Ein selbsthassender Jude – Moshe Zuckermann

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Moshe Zuckermann, einer der selbsternannten oberintellektuellen Weltverbesserer und Visionisten in Bezug auf die Zukunft Israels hat wieder zugeschlagen.

 

Am 31. Mai präsentierte er in der Ladengalerie der „jungen welt“, einer marxistisch-linksorientieren Tageszeitung, den zweiten Band seiner Trilogie „Wider den Zeitgeist“. Zwei Stunden lang monologisierte Zuckermann seine Antworten auf Fragen vom Moderator, der sich als perfekter Stichwortgeber outete. Allerdings ließen auch die Publikumsfragen den Verdacht aufkommen, dass die Fragen zuvor verteilt worden waren.

Das Hauptthema, so der Autor, lautete „Antisemitismus“. Zuckermann arbeitete das Thema auf zwei Ebenen ab: einer allgemeine Ebene und einer zweiten, die sich vor dem Hintergrund des „Antisemitismusverdachts bei der Linkspartei“ entwickelte. Und kam zu erstaunlichen Folgerungen:
In Israel sei, zeitgleich oder als Folge der zweiten Intifada, die politische Linke fast ausnahmslos weggebrochen. Die Befürworter des Friedensdialoges mit den Palästinensern  seien damit quasi paralysiert worden.  Als Folge dieser Paralyse, so schließt er, war es den Deutschen nicht mehr möglich, sich gleichzeitig sowohl mit den Palästinensern, als auch mit den Israelis zu solidarisieren, so dass man sich gezwungen gesehen hätte, sich für eine Seite zu entscheiden. In den Augen Zuckermanns geriet diese Solidarisierung aber zu einem, wie er es nennt „Fetisch“. Solidarität ohne den kritischen Blick auf die Realpolitik in Israel, unkritisch und auf dem Hintergrund der deutsch-israelischen Geschichte, die damit mehr und mehr instrumentalisiert wurde.
Zuckermann versteigt sich zum alles erklärenden Satz:  „Weil eben Deutsche an Juden verbrochen hatten, was sie im 20. Jahrhundert nun mal verbrochen haben.“ Ein Satz, eine Aussage, die in einer Sprache daherkommt, die nur von jemandem kommen kann, für den  das Thema Holocaust nur noch einer Fußnote in der Geschichte wert ist!
Für Zuckermann ist der Begriff Antisemitismus sinnentleert, ja er reduziert ihn auf eine Frage der Konjunktur, der Befindlichkeit und der politischen Manipulation. Damit sei Tür und Tor geöffnet für alle  Zuordnungen, wer in den Augen der Juden als Antisemit gilt: jeder, der sich israelkritisch äußert und jeder der sich Zionismus kritisch äußert.
Um dieser These einen vermeintlich wissenschaftlichen Überbau zu geben, beschreibt er das Procedere wie folgt: “… und das [die Zuordnungen]  machen sie mittlerweile nicht nur mit einer ganz großen Polemik, sondern mit auch einer Pseudowissenschaft, mit der man sozusagen irgendwie pseudowissenschaftliche Kriterien für den Antisemitismus herstellt, und dann untersucht, ob diejenigen, die man sich ohnehin schon als Ziel gesetzt hat, ob die in diese Definition reinkommen. (…) und dann müssen Sie nur noch die Argumente so zusammentragen, dass es passt.  Dass die Definition des Ziels und die Argumente miteinander passen (…) Und lassen Sie sich von mir gesagt sein,  das lassen Sie sich von mir gar nicht gesagt sein,  aber sofern Sie sich von mir etwas gesagt sein lassen wollen  – mit Wissenschaft hat das nichts zu tun!“
Und damit ist klar:  Zuckermann postuliert weitgehend alle Zuschreibungen, wer  in unseren Augen Antisemit ist, als hausgemachte Hysterie auf der Basis von Pseudowissenschaften!
Dass sich der moderne Antisemitismus gerne hinter den Nebenschauplätzen: Antizionismus und Israelkritik verbirgt, ist ein offenes Geheimnis. Auch dies versucht Zuckermann erfolgreich bei seinen gläubigen Zuhörern zu widerlegen: „Ich möchte das jetzt nicht nochmal wiederholen, ich hab das auch in diesem Raum schon mehrfach wiederholt: das sind drei Paar Schuhe! Sie können miteinander verbandelt sein, aber sie sind es nicht von Vorneherein und sie sind es auch nicht im Wesen der Sache. Man kann sehr gut israelkritisch sein, ohne antisemitisch zu sein, man kann sehr wohl sehr Zionismus kritisch sein und dabei ein Israel gutheißen, nämlich ein anderes Israel als das rein zionistische. Man kann auch Antisemit sein und dabei  Israel gutheißen und Zionismus gutheißen.“ Diese kruden Gedankengänge kann aber nur derjenige verstehen und gutheißen, der auch den nachfolgenden Satz ohne Probleme verinnerlichen kann: „Die meisten Antisemiten in der Welt halten heute Israel für sehr gut, weil  Israel sie genau da, in ihrem Ressentiment abfüttert, also abfedert. Israel liefert heute recht viel, was Antisemiten, die eh schon mit ihren Ressentiments beladen sind, verwerten können.“
Was in eine einfache und alltagstaugliche Sprache übersetzt nichts anderes heißt, als: Israel ist schuld daran, dass es den Antisemitismus gibt!
An dieser Stelle scheint es durchaus opportun, kurz einzuhalten und etwas über die Vitae des Herrn Professor Zuckermann zu erfahren. Er wurde 1949 in Tel Aviv als Kind von polnisch-jüdischen Eltern geboren, mit denen er  im Alter von elf Jahren nach Deutschland emigrierte. 1970, mit 21 Jahren ging er zurück nach Israel. Er ist Professor für Geschichte und Soziologie an der Universität Tel Aviv  und seit  2010 wissenschaftlicher Leiter der Sigmund Freud Privatstiftung in Wien.  Ich kann absolut nicht nachvollziehen, was ausgerechnet diesen Prototypen des  selbsthassenden Juden dazu befähigen soll, wissenschaftlicher Leiter einer zutiefst jüdisch geprägten  Institution zu sein.  Denn nichts anderes war Freud, als ein Jude, der mit sich und seinem Glauben rang. Der seine Wurzeln, die in einem orthodoxen Elternhaus verankert waren, nie verleugnete, auch wenn er 1918 schrieb: „Ganz nebenbei, warum hat keiner von all den Frommen die Psychoanalyse geschaffen, warum musste man da auf einen ganz gottlosen Juden warten?“ Im Laufe seines Lebens wird in seinen Briefen und Vorträgen mehr und mehr eine Art von trotzigem Stolz auf seine jüdische Identität spürbar.
Auch in der anschließenden Diskussionwird Zuckermann nicht müde, den Antisemitismus pseudowissenschaftlich zu analysieren und führt dazu den Begriff des Anti-Antisemitismus ein, den er als von den gleichen Ressentiments erfüllten Zustand ansieht, wie den des Antisemitismus. Der anschließende Diskurskommt zum Schluss,  dass das grundlegende Problem beginnt, sichtbar und spürbar zu werden, wenn das Individuum in seiner historischen, sozialen, psychischen und kulturellen Konkretheit nicht mehr wahrgenommen wird, sondern nur mehr als Argument für etwas anderes herhalten muss.
Zuckermann setzt den Anti-Antizionismus dem Rassismus gleicht. Damit nähert er sich  inhaltlich der UNO Resolution 3379 an, in der Arabische Staaten den Zionismus als Rassismus zu definieren verlangten.
Einen weiteren Schwerpunkt setzt Zuckermann mit der Prognose für die zukünftige Palästinapolitik Israels.
Sein Wunschziel zum heutigen Tage, wie er betont, ist die Zwei-Staaten-Lösung, die, „irgendwie“ die Wünsche und Vorstellungen beider Seiten berücksichtigen müsse.“ Das jüdisch –israelische Kollektiv, das seinen eigenen Staat haben will und die Selbstbestimmung,  und das palästinensische Kollektiv,  als ein sich selbst bestimmendes Kollektiv, Kollektivsubjekt.“
Er stellt fest, dass der Prozess derzeit stagniert, und findet den Verursacher  erwartungsgemäß ohne Probleme: „Vor allem bin ich der Meinung, weil die Israelis nicht daran interessiert sind – ich werde gleich analysieren, warum – aber auch deshalb, weil die Palästinenser sich mittlerweile darauf eingestellt haben, dass die Israelis es nicht wollen, und deshalb selber abstinent geworden sind.“  Zuckermann verleugnet  an dieser Stelle die belegbaren Fakten,  blendet aus, dass es immer und immer wieder die Palästinenser waren, die die Verhandlungen torpediert haben. Und er findet gar noch einen zweiten Verursacher für die verfahrene Situation: „Es gab noch Zeiten, wo das Wort Amerikas noch etwas gegolten hätte, jetzt offenbar gilt es nicht, deshalb auch, weil die Amerikaner auch nicht unbedingt etwas wollen.  Denn wollten die Amerikaner den Frieden durchsetzen zwischen Israelis und Palästinensern, im Sinne der Zwei-Staaten-Lösung, könnten sie Israel in Zugzwang setzen. Innerhalb von einer Woche könnten sie sie dazu bringen,  sie könnten die Palästinenser dann reinpeitschen.“ Solange die amerikanischen Interessen nicht angekratzt werden, setzt er fort, ist ihnen [den Amerikanern] egal was im Nahen Osten passiert, und, sie würden auch nicht einschreiten, wenn sie [Israelis und Palästinenser] sich gegenseitig die Köpfe einschlagen würden.
Ist das die Sprache eines Wissenschaftlers, der objektiv versucht, die politische Situation seines Heimatlandes im Ausland zu erklären? Reduziert man seine Aussagen auf einen Minimalinhalt, so wäre dieser:
a.       Allein die Israelis sind die Friedensverhinderer
b.      Der angeblich beste Freund der Israelis spielt mit falschen Karten
c.       Die Palästinenser sind ausschließlich Opfer
Nach diesen Aussagen, die sein Misstrauen in die Ernsthaftigkeit der israelischen und der amerikanischen Politik widerspiegelt, versteigt er sich zu einer weiteren Vision, die an Zynismus nicht mehr zu überbieten ist:
Vorausgesetzt, eine israelische Regierung (wie er sie aber seit Jahren und auch heute nicht sieht) würde die Zwei-Staaten-Lösung vollumfänglich akzeptieren, so wäre dies, so sein Menetekel, nur zum Preis von bürgerkriegsähnlichen Zuständen möglich.
Damit aber immer noch nicht genug, Zuckermann hat noch ein letztes Orakel für sein Publikum.
Ohne die Zwei-Staaten-Lösung verselbstständigt sich die Struktur dahingehend,  dass sich auf dem Gebiet „vom Mittelmeer bis zum Jordan“ (diese Diktion erinnert an die Aussagen von Hamas und PLO, die genau dieses Territorium als das zukünftige Staatsgebiet des selbstverständlich judenfreien Staates Palästina definieren!) eine, wie er es nennt „objektive binationale Struktur“ entwickelt. Begründet mit der höheren Geburtenrate bei den palästinensischen Frauen sieht er eine Verschiebung in der Bevölkerungszahl.  Bestenfalls, so seine Prognose, wird sie bei beiden Völkern gleich hoch sein, schlimmstenfalls wird die jüdische Bevölkerung zur Minorität im eigenen Land. Das von Zuckermann heraufbeschworene politische Horrorszenario gipfelt in einem Satz: „Wir [die Israelis] sind die Minorität, aber wir bewahren hier den Anspruch, dass der Staat weiterhin ein zionistischer Staat bleibt.“ Israel würde sich dann zwangsläufig zu einem echten Apartheit Staat entwickeln.
Mit dieser Prophetie, die Zuckermann wohlweislich nicht als die wahrscheinlichste benennt, aber von deren Möglichkeit er immerhin spricht, reiht er sich in die Reihe derer ein, die Israel ganz offen als „Apartheit Staat“ bezeichnen. Unter ihnen auch  SPD Chef Sigmar Gabriel. Und Lutz Herden, der Ressortleiter „Politik“ in der Privatzeitung von Jakob Augstein „Der Freitag“.
Die letzte Variante, die Anerkennung der so entstandenen neuen Realität und deren Integration in den politischen Alltag sieht er für 99,9% der jüdischen Bevölkerung als nicht vorstellbar an. 
Hieße das doch, sich vom Zionismus zu verabschieden.


 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Ein selbsthassender Jude – Moshe Zuckermann

  1. Man muss Esther Scheiner danken, dass sie diesen „Akademiker“ an den Pranger stellt. Ich hatte ihn an der von Zuckermann gesponserten Buchvernissage der NZZ-Ausgabe „Die Seele Israels“ vor Jahren persönlich erlebt. Er scheint einer jener „israelkritischen“ Akademiker zu sein, die heute in der westlichen Welt zu finden sind, die ihre sehr schwachen akademischen Erfolge durch Israelbashing wettmachen wollen. Auch damit kann man Geld verdienen. Das mit mehr Erfolg, als mit schwacher professioneller Arbeit. Denn ihr Israel/Judenhass wird zitiert, was beruflich bei diesen Leuten wenig der Fall ist. Heisst es doch in Akademia: „publish, publish“. Und so publizieren sie halt Israelhass und demonstrieren so Selbsthass.
    Uri

    „Wir wollen nicht eines Tages aufwachen und einen Staat Israel vorfinden, für den sich einzusetzen nicht mehr lohnt“ (Paul Uri Russak zur gesellschaftlichen Entwicklung in Israel)

    Laura Lea & Paul Uri Russak
    Dor Tiv'on, App. 3112
    Rehov Moshe Dayan 8
    Kiriat Tiv'on, Israel
    Tel/Fax ++972 4 903 9112 e-Mail: paul.russak@gmail.com
    Cell Lea 050 239 77 36 Cell Uri 050 439 77 36
    Website: http://www.uristagebuchausisrael.blogspot.com
    http://journal21.ch/search/node/Russak

    2014-06-29 11:53 GMT+03:00 Esther Scheiner :

    Hoi Uri, wo hast du denn das gepostet?

    alles Liebe

    esther

    Am 29. Juni 2014 00:32 schrieb Paul Uri Russak :
    Man muss Esther Scheiner danken, dass sie diesen „Akademiker“ an den Pranger stellt. Ich hatte ihn an der von Zuckermann gesponserten Buchvernissage der NZZ-Ausgabe „Die Seele Israels“ persönlich erlebt. Er scheint einer jener israelischen Akademiker, die heute in der westlichen Welt zu finden sind, die ihre sehr schwachen akademischen Erfolge durch Israelbashing wettmachen wollen. Dass, offenbar mit mehr Erfolg als mit ihrer professionellen Arbeit. Denn ihr Israel/Judenhass wird zitiert, was beruflich bei diesen Leuten sehr wenig der Fall ist.
    Uri

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