Fels in der Brandung Tag 35+36, Tag 1+2 der Feuerpause, 11./12. August 2014

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Seit Mitternacht schweigen die Waffen. Kurz vor Beginn der Feuerpause haben beide Seiten sich noch einmal deutlich in Erinnerung gebracht. Im Süden schrillten nochmals mehrfach die Sirenen, auch der Iron Dome musste nochmals in Aktion treten. Der militanten Arm der Hamas verkündete stolz: „Wir haben eine M75 nach Tel Aviv geschossen.“ Die kam aber, dem Himmel sei Dank, nie an! Etwa zeitgleich zerstörte die IDF einen Terrortunnel im nördlichen Gazastreifen.
Gegen Mittag wurde der gestern nach einem direkten Treffer geschlossene Grenzübergang Kerem Shalom wieder geöffnet. 
Ebenfalls gegen Mittag traf die israelische Delegation wieder in Kairo ein, wo die Verhandlungen zu einem länger andauernden Waffenstillstand fortgesetzt werden. 
Nun hat sich die Türkei, seit der Mavi Marmara und der Brüskierung des damaligen türkischen Botschafters Ahmet Oguz CELIKKOL im Jahr 2010 kein Freund Israels mehr, entschlossen, den Palästinensern zu helfen. 

Übrigens, als Hintergrundinformation:  der damalige türkische Botschafter wurde einberufen, um gegen die Ausstrahlung des Filmes „Tal der Wölfe – Palästina“ zu protestieren.

Heute wurden vier verwundete Palästinenser aus Gaza evakuiert und nach Ankara ausgeflogen. Sie sollten dort in einem Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt sollen bis zu 200 Verletzte zur Behandlung in die Türkei kommen, geplant ist, sie in fünf Gruppen auszufliegen. Am Samstag hatte der türkische Noch-Außenminister und wahrscheinlicher nächster Premierminister Ahmet Davutoğlu ein Ansuchen an Israel und Ägypten gestellt, einen Flugkorridor nach Gaza zu öffnen. Auf diesem Weg sollen die Verletzten, die nach Ankara gebracht werden, evakuiert werden. Gestern Abend standen die Antworten beider Regierungen noch auch, allerdings las ich, dass das Rettungsflugzeug bereits auf dem Weg nach Israel sei.
Und wieder mal die Frage: welches Land, außer Israel ermöglicht so etwas?
PA PM Rami Hamdallah bestätigte, dass die Türkei 3.000 vorfabrizierte Häuser in den Gaza Streifen schicken wird. 
Bei einer im Pal TV und Radio ausgestrahlten Rede sagte er, die leicht zusammensetzbare Konstruktion sei für jene Palästinenser vorgesehen, deren Häuser in durch israelischen Luftbeschuss zerstört worden seien.
Hamdallah fügte hinzu, dass die Internationale Geber Konferenz für den Wiederaufbau von Gaza am 05. September in Oslo zusammentreten könnte, aber, so fügte er hinzu, hätten die Geber Länder gedroht, die Zahlungen einzufrieren, bis die Gehälter der Hamas gezahlt worden wären.
Der PA PM, der gleichzeitig auch als Innenminister der neuen Einheitsregierung fungiert, sagte weiterhin, dass Ägypten anregt, dass Mitglieder der PA die Rafah Kreuzung und die Philadelphi Passage bewachen.
Während das reiche Katar sich mehr und mehr zur Schutzmacht und zum Förderer der Hamas entwickelt und auch die Türkei eine neue Allianz in Nahost schmiedet, gehen die Saudis und die Vereinten Arabischen Emirate mit Ägypten ganz andere Wege. 
So soll die neue Feuerpause maßgeblich von diesen beiden Gruppen mitgetragen werden. Und mehr als das, sie haben sogar angedeutet, den Wiederaufbau von Gaza mittragen zu wollen. 
Wieso auf einmal der angedeutete Bruderkuss mit Israel?
Der zunehmende Einfluss der Kataris auf die Hamas beunruhigt die Araber offensichtlich stärker, als die Zusammenarbeit mit Israel und den Ägyptern. 
Vielleicht haben es die Saudis auch besser verstanden, ihre Hilfsgelder in die vorgesehenen Kanäle fließen zu lassen.
Nachdem wir uns alle einig sind, dass es den Esel, der auf den Befehl „Bricklebrit“ hin Gold scheißt, nicht gibt, muss es etwas anderes gewesen sein, das auf einmal soviel Geld in die Kassen der Hamas gespült hat, dass die ausstehenden Löhne und Gehälter gezahlt werden konnten. 

Und das eröffnet den Blick auf die Meta Ebene des Konfliktes: der Blick auf die nachfolgende Grafik zeigt uns, wie die Verteilung von Sunniten und Shiiten in der Region ist. Und da sind wir beim Krieg hinter dem Krieg angekommen. 
Dem Himmel sei Dank, die Feuerpause hält weiterhin. Es ist Montagabend  23:16.
Auch die Nacht verlief ruhig.
Gerade tauchen in den Mediendie ersten „durchgesickerten“ Zwischenergebnisse der Verhandlungen in Kairo auf. Mir kommt, bitte verzeiht mir den rüden Ton, das große Kotzen!
Um es noch einmal kurz festzuhalten:

Israel hat zwei Forderungen, die eng miteinander verbunden sind: absolutes Ende des Beschusses und Entmilitarisierung = Entwaffnung der Hamas.
Beides wird abgelehnt
Hamas fordert:
Abzug aller Panzer vom Sicherheitsstreifen um Gaza – 
internationale Truppen entlang der Grenzen nach Israel – 
absolute Aufhebung der Blockade von Gaza – Aufstockung der Lieferungen auf ca. 600 LKW pro Tag
Völlige Öffnung der Grenzen für unbeschränkten Waren- und Personenverkehr – Erteilung von deutlich mehr Reisebewilligungen von und nach Gaza
 
Internationalisierung der Grenze nach Rafah –  muss im Prinzip mit Ägypten verhandelt werden
Erweiterung der räumlichen Fischereirechte auf 12 Seemeilen – wird wahrscheinlich auf sechs Seemeilen ausgedehnt
Freilassung von Gefangenen –  
Bau von See- und Flughafen – wird seitens Hamas vielleicht (!) vertagt, wenn Israel auf alle anderen Forderungen eintritt.
Erleichterte Einreise für den Besuch der Al Aksa Moschee – erleichterte Einreise für den Übertritt vom WJL und Gaza nach Israel
Fortgesetzte Lieferung von Gratisstrom nach Gaza  
Zahlung der ausstehenden Hamas Gehälter wird freigegeben
Lieferung von Baumaterialen unter strenger Beobachtung
Während Israel nichts, aber auch gar nichts erhält, sackt die Hamas wieder Zusagen und sogar noch zusätzliche, zu den gar nicht in den primären Forderungen enthaltenen, Zuckerle ein.


Und nun die Frage: für was haben wir denn dann eigentlich gekämpft? Haben einen Pyrrhussieg errungen, der uns zwar als Sieger, aber ohne Gewinn zurücklässt? Zumindest eine Meldung vom frühen Nachmittag lässt mich das vermuten.
Sogar noch, während israelische Unterhändler in Kairo über einen Waffenstillstand mit Hamas diskutieren, bemüht sich die Terrororganisation klarzustellen, dass sie keinesfalls beabsichtigt, ihren Plan aufzugeben, Israel von der Landkarte zu löschen. Der „militärische Arm“ der Hamas, die al-Qassam Brigaden gab eine Erklärung zu seiner Position in den andauernden Gesprächen in Ägypten ab. „Die Kämpfer in Gaza warten darauf, mit Allah’s Hilfe die Gefechte fortzusetzen, oder die nächste Kampagne vorzubereiten. Es gibt kein Entrinnen. Entweder Jihad, oder Planung des nächsten Jihad.“
Es ist, wie immer, eine Spirale ohne Ende. Die Beobachtungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Geschwindigkeit der Wiederaufrüstung immer schneller wurde. Wenn das so ist, wenn das Ergebnis der Verhandlungen so ist, wie es sich abzeichnet, dann wird es die nächste „Kampagne“ bereits im kommenden Frühjahr geben. 
Den unverantwortlichen Umgang mit Medienvertretern in Gaza kritisiert nun auch heftig die „Foreign Press Organisation“, eine NGO, die in Israel für ca. 480 akkreditierte ausländische Medienschaffende als Ansprechpartner bei anfallenden Störungen und Behinderungen fungiert. 
“The FPA protests in the strongest terms the blatant, incessant, forceful and unorthodox methods employed by the Hamas authorities and their representatives against visiting international journalists in Gaza over the past month.
The international media are not advocacy organizations and cannot be prevented from reporting by means of threats or pressure, thereby denying their readers and viewers an objective picture from the ground.
In several cases, foreign reporters working in Gaza have been harassed, threatened or questioned over stories or information they have reported through their news media or by means of social media.
We are also aware that Hamas is trying to put in place a „vetting“ procedure that would, in effect, allow for the blacklisting of specific journalists. Such a procedure is vehemently opposed by the FPA.“
Das wird natürlich die Hamas und ihre nicht weniger gewaltbreiten Kollegen nicht weiter stören. Aber es ist so wichtig, dass mehr und mehr Informationen über das wirkliche Vorgehen von Hamas & Co aufgedeckt werden. Ich kann nur hoffen, dass auch die publizierten Zahlen über Opfer, gesamt und aus dem zivilen Bereich irgendwann kritisch hinterfragt werden. 
Ein weiterer Artikel zum Thema, der unbedingt zum Lesen empfohlen wird steht hier.
Die Rose des Tages
Geht heute an Die Welt. Für einen Artikel vom 26.05.2014, der verlinkt ist mit zwei weiteren. Alle drei befassen sich mit, no na, mit Israel, dem Leben in diesem Miniland, mit den Schwierigkeiten, sprachlich erwachsen zu werden, dem Wesen der „sabres“ und dem kurz bevor stehenden Feiertagsmarathon vom 25.09. bis zum 17.10.

Die Rose des Tages, kombiniert mit dem Kaktus des Tages
Hat sich heute Garnier Cosmetics, die zum L’Oreal Konzern gehört, verdient. Bereits Ende Juli hatte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Stand With Us den Mädels der IDF Kosmetik- und Pflegeprodukte geschickt. Der Text, der das nachfolgende Bild im Facebook begleitete, war:
„Wie sind geehrt, diese „mädchenhaften“ Pflegepakete für unsere zauberhaften IDF Soldatinnen liefern zu dürfen. Die heutige Lieferung umfasst Tausende von Produkten für unsere Mädels, die Israel beschützen. So können sie sich auch selbst schützen, während sie das Land verteidigen.

Dafür gibt es die Rose.
Dann kam der shitstorm auf Facebook. 22.000 Mal wurde die Seite geteilt, 3.000 Kommentare wurden gepostet, die meisten gegen Garnier und ganz im Sinne von BDS.
Und Garnier, um seine Umsätze im Ausland bangend, krebste zurück
„Garnier schätzt Frieden und Harmonie und verfolgt eine strikte Unternehmenspolitik, sich aus jeglichen Konflikten und politischen Auseinandersetzungen heraus zu halten. Die Verteilung von ca. 500 Produkten geht auf die Initiative eines lokalen Händlers zurück. Sie wurde auf lokaler Ebene durchgeführt und wir bedauern, wenn irgendjemand sich angegriffen fühlte. 
Dafür gibt es den Kaktus und das Verspechen, dass ich keine Garnier Produkte mehr kaufen werde.
Und noch einen zweiten Kaktus gibt es hierfür, wobei der Empfänger unbekannt ist.
Für die Veröffentlichung dieses abscheulichen Bildes.


Dienstag, 22:30, die Waffenruhe hält immer noch. Es gibt keine neuen Verhandlungsergebnisse.

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