Auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen für uns!

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In dieser Woche begehen Moslems in aller Welt das „Opferfest“ mit dem jener großen Prüfung gedacht wird, die Ibrahim besteht, als er Gottes Aufforderung, ihm seinen Sohn Ishmael zu opfern, ohne zu zögern, nachkommt. Der Knabe wird von Gott gerettet und wird, entsprechend der göttlichen Prophezeiung Stammvater eines großen Volkes.
 
Im Islam ist dieses Fest das Fest der Familien. Man besucht sich tagsüber gegenseitig zum Tee, der mit speziellen Keksen serviert wird. Es ist die Zeit des Schächtens in allen privaten Hinterhöfen und Gärten, auch in jenen Län­dern, die ein Schächtverbot verhängt haben. Wer es sich leisten kann, schächtet ein Kalb. In Gaza gibt es offensichtlich genügend Menschen, die über das notwendige Geld verfügen. Israel lieferte jedenfalls, basierend auf den Zahlen der Vorjahre 2249 Kälber auf 75 Lastwagen.
 
Auch wir lesen an diesem Shabbat diese Geschichte. In unserer Originlageschichte sprechen wir von Abraham und Isaak; und auch Isaak wird, entsprechend der göttlichen Prophezeiung, der Stammvater eines großen Volkes.
 
In Israel gibt es ein ganz spezielle Verbindung zwischen den Truppen der IDF und den Familien der Soldaten. Wann immer es etwas zu feiern gibt, aber auch, wenn es die Zeit der Trauer ist, niemand schaut weg. Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: ohne dieses sich Verlassenkönnens auf die Ein­heit, auf die Kollegen und die Vorgesetzten würde Israel schon lange nicht mehr existieren. Diese Beziehungen sind der Kitt, der uns aneinander schweißt.
 
Gestern Abend las ich einen Artikel im IDF Blog , über den ich hier berichten möchte.
 
Anlässlich des Eid il-Adha Festes hat das Drusische Herev Bataillon der IDF alle Familien eingeladen, die Verluste in Kriegen und Einsätzen erlitten ha­ben. Sie wurden eingeladen, zusammenzukommen, um gemeinsam zu trau­ern und die Erinnerung an die aufrechtzuerhalten, die im Kampf um die Verteidigung Israels gestorben sind.
 
Das Herev Bataillon ist eine Spezialeinheit, deren Mitglieder ausschließlich Drusen sind. Ihre Fahne gab der Einheit ihren Namen. Herev heisst Schwert. Gegründet wurde die Einheit 1948 als Minderheiteneinheit, die sich aus Drusen, Beduinen und Tscherkessen zusammensetzte. Ursprünglich war der Militärdienst für diese Gruppen freiwillig, allerdings bat in den 50er Jahren ein Drusenführer darum, die Ausnahmeregelung für Drusen aufzuheben. Mit­tlerweile leisten mehr als 85 % aller männlichen Drusen ihren Militärdienst ab. Die Freiwilligkeit gilt jetzt nur mehr für christliche und moslemische Araber sowie Beduinen und Tscherkessen.
 
Fahne des Herev Batallions
 
 
Die drusischen Familien haben untereinander sehr enge Beziehungen, jeder kennt jeden. Jeder kennt das Schicksal der anderen, weiß, wer einen Sohn verloren hat. Sie erleben es aber auch, wie die Familien wachsen und freuen sich über jeden Sohn und jede Tochter, die Teil der Gemeinschaft werden und an den zahlreichen Treffen teilnehmen, an denen sie ihrer Toten geden­ken.
 
Ein Stabsfeldwebel der IDF stellte bei diesem Treffen die neuen Kommandanten des Batallions vor. Es ist von großer Bedeutung für die drusischen Familien, dass sie die Vorgesetzten ihrer Söhne persönlich kennen.
 
Wenn ich hier nur von den Söhnen spreche, dann deswegen, weil zwar innerhalb der Familien die Gleichberechtigung schon lange Einzug gehalten hat, noch nicht aber nach aussen. Es gibt derzeit ganz wenige junge Drusinnen, die ihren Dienst ableisten. Allerdings nicht bei der IDF, sondern in anderen Bereichen.
 

 

 

Offensichtlich hatten die Organisatoren vergessen, einen Mann einzuladen. Der ältere Herr, der uneingeladen, aber nicht unerwünscht während der Vor­stellungsrede eintrat, unterschied sich schon äußerlich von den anderen Gästen. Während die Drusen überwiegend in ihrer typischen Kleidung auf­traten, trug er einen grauen Anzug, und eine rote Krawatte.
 
Die drusischen Familien, Kommandanten und Offiziere
 

 

 

Es handelte sich um den Vater des einzigen Nichtdrusen, der im Kampf ge­storben war. Das Bataillon rekrutiert erst seit den 80er Jahren nur mehr aus­schließlich Drusen.

 
Der Tscherkesse wurde sofort in den Kreis der drusischen Familien aufgenommen. Gut, er ist kein Druse, seine Religion ist eine an­dere, er gehört einer anderen Ethnie an. Aber, sein Sohn hat mit ihren Söh­nen gedient, er hat ihn verloren, so wie sie ihre Söhne, insgesamt knapp 400, verloren haben. Das ist es, was in ihren Augen zählt!
 
 
Dann berichtete ein bemerkenswerter Mann, Faiz Ra’ed, über sein zweites Leben, welches im Juli 1981 begann. An diesem Tag verlor er, noch während der Grundausbildung beide Beine, den linken Arm, einen Großteil der rechten Hand und sein Augenlicht. Was war passiert? Eine Granate mit Raketenan­trieb war in seiner Hand explodiert…..
 
Seine ersten Gedanken nach dem Unfall haben seiner Mutter gegolten: Was würde man ihr sagen? Das Einfachste für jemanden mit seinen Verletzungen wäre es doch, so dachte er, einfach aufzugeben und zu sterben.
 
Sieht man ihn auf dem Gruppenfoto, so erkennt man sofort: Er hat nicht auf­gegeben, sein Credo war es und ist es immer noch: „Auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen für uns!“ Eine einfache Botschaft, die alle Anwesen­den zutiefst berührte.
 
„Fast alles, was ich mir für mein Leben wünschte, habe ich erreicht. Ich weiß, wie ich mit Behinderungen umgehe. Ich habe sie nie zu etwas werden lassen, das mich daran hindert, etwas zu tun. Ich habe geheiratet, eine Familie ge­gründet, habe mein BA in Soziologie absolviert. Dann habe ich bei der IDF angefangen zu arbeiten. Und ich arbeite bei NGOs, die sich um ein besseres Verständnis für Minoritäten in Israel bemühen.“
 
Der Optimismus von Faiz ist das Resultat der Stärke seiner Eltern. „Ich war in Sorge, ob meine Verletzungen meine Eltern dazu veranlassen würden, die anderen Kinder zu vernachlässigen. Es ist manchmal weniger, das alles an­dere überdeckt. Aber nicht so bei meinen Eltern. Und das erlaubte es mir, weiter zu leben, weiter zu lieben und anderen zu helfen.“
 
Im Laufe der Jahre nach seinem Unfall wurde aus Faiz Rae’d Sheik Faiz Rae’d, und er glaubte, dass der Feiertag Adha ein angemessener Zeitpunkt für seine Rede sei. Der Ehrentitel Scheich wird für die Ältesten einer Gemein­schaft, für Clanchefs oder für führende Persönlichkeiten benutzt.
 
„Eid il-Adha ist ein Feiertag, an dem es um den Glauben zu Gott geht, und der von zahlreichen Nationen weltweit gefeiert wird. Es ist eine Zeit, in der es be­sonders viel Zuwendung zwischen und in den Familien gibt. Wenn jemand gestrauchelt ist, etwas für ihn Schweres erlebt, oder wenn sich jemand ein­fach nur unglücklich fühlt, so empfinden wir es als Verpflichtung, ihn wieder moralisch aufzurichten. Ihm zu sagen, es gibt immer einen anderen Tag, eine andere Stunde und andere Kinder.“
 
Vorne rechts sitzt Faiz Rae´d



Verpflegung vor dem 45 KM Marsch am Ende der Grundausbildung

Die Gruppe an der Libanesischen Grenze
 
 
In einem Interview sagte Faiz: „Es ist eine besonders positive Erfahrung, Is­raeli zu sein.“ Diese Wertschätzung Israels spiegelt die Haltung der israeli­schen Drusen wieder, die sich als nichts anderes verstanden wissen wollen.
 
Als jemand, dessen Körper von einer Waffe schrecklich verletzt wurde, ist er sich mehr als bewusst, dass man alles Erdenkliche tun muss, um nie einen Unschuldigen zu verletzen.
 
„Ich habe junge israelische Soldaten ausgebildet und ich weiß, was der Be­griff Reinheit der Waffen bedeutet. Ich persönlich kenne Soldaten, die ihr Le­ben riskiert haben, um libanesische Zivilisten, Frauen und Kinder zu retten. Ich habe das auch vor Jordaniern und Palästinensern gesagt. Israel ist em­pathisch, humanistisch und ethisch. Ganz einfach gesagt, die Reinheit der Waffen ist bei uns nicht nur ein leerer Begriff.“
 
Tatsächlich der Begriff der Reinheit der Waffenein Teil des schriftlich festge­haltenen Ethikkodex der IDF. Die Soldaten und Soldatinnen der Tzahal (IDF) werden ihre Waffen und Kräfte nur für das Ziel ihrer Mission einsetzen, nur im notwendigen Umfang und [sie] werden ihre Menschlichkeit selbst während des Kampfes beibehalten. Soldaten der Tzahal werden ihre Waffen und ihre Kräfte nicht anwenden, um nicht am Kampf beteiligten Menschen oder Kriegsgefangenen zu schaden und [sie] werden alles in ihrer Kraft Stehende tun, um zu verhindern deren Leben, Körpern, Würde oder deren Eigentum Schaden zuzufügen.
 
Es ist genau dieser Punkt des Kodexes, der immer wieder heftig diskutiert wird. Die Argumentation ist ausschließlich vom persönlichen Standpunkt  und vom Kontext abhängig.
 
So kann ich mich einem Aufruf von siedlernahen Rabbinern nicht anschlie­ßen, die im Jahr 2004 die Truppen aufforderten, bei Kämpfen in Gaza und im WJL keine Rücksicht auf mögliche Zivilopfer zu nehmen, sondern einzig und allein und mit allen Mitteln den Kampf gegen den Terror gegen Israel zu ver­folgen. Die ADL (Anti Defamation League) kritisierte diese Aufforderung prompt.
 
Hingegen kann ich mich sehr wohl mit der Aufforderung einer Gruppe von modern-orthodoxen Rabbinern in den USA identifizieren. Diese rieten den Soldaten während des Libanon Krieges im Jahr 2006, sich mehr um die eigene Sicherheit und die Sicherheit der Israelis, die im Norden des Landes leben zu sorgen, und nicht um jeden Preis Opfer unter der libanesischen Zi­vilbevölkerung zu vermeiden. Warum? Die Hisbollah agiert fast ausschließlich aus Wohngebieten heraus, bevorzugt aus Gebieten mit Schulen, Kranken­häusern und Wohngebieten (ebenso, wie auch die Hamas in Gaza). Der un­bedingte Schutz der Zivilbevölkerung ist in der Situation gleich zu setzen mit der unmittelbaren Gefährdung der eigenen Bevölkerung und der IDF.  
 
Und in der Situation ist mir mein Hemd dann deutlich näher, als die Jacke des Nachbarn.


Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen für uns!

  1. Drusische Frauen, obwohl fast noch zweitklassiger behandelt als die muslimisch-arabischen Schwestern, haben in den letzten zwei-drei Jahren begonnen den freiwilligen zweijährigen israelischen Zivildienst zu leisten. Die Scheichs sind zwar schwer dagegen, doch deren Macht wird weiterhin geschwächt. Ich wollte, bei unseren Haredim wäre es ähnlich. Modernere Drusen, viele sind es noch nicht, doch ihre Zahl wächst, senden ihre Töchter in jüdische Schulen, wo sie mit einem Sabreakzent, grosser Selbstsicherheit und israelischer Diskussionfähigkeit und Diskussionfreude herauskommen und ihre Scheichs ärgern. Lynn, Tochter meiner drusischen Freunde Hani und Seham ist eine solche. Ich betrachte sie fast schon wie eine Tochter.und bin ihr begeisterter Fan. Denn sie und ihresgleichen, wie auch ihre Eltern sind bahnbrechend in ihrem Widerstand gegen überholte Traditionen.

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