Kay Wilson überlebte einen mörderischen Terroranschlag und kämpft jetzt für Israel

B“H

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die zu unglaublich sind, als dass man sie auch nur für eine Sekunde anzweifeln könnte. Niemand kann sie erfinden. Sie sind real und irreal zugleich.
Der Februar 2010 war ein für Israel erfreulich nasser Monat, tagelang regnete es ununterbrochen, in der Nacht vom 25. auf den 26. kam der Regen fast waagerecht vom Meer. Das Wadi neben unserem Haus verstärkte das prasselnde und heulende Geräusch. Es lag etwas Unheimliches über der sonst so ruhigen Küstenregion.
Das Purim Fest stand unmittelbar bevor und Netta hatte sich für ein paar Tage in das Salesianer Kloster von Beit Jamal zurückgezogen. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich vom Schulstress in den Wäldern der Hügel um Jerusalem erholte. Sie kannte die Umgebung genau und so machten sich die Mönche zunächst keine Sorgen, als sie von einem Ausflug nicht pünktlich zurückkam. Ihr strenger Tagesablauf mag es zunächst verhindert haben, dass sie es nicht wahrnahmen, dass Netta auch am Abend nicht im Gästehaus eingetroffen war. Am kommenden Morgen, Donnerstag, dem 25. Februar informierten sie Nettas Mann Amotz. Trotz den unwirtlichen Wetterbedingungen machten sich zahlreiche Freunde, Bekannte und Familienangehörige aus Zichron auf den Weg nach Beit Shemesh. Sie alle hatten die Hoffnung, Netta hätte vor dem Unwetter Zuflucht in einer der Höhlen gesucht.
Ihre Hoffnung wurde aufs Entsetzlichste zerstört, Nettas Leiche wurde am Freitag, den 26. Februar im Unterholz gefunden.
Für die Polizei war der Fall schnell abgehandelt, sie ging von einem Selbstmord aus. Wer Netta kannte, dem war klar, dass sie nicht die Frau war, sich umzubringen, es gab keine Brüche in ihrem Leben, keine losen Fäden. Netta liebte ihr Leben, sie liebte ihre Familie, ihre Arbeit in der jüdisch-arabischen Schule „Bridge over the Wadi“ und sie freute sich auf das neue Haus, dass sie in Kürze beziehen wollten.

https://youtube.googleapis.com/v/DaSL_S3_xhg&source=uds


In Ausgabe 57 vom Frühjahr 1997 hatte Netta ein Gedicht in Lilith, einem US amerikanisch-feministisch-jüdischen Journal veröffentlicht. In den letzten Zeilen heisst es: „…so her lover wraps his arms around her as far as he can wrap around a woman and her country in bed.“
So schreibt nur eine Frau, die liebt. Daran hatte sich seit 1997 nichts geändert. Amotz, mit dem sie seit vielen Jahren zusammen lebte, ihre gemeinsame Tochter Noga, und ein Cousin, sie waren sicher, es war Mord.
Die Autopsie liess erste Zweifel aufkommen, es wurde eine Nachrichtensperre verhängt, die aber, u. a. durch die übliche reisserische Vorgehensweise des Haaretz  im Mai teilweise aufgehoben wurde. Ich finde es verabscheuungswürdig, dass in der Folge, sowohl im Haaretz, als auch in einem Regionalblatt Details der abscheulichen Tat verbreitet wurden.
Netta Blatt-Sorek
Feb 24, 2010Netta Blatt-Sorek, 52, of Zichron Yaakov, was killed while walking near the Beit Jimal Monastery near Beit Shemesh. Her body was found two days later. The Palestinian terrorists responsible for the murder were arrested following the murder of Kristine Luken in December 2010.
Der Dezember 2010 ist in Israel extrem trocken, das Grossfeuer, das seit Tagen auf dem Karmel Gebirge wütet, richtet grossen Schaden an, und fordert zahlreiche Menschenleben. Die Trockenheit wird bald darauf abgelöst werden durch eine Woche mit orkanartigen Winden und sintflutartigen Regengüssen.
Am 18. Dezember 2010 waren zwei Frauen in den Wäldern unweit von Beit Shemesh unterwegs. Kristine Luken und Kay Wilson hatten sich im Sommer in Auschwitz kennengelernt. Beide wollten sich mit der Shoa auseinandersetzen, jede aus ihrer Sicht.
Kristine, die Christin, wollte mehr über die Juden und das Judentum erfahren, Kay, die Jüdin, wollte versuchen zu verstehen, was die Christen über den Holocaust dachten.
Sie wurden Freundinnen. Sie blieben in Kontakt. Kristine entschloss sich, nach Israel zu kommen. Vier Tage hatte sie für ihren ersten Besuch eingeplant.
Kay hatte sich viel Mühe mit der Planung des Besuchsprogrammes gegeben, es sollte das unbekannte Israel sein, das sie ihrer Freundin zeigen wollte. Am Tag zuvor waren sie am Toten Meer gewandert und an diesem Tag war das Ziel „einer der schönsten Plätze des Landes, der Jerusalem (Pinien-)Wald rund um Beit Shemesh“ 
Die beiden Frauen liefen zunächst auf dem Israel Trail, dem mehr als 1.000 kmlangen Wanderweg, der Israel von Nord nach Süd durchquert, verliessen diesen aber und setzten ihren Weg quer durch das Gebüsch fort. Es gab keinen nahvollziehbaren Grund für ihre Entscheidung.
Dort trafen sie auf ihre Mörder, zwei Terroristen aus der Westbank. Ob diese ihnen schon vorher gefolgt waren, ob sie auf dem Weg zu einem anderen Ort waren, ob es ein Zufall war – es wurde nie geklärt, was zu diesem mörderischen und in Kristines Fall tödlichen Treffen führte.
Die Terroristen spielten ein grausames Spiel mit den beiden Frauen, sie liessen den Überfall zunächst wie einen Raubüberfall aussehen, der bei Kristine und Kay Hoffnung aufkommen liess. Nach einer endlos scheinenden Zeit zeigten sie ihre wahren Absichten. Sie zerrten die beiden Opfer weiter in das Unterholz, fesselten und knebelten sie. Mit zwei Kampfmessern stachen sie bestialisch auf die Frauen ein. Kristine verstarb noch am Tatort, Kay überlebte schwerstverletzt, indem sie sich tot stellte und es ihr gelang, nachdem die Terroristen geflohen waren, Hilfe auf einem nahegelegenen Parkplatz zu finden.
Kristine Luken
Dec 18, 2010Kristine Luken, 46, a US citizen living in England, was stabbed to death while hiking in the hills west of Jerusalem with a friend on Saturday afternoon. Police arrested the Palestinian terrorists responsible for the murder.
Zunächst geriet Kay in den Medien in Verdacht, ihre Freundin ermordet zu haben. Nachdem eine Nachrichtensperre verhängt worden war, gab es weder von der Polizei, noch vom Inlandsgeheimdienst Bemühungen, diesen Verdacht, der auf reinem Sensationsjournalismus beruhte zu entkräften. 

Die Mordwaffen

Kurze Zeit später wurde eine Terrorgruppe in der Westbank ausgeforscht. Anhand von Blutspuren an einem Taschenmesser, mit dem Kay einen der Angreifer leicht verletzt hatte, konnte die übereinstimmende DNA festgestellt werden. Dies und die genaue Personenbeschreibung, die Kay im Vorfeld abgeben konnte hatte die Täterüberführt. Die Terroristen waren geständig, beide Terrorattacken durchgeführt zu haben. Sie für die Morde an Netta und Kristinewurden zu jeweils mehrfach lebenslänglicher Haft verurteilt. 
Mohammed Zoabi ist ein junger Mann, der sich selber als Israeli, Araber, Muslim und Zionisten bezeichnet. Er lebte bis vor wenigen Monaten in Nazareth. Bekannt wurde der 17 Jährige, weil er über seine Facebook Seite Videos veröffentlichte, in denen er seine pro-israelische Einstellung darlegte. Er lebte nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter und deren Lebenspartner, während sein älterer Bruder beim Vater lebt. Mohammeds Probleme eskalierten, als er seine Tante, Haneen Zoabi, Knesset Abgeordnete für die Arabische Balad Partei aufforderte, ihre gegen Israel gerichteten Aktionen einzustellen, oder, falls ihr das lieber wäre, nach Gaza auszuwandern. Als er die Entführer, bzw. wie sich später herausstellte, Mörder der drei israelischen Jugendlichen aufforderte, ihre Opfer freizulassen, war in den Augen seiner Verwandten die rote Linie überschritten.
Was folgte, waren körperliche Angriffe und Morddrohungen innerhalb der Familie gegen ihn, die schlussendlich dazu führten, dass Mohammed untertauchen musste.
Kay und Mohammed
Es war Kay, die ihm in ihrem Haus in Israel Unterschlupf und Sicherheit bot, ebenso wie es Kay zu verdanken ist, dass Mohammed mittlerweile in einer Gemeinde in den USA aufgenommen wurde, wo ihm vorurteilsfreie Menschen, Juden und Christen ein Heim geben, bis er wieder in seine Heimat Israel zurückkehren kann. Er besucht dort die Schule, was aufgrund seiner ausgezeichneten Sprachkenntnisse problemlos möglich ist.
Kay leidet immer noch unter den Spätfolgen ihrer grauenhaften Verletzungen. Mohammed half ihr, solange er in ihrem Haus lebte, bei vielen Dingen des alltäglichen Lebens. Auch vier Jahre nach dem Terrorüberfall ist der endgültige Status von Kay noch nicht geklärt.
Für Kay gibt es Vieles am sozialen System in Israel zu kritisieren. Sie ist daran aber nicht verzweifelt. Sie erhält als anerkanntes Terroropfer $ 3.500,– pro Jahr vom Staat, wohingegen jeder ihrer Peiniger von Dr. Mahmoud Abbas $ 3.500,– im Monat erhält.
Es gibt auch Vieles zu kritisieren am demokratischen System in Israel. Haneen Zoabi durfte ungestraft behaupten, dass die Entführung und Ermordung der drei jugendlichen Israelis kein Terror war. Diese infame Aussage wird unter dem Deckmantel der freien Meinungsäusserung legitimiert.
Kay sieht es auch als klares Versagen an, dass der Staat es nicht für notwendig erachtete, einen sicheren Platz für Mohammed und seine Mutter zu suchen, sondern dies engagierten Privatpersonen überliess.
Sie ist trotz der vielen negativen Erfahrungen stolz, Israelin zu sein. Bürgerin des einzigen demokratischen Staates in der Region. Einem Staat, der seinen Bürgern Wege öffnet, ihre Beschwerden vorzubringen. Ohne Angst haben zu müssen, dafür bestraft zu werden.
Obwohl es mit ihrer Gesundheit nach wie vor nicht sehr gut steht, hat sie sich entschlossen, für Israel und für ein positives Israelbild in der Welt zu kämpfen.
Over the rainbow – für Kristine und Netta
neu gesetzt und gespielt von Kay
Nachtrag 26.12.2014

Mein Beitrag befasst sich ausschliesslich mit den beiden Terroranschlägen, bei denen unsere Freundin Netta ermordet wurde, und denen ein halbes Jahr später Kristine Luken zum Opfer fiel und ihre Freundin schwer verletzt überlebte. Für beide Anschläge waren dieselben Terroristen verantwortlich. Dass sich die von Arabern aufs Grausamste gequälte Kay Wilson nun für einen jungen Araber persönlich einsetzt, verdient meinen Respekt.
Daher bleibt der Artikel so stehen, auch wenn ich heute erfahren musste, dass nicht nur Kristine Luken, sondern auch Kay Wilson Mitarbeiterinnen der evangelikal-missionarischen „The Church’s Ministry among Jewish People“ waren und sind. Die Zielgruppen ihrer Missionsarbeit sind, wie auf ihrer Homepage beschrieben, jüdische und säkulare Menschen. Die Gruppe betreibt in Israel mehrere Gästehäuser und bringt über ihr Reisebüro „Shoresh Tours“  interessierte Gruppen nach Israel.

Es liegt nicht in meiner Absicht, in meinem Blog christlichen Missionaren eine Plattform zu geben, deren Arbeit in Israel ich auf das Schärfste verurteile und bekämpfe. 

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