Alles muss raus………. die Jagd nach dem Chomez I

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Pessach steht kurz bevor, in jüdischen Haushalten wurde in der letzten Woche mit dem Pessach Putz begonnen.  Auch wenn dieses Fest im Frühling gefeiert wird, besteht kein Anlass, den Grossputz mit dem zu verwechseln, was  in fast allen europäischen Haushalten mit grossen Leidenschaft Jahr für Jahr stattfindet: dem Frühjahrsputz.
Vor vielen Jahren, als ich  meine erste eigene Wohnung bezog, wollte ich alles ganz besonders gut machen und scheiterte sehr schnell in meinen übertriebenen Absichten. Wie kann man feststellen, ob unter dem Kühlschrank, oder hinter den Lüftungsschlitzen der Küchenmöbel ein Krümelchen Brot,  eine vereinzelte Linse,  oder sonst etwas liegt, das, wenn auch nur höchst theoretisch, gären könnte? Ich hätte irgendwen bitten müssen, mir Alles auseinander zu bauen! Ähnlich irritiert war ich von der Vorstellung, alle Bezüge von der Polstergarnitur abnehmen und zumindest tumblern zu müssen, besser noch, sie chemisch reinigen zu lassen.
Und wie beruhigt war ich, als ich erfuhr, dass Staub, selbst wenn es zerfallener Chomez Staub ist, den „kosher le Pessach“ Status nicht aufhebt.
Woher kommt die Pflicht der Generalreinigung? Wir finden in der Tora zahlreiche Textstellen, die von Buch zu Buch immer konkreter werden.
In Moses 2, 12, 15 wird ausgeführt: „Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen, doch am ersten Tag müsst ihr allen Sauerteig wegschaffen aus euren Häusern, denn wer Gesäuertes isst, die selbige Seele soll ausgerottet werden aus Israel, vom ersten bis zum siebten Tage.
Am Ende seines Lebens, als Moses noch einmal alles Wesentliche zusammenfasst, was er von Gott als Lehre für das Volk Israel erhalten hat lesen wir in Moses 5,16, 1–8: Beobachte den Monat der Aehrenreife, dass du opferst ein Pessach dem Ewigen, deinem Gotte; denn im Monat der Aehrenreife hat dich herausgeführt der Ewige, dein Gott aus Mizrajim, nachts. Und du sollst schlachten ein Pessach dem Ewigen, deinem Gotte, Schaf oder Rind, an dem Orte, den der Ewige erwählen wird, daselbst seinen Namen thronen zu lassen. Du darfst dabei kein Gesäuertes essen, sieben Tage sollst du dabei Ungesäuertes essen, Brot der Armut; denn in Hast bist du aus Mizrajim gezogen: – auf dass du gedenkst des Tages deines Auszuges aus dem Lande Mizrajim all die Tages deines Lebens. Und nicht gesehen werde bei dir Sauerteig in deinem ganzen Gebiete sieben Tage, (…..) Sechs Tage sollst du Ungesäuertes essen und am siebten Tage ist Festversammlung dem Ewigen, deinem Gotte; und du sollst keine Arbeit verrichten.
Das völlige Verbannen von Chomez während des Pessachfestes hat auch einen hohen symbolischen Wert.
Mit dem Auszug aus Ägypten wurde das Jüdische Volk von einem versklavten Volk zu einem freien Volk. Durch die physische Befreiung wurden auch unsere Seelen befreit in der Hoffnung, dass wir nie wieder irgendeiner Art von Versklavung, weder einer physischen, noch einer psychischen ausgesetzt werden.
Wie schaut es aber sehr oft in unserem Alltag aus? Machen wir uns nicht nur zu oft unbedacht zu Sklaven unseres eigenen, überhöhten und aufgeblähtem Egos? Neigen wir nicht dazu, uns, und nur uns allzu wichtig zu nehmen?
Was aber hat das mit Chomez und Mazzot zu tun?


Nehmen wir einen schön aufgegangen Pizzateig, der den knusprig goldbraun gebackenen Rand dieser Köstlichkeit ausmacht. Jeder Pizzaiolo weiss, dass seine Fachkenntnis daran gemessen wird, eine gut gelungene Pizza streichelt sein Ego. Und schauen wir dann eine Mazze an, wie bescheiden sie daher kommt. Keine Mazze ist dazu geeignet, den Produzenten in seinem Ego zu stärken, sie dient einem ganz anderen Zweck.



Indem wir also die Pizza, das Chomez aus unseren Seelen entfernen, lassen wir nicht mehr zu, dass wir in die Gefahr der Selbstüberhöhung geraten. Für sieben Tage lassen wir uns darauf ein, zu erkennen, dass, entsprechend dem Bild der flachen Mazze, es gut tut, uns wieder auf andere Werte zu besinnen: Demut und Zurückhaltung.
 

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