War Napoleon der erste Zionist?

Napoleon Bonaparte, später Kaiser Napoleon I. wurde am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika geboren und starb am 05. Mai 1821 auf St. Helena.

Die Insel Korsika wurde seit 1284 von der Republik Genua beherrscht.  In diesem Jahr hatte Genua mit ihrem Sieg über Pisa die Mittelmeerinseln Elba, Korsika und Sardinien erobert.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts erhoben sich die Korsen, um ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Korsika erhielt Unterstützung von England und den Niederlanden, Genua bat Frankreich auf ihrer Seite einzugreifen.  Französische Truppen sollten die Korsen zur Vernunft bringen. Die Finanzierung hätte durch Genua getragen werden sollen. Nachdem der Seerepublik aber das Geld schon lange ausgegangen war, häufte sie immense Schulden gegenüber Frankreich an.

Diesem Umstand ist der Vertrag von Versailles (1768) geschuldet. Dieser Vertrag, nach außen kaschiert als Sicherheit für die aufgelaufenen Schulden, war nichts anderes, als der Verkauf Korsikas an Frankreich, welches damit von einer Abhängigkeit in die andere geriet.
Napoleons Vater hatte gemeinsam mit Pascal Paoli, dem herausragenden korsischen Revolutionär und Widerstandskämpfer für die Unabhängigkeit und eine Demokratisierung Korsikas gekämpft.  Paoli ging ins Exil nach London, nachdem der Freiheitskampf endgültig gescheitert war. In den 47 Jahren seines Exils behielt er weiterhin eine so große Bedeutung für Korsika, dass er heute noch als „U Babbu di a patria“, „Der Vater des Vaterlandes“ bezeichnet wird.

Für Napoleon blieb Paoli für viele Jahre das Idol, dem er nacheiferte. Dieser misstraute aber dem zu den Franzosen „übergelaufenen“ Bonaparte zutiefst.

Im Ausbruch der Französischen Revolution erhoffte Napoleon die Chance, Korsika wieder zur Selbstständigkeit zu verhelfen.

Bis zu seiner Vertreibung aus Korsika pendelte Napoleon zwischen seiner korsischen Freiwilligeneinheit und seinem eigentlichen Regiment in Frankreich hin und her. Obwohl er für die französischen Truppen kein absolut zuverlässiger Offizier war, gelang ihm ein kometenhafter Aufstieg. Im Oktober 1795 wurde er von den Thermidorianernzum Oberbefehlshaber im Inneren ernannt.

Seine überwältigenden Erfolge beim Italienfeldzug endeten 1797 mit der Gründung der beiden Tochterrepubliken Frankreichs: der Cisalpinischen Republik und der Ligurischen Republik.
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich fürchtete Napoleon einen schnellen Imageverlust und bat um ein neues Kommando.

Dieses sollte ihn nach Ägypten führen, um den verhassten Engländern den Handelsweg nach Indien zu erschweren. 1798 hatte Frankreich ganz Ägypten besetzt. Doch seine Erfolge im Inland wurden dadurch geschmälert, dass seine Schiffe von der Flotte unter dem späteren Admiral Horatio Nelson versenkt wurden. Somit waren für das französische Heer alle Verbindungwege nach Frankreich versperrt.

Ägypten feierte Napoleon nicht aus Held und Befreier, sondern erkannte in ihm den Ungläubigen. Das Osmanische Reich, zu dem seinerzeit auch Ägypten gehörte, erklärte Frankreich auf Druck Englands hin, den Krieg. 

Napoleon macht sich mit einem Teil seiner Truppen auf den Weg nach Palästina, sein Ziel war es, Jerusalem zu erobern. Al-Arish, Gaza Hebron fielen nach nur kurzer Belagerungszeit.

Den ersten wichtigen Erfolg konnte Napoelon in Jaffo verbuchen, das nach einer nur dreitägigen Belagerung fiel.

Das alta Jaffo

Der damalige Herrscher von Jaffo, Ahmed al-Jazzar, auf Deutsch, Achmed der Schlächter, war ein ehemaliger christlicher Sklave aus Bosnien, der sich, nachdem er einen Mord begangen hatte, selber auf dem Sklavenmarkt von Konstantinopel zum Kauf anbot.  Sein selbsterklärtes Lebensziel war, nachdem er zum Islam konvertiert war, die Verfolgung und Ermordung von Christen und Juden in Palästina. Historisch belegt sind die von ihm angeführten Massaker in Hebron (1775) und Sfad (1799).

Der napoleonische Erfolg endete mit der Belagerung von Akko. Der britischen Marine, die ihre osmanischen Verbündeten vom Meer aus unterstützte, gelang es, die französische Flotte südlich von Haifa, bei Dor zu entern. Napoleon standen also nur Infanteristen für den Kampf um das strategisch wichtige Akko zur Verfügung.

Blick auf das heutige Akko

Der gleiche Blickwinkel als Karte

Trotzdem gelang es ihm zunächst, in der Schlacht beim Berg Tabor das zahlenmäßig überlegene osmanische Heer unter Führung von Ahmed al-Jazzar abzuwehren.

Blick vom Mt. Tabor auf die Jezreel Ebene

Dann aber wandte sich das Schicksal gegen Napoleon. Im Lager der Franzosen brach die Pest aus und schwächte das Heer dramatisch. Nach einer Belagerungszeit von 1 ½ Monaten brach Napoleon den Feldzug ab und zog sich nach Jaffa und anschließend nach Ägypten zurück.

Nach einer letzten siegreichen Schlacht gegen die Osmanen kehrte er, deutlich geschwächt nach Frankreich zurück.

Frankreich drohte in Folge eines Staatsstreiches der Royalisten ohne politische Führung zu sein. Napoleon nutze die Gunst der Stunde. Er stellte seine Erfolge in Ägypten so glanzvoll dar, dass daneben der Misserfolg in Palästina nahezu vergessen wurde.

Am 9. November 1799  stürzte Napoleon das Direktorium (die letzte Revolutionsregierung) und wurde am folgenden Tag zum 1. Konsul gewählt. Die von ihm ausgearbeitete Verfassung, die ihm quasi die Alleinherrschaft sicherte, wurde von einer Volksabstimmung mit nahezu 100% bestätigt.

Was hat das alles mit der Frage zu tun, ob Napoleon Bonaparte der erste Zionist war? Während der Belagerungszeit von Akko schrieb er einen bemerkenswerten Brief:

„Israeliten, einzigartiges Volk, das zwar in tausenden von Jahren durch Eroberungen und Tyrannei seines Landes, nicht aber seines Namens und seiner nationalen Existenz beraubt wurde!

Aufmerksame objektive Beobachter der Geschichte der Völker haben nicht die Gnade der Prophetie erhalten, wie Jesaja und Joel. Aber sie haben auch erkannt, was diese in ihrem schönen und erhabenen Glauben vorhergesehen haben: die bevorstehende Zerstörung ihres Königreiches und Heimatlandes. „Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“Jes. 35.10
Erhebt euch dann mit Freude, ihr Vertriebenen. Ein beispielloser Kampf in der Geschichte, ausgelöst durch die Notwendigkeit der Selbstvereidigung eines Volkes, dessen Erbland von seinen Feinden als Beute angesehen wurde, die es mit einem Federstrich aufzuteilen galt, willkürlich und nach ihren Vorstellungen, wird die eigene Scham und die ihrer weit zerstreuten Nation, die lange unter dem Joch der Sklaverei vergessen war, und der nahezu 2000 Jahre dauernden Schmach, die auf euch lastete, wird enden. Und während die Zeit und die Umstände nicht für euch zu sprechen scheinen, um eure Ansprüche erneut auszusprechen und anzumelden, oder ihr sie sogar völlig aufgeben müsst, geschieht doch genau das Gegenteil: genau jetzt wird das völlig Unerwartete geschehen, das Erbe eurer Väter wird euch angeboten!

Das Heer, mit dem ich dank einer guten Fügung hierherkam, das geführt wird vom Gerechtigkeitswillen und das siegreich war, hat Jerusalem zu meinem Hauptquartier erkoren. In wenigen Tagen werden wir nach Damaskus weiterziehen. Dort, in einiger Entfernung von euch, werden wir die Davids Stadt nicht mehr ängstigen.
Rechtmäßige Erben von Palästina!

Die Große Nation, die nicht mit Menschen und Ländern schachert, wie es andere getan haben, ruft euch auf, das Erbe eurer Väter nicht zu erobern, sondern das zu übernehmen, was erobert wurde. Und es, mit der Sicherheitsgarantie und der Unterstützung der Großen Nation Herr für alle zukünftigen Generationen zu erhalten.

Erhebt euch! Beweist, dass die ehemalige überwältigende Macht eurer Unterdrücker den Mut der Nachfahren der Helden, die sogar Sparta und Rom zur Ehre gereicht hätte, zwar unterdrückt hat, aber, das die 2000 Jahre der Versklavung den Mut nie erstickt haben.
Eilt! Jetzt ist der Augenblick, den es vielleicht erst wieder in tausenden von Jahren geben wird. Der Augenblick, die Bürgerrechte wieder herzustellen, die euch über tausende von Jahren schändlich vorenthalten waren. Euer Anspruch, eine Nation unter den Nationen zu sein und das uneingeschränkte natürliche Recht, Gott entsprechend eurem Glauben öffentlich und auf ewig dienen zu können.“

Welche Beweggründe Napoleon gehabt haben mag, diesen weitreichenden Schritt zu machen, ist völlig ungeklärt.  War es Philosemitismus, war es pure Menschenliebe? War es eine Taktik, sich der Juden zu bedienen, um seine Position in Palästina, resp. Syrien zu stärken? Oder war es die Vision eines Visionärs?

Nach seiner Niederlage bei Akko kam Napoleons Plan nicht mehr zum Tragen.

Nachdem er sich selber 1804 im Beisein von Papst Pius VII zum Kaiser gekrönt hatte, war er in der Lage, nachhaltige Änderungen in den französischen Gesetzen vorzunehmen.

1806 ließ er in Paris für zwei Monate ein Gremium wiederauferstehen, dass es seit dem Jahr 70 C.E. nicht mehr gegeben hatte: den Sanhedrin, den großen Rat der Juden. 71 Rechts- und Religionswissenschaftler hatten die Aufgabe, die Grundlage für das „Consistoire central israélite“ zu schaffen.  Nachdem diese Rechtsgrundlage geschaffen war, erhielten die Juden in Frankreich die vollen Bürgerrechte und das Judentum wurde zur dritten anerkannten Religion.

Napoleons Pläne für einen jüdischen Staat in Palästina waren gescheitert, es waren die Engländer, die 100 Jahre später seine Visionen umsetzen sollten. 

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