Welcome to Israel, Mr. President!

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Präsident Barack Obama polarisiert. Das war schon so vor seiner ersten Wahl, damals vor allem in den USA, wo mit rassistischen Anwürfen und Unterstellungen gegen ihn agiert wurde. Es entwickelte sich zu einem noch stärkeren Phänomen, als er sich ein zweites Mal zur Wahl stellte. Die weltweite Diskussion zu und über seine Person kam nie ganz zur Ruhe, im Gegenteil, in internationalen Blogs wurde und wird immer noch über ihn diskutiert, gegen ihn gehetzt, obwohl großteils kein direkter Bezug zwischen dem Blogger und Präsident Barack Obama besteht.
Warum sollte das also hier bei uns anders sein?
Die jüdisch-amerikanischen Stimmen gegen ihn waren unüberhörbar, sie machten auch nicht Halt vor Treffen mit Freunden und gemeinsamen Abendessen zuhause. Die jüdisch-europäische Stimmen waren eher gemäßigt, bis pro Obama. Aber, wir sind hier personell in der Minderheit! Ich musste einige Male von meinem Recht als Gastgeberin Gebrauch machen und bitten, politische Diskussionen nicht an meinem Tisch zu führen, wenn es nicht zu mehr als rein verbalen Attacken, auch gegen mich kommen sollte.
Auch quer durch die hier geborenen Menschen verlief die Trennlinie. Einen Menschen aber muss sein Wahlerfolg besonders getroffen haben. Unseren PM Benjamin Netanyahu, der seinen alten Freund Mitt Romney klar favorisierte. Ausgerechnet diese Heuschrecke, die ihren Reichtum durch das Filettieren von ehemals florierenden Unternehmen machte und mit seinen vorgestrigen politischen und sozialen Ansichten Amerika aus der Moderne hinauskatapultiert hätte.
Die israelische Gesellschaft hatte schon lange kritisiert, dass Präsident Barack Obama zwar im Wahlkampfjahr Israel besucht, aber als Präsident nie den Weg nach Jerusalem gefunden hatte. Dieses Argument kann ich gelten lassen, ebenso wie den Vorwurf, auch er werde nicht den Mumm haben, Fakten als solche anzuerkennen, was die Hauptstadt Israels angeht und die US-Amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.
Und nun war er also hier. Es war ein bisschen wie das Gefühl, zum ersten Mal “Wind of change” gehört zu haben. Ein Gefühl der Hoffnung.
Präsident Barack Obama kam, wie er selber sagte, mit leeren Händenund sah den primären Zweck seiner Reise darin, zuzuhören und zu versuchen, zu verstehen.
Es war ein Besuch der vorsichtigen Annäherung zwischen PM Benjamin Netanyahu und Präsident Barack Obama, die am Ende doch gelungen zu sein scheint.
Der Bann zwischen den beiden scheint gebrochen. Wie wünschenswert wäre dies, erinnert man sich an die bisher verkrampften Treffen, die gegenseitigen Kränkungen und Ablehnungen. Ein Zustand, der zwischen den immer wieder beschworenen Partnern für Frieden untragbar war. PM Benjamin Netanyahu war zu Beginn des Treffens noch unsicher, wie er auf den lockeren Stil reagieren sollte. Neben dem selbstbewussten, schlaksigen Präsidenten wirkt er wie ein verkrampfter Leider-Nein-Klassenprimus, der so gerne den echten Primus spiegeln möchte, und dabei ein wenig zum Zerrbild seiner selbst wird.
Es war der Besuch einer respektvollen Haltung von Präsident Barack Obama gegenüber einem wunderbaren Elder Statesman, unserem Staatspräsidenten Shimon Peres gegenüber. Obwohl im Amt gleichrangig, überließ Präsident Barack Obama dem alters-und dienstälteren Staatspräsidenten Shimon Peres immer wieder den Vortritt. Jede Umarmung war die, die auch ein Sohn dem Vater geben könnte. Und dabei blieb es, ebenso wie, zumindest vor den Kameras, bei der förmlichen Anrede, es war spürbar, die beiden brauchen keine Veränderungen, sie wissen, wie sie zueinander stehen.
Der Besuch bei einer eigens auf dem Flughafengelände aufgebauten „Iron Dome“ Einheit, dem von den USA mitfinanzierten Raketenabwehrsystem, das sich während der Operation „Pillar of Defense“ im vergangenen Spätherbst bestens bewährt hatte, wird wohl weniger den mitreisenden Diplomaten, als den anwesenden SoldatInnen im Gedächtnis bleiben.
Er nahm sich einige wenige Augenblicke Zeit, fokussierte seine Aufmerksamkeit ganz und gar auf die jungen Soldatinnen und Soldaten.
Bis dahin gab es noch keine große Politik. Wer im Laufe der kommenden zwei Tage auf spektakuläre Aussagen, Forderungen oder Zugeständnisse wartete, der wartete vergebens. Was wir erlebten, war keine Weltpolitik, es war alltagstaugliche Realpolitik.
Wie lang mag der Flug von Ben Gurion nach Jerusalem sein? Zehn Minuten?  Fünfzehn Minuten? Präsident Barack Obama hatte jedoch eine erste Chance, über die Gebiete zu fliegen, die allgemein, wenngleich auch fälschlicherweise als „besetzte“ Gebiete definiert werden.
Der Flug ging über die Dörfer hinweg, die ihre landwirtschaftliche Besonderheit, den Terrassenanbau mit Terrassenbewässerung als Weltkulturerbe der UNOklassifizieren lassen möchten. Ich möchte auch, dass dieser Terrassenbau geschützt wird, aber nicht, indem unsere Eisenbahnlinie, die einzige, die von der Küste hinauf nach Jerusalem führt, unterbrochen wird.  Dies ist ein ganz konkretes Beispiel, über was man wird sprechen müssen, bevor es endgültig Frieden geben kann.
Neben den markanten Punkten, an denen Präsident Barack Obama sprach, entweder alleine, oder nach oder gefolgt von PM Benjamin Netanyahu und Staatspräsident Shimon Peres, scheint mir die „Jerusalem Rede“ wie sie schon genannt wird, die er vor 600 geladenen Studenten hielt, am bedeutendsten. Abgesehen davon, dass ich es auch als, zumindest sehr ungeschickt empfand, die StudentInnen von Ariel nicht in die Gästeliste aufzunehmen, war die Rede grandios!
“I know Israel has taken risks for peace.  Brave leaders — Menachem Begin, Yitzhak Rabin — reached treaties with two of your neighbors.  You made credible proposals to the Palestinians at Annapolis.  You withdrew from Gaza and Lebanon, and then faced terror and rockets.  Across the region, you’ve extended a hand of friendship and all too often you’ve been confronted with rejection and, in some cases, the ugly reality of anti-Semitism. So I believe that the Israeli people do want peace, and I also understand why too many Israelis — maybe an increasing number, maybe a lot of young people here today — are skeptical that it can be achieved….
First, peace is necessary. I believe that.  I believe that peace is the only path to true security. You have the opportunity to be the generation that permanently secures the Zionist dream, or you can face a growing challenge to its future.  Given the demographics west of the Jordan River, the only way for Israel to endure and thrive as a Jewish and democratic state is through the realization of an independent and viable Palestine. That is true…
So peace is necessary.  But peace is also just.  Peace is also just.  There is no question that Israel has faced Palestinian factions who turned to terror, leaders who missed historic opportunities.  That is all true.  And that’s why security must be at the center of any agreement.  And there is no question that the only path to peace is through negotiations — which is why, despite the criticism we’ve received, the United States will oppose unilateral efforts to bypass negotiations through the United Nations.  It has to be done by the parties. But the Palestinian people’s right to self-determination, their right to justice, must also be recognized…
Put yourself in their shoes.  Look at the world through their eyes.  It is not fair that a Palestinian child cannot grow up in a state of their own. Living their entire lives with the presence of a foreign army that controls the movements not just of those young people but their parents, their grandparents, every single day.  It’s not just when settler violence against Palestinians goes unpunished. It’s not right to prevent Palestinians from farming their lands; or restricting a student’s ability to move around the West Bank; or displace Palestinian families from their homes. Neither occupation nor expulsion is the answer. Just as Israelis built a state in their homeland, Palestinians have a right to be a free people” in their own land…
I’m going off script here for a second, but before I came here, I met with a group of young Palestinians from the age of 15 to 22.  And talking to them, they weren’t that different from my daughters.  They weren’t that different from your daughters or sons.  I honestly believe that if any Israeli parent sat down with those kids, they’d say, I want these kids to succeed; I want them to prosper. I want them to have opportunities just like my kids do.  I believe that’s what Israeli parents would want for these kids if they had a chance to listen to them and talk to them. I believe that…
Meanwhile, Palestinians must recognize that Israel will be a Jewish state and that Israelis have the right to insist upon their security. Israelis must recognize that continued settlement activity is counterproductive to the cause of peace, and that an independent Palestine must be viable with real borders that have to be drawn.”
Klare Worte, die nicht jedem gefielen: den einen waren sie zu links, den anderen zu rechts, zu pro-palästinensisch, Kritiken hagelten heftig, kaum, dass die Rede vorbei war. Kritik kam von israelischer Seite ebenso, wie von arabischer. In Israel selbst überwogen die positiven Reaktionen. Ist das nicht genau das Wesen der Demokratie: audiatur et altera pars?
Einen kleinen außenpolitischen Erfolg darf Präsident Barack Obama mit nach Hause nehmen: das Telefonat, diesmal innerhalb Israels kritisch diskutiert, sozusagen sub auspiciies praesidentis, zwischen PM Benyamin Netanyahu und PM Recep Tayyip Erdoğan das die diplomatischen Türen zwischen Israel und der Türkei wieder öffnen soll. 


5 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

5 Antworten zu “Welcome to Israel, Mr. President!

  1. Esther, du schreibst mir aus dem Herzen. Hier geht es um einem Menschen, einen wirklichen Staatsmann, keinen Bibi, der aus einer schlechten Situation, für die er nicht verantwortlich ist, das Beste macht.
    Zu Bibis Benehmen: Er hat keins. Ich erinnere mich an die Schiesserei am Jordan, vor Jahren, als König Hussein von Jordanien noch lebte. Ein jordanischer Soldat erschoss sieben israelische Mädchen. König Hussein besuchte die Familien aller Opfer um sich zu entschuldigen und sein Beileid auszudrücken. Stets war er mit Nehtanyahu, der für alle zu sehen, nicht wusste was zu sagen und was zu tun. Auch dann war der menschliche Unterschied zwischen ihm und König Hussein, so wie vor einigen Tagen zwischen ihm und Obama, so offensichtlich, dass nur Böcke wie Bibi, das nicht bemerken. Ich danke dir für diesen Tagebucheintrag.

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  2. Esther,

    ich bin ueberrascht und enttaeuscht, wie Du mit dem Wort „Heuschrecke“ primitive Anti-freie-Wirtschaft Ressentiments uebernimmst. Ich bin den einzelnen Faellen von Romneys Karriere nicht nachgegangen. Deine Formulierung laesst aber gar keinen Spielraum fuer die Moeglichkeit, dass marode Unternehmen durch hartes „Filetieren“ gerettet und damit auch Arbeitsplaetze erhalten bleiben, die andernfalls zusammen mit dem Unternehmen von der Bildflaeche verschwunden waeren.
    Und was ist grundsaetzlich so Hehres an einem „Community Organizer“? Kann dessen Taetigkeit nicht auch in Noetigung ausarten?

    Bibi hat im Gegensatz zu Obama kein Charisma. Charisma ist an sich aber kein Garant fuer gute Politik.

    Ich denke, dass Barry Rubin Obamas Besuch und dessen Bedeutung etwas ernsthafter behandelt.

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  3. Ein wirklich interessanter und – trotz oder gerade wegen des Themas – sehr persönlicher Beitrag, der Hoffnung vermittelt, wo Vieles so „eingefahren“ zu sein scheint! Habe auch die Links mit Interesse gelesen, vor allem den unter „Weltkulturerbe der Uno“ (Die Mauer im Paradies). Ein Beitrag, der auch unbedingt gelesen werden sollte! Der Link unter „Wind of Change“ funktioniert in Deutschland nicht, habe dafür einen anderen „anzubieten“: http://www.youtube.com/watch?v=G6B4LoVZdVc 🙂
    Vielen, vielen Dank für diesen Beitrag! 🙂

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  4. Susya Bar Dror

    @ Beer7, ich habe Ihren interessanten Kommentar mehrmals lesen müssen, um nun festzustellen, dass Sie ihn gar nicht richtig gelesen haben. Was eine Heuschrecke in der Finanzwelt ist, oder zum Glück war, ist allgemein bekannt, das sollten Sie auch wissen, sonst, schlag nach bei Wikipedia.

    Über Charisma steht in diesem Blog gar nix, Sie haben aber Recht, PM Netanyahu hat kein’s.

    Nicht verstanden habe ich was ein „Community Organizer“ ist und was ist „Hehres“? Haben Sie das nicht mit was Anderem verwechselt? Etwa ex was von Herrn Barry Rubin? Was soll der in diesem Blog?

    Nun muss ich aufhören, ich habe inzwischen ein Schütteltrauma gekriegt.

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  5. Susya,
    etwa hier?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heuschreckendebatte
    http://szenesprachenwiki.de/definition/heuschrecke/
    Ich sehe darin tatsaechlich eine emotionale Haltung gegenueber dem freien Markt.

    „hehr“ ist ein altertuemliches deutsches Wort, nachzuschlagen bei Wiktionary
    http://de.wiktionary.org/wiki/hehr.

    Wenn Romney als „Heuschrecke“ diffamiert wird, dann stellt sich schon die Frage, ob Obamas Berufserfahrung so viel erhabener ist.

    Ich empfehle die Analysen von Barry Rubin. Fuer mein Teil bin ich immer dankbar fuer interessante Tips. Falls Esther ihn noch nicht kennt, koennte sie aehnlich empfinden.

    Passen Sie auf sich auf: Offensichtlich sind Sie sehr empfindlich, wenn Sie mit anderen Gesichtspunkten und Denkweisen konfrontiert werden. Mit Traumata ist nicht zu spassen.

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