Donald J. Trump und der Jerusalem-Tag

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War es ein Zufall? Zufälle, das wissen wir doch alle, gibt es nicht. War es eine ungeschickte Planung? Politiker und ihre Adlati irren (fast) nie. War es Absicht? Wer aber sollte damit düpiert werden? Also lassen wir es einfach bei folgender Vermutung: Der G7 Gipfel in Sizilien war schon lange vor Trumps’ Wahl für den 26. und 27. Mai geplant, auch der NATO Gipfel in Brüssel schon seit Monaten für den 25. Mai festgelegt. Dazwischen hatte Papst Franziskus gerade noch eine Stunde Zeit am frühen Morgen des 24. Mai für einen kurzen Plausch.

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Noch ein wenig skeptisch……

Folgerichtig musste der erste Besuch in Israel von Donald J. Trump am 22. und 23. Mai stattfinden. Ihm wird es herzlich egal gewesen sein. Für Diplomaten, Politiker und Logistiker von Grossveranstaltungen war das Datum eine Herausforderung.

Zum einen war da das vorgesehene Programm, das in keinen Punkt unverändert ablief. Teile wurden kurzfristig gestrichen, andere wurden verändert oder kamen neu hinzu. Dazu kamen teilweise unverständliche Entscheidungen. Gut, Marine One, der präsidiale Hubschrauber hat die Ausmasse eines mittelgrossen Reisebusses. Aber für den Platz vor der Knesset hätte das kein Hindernisgrund sein müssen, um dort zu landen. Stattdessen hatte man sich für den Parkplatz beim alten Bahnhof von Jerusalem, mitten in einem Wohngebiet entschieden.

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Marine One kurz vor der Landung

Und so wurde dann grossräumig für zwei Tage, für einen Tag, für Stunden mit oder ohne Pausen Jerusalem für jeden Verkehr gesperrt. Busse fuhren, nur war nicht klar, wann und wohin sie fahren würden. Kurz, wer es sich leisten konnte, blieb am Montag und Dienstag daheim.

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Diese Orte wurden von Trump besucht, entsprechend großräumig war die Absperrung

 

 

 

Israel ist bekannt dafür, dass oft zwischen zwei aufeinanderfolgenden Feierlichkeiten nur wenige Stunden vergehen. So auch am 23. Mai. Am Abend, nur wenige Stunden nach Trumps’ Besuch an der Klagemauer wurde dort der Jerusalem-Tag feierlich eingeleitet. Während sich am Tag davor der gesamte Platz blitzblank und leer präsentierte und sogar die Livecams abgeschaltet waren, war er nun wieder dicht an dicht mit Stühlen und Grossleinwänden versehen.

Unmittelbar nach dem Abflug Trumps in Richtung Ben Gurion, von wo aus er nach Rom flog, kehrte wieder die Normalität in Jerusalem ein.

Nie war das Programm eines Arbeitsbesuches eines Präsidenten enger bemessen. Knapp dreissig Stunden blieben ihm und seiner Entourage, Gespräche zu führen, Reden zu halten, an jedem der besuchten Orte etwas über die Stadt und deren nachweislich jüdische Geschichte zu erfahren und Politik zu machen.

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Die Altstadt von Jerusalem gehörte ebenfalls ganz allein dem amerikanischen Gast

Es war sicher etwas ganz besonders, am Tag vor dem Jerusalemtag, hier gewesen zu sein. In jeder Rede betonte er denn auch, dass Jerusalem und Judentum untrennbar zusammengehören – entgegen der Meinung, die von der UNESCO, im Auftrag von islamischen Ländern, so vehement und falsch vertreten wird.

Jerusalem, weniger als ein stecknadelkopfgrosser Punkt auf der Weltkarte, eine Stadt, die mit 800.000 Einwohnern nicht gerade zu den Metropolen der Welt zählt. Die Stadt, von der es heisst: „Zehn Mass Schönheit gab Gott der Welt, neun davon kamen auf Jerusalem“. Die Stadt, die schön ist und spröde, immer wieder angegriffen, immer wieder aufgestanden und sich neu gestaltet.

Hier ein kurzer Abriss der Geschichte Jerusalems:

Um 3.500 BCE erste bekannte Siedlung

Um 1.400 BCE erste Erwähnung von Jerusalem als „Urusalim“ und „Beth Shalem“ in den Briefen von Armana

Um1.200 BCE erobern die Kanaaniter (Jebusiter) die Stadt

1.000 BCE erobert König David Jerusalem und ernennt sie zur Hauptstadt des vereinten Jüdischen Königreiches

960 BCE errichtet König Salomon den ersten jüdischen Tempel auf dem Berg Moriah, dem Tempelberg

586 BCE zerstören die Babylonier Jerusalem und den ersten Tempel, erstes Exil

539 bis 516 BCE wird das babylonische Reich inklusive Jerusalem von König Kyrus II regiert

516 BCE Rückkehr aus dem Exil, Bau des zweiten Tempels

332 BCE Alexander der Grosse erobert Judäa und Jerusalem

Bis 164 BCE Vorherrschaft der Ptolemäer und Seleukiden im weiterhin jüdisch-theokratischen Jerusalem, jedoch mit dem Verbot, religiöse Riten auszuüben

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164 BCE Aufstand der Makkabäer, neue Einweihung des Tempels. Noch heute gedenken wir dieses Ereignisses mit dem Chanukkafest

129 BCE endgültiger Untergang der Ptolemäer und Seleukiden Reiches, erneut völlige Autonomie der jüdischen Gebiete

63 BCE der römische General Pompey erobert Jerusalem

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Zeitgenössischer „Originalstadtplan“, Jerusalem 65 CE

70 CE Zerstörung Jerusalems und des zweiten Tempels, zweites Exil

135 CE Aufbau Jerusalems als römische Stadt mit dem Namen Aelia Capitolina

614 CE die Perser erobern Jerusalem

629 CE byzantinische Christen erobern Jerusalem

638 CE Kaliph Omar erobert Jerusalem

661 – 974 CE Jerusalem wird von arabischen Clans, die sich als Nachfolger Mohammeds verstehen, regiert

691 CE der Felsendom wird erbaut

1099 CE die ersten Kreuzfahrer erobern die Stadt

1187 CE Saladin gelingt die Rückeroberung

1229 bis 1244 wechselnde Herrschaft von Kreuzfahrern und Arabern

1250 CE muslimische Kalifen zerstören die Stadtmauer, die nun dem Untergang geweiht zu sein scheint

1517 CE Jerusalem wird dem Osmanischen Reich eingegliedert

1538 CE Suleiman baut die Stadtmauern wieder auf

1917 im Ersten Weltkrieg fällt Jerusalem an die Briten

1948 Ende des britischen Mandates

  1. Mai 1948 Staatsgründung des Staates Israel, noch in der Nacht beginnt der Unabhängigkeitskrieg, ausgelöst von Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien. Nach 15 Monaten war der Krieg vorbei. Israel hatte sein Staatsgebiet halten können. Jordanien besetzte Ostjerusalem und die Gebiete Yehuda und Samaria und annektierte später (195O) Ostjerusalem. Die Waffenstillstandslinie, die Israel mit den jeweiligen Staaten festschrieb, wird heute gerne als „Grüne Grenze“ bezeichnet. Eine immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung der Araber bei den sogenannten Friedensgesprächen ist, dass sich Israel hinter diese Grenze zurückzieht. Eine Forderung, die so nicht erfüllt werden wird. Der endgültige Grenzverlauf muss im Zuge von Friedensverhandlungen erst ausgehandelt werden. De facto bestimmte der Verlauf aber die derzeitigen Grenzen bis zum Ende des Sechstagekrieges.

1967 Sechstagekrieg, der mit der Befreiung Ostjerusalems von der jordanischen Besetzung und der Gebiete von Yehuda und Samaria, Golan, Sinais und Gaza endete. Ostjerusalem wurde kurz darauf annektiert, der Status vom Golan und von Yehuda und Samaria sind nach wie vor umstritten. Ganz sicher nicht korrekt ist der Begriff „Besetzte Gebiete“, für den es völkerrechtlich keine Grundlage gibt. Der Sinai wurde im Zuge der Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel zurückgegeben, aus Gaza zog sich Israel mit den bekannten verheerenden Folgen für Israel 2005 komplett zurück.

Am 10. Juni 1967 wurde Jerusalem wieder vereinigt. Damit endet die letzte Fremdherrschaft über unsere Hauptstadt. Hoffen wir doch, dass es auch die letzte Fremdherrschaft auf immer sein wird!

Zum 50. Jahrestag der Befreiung erhielten wir zwei wunderbare Geschenke.

Das Parlament der Tschechischen Republik hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und gleichzeitig die jüngsten antiisraelischen Resolutionen der UNESCO scharf verurteilt. Russland anerkannte Westjerusalem ebenfalls als Hauptstadt.

Doch wieder zurück zu Präsident Trump. Zu gerne wünschte ich mir, mit meinem Text schneller gewesen zu sein und nicht die Bilder gesehen zu haben, die während des weiteren Besuches von Präs. Trump und seiner Familie in Europa in Endlosschlaufen über die Bildschirme liefen.

Zu gerne hätte ich nur die Bilder im Kopf behalten, die wir während seines Besuches hier gesehen haben. So steif die Begrüssung noch verlief, so nahezu herzlich war die Verabschiedung. Es schien fast so, also würde sich Familie Netanyahu mit Familie Trump zum nächsten Wochenendtrip verabreden.

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Zwei grosse First Ladies!

Doch das berührendste Bild war, als Melania die schwer kranke Nechama, die Frau von Präsident Rivlin liebevoll an die Hand nahm und beim Gehen unterstützte. Es muss Nechama hoch angerechnet werden, dass sie, obwohl der Besuch kein Staatsbesuch war, sondern ein Arbeitsbesuch, die Mühen des Willkommens nicht gescheut hatte.

Und was bleibt von ihrem Mann, dem Präsidenten? Zwei wunderbare Reden mit wunderbaren Worten, von denen ich hier nur wenige zitieren möchte.

 

Heute bekräftigen wir das unzerstörbare Band der Freundschaft zwischen Israel und den Vereinigten Staaten – eine Freundschaft, gebaut auf der gemeinsamen Liebe zum Frieden, unseren gemeinsamen Glauben an die menschliche Würde und unsere gemeinsame Hoffnung für einen haltbaren Frieden für Israel. Wir wollen, das Israel Frieden hat. 

Frieden kann niemals in einem Umfeld entstehen, wo Gewalt toleriert, unterstützt und belohnt wird. Wir müssen entschlossen und mit einer gemeinsamen Stimme solche Taten verurteilen. Frieden ist eine Wahl, die wir täglich treffen müssen – und die Vereinigten Staaten sind hier, um dabei zu helfen, diesen Traum für junge Juden, Christen und Muslims und für alle Kinder dieser Region zu realisieren. Damit werden wir uns alle an einer sichereren und strahlenderen Zukunft erfreuen dürfen, an einer sichereren und strahlenderen Welt.

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Freunde schauen anders aus

 Jerusalem ist eine geheiligte Stadt. Ihre Schönheit, ihre Pracht und ihr Erbe sind wie kein anderer Ort auf dieser Welt. Was für ein Erbe. Was für ein Erbe. Das Band zwischen dem jüdischen Volk und diesem Heiligen Land ist uralt und für ewig. Es schaut auf Tausende von Jahren zurück bis zum Reich König Davids. Und nun weht sein Schild, der Stern Davids stolz auf Israels blau-weisser Fahne.

 Israelis haben immer wieder den Hass und Terror der brutalen Gewalt erleben müssen. Israelis werden ermordet von messerschwingenden Terroristen und von Bomben. Hamas und Hisbollah schiessen Raketen in israelische Gemeinden, in denen Schulkinder darauf trainiert sind, in die Bunker zu rennen, voller Panik und doch so schnell als möglich, sobald sie die Sirenen hören. ISIS nimmt jüdische Nachbarschaften, Synagogen und Läden ins Visier. Und die Führer des Irans rufen routinemässig zur Zerstörung Israels auf. Nicht mit Donald J. Trump, glaubt mir 

Dieser Ort und die gesamte Nation sind ein Testament für den unbrechbaren Geist des jüdischen Volkes – und die Hoffnung, dass Licht den Weg aus der Dunkelheit heraus erhellt. Verfolgung, Unterdrückung, Tod und Zerstörung, das alles hat das jüdische Volk überlebt. Sie wurden erfolgreich. Sie wurden aussergewöhnlich erfolgreich in so Vielem. Und sie sind eine Bereicherung für die Welt. Der Staat Israel ist eine starke und wachsende Erinnerung an die feierliche Zusage, die wir hier wiederholen und bestätigen: nie mehr! Aus der Tiefe des Leides hat das jüdische Volk eine mächtige Nation geschaffen, und der Stern Davids weht stolz über dem Land.

Grosse Worte, starke Bekenntnisse. Trump steht erst am Anfang seiner Kadenz, er polarisiert, wie keine Präsident vor ihm es jemals getan hat. Zugegeben, er macht es auch niemandem leicht, ihn zu mögen.

Leider hat er uns das grösste Geschenk, auf das wir alle hofften, nicht gemacht. Die US Botschaft wird wohl weiter in Tel Aviv bleiben, auch wenn der Botschafter selbst in Jerusalem sein Büro haben wird. Aber vielleicht ist dazu die Zeit wirklich noch nicht reif.

 

 

© esther scheiner, israel

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