Wie aus “Rule Britannia, Britannia rule the waves!”, “Waive, Britannia – Britannia waives the rules” wurde. Die unrühmliche Geschichte einer ehemaligen Schutzmacht gegenüber Israel

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Sykes-Picot-Abkommen
Bevor das Osmanische Reich im Zuge des WK1 zerschlagen wurde, gab es, noch während des Krieges, Geheimverhandlungenzwischen der Französischen und der Britischen Regierung. Im Zuge dieser Verhandlungen wurde vereinbart, wie die territoriale Umverteilung von Teilen des ehemaligen Osmanischen Reiches vorgenommen werden sollte. Beide Staaten wurden dabei natürlich primär durch ihre kolonialen Interessen geleitet. Das später Palästina genannte Gebiet sollte, entsprechend diesem Abkommen unter internationale Beobachtung  gestellt werden sollen.
Gebietsaufteilung entsprechend dem Sykes-Picot-Abkommen
 
San Remo Konferenz – das Britische Mandat für Palästina und die Gebietsteilung durch Churchill als erster antijüdischer Akt der Briten
Anlässlich der im April 1920 durchgeführten Konferenz von San Remo wurde durch den Obersten Rat der Alliierten Mächte u.a. das Britische Mandat für Palästina beschlossen.
 
Der damalige Kolonialminister Winston Churchill teilte das Land  1921 kurzerhand in zwei Teile. 4/5 fielen an Transjordanien und  1/5 verblieb unter dem Namen  Cisjordanien.
 
Transjordanien emanzipiert sich aus der Hand der Briten und mit Hilfe der Briten
Transjordanien wurde 1923 zunächst in ein halbautonomes Emirat  umgewandelt und erklärte 1928 einseitig seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Ausgenommen blieben die Bereiche: Finanzen, Verteidigung und äußere Sicherheit.
Die gesamte Truppe unterstand dem Befehl  von Frederick Gerard Peake, der die Truppen auf einen für die damaligen Zeiten hohen Standard brachte.
Von 1939 bis 1956 übernahm John Bagot Glubb, auch bekannt als  Glubb Pasha, das Oberkommando der mittlerweile in „Arabische Legion“ umbenannten Truppe.
Die „ Desert Patrols“ waren das erste Resultat seiner Überlegungen, wie es gelingen könne, zumindest im Land selber zur Ruhe zu kommen. Diese neuen Truppen rekrutierten ab 1930 ihre Soldaten aus den Clans der Beduinen, die damals, so wie heute, einen Großteil der Bevölkerung ausmachen. Vor allem im Süden des Landes gelang es mit Hilfe dieser Patrouillen, die regelmäßig gegeneinander kämpfenden Clans halbwegs zu befrieden.
Die Kamelpatrouillen sind heute noch in Jordanien aktiv!
    

 
1946 erhielt  Jordanien als Königreich die volle Selbstständigkeit. Gleichwohl wurde die Jordanische Armee weiterhin, bis zum endgültigen Abzug der britischen Truppen im Jahr  1957 von einer Gruppe Britischer Offiziere gemeinsam mit König Abdallah I, dem ersten Haschemiten auf dem Jordanischen Thron, geführt.
 
Kurzer Exkurs zu den arabisch-israelischen Kriegen, die Rolle der Arabischen Legion
Während des Unabhängigkeitskrieges 1948 war die Arabische Legion die einzige Truppe, die gegen das junge Israel  Erfolg hatten.  
Es gelang der Arabischen Legion, das Westjordanland zu erobern – nota bene, in einem Angriffskrieg! – und später zu annektieren. Zuvor war dieses Gebiet im UN Teilungsplan von 1947, dem auch König Abdallah (der übrigens von einem Palästinenser ermordet wurde) zugestimmt hatte,  dem zu gründenden Israel zugesprochen worden. Israel hat das Gebiet, welches ihm rechtmäßig zuerkannt  wurde, im Zuge des Sechstagekrieges 1967, einem Verteidigungskrieg,  zurückerobert. 1981 hat Jordanien seine (de jure nie existierenden) Ansprüche aufgegeben.
 
Rückzug der Briten aus Jordanien
1956 wurde der jordanische Widerstand gegen die britischen „Militärpartner“ im Land so stark, und entzündete sich schlussendlich an den unterschiedlichen Positionen zur Suezkrise, dass Glubb abgesetzt wurde, und sich die Briten 1957 endgültig aus Jordanien zurückzogen.
Während sich das heutige Jordanien mehr und mehr aus dem Einfluss der Briten emanzipierte, verblieb das damalige Palästina noch unter der harten Hand der britischen Mandatsmacht, die konsequent nur den jüdischen Einwohnern galt.
 
Folgen der antijüdisch begründeten restriktiven Haltung der Briten
Durch die Teilung in Trans- und  Cisjoranien war die Aufnahmekapazität für Juden drastisch eingeschränkt. Diese Einschränkung und die sie flankierende Maßnahme des erschwerten Landerwerbs liefen der ausdrücklich festgelegten Aufgabe des Völkerrechtsmandats völlig entgegen: „…die Administration Palästinas … in Zusammenarbeit mit der jüdischen Körperschaft … eine dichte Ansiedlung von Juden auf dem Land fördern soll, was auch staatseigene Gebiete und ungenutztes Land einschließen soll, das nicht für öffentliche Zwecke gebraucht wird“.  Trotzdem beharrte die Britische Mandatsverwaltung darauf, den Zuzug von Arabern nicht einzuschränken, während die Zahl der Einwanderunsbewilligungen für Juden drastisch eingeschränkt wurde. Bis zum Ende der Mandatszeit, wurde dieses restriktive Verhalten weiter verfolgt. Die Gründe waren klar antijüdisch.
Besonders betroffen waren Flüchtlinge aus Europa, die sich vor der Shoa hatten retten können. Sie erhofften sich durch die Einwanderung nach Palästina ein Leben in Sicherheit. Ganz anders sahen die Briten die Flüchtlinge. Sie sahen in ihnen die Bedrohung, die Situation in Palästina zu destabilisieren. Illegale Flüchtlingen wurden in Haifa aufgegriffen und zunächst nach Zypern genbracht. Von dort aus wurden sie zurück in die Länder deportiert, von denen aus die Schiffe ausgelaufen waren. Das wohl bekannteste Schiff, die Exodus, fuhr wieder nach Marseille zurück.
Vorfälle dieser Art setzten die Britische Mandatsregierung in ein ganz schlechtes Bild, so dass die Forderung nach einer Beendigung des Mandates immer lauter wurde.
 
Vom Clan der Bürgermeister von Jerusalem zum  SS Mitglied
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts stellten Mitglieder der Husayni Familie, ursprünglich Einwanderer aus der Türkei, die Bürgermeister und Muftis von Jerusalem.  Musa Kazim Al-Husayni nahm ab 1918 diese Position ein, wurde allerdings von den Briten aus dem Amt entfernt.
Ein Nachfolger von ihm, Mohammed Amin al-Husayni, vertrat während des WK2 vehement die Interessen Hitlers und dessen Bestrebungen,  mit dem Wüstenbataillon Rommels auch Palästina zu erobern. 1941 griffen deutsche und französische Flugzeuge Haifa, den letzten Hafen unter britischer Oberhoheit im Nahen Osten an.  Der Obermufti  mag wohl der einzige Nichtarier gewesen sein, der bewusst in die SS aufgenommen wurde.
 

Telegramm anlässlich des Jahrestages der Balfour Deklaration
Der Obermufti inmitten „seiner“ Waffen SS
Bereits um 1920 begann  der Obermufti,  Selbstmordattentate  gegen Juden zu organisieren, in der Hoffnung, diese aus Palästina zu vertreiben. Die britischen Mandatare schauten so lange untätig zu, bis sie selber in Gefahr kamen und Zielscheibe von jüdischen Übergriffen wurden.  Richard Meinertzhagen, der sich selber als  „Chief political offficerfür Syrien und Palästina bezeichnete, notierte in seinen Tagebüchern, dass die britischen Beamten dafür wären, den Zionismus aus Palästina zu entfernen.
Was wäre ein Bericht über diese unruhigen  Zeiten im Nahen Osten,  wenn der schillerndste  aller Namen nicht genannt würde. Gleichgültig, wie unrühmlich er auch sein mag: T.E. Lawrence, besser bekannt als „Lawrence von Arabien“.  Lawrence, zog sich 1918 in seine Britische Heimat zurück. Sein bekanntestes Werk „Die sieben Säulen der Weisheit“  war kein Publikumserfolg.
Meinertzhagen  versuchte wohl vergeblich, sich mit T.E. Lawrence anzufreunden, ja mehr, ihm in seiner Rolle als schillernder Euraber zu folgen. Lawrence widerstand aber zumindest diesen Verlockungen. Meinertzhagen konnte mit seinen Tagebüchern nie an die Erfolge von T.E.Lawrence anknüpfen.
 
Die sieben Säulen der Weisheit, Wadi Rum
 
Eine deutliche Aufforderung zum Mord an der jüdischen Bevölkerung und zu Vertreibung erging von  Col. Waters-Taylor an den Bürgermeister von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husayni. Die britischen Truppen wurden aus Jerusalem abgezogen und so der Weg frei gemacht für gewaltsame Übergriffe. Waters-Taylor argumentierte, dass die Freiheit nur durch Gewalt erreicht werden könne. Auch durch arabische Pogrome gegen die Juden.
Um in den Augen der Weltöffentlichkeit nicht als zu nachgiebig dazustehen, sollte  der Bürgermeister verhaftet werden, entzog sich aber  der zu erwartenden Strafe durch Flucht. Auf Druck araberfreundlicher Kreise in Großbritannien wurde er  ein Jahr später nicht nur begnadigt, sondern sogar zum Mufti ernannt. Jedoch die Anführer der jüdischen Verteidigungsorganisation wurden mit bis zu 15 Jahren Haftstrafe  „belohnt“.
Der neue Mufti nutzte seine Macht den Briten gegenüber, indem in einem Brief an Winston Churchill aus dem Jahr 1921 forderte, dass Palästina wieder mit Syrien und Transjordanien vereinigt würde.
1946 übernahm  General Evelyn Hugh Barkerdas Oberkommando der britischen Truppen im Mandatsgebiet.  Seine unnachgiebige Haltung den Juden gegenüber folgte in bester Tradition seinen Vorgängern.  Der Sprengstoffanschlag gegen das King David Hotel, resp. gegen die dort beheimatete britische Administration war als Antwort auf eine umfassende britische Aktion gegen die Jewish Agency zu verstehen.  Bakers Antisemitismus gipfelte in der Aussage: „ (Wir)werden die Juden auf eine Art bestrafen, die für ihre Rasse besonders unliebsamen ist, wir werden ihnen auf die Taschen klopfen und ihnen zeigen, was wir von ihnen halten.“
 
Das teilweise zerstörte King David Hotel
 
Ein Staat wurde geboren
Es kommt nicht von Ungefähr, dass die Abgeordneten zur 1. Knesset teilweise gewählt wurden, weil sie sich im Untergrundkampfgegen die verhasste britische Militärmacht bewährt hatten.
Wir schreiben das Jahr 2013.
Nun erfahren wir, dass  Großbritannien immer noch glaubt,  sich aktiv in die Politik des heutigen Israels einmischen zu dürfen. Welche Gründe hat Großbritannien, das es bis heute nicht fertig brachte, vor der eigenen Haustüre, in Irland, Frieden zu schaffen?
Der Britische Botschafter in Israel, Matthew Gould,  verlangt, dass wir die militärische Hoheit über  die B und C Gebiete im WJL an die Palästinenser übergeben. Er verstärkt sein Ansinnen damit, dass er darauf hinweist, Großbritannien investiere viel, um die palästinensischen Truppen auszubilden und zu stärken. Laut seinen Aussagen sind äußerst erfahrene Offiziere in Ausbildungslagern, unter anderem in Jenin, aktiv.
Großbritannien hat sich nie bei Israel entschuldigt. Weder für den Landraub, den Churchill vornahm,  noch für das Massaker von Hebron, noch für die antijüdische  und propalästinensische Haltung während der Mandatszeit,  noch für die inhumane Wegweisung von zutiefst traumatisierten Opfern der Schoa. Großbritannien hat sich auch nie für seine Kriegsverbrechen in Afrika und Indien rechtfertigen müssen.
Welchen Grund hätten wir, den Briten, die bis heute gegen den Staat Israel agieren,  auch nur einen kleinen Schritt entgegenzukommen? Das wäre doch fast so, als würden wir unser eigenes Grab schaufeln!

 


3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

3 Antworten zu “Wie aus “Rule Britannia, Britannia rule the waves!”, “Waive, Britannia – Britannia waives the rules” wurde. Die unrühmliche Geschichte einer ehemaligen Schutzmacht gegenüber Israel

  1. Anonym

    Vielen Dank für diese Veröffentlichung.
    Es zeigt mir mal wieder welchen Einfluss der 1. Weltkrieg auf die Welt hatte.
    Leider wird das viel zu wenig aufgegriffen und geht meistens im Wahn der Berichterstattung über den 2. Wk unter.
    Der Zerfall eines so großen Weltreiches wie das Osmanische Reich und die damit verbundene Gründung neuer Staaten beinhalten noch heute und in Zukunft einiges an Brennstoff. Politik und Machtbesessenheit hab Dank.
    G.v.B.

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  2. Anonym

    Werte Esther, ein interessanter Artikel, dankeschön.

    Einen Teil allerdings möchte ich gerne hinterfragen. Sie schreiben: „Zuvor war dieses Gebiet im UN Teilungsplan von 1947, dem auch König Abdallah […] zugestimmt hatte, dem zu gründenden Israel zugesprochen worden.

    Das ist aber unrichtig, das Westjordanland wurde dem zu gründenden arabischen Staat zugeschlagen, hier ein Link zum Karte des Teilungsplanes:

    http://domino.un.org/maps/m0103_1b.gif

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  3. Ihre Karte bildet den Teilungsplan ab, der zur UNO Resolution 181 führte.

    Dieser wurde von der jüdischen Bevölkerung anerkannt, jedoch von der arabischen Seite abgelehnt, so dass es zur Gründung des jüdischen Staates wie in meinem Bericht geschrieben kam.

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