Passend zur Glühweinzeit

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Nur 10 km südlich der israelisch-libanesischen Grenze bei Rosh Hanikra, in der Nähe von der Kleinstadt Nahariya befindet sich  der Kibbuz Cabri. Cabri ist einer der selten gewordenen echten Kibbuzim, die noch nach den traditionellen Kibbuzregeln leben: von der Kindererziehung, über die Wohnform, bis hin zum Einkommen des Kibbuz, das sich aus den Einkommen der Kibbuzniks rekrutiert. Wer Mitglied werden will, muss eine mehrere Jahre dauernde Probephase akzeptieren.
Grotte bei Rosh Hanikra

Auf dem Berg verläuft die israelisch-libanesische
Grenze

Tunneleingang der ehemaligen Bahnlinie
Kairo – Beirut

Auf dem Gebiet des Kibbuz liegt eine bedeutende Ausgrabungsstätte, die mit Unterbrechungen seit 1986 erforscht wird. Die aussergewöhnliche Bedeutung der Grabungsarbeiten besteht darin, dass hier erstmals eine komplette kanaanitische Stadt aus der Bronzezeit (2000 – 1550 BCE) ausgegraben werden konnte.
Andere bedeutende Ausgrabungen, wie z. B. in Meggido, lassen das wahre Alter der durchgehenden Besiedlung nur nach intensiven Tiefgrabungen erkennen. In Megiddo, das dem Armageddon in der Apokalypse des Johannes entspricht, gibt es erste Besiedlungsspuren schon von der Zeit um 4.000 BCE. Dass die kanaanitischen Fürsten der Stadt im Jahr 1457 BCE von Pharao Thutmosis III erobert wurde, ist historisch belegt. Um 1000 BCE eroberte König David die Stadt, die dann bis zu ihrer Aufgabe von Juden besiedelt war. Seit 2005 ist Megiddo UNESCO Weltkulturerbe. Megiddo ist einer meiner Lieblingsorte, ich empfinde es jedes Mal, wenn ich wieder mal dort bin, als ungeheuer spannend, was es an Neu-Altem zu bewundern und zu bestaunen ist.
Der grosse Unterschied zwischen den beiden Orten besteht darin, dass in Megiddo die kanaanitische Zeit unter vielen, jüngeren „Lagen“ aus späteren Besiedlungsperioden verborgen ist. Die Archäologen müssen hier bei jeder kleinen neuen Grabung entscheiden: Erhalten wir das, was wir hier gefunden haben, oder graben wir tiefer. So kann man an einer ganz speziellen Stelle quasi in den Bauch der Geschichte schauen und erkennt „Gustostückerl“ aus jeder Zeit. Einer der hervorragendsten Funde ist ein runder, frei stehender Steinaltar aus dem 3. Jahrtausend BCE. Vorsichtige Grabungen im Bereich des Altares haben ergeben, dass dieser wiederum auf mindestens zwei weiteren Kultstätten errichtet wurde und von mindestens zwei weiteren überbaut war. Die nicht freigelegten, resp. die abgetragenen Kultstätten kann man im Museum als Nachbau bewundern.
Modell von Megiddo zur Zeit
Salomons
Auf diesem Bild sind im Hintergrund die Schichten
der unterschiedlichen Besiedlungszeiten zu
erkennen

In der Mitte ist der runde Steinaltar zu erkennen
Doch zurück nach Tel Cabri. Erste Besiedlungen wurden für die Zeit um 16.000 BCE nachgewiesen, eine durchgehende Besiedlung dürfte ab 10.000 BCE erfolgt sein. Das Besondere an diesem Ort ist, dass Cabri nach der Aufgabe durch seine Bewohner nicht überbaut wurde. Dadurch ist es möglich, einen grossflächigen Überblick über die Infrastruktur, aber auch über das tägliche Leben in jener Zeit zu erhalten.
Eine zweite Besonderheit ist ein Fresco im minoischen Stil, das einzige seiner Art in ganz Israel. Die Zeit der Minoer, benannt nach dem mythischen König Minos, Sohn von Zeus und Europa, ist zeitlich nicht exakt einzuordnen. Die Zeit, aus der das Fresco stammt, wird mit dem Zeitraum zwischen 3300 – 1750 BCE benannt.
Wie kam aber das minoische Fresco von Kreta, dem Königreich des Minos nach Cabri? Immerhin liegt die Mittelmeerinsel ca. 2000 km entfernt? Es gab zu dieser Zeit bereits äusserst aktive Handelsbeziehungen mit dem Nahen Osten, die wahrscheinlich über Zypern abgewickelt wurden.
Handelsbeziehungen spielen bei den neuesten Grabungserfolgen in Tel Cabri ebenfalls eine besondere Rolle.
Die Forscher stiessen bei ihren Ausgrabungen auf einen gut erhaltenen Weinkeller, in dem sich 40 gut erhaltenen Weinamphoren befanden. Jede der Amphoren konnte 50 Liter Wein aufnehmen, was einem wohlsortierten Weinkeller mit 2.000 Liter entspricht. Wohl kaum der Keller eines einfachen Bürgers!
So wurden die Weinamphoren in Cabri aufgefunden

Die chemische Analyse der Rückstände an der Universität Haifa ergab, dass sowohl der Rotwein, als auch der Weisswein mit zahlreichen Gewürzen, wie Honig, Minze, Zedernharz und Zimt gewürzt war.
Das teure Zedernharzwurde aus dem benachbarten Libanon importiert. Die Zeder, der Nationalbaum des Libanon war schon sehr früh sehr begehrt. Das Holz wurde aufgrund seiner langen Haltbarkeit gerne verbaut, der angenehm würzige Geruch war beliebt und Zedernöl und Zedernharz dienten in der Antike als Heil- und Konservierungsmittel. Leider hat der intensive Raubbau dazu geführt, dass die ehemals berühmten Zedernwälder des Libanon heute auf minimale Reste zusammengeschrumpft sind.
Honig und Minze gab es im Land Kanaan.
Der Zimt allerdings musste eine weite Reise antreten, bevor er als Gewürz für den Wein dienen konnte. Von den Bewohnern Cabris ist nicht bekannt, ob und mit wem im Osten sie Handel trieben. Es darf vermutet werden, dass der Import von Zimt durch den ca 50 km entfernten Ort kanaanitischen Hazor durchgeführt wurde, von dem bekannt ist, dass er Handel mit Mesopotamien führte. Die Mesopotamier ihrerseits trieben Handel mit fernöstlichen Ländern.
Der gerade ausgegrabene Weinkeller ist nicht der grösste, der jemals aufgefunden wurde. Im Grabe von Pharao Skorpion I, der um 3.000 BCE wurden 1988 Weinkrüge mit einem Fassungsvermögen von 4.000 Liter aufgefunden. Durch die Inschrift auf den Krügen „Plantage des Königs Skorpion“ war die Zuordnung des Grabes erst möglich. Allerdings löst dies das Rätsel nicht, wie der Wein nach Ägypten kam.
Möglicherweise stammt er aus Kanaan. Patrick McGovern von der University of Pennsylvania, Experte für Weinherstellung in der Antike, ist überzeugt, dass die neuen Funde in Cabris den Beleg dafür bringen werden, dass die Kunst des Weinanbaus sich von Kanaan ausgehend über Ägypten in den gesamten Mittelmeerraum verbreitet hat.
Die heutigen weinproduzierenden Länder Italien, Spanien, Griechenland und Frankreich sind somit Nutzer einer sehr alten Traditionskette, die im Lande Kanaan ihren Ursprung fand.
Also, wenn ihr in den kommenden Wochen auf den diversen Christkindl- und Weihnachtsmärkten euren Glühwein geniesst, denkt bitte daran, welch uralte Kultur dahinter steckt und lasst euch nicht mit € 1,– Ware abspeisen!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Passend zur Glühweinzeit

  1. Anonym

    Ja der Wein:“
    Gut es ist ja kein Geheimnis das im Lande Kanaan die besten und größten Trauben wuchsen warum soll von dort auch nicht der Wein herkommen.Gewürze kamen schon immer über verschlungene Pfade
    in irgendwelche Länder wie weis keiner so recht.Denken wir an Oman mit
    der Mokkaküste Jemeniten und Somalis waren Seefahrer.Jedes Jahr bis heute noch kamen die Dhaus von Indien mit dem Monsunwinden an die Küste Afrikas.Ich glaube kaum das sich israelische Händler dieses
    Geschäft entgehen ließen.Die Geschichte aber selber ist Vergleich mit dem Glühwein der Verpanscht(Punsch)auf den Markt kommt.
    Die Geschichte über den Kibbuz Cabrie ist echt gut und lesenswert.
    tarahu

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  2. Anonym

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