Fels in der Brandung – Tag 39/40, Tag 5/6 der Feuerpause, 15./16.08.2014


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Am Freitagabend wurde der neue 11 Punkte Plan vorgestellt, mit dem Ägypten versuchen will, unmittelbar bei Ende der Feuerpause (Montag 18.08.2014 um Mitternacht) ein Waffenstillstandsabkommen durchzudrücken.
Israel beendet alle Angriffe auf Gaza, von der See, vom Land und aus der Luft. Kein Soldat der IDF darf sich in Gaza aufhalten.
Alle Gruppen in Gaza werden die Angriffe auf Israel beenden, vom Land, von der See und aus der Luft.
Um Gaza aufzubauen, wird der offene Waren- und Personenverkehr erlaubt, darüber hinaus wird der Warenhandel zwischen Judäa/Samaria (WJL) und Gaza in beiden Richtungen gestattet. Details werden zwischen Israel und der PA abgestimmt.
Israel wird mit der PA alle Fragen in Bezug auf Finanzen und den Wiederaufbau von Gaza koordinieren.
Aufhebung der Pufferzone um das nördliche und östliche Gaza und Stationierung von PA Sicherheitskräften per 1. Januar 2015
Das Recht des Aufenthaltes und die Fischereirechte werden auf sechs Seemeilen erweitert. Der Radius wird, koordiniert zwischen Israel und PA, nach und nach auf nicht weniger als 12 Seemeilen ausgedehnt.
Die Israelischen Behörden werden die der PA im Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur in Gaza unterstützen. Sie werden helfen, die Bedürfnisse derer zu erfüllen, die während der Kämpfe ihre Häuser verlassen mussten. Zusätzlich wird Israel dringend notwendige medizinische Hilfe für Verletzte bereitstellen und Lebensmittel, sowie humanitäre Hilfsgüter nach Gaza liefern.
Die PA wird, in Koordination mit den Israelischen Behörden und internationalen Organisationen, alle grundlegenden Materialien zur Verfügung stellen, um Gaza wieder aufzubauen. Hierzu wird ein Plan entwickelt, der die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Häuser innert kürzest möglicher Zeit sicherstellt.
Ägypten bittet die Internationale Gemeinschaft dringend um humanitäre Unterstützung und Geldbeschaffung, um Gaza, entsprechend einem definierten Plan, wieder aufzubauen.
Sobald der Waffenstillstand stabil ist und Gaza zum normalen Leben zurückkehren kann, werden beide Seiten die indirekten Gespräche in Kairo beenden. Die Fortsetzung des Gesprächs wird innerhalb eines Monats ab der Unterzeichnung der Vereinbarung beginnen.
Über die Möglichkeiten, einen See- und Flughafen zu bauen und zu betreiben wird auf 
Basis des Oslo Abkommens und anderer vorheriger Übereinkommen, diskutiert werden.
Obwohl der Vertragsentwurf recht einseitig ist, und Geben und Nehmen in keinerlei Verhältnis zueinander steht, waren die Kommentare dazu wieder völlig unterschiedlich. 
Ein Sprecher des Islamischen Jihad, Yousef al-Hasayneh, stellte in einem Interview fest, dass das Abkommen am Montag mit dem Ende der Feuerpause unterzeichnet werden würde. „Wir haben der Verlängerung der Feuerpause zugestimmt, um den ägyptischen Zwischenhändlern Zeit zu lassen, einige „technische Unklarheiten“ aus dem Weg zu räumen.“

Dieses Interview kam im Anschluss an eine Aussage des stellvertretenden Kommandeurs des Islamischen Jihad, Ziad Nahala  „Der Krieg mit Israel ist beendet, wir haben keine andere Wahl, als die, ein Waffenstillstandsabkommen zu erreichen. Die umfangreiche Zerstörung, die dieser Krieg verursacht hat, zwingt uns, den Kriegsstatus aufzugeben.“ Am Abend zuvor hatte er behauptet, Ägypten hatte Israel seine Forderungen, Gaza zu demilitarisieren, den Schmuggel nach Gaza zu beenden, die lokale Waffenproduktion einzustellen und die Terrortunnel zu enttarnen, ausgeredet.
Eine namentlich nicht genannte Quelle der Hamas stellte gegenüber dem Israelischen Channel 2 fest, dass er davon ausgeht, dass die Kämpfe auch im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen am Montag nicht weitergehen. Ein anderer, ebenfalls nicht genannter Hamasnik, sagte in einem Gespräch mit dem Israelischen Friedensaktivisten Gershon Baskin, dass die Islamistische Gruppe einen langanhaltenden Waffenstillstand mit Israel anstrebe. Darüber hinaus würde sie auch eine internationale Beobachtergruppe akzeptieren, die sicherstellt, dass der Wiederaufbau von Gaza oberhalb und nicht unterhalb der Erdoberflächestattfindet.
Heute Abend, knapp vor Ende des Schabbat kam eine gänzlich anders lautende Meldung. Entsprechend Times of Israel sagte PA Präsident Abbas, dass es keinen anderen Lösungsvorschlag gäbe, als den von Ägypten vorgeschlagenen und, dass „Ägypten weniger als Mediator, sondern als Partner in den Verhandlungen auftrete. Es gibt keinen anderen, der Ägypten ersetzen wird.“
Die Worte von Abbas kommen zeitgleich mit der Weigerung der Hamas, den Ägyptischen Vorschlag zum Waffenstillstand anzunehmen und ihrem Beharren auf einem ausgedehnten Krieg mit Israel.
“Israel muss die Forderungen des palästinensischen Volkes annehmen, oder es steht ein langer Zermürbungskrieg bevor.” schrieb Hamas Sprecher Osama Hamdam auf seiner Facebook Seite.
Zeitgleich twitterten die Al-Qassam Brigaden: „Wir setzen unseren Kampf fort. Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Jihad ist unser Weg. Und (unser) Tod für Allah ist unser größter Wunsch.“
Es ist so beruhigend, zu wissen, dass sich alle Partner einer Seite einig über den Lösungsansatz sind!!
Ähnlich konfuse Meldungen sind aus dem Saudi-Arabischen Raum zu hören. 

Eine internationale Saudi Tageszeitung, die als Sprachrohr der königlichen Familie gilt, erklärte, dass es keinen Israelischen-Konflikt mehr gäbe, sondern stattdessen den israelisch-türkisch-iranischen Konflikt. Mehr als das, die Zeitung schrieb, wenn Israel sich mit den Arabern verbünden wolle, wäre jetzt die Zeit dazu. Der Artikel stellte klar, dass die Angriffe auf Israel von Gaza aus unter der Regie des Iran mit Hilfe der Muslim Bruderschaft und ihrer Schutzmächte, Türkei und Katar ausgeführt werden.
„Auch die Art des Konfliktes hat sich geändert. Die traditionelle Kriegsführung, wo die Armeen der (beteiligten) Länder sich auf dem Schlachtfeld treffen, wurde durch den asymmetrischen Kampf ersetzt, bei dem die Armee gegen Terrortruppen in den Städten kämpfen muss. Die Konflikte zwischen Israel und den Arabischen Staaten von 1948, 1967 und 1973 entsprechen nicht mehr den heutigen Realitäten. Heute muss Israel gegen politische Bewegungen, wie Hamas und Hitzbollah kämpfen, und nicht mehr gegen Arabische Staaten. Die Schutzmächte dieser Bewegungen kommen aus dem Iran und der Türkei. Und das sind ganz klar, keine Arabischen Staaten.“(…)

Nahezu zeitgleich ließ Prinz Saud al-Faisal, der Saudische Innenminister verlautbaren, dass „Israel realisieren muss, dass Frieden die einzige Lösung für sein Überleben ist. Wie wir beobachten, scheut sich Israel nicht, seinen Terror beliebig auszudehnen, um seine Ziele zu erreichen, ohne Rücksicht auf Gesetze, Regeln, religiöse Verordnungen oder humanitäre Überlegungen. Seine einzige Zielsetzung besteht darin, die palästinensische Existenz auszurotten.
Wie heißt es in Westfalen zu treffend: Rinn inne Kartoffeln, raus außer Kartoffeln.
Die Türkei, offensichtlich bemüht, die selbst festgesetzte Quote von 200 Verletzten schnell zu erreichen, die aus Gaza, via Grenzübergang Erez zum Flughafen Ben Gurion und von dort nach Ankara geflogen werden sollen, empört sich wieder einmal über eine zu schleppende Abfertigung. So hätten am Mittwoch 40 Personen ausreisen sollen, es wurden aber nur Visa für 18 Personen erteilt. Von den 18 Personen sind fünf Kinder und eine schwangere Frau.
Der Türkische Parlamentssprecher Cemil Çiçek sagte anlässlich eines Besuches der Patienten zu Reportern, dass Israel die Weltöffentlichkeit mit den “sogenannten Feuerpausen“  an der Nase herumführen würde.Sezgin Tanrıkulu von der größten Oppositionspartei „Republikanische Volkspartei“ (CHP) sagte – ebenfalls bei einem Besuch im einem Krankenhaus -, dass „der Türkische Staat immer auf der Seite der Palästinenser stehen würde.“

Heute Abend haben sich ca.2.000 Menschen auf dem Rabin Platz versammelt. MK Zahavaa Gal-On forderte PM Benjamin Netanyahu auf zurück zu treten. „Bibi, du hast versagt. Du musst die Schlüssel abgeben und heimgehen. Du hast versagt, weil du dich fünf Jahre der Diplomatie gegenüber verschlossen hast. Du hast versagt, dich der arabischen Friedensinitiative gegenüber offen zu zeigen.“
Rose und Kaktus des Tages gibt es heute nicht. Stattdessen ein Video!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Fels in der Brandung – Tag 39/40, Tag 5/6 der Feuerpause, 15./16.08.2014

  1. Liebe Esther,
    zunächst einmal hab ganz herzlichen Dank für Deine regelmäßige Berichterstattung über die Ereignisse in Israel bezüglich der „Operation Schutzlinie“! Da warst Du auch „ein Fels in der Brandung“, wenn ich das mal so sagen darf!
    „Nur“ so nebenbei: Warum die israelische Botschaft immer von „Operation Schutzlinie“ spricht, ist mir nicht ganz klar.
    Alles, was ich heute über das „11-Punkte-Programm“ gelesen habe, ist eher unerfreulich. …
    Vielleicht ist es klüger, erstmal abzuwarten! …
    Ganz liebe Grüße!

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  2. Danke faehrtensuche, ich denke in 24 Stunden werden wir alle schlauer sein!

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