Das falsche Lächeln des Feindes

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Wenn ich die Adler und Falken über unserem Wadi beobachte, die ganz ruhig in der Luft „stehen“, den Kopf nahezu um 90° abgeknickt, um das volle Blickfeld unter sich auszunutzen, so bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Sie schweben einige Dutzend Meter über dem Boden, der hier nicht so frei daliegt, wie ein abgeerntetes Stoppelfeld, sondern überwuchert ist von allen möglichen bodendeckenden Pflanzen, und trotzdem, sie erkennen ganz genau das, was sie gesucht haben. Haben sie es gefunden, stürzen sie pfeilschnell nach unten und tauchen in der Regel mit der Beute in den Krallen wieder auf: einer Maus, einem Frosch, vielleicht auch einer kleinen Schlange.
 
 
So ähnlich muss es in den vergangenen Wochen den Soldaten der IDF gegangen sein, die stundenlang hoch konzentriert vor ihren Bildschirmen gesessen sind. Die Bilder ausgewertet haben, auf denen wir gar nichts erkennen. Die wussten, irgendwann werden sie etwas von großer Bedeutung erkennen, und dann muss die Maschinerie anspringen, dann muss alles perfekt funktionieren, es gibt nur einen Versuch. Dann muss sich das bewähren, das sie immer und immer wieder trainiert haben.
 
Zeitgleich trafen sich in Wien Vertreter jener immer noch gutgläubigen Staaten, die im post-Ahmadinejad Iran einen neuen, pro-westlichen Staat sehen, die immer noch nicht wahrhaben wollen, dass das Grinsen von Rohani eher dem eines angriffslustigen Haifisches gleicht, als dem des ihm zugeschriebenen Großvater Lächelns. In Wien sollte mit dem Umsetzen der Ergebnisse von Genf begonnen werden.
 
 
 
In Genf hatten die ersten Gespräche vom November des Vorjahres zu einem sogenannten „Durchbruch bei den Atomverhandlungen mit Iran“ geführt. Die EU-Außenbeauftrage, Lady Catherine Bashton verkündigte wohlgemut die erreichte Einigung und der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif träumte gar schon,„.. dass die Vereinbarung nun zu besseren Beziehungen zum Westen führe.“ Sie ist übrigens seit Samstag, den 8. März 2014 in Teheran um, künftige „Verhandlungsdurchbrüche“ zu planen. Wer erwartet noch Erfolge?
 
Zwischen den beiden Treffen hat sich nicht wirklich etwas bewegt, es ist nach wie vor ein großes Geheimnis, das sich um die iranische Urananreicherung rankt. Auch für Wien zeigen sich die Hauptakteure skeptisch. Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei sagte, die Verhandlungen „führen nirgendwohin“. Auch Zarif erwartet in Wien keine schnellen Fortschritte. „Das ist der erste Schritt der Endphase, daher dürfen die Erwartung nicht hoch sein“, sagte er kurz vor Beginn der Verhandlungen.
 
Das größte Erfolgserlebnis dürfte wohl der Österreichische Außenminister Sebastian Kurz gehabt haben: Er lud als Gastgeber der Verhandlungen seinen iranischen Kollegen zu einem Arbeitsfrühstück ein. Das wird wohl das Highlight auf der Weltbühne seiner vier jährigen Politkarriere gewesen sein. Aber das wird er erst in vier Jahren erkennen.
 
Wie wenig ernst es den Iranern in Sachen Frieden ist, und wie wenig man sich auf ihre salbadernden Worte verlassen darf, wurde uns am vergangenen Mittwoch den 5. März 2014 bereits in den Morgennachrichten klar.
 
Etwa 1500 südlich von Eilat hatte kurz zuvor die Spezialeinheit der israelischen Marine, die Shayetet 13, ein unter der Flagge von Panama fahrendes Frachtschiff, die Klos-C, angehalten und ohne Widerstand der Crew übernommen. An Bord waren eine bisher nicht bekannt gegebene Zahl unterschiedlichster Waffen, darunter auch M302 Raketen, die eine Reichweite von bis zu 200 KM haben. Diese Raketen wurden in Syrien hergestellt.
 

Vor einigen Monaten, möglicherweise zeitgleich, während man sich in Genf um vertrauensbildende Maßnahmen bemühte, beobachtete der israelische Militärgeheimdienst, wie diese Raketen am Flughafen von Damaskus in ein Frachtflugzeug mit Destination Teheran verladen wurden. Die Spur wurde aufgenommen und verfolgt. Von Teheran ging es auf dem Landweg zum Hafen Bandar Abbas. Dort wurden die Raketen auf  die Klos-C umgeladen.
 
 
 
Was dann folgte, schien zunächst unlogisch zu sein. Die Route des Frachters führte nicht nach Süden, sondern nach Norden, in den irakischen Hafen Umm Kasr. Hier wurden unauffällige Zementsäcke zugeladen. Die Papiere des Frachters wiesen nun als Herkunftsland der Lieferung den Irak und als Ladung Zement aus. Ein geschickter Schachzug!
 
 
 
Vom Irak aus führte die Route nun nach Süden und schließlich wieder nordwärts rund um Jemen durch das Rote Meer zum Ziel der Reise: Port Sudan. Dort hätte, so die bisherigen Erkenntnisse der IDF, die Ladung gelöscht und auf dem Landweg durch den Sudan und den Sinai nach Gaza geschmuggelt werden sollen.
 
Der perfekt geplante Einsatz der israelischen Marine machte der Reise ein vorzeitiges Ende.
 
Aber noch ist der gefährliche Teil des spektakulären Einsatzes nicht vorbei. Bisher war nahezu alles planbar, Tausende Male trainiert, analysiert und optimiert worden. Die IDF hat aus den Fehlern beim Einsatz gegen die Mavi Marmara gelernt. Der Name der Operation „Völlige Transparenz“ beschreibt die Maßnahmen, die getroffen wurden, um ein ähnliches Imagedesaster wie seinerzeit zu vermeiden: Jeder Schritt vom Beginn der Operation bis zur Übernahme des Frachters durch speziell ausgebildete Soldaten wurde live registriert, jedes Wort wurde aufgezeichnet. Im Hauptquartier in Tel Aviv waren Vice Admiral Ram Rotberg und der Militärchef Benny Gantz live zugeschaltet, jedes Gespräch, jeder Befehl, jeder Kommentar wurde dokumentiert.
 
Für medizinische Notfälle aller Art standen zwei OP-Räume mit modernsten Geräten und mehr als einem Dutzend hoch spezialisierter Ärzte auf einem Begleitschiff zur Verfügung. Diese Maßnahme schien notwendig zu sein, weil der Ort der militärischen Operation zu weit von Israel entfernt war, um eine schnelle Hilfe zu erhalten, oder eine schnelle Evakuierung von Verletzten zu ermöglichen.
 
Die Gefahren auf diesem letzten Teilstück der Rückreise entstehen durch die Nähe zu den Küsten vom Sudan, Eritrea, Saudi Arabien und Ägypten. Von dort aus könnte der Schiffskonvoi noch jederzeit angegriffen werden.
 
Im Laufe des Wochenendes wird der Konvoi in Eilat erwartet. Dort wird sich dann herausstellen, mit welchen Waffen die israelische Zivilbevölkerung in den kommenden Wochen und Monaten bedroht worden wäre, wäre der Transport am Zielort angekommen. An Bord der Klos-C sind nach ersten Berichten wohl genug Waffen, um im dicht besiedelten Küstenstreifen von Israel einen enormen Schaden und zahlreiche Opfer verursachen.
 
 
 
 
Es ist nicht das erste Mal, dass die Islamische Republik Iran versucht, Waffen nach Gaza zu schmuggeln. Im Januar 2002 wurde der Versuch, von der Hamas im Iran gekaufte Waffen über Saudi Arabien und Port Sudan nach Gaza zu bringen, von der IDF ebenso gestoppt, wie der im März 2011 von Syrien über Ägypten gestartete Versuch, bestellte und wahrscheinlich auch schon gezahlten Waffen auszuliefern.
 
Damit handelt der Iran nicht nur der  UNO Resolution 1747 zuwider, die ihm jeden Waffenexport verbietet, sondern zeigt auch, wie wenig ernst es dem Mullah Regime in Teheran mit seiner immer wieder betonten nicht aggressiven Haltung gegenüber Israel ist.
 
Übrigens, für alle, die in dieser perfekt geplanten und überaus erfolgreichen Aktion einen Akt der Piraterie sehen wollen: Sie ist sowohl durch die Helsinki-Prinzipien als auch durch die UNO gedeckt!
 
Vor zwei Stunden sind die Schiffe in Eilat angekommen, am Montag wird es eine ausführliche Präsentation für Diplomaten und UNO Beobachter geben.
 
 
 
 
 
Bravo, Shayetet 13!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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