Pink Floyd – wie man seine Vorbildfunktion offen missbrauchen kann

B“H

Wie begeistert waren wir, als wir 1973 das erste Top Album von Pink Floyd kauften?

Schon das auffallende Plattencover, schwarz mit einem weißen Lichtstrahl, der sich in einem Prisma bricht,  war revolutionär.
Und dann noch diese Musik! Nicht mehr ganz so psychodelisch wie die ersten Aufnahmen, eine Mischung aus Prä-Techno und Pop, ein spielerisches Annähern an die Möglichkeiten von Hi-Fi.
„Die dunkle Seite des Mondes“ ist nicht nur der Titel dieses Albums, sondern auch der Titel eines Buches von Martin Suter, in dem der Protagonist des Romans sagt, diese Musik seit optimal um einen Drogenrausch genießen zu können.
Genau von diesem Image wollte sich Pink Floyd mit dem Album „The Wall“ befreien.
Diesen Ausdruck habe ich beim besten Willen nie in das Album hineininterpretieren können.
Das angeblich bedeutendste Werk von Pink Floyd, ist bis auf den Ohrwurm „We don’t need no education“ an mir vorbeigerauscht.
Bis vorgestern.
Der Inhalt ist schnell erzählt. Pink, der Protagonist muss am Ende einer Tournee feststellen, dass seine Ehe am Ende ist. Er beginnt, eine Mauer um sich zu errichten und sieht sich selber in der Rolle eines faschistischen Führers, dem die Zuhörer zu Füssen liegen. Die Person des Pink trägt autobiografische Züge vom ehemaligen Leadsänger und –texter Roger Waters.
Wenn man sich nur ein wenig in die Texte hineinliest, dann wundert man sich nicht über das, was am 20.07. in Werchter (B) offensichtlich wurde: aus dem vermuteten Antisemiten Roger Waters ist ein bekennender Antisemit geworden.
Was war anders in Werchter?
Während der  letzten 30 Minuten, also immerhin fast während einem Viertel der gesamten Konzertdauer schwebte ein schwarzes Ballon-Schwein über der Bühne.
Auf dem Schwein konnte man neben stilisierten Symbolen für faschistische und diktatorische Staaten auch ein $ Zeichen, sowie die Schell Muschel erkennen. Die Nachricht war klar: hier ging es um Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen durch Politik und Wirtschaft.
Bis hierher geht es um das reine Recht der freien Meinungsäußerung.
Aber da war dann eben auch der Davidstern. Damit war die feine Grenze zwischen legitimer Kritik an Israel und offenem Antisemitismus überschritten. Roger Wachter stellte Israel klar in die Reihe der Staaten, in denen Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden.
Auf der Bühne lieferte Waters zeitgleich den spektakulärsten Teil seines Auftrittes.
Vor einem Bühnenbild, das an die monumentalen Inszenierungen bei den Massenaufzügen der SA erinnerte, hauchte Waters auch durch die Uniform die er und die Musiker trugen, der Rolle des faschistoiden Führers Leben ein.
Auch der Text hätte passender nicht sein können:
„Are there any queers in the theater tonight?

Get them up against the wall!

There’s one in the spotlight, he don’t look right to me,

Get him up against the wall!

That one looks Jewish!

And that one’s a coon!

Who let all of this riff-raff into the room?“ 
Alles punktgenau entsprechend dem Drehbuch.
Neu dabei war das Schwein. Neu war der offene Antisemitismus.
Dass Waters eines der lautesten Sprachrohre des BDS ist, ist schon lange bekannt. Dass viele Künstler bereits fest eingeplante Auftritte in Israel  kurzfristig absagen, ist teilweise ihm und seiner anti-israelischen Propaganda zu verdanken.
Es ist verwerflich, dass Waters seine Kunst, mag man sie mögen, oder auch nicht, für seinen Feldzug gegen Israel missbraucht.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Pink Floyd – wie man seine Vorbildfunktion offen missbrauchen kann

  1. Sandra

    umso mehr sollte man die Künstler unterstützen, die sich nicht dem Druck beugen, wie zum Beispiel Cliff Richards und dazu noch ein Projekt in Israel unterstützen: http://www.facebook.com/photo.php?v=502727116474383

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  2. Vorbild ist man immer, entweder zum Guten oder zum Schlechten! Und hier handelt es sich leider um ein solches der 2. Sorte! 😦
    Aber in seiner Position kann er „natürlich“ besonders viel Unheil anrichten. Was ich über seinen Auftritt gelesen habe, muss er ja förmlich „Schaum vor dem Mund“ gehabt haben! Wäre schön, wenn das auf möglichst viele abstoßend gewirkt hätte! …

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