Walzer Intermezzo mitten in Zürich

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Der gestrige Donnerstag war einer der typischen Tage im Zürcher Herbst: Hochnebel, Biese und eine subjektiv als polare Kälte empfundene Temperatur.

Trotzdem sass am Bellevue einer der vielen Strassenmusikanten. Einer von denen, die normalerweise nicht mehr als ein Musikstück beherrschen, und auch das meist nur äusserst unvollkommen. Man ist in der Regel froh, wenn man die aufgezwungene Beschallung hinter sich gelassen hat.

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Ganz anders gestern. An der grossen Tramhaltestelle war um die Mittagszeit wie immer grosses Gedränge. Immerhin kreuzen sich dort sieben Tram- und zwei Buslinien und auch in der Nacht findet man dort das dichteste Angebot an Öffis für die Nachtschwärmer.

Dazu gibt es Zusatzangebote, wie Kiosk und einige kleiner Verpflegungsbetriebe. Auf dem Rückweg von einem Café bei meinem ehemaligen Schüler Flo stand ich nun in der Schlange vor dem Zeitungskiosk. Und verpasste prompt mein Tram.

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Flos Beiz am Bellevue

Zwei Meter neben mir sass dort am Boden neben dem Brunnen der Musiker und spielte, und spielte ….. Ein junges Paar schlenderte heran, deponierte einige Einkaufstaschen am Boden und begann zu tanzen. Dann kam ein zweites, ein drittes, ein viertes Paar. Und ein Fünftes und schliesslich noch eines. Jedes Paar, das älteste knapp vor der Pensionierung, suchte sich einen guten „Startplatz“, um mitzutanzen. Mitzuschwingen in diesem leichten Walzertakt.

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Sie lachten sich fröhlich zu und genossen es offensichtlich, für einige Minuten im Mittelpunkt zu stehen und trotzdem ganz selbstvergessen zu tanzen. Die Umstehenden hatten es auf einmal gar nicht mehr so eilig, die Hektik verflog für wenige Minuten.

 

Und der Strassenmusiker? Er kannte auf einmal mehr als nur eine eintönige Melodie, strahlte über sein ganzes zahnarmes Gesicht. Seine Mütze füllte sich gestern etwas mehr als sonst. Ich hab es ihm gegönnt.

Er hat sich sein Leben so sicher nicht ausgesucht. Und gestern hat er den Menschen Freude gebracht. Die Welt am Bellevue stand für ein paar wenige Minuten wirklich still.

Kann man so spontane Aktione wiederholen?

 

 

©esther scheiner, israel

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