Kindergarten einst und jetzt

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Unsere Kindergartengruppe Ostern 1961

Unsere Kindergartengruppe Ostern 1961

Kürzlich stiess ich auf mein altes Kindergartenbuch aus den Jahren 1958 bis 1961. Untergebracht waren wir in den Nebenräumen der evangelischen Kirche, im Winter glühte in einem der Räume ein gigantischer Ofen, der mit Kohle – die es ja im Ruhrgebiet massenhaft gab – befüllt wurde. Die anderen Räume blieben kalt. Die WCs, getrennt für Buben und Mädchen, erreichte man, indem man über einen Teil des Friedhofes lief. „Herzhausen“ wäre wohl der bessere Name, denn hinter der Tür mit den herzförmigen Fensterli verbargen sich zwei Donnerbalken. Zwei „Tanten“ täglich mit frisch gestärkten, weissen Schürzen sorgten für unser geistiges und leibliches Wohl. Die Verhältniszahl zwischen Betreuerinnen (2) und Betreuten (16) war optimal. Trotzdem gelang es ihnen kaum, uns auch intellektuell zu fördern. Vielleicht war das im Nachkriegsdeutschland für diese Altersgruppe noch nicht vorgesehen. Wir malten, schnippselten Lochmuster, klebten sinnfreie Motive und sangen. Alles, was dem Jahresverlauf entsprach. Schaue ich mir meine eigenen „Kunstwerke“ an, die ich kurz vor der Einschulung zu Ostern 1961 abgeliefert habe, so zweifle ich an meiner damaligen Schulreife. Aber immerhin habe ich heute auch den Beweis meiner ursprünglichen Linkshändigkeit gefunden: mein Name in Spiegelschrift.

Scherenschnitt, Nov 59

Scherenschnitt, Nov 59

Falthaus, "signiert"!

Falthaus, „signiert“!

Die Mutter aller Collagen, März 61

Die Mutter aller Collagen, März 61

Marionetten Theater, Sept. 60

Marionetten Theater, Sept. 60

Winteridylle, noch sehr zweidimensional!

Winteridylle, noch sehr zweidimensional!

Kurze Zeit darauf fand ich hier, in den Times of Israel einen Artikel über die Eröffnung des ersten Kindergartens mit Hightech Angebot in Beer Sheba, an der neben unserem ehemaligen Generalstabschef der IDF, Gabi Ashkenazi in seiner Funktion als Vorsitzender der Rashi Foundation, Ruby Danilovich, Bürgermeister von Beer Sheba, CEO Marilyn Hewson vom Rüstungskonzern Lookheed Martin, auch unser Erziehungsminister Naftali Bennett teilnahm.

So viel Prominenz für einen Kindergarten? Noch dazu für einen, der am Rande der Negev Wüste liegt? Dabei ist Beer Sheba dabei, sich einen Namen als weiteres Forschungs- und Bildungszentrum in Israel zu machen.

Was schon lange in die Grund- und Hauptschulen, Mittelschulen und Gymnasien Einzug gehalten hat, ist jetzt auch dabei, seinen Weg in die Welt der Jüngsten zu suchen, in die Kindergärten. Es sind keine kleinen Einsteins, die hier lernen, keine Kinder, die von erfolgsüchtigen Eltern gezwungen werden, ihre Kindheit viel zu früh zu verlassen. Es sind einfach Kinder, die neugierig sind und über eine Portion Geschick und Verständnis verfügen!

Dieser Kindergarten bietet unterschiedliche Medien an. Ausreichende Computerplätze, auf denen gearbeitet und gespielt werden kann, die allerdings mit den fürchterlichen klingelnden, quietschenden und jaulenden „Lern PCs“ nichts gemeinsam haben.

Vorschul Lerncomputer

Vorschul Lerncomputer

LEGO hat eine spezielle Linie entwickelt, die zwar vom Hersteller erst für Kinder ab 10 Jahren als sinnvoll erachtet wird, die aber das Begehrteste des Kindergartens werden dürfte. Der Zusammenbau ist einfach, die Steuerung erfolgt über den PC. Und schon krabbeln die in typischem LEGO schwarz-weiss-rot gehaltenen futuristischen Arbeitsroboter über den Schreibtisch, werfen Dinge um, transportieren andere von einem Ort zum anderen … Wie immer bei LEGO, man fängt einfach an und steigert sich entsprechend dem eigenen Können. Die pädagogische Absicht dahinter ist klar: Die Kinder sollen einfache Prinzipien der Robotertechnologie erkennen, und ihren Nutzen selber entdecken und anwenden.

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Andere Kindergärten setzen diese neue LEGO Linie schon ein, allerdings, ohne wirklich die pädagogischen Möglichkeiten zu nutzen.

Erziehungsminister Naftali Bennett ist sich sicher: „Gibt man Kindergarten Kindern die Möglichkeit, sich den Wissenschaften anzunähern, öffnet sich ein Fenster für endlose Aktivitäten und Herausforderungen. Wir werden die Früchte dieses Projekts in den kommenden Jahren sehen können. Und ohne Zweifel hat das Projekt einen sehr positiven Einfluss auf das Leben dieser Kinder und stellt einen grossen Nutzen für Israel dar.“

Die derzeit in drei Klassen zusammengefassten 100 Kinder werden im Jahr 300 Stunden nach einem speziell ausgearbeiteten Curriculum unterrichtet. ֵEs bleibt also Zeit genug, zu spielen, zu träumen, Freunde zu finden, also alles das zu tun, was Kinder in dem Alter lieben. Die Sponsoren sind von der grossartigen Idee überzeugt. Auch mir, als ehemalige Mittelschullehrerin, gefällt dieses Projekt.

Dass Kinder im Alter bis zu sechs Jahren ein Zeitfenster für den Zweitsprachenerwerb haben, ist schon lange bekannt. Ab ca 14 Jahren wird es zunehmend schwerer, sich eine weitere Sprache anzueignen. Welche Zeitfenster es im frühkindlichen Stadium für den Bereich Technik und Wissenschaft gibt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Trotzdem ist das Erziehungsministerium als einer der drei Sponsoren sicher, dass es mit einem entsprechenden kindgerechten Curriculum möglich ist, 5-Jährigen grundlegende Informationen über Physik, Chemie, Astronomie, Robotertechnologie zu vermitteln und ihnen wissenschaftliche Methoden, wie Forschen und Lernen nahezu bringen.

Der zweite grosse Sponsor, Lookheed-Martin, global bestens etabliert im Bereich Rüstungs- und Raumfahrttechnik, sowie Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie, hat im Jahr 2014 gemeinsam mit der US-amerikanischen IT storage company EMC im Industriepark von Beer Sheba ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet.

„Das anhaltende Wachstum Israels als hochstehende Hightech Nation macht es notwendig, eine junge Generation entsprechend auszubilden und sie in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Engineering und Mathematik auf ein hohes Niveau zu bringen. Das sind die grundlegenden Dinge, die Gesellschaften wie Lookheed Martin am meisten brauchen werden.“ sagte CEO Marilyn Hewson. „Wir sind stolz, an diesem Projekt gemeinsam mit dem Erziehungsministerium teilzunehmen, ebenso wie die Stadt Beer Sheba und die Rashi Stiftung. Jeder von uns verfolgt das gleiche Ziel: zu helfen die Erziehung im Bereich Wissenschaft und Technik in Israel vorwärts zu bringen, vom Kindergarten bis zur Matura.“

Der dritte grosse Sponsor ist die Rashi Foundation, die 1984 ins Leben gerufen wurde, um eine Vision von einem stabilen und blühenden Israel zu erfüllen, die in einer Gesellschaft nur erreicht werden kann, wenn jeder sein ureigenstes Potenzial ausschöpfen kann.

Wohl wissend, dass es auch in Israel Kinder und Jugendliche gibt, die aufgrund ihres Lebensraumes in geografischen Randzonen, aber auch beeinträchtigt von sozialen, wirtschaftlichen oder persönlichen Störungen nicht zu der Bildung kommen, für die sie geeignet wären, hat die Rashi Foundation verschiedene Programme ausgearbeitet. Sie sind genau zugeschnitten für die Bedürfnisse unserer jungen Mitbürger.

Es ist grossartig, wie mehr und mehr Programme zur Verfügung gestellt werden, um die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen, aber auch die Prävention und Korrektur von Fehlentwicklungen sicher zu stellen. Israel gibt seinen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive für ein sinnerfülltes Leben.

© esther scheiner, israel

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