Gut, dass es Shabbat gibt! Wahlträume und Zahlenspiele Teil II

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Shabbat gab allen, Politikern und Wählern die Chance, abzuschalten, durchzuschnaufen und sich vielleicht auch ganz entspannt zu überlegen, welcher Zettel am Dienstag in der Wahlurne landen wird.
Derzeit überschlagen sich die Wahlkämpfer darin, möglichst nicht zeitgleich, aber in einer nicht abreissenden Prozession überall dort aufzutauchen, wo es ihrer Meinung nach noch Stimmen zu sammeln gibt. Da sind der Flohmarkt in Tel Aviv und der Trödelmarkt in Jaffo natürlich erste Wahl. Dort trifft man sich am Freitag Vormittag zu einem Schwatz, einem Café und vielleicht auch zu einer kleinen Schnäppchenjagd. Heute haben dort auf dem kleinen Parkplatz einige Staatslimousinen geparkt.
Unser Altpräsident Peres hat vorgestern verkündet, er werde Buji Herzog und die Zionistische Union unterstützen. Spannend, als es Tzipi Livni nicht gelang, 2009 eine Koalition zu bilden, hat er keine zweite Wahlrunde gefordert, sondern Netanyahu mit der Regierungsbildung beauftragt. Und nun unterstützt er Herzog und damit auch Livni.
Eine alte Kölner Wahrheit besagt. “Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Sie werden mich nicht daran hindern, schlauer zu werden.“ (Adenauer hat sich dessen bedient, als er nach einer von ihm geänderten Entscheidung der Presse mitteilte: “Wat kümmert mich ming Jeschwätz von jestern?”
Adenauer und Ben Gurion in Sde Boker, 09.05.1966


Ja, so ist das mit der Altersweisheit!
Naftali Bennet und die Palästinenser könnten mehr gemeinsam haben, als ihnen bisher bewusst war. In einem Interview mit der „Times of Israel „http://blogs.timesofisrael.com/palestinian-arabs-and-naftali-bennett-might-want-the-same-thing/ sagte Bassam Eid, ein ehemaliger Aktivist der anti-israelischen NGO B’tselem (nebenbei, B’tselem wird ebenso wie Breaking the Silence, u. a. von der jüdischen und durch und durch antiisraelischen Gruppe New Israel Fund (NIF) finanziert) und Gründer der Palestinian Human Rights Monitoring Group:
„Ich denke nicht, dass die Palästinenser an eine Zwei-Staaten-Lösung glauben. Die meisten Palästinenser glauben an eine Drei-Staaten-Lösung: Gaza, Westjordanland und der Staat Israel. Alternativ dazu denken immer mehr Palästinenser, die Lösung sei, zur Situation vor 1967 zurückzugehen, als das Westjordanland unter jordanischer Kontrolle war, weil sie nicht mehr der Korruption der Abbas Regierung unterworfen sein möchten. Wir im WJL lebenden Palästinenser profitieren wirtschaftlich nach wie vor von Jordanien: Die Allenby-Brücke ist täglich 16 Stunden lang offen, und grosse Mengen von allen möglichen Gütern werden in beide Richtungen transportiert. Praktisch leben die Palästinenser des Westjordanlandes in einer Konföderation mit Jordanien……..Die meisten Palästinenser wünschen sich eher ihre persönliche Würde, als eine staatliche Identität. Würde kann man nicht ohne wirtschaftlichen Erfolg erhalten. Wenn man heute einen einfachen Palästinenser fragt, was die drei Prioritäten in seinem Leben sind, dann wird er antworten: Arbeit, ein Erziehungs- und Ausbildungssystem und ein Gesundheitssystem. Niemand redet über die Mauer, die Siedlungen oder über einen palästinensischen Staat.“
Netanyahu, dessen Rede in Washington je nach Sichtweise als hilfreich, neutral oder hinderlich bewertet wurde, auf dessen Kopf derzeit kübelweise Mist ausgeschüttet wird und der gleichzeitig mit Rosen in allen Farben und Duftsorten bedacht wird, und seine Partei sind die aktivsten in der kommunalen Wahlwerbung. Wenn auch die Banner teilweise vom starken Wind schon wieder zerzaust sind, in Zichron gibt es nur eine Partei, die präsent ist: „Rak Likud, rak Netanyahu – nur Likud, nur Netanyahu!“ Gleichzeitig nennen ihn alte Kampfgefährten einen Schwindler……
Moshe Khalon zog es mehr in das Zentrum des Landes, nach Hadera, dahin wo nicht die Schicki Mickies leben, sondern sehr viele Einwanderer aus dem Jemen und aus Eritrea. Hadera ist nicht fancy, Hadera ist eine Arbeiterstadt. Moshe Khalon ist ein politischer Newcomer, er muss sich erst positionieren.
Und er hat dem Volk gut „aufs Maul geschaut“!
„Wir wurden in den letzten Tagen und Stunden von rechts und links angegriffen, und ich möchte hier eines für jetzt und immer klären: Ich bin ein Mann des national-sozialen Lagers.“
Aha, entweder ist das billige Wahlwerbung oder ein Paradigmenwechsel, Khalon und seine Kulanu Partei wurden bisher immer am rechten Rand des politischen Lagers positioniert. Und dann sein erstaunlicher zweiter Teil: „Die Wahlen sind nicht zwischen rechts und links. Es geht um die Menschen, um einen Weg, Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, es ihnen zu ermöglichen ein Appartement oder Haus zu kaufen, zu heiraten, einen sicheren Arbeitsplatz und ein gesichertes Auskommen zu haben.“
Das bringt allerdings ganz neue, spannende Aspekte. Nun kann ich ja doch Kulanu eher dem linken, als dem rechten Lager zuordnen.
Ynet hat gestern nochmals eine aktuelle Umfrage veröffentlicht, wobei die Ungenauigkeit noch bei 2.5 % liegt. 
Zionistisches Lager 26
Likud 22
Vereinigte Arabische Liste 13
HaBayit HaJehudi 12
Yesh Atid 12
Kulanu 8
Shas 7
United Thora Judaism 6
Meretz  5
Israel Beitenu 5
Yachad 4
Und hier wieder die Zahlenspiele:
Zionistische Union + Yesh Atid + Meretz + Kulanu = 51
Immer noch nicht genug..
Und hier die zweite Alternative, wie sie Netanyahu vorschwebt:
Likud+ Shas+ United Thora Judaism+ HaBayit HaYehudi+ Yachad =  51
Die Zünglein an der Koalitionswaage werden die Arabische Liste und HaBayit HaJehudi sein.
Es wird spannend!

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