Der Winter fand woanders statt….

B“H

Vor ca. einer Woche begann der alljährliche Hype, der den kurzen Wintereinbruch in Israel Jahr für Jahr ankündigt.

Jerusalem Dezember 2013

Zugegeben, 2013 hatte es vor allem Jerusalem heftig erwischt, statt der schönen Bilder, die wir sonst in jedem Jahr frei Haus geliefert bekommen, mit Mini Schneemännern vor der Klagemauer, langlaufenden Pejesträgern, Kindern die ihren schulfreien Tag geniessen und gerutschten Autos, die irgendwie seltsam verquer in den Strasssen stehen, gab es dramatische Bilder: Autofahrer, die stundenlang auf der Strasse zwischen Tel Aviv und Jerusalem festhingen, die in den Wagen gestrandeten Fahrer ohne wärmenden Tee oder Decken, abgebrochene Äste, umgefallene Bäume, Ambulanzwagen, die nirgendwo mehr durchkamen und provisorische Nachtlager für die, die es gerade noch geschafft hatten, irgendein sicheres Ziel zu erreichen.
Unsere Regierung, wild entschlossen, heuer im Wahljahr alles ganz anders, alles viel besser zu machen, zauberte daher beim ersten Nahen der Unwetter, die da auf das Land zukamen, Notfallpläne aus den Schubladen.

Zuviel Regen brachte den Regenradar zum Erliegen
Das vorerst letzte Regengebiet

PM Netanjahu begab sich selbst in die Kommandozentrale der Krisenzentrale und überwachte persönlich die Massnahmen. 
Spezielle 4 x 4 Einsatzfahrzeuge standen bereit und sollten helfen, Autofahrern in Notlagen schneller helfen zu können. Wer die Strasse 1, auf der man sich nach Jerusalem hinaufquält kennt, der weiss, dass knapp vor dem ultimativen Anstieg die Strasse in einer steilen Linkskurve nach unten verläuft, um sich dann gleich anschliessend wieder steil nach oben zu schrauben.  Nicht zu Unrecht gibt es die Warnschilder, man möge doch bitte einen niedrigen Gang einlegen. Wenn da die sommerbereiften Autos hängen, dann helfen auch keine 4 x 4 Einsatzwagen mehr. Die Gesetze der Physik gelten auch im Hl. Land!
Die Polizei bereitete sich darauf vor, nicht nur die Zufahrtsstrassen um Jerusalem frühzeitig zu sperren, sondern auch die im Norden des Landes.
Die Supermärkte verzeichneten in der vergangenen Woche Rekordumsätze, Rami Levy, nicht gerade mein persönlicher Favorit, aber der grösste im Land, sprach von einem Umsatzplus von 250%.
Üblicherweise bleiben, mangels Kunden die Einkaufszentren in den betroffenen Gebieten geschlossen, Rami Levy witterte aber wohl das Jahrhundertgeschäft, und versprach, alle Filialen durchgehend offen zu halten. Ich frage mich nur, woher er die Nachlieferungen bekommen wollte, traut man dem Bild, so dürften die Regale doch recht bald leer gewesen sein.

Rami Levy in Talpiot

Die Kinder von Jerusalem, dem Norden und dem WJL freuten sich, es gab schulfrei, zunächst einmal nur für zwei Tage.
Am Golan, vor allem im Skigebiet des Hermon standen die Schneeräumgeräte bereit, um die Strassen wieder freizuschaufeln, sobald das Ärgste überstanden sein würde. Denn, business as usual, was gefällt meinen Mitbürgern, vor allem den nicht mehr ganz neuen Neueinwanderern aus den USA besonders gut? Skifahren!!
Oder, wie Wolfgang Ambros so herzerfrischend knarzt – meine Hommage an meine österreichische Heimat: Schifoan 

Ein ganzes Land hatte getan, was möglich war, um dem kalten, nassen und lästigen Wintereinbruch gegenüber bestens gerüstet zu sein.
Der Tag X kam, aber es kam kein Schnee. Was kam, war der Staub. Am vergangenen Dienstag war die Belastung durch Staub vor allem in den südlichen Landesteilen so hoch, dass eine allgemeine Warnung ausgegeben wurde, den Aufenthalt ausserhalb von Häusern zu meiden. Und dann kamen die Sandstürme.

Sandsturm in Be’er Sheva

Während der Süden unter der extremen Luftverschmutzung litt, bekam der Norden wirklich den versprochenen Schneefall. Auf dem Hermon waren es am (vorläufigen) Ende des Wintereinbruches sagenhafte 1,1 m Schnee. Mit minus 14,2° wurde gestern ein neuer Kälterekord geschrieben! Davon können heute die meisten Skigebiete in Österreich nur träumen. 
Auch in anderen nördlichen Gebieten des Galil fiel Schnee. Profitieren wird davon hoffentlich der Kinneret, dessen Werte sich bisher im Laufe des Winters noch kaum nach oben bewegt haben. 
Wie in jedem Jahr, brach die Stromversorgung zusammen, besonders betroffen davon waren, wie meist, die Städte entlang der Küste.
Ansonsten kann man über den Winter 2014/15 bisher sagen: viel Lärm um nichts, Jerusalem wurde nur leicht angezuckert, gefährlich war weniger der Schneefall, als das Blitzeis, das einige Strassen kurzfristig in spiegelglatte Flächen verwandelte.
Aber, schön sieht so ein Wintertag in der Levante allemal aus, deshalb hier auch einige Bilder:
Beit Jala bei Hebron

Ein Drusenort auf dem Golan

Efrat im WJL

Auf dem Golan

 

Eisschwimmen in Hebron

Ein seltener Fuchs

Der Golan

Hirsch auf dem Golan

Die Hügel von Jerusalem

Das Montefiori Quartier in Jerusalem

Gut  „behutet“ an der Kotel

Kuh im Galil

„Frommer Schneemann“ bei Sfad

Mitten im Negev

Präsident Rivalin verteilt Tee an die Grenzsoldaten

Unwetterwolken über Ramat Gan

Regenbogen am Hafen von Haifa

Sessellift am Hermon

Snowboarder am Hermon

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