Fels in der Brandung Tag 41/42 – Tag 7/8 der Feuerpause, 17./18.08.2014

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Die Feuerpause hält weiterhin! Im Laufe des Tages wurden kaum Meldungen zu den aktuellen Verhandlungen, die Heute wieder aufgenommen wurden, veröffentlicht. Nur soviel scheint sich abzuzeichnen: beide Seiten sind mit den bisherigen Vorschlägen unzufrieden.
Die Chancen, dass Morgen der große Durchbruch kommt, liegen bei 50%.
Die ausländischen Medien halten sich seit den letzten Tagen zurück, sobald nichts Dramatisches im Zusammenhang mit Israel passiert, rücken wir automatisch auf die Seiten, die dem „Vermischten“ vorbehalten sind. Vielleicht ist das auch ganz gut so.
Eine Meldung, die es in die Schlagzeilen fast aller großen online Zeitungen schaffte, war die über die Rückgabe der Ehrenmedaille als „Gerechter unter den Völkern“ durch den Niederländer Henk Zanoli. Mit dieser Medaille ehrt Israel jene Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus Juden vor dem Zugriff der Nazischergen und damit vor dem sicheren Tod retteten. Auch Henk Zanoli und seine Mutter gehörten dazu. 
Seine Mutter und er nahmen den 1932 geborenen Elchanan Pinto, der aus einer orthodoxen jüdischen Familie in Amsterdam stammte,  bei sich auf und konnten ihm von 1943 bis 1945 ein sicheres Heim im niederländischen Dorf Eemnes in der Provinz Utrecht geben. Seine Eltern und Geschwister wurden in den Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Nach dem Krieg kam ein Onkel und brachte ihn in einem jüdischen Waisenhaus unter. 1951 emigrierte er mit anderen Jugendlichen nach Israel.
Nach dem Krieg erfuhr Johanna Zanoli, dass sowohl ihr Mann, als auch einige ihrer Kinder, die im Widerstand aktiv waren, im Februar 1945 in Mauthausen Opfer des Naziterrors geworden waren.
Henk Zanoli hat in einem Brief an die Israelischen Botschaft in Den Haag ausführlich begründet, warum er die Medaille nicht länger behalten kann. 
Mitglieder seiner Familie sind in Gaza gestorben. An einem Ort, an dem die Kampfhandlungen am heftigsten tobten. So sehr ich den Vorfall bedauere, so sehr ich seine Haltung verstehe, so sehr ich die Trauer der Familie mitfühlen kann, aber was hat seine Familie mitten in der Terrorhochburg verloren?

Dass Ismail Haniyeh nicht unbedingt der der größte Freund Israels ist, dürfte mittlerweile  bis in die letzte Ecke der Welt durchgedrungen sein. Und trotzdem gibt es höchst seltsame Verbindungen zwischen ihm, seiner Familie und dem verhassten Land.
Bereits 2012 wurde sein Schwager auf Grund von akuten kardiologischen Problemen in Israel behandelt. Im November 2013 wurde eine Enkeltochter, die einjährige Amal Haniyeh nach einer lebensbedrohenden Erkrankung in Israel behandelt. Sie konnte aber leider nicht gerettet werden. Die derzeit Letzte im bunten Reigen der nach Israel reisenden Mitglieder des Haniye Clans war im Juni dieses Jahres seine Schwiegermutter. Sie begab sich zur Behandlung einer Krebserkrankung ebenfalls lieber in die Obsorge eines israelischen Krankenhauses, als dass sie nach Ägypten gereist wäre. 
Offensichtlich haben die Haniye Frauen eine starke Affinität zu dem ungeliebten Land. Drei seiner Schwestern Kholidia, Laila und Saba leben seit Jahrzehnten in der Beduinen Ortschaft Tel Sheva in der Negev Wüste. Der Ort wurde 1968 von der israelischen Regierung gegründet, um dort, im Rahmen eines Projektes, Beduinen dauerhaft sesshaft zu machen. Die Beduinen betrachten sich nicht als Palästinenser, sondern als eigenständige ethnische Minderheit. Nachdem es zu wenige Frauen gab, reisten heiratswillige Männer des Clans nach Gaza, was damals ohne Probleme möglich war. Und so zogen die Haniye Schwestern eine nach der anderen in den Süden von Israel. Die erste bereits vor 30 Jahren. Ihre Kinder, und das muss man sich wirklich gut vorstellen, also die Neffen (bei den Beduinen gehen die Frauen nicht zum Militär) des Hamas Chefs, absolvieren ihren Militärdienst bei der IDF!!


Das ist keine Zeitungsente, auch wenn man es fast nicht glauben mag. Im Juli 2013 reisten Tzav’ah Bat Abud Elsalem Haniyeh und Leila Bat Abud Elsalem Abu Rakik illegal über Ägypten nach Gaza ein. Ein Antrag auf eine Einreisebewilligung nach Gaza wurde den beiden Israelinnen abgelehnt.
Die Untersuchungskommission der UNHR, die sich unter Vorsitz von William Schabas mit der Frage auseinandersetzen wird, ob und falls ja, in welchem Umfang Israel während der Operation „Fels in der Brandung“ Kriegsverbrechen begangen hat, stößt in Israel auf keine Bereitschaft, mit diesem Gremium zusammen zu arbeiten.
Professor Ron Prosor, Israels Botschafter bei der UNO brachte es auf den Punkt: „Schabas als Vorsitzender dieser Gaza UN Untersuchung ist so, als ob die ISIS eine Veranstaltung zum Thema Religiöse Toleranz leiten.“
Ich frage mich, wie kann ein Mann, dessen rein negative Haltung gegenüber Israel, ein Mann, den ich als „selbsthassenden Juden“ bezeichne, ein objektiver Richter sein? 
In einem Interview mit der Tageszeitung Yedioth Aharonoth gab er sich eher moderat. Er musste zwar zugeben, gesagt zu haben, dass er PM Benjamin Netanyahu sehr gerne vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag sehen würde, und sogar verwundert gefragt hat: „Warum klagen wir den Präsidenten des Sudan dort wegen Darfour an und nicht den Präsidenten (sic!) von Israel für Gaza?“
 

Er betonte, dass seine Kommentare aus dem Zusammenhang gerissen seien und bemühte sich, die Israelische Öffentlichkeit von seiner Unvoreingenommenheit gegenüber ihrem Land zu überzeugen – ohne viel Erfolg, sein Ruf als Anti-Israeli und Israelhasser ist schon viel zu fest in unseren Köpfen verankert. „Ich habe feste Meinungen zu den Israelischen Handlungen und ihren politische Führern, die sich mit der Meinung der Bürger von Israel deckt. Das bedeutet aber nicht, dass meine Beurteilung davon negativ beeinflusst würde.“ Er beharrte darauf, nicht anti-israelisch zu sein und dass er „Israel schon mehrfach besucht“ habe. Wer bis jetzt noch nicht misstrauisch war, der sollte es spätestens nun werden. Der Satz ist ein Klassiker des Antisemitismus, ebenso wie der, der lautet: Ich habe einen Freund, der Jude ist.
Einer seiner letzten verbalen Volltreffer in’s eigene Tor lautete Yes, the U.N. has double standards on Israel, but I think it’s not always a bad thing.”
Eine ähnliche Erfahrung haben wir schon mit dem Goldstone Bericht von 2009 gemacht, der Israels Aktivitäten während der Operation „Vergossenes Blei“ bewertete. Der Stachel der Fehlbeurteilungen sitzt tief, der von Goldstone korrigierte Bericht von 2011 wurde weltweit kaum beachtet. Seine teilweise Rücknahme und Korrektur begründete er mit den Worten If I had known then what I know now, the Goldstone Report would have been a different document.“ Als Folge des Berichtes wurden in Israel 400 Fälle untersucht, zwei Soldaten wurden verurteilt. Die Hamas, die ebenfalls von Goldstone verurteilt worden war, nahm keine Untersuchungen vor. Der Bericht war die Grundlage zu einer UNO Resolution, die sich aber  – wie nicht anders zu erwarten – nur gegen Israel richtete.
Eine völlig andere Sicht auf das Thema Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bringt ein Interview des DLF mit Professor Claus Kress, dem Direktor des Institute for International Peace and Security Law an der Uni Köln. Für ihn gehen beide Vorwürfe in Richtung der Hamas.
DLF: „… Bei den Raketenangriffen der Hamas handelt es sich um Terroraktionen, die gegen das Völkerrecht verstoßen. Oder ist es gar nicht so klar?“
Kreß:„Doch, das ist klar, und zwar unabhängig von der eben diskutierten Frage, ob wir es mit einem internationalen oder nicht-internationalen bewaffneten Konflikt zu tun haben, denn die entscheidenden, die maßgeblichen Regeln stimmen im Kern überein. Es gibt zum einen grobe Verstöße gegen das Konfliktvölkerrecht dadurch zu konstatieren, dass die Hamas gezielte Angriffe auf die israelische Zivilbevölkerung unternimmt, also zum einen Verletzung der Zivilisten in Israel.
Aber was auch wichtig ist an dieser Stelle zu unterstreichen: Die Hamas begeht auch Kriegsrechtsverstöße im Hinblick auf die Zivilisten im Gazastreifen, und zwar dadurch, dass sie systematisch militärische Ziele und zivile Orte miteinander vermischt und dadurch die Zivilisten im Gazastreifen in eine eminente, ständige Gefahr bringt, Opfer der Kampfhandlungen zu werden.
Das sind zwei separate und für sich genommen jeweils schwere Kriegsrechtsverstöße. Man kann darüber hinaus sogar die Frage stellen, ob bei derartig umfangreichen Angriffen, die ja Terrorcharakter annehmen, weil sie Schrecken über die israelische Zivilbevölkerung bringen sollen, ob wir hier nicht bereits die Schwelle eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit erreicht haben.“
Vielleicht wäre es spannend, wenn sich die beiden Experten gemeinsam an einen Tisch setzen würden und ihre gegensätzlichen Standpunkte im Fernsehen diskutieren könnten. 
In fünf Stunden, um Mitternacht endet die verlängerte Feuerpause. Bisher ist es ruhig im Land, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es, vor allem im Süden eine sehr gespannte Ruhe ist.
In den Medien gibt es noch keine Nachricht, wie der derzeitige Stand der Verhandlungen in Kairo ist. Wahrscheinlich laufen die ägyptischen Mediatoren eifrig treppauf, treppab, um die letzten Wünsche zu kommunizieren und zu hohe Vorstellungen zu glätten.
Gegen 20:45 verkündet die palästinensische Zeitung Al-Quds,  dass ein Durchbruch bei den Gesprächen erreicht worden sei. Früher am Abend bestätigt Hamas Offizielle, dass eine Unterschrift möglich wäre, falls Israel den Vorschlag nicht noch torpedieren würde. Aus palästinensischen Kreisen war aber auch zu hören, dass der Fokus der Verhandlungen auf einer weiteren Verlängerung der Feuerpause liegen würde.
Maan news weiß schon mehr: Palestinian sources in Cairo told Ma’an that a ceasefire agreement is being prepared after 15 days of Egypt-sponsored negotiations. The Israeli delegation has left Cairo to inform the cabinet before it convenes at 9 p.m. to discuss the agreement. The sources said Egyptian legal consultants were preparing the documents. Egypt is expected to announce the deal after 11 p.m., the sources said.
Auf israelischer Seite gab man sich noch bedeckt.
22:26 ein Mitglied der palästinensischen Delegation bestätigt, dass sie bereit wären, das Abkommen zu unterzeichnen, und nur mehr auf das OK der israelischen Regierung warten würden.
22:45 Verlängerung der Feuerpause um 24 Stunden.
Die  Rose des Tages
Geht heute an unsere vier IDF Soldatinnen, die während der Operation Fels in der Brandung in Gaza im Einsatz waren, stellvertretend für alle IDF Soldatinnen und Soldaten, die ihr Leben riskieren, um uns zu schützen.
Sie gehören zu den Paramedics, die am jeweiligen Einsatzort verletzte Kollegen erstversorgen, bevor sie in israelische Krankenhäuser evakuiert werden.
Drei der jungen Damen leisten derzeit ihren regulären Dienst ab, die vierte ist Reservistin und befand sich nach Ende des regulären Dienstes auf einem Trip durch Süd Amerika. Aus den geplanten 4 ½ Monaten (Unsere Jungens und Mädels nehmen sich nach dem Dienst fast alle eine lange Auszeit an irgendwelchen für sie spannenden Orten. Finanziert wird das mit dem Geld, das sie vor Eintritt ins Militär verdient haben) Stattdessen liegt Yonat Daskal (23) in Gaza. Sie verkürzte den Auslandsaufenthalt freiwillig, flog heim und war bereits am nächsten Tag bei ihrer alten Truppe in Gaza. Ihre Mutter hatte ihr die bereits erfolgte Einberufung verschwiegen. Viereinhalb Wochen war sie in Gaza, ohne Telefonkontakt zur Außenwelt. Ich hätte ihr den Aufenthalt in Mexiko mehr gewünscht, als den in Gaza.

Tamar Bar-Ilan (21) gehört zu einer Gruppe von Paramedics mit Panzerfahrzeugen. Sie war einzige Frau im Fahrzeug. 12 Tage blieben sie in Gaza. Die ersten fünf Tage blieb sie im Panzer. Ihre Angst war, dass einem der Bataillonskameraden was zustoßen könnte und sie außer Stande wäre, ihm zu helfen. Erst in der letzten Nacht kam ein Notruf über Funk. Sie fanden den Verletzten, versorgen ihn und innerhalb von Minuten war er bereits evakuiert. Tamar weiß, dass sie den Job professionell erledigt hat, aus dem Kopf geht er ihr trotzdem nicht. Die Eheringe ihrer Eltern, die sie immer am Finger trägt, hat sie abgenommen und trägt sie während des Einsatzes um den Hals. Falls sie durch einen Beschuss gestorben wäre, hätte man sie nicht vom Finger nehmen können. Durch die Hitze und die Blasenbildung wäre das unmöglich geworden.
Noam Dan (22) musste die bittere Erfahrung machen, ein Menschenleben nicht retten zu können. Am fünften Tag der Bodenoffensive wurde sie mit ihrem Panzerfahrzeug zu einem Soldaten gerufen, der von einem Scharfschützen ins Herz getroffen worden war. Obwohl der Arzt vor Ort bereits seinen Tod festgestellt hatte, versuchte sie ihn bis zum Erreichen des Grenzzaunes zu reanimieren. Nachdem der dort anwesende Arzt ihn für tot erklärte, brach sie zusammen. Sie sei, so erzählt sie, einfach neben ihm zusammengebrochen und habe nur mehr geweint.

Tal Shahar (22) dient eigentlich für Spezialeinsätze bei der Grenzpolizei, wurde aber für den Einsatz in Gaza einer anderen Spezialeinheit zugeteilt. Anders, als andere Soldaten hat sie keinen Abschiedsbrief geschrieben, sie hatte das Gefühl, der könne die Grundlage für eine sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung sein. Stattdessen hat sie neben ihre Hundemarke ein Bild ihres Freundes gehängt. Das gab ihr Kraft. Tal ist eine zarte junge Dame und wiegt 50 Kg, ihre Kampfausrüstung, so wie die ihrer Kolleginnen, wiegt 40 Kg, sie wollen aber keine Sonderbehandlung.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Fels in der Brandung Tag 41/42 – Tag 7/8 der Feuerpause, 17./18.08.2014

  1. Danke für diesen informativen, berührenden Bericht!
    LG und Shalom!

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