Moderne Maisonette Wohnung in aufstrebender Kleinstadt zu verkaufen!

B“H

Du gehörst zur „unteren Mittelklasse“, zur „mittleren Mittelklasse“ oder zu „oberen Mittelklasse“?
Dann gehörst du zum Kreis der potentiellen Kunden von Baschar al-Masri.
 


Dem palästinensischen Unternehmer mit US Pass ist durchaus bewusst, dass die ca. 40.000 Menschen, die ab Ende dieses Jahres seine Retortenstadt bewohnen dürfen, keinen repräsentativen Querschnitt durch die palästinensische Bevölkerung darstellen: „Den ganz Armen – und die gibt es ja tatsächlich –, denen kann ich nicht helfen. Ich bin nicht das Sozialamt. Ich bin Unternehmer.“

Die Worte zeigen deutlich, dass der toughe Multimillionär kein Altruist ist, sondern, dass er knallhart auf einen möglichst hohen Gewinn aus ist.
Rawabi, so der Name der Stadt, die noch auf keiner Landkarte verzeichnet ist, liegt irgendwo im Niemandsland zwischen Ramallah und Nablus, mitten im WJL. Noch rumpeln Lastwagen mit Baumaterial über die schmale und gewundene Schotterstraße, die einzige Verbindung zwischen dem derzeit ehrgeizigsten palästinensischen Projekt und dem Rest des Landes. An der Nutzungsbewilligung für die knapp drei Kilometer lange Verbindung wäre das Bauprojekt fast gescheitert. Sie verläuft teilweise auf der von Israelis verwalteten C-Zone im WJL und musste demzufolge von den Israelischen Behörden bewilligt werden. Diese Bewilligung wird, entsprechend den Oslo Verträgen jeweils für ein Jahr erteilt und verlängert, allerdings ist eine Baubewilligung für den endgültigen Ausbau zu einer mehrspurigen Straße noch nicht erteilt.
Die neue Stadt befindet sich ausschließlich in einer  A-Zone, die zu 100% von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert wird.
Rawabi thront selbstbewusst auf einem der zahlreichen Hügel im alten Judäa, im Gegensatz zu den meisten anderen palästinensischen Städte, die sich eher in den Tallagen angesiedelt haben, resp. auf bereits vorhandenen, teils aus biblischen Zeiten dokumentierten Siedlungen aufbauen. Die terrassenförmig angelegten Häuser geben den Blick auf die Skyline von Tel Aviv und das Mittelmeer frei.  Ob das allein den nicht unbescheidenen Preis der Wohnungen rechtfertigt, sei dahingestellt.

 

Die Stadt soll, so verspricht es die Sales Managerin, nicht nur bautechnisch und ausstattungsmässig den höchsten Ansprüchen der Käuferschaft entsprechen, sondern auch ökologisch keine Zweifel an ihrer zeitgemäßen Ausrichtung aufkommen lassen. Bäume seien nicht etwa gefällt worden, nein, sie seien ausnahmslos verpflanzt worden.
Das Marketing ist perfekt: mittels computeranimierten Werbeclips kann man schon einmal durch die Fußgängerzone schlendern (dumm nur, dass da auf einmal ein Auto mitten zwischen den Spaziergängern durchfährt), kann ausprobieren, welche Fliesen farblich am besten geeignet sind, sich den Traum vom Wellnessbad daheim zu erfüllen, oder auch durch die einzelnen Wohnungstypen gehen, die Aussicht genießen oder schon einmal darüber nachdenken, welche der vorhandenen Möbel hier ihren neuen Platz finden, und welche doch lieber auf dem Sperrmüll entsorgt werden.
Von seinem Büro neben dem Showroom kann Bashar al-Masri seine zukünftigen Kunden beobachten, auch sein folgender Kommentar: „Sie gehen da durch, und sie sehen, was wir da für sie geplant haben, und sie glauben nicht, dass es für sie sein kann. Sie denken, der Standard sei zu hoch für sie, das sei alles viel zu modern, viel zu gut. Wir müssen doch ein schlechtes Leben unter der Besatzung führen, denken sie.“ lässt mir den Mann nicht sympathischer erscheinen.
Eher wirkt er wie Einer, der zwar, wie er auf der Homepage seines Unternehmens „Massar International“ schreibt, um die Förderung und Strukturverbesserung seines Heimatlandes besorgt ist, aber dessen primäre Intention für mich die persönliche  Gewinnmaximierung ist.
Das ist durchaus legitim, damit ist er nicht allein auf der Welt!
Ca. 300 Millionen US $ soll ihn das ganze Projekt kosten. 2/3 der Gesamtkosten von mehr als einer Milliarde $ werden von der Katarischen Immobilienfirma Qatari Dias übernommen.  
Da ist es natürlich extrem wichtig, dass die Finanzierung der verkauften Wohneinheiten auf sicheren Beinen steht. Diskret stehen daher auch Mitarbeiter von „befreundeten Banken“ bereit, um Schnellentschlossenen einen entsprechenden Finanzierungsvorschlag zu unterbreiten. Falls gewünscht, selbstverständlich auch streng den Regeln des „Islamic Banking“ entsprechend, das Zinsen auf Kredite und Darlehen verbietet. Statt dessen werden shariakonforme Finanzierungsvarianten angeboten.
Die projektierte Infrastruktur lässt Großartiges erwarten: Einkaufmalls, ein Amphitheater, Sportanlagen, Schulen, ein Gewerbegebiet für umweltverträgliche Unternehmen, eine Mosche und eine Kirche! Eine Kirche mitten im Westjordanland? Soll hier eine Konkurrenz zum Tourismus lastigen Bethlehem geschaffen werden? Die Vorstellung wäre wohl doch ein wenig zu hochtrabend. Der reale Hintergrund: 11% der derzeitigen Käuferschaft sind Christen. Auch in diesem Punkt wird klar, dass Rawabi nicht für den Normalo unter den Palästinensern gebaut wird. Innerhalb der Gesamtbevölkerung stellen die Christen derzeit nur knapp 2%, Tendenz sinkend. In Bethlehem leben außer den Patres in der Geburtskirche fast keine Christen mehr, sie wurden von ihren moslemischen Nachbarn so lange belästigt, bis sie entnervt aufgaben und ihre Stadt, in der sie fast 2000 Jahre lebten, verließen.
Preiswert sind die Wohneinheiten nicht: für die kleinsten Wohneinheiten (124 m2) muss man derzeit 114.000 $ zahlen, die Penthäuser mit nahezu unverbaubarem Panormablick  – grandioser Sonnenuntergang über dem Mittelmeer und, wenn man Glück hat, auch ein ebenso grandioser Sonnenaufgang über den Moab Bergen in Jordanien  – mit einer Größe von 230 m2  liegen bei ca. 500.000 $.
Bei einem BIP von ca. 2000$ je Einwohner, und einer Haushaltsgrösse von 5,6 Personen kann ich mir nicht so recht vorstellen, wie sich eine ausreichend große finanzkräftige Einwohnerzahl für Rawabi finden soll!
Möglicherweise handelt es sich um die Jeunesse Dorée  Palästinas, die sich schon jetzt in ihren exclusiven „Nadi Al-Madina Club“ zurückzieht, wenn ihr der palästinensische Alltag als zu rückwärts gewendet und zu einschränkend auf die Nerven fällt. Mit einer Aufnahmegebühr von 4.000 € und einer Jahresgebühr von 300 € pro Person (!) ist von Anfang an klar, dass sich hier nur die Reichen des Landes treffen. Hier ist die Scharia nicht ganz so bedrohlich nah, wie im Alltag. Hier dürfen Frauen den Jahrmarkt der Eitelkeiten betreiben: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im Westjordanland?“ Hier werden Ehen angebahnt und Geschäfte abgeschlossen, ganz unter sich. Manchmal auch das Eine, damit das Andere wachsen kann. Wenn es dann etwas zu feiern gibt, dann wird auch die Tanzfläche geöffnet, die sonst, geschlossen bleibt. Irgendwie hängt man ja doch an seinen Traditionen!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s