Kein guter Tag für Israel

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Kennt ihr die 15 Sekunden Übung? Falls nicht, kein Problem, ihr werdet die Erkenntnisse aus diesen Übungen hoffentlich niemals nutzen müssen! 
Israels Kids im Süden des Landes kennen sie und sie ist lebensnotwendig für sie. 15 Sekunden, das ist die Zeit, die sie haben, um sich in einen sicheren Schutzraum zu begeben. Gerade jetzt, wo die Sommerferien angefangen haben, eine wirklich tolle Aussicht für Schulkinder. Gestern wurde z.B. ein Schwimmbad evakuiert.
Wie lange sind 15 Sekunden? Probiert es einfach mal selber aus und überlegt euch, wie weit ihr in dieser Zeitspanne rennen, nicht gehen, sondern richtig rennen könnt. 
Wir hier im  Norden haben Glück, wir haben eine Vorwarnzeit von ca. 20 – 30 Minuten. Wohl dem, der einen privaten Bunker daheim hat, da muss man dann nur mehr die Panzerplatte vorschieben und sich mit Wasser und Lesestoff versorgen. Sollte der Beschuss irgendwann in der Zukunft dann aber aus dem WJL kommen, dann wird es uns so gehen, wie dem Süden schon seit Jahren. 
Derzeit stehen die Zeichen auf Sturm. 
Noch bevor unsere drei jugendlichen Terroropfer beigesetzt worden waren,  ging der Protest auf den Straßen  los. Rechtsgerichtete Israelis blockierten Straßen in Jerusalem, skandierten „Tod den Arabern!“ Die arabischen Gegenproteste ließen nicht lange auf sich warten.
Am Morgen des nächsten Tages fand man in den Wäldern von Jerusalem die Leiche eines jungen israelischen Arabers. Ermordet, und wie man mittlerweile weiß,  bei lebendigem Leib verbrannt.  Er war kurz vor dem Auffinden als vermisst gemeldet worden.
Um es gleich vorweg zu nehmen: ich verurteile Gewalt von rechts und von links, Gewalt von Juden gegen Araber, von Arabern gegen Juden, von Juden gegen Juden und von Arabern gegen Araber. Ich verurteile Gewalt unter verfeindeten Clans, Gewalt innerhalb von Familien.
Dieser Mord, von wem auch immer er begangen wurde, ist der Mord von Bestien an einem Jugendlichen. Ich hoffe, der oder die Täter werden gefunden und der drastischsten Strafe zugeführt, die möglich ist: lebenslange Haft ohne Hafterleichterung und ohne die Chance, jemals wieder freizukommen.
Mittlerweile ist aus dem Protest mehr geworden.
Die einzige Straßenbahn Israels, der Light Train in Jerusalem, durchmisst die Stadt vom Herzlberg im Süden bis zum nördlich gelegenen Heil HaAvir. Von den 28 Haltestellen liegen zehn in Ostjerusalem. Vom Übergang  zwischen Ost- und Westjerusalem führt die Trasse exakt entlang der Waffenstillstandslinie bis hinunter zum Damaskustor. Dieses bequeme öffentliche Transportmittel, im August 2011 in Betrieb genommen, wurde bis vor wenigen Tagen auch von zahlreichen Passagieren aus den Ostteilen der Stadt in Anspruch genommen. Die Bahnlinie in die Ostgebiete ist in weiten Teilen zerstört. Wann sie wieder auf der Gesamtstrecke verkehren kann, ist noch völlig offen. 

Brände wurden gelegt, in Jerusalem brannte es gleich mehrfach, am vergangenen Mittwoch im Süden der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Hadassah Krankenhauses und des Holocaust Museums Yad Vashem. Am Donnerstag brach erneut ein Brand in den Hügeln um Jerusalem aus, dazu kam ein weiterer in Carmiel, im westlichen Galiläa. Am Samstag kam es zu mehreren kleinen Bränden, die rasch gelöscht werden konnten. Am Freitag brannte es auf einem weitläufigen Feld zwischen Atlit und Haifa. Weil mitten durch das Brandgebiet die Eisenbahntrasse verläuft, wurde der Zugverkehr für einige Stunden unterbrochen. Zu Behinderungen kam es auch durch Rauchentwicklung  auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Schnellstraßen. In einigen Fällen wurden die Brandstifter schnell ausfindig gemacht und waren auch geständig, in anderen Fällen tappt die Polizei völlig im Dunkeln. 
Seit dem vergangenen Mittwoch wurde der Süden mit 110 Raketen aus Gaza beschossen,  21 davon wurden vom Iron Dome abgefangen. Offensichtlich wurden auch  Raketen mit einer größeren Reichweite eingesetzt, auch Be‘er Sheva wurde beschossen. Es gab direkte Treffer, die aber nur Sachschäden anrichteten. Seit einigen Tagen gibt es ein neues, kostenloses  iTunes App „Red Alert“, das in Echtzeit jeden Alarm an das Handy sendet.
Während der Beisetzung des arabischen Mordopfers kam es zu lautstarken Protesten bei denen „Intifada! Intifada!“ gebrüllt wurde. 
Also, soweit alles Business as usual?
Leider nein, diesmal lief Vieles aus dem Ruder. Vieles, was ich bisher geschrieben habe, ist nun überholt, die Ereignisse haben sich heute überschlagen.
Der 15 jährige Araber mit US Staatsbürgerschaft, Tariq Khdeir, Cousin des in der vergangenen Woche ermordeten Mohammed Abu Khdeir, nahm am Donnerstag an einer Demonstration in Ostjerusalem teil. Mehrere hundert Jugendliche, mehrheitlich vermummt, gingen mit Molotowcocktails, Handgranaten, Steinen und Messern auf die Soldaten und Polizisten los. Sechs von ihnen wurden festgenommen, unter ihnen auch Tariq. Dass sie sich gegen die Festnahme wehrten ist klar, ob Tariq sich besonders heftig wehrte, oder ob er einer der drei war, die mit einem Messer die Polizisten attackierten, ist nicht bekannt. Ein Video, aufgenommen von einem Nachbarn soll belegen, wie er, bereits am Boden liegend von den Polizisten geschlagen und getreten wird. Erkennen kann man ihn auf dem Video nicht, er ist vermummt. Tzipi Livni, die Justizministerin ordnete eine sofortige Untersuchung des Vorfalls an, der, wenn er sich so abgespielt hat, mehr als skandalös ist!
In der Zwischenzeit wurde bekanntgegeben, wer die Mörder von Mohammed Abu Khdeir waren. Es handelt sich um sechs jüdische Extremisten aus Beit Shemesh, Jerusalem und Adam, unter ihnen auch einige Minderjährige. Das Motiv für diesen bestialischen Mord dürfte nationalistisch begründete Rache sein. Mehr ist über den Hintergrund und die Mörder selbst  noch nicht bekannt. Die Mutter des Ermordeten forderte „Demoliert ihre Häuser, so wie Ihr es auch bei uns macht!“ Ich kann ihre Wut verstehen, auch sie hat ihren Sohn verloren, grundlos, aus blanker Rachsucht! Was unterscheidet sie also von den Müttern der drei israelischen Terroropfer?
Und noch ein weiterer Mordfall wurde heute als aufgeklärt gemeldet. Bereits am 01. Mai war die 20 jährige Shelly Dadon auf einem Parkplatz bei Afula tot aufgefunden worden. Heute wurde bekannt gegeben, dass ein Taxifahrer, der sie zu einem Vorstellungsinterview bringen sollte, auch ihr Mörder war. Yousef Hussein Halifa wurde bereits am 16. Juni festgenommen,  der Bericht aber erst heute freigegeben. Über die Hintergründe und Motive ist noch nichts bekannt geworden.
Für wahr, dies ist kein guter Tag für Israel.

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Kein guter Tag für Israel

  1. Bernhard

    Es ist wirklich unfassbar, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die Kinder ermorden um damit ihren fantischen Ziele zu zu bezeugen.

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  2. Es ist zu hoffen, dass gleiches Recht für alle ausgeübt werden wird. Wie etwa die Zerstörung der Häuser auch der Familie jüdischer Killer. Sonst wird Israel total unglaubwürdig. Auch erwarte ich, dass diese Untaten nicht à la palästinensischer Tradition fröhlich gefeiert werden – vielleicht sollten diesen Kindermorde, egal ob an Arabern oder Juden, mit einem staatlichen Protesttag oder gar Erinnerungstag erinnert werden. Mit diesen Taten jüdisch-rassistischer Mörder hat Israel seinem eigenen wirklich guten Namen einen irreparablen Schaden zugefügt. Dies mit Berichten über palästinisches Fehlbenehmen, wie deren Morde und deren Demonstrationen, ausgleichen zu wollen ist unsachlich und dient niemandem, denn damit stellt Israel diese Untaten als israelisch-jüdische Norm hin – zudem es hoffentlich nicht wird.

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