Herodes der Grosse – die letzte Reise des Königs

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Genau der Kindermord, durch den Herodes grausame Bekanntheit erlangte, kann nicht auf das Konto seiner Greueltaten gebucht werden. Herodes lebte von ca. 73 bis 4 B.C.E., wobei nur sein Todesdatum historisch gesichert ist. Auch bei Josephus Flavius findet sich kein Hinweis auf den Kindermord in Bethlehem.

Herodes der Grosse wurde im Jahr 40 B.C.E in Rom zum Vasallenkönig ernannt und herrschte bis zu seinem Tod über die von Rom besetzten Gebiete Samaria, Judäa und Galiläa und die angrenzenden Gebiete. Als Vasallenkönig war er zwar frei in seinen Entscheidungen, unterstand aber grundsätzlich der permanenten Kontrolle Roms. Als Angehöriger eines zum Judentum zwangskonvertierten Stammes wurde er von der ursprünglich jüdischen Bevölkerung mit Misstrauen betrachtet.

Der private Herodes – wobei sich die Frage stellt, ob ein Herrscher, damals ebenso wie heute,  jemals eine Privatperson sein kann, hatte ein chaotisches Leben. Er heiratete zehn Mal, zeugte 14 namentlich bekannte Kinder, ermordete mindestens drei seiner Söhne und war auch der Vater jener Salome, die massgeblich an der Enthauptung von Johannes dem Täufer beteiligt war.

Er war aber auch jener Staatsmann, der nach den grossen Dürren, die sein Herrschaftsgebiet nach 25 B.C.E. heimsuchten, ausreichend Getreide in Ägypten kaufte, um sein Volk nicht verhungern zu lassen. Nicht genug damit, er erliess dem darbenden Volk ein Drittel aller Steuern.

Unsterblich wurde Herodes aber mit seinen prachtvollen Palästen und Festungen, die er im ganzen, von ihm beherrschten Land baute. Heute legen die bei den diversen Ausgrabungen gefundenen Gegenstände eine Zeugnis dafür ab, das vor mehr als zweitausend Jahren das Gebiet durchgehend von Juden bewohnt wurde: Ritualgegenstände aus den Synagogen, mit aramäischen und hebräischen Buchstaben beschriebene Krüge, Siegelringe, Textfragmente etc.
Ein Fundstück, das den Lebensstil am Hof von
Herodes belegt:  prachtvoll und künstlerisch!

Ebenso wie dieser Silberpokal, aus dem die Gäste an der Tafel
den seltenen Wein aus Italien und Griechenland genossen. Die
„Lieferscheine“ auf den aufgefundenen Amphoren belegen die
Herkunft und den Empfänger.

Gehen wir doch gemeinsam auf eine Reise durch diese prächtigen Bauten, die, so der Name der Ausstellung im Israel Museum in Jerusalem den Weg seiner letzten Reise dokumentiert.

Das bekannteste Bauwerk ist sicher der zweite Tempel in Jerusalem, den Herodes auf den Mauern des ersten, 586 zerstörten Tempels  errichten liess.

Ein ganz besonders interessantes Fundstück ist der Stein, der eindeutig seiner ursprünglichen Position auf der Stadtmauer zugeordnet werden kann.  Es war dies die süd-östlichste Ecke der Aussenmauer, von der aus die Tempelpriester jeweils den Eingang und den Ausgang des Schabbat mit Trompetentönen verkündeten. Die gut erhaltene Inschrift heisst: לבית התקיעה לה…. „zum Ort der Trompeten“, das dritte, fragmentierte Wort kann interpretiert werden als: „um den Shabbat anzukünden“ oder als „um zwischen dem Heiligen und dem Profanen zu unterscheiden“. Belegt wird dieser Ort bei Josephus Flavius „Jüdischer Krieg“ (4. Buch, Kapitel 9, Vers 582): „..der letzte endlich ward auf der Zinne der Pastophorien errichtet, an der Stelle, wo nach alter Sitte immer der Priester stand, der mit einem Trompetensignal den Eintritt des Sabbathes am Abend zuvor ankündigte, und so auch wieder sein Ende zur nächsten Vesperzeit, um durch das erste Zeichen das Volk auf die Arbeitsruhe, durch das andere auf die wieder beginnende Arbeitszeit aufmerksam zumachen.“

Der „Trompeten“-Stein

Modell des zweiten Tempels…..

…im Garten des Israel Museums

 










Doch auch dieser zweiteTempelbau hatte keinen andauernden Erfolg. Im Jahr 70 C.E. zerstörten die Römer Jerusalem komplett. Mit der Zerstörung des Tempels begann der Exodus der Juden aus Jerusalem und Israel. An einigen Orten blieben jüdische Gemeinden erhalten: u.a. in Sfad, in Tiberias und in Jerusalem, wo heute noch eine Familie lebt, die ihre Wurzeln bis zur Zeit von König David belegen kann. Wenn in Jerusalem gegraben oder gebaut wird, muss die Altertumsbehörde zugezogen werden, da praktisch immer Fundstücke, die die Anwesenheit von Juden bezeugen gefunden werden.

Unweit des ehemaligen Tempelbezirks, knapp fünf Minuten von der Klagemauer  entfernt, findet man, verborgen neben einem Cafehaus ein beeindruckendes Zeugnis der Zerstörung Jerusalems durch die Römer „Das verbrannte Haus“. Bei Ausgrabungsarbeiten nach dem Sechs-Tage-Krieg wurde in der rückeroberten Altstadt von Jerusalem mit Grabungsarbeiten begonnen. Sechs Meter unter dem Strassenniveau entdeckten Archaeologen  Überreste eines Hauses, die von einer dicken Ascheschicht überlagert waren. Eine Scherbe verriet den Namen der Bewohner, Katros, eine Familie der Priesterkaste. Dass Katros seine Stellung als Priester missbraucht hat, wird durch einen entsprechenden Textstelle im Talmud Mas. Pesachim 57a belegt. Neben zahlreichen Haushaltsgeräten wurde auch der skelettierte Unterarm eines jungen Mädchens gefunden.

Im Jahr 27 B.C.E. schenkte der römische Kaiser Augustus Herodes die Stadt Samaria, die dieser in Sebastos (Sebaste), das griechische Wort für Augustus umbenannte.

Um den feucht-kalten Wintermonaten in Jerusalem zu entfliehen, baute Herodes drei Winterpaläste in Jericho. Aufgrund der besonderen topografischen Lage waren die Wintermonate angenehm warm,ohne heiss zu sein. Eine zweite Besonderheit bestand darin, dass Jericho ganzjährig über eine ausreichende Wasserversorgung verfügte. Das Wasser wurde, wie auch in Caesarea, über Aquädukte  herangebracht. Die drei Paläste zeichnen sich durch eine überaus grosszügige Architektur, üppige Gartenanlagen und selbstverständlich auch Schwimmbäder aus.

Cleopatra, die, betrachtet man die Münzen mit ihrem Konterfei, die in Ashkelon gefunden wurden, wirklich keine Schönheit war (ob dies auch für Elizabeth Taylor zutrifft, mag jeder selber entscheiden), verfügte aber über zahlreiche andere Fähigkeiten und muss über ein ausgeprägtes Charisma verfügt haben, wie der römische Geschichtsschreiber Plutarch festhielt. Er beschreibt sie als äusserst charmant, wortgewandt  und machtbewusst.  Und, wenn es ein weibliches Gegenstück zu einem „womenizer“ gibt, dann trifft auch diese Zuschreibung auf sie zu. Nach ihren ersten drei Ehen, die möglicherweise politisch motiviert waren, nutzte sie ihre Beziehung mit Julius Caesar, um in Ägypten die alleinige Macht zu erhalten. Nach seinem Tod ehelichte sie Marc Antonius. Sie lebten beides: eine glühende Liebesbeziehung und den gegenseitigen politischen und wirtschaftlichen Nutzen.



















Cleopatra wusste, dass sowohl in Ein Gedi als auch in Jericho eine äusserst seltene Pflanze wuchs: der Balsambaum, der die Grundlage für betörende Parfums lieferte.

In diesem Flacon wurden analysierbare Rückstände
von Balsam gefunden

 

Cleopatra wollte das gesamte Gebiet vom seinerzeitigen Judea an Ägypten anschliessen, weil es in grauer Vorzeit einmal zum Herrschaftsgebiet ihrer Vorfahren gehört hatte. Marc Antonius wollte aber seinen loyalen Partner Herodes nicht vor den Kopf stossen, und ihn quasi eines Grossteils seines Reiches berauben, und so schenkte er ihr nur jene Gebiete, in denen die Luxusessenz aus Balsam  wuchs.

Herodes muss der Ägypterin ebenfalls verfallen gewesen sein. Statt um sein Land zu kämpfen, und sei es auch nur auf diplomatischem Weg, pachtete er es von ihr zurück und zahlte ihr einen mehr als angemessenen Pachtzins…….

Getraut hat er ihr wohl trotzdem nie so ganz. Aus Angst vor ägyptischen Angriffen baute er Massada, wie bei Josephus Flavius nachzulesen ist. (Buch 7, Kapitel 8, Vers 4)
Über die imposanten Felsenfestung Massada und ihren Untergang, sowie über Caesarea habe ich bereits an anderer Stelle berichtet.

Über die letzten Jahrzehnte haben sich Archäologen immer wieder die Frage gestellt, in welchem seiner Prachtbauten Herodes sein eigenes Grab vorbereitet hat.

Ehud Netzer widmete nahezu sein gesamtes Berufsleben der Suche nach dem Grab des Herodes. 2007 hat er es gefunden.  Auf dem Tel Herodion zwischen Jerusalem und Bethlehem. Im Jahr 2010 verunglückte er an der Stelle seines grössten Triumphes tödlich.

Ehud Netzer vor dem Sarkophag des Herodes
 

Das Grab wurde im Rundbau neben
der Treppe lokalisiert
Seine letzte Reise von Jericho, vorbei an seinen Palästen und  Festungen, durch Jerusalem führte Herodes schlussendlich zu seinem selbst gebauten Mausoleum.

Woran Herodes tatsächlich starb, wird niemand mehr zu 100% erkunden können. Schlussendlich interessiert es doch niemanden, ob es ein Nierenleiden oder doch vielleicht etwas anderes war. Lassen wir ihm doch seine Totenruhe.

 

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