Tauben vergift’n im Park

B“H

Nachdem die  Süddeutsche Zeitung vor wenigen Wochen bereits mit einem antisemitischen „Cartoon“  auf sich aufmerksam machte,  glaubte die Stuttgarter Zeitung, auf die gleiche Art agieren zu müssen, und präsentierte Anfang der Woche folgende Karikatur:

Unser PM Benjamin Netanyahu mit einer Flasche Gift (=Siedlungsbau)  will mit den vergifteten Brotstücken die Friedenstaube füttern, womit der Friedensprozess gestorben wäre.
Damit bedient „Luff“ (Rolf Henn) zwei Klischees auf das Feinste:
1.    Israel ist der (Brunnen)vergifter par excellance ….. man sagte uns auch schon während der Pest nach, die Trinkwasserbrunnen vergiftet zu haben. Komisch nur, dass wir, die wir die gleichen Brunnen benutzten, wie die Nichtjuden, am angeblich vergifteten Wasser nicht gestorben sind.
2.    Übersetzt in die Sprache von heute:  Die Juden sind die Friedensverhinderer. Was die Palästinenser auch immer als friedensverhindernde Aktionen einbringen, diese werden nicht beachtet. Der Bösewicht steht a priori fest: ISRAEL!
Mehr an Interpretationsspielraum finde ich nicht.
Gekrönt wird das Machwerk schmierenjournalistischer Arbeit von Titel eines Chansons von Georg Kreisler.
Man kann ihm Vieles vorwerfen: bitterböse Lieder verfasst zu haben – seinen Finger in die offene Wunder der bourgeoisen Nachkriegsgesellschaft gelegt zu haben – ein Gesellschaftskritiker ohne Gleichen gewesen zu sein. Aber eines war er sicher nie: antijüdisch oder antiisraelisch.
Die nachfolgende Stellungnahme von heute in der Stuttgarter Zeitung fällt so mager aus, dass  sie veröffentlicht werden muss!
STUTTGARTER ZEITUNG
Nr. 182 | Donnerstag, 8. August 2013 / S. 4 Innenpolitik
In eigener Sache
Kritik an StZ-Karikatur
Reaktion
Die Tochter von Georg Kreisler verwahrt sich gegen
die Verwendung eines Zitats ihres Vaters in einer „Luff“-Zeichnung.
Die Karikatur in der StZ vom 6. August, die sich mit der Siedlungs- politik des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu befasst, ist bei etlichen Leserinnen und Lesern auf Kritik gestoßen. Die Kombination von Zeichnung und Bildunterschrift mit der Liedzeile von Georg Kreisler „Geh’n mer Tauben vergiften im Park“ hat der Redaktion den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Diesen Vorwurf weisen wir entschieden zurück. Wir bedauern je- doch, dass durch die Verbindung von Text und Bild der Eindruck entstehen konnte, die StZ und ihr Karikaturist Luff benutzten antisemitische Stereotype. Dies entspricht nicht der Haltung der Stuttgarter Zeitung. Stellvertretend für die kritischen Äußerungen drucken wir die Reaktion von Sandra Kreisler ab, der Tochter von Georg Kreisler. Daran an- schließend nimmt auch der langjährige StZ-Karikaturist Luff Stellung.
Schärfster Protest
Bezüglich Ihrer Karikatur möchte ich hiermit aufs Schärfste protestieren! Wie kann man nur eine Zeichnung veröffentlichen, die den Namen und die Arbeit meines Vaters in Zusammenhang mit einer Meinung stellt, die erstens deutlich nicht die seine war, zweitens keinerlei Verbindung mit dem zitierten Lied hat und drittens rein inhaltlich ebenso antisemitisch wie falsch ist.
Ich erwarte eine Klarstellung dergestalt, dass Georg Kreisler niemals eine derartige Meinung geäußert hat, und eine öffentliche Entschuldigung des Karikaturisten. Es ist eine Schande, derart auf dem Grabe meines Vaters zu tanzen.
Israel tut seit Jahren nichts anderes, als ein Angebot nach dem anderen für eine friedliche Lösung bereitzustellen. Wenn aber die EU dem Millionär Abbas immer weitere Millionen in Aussicht stellt, solange der Konflikt nicht gelöst wird, und zugleich die arabischen Länder keinerlei Interesse an einer Lösung des Konflikts haben (also weder Geld für ihre „Palästinensischen Brüder“ noch irgend- eine andere Hilfe für friedliche Lösungen bereitstellen – sehr wohl aber den Konflikt zur Ablenkung von ihren innenpolitischen Fehlern verwenden), dann ist es klar erkenntlich, wer kein Interesse da- ran hat, den Konflikt zu lösen.
Sandra Kreisler, Berlin
Nicht bedacht
Mit großer Betroffenheit nehme ich die zum Teil heftigen negativen Reaktionen auf meine Netanjahu-Karikatur zur Kenntnis. Unter anderem wird mir anti- semitische und faschistische Gesinnung vorgeworfen. Dieses empfinde ich als grobe Beleidigung und weise es entschieden zurück. Wer mich und meine Arbeit kennt, weiß, dass solche Anschuldigungen jeder Grundlage entbehren. Was mich besonders betroffen macht, ist, dass ich als großer Georg-Kreisler-Fan mich dem
Vorwurf gegenüber sehe, ihn postum herabzuwürdigen und sein Andenken in den Schmutz zu ziehen. Kaum etwas liegt mir ferner.
Ich bekenne mich ohne Wenn und Aber zum Existenzrecht Israels und hege großen Respekt vor dem Mut und den Leistungen der Menschen dort. Der Gedankengang bei der Entstehung der Karikatur war aber folgender: Kurz nach den ersten Gesprächen israelischer und palästinensischer Unterhändler in Washington erklärt die israelische Regierung, den Siedlungsbau im Westjordanland intensivieren zu wollen. Das ist Gift für das Streben nach einer friedlichen Lösung, also Gift für die (potenzielle) Friedens- taube, und da fiel mir ganz einfach dieser Text von Georg Kreisler ein. Dass der Eindruck entstehen könnte, ich würde Netanjahu und Kreisler über eine Art jüdisch-friedensfeindlichen Kamm scheren wollen, habe ich nicht bedacht. Sollte ich die Gefühle jüdischer Menschen, insbesondere Angehöriger der Familie Georg Kreislers, verletzt haben, tut mir das von Herzen Leid. Es war nicht meine Absicht.
Rolf Henn („Luff“)
Soweit die Stuttgarter Zeitung.
Ich möchte zu der halbbatzigen Stellungnahme von „Luff“ nur noch hinzufügen, dass bereits am 30. Juli vom Präsidenten der PA, dessen Amtszeit allerdings schon vor fünf Jahren abgelaufen ist, ohne dass er sich in den Ruhestand begeben hätte, in Kairo vor internationalen Journalisten folgender Satz notiert wurde:
Abbas said that no Israeli settlers or border forces could remain in a future Palestinian state…“
Ich hoffe, ich werde nicht missverstanden, wenn ich wie folgt übersetze:
„Abbas sagte, dass kein israelischer Siedler und keine (israelische) Grenzpolizei auf dem zukünftigen Palästinensischen Staat verbleiben darf…“
Und ich frage mich, was ist schwerwiegender: die erneute Ankündigung eines judenfreien Staates Palästina noch vor der Aufnahme der ersten Gespräche, oder die erneute  Ankündigung von Plänen für einen weiteren Siedlungsbau im WJL als Reaktion darauf? 

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