Offener Brief an die Welt online

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Am 05.03. erschien in der Welt online ein Artikel mit dem Titel: Der Tag, an dem die Juden saufen müssen, gefolgt vom Lead: „Juden sind Antialkoholiker. Aber eine Ausnahme machen sie – zum Purim-Fest haben sie die heilige Pflicht, viel Alkohol zu konsumieren. Und Sie können sich denken: Koscher saufen ist nicht leicht.“
Geschrieben wurde der Text von Hannes Stein. Dieser 1965 geborene Schreiber hat sich seine Sporen in gar vielfältigen Medien verdient: FAZ, Spiegel, Weltwoche, Merkur, Berliner Zeitung, Rheinischer Merkur, Welt (Literarische Welt und Feuilleton), Jüdische Allgemeine und Achse des Guten.
Er möchte gerne satirisch sein und hat es hier doch einfach vermasselt.
Dieser Artikel strotzt nur so von antisemitischen PlattitüdenSeine zwei Jahre in Israel hätten ihn eines Besseren belehren können. Einer seiner Freunde, noch dazu ein Rabbiner, den er im letzten Absatz erwähnt, hätte ihm den Blick auf das echte Judentum eröffnen können, aber nein, das ist offensichtlich nicht geschehen.
Nun schreibt er halt, so gut er es eben kann und die Welt online gibt sich dazu her, diesen verletzenden Text zu veröffentlichen.
Ich habe mir als fleissige Leserin der Welt gestattet, einen korrigierenden Kommentar dreimal zu posten. Dreimal hat die Welt ihn verweigert.
Um die grundlegenden Fehler im Bericht von Herrn Stein trotzdem zu berichtigen, wird der Kommentar jetzt hier veröffentlicht:
Ich bin empört über diesen tendenziös antisemitischen Artikel! Warum verwendet der Schreiber (ich weigere mich, ihn Autor oder gar Journalist zu nennen!) das Wort „saufen“, schreibt von „einen richtig schönen Pogrom“, warum schreibt er nicht, dass Königin Esther die zweite Frau des Königs war, nachdem er sich von seiner ersten Frau getrennt hat? Was soll das zynische „Halleluja“? Wieso nennt er die Selbstverteidigung der Juden „umgekehrten Pogrom“? Falsch ist die Aussage zum koscheren Wein, es gibt ihn, nicht nur in Israel, sondern weltweit, und zwar in hervorragender Qualität, warum nennt erden Liebhaber eines guten Tropfens „Jüdischen Weinsnob“? Käme es ihm je in den Sinn, vom Katholischen, Protestantischen ……. Weinsnob zu sprechen? Purim ist auch nicht „eine Art Jüdischer Karneval“. Ach ja entlarvend für den Antisemiten, der so gerne seinen „guten jüdischen Freund“ erwähnt, erscheint der hier in Person eines Rabbiners: „Wir kennen einen Rabbiner persönlich, der sich zu Purim in einen großen, himmelblauen Riesensalamander verwandelt.“
Welt online war bisher eines der online Portale, das sich wohltuend von der gnadenlos antisemitischen Meinungsmache in anderen, ebenso prominenten und viel gelesenen Medien abgehoben hat. Umso enttäuschender finde ich es, dass dieser beleidigende Artikel nun erschienen ist.
Unter den zehn Kommentaren findet sich immerhin einer, der den Bericht ebenso kritisch sieht:
G. K vor 3 Tagen
Gut das wenn 11 massenmörder von einer damals richterlichen Instanz, dem König, als Strafe zu Tode verurteilt werden, dies mit einem progrom an der gesamten jüdischen Bevölkerung eines Landes gleichgesetzt werden kann. Ich weiß, nicht ob hier der Versuch der Satire schief gegangen ist, aber dieser Artikel ist nicht nur schlecht geschrieben, er strotzt vor unterdrücktem antisemitismus.“ (sic!)
Ein weiterer Kommentator setzt  dem Schreiber des Berichtes entgegen:
„eaflet vor 3 Tagen
„Herr Stein, können Sie mir mal sagen, wie Sie auf die Idee kommen, Juden seien Antialkoholiker? Haben Sie sich schon mal überlegt, was orthodoxe Juden an jedem Sabbat trinken?“
In der Tat Herr Stein: Verschonen Sie uns mit ihren subjektiven Meinungen !!!
Juden sind dem Alkohol sehr zugetan bei den vielen Anlässen, die man ihnen hierfür gibt.“
Wie gut der Bericht den Verleumdungsjournalismus von Antisemiten bedient, belegt, dass er bereits am Tag des Erscheinens hier auftaucht.
Dieser Teil des zumindest als esoterisch-normannisch-germanisch anmutenden Sammelblogs wird betrieben von TA KI, der auch, (in der rechten Spalte der Seite aufgeführt) einen YouTube Kanal hat, der tief blicken lässt. Von diesem Blog wird er, wie in den Kommentaren ersichtlich, flugs weitergereicht, hierher und hierher.
Verschwörungstheoretiker vom Allerfeinsten……
Die Berliner Morgenpost schliesst den Bericht ebenso wie die Welt mit dem eigenen ©-Zeichen! Von der Morgenpost landet er auf einem arabischen Blog, der mehrsprachig geführt wird.
So wird dieser unsäglich sinnentleerte Bericht weitergetragen durch die Welt des Internets und findet Verbreitung…..
Selbst im Stürmer von 1934 finden sich teilweise ähnliche Gedankenansätze.
Auch die Auswahl der Bilder ist tendenziell. Sie zeigen nicht das muntere, ausgelassene Treiben, das während der letzten Tage in ganz Israel vorherrschte, sondern peinlich anmutende Abbildungen von sturzbetrunkenen Ultraorthodoxen.
Ich hoffe, Welt online hat sich nur diesen einen Ausrutscher geleistet.
Und ich hoffe, entweder die Redaktion der Welt, oder zumindest der Schreiber dieses unglaublichen Berichtes, hat das Rückgrat, sich mit einer kurzen Meldung von dieser Art geschmackloser, antisemitischer Botschaft zu distanzieren.
Mit freundlichem Gruss
Esther Scheiner, Israel
Ergeht an die Redaktion von Welt online und wird zeitgleich in meinem Blog http://estherstagebuchauszichronyaacov.blogspot.co.il  und in den Israel-Nachrichten http://www.israel-nachrichten.org veröffentlicht.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Offener Brief an die Welt online

  1. Beatrice

    Folgenden Brief habe ich an die Redaktion von Welt online geschrieben:

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Eine Bekannte hat mich auf den Artikel „Der Tag an dem die Juden saufen müssen“ aufmerksam gemacht. Ehrlich gesagt, ich habe nicht den ganzen Artikel gelesen, der war einfach zu doof. Kann es sein, dass der Schreiber des Artikels, Hannes Stein, diesen im Vollsuff geschrieben hat? Ich finde es schade, dass Ihre Zeitung solch primitive und für jüdische Menschen auch verletzende Artikel drucken resp. aufschalten muss.

    Mit freundlichen Grüssen

    Béatrice Bisang

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  2. So sieht mein Kommentar vom 6. März zu diesem grottenschlechten und vor judenfeindlichen Stereotypen strotzenden Artikel auf Facebook aus:

    Lieber Hannes Stein, so mancher Leser kann sich durch diesen Artikel, insbesondere durch die Behauptung, Juden hätten vor etwa 3000 Jahren an Persern ein Progrom angerichtet, in seinen judenfeindlichen Vorurteilten bestätigt fühlen. Zumal man in Deutschland während der Nazizeit oftmals Bezug auf das Purimfest nahm, wobei man den Juden die im Buch Ester berichtete Gegengewalt gegen Haman und seine Gefolgsleute vorwarf. So behauptete etwa das antisemitische Hetzblatt „Der Stürmer“ 1934, Juden würden an Purim bei einem exzessiven Trinkgelage Hass und Mord gegen Nichtjuden predigen. Juden würden dabei eine Haman-Puppe durchbohren, die sie auch mit Adolf Hitler identifizierten. Gauleiter Julius Streicher, der Herausgeber des „Stürmers“, behauptete in einer am 10. November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht, gehaltenen Rede, die Juden hätten damals 75.000 Perser ermordet und hätten durch Anzetteln eines Krieges gegen Deutschland dem deutschen Volk ein ähnliches Schicksal zugefügt und ein neues, deutsches Purimfest eingeführt, wenn man ihnen nicht durch die Pogrome zuvorgekommen wäre. Am 30. Januar 1944 zog Hitler selbst eine Verbindung zwischen sich und Haman und zwischen einer Niederlage Nazideutschlands und eines „zweiten Purims“. Während des Holocaust wählten die Nazis wiederholt das Purimfest für Angriffe auf Juden. 1942 wurden im polnischen Zduńska Wola an Purim zehn Juden gehängt, „um Hamans Söhne zu rächen“. 1943 wurden mit ähnlicher Begründung zehn Juden aus dem Ghetto von Piotrków erschossen und am Purimfest dieses Jahres bei Częstochowa und Szydłowiec über einhundert jüdische Ärzte und ihre Familien erschossen.

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