Was bleibt uns da noch übrig?

 
ב“ה
 
 
Wie Gideon Levy (Haaretz, der zu 25% dem Verlag DuMont gehört) im Tachles, dem schweizerischen Wochenmagazin für unverbindliches Judentum, versucht, den amerikanischen Staatssekretär John Kerry in der Luft zu zerreißen. Und dabei nur sinnentleerte Wortschnipsel produziert.
Gut, John Kerry hat sich nicht besonders geschickt ausgedrückt, als er am 25. April, wohlgemerkt hinter geschlossenen Türen verkündete: „Ein Einheitsstaat endet entweder als Apartheid Staat mit einer Zweiklassengesellschaft, oder er endet als Staat, der die Möglichkeiten Israels, ein Jüdischer Staat zu sein zerstört.“
 
Zugegeben, beides sind nicht gerade die Aussichten, die ich mir für mein Land vorstelle! Aber von einem Einheitsstaat sind wir derzeit genauso weit entfernt (Gottseidank!), wie von der Zweistaatenlösung (Leider!).
Die Verhandlungen sind wieder einmal geplatzt und werden wieder einmal mehr oder minder im Geheimen fortgesetzt. An anderen Orten, in anderer personeller Zusammensetzung. Mit denselben „Verhandlungspartnern“, die uns Juden hassen.
Für Israel kann und wird es nur die Zweistaatenlösung geben, es ist nicht die Frage des „Ob”, sondern nur des „Wann“. Für die Palästinenser gibt es ebenfalls nur eine denkbare Lösung, die Zweistufenlösung. Die sieht zunächst eine Trennung in zwei Staaten vor, die im Laufe der Zeit in einen Einheitsstaat übergehen werden, möglicherweise genau auf dem bei der San Remo Konferenz festgelegten britischen Mandatsgebiet. Palästina wird, so die Träume der Palästinenser, zumindest vom Jordan bis zum Mittelmeer reichen, Jordanien als ursprünglich palästinensischer Staat wird „eingeladen“, sich anzuschließen. Und dieses neue Staatsgebilde wird selbstverständlich judenrein sein.
Bis vor kurzer Zeit konnten die Palästinenser auf Zeit spielen. Wahrscheinlich hätte sich das Warten gelohnt, irgendwann hätten sie von Israel alles bekommen können, ohne selbst eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Es stünde den unkritischen Lesern israelkritischer Blätter gut an, als Kontrastprogramm die Stimme einer profunden Israelkennerin, Caroline Glick zu hören. Sie bringt Gedanken auf den Tisch, die nicht so leicht verdaulich sind, dafür aber die Realität der Politik abbilden.
Diese Gedanken sind auch Kerry nicht fremd, und so betont er drei Tage später: „Ich glaube weder, noch habe ich jemals, weder in der Öffentlichkeit noch hinter geschlossenen Türen betont, dass Israel ein Apartheid Staat ist, oder beabsichtigt ein solcher zu werden.“
 

Nachdem der mediale Shitstorm sich gar nicht mehr legen wollte, musste er nochmals nachlegen: „Ich bin schon lange genug im Job, um die Macht der Worte zu kennen, wenn es darum geht, falsche Eindrücke zu schaffen. Selbst wenn dies völlig unbeabsichtigt ist. Wenn ich das Band zurückspulen könnte, würde ich ein anderes Wort wählen, um meine sichere Überzeugung auszudrücken, dass langfristig der einzige Weg für einen Jüdischen Staat darin besteht, zwei Nationen und zwei Völker Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben zu lassen, auf der Basis einer Zweistaatenlösung.“
 
 
Keine brillante Vorstellung des amerikanischen Friedensvermittlers, aber schnörkelfreie Worte, die jeder verstehen kann.
 
Gideon Levy, ein bekennender linkssympathisierender Journalist, der seine Gedanken vor allem im ebenso linken Haaretz verbreitet, aber auch regelmäßig eingeladener Gastschreiber im Tachles ist, deutet ganz dezent am Ende des ersten Absatzes einen Vergleich mit dem „mit letzter Tinte“ geschriebene Gedicht von Günther Grass an. „Schaut doch nur, was mit seinem echten Freund passierte, der doch nur versuchte, Israel vor sich selbst zu warnen.“ allerdings eindeutig mit Blick auf Kerry.
Grass warnte Israel vor einem Krieg mit dem Iran, vor allem aber vor sich selbst, Kerry warnte Israel davor, hm, ja vor was denn eigentlich? So wie man es ihm vorwarf, hat er es nie gesagt. Und hier gilt, wie überall in der freien und demokratischen Welt die Unschuldsvermutung.
Also nur ein wenig Rauch, aber kein Feuer.
Levy, der unmittelbar nach dem Erscheinen des Grass´schen Gedichtes in der Süddeutschen Zeitung im April 2012 im Haaretz weniger dessen Inhalt als dessen Wirkung vor dem Hintergrund der besonderen deutsch-israelischen Beziehung analysierte, nimmt in seinem Artikel auch Bezug auf eine Aussage von Sigmar Gabriel, der in Facebook behauptet, Hebron würde von einem Apartheidregime drangsaliert.
Nachdem heftige Kritiken gegen diesen Totalausfall ihn zu einer Korrektur zwangen, ergänzte er später: „Ich habe Israel und seine Regierung nicht mit dem alten Apartheidregime in Südafrika gleichsetzen wollen. Dies wäre Israel gegenüber mehr als ungerecht und dem alten Südafrika gegenüber verharmlosend.“
Wieder nichts Griffiges, was Levy‘s Kritik an Kerry rechtfertigen würde.
Also greift Levy zum Unfairsten aller Stilmittel, indem er Kerry virtuell entblättert, und ihn quasi zum Politkasper degradiert. Sein Auftritt sei bescheiden, seine Entschuldigung schmählich, ein miserabler Staatssekretär sei er, sein Verhalten gegenüber Israel unfreundlich, er sei unschlüssig, vor der mächtigen Lobby fürchte er sich und habe Angst vor ihren Reaktionen.
Deshalb meine Frage: ist ein amerikanischer Staatssekretär mit solchen Zuschreibungen noch ernst zu nehmen?
Kann man einen Staat noch ernst nehmen, über dessen Bürger Levy schreibt: „Jetzt wissen Millionen ignoranter Amerikaner, die Fox News oder dergleichen schauen, dass Israel kein Risiko läuft, zum Apartheid Staat zu werden. Sie glauben, dass die Macht von Hamas und die Verbesserung der Kassem Rakete eine existentielle Bedrohung von Israel bedeuten.“
Wäre ich Amerikaner oder Redakteur bei Fox News, ich würde mich ob diesen abwertenden Aussagen heftig wehren.
Nachdem Levy nun nicht nur Kerry, sondern auch einen großen Teil der Amerikaner quasi aus dem Rennen genommen hat, um zum Thema Apartheid in Israel Stellung nehmen zu dürfen, kann er jetzt selber loslegen.
„Apartheid“ so seine Aussage, „„schreie“ es von jeder Mauer, von jedem arabisch-palästinensischen Dorf im WJL, von jedem Reservoir, von jeder Stromleitung, von jedem zerstörten Zeltlager, jedem Urteil des Militärgerichts, von jedem Checkpoint, von jeder Verhaftung, von jedem Räumungsbefehl und von jedem Siedlerheim.“      
„Nein“ sagt er, „Israel ist kein Apartheid Staat, aber seit fast 50 Jahren kontrolliert ein Apartheidregime die besetzten Gebiete. Wenn es aussieht wie Apartheid, und funktioniert wie Apartheid, dann ist es Apartheid.“
Levy sieht den Apartheid Staat auf uns zukommen, sobald klar wird, dass es keine Zweistaatenlösung geben wird. Wenn die Angst der Israelis vor dieser Vernunftlösung zu groß wird.
Dann bliebe nur mehr der Apartheid Staat.
Und der entspricht dann genau der zweiten Stufe des palästinensischen Zweistufenplans, ein palästinensischer Apartheidstaat
Wenn wir nicht aufpassen und nicht Wortjongleuren à la Levy ein wenig beim Arbeiten über die Schulter schauen, dann kommen wir eher dorthin, als wir es uns vorstellen können.


2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Was bleibt uns da noch übrig?

  1. Uri Russak

    Mein Gott, liebe Esther, wie recht du hast. Uri

    Gefällt mir

  2. Naomi

    Danke, Esther.
    Eine sehr gute Recherche mit sehr guten Argumenten, die Gideon Levy „entblättern“..

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s