Von Venedig nach Haifa – jüdisches Leben entdeckt auf einer Kreuzfahrt, Teil II von Korfu nach Haifa

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Korfu

Korfu ist die zweitgrösste der Ionischen Inseln und ganz im Norden nur etwa zwei Kilometer vom albanischen Festland entfernt. Die Insel gehört zu den wohlhabenden Gebieten Griechenlands. Ab 800 BCE sind permanente Siedlungen belegt. Wie alle Länder rings um das Mittelmeer wurde auch Korfu von jedem heimgesucht, der glaubte, sein Staatsgebiet vergrössern zu müssen: Sarazenen, Hellenen, Römer, Normannen, Osmanen, Kreuzritter, Venezianer, Franzosen, Briten, Serben und Italiener. Sie alle waren hier und hinterliessen ihren Spuren.

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Der ehemalige königliche Palast

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Blick von der Esplanade auf die Neue Festung

 

 

 

 

 

 

Die Stadt Korfu wird im Norden und Süden jeweils von einer gut ausgebauten Festung geschützt, die Altstadt ist komplett von einer Mauer umgeben.

Von der Esplanade aus kann man sich in den kleinen, verwinkelten Altstadtgässchen treiben lassen, weit weg von der Haupteinkaufsmeile. Je enger und je verwinkelter die Gässchen werden, desto weniger erinnern sie an die Touristenströme, die sich in den breiteren Strassen drängen. Kurz vor dem Aufstieg zur neuen Festung findet man, gut versteckt zwischen einem alternativen Velohändler (Velos aus Holz) und dem Büro der kommunistischen Partei die einzige noch existierende Synagoge der Insel.

Seit dem 12. Jahrhundert waren Juden in Korfu ansässig. Sie waren völlig integriert in Handel, Wissenschaft und Kunst und trugen das Ihre dazu bei, das Leben auf Korfu zu bereichern. Die meisten Juden kamen aus dem Westen (Apulien), aber auch aus dem Osten und anderen Teilen Griechenlands.

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Romaniotische  Juden, die seit mehr als 2000 Jahren in Griechenland leben. Sie sind neben den Sepharden und den Ashkenazim eine eigene Gruppe.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten etwa 7000 Juden hier. 1891 kam es zu einer der tragischen Ritualmordlegenden. Etwa 5.000 Menschen wanderten aus nach Alexandria, Ägypten oder auch nach Europa, so dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Korfu nur mehr 2.000 Juden gab.

Am 9. Juni 1944 wurden 2.000 Juden aus Korfu von den Nazis deportiert. 1.800 von ihnen wurden, zusammen mit weiteren 67.000 griechischen Juden in den Konzentrationslagern ermordet. In den Transport- und Totenbüchern sind die Juden von Korfu akribisch aufgeführt: 1.700 wurden am 29. Juni 1944 in den Gaskammern ermordet. 300 wurden Zwangsarbeiter. 150 starben an den Folgen der unmenschlichen Behandlung, 150 überlebten und wurden von den Alliierten befreit. 70 von ihnen wanderten aus, nach Israel, in die USA und mit unbekanntem Ziel. Die anderen kamen zurück nach Korfu.

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Die namenlose Synagoge aus dem 17. Jahrhundert

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Ruinen der Medras Synagoge

Heute umfasst die Gemeinde 60 Seelen. Früher gab es vier Synagogen auf der Insel. Die Erste war bekannt unter dem Namen „Apulische Synagoge“, sie wurde um 1550 gebaut. Die Zweite war ein kleiner Aufbau auf den Ruinen der apulischen Synagoge und wurde „Neuer Tempel“ genannt. Die Dritte lag unmittelbar neben dem „Neuen Tempel“, war noch kleiner und erhielt den Namen „Medras“. Die Ruinen dieses Tempels sind noch zu erkennen, sind aber offensichtlich für die Juden von Korfu keiner Erwähnung wert.

Traurig, aber so ist es, im Museum beschränkt sich die Tätigkeit des Mannes, der dort sitzt darauf zu sagen: „Synagogue first floor“ – ich kam mir schon einmal willkommener vor!

Santorin

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Fira vom Ankerplatz aus: in der Mitte der Fussweg nach oben, links daneben die Seilbahn

Beim Anlaufen von Santorin fiel ich einer optischen Täuschung zum Opfer. Auf der gesamten Länge der Insel Thira lag auf der Kuppe eine dicke Schneeschicht. Dachte ich. Und wunderte mich, woher bei einer Temperatur von mehr als 20° um sechs Uhr morgens der Schnee herkam. Nach einigen Minuten, als wir uns dem Gebirgszug näherten, wurde mir klar, dass es sich um eine dichte Bebauung mit schneeweissen Häusern handelte.

Santorin ist der Name eines vulkanischen Archipels in der südlichen Ägäis und gehört zur Inselgruppe der Kykladen. Die Namen der beiden Hauptorte der grössten Insel, Thira, sind Fira und Oia, der Ort der blauen Kuppeln.

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Maultiere und Esel als „Aufstiegshilfe“

Fira erreicht man je nach persönlichem Fitnessgrad auf drei Arten: Man klettert beherzt die 566 steilen Stufen hinauf, man überlässt das Klettern einem Maultier (€ 10,–) oder benutzt die Kabinenbahn (€12,–). Sowohl Tierschützer als auch Kreuzfahrtunternehmen warnen vor dem Ritt, und das nicht erst, seit eine Frau bei einem schrecklichen Unfall getötet wurde. Auch wir erhielten Tickets für die Benutzung der Bahn. Oben angekommen lässt man sich am besten einfach mit dem Strom der Touristen treiben und bewundert statt der immer gleichen Angebote, diesmal angereichert mit Luxus Kommissionswaren, die malerische Architektur. Wer etwas Glück hat, ist plötzlich draussen, weg vom Touristenrummel und kann nicht nur die Ruhe und das kommerzfreie Gebiet, sondern auch einen unvergleichlichen Ausblick über die Caldera geniessen.

 

Bis zum Jahr 1.600 BCE war Santorin eine typische vulkanische Insel. Diese sind in der Regel kreisrund und kegelförmig. Es kam zu einer sehr starken Explosion. Der Druck muss so hoch gewesen sein, dass Aschepartikel noch in Hunderten von Kilometern Entfernung gefunden wurden. Die Insel selber wurde, wie heute noch in den gut sichtbaren Gesteinsformationen erkennbar ist, von einer bis zu 60 Meter dicken Ascheschicht begraben. Religionshistoriker gehen davon aus, dass die ungeheuer hohe und tagelang lodernde Feuer- und Aschesäule jenes Phänomen beschreibt, das in der Tora beim Auszug der Hebräer aus Ägypten beschrieben wird. Der nachfolgende Tsunami verursachte demzufolge die Teilung des Roten Meeres. Unmöglich ist das nicht. Schliesslich gelangte auch Jona im Walfisch vom Mittelmeer in den Arabischen Golf.

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An diesem Riff kann man die verschiedenen Sedimentschichten gut erkennen

Erste nachweisliche Spuren andauernder Besiedlung gehen bis in das 5. Jahrtausend BCE zurück. Den ersten Bewohnern der Insel folgten Phönizier, Dorer und Ptolemäer, Römer, Byzantiner, Venezianer, Franken und Osmanen.

 

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Josef Nasi

Nach dem Ende der venezianischen Zeit eroberte Khair ad-Din Barbarossa im Jahr 1537 die ägäischen Inseln. Den Einwohnern wurde freigestellt, sich entweder dem Osmanischen Reich anzuschliessen und einen individuell festgesetzten Jahrestribut zu zahlen oder sich diesem Vorschlag zu widersetzen. Im ersten Fall blieben die Inseln von weiteren Repressalien verschont, im zweiten Fall wurden sie weiter bekämpft. Als Dank für geleistete Dienste im Kampf gegen Venedig wurde Joseph Nasi im Jahr 1566 von Sultan Selim II als Herzog über Naxos eingesetzt, zu dem auch Santorin gehörte. Er wurde auch zum Herrn über Tiberias ernannt, mit der Aufgabe, dort wieder Juden anzusiedeln. Josef Nasi starb 1579, ohne Tiberias je betreten zu haben. Nach seinem Tod fiel Santorin wieder an das Osmanische Reich.

Eine Besonderheit Santorins ist der Weinbau. Durch das sommertrockene Klima, in dem nur Tau der Bewässerung dient, erfanden die Weinbauern eine spezielle Technik der Weinrebenformung. Sie sind korbförmig und können den zur Verfügung stehenden Tau gut auffangen und halten.

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Weinanbau auf Santorin

Aktuelles oder gar neuzeitliches jüdisches Leben gibt es hier nicht.

 

Mykonos

Mykonos stand lange im Schatten der kleineren Nachbarinsel Delos. Diese galt als heilig, es durfte keine Geburt und kein Todesfall auf der Insel stattfinden. Entstanden ist Mykonos der Legende nach, als die von Herkules besiegten Riesen, die er ins Meer geworfen hatte, zu Stein wurden und so die Insel bildeten.

Eine andere Legende erzählt von der Entstehung der Insel Delos. Hera, die Schwester und Ehefrau von Zeus war eifersüchtig auf seine zahlreichen Geliebten. Eine ihre Nebenbuhlerinnen, Leto war mit Zwillingen, Artemis und Apollon schwanger. Als Wächterin der ehelichen Sexualität und Schützerin von Ehe und Geburt kannte Hera manche Tricks, um eine Geburt zu verhindert. So erzwang sie von der Erde den Eid, Leto kein festes Land zur Geburt zur Verfügung zu stellen. Poseidon liess daher die schwimmende Insel Delos entstehen, auf der Leto ihre Kinder zur Welt bringen konnte. Anschliessend befestigte Poseidon die Insel an vier diamantenen Säulen.

Belegt ist, dass sich auf Delos die älteste, als Bau nachweisbare Synagoge befindet. Aus erhaltenen Inschriften kann man entnehmen, dass um 200 BCE Juden und Samaritaner auf Delos gelebt haben. Reste des Gebäudes erzählen viel über die Nutzung zunächst als Wohnhaus und später als Synagoge. Teilweise erhalten ist der wunderschöne, thronartige Stuhl, die Nische, in der die heiligen Schriften aufbewahrt wurden, sowie Bänke aus Marmor entlang der Wände. Die Synagoge von Delos ist die älteste der sechs erhaltenen Synagogen, die auf die Zeit des zweiten Tempels (525 BCE bis 70 CE) zurückdatiert werden können.

Aus der Zeit der Antike wissen wir nur wenig über Mykonos. Im Jahr 1207 wurden sie, wie die anderen Kykladen Inseln, von Venedig erobert. 1537 eroberte Khair ad-Din Barbarossa neben Santorin auch Mykonos. Diese Insel war, aufgrund ihrer strategisch günstigen Position für jeden von Bedeutung, der im grossen Stil internationalen Handel über das Meer trieb. Die Bürger von Mykonos waren grossteils Seeleute. Während der griechischen Revolution (ab 1821) halfen sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Schiffen und Mannschaften den Griechen erfolgreich im Kampf gegen das Osmanische Reich.

Zwischen den beiden Weltkriegen begann sich der Tourismus zu etablieren. Mykonos war teilweise noch ohne Strom, wer kam, reiste gleich weiter nach Delos.

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Das heutige Inselmaskottchen Petros III

 

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Jackie Kennedy mit Petros I.

1960 kam Jackie Kennedy und löste damit einen Boom von Mykonos als Lifestyle Ferienort aus. In den Sommermonaten verliert die charmante Insel ihre Identität. In den Tavernen, Bars und Cafés ist Party, sobald die Sonne untergeht. Dabei hat Mykonos mehr zu bieten. Verschlungene kleine Gässchen mit gehfreundlichem Pflaster, weisse Häuser mit den typischen bunten Treppen und Balkonen und natürlich die fünf Windmühlen. Sie haben 400 Jahre lang Getreide zu Mehl vermahlen. Heute sind sie die meist fotografierten Wahrzeichen der Insel und befinden sich in Privatbesitz. In „Klein-Venedig“, den bunten Häusern direkt am Meer, versteckten früher Piraten ihre Beute. Dieser pittoreske Ortsteil ist im venezianischen Baustil erhalten und strahlt einen ganz eigenen Charme aus.

 

 

Athen

Auf diese Stadt hier einzugehen wäre so, als wollte ich Eulen hierher tragen. Spricht man derzeit von Griechenland, so ist die marode Wirtschaft immer und überall das Thema Nr. 1. In Athen lebt beides nebeneinander. Ungeheurer Reichtum und abgrundtiefe Armut. Einerseits ist kein Land derzeit wirklich daran interessiert, in Griechenland zu investieren, weil niemand eine Vorstellung davon hat, wie es mit diesem Land weitergeht. Andererseits haben China (COSCO), das den maroden Hafen aufkaufte und das deutsche Bauunternehmen Hochtief AG, das sich 40 % der wirtschaftlichen Rechte am Flughafen gesichert hat, dafür gesorgt, dass beide hoch verschuldeten Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

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Fahnen am Hafen von Priäus

Was ist der Grund für die wirtschaftliche Misere? Zu hohe Steuern, die von zu vielen Steuerpflichtigen nicht gezahlt werden, hohe Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektive für die Wirtschaft, niedriger privater Konsum… Gibt es eine Lösung? Derzeit hat man noch keine gefunden.

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Ehemaliger Palast, nun Regierungssitz

Irgendwie erinnert die Stadt an Rom. Auf Schritt und Tritt begegnet man den Spuren des Altertums, hier eine Säule, da ein Bogen. Das grosse erste Olympiastadion der Neuzeit, das mich so an die Protzbauten der Nazis erinnert. Und über all dem natürlich die Akropolis. Die Zeit war zu kurz, hinaufzusteigen. Aber auch schon aus dieser Perspektive war sie mehr als beeindruckend. Wie können es Menschen geschafft haben, dieses Wunderwerk innerhalb von 15 Jahren, ganz ohne Sklavenarbeit, erbaut zu haben?

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Die Akropolis, das Wahrzeichen Athens

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Das neue Olympiastadion, hier endet jeder Marathonlauf

Es gibt einen Hinweis auf einen „Moschos, Sohn von Moschion dem Juden“. Er wird datiert auf 300 BCE und fand sich in Oropos, einem kleinen Hafenort, der zum Stadtgebiet von Athen gehörte.

Die erste grosse Zahl von Juden ist, folgt man einer mündlichen Überlieferung, unmittelbar nach der Zerstörung des Zweiten Tempels, also um das Jahr 70 CE nach Griechenland gekommen. Diese „Romanioten“  leben seit jener Zeit im Gebiet des östlichen Mittelmeeres. Sie dürfen nicht verwechselt werden mit den sephardischen Juden, die vor der Inquisition aus Spanien flüchteten, und den ebenfalls wesentlich später gekommenen Aschkenasim. Liturgische Texte der Romaniot, die um 1.000 CE geschrieben wurden, fanden Eingang in die heute noch genutzten Gebetbücher der aschkenasischen Juden.

Bis Deutsche, Italiener und Bulgaren im Jahr 1942 das Land besetzten, lebten in ganz Griechenland 78.000 Juden, mehr als 70.000 von wurden nach Auschwitz deportiert. Im Gegensatz zur katholischen Kirche, die sich eindeutig auf die Seite der Nazis stellte und nichts für die Juden tat, bemühten sich die offizielle Griechisch-Orthodoxe Kirche und zahlreiche Griechen, Juden zu retten und ihnen einen sicheren Unterschlupf zu geben. Trotzdem wurden allein aus Thessaloniki 49.000 Juden ermordet.

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Die neue Synagoge von Athen

Zwei Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gibt es in Athen. Eines auf dem jüdischen Friedhof, und das zweite im Stadtzentrum in der Nähe der neuen Synagoge. Die Gemeinde wird von Chabad betreut, die den Rabbiner stellt, einen koscheren Supermarkt und ein koscheres Restaurant.

Heute leben etwa 6.000 Juden in Griechenland, davon 3.500 in Athen und 1.500 in Thessaloniki.

 

Rhodos

Rhodos ist die Hauptstadt der zwölf Inseln umfassenden Region „Dodekanes“ in der südöstlichen Ägäis. Die Südostspitze der Insel ist nur 17.5 Km von der Türkei entfernt. Die Insel ist sehr gebirgig. Der vorherrschende Kalkstein sorgt dafür, dass trotz der regenlosen Zeit zwischen Mai und September die Insel über genügend Wasser verfügt und auch zwei Nachbarinseln mitversorgt werden können. Menschliche Siedlungen sind seit der Frühsteinzeit belegt.

Die Lage der Insel liess sie schon früh für andere Staaten interessant werden, die sie für den Fernhandel nutzten oder als Basis für miteinander bekriegende Völker. Der Krieg zwischen Theben und Athen gegen Makedonien brachte Rhodos 332 BCE die Unabhängigkeit. Wenige Jahre später wurde die Stadt nochmals belagert. Der Bau und Verkauf einer epochalen Belagerungsmaschine brachte der Stadt so viel Geld ein, dass sie den „Koloss von Rhodos“, eines der sieben Weltwunder giessen liessen. Er war ein Weihegeschenk an den Sonnengott Helios, dem man den Sieg über die Belagerer zuschrieb. Bereits im Jahr 227 BCE fiel er einem Erdbeben zum Opfer.

 

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Jeder hat seinen Stil hinterlassen, Byzantiner

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…  Kreuzfahrer

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… und Türken

Es folgte die byzantinische Zeit, die heute noch in den Stadtmauern sichtbar wird. Die Epoche der Kreuzritter und die Macht des Johanniter Ordens, die zwischen 1309 und 1522 die Insel beherrschten, hinterliess mit dem mächtigen Grossmeisterpalast prägende Spuren in der Stadt. Danach kamen die Osmanen.

Die türkische Besatzungszeit dauerte bis 1912, gefolgt von der Übernahme durch die Italiener. Es ist bemerkenswert, dass es bis zum Jahr 1938 keine Judenfeindschaft gab und die jüdische Gemeinde ständig anwuchs, bis sie Mitte der 1930er Jahre viertausend Seelen umfasste. Noch in den 30er Jahren wurde die Synagoge um eine Frauenempore erweitert.

Die Juden von Rhodos kamen in Wellen, Ende des 3. Jahrhunderts CE kamen jene, die von den Römern endgültig aus Palästina vertrieben worden waren, Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien, später aus Apulien. Sie sprachen „Ladino“, jene Sprache, die die sephardischen Juden aus Spanien nutzten.

Im September 1938 wurden die ersten anti-jüdischen Gesetzte verabschiedet. 2000 Juden verliessen das Land.

Die italienische Lira, damals das gültige Zahlungsmittel auf Rhodos verlor rasend schnell an Wert, so dass die deutschen Besetzer bald Probleme mit der Versorgung ihrer Truppen hatten. Am 13. Juli 1944 wurden alle noch auf der Insel lebenden Juden inhaftiert. Ihr Hab und Gut, sowie ihr Geld stellten für die Deutschen die weitere Versorgung ihrer Truppen sicher.

Am 23. Juli wurden 1.673 Juden gemeinsam mit 94 Juden der Nachbarinsel Kos über Piräus nach Auschwitz transportiert, wo die meisten ermordet wurden. 60 Menschen konnten der Deportation entkommen, 163 überlebten den Holocaust. Im Jahr 1947 lebten auf Rhodos 60 und auf Kos nur mehr 1 Jude.

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Die Zeremonie in Yad VaShem

Der türkische Generalkonsul Selahattin Ülkümen rettete 42 Personen das Leben, indem er sie, die bereits inhaftiert waren oder sich sogar bereits auf dem Weg nach Piräus befanden, unter Berufung auf ein geltendes türkisches Gesetz, das es gar nicht gab (!) befreite. Es handelte sich um 17 türkischstämmige Juden und deren nicht türkische Familien. Am 12. Dezember 1989 wurde er als „Gerechter unter den Völkern“ von Yad Vashem anerkannt.

 

 

 

 

 

Die „Kahal Shalom Synagoge“ ist die älteste Synagoge in Griechenland. Das Baujahr 1577 ist auf einer Plakette im Innenhof festgehalten. Gottesdienste, Chuppot und Bar Mitzwot finden hier nur statt, wenn ausländische Gäste speziell aus diesem Grund nach Rhodos kommen.

 

 

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Der grosse Gebetsraum der Kahl Shalom Synagoge

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400 Jahre alte Torarolle

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Blick auf den Innenhof

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An dieser Stelle befand sich der Frauenraum

Zur Synagoge gehört ein kleines Museum, das Gegenstände und Bilder des vergangenen jüdischen Lebens auf Rhodos präsentiert, berührende Zeugnisse einer Gemeinde, die nach dem Holocaust fast komplett zerstört wurde.

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Denkmal für die Opfer des Holocaust

Limassol

Die geteilte Insel Zypern ist seit 8.000 BCE besiedelt. Funde aus dem 3. Jahrtausend BCE belegen, dass es bereits Handel mit anderen Inseln und Städten mit der benachbarten Inselwelt, aber auch mit dem Nahen Osten und Ägypten gab. Kupferfunde, die der Insel den Namen gaben, legten den Grundstein für beachtlichen Reichtum. Bis zur Zeitwende wurde Zypern immer wieder von Eroberungen heimgesucht. Griechen, Ägypter, Assyrer, Perser und Ptolemäer wechselten sich ab. 58 CE wird Zypern Teil des Römischen Reichs. Zwischen 330 und 1191 fällt es an Byzanz, bis es von Richard Löwenherz erobert wird und an französische Kreuzritter verkauft wird. 1489 übernehmen die Venezianer die Macht und bauen bereits vorhandene Festungen gegen die immer wieder drohenden Übergriffe durch die Türken aus, denen es erst 1570 gelingt, das Land zu erobern. 1878 überlassen sie Zypern auf Basis eines Pachtvertrages Grossbritannien.

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Ruine einer Kreuzritterburg

Es wird britische Kronkolonie. Mehr und mehr übernehmen die Briten die Kontrolle im Land. Die Briten sahen in Zypern ausschliesslich als Möglichkeit, im Mittelmeerraum militärisch präsent zu sein. Menschliche Schicksale interessierten sie nicht.

 

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kommt Hoffnung bei den Zyprioten auf, endlich selbstständig zu werden. Die Unzufriedenheit der griechischen Zyprioten aber stieg, ihr Ziel war die Anbindung an Griechenland. Doch die Briten sind anderer Meinung: „Es hat sich schon immer von selbst verstanden, dass es gewisse Gebiete im Commonwealth gibt, die aufgrund spezieller Umstände niemals eine vollständige Unabhängigkeit erwarten können“. Das war die offizielle Haltung.

1960 erhielt die Insel mit dem „Abkommen von Zürich und London“ seine Unabhängigkeit. Jedes noch so kleine Detail wurde darin geregelt. Die türkische Minderheit im neuen Staat erhielt so weitreichende Rechte, dass sich bei der griechischen Mehrheit grosser Unmut breitmachte. Die Spannungen wurden immer stärker. Sie gipfelten darin, dass im Sommer 1974 türkische Gruppen die Insel vom Norden her überfielen und den Nordteil besetzten.

Die 1983 einseitig ausgerufenen „Türkische Republik Nordzypern“ umfasst ca. 37 % des Landes, 56 % machen das Staatsgebiet der Republik Zypern aus, 4 % wurden zur UN Pufferzone und 3 % sind britisches Hoheitsgebiet.

Im britischen Hoheitsgebiet herrscht britisches Recht, die dort lebenden Zyprioten werden nicht in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt. Auf einem Teil dieser Region befinden sich auch riesige Obstplantagen, die eine der Grundlagen der Wirtschaft darstellen. Die Plantagen waren bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts moskitoverseuchte Sümpfe. Ein jüdisch-britisches Regiment legte es erfolgreich trocken und rettete so zahlreichen Einwohnern das Leben.

 

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Der Venusfelsen vor der Küste Zyperns.

Hier soll auch Aphrodite aus dem Meer geboren worden sein. Ihre Zeugung ist so dramatisch, wie es nur in der griechischen Mythologie denkbar ist. Uranus ist der Sohn von Gaia und Eros. Mit seiner Mutter Gaia hatte er zahlreiche Kinder, die ihm alle verhasst waren. Er verbannte sie aus seinem Umfeld und versteckte sie im Meer. Damit war seine Mutter Gaia nicht einverstanden, sie liess ihn von seinem Sohn Kronos entmannen. Das blutige Geschlechtsteil warf Kronos in das Meer, wo sich Blut, Wasser und sein Samen zu einer aufschäumenden Gischt verwandelten, aus der Aphrodite geboren wurde.

Frühzeitliche Spuren jüdischen Lebens auf Zypern gibt es fast keine. Auf dem jüdischen Friedhof von Margo soll es angeblich noch Reste von Grabsteinen aus der Zeit der Römer geben. Der Zutritt dorthin ist allerdings verboten. Es muss aber in dieser Zeit eine jüdische Bevölkerung auf Zypern gegeben haben, sonst wäre ihnen der Aufenthalt dort nicht nach dem „Diaspora Aufstand“ (115 – 117 CE) auf alle Zeit verboten worden.

Während der osmanischen Zeit sollten Juden aus Sfad in Famagusta angesiedelt werden.

Russische Einwanderer versuchten ihr Glück als Farmer in Margo. Unterstützt von der Jewish Colonization Association starteten sie ihr Projekt, ohne Ahnung, wie das Leben eines Farmers sein würde. Trotz einer perfekten Infrastruktur gaben sie aufgrund der schlechten Lebensbedingungen auf. (Die JCA übernahm 1900 die Verwaltung der von Baron de Rothschild in Israel gegründeten Gemeinden, mit dabei auch Zichron Ya’acov).

Von 1945 bis 1949 diente Zypern zur Internierung von etwa 52.000 Juden, die, auf dem Weg nach Palästina vom britischen Militär abgefangen wurden. Seit 1939 hatte die britische Regierung die Zahl der Einwanderer nach Palästina drastisch beschränkt. Die Auffanglager in Palästina waren bereits hoffnungslos überfüllt. Um die Lage etwa zu entspannen, ging man dazu über, möglichst zahlreiche Flüchtlinge wieder ausser Landes zu bringen. Als die britischen KZs auf Zypern ebenfalls nicht mehr ausreichten, wurden die Flüchtlingsschiffe abgefangen und wieder in den Ausgangshafen zurückgeschickt.

Heute leben wieder etwa 2.000 Juden auf Zypern, zwei Gemeinden je eine im türkischen und im griechischen Gebiet werden von Chabad betreut.

 

Haifa

Die Ankunft in Haifa nach einer spannenden, lehrreichen und erholsamen Reise ist jedes Mal wieder sehr emotionell. Morgens noch im Dunkeln langsam der Küste entlang zu segeln, die kleinen Städte und Orte zu erkennen und dann die erleuchteten Bahai Gärten langsam näher kommen zu sehen…… das ist es, was ich daran besonders liebe. Das Heimkommen!

 

Baha_i Shrine and Gardens The holy place of Baha_i Faith-7

©esther scheiner, israel

 

 

 

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