie telefoniert, und er es besser wissen müsste, glaubt er an das Israel Bild, das von den Medien so einseitig-verzerrt gezeichnet wird.

Sein Vater, Johann Bertele, war ein eingeschworener Nationalsozialist. Er lebte und arbeitete für seine Überzeugung, die grausame Ideologie der Nazis zu stärken. Er wurde mit dem Posten eines Bürgermeisters in einer süddeutschen Kleinstadt belohnt. Und er bewährte sich, indem er den Ort “judenrein” hielt und jeden, der nicht linientreu war, an die Nazischergen auslieferte. Seiner Meinung nach, so erinnert sich sein Sohn Hans, “waren alle Juden Schweine, betrügerisch und gierig”. Auch nach dem Krieg hat er seine Einstellung nicht geändert. Im Gegenteil, er weinte der Zeit des Nationalsozialismus nach und hing, bis zu seinem Tod, immer noch der Rassentheorie an.

Hans Bertele fühlte sich nicht wohl. Nicht in seiner Familie, nicht in Deutschland, nicht als Deutscher. Er litt unter der Kälte, die viele Menschen ausstrahlten, und die ihn auch in der Familie umfing. Die Uebergenauigkeit, das penible an die Regeln halten. Er wollte raus. Raus aus dieser Umgebung und möglichst weit weg sein Leben selbstbestimmt gestalten.

Hans entschloss sich zu einer Ausbildung als Konditor und schloss einen Arbeitsvertrag mit Hilton International ab, die seinerzeit zwei Hotels in Israel betrieben, eines in Tel Aviv und das zweite in Jerusalem, welches heute nicht mehr existiert. Die 60er Jahre waren, wenn man die Kibbuz Programme ausser acht lässt, für die deutsch-israelischen Beziehungen noch problematisch. Offiziell wurden die diplomatischen Beziehungen im Jahr 1965 aufgenommen, davor hatte es schon mehrere inoffizielle politische Kontakte gegeben. Hans ging nach Israel und musste erleben, dass man ihm teilweise sehr reserviert gegenüber stand. Auch die durchaus korrekte Angabe, er sei doch Schweizer half nicht, die Gräben zu überwinden. Der fehlende schwiizerdütsche Akzent hat ihn verraten. Zu der Zeit war auch Israel noch nicht so aufgeschlossen gegenüber Deutschen wie heute. Die Wunden des Holocaust hatten noch nicht begonnen zu heilen. In den meisten Familien hatte es Opfer gegeben, verfolgt, ermordet. Menschen, die sterben mussten, nur weil sie Juden waren.

Doch Hans gab nicht auf. Israel wurde mehr und mehr zu dem Land, in dem er zu sich selber fand. Vom typischen Israeli, Sabre genannt, wird behauptet, aussen so stachelig wie eine Kaktusfeige zu sein, aber innen auch deren Süsse zu haben. Der kratzbürstige Charakter der in Israel geborenen Menschen sprach ihn an. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, die Liebe zu ihrem Land Israel, das jeder Einzelne verteidigte, das war es, was er wollte. Er wollte Israeli werden und Jude.

Der Weg, den er nun begann war hart und langwierig. Das Ziel war die Aufnahme ins Judentum. Im Alter von 26 Jahren schloss er den Prozess vor dem Rabbinatsgericht ab. Wenige Tag später begann er seinen Dienst bei den IDF und nahm als Schütze am Yom Kippur Krieg teil, der vom 6. bis zum 26. Oktober 1973 auf israelischer Seite 2656 Tote und 7250 Verletzte forderte.

Hier in Israel traf Hans seine Frau Galit. Ihre Grossmutter ist eine Überlebende des Holocaust. Ihre gesamte Familie wurde in Auschwitz ermordet. Dieser warmherzigen Frau gelang es, das zu tun, was viele noch lebende Holocaustüberlebende bis heute nicht schaffen. Sie nahm Hans mit offenen Armen auf. Nie hat sie ihn zur Verantwortung gezogen für das, was sein Vater getan hat. Vielmehr hat sie es hoch geschätzt, dass er seinen Weg so geradlinig gegangen ist und sie hat vor allem auch erkannt, wie stark er sich in das Judentum eingefügt hat.

gaya-bartella-hans

Bild: Jewish breaking news

Gaya Bertele ist der Name einer jungen Frau. Sie dient bei den “Bardales” (Cheetah) an der ägyptischen Grenze in der Wüste, der Arava. Bardales ist eines von vier gemischten Batallionen der kämpfenden Truppe. Nach einem Unfall kann sie nicht mehr als Gruppen Kommandantin arbeiten und wurde in die Organisationszentrale des Batallions versetzt.

Gaya ist die Tochter von Galit und Hans. In der Schule hat sie über den Holocaust gehört, auch darüber wie die Nazis schon jüdische Schulkinder angriffen. “Aber weil mein Grossvater ein Nazi war, habe ich natürlich ganz andere Einsichten gewonnen. Ich habe über die antisemitische Nazi Ideologie von meinem Vater gehört. Der hat sie ja von seinem Vater eingetrichtert bekommen. Teil der Aufgabe meines Grossvater war, seinen Ort judenrein zu halten. Keiner, der nicht 100%ig arisch war, durfte dort leben. Das war es, für das mein Grossvater mit aller Macht kämpfte. Für die Reinhaltung der Rasse und für die Verbreitung und Stärkung des 3. Reiches.

Für Gaya hat der Kampf gegen Rassismus höchste Priorität. Dies und das Wissen um die Schrecken des Holocaust hat Gaya bewogen, sich für die kämpfenden Truppen zu melden. Sie möchte dazu aktiv beitragen, ihr Volk zu schützen.

 

gaya-bartella

Bild: IDF Pressesprecher

 

“Für mich sind das zwei Kreise, die sich rund um mich vereint haben. Zum Einen die Familie meiner Mutter, die zur Opferseite gehört und zum Anderen die Familie meines Vaters, die zur Täterseite gehört. Ich habe Anteile von beiden Kreisen in mir. So schütze ich jene Menschen, die von ihren Familien nicht vor den Nazischergen geschützt werden konnten und diene gleichzeitig in der Armee des Volkes, das mein Grossvater hasste und das er vernichten wollte. Gleichzeitig kann ich aber auch den Weg meines Vaters weitergehen, indem ich seiner tiefen Spiritualität folge. Sie war immerhin der Auslöser dafür, sich einem für ihn fremden Volk anzuschliessen und der Kultur in der er aufgewachsen war zu entsagen. “

“Mein Grossvater”, so beendet Gaya das Gespräch “ würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass sein Sohn zum Judentum übergetreten ist und ich in der IDF Karriere mache. Er würde jeden Kontakt mit uns abbrechen.”

 

 

@esther scheiner, israel

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

Der verlogene Pazifismus des Jürgen Todenhöfers (JT)

ב“ה

Den nachfolgenden Text veröffentliche Jürgen Hodentöter auf seiner Facebook Seite  am Sonntag 23. Juli 2017 gegen 20 Uhr. Der gleiche Text erschien auch auf seiner Homepage  in etwa zeitgleich.

Liebe Freunde, keine Regierung der Welt hat das Recht, den muslimischen Palästinensern den freien Zugang zur Al Aqsa Moschee und zum Felsendom zu nehmen. Zum „haram asch-scharif“, ihrem „Edlen Heiligtum“. Dem Symbol ihrer nationalen und religiösen Würde. Alles hat man den Palästinensern genommen: Heimat, Freiheit, Menschenrechte. Demnächst auch ihre historische Begegnungsstätte mit Gott?

Am Jerusalemer Ölberg, im Garten Gethsemane, habe ich große Teile meines Buches „Du sollst nicht töten“ geschrieben. Ein Aufruf, der sich an alle richtete. Durch die schattenspendenden Zweige der jahrtausendealten Olivenbäume ging mein Blick hoch zum blauen Himmel über dem Felsendom und der Al Aqsa Moschee – Wahrzeichen des Islam, vergleichbar nur mit Mekka und Medina. Auf jenem heiligen Hügel, den der Westen und Israel „Tempelberg“ nennen. Jetzt ziehen dort dunkle Wolken auf. Weil Israel nicht aufhört, immer systematischer, immer provokativer nach den heiligen Stätten der Muslime zu greifen.

Sieht Netanjahu das aufziehende Gewitter nicht? Sieht er nicht, dass er gerade ein gedemütigtes Volk noch tiefer in den Staub der Hoffnungslosigkeit tritt? Dass die eskalierende Gewalt eine Folge der völligen Entrechtung und Erniedrigung der Palästinenser ist? Frieden wird es in Israel und in den besetzten Gebieten nur geben, wenn Netanjahu die völkerrechtswidrige Besatzungspolitik Israels beendet. Wenn er das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat respektiert. Und ihr Recht auf freien Zugang zum „haram asch-scharif“.

Völker der Welt schaut auf diese Stadt! Helft mit, die Rechte der Palästinenser zu verteidigen. Euer JT

20229108_10154868942720838_5755852402804205631_n

Das anschliessende Bild mit der Überschrift „An unsere Politiker: Lasst die Palästinenser nicht schon wieder allein”, zeigt Bilder von Tausenden Muslims, die ausserhalb des Tempelberges beten. Sie haben die Kontrolle durch die Sicherheitsschleusen verweigert. Am Flughafen, an den Bahnhöfen, in grossen Einkaufszentren, aber auch in Mekka und Medina nehmen sie diese ohne Diskussion in Kauf. Nur in Israel nicht.

Das zweite Bild zeigt den leeren Tempelberg. Niemandem wurde nach einer knapp zweitägigen Sperre den Zugang verwehrt, aber der Grossmufti, die Büttel des Waqf und andere Aufwiegler haben zum Boykott aufgerufen. Und natürlich sind die Muslims dem kritiklos gefolgt. Das dritte Bild zeigt Demonstranten, die von der Polizei verstreut werden. Schaut man das Bild an, so weiss man sofort, dass Fotoshop geholfen hat, es dramatischer aussehen zu lassen. Ist doch irgendwie legitim, nicht wahr?

Die Kontrollen wurden installiert, nachdem am 14. Juli drei muslimische Terroristen zwei drusische Grenzpolizisten heimtückisch überfielen und ermordeten. Ihre Waffen hatten sie zuvor, wie ein Überwachungsvideo der Polizei belegt, durch einen Komplizen in der al-Aksa Mosche deponieren lassen. Sie kamen, um zu töten, um Juden zu töten.

So wie am vergangenen Freitag, eine Woche nach dem Terrorakt in Jerusalem der knapp 20 jährige Omar al-Abed in ein Haus in Halamish eindrang und drei Menschen tötete. Eine Frau überlebte und ist auf dem Weg der Besserung. Ihre Tochter konnte sich mit ihren Kindern in Sicherheit bringen. Auch er kam, um Juden zu töten. Im Facebook schrieb er kurz zuvor: „Ich habe viele Träume und Hoffnungen. Ich hoffe, dass mit Allahs Hilfe meine Träume wahr werden, ich habe das Leben geliebt, habe es geliebt, Menschen zum lächeln zu bringen. Aber was für ein Leben ist das? Sie (die Juden) töten unsere Frauen und jungen Menschen. Sie besudeln die Al-Aqsa, während wir schlafen.“  (Vorsicht, verstörende Bilder!)

Oder so wie heute, als ein 21 Jähriger, der illegal in Israel lebt, einen Mann mit Messerstichen mittelschwer verletzte. Er gab bei einer ersten Befragung durch die Polizei an: „Ich habe es für die Al-Aqsa getan.” Auch er kam, um Juden zu töten.

Wie schreibt JT in seinem Post? Weil Israel nicht aufhört, immer systematischer, immer provokativer nach den heiligen Stätten der Muslime zu greifen. Er vergisst, so wie es die Muslims vergessen, dass Israel im Jahr 1967 nach der Rückeroberung von Jerusalem die Oberaufsicht über den Tempelberg freiwillig und als Zeichen des guten Willens an Jordanien und den Waqf gegeben hat. Verträge sind einzuhalten. Das weiss PM Netanyahu, das weiss die gesamte Regierung und das wissen, wenn auch manchmal zähneknirschend, auch alle Israelis. Wir werden uns also hüten, den Status quo zu ändern.

Sollten die Zahlen stimmen, so verzeichnete der Beitrag von JT in den ersten drei Stunden 9.854 Likes, wurde 3.596 mal geteilt und bekam 514 Kommentare. Und die Kommentare sind eine Mischung aus nacktem Antisemitismus, strikt rechter Propaganda, linker Konkordanz und ganz, ganz selten, auch Verteidigung von Israel.

Screenshot 2017-07-24 10.35.58

JT inszenierte sich in den letzten Jahren immer wieder als perfekter Feind Israels. Immer wieder besuchte er, mal allein, mal mit seinem Sohn, mal mit seiner Tochter und meist mit seiner Assistentin Gaza. Als ihn angeblich weder Ägypten, noch Israel dorthin einreisen lassen, wählt er von Ägypten aus einen Tunnel, um nach Gaza zu gelangen. Selbstverständlich mediengerecht gefilmt und gepostet.

Eines der bekanntesten Bilder aus der Zeit kurz nach der letzten Gaza Operation zeigt ihn inmitten von zerbombten Häusern. Das Gesicht ist sicher in trauernde Falten gelegt, man kann es aber nicht erkennen. Vielleicht grinst er auch. Über den gelungenen Coup. Einer perfekten Bildregie folgend hat jemand Kinderspielzeug fein säuberlich ausgelegt. Blitzblank, wie frisch gereinigt und völlig unversehrt.

Beim nachfolgenden Video bitte ab 3:57 genau auf den Text achten.

Das ist die todenhöfer’sche Art, seine Wahrheit als die Wahrheit zu präsentieren.

Screenshot 2017-07-24 19.04.05

Am 12. März 2016 schreibt er im Facebook: „Die Gazaner leben im weltgrößten Konzentrationslager. Wer sie besucht, muss fest auf die Zähne beißen. Um nicht los zu weinen. Über soviel Not, Leid und Aussichtslosigkeit. Verdammte, verlogene Welt! Die von Menschenrechten redet, aber die Menschen von Gaza wie Tiere behandelt. Deren Politiker zu feige sind, die Käfighaltung eines ganzen Volkes ein Verbrechen zu nennen.“

Ursprünglich war seine politische Heimat der Rechtsaussen Flügel der CSU, als Hardliner mit einer erzkonservativen Einstellung sass er von 1972 – 1990 im Bundestag. Von 1987 – 2008 war er Vorstandsmitglied des rechts-konservativen Burda Verlages. Seit Anfang dieses Jahres ist er Herausgeber der linken Wochenzeitung „Der Freitag“ (Verleger Jakob Augstein). Dieser politische Spagat drückt sich in der Unverbindlichkeit aus, in der tiefen Sehnsucht, alle Anhänger bedienen zu wollen, die rechten wie die linken.

2014 reist er nach Afghanistan, lebt 10 Tage in Mosul und kehrt, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, unbeschadet nach Deutschland zurück. Von der IS-Führung hat er eine Sicherheitsgarantie erhalten, ungewöhnlich für diese Mördertruppe. In Mosul interviewt er einen der IS-Extremisten Abu Qatadah. Der ist Deutscher und wurde als Christian Emde in Solingen geboren. Dort lebte er, geriet in das Umfeld des extremistischen Hasspredigers Pierre Vogel und verliess Deutschland in Richtung Syrien im Jahr 2012. Das Interview gerät zur Farce, JT überlässt dem IS-Propagandisten bereitwillig die Bühne. Man erfährt nicht viel Neues. Trotzdem beschreibt JT ihn im Video: „Das ist ein hochintelligenter Dogmatiker, Ideologe, sehr belesen, total brutal, völlig unbelehrbar, und 100 % davon überzeugt, dass er das Richtige tut.“ Wie der das in dem kurzen Interview erkannt haben will, keine Ahnung. Das ist eben wieder die Wahrheit des JT. „Für mich hat das, was Abu Qatadah vertritt, nichts mit dem barmherzigen Islam zu tun, den 99,9 Prozent unserer muslimischen Mitbürger vertreten.“ Steht auf seiner Facebook Seite.

JT ist ein Gehetzter zwischen den Kriegsschauplätzen des Nahen und Mittleren Ostens. Mal spendet er hier den Erlös aus dem Verkauf eines seiner Bücher, mal dort. Immer sind Kameras dabei.

Der Blick, den er auf das Geschehen wirft, wird immer verschwommener. Während die Hamas immer wieder Tiere mit Sprengkörpern belädt und sie als Kriegswaffe einsetzt, spinnt JT daraus die Mähr, Israel kämpfe disproportional gegen arme wehrlose Menschen.

Grosszügig gesteht er Israel das Recht auf Selbstverteidigung zu „gegen die sinnlose Ballerei der Hamas und anderer Widerstandgruppen“ und er bedient damit das alte Stereotyp, dass die Waffen der Hamas nicht mehr wert sind, als Silvesterknaller. Immerhin haben diese „Knaller“ mittlerweile Reichweiten von mehr als 100 Km! Und dass die Hamas keine Widerstandsgruppe ist, hat sich mittlerweile doch schon ziemlich weit rumgesprochen. Hamas ist eine Terrororganisation, deren Ziel es ist, Israel zu zerstören.

Wie zynisch ist es, wenn JT rät, wir sollen uns doch bitte auf unseren Iron Dome und die 15 Sekunden entfernten Schutzräume verlassen. Es sei nicht notwendig, andere Massnahmen zu ergreifen.

Solltet ihr jemals überlegt haben, wozu die Tunnel in Gaza dienen, hier kommt sie die Wahrheit des JT!

„Die Menschen von Gaza haben begonnen, wie Maulwürfe Tunnel in Nachbarländer zu graben, um manchmal für ein paar Tage oder Stunden Freiheit zu schnuppern”, schreibt er. „Um nicht immer wie Untermenschen zu leben, gingen sie unter die Erde.“

 JT sollte nicht nur ein Verbot bekommen, von Ägypten oder Israel aus nach Gaza einreisen zu dürfen. Er sollte ein lebenslanges Einreise- und Aufenthaltsverbot bekommen. Menschen wir ihn brauchen wir hier ganz sicher nicht.

Hier noch ein sehr lesenswerter Artikel von heute:

Muslim self-racism: The ‘low expectations syndrome’
Op-ed: Why do Muslims insist on being inferior? Why are they refusing to see themselves as equals? They’re allowed to call for the destruction of others, publish anti-Semitic cartoons and attach electronic bracelets to every Mecca pilgrim, but when others do so, it’s ‘an offense to Muslim honor.’

©esther scheiner, israel

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Nachtrag zum Terroranschlag in Jerusalem vom vergangenen Freitag

ב“ה

Am 18. Juli 2017 twitterte UN Watch einen Artikel, der zuerst in der Times of Israel erschienen war.

Am Sonntag, den 16. Juli wurde, der Tempelberg, wie von PM Netanyahu angekündigt, wieder geöffnet, nachdem er am Freitag, nach dem Anschlag geschlossen worden war. Zuvor waren neue Sicherheitsmassnahmen getroffen worden, um das Mitnehmen von Waffen weitgehend zu verhindern. An allen Aufgängen wurden Metalldetektoren installiert, durch die jeder muslimische Besucher gehen muss. Das ist eine Standardmassnahme bei jedem Bahnhof, bei grossen Einkaufszentren und anderen gefährdeten Orten. Kein Mensch regt sich darüber auf, alle haben sich daran gewöhnt. Juden, Christen, Muslims, Israelis, Touristen. Auch die Mitglieder des Waqf, die für die Sicherheit des Tempelberges zuständig sind. Diese neue Massnahme am Tempelberg gilt für Nicht-Muslims und Touristen, die nur über das Marokkaner Tor (bei der Mughrabi-Brücke neben der Kotel) auf den Tempelberg gelangen können, schon seit einiger Zeit.

791780201000100640360no

Die Mitarbeiter des Waqf riefen Muslims dazu auf, sich diesen Kontrollen zu entziehen und notfalls ausserhalb des Tempelberges zu beten. Selbstverständlich schloss sich der Grossmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, dieser Aufforderung an. Während König Abdallah von Jordanien den Terrorakt verurteilte, glorifizierte das jordanische Parlament die Terroristen als Helden und Märtyrer. Präsident Abbas verurteilte zwar vage den Anschlag, verurteilte aber gleich darauf wieder Israel, den „Status quo“ für den Tempelberg zu verletzen und neue Tatsachen zu schaffen. Dieser, durch nichts gerechtfertigten Unterstellung, schlossen sich mehrere arabische Staaten an.

F170716YS24

Seit dem vergangenen Wochenende kam es immer wieder zu Unruhen zwischen muslimischen Störenfrieden und der israelischen Polizei. Es gab zahlreiche Verletzte. Gleichzeitig wurden aber auch jüdische Besucher des Tempelberges von der Polizei vom Gelände geführt, nachdem sie sich dem bestehenden Verbot, dort zu beten, offen widersetzt hatten. Die israelische Regierung ist bemüht, den Klagen, den „Status quo“ zu verletzen, entschieden entgegenzutreten, und reagiert sofort. So wurde heute der Besuch des Tempelberges für Nicht-Muslims gesperrt. Nachdem die Muslims den Besuch nach wie vor ablehnen, dürfte dort oben eine recht gespenstische Stille geherrscht haben.

000_QO81X-e1500293550719-635x357

Der Waqf hat mittlerweile erklärt, die Moscheen am Freitag geschlossen zu halten und rief die Muslims dazu auf, die Freitagsgebete wiederum ausserhalb des Tempelberges abzuhalten.

Mitten in der unsicheren und unruhigen Situation scheint der Bericht über den ersten Notfallsanitäter, der unmittelbar nach dem Terroranschlag zu Hilfe eilte, wie aus einer anderen Zeit.

ShowImage.ashx

Nedal Sader, 37 lebt in unmittelbarer Nähe des Tempelberges. Er ist als Volontär Notfallsanitäter bei der orthodoxen Rettungsorganisation Hatzalah. Von den in etwa 3000 Freiwilligen sind 300 Muslims, Drusen und Christen. Hatzalah ist kommunal und nicht landesweit organisiert. Um die Betreuungssituation der arabischen Orte zu verbessern, begann man vor zehn Jahren damit, auf die jeweilige Bevölkerung zuzugehen und diese zur Mitarbeit zu motivieren. Jüdische Ärzte dürfen per Gesetz aus Sicherheitsgründen nur mit Polizeischutz in arabische Wohngebiete fahren.

Am vergangenen Freitag hörte Nedal die Schüsse und rannte los. Es war nicht sein erster Einsatz nach einem Terroranschlag. Normalerweise versucht er zu verbergen, dass er Muslim ist. „Wenn sie mich identifizieren, könnten die Araber verrückt werden. Oder die Juden werden verrückt. Ich möchte damit nichts zu tun haben, ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Das ist wichtig.“

Die Polizisten versuchten ihn in Richtung ihrer Kameraden zu lenken, aber er musste einen kurzen Moment warten, bis alle Terroristen überwältigt waren. Als er zum ersten am Boden liegenden Polizisten kam, musste er realisieren, dass für ihn jede Hilfe zu spät kam.

Neben den zwei bereits erschossenen Terroristen lag der Dritte, umringt von Polizisten.

Für den zweiten, ebenfalls leblosen Polizisten schien es noch Hilfe zu geben, Nedal begann sofort mit Wiederbelebungsmassnahmen.

Kurz darauf sprang der dritte Terrorist noch einmal auf und versuchte die Polizisten mit einem Messer anzugreifen. Statt sich vor den Schüssen, die jetzt folgten in Rettung zu bringen, setzte Nedal seine Wiederbelebungsversuche 15 Minuten lang fort, bis die Ambulanz eintraf. Leider umsonst.

Nedal ist ein Held. Sein Verhalten zeugt von Zivilcourage. Ein Verhalten gegen den Strom, gegen das vermeintlich Erwartete. Ein Verhalten, das die Menschlichkeit hoch achtet und die Gefährdung der eigenen Person in Kauf nimmt.

Seine Haltung zu Israel ist kritisch. Er hat bewusst auf die israelische Staatsbürgerschaft verzichtet. Aber, er respektiert unsere Ansprüche auf die Kotel, solange wir ihre Ansprüche auf ihre heiligen Plätze respektieren.

Er spricht von der Kotel, das ist mehr, als wir von der UNO erwarten dürfen.

 

© esther scheiner, israel

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein