Mimouna – der Pessach Abschluss der anderen Art

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Während mindestens acht Tagen haben wir Mazzot gegessen und auf alles verzichtet, was auch nur im entferntesten den Verdacht auslösen könnte, gären zu können.

Nichts was aus den Getreidearten Weizen, Gerste, Buchweizen, Hafer und Roggen hergestellt wird hat sich im Haus befunden. Dazu gehören natürlich auch Bier und Whisky. Des Weiteren haben wir auf Hülsenfrüchte verzichtet, also waren Bohnen, Erbsen, Reis, Mais, Kichererbsen, Linsen vom Speisezettel gestrichen. Über den Reis kann man streiten. Er ist kein Getreide, sondern eine Grassorte. Mais gehört im Prinzip auch nicht dazu. Ganz sicher aber gehören Erdnüsse zu den zu streichenden Lebensmitteln, sie gehören zu den Hülsenfrüchten.

An Pessach lesen wir am ersten Abend, dem Sederabend, die Geschichte des Exodus der Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten. Wir sollen uns so kleiden, dass wir sofort nach dem Essen reisebereit sind.

Bereits während der Lesung wird Wein getrunken und Mazze gegessen, Höhepunkt ist dabei das „Hillel Sandwich“. Hierzu wird eine Mazza mit Charosset, einer Mischung aus Datteln, Aepfeln, Nüssen, Honig, Zimt bestrichen und zusammengeklappt. Das Rezept variiert von Familie zu Familie. Eines ist aber allen gemeinsam. Das Buch, die Haggada, aus dem gelesen wird, weist genau an dieser Stelle Gebrauchsspuren auf, Überreste des Hillel Sandwiches!

Und doch geniessen wir vorher ein aufwändiges Mahl. Der Klassiker besteht aus den Gängen: Gefillte Fisch und gehackte Leber, Hühnersuppe mit Mazzeknödel, Fleisch mit Beilagen und abschliessend ein Dessert.

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Am letzten Abend, nach sieben Tagen, beginnt nochmals ein Feiertag, ausserhalb von Israel sind es sogar zwei Tage.

Und dann ist auf einmal Schluss!

Richtig? Falsch!

 

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Bei den aus Afrika stammenden Juden beginnt unmittelbar nach dem Ende des letzten Tages, heuer also am Montag Abend, das Mimouna Fest. Bereits in den Tagen vorher wurde in den Küchen gebacken und gekocht, um vorbereitet zu sein, auf den Ansturm der Gäste.

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Mimouna wird überall gefeiert. Daheim, in Parkanlagen, in Gemeindezentren und Restaurants. Freunde und Familie besuchen sich gegenseitig, sogar die Politiker aller Parteien lassen sich gerne bei ihren Besuchen filmen und fotografieren. House-hopping ist angesagt. Die Stimmung ist fröhlich und locker.

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Es ist ein farbenfrohes Fest. Frauen und Männer tragen Kaftane, aufwändig gearbeitet, auch reichhaltig bestickte Hemden werden zu diesem Feiertag aus dem Schrank geholt.

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Mimouna ist auch, wenn im Freien gefeiert wird, Anlass für ein ausgiebiges Grillieren. Aber auch ohne das saftige Stück Fleisch auf dem Teller verhungert niemand. Süßigkeiten mit buntem Zuckerguss, getrocknete Früchte, und natürlich Mufletas werden serviert.

F160430HP41-635x357Im Prinzip ist es nicht schwierig, diese marokkanischen Crepes herzustellen. Aber, im Gegensatz zu den hauchdünnen Crepes der Bretonen fliesst dieser Teig nicht, sondern muss mit den Fingern vor dem Backen „ausgezogen“ werden. Serviert werden sie mit Butter, Honig, Schokolade, ganz nach dem eigenen Geschmack.

Wir würden nicht in Israel leben, wenn Mimouna nicht inzwischen ein nationaler Feiertag geworden wäre! In einigen Gemeinden mit überwiegend Nordafrika stammenden Juden ist Mimouna ein anerkannter arbeitsfreier Tag. So wie in Dimona wo seit 60 Jahren der Grossteil der Bevölkerung dieses Fest feiert.

Beni Bitton, Bürgermeister von Dimona ist überzeugt, dass das Bedeutsame dieses Festes der familiäre Aspekt und das Aufrechterhalten von jüdischen Traditionen ist.

 

© esther scheiner, israel

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