"I Have No Other Country" …… Fußball im Dienst des Friedens

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Ich gestehe es hier an dieser Stelle: ich habe von Fußball keine Ahnung! Für mich war das immer der Sport, bei dem 20 Irre auf dem Platz rumrennen, versuchen, einen Ball an einem Tormann vorbei in den Kasten zu ballern und dabei von bis zu sechs „Unparteiischen“ beaufsichtigt werden. Das ist nötig, damit es nicht zu viel Haue gibt!
Und ich gestehe hier noch etwas: wann immer meine Schüler glaubten, in mir einen echten DFB Freak vor sich zu haben – mehr als das aktuelle Spielergebnis von BvB Dortmund und deren Rang in der Bundesliga kannte ich nie!
Dass es in Israel nennenswerte Fußballmannschaften gibt, wurde mir auch erst klar, als ich in einem Roman über die traditionellen Differenzen zwischen den beiden Vereinen „Bnei Sakhnin“ und „Beitar Jerusalem“ las. Für mich sind die beiden Vereine gleichsam ein Spiegel der israelischen Gesellschaft: der Verein aus dem rein arabischen Städtchen in Galiläa und der Verein aus dem jüdischen Jerusalem. Seit der letzten Saison spielt ein arabischer Spieler bei Beitar. Leider Grund genug für rassistische Fans, im Clubhaus Feuer zu legen.
Und nun treffen sich heute, am 04.08.2013, einhundert Juniorspieler beider Mannschaften zu einem gemeinsamen Event, der „“I Have No Other Country“ Football Conference“ im Peres Peace House
Die Leitung dieses Treffens hat Lucy Aharish übernommen, die als erste israelische Araberin als Nachrichtensprecherin in einem staatlichen TV Sender arbeitet, aber dort auch eigene Programme für Jugendliche hat.
Wenn es etwas gibt, das die fußballbegeisterten Palästinenser und Israelis eint, dann ist es der gemeinsame Lieblingsclub: BARCA. An dieser gemeinsamen Liebe reibt sich aber auch das gemeinsame Nicht-Verstehen für den Anderen!
Im September 2012 wurde Gilad Shalit, ebenfalls ein ausgewiesener Fan des katalanischen Clubs, zu einem Spiel FC Barcelona gegen Real Madrid eingeladen. Prompt wurde von der Hamas eine Unterschriftenaktion lanciert, die diese Einladung verurteilte, und drei Tickets für ausgesuchte Palästinenser forderte, und auch bekam. So reisten Mahmoud Al Sarsak, ein palästinensischer Fußballspieler, der drei Jahre in Israel inhaftiert war und nach einem dreimonatigen Hungerstreik freikam, Jibril Rajoub, der Präsident der Palästinensischen Fußball Union und ein Botschafter der PA nach Barcelona.

Mahmoud Al Sarsak bei seiner Rückkehr nach Gaza

Der Versuch politisch korrekter Windungen der Vereinsleitung „man habe nur der Bitte nach einem möglichen Besuch am Spiel positiv beantwortet“ scheint mir ein wenig lächerlich. Immerhin ließ Mahmoud Al Sarsak mitteilen, er werde nie im gleichen Stadion sitzen, wie Gilad Shalit.

Irgendwie lächerlich, wenn man bedenkt, dass es bereits im Jahr 2005 ein außergewöhnliches Freundschaftsspiel in Barcelona gab. 


Das Peres Center for Peace lud gemeinsam mit dem Präsidenten von Katalonien, dem FC Barcelona, der palästinensischen NGO Abu Seker Center for Peace & Dialogue und anderen zu diesem historischen Spiel. Barca trat gegen eine israelisch-palästinensischen Mannschaft an und verlor immerhin nur 2:1!
An diesem Wochenende kommt es zu einer Neuauflage des Treffens. Gestern landete das A-Team des Weltklasse Fußball Clubs in Tel Aviv. Zunächst stand ein Besuch in Bethlehem und ein Treffen mit PA Präsident Mahmud Abbas auf dem Programm, bevor es im Stadion von Hebron zum ersten Teil des Trainings kam. Selbstverständlich durfte auch der neue palästinensische Volksheld, der Schmusesänger Mohammed Assaf nicht im Publikum fehlen! 25.000 Besucher nahmen begeistert an diesem hochkarätigen Training teil. 



Lionel Messi zeigt, wie man trifft – gestern in Hebron

„Sport,“ so ließ Jibril Rajoub, der Präsident der palästinensischen Fußball Vereinigung verlauten „ist der beste Weg, Hass und Feindschaft zu überwinden.“
Heute am Sonntag standen zunächst ein Besuch an der Klagemauer und ein Treffen mit Präsident Shimon Peres und PM Benjamin Netanyhu auf dem Programm, bevor am Abend im Bloomberg Stadion in Tel Aviv die zweite Trainingseinheit mit den Jugendlichen der beiden oben genannten Clubs stattfindet.


Das gesamte Team an der Kotel – heute in Jerusalem

Ganz besonders ist hervorzuheben, dass die Kosten für diese Reise vom FC Barcelona selber getragen werden, und dass der Club für diesen außergewöhnlichen Event sogar auf ein Freundschaftsspiel in Indien verzichtet, das immerhin ca. 4 Millionen $ in die Clubkasse gespült hätte.

Bloomberg Stadion, Tel Aviv heute Abend  – Peres center for peace kids
Dass der Auftritt in Israel doch nicht nur rein altruistische Ziele verfolgt, gab Javier Faus, ein Vizepräsident  des Renommierclubs in einem Interview zu: 
„Es gibt zwei Gründe für diese Reise. Der erste ist, unseren kleinen Beitrag zum Friedensprozess beizutragen, indem wir zeigen, wie Sport und Kinder als Brückenbauer zwischen den beiden Gemeinschaften fungieren können. Wir sind hier nicht aus geschäftlichen Gründen, wir erzielen keinen wirtschaftlichen Erfolg daraus. Aber die Reise wird helfen, den Namen des Club zu bewerben, sowohl bei den Arabern, die einen immer größeren Markt für uns darstellen, aber auch in  der jüdischen Gemeinschaft.  Das ist eine gute Lösung für beide Seiten“

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