In Ulm und um Ulm und um Ulm herum – auf dem Tempelberg, unter’m Tempelberg und um den Tempelberg herum

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So oder ähnlich kann der bekannte Zungenbrecher neu interpretiert werden.

Der Tempelberg von Jerusalem, Ort von Mythen, Geschichten und Geschichte, Religionen, Wahn, Hoffnung und …… Politik. Auf mittelalterlichen Karten wird Jerusalem in den Mittelpunkt der bekannten Welt gestellt.

Der Londoner Psalter um 1520

Der Londoner Psalter um 1520

Seit dem Jahr 70 C.E. war der Berg verwüstet, der Herodianische Tempel war zerstört, nur noch wenige Juden lebten in Jerusalem (allerdings ist belegt, dass einige Familien ohne Unterbruch dort lebten). Nach dem letzten der römisch-jüdischen Kriege, um 135 wurde aus Jerusalem die römische Stadt Aelia Capitolina, Juden war es fortan verboten, dort zu leben und aus Judäa wurde die römische Provinz Syrian Palaestina.

Das Zentrum jüdischen Lebens formierte sich in Zefat, Twerja und Zippori im Galil neu.

Auf dem Tempelberg stand nun ein Jupitertempel, Juden durften Jerusalem nur mehr am Gedenktag der Tempelzerstörung betreten. Es folgte eine von Konstantin errichtete christliche Kirche, die einem Erdbeben zum Opfer fiel. Der byzantinische Kaiser Justinian I. errichtete um 530 eine neue christliche Kirche, die 614 im Zuge der Eroberung Jerusalems durch den sassanidischen Grosskönig Chosrau II. wiederum zerstört wurde. Nach der zweiten Eroberung durch Byzanz 628 bleiben blieben die Ruinen unbeachtet. Mosaiken, die auf die byzantinische Zeit zurückdatiert werden konnten, wurden erst bei Reparaturarbeiten im Jahr 2008 entdeckt.

Erste Hinweise auf islamisches Leben auf dem Tempelberg findet man mit dem Bau des Felsendomes (686 – 692) und einige Jahre später (706 – 717) der al-Aqsa Moschee. Zuvor gab es im Jahr 638 eine kleine hölzerne Moschee, die als Vorläufer der Aqsa angesehen werden kann. Die Daten der Bautätigkeiten werden durch einen Papyrus verifiziert, der in Aphrodito in Aegypen aufgefunden wurde.

Der Felsendom erhielt seinen Namen von einem Stein, der sich im Inneren der Moschee befindet. An dieser Stelle soll, gemäss jüdischer Tradition die Welt gegründet worden sein, hier soll die Bundeslade gestanden haben und hier habe Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollen.

Der Stein, der dem Dom den Namen gab

Der Stein, der dem Dom den Namen gab

1099 fielen die ersten Kreuzfahrer über Jerusalem her. Die Gebäude dienten als Lagerräume, Stallungen und Schutzräume. An der Südecke des Tempelberges fanden die

Soldaten eine Höhle, die möglicherweise aus der Zeit des Herodianischen Tempels stammte, und nutzen sie fortan an Stallungen. Nach dem Ende der Kreuzfahrten verfielen diese jedoch.

Saladin baute die Gebäude wieder zu einer Moschee zurück (1187) und diese blieb auch während der zweiten Welle von Kreuzfahrten unter muslimischem Einfluss.

In den nachfolgenden Jahrhunderten interessierte sich niemand für den Tempelberg und seine Moscheen, weder Christen noch Muslims. Im Unabhängigkeitskrieg 1948 wurden die Gebäude auf dem Plateau teilweise zerstört und während der jordanischen Besatzungszeit (1949 -1967) nur teilweise wieder aufgebaut.

Im Sechstagekrieg 1967 gelang es der IDF, Ostjerusalem und damit auch den Tempelberg zurückzuerobern. Für kurze Zeit flatterte unsere Fahne mit dem Magen David dort oben, bis General Moshe Dayan befahl, sie einzuholen, um die arabische Bevölkerung nicht zu beschämen.

Die Rückeroberung der Kotel 1967

Die Rückeroberung der Kotel 1967

Sie eroberten auch den Vorplatz zur Kotel, unserer Klagemauer. Er war vollgestopft mit kleinen Hütten und Häusern, mit Unrat und Abraum zugemüllt. Ein Platz des Elends. Marokkaner wohnten dort, die Ärmsten der Armen. Jordanien, seit 1949 Besatzer von Ostjerusalem, hatte wohl einfach vergessen, dass es dort auch Menschen gab.

Luftaufnahme vom 07. Juni 1967

Luftaufnahme vom 07. Juni 1967

Nahezu der gleiche Blick heute

Nahezu der gleiche Blick heute

Der Platz wurde geräumt, den Menschen wurden andere Wohnquartiere zugesprochen, und die Kotel erhielt wieder ihre alte Würde zurück.

In einer Geste des „Guten Willens“ und in der Hoffnung, Spannungen abzubauen, resp. ihnen vorzubeugen, übergab Moshe Dayan die Kontrolle über den Tempelberg der WAQF (Abteilung des Jordanischen Ministeriums für religiöse Angelegenheiten) und dem Jordanischen Königshaus. Guten Willen seitens der Araber gab es leider nie.

Es wurde ein Übereinkommen ausgehandelt, welches den „Status quo“ auf dem Tempelberg und in der Folge auch in der Altstadt von Jerusalem regeln sollte.

Die Israelische Oberhoheit und Souveränität, die für den gesamten Stadtbereich von Jerusalem gelten, finden auch auf dem Tempelberg ihre Anwendung.

Nichtmoslems, also Juden und Christen dürfen den Tempelberg zwar betreten, aber nicht dort beten. Dies wurde nur den Muslims zugestanden.

Die Israelische Polizei ist für die Sicherheit auf dem Tempelberg, aber auch bei den Zugangstoren und bei der Klagemauer verantwortlich.

Die Zugangstore zum Tempelberg

Die Zugangstore zum Tempelberg

Der Zugang zum Tempelberg ist so geregelt, dass Muslims (die sich als solche ausweisen müssen) durch alle Tore das Areal betreten dürfen, ausser durch das Mughrabi Tor (nahe der Klagemauer, heute über die Mughrabi Brücke erreichbar), welches die einzige Zugangsmöglichkeit für Juden darstellt, das aber auch für Touristen offen ist. Diese können zusätzlich noch das Kettentor und das Tor der Baumwollhändler benutzen.

Später kam noch ein Verbot dazu, welches das Hissen von Fahnen jeglicher Art betraf. Unsere stellvertretende Aussenministerin Tzipi Hotolevy liess uns am Montag den 26. Oktober wissen: „Es ist mein Traum, die Israelische Fahne über dem Tempelberg wehen zu sehen.“ Und rief die Regierung auf, es Juden wieder zu erlauben, hinaufzugehen und dort zu beten. Nachdem erst vor wenigen Tagen PM Benjamin Netanyahu es allen Knessetabgeordneten (inklusive den muslimisch – arabischen) untersagt hatte, den Tempelberg zu betreten, musste die vorwitzige Politikerin ihre Worte sehr schnell als „reine private Meinungsäusserung“ revidieren.

Der Status quo wurde immer wieder angepasst und verändert, immer wieder den neuen Wünschen, oder soll man sagen, Forderungen der Moslems nachgebend?

Fahnen sind also verboten, aber bei jeder Demonstration die auf dem weitläufigen Plateau stattfinden leuchtet das Grün des Propheten, heute leider immer wieder durch die schwarze Fahne der IS unterbrochen.

Der Zugang für Nichtmoslems wurde weiter eingeschränkt, der Zugang ist nur ausserhalb der Gebetszeiten möglich, mitgenommen werden darf nichts, was an Gebetbücher und Ritualgegenstände auch nur im Entferntesten erinnert. Seit der zweiten Intifada ist das Besuchen der Moscheen Nichtmoslems nicht mehr gestattet.

Es gilt also der Status quo, aber der, den die Moslems hineininterpretieren, hat mehr Gewicht. Nun ja, eigentlich ist das ja auch kein Wunder, hat doch Scheich Muhammad Ahmad Hussein, der 2006 von Präs. Dr. M. Abbas ernannte Obermufti von Jerusalem erst vor Kurzem in einem Interview mit einem israelischen TV Sender zu Gehör gebracht, dass bereits vor etwa 30.000 (sic!) Jahren Engel die al-Aqsa Mosche auf dem Tempelberg errichtet hätten. Wir sprechen vor der Zeit, zu der gemäss Torah Adam gerade seine Rippe gespendet hatte, um Gott zu ermöglichen, daraus Eva zu schaffen.

Scheich Muhammad Ahmad Hussein, der Obermufti von Jerusalem

Scheich Muhammad Ahmad Hussein, der Obermufti von Jerusalem

Für diese Art der islamischen Geschichtsklitterung, die tatsächlich vielerorts geglaubt wird, gibt es eine Bezeichnung: die Schaffung eines präislamischen Narratives.

Nachdem seit 2011 die palästinensischen Autonomiegebiete Vollmitglieder der UNESCO sind, können sie jederzeit einen Antrag stellen, der in der Folge, je antiisraelischer und je antijüdischer er ist, allein aufgrund der arabisch dominierten Vollversammlung problemlos durchgewinkt wird. Was stört es das kritikfreie, meistens christliche, Publikum schon, wie hoch der Wahrheitsanteil ist, der hinter dem Antrag steht.

Und so wurde seitens der PA bei der UNESCO ein Antrag eingebracht, der den Status quo nicht nur des Tempelberges, sondern der ganzen Altstadt von Jerusalem ändern würde!

Die Anerkennung des Platzes vor der Klagemauer als Teil der al-Aqsa Moschee. Mit dem wunderschönen, klangvollen Namen: al-Buraq Platz.

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels ist die Kotel das einzige Bauwerk, das es bei uns Juden zwar nicht zum Heiligtum gebracht hat (denn das fiel der Zerstörung der Tempelanlage durch die Römer anheim), an dem wir aber gedenken, erinnern, beten, und je nach persönlicher Einstellung, auch den direkten Kontakt zu Gott suchen und ihm Nachrichten schicken. Seit zweitausend Jahren. Der Platz, an dem die Nachfahren der Tempelpriester zweimal jährlich den Priestersegen erteilen, an dem zahllose Bar Mitzwot gefeiert werden, der Platz, an dem die kollektive jüdische Erinnerung lebendig bleibt. Seit der Rückeroberung von 1967 hat uns niemand mehr daran hindern können.

Priestersegen an der Kotel zu Sukkot

Priestersegen an der Kotel zu Sukkot

Bis vor wenigen Tagen, als er wieder Teil der islamischen Lügenwelt werden sollte. Worauf basieren diese Lügen? Mohammed erzählte im Jahr 621, dass er, in einem Traum, getragen von Buraq, dem Fabelwesen und begleitet von Gabriel, dem Erzengel, von Mekka aus nach der „hohen Stadt im Norden“ (später als Jerusalem uminterpretiert) geflogen sei. Im Islam wird die körperliche Realität dieser Reise in anerkannt. Wunschdenken? Allmachtsfantasien? Wahnvorstellungen?

Offensichtlich hat es damals die Mughrabi Brücke noch nicht gegeben, sie kam jedenfalls in diesem Traum nicht vor. Buraq mussten deshalb unten bleiben, wurde irgendwo angebunden und sollte nun zur Patin des Platzes werden. Als Mohammed 632 in Medina starb, gab es auf dem Tempelberg, siehe weiter oben, nur Ruinen. Auch die der St. Maria Kirche, aus der erst 79 Jahre nach dem Tod Mohammeds die al-Aqsa Moschee wurde, gab es nicht mehr.

Änderung des Status quo? Ja, aber nur durch die Araber und nicht durch uns Juden!

In den vergangenen Jahren hatte sich die WAQF immer wieder beschwert, dass Israel angeblich Ausgrabungen unterhalb des Tempelberges durchführen würde, um damit den Einsturz des Plateaus zu provozieren.

Tatsächlich hat man nach 1967 mit einem 465m langen Tunnel weitere Teile der Kotel freigelegt. Der Einstieg liegt an der linken Seite der Kotel, der Ausstieg im arabischen Viertel. Die Grabungsarbeiten lagen, nota bene, ausserhalb, wenn auch unmittelbar angrenzend an den Tempelberg.

Im Gegenzug begann der WAQF ab 1996 am Südende des Platzes mit dem Öffnen des Zuganges zu den „Ställen Salomons“. In dieser mehr als 12 m unterhalb des Platzniveaus liegenden Höhle wurde unerlaubterweise eine Moschee für 7000 Personen eingebaut. Wahrscheinlich stammt diese Höhle aus der Zeit Herodes, der mit den vorgefundenen Säulen die Südmauer des Tempelberges abstützen wollte. Der Vorwurf Israels, dass durch diese nicht koordinierte Bautätigkeit unersetzbare Zeugnisse aus der Zeit des ersten und des zweiten Tempels verloren gehen würden, verhallten ungehört in den Ohren der Muslims.

Änderung des Status quo? Ja, aber durch die Araber und nicht durch uns Juden!

Derzeit müssen wir damit leben, dass die „al-Aqsa Intifada“, mit grausamen und brutalen Angriffen, Verletzungen und Morden ganz Israel überschwemmt.

Während Präs. Dr. Abu Mazen sein Heil darin sucht, Lügen und Märchen zu verbreiten, haben sich S.K.H. König Abdullah II. bin al-Hussein, der US Amerikanische Aussenminister John Kerry und unser PM Benjamin Netanyahu darauf geeinigt, mit der Installation von 300 Überwachungskameras jede Bewegung am Tempelberg zu erfassen und aufzuzeichnen. Die Mitschnitte sollen im Internet übertragen werden, um eine maximale Transparenz zu erreichen.

Während Israel der Installation, die in wenigen Tagen möglich sein soll, sofort zustimmte, kamen seitens der PA postwendend Einwände. Israel würde dadurch eine neue Chance sehen, auffallende arabische Jugendliche festzunehmen.

Aus dem Dilemma gibt es einen einfachen Ausweg: Nicht provozieren und nicht auffallen!

©esther scheiner, israel

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