Die Philister – das unbekannte Seevolk

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Sie kamen aller Wahrscheinlichkeit aus dem Gebiet der Ägäis. Eine erste Quelle dazu findet man bei Propheten Amos, der im 8. Jahrhundert BCE schrieb: „Habe ich nicht Israel aus dem Lande Ägypten heraufgeführt, und die Philister aus Kaphtor und die Syrer aus Kir?” Kaphtor wird dem ägyptischen Keftiu, welches Kreta bedeutet gleichgesetzt. Zwischen Ägypten und Kreta bestanden bereits um 3.000 BCE Handelsbeziehungen, die sowohl über den direkten Seeweg, aber auch über den längeren Land- und Seeweg statt. Kir ist der Name des Ursprungslandes der Aramäer.

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Rückschlüsse auf das ursprüngliche Heimatland der Philister (hebräisch: P‘lishti) können die Forscher aus den tönernen Grabbeigaben ableiten, die mit roter und schwarzer Farbe bemalt sind. Sie siedelten zwischen 1200 und 600 BCE im Küstengebiet zwischen dem heutigen Gaza und Akko. Dieses Gebiet unterstand zu der Zeit der ägyptischen Herrschaft, die jedoch nach den grossen Kämpfen zwischen Ägypten und den „Völkern der See“ unter Ramses III (1221-1156 BCE) langsam zusammenbrach.

Die Philister errichteten zusätzlich zu den bestehenden ägyptischen Küstenstädten Gaza, Ashkelon und Ashdod, die Städte Ekron und Gat und begründetetn dort die Pentapolis (5-Städte-Bund). Jede dieser Städte wurde autonom von einem Fürsten regiert. Aufgrund einer bei Ausgrabungen gefundenen Schrift geht man davon aus, das Ekron das politische Zentrum war.

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Die Ansiedlung der Neuankömmlinge blieb natürlich den Nachbarn, die im Hügelland lebten, den Israeliten und den Kanaanitern, die weiter im Norden siedelten, nicht verborgen. Es kam, so berichtet die Thora, immer wieder zu erbitterten Kämpfen, in denen die Philister immer wieder siegten.

 

David, dem späteren König, gelang in jungen Jahren ein entscheidendes Zurückdrängen der Feinde, indem er in einem unfairen Kampf, den er eigentlich nur hätte verlieren können, gegen den Riesen Goliath gewann. David kam an den Hof von König Saul und wurde ein enger Freund dessen Sohnes, Jonatan. Seine Erfolge, sowohl in den Kämpfen als auch im Privaten, riefen den Neid von König Saul hervor. Dieser versuchte mehrfach, David ermorden zu lassen. David hingegen zeigte sich grosszügig und schenkte Saul zweimal das Leben.

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König Saul, der angetreten war, die Philister zu besiegen und zu vertreiben, konnte sich letztlich nicht durchsetzen und stürzte sich, um nicht in die Hände der Feinde zu fallen, in sein Schwert.

König David, der unmittelbar auf König Saul folgte, gelang es, erstmals das Nord- und Südreich zu vereinen.

In wieweit es während der Regentschaft Davids noch zu grösseren kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Philistern und ihren Nachbarn kam, bleibt im Nebel der Geschichte verborgen.

Als im Jahr 586 BCE Nebukadnezar Jerusalem eroberte und damit die Zeit des ersten Tempels beendet war, gingen auch die Städte der Philister unter.

Was ist Wahrheit, was ist Legende?

Seit 1985 führte ein Team der privaten Leon-Levy-Expedition Grabungen im ehemaligen Siedlungsgebiet der Philister durch. Das Team arbeitet eng mit dem Semitischen Museum der Harvard Universität in Ashkelon zusammen.

Bisher fand man kleine Dinge, die für spezialisierte Historiker ungeheuer spannend sind, aber sicher keine Begeisterungsstürme beim breiten Publikum auslösen. Es gelang einfach nicht, die Decke des Verborgenen anzuheben, die sich über die Geschichte und über das Leben der Philister gesenkt hatte.

Knapp vor dem Ende der offiziell vereinbarten Grabungsarbeiten stiess das Team um Daniel Master auf eine Sensation. Mehr als 100 Mitarbeiter und Freiwillige legten die Gräber von mehr als 150 Skeletten frei. Diese waren in drei Meter tiefen Gruben mit zahlreichen Grabbeigaben beigesetzt worden und lagen dort verborgen unter einer dicken Sandschicht. Sämtliche Funde stammen aus der Zeit zwischen 1100 und 800 BCE. Entnommene DNA Proben werden in den USA untersucht. Von den Ergebnissen erhofft man sich genauere Kenntnisse über die Herkunft der Seevölker.

„Wir werden“, so Master „ihre Geschichte erzählen und nicht mehr die Geschichte über sie“.

Einen Riesen allerdings hat man nicht gefunden, die Menschen seien von der für die damaligen Zeit bekannten Grösse gewesen. Dass sie an harte Arbeit gewöhnt waren, belegen die Knochenfunde. „Möglicherweise haben sie sogar die Zähne beim Weben als Hilfshandwerkszeug benutzt, mutmasst die Anthropologin Sherry Fox. Sie erkennt auch bereits nach wenigen Blicken auf den Zustand der teilweise sehr gut erhaltenen Gebisse, dass die Menschen damals kein leichtes Leben hatten. Der Zustand der Zähne weise teilweise auf deutliche Mangelernährung hin.

In einigen der Grabbeigaben fanden die Forscher Rückstände von Olivenöl und wohlriechenden Essenzen. Auch Aschereste, möglicherweise von verbrannten Körpern stammend wurden gefunden.

Zu den Fundstücken gehören auch Schmuckstücke.

Rockefeller Museum

Photo: Rockefeller Museum

Einige der Fundstücke werden seit heute im Rockefeller Museum in Jerusalem ausgestellt. Selbstverständlichen befinden sich keine Knochen unter den Exponaten. http://www.imj.org.il/exhibitions/presentation/exhibit/?id=1103

Die wirkliche wissenschaftliche Arbeit beginnt jetzt, nachdem die Grabungsregion wieder verschlossen wurde. Jeder Knochen wurde fotografiert, nummeriert und verpackt. Viele der Skelette wurden unversehrt geborgen. Die Untersuchung der Fundstücke und die Auswertung werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Mehr über die Grabungsarbeiten, Bildmaterial und ein tägliches Follow-up findet man auf dieser äusserst informativ gestalteten Seite: http://digashkelon.com/discover/

Die Funde sind für die Wissenschaft und für die Geschichte sensationell. Beweisen sie doch erneut, dass die Thora auch als geschichtliche „Timeline“ durchaus Recht hat.

Auch der politische Aspekt wird noch von Bedeutung werden. Die palästinensischen Araber leiten ihre Herkunft fälschlicherweise von den Philistern, den P’lishtim ab. Der Name „Palästina“ wurde nach der Niederschlagung des Bar Kochba Aufstandes vom römischen Kaiser Hadrian eigens designt, um den Juden im Jahr 135 CE ihre Identität zu nehmen.

 

 

© esther scheiner, israel

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