Heute Abend in Zürich

B“H

Alex und ich haben heute unser quasi „Zürich-Abschiedsessen“ in unserem Lieblingsrestaurant in einem Hotel in der Innenstadt genossen.
Was wir daran so besonders schätzen? Neben dem hervorragenden Essen die besondere Atmosphäre. Die freundlichen Mitarbeiter, die schon seit Jahren um das Wohl ihrer Gäste bemüht sind. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern: Japan, Österreich, Schweiz, Portugal, Indien, aus einem Arabischen Land. Und wir schätzen die Dame und den Herrn des Hauses, die ihre Gäste alle mit Namen kennen, für jeden einige Minuten Zeit haben und nicht nur mit einem halben Lächeln im Gesicht kurz durch den Raum schweben, hier ein Glas verrücken und dort an einer Tischdecke zupfen.
Wir schätzen auch die Musik, die so dezent im Hintergrund läuft, dass sie Gespräche nicht stört.
Kurz nach uns betrat ein einzelner Herr das Restaurant, der sich darin gefiel, alle anwesenden Gäste und Mitarbeiter zu unterhalten. Normalerweise gelingt es mir sehr gut, unerwünschte Nebengeräusche auszublenden und Gespräche einfach zu ignorieren. Dieser Herr verfügte aber über ein besonders lautes und sonores Sprachorgan. So musste ich nolens-volens zunächst seine Bestellung mitverfolgen und dann auch die langatmige Erklärung, dass er Reisen für „Behinderte“ – seine Worte – organisierte. Ein echter Gutmensch!
Einige Zeit nach ihm nahm eine Arabische Familie Platz. Ein älterer Herr, absolut westlich gekleidet, zwei sehr junge Frauen, die den traditionellen Tschador trugen und ein junger Mann, ebenfalls sehr westlich gekleidet, der zwar mit am Tisch saß, aber irgendwie nicht so aussah, als ob er direkt zur Familie gehöre würde.
Soweit nichts Besonders im Zürcher Stadtbild. Kaum ist der Ramadan vorbei, bevölkern Scharen von muslimischen Touristen die Stadt. Alles ist erlaubt, bei den Damen die gesamte Bandbreite von westlich – moderner Kleidung bis zur Burka, die man trotz des Verschleierungsverbotes immer öfter sieht, wohingegen die Herren, sofern sie nicht den Nobelfreizeitlook der bekannten Designer bevorzugen, oft die leicht schluderigen Shorts mit nicht weniger schluderigen T-Shirts, die mit den Emblemen der angesagtesten  Fussballclubs geschmückt sind, spazieren tragen. In der Regel kann man davon ausgehen, dass die Tschador, Niquab oder Burka tragenden Frauen traditionell moslemischen Familien angehören, wohingegen die modern durchgestylten eher zur christlich-arabischen Welt gehören, die die verhüllenden Kleidungsstücke außerhalb ihrer Heimatländer nicht tragen müssen.

Ich ging also davon aus, dass es sich um eine traditionelle moslemische Familie handeln würde.
Umso erstaunlicher waren die Speisen und Getränke, die an unserem Tisch vorbeigetragen, und dort serviert wurden!
Zu den amuse bouche (Tomatencrostini) wurde ein guter Rotwein dekantiert, nur der jüngere Mann begnügte sich mit Zitronenlimonade. Zur anschließenden Vorspeise, Kaviar,  gab es eisgekühlten Vodka. Als Hauptgericht folgten Lammchops. Dazu wurde nochmals Rotwein serviert.
Die Pause zwischen der Vorspeise und dem Hauptgericht nutzte der Gutmensch vom Nachbartisch dazu, den älteren Herren in ein Gespräch zu verwickeln. Den Inhalt musste ich leider wieder mit anhören. Endlich hatte er selber sein Dessert beendet, erhob sich, eilte zum Nachbartisch und – zückte seine Visitenkarte!
Die Damen am Tisch hatten das Glück, sich quasi hinter ihrem Tschador „zu verstecken“ – hier verstand ich erstmals, dass dieses  Kleidungsstück auch sein Gutes haben kann! – , der junge Mann hörte beflissen weg. Nachdem der Redefluss des ungebetenen Gastes immer heftiger wurde und er sogar einen baldigen Anruf in Aussicht stellte, zückte der ältere Herr schweigend ebenfalls eine Visitenkarte und händigte sie dem aufdringlichen Typen fortgesetzt schweigend aus. So wurden alle Gesichter gewahrt.
Alles wäre ohne weitere Peinlichkeiten verlaufen, wenn nicht der Mann sich mit den Worten: „Shalom! Mazal tov! Le chaim!“ verabschiedet hätte.
Das war der Moment, in dem bei allen vier Gesichtern am Tisch die Rollläden runtergingen……
Wenn wir ihn nicht vorher schon als Israeli identifiziert hätten, der auf diese provozierende  Art die Familie beleidigt hatte, wäre uns das Schamgefühl erspart geblieben, dass sich nun breitmachte.
Israelis im Ausland verhalten sich heute oftmals so, wie man es in den 60er Jahren den Deutschen in Italien nachsagte: wie die Elefanten im Porzellanladen!



Campingplatz in Rimini in den 50er Jahre


Ich hab’s versucht wieder gut zu machen. Unter Aufbietung aller Arabisch Kenntnisse habe ich mich hoffentlich passend verabschiedet. Die mimischen Rollläden gingen jedenfalls wieder hoch.
Immerhin ist in diesem Restaurant bekannt, dass wir in Israel leben.
Wer wissen möchte, wie wir in der Schweiz koscher in Restaurants essen können: Wolfsbarsch in Salzkruste stand heute auf der Speisekarte!


Damit kann unser Lieblingsrestarant nicht aufwarten!

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