Wahlen ohne Qualen?

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Der Wahlkampf geht in die alles entscheidende letzte Runde  und jede Partei versucht nun auch noch den letzten unentschlossenen potentiellen Wähler für sich zu mobilisieren. Und davon gibt es noch viele. Glaubt man den Medien, sind  zwei Tage vor der Wahl noch ca. 25% der Bevölkerung unentschlossen, wohin sie ihr Kreuzchen setzen sollen.
Seit Tagen glühen die Telefonleitungen. Macht man den Fehler und nimmt den Hörer auf, so wird man mit Musikstücken geflutet, die wohl nur einen Zweck verfolgen: den zwangsbeglückten Hörer intellektuell außer Gefecht zu setzen und so zu manipulieren, dass die nachfolgende Wahlwerbung so verinnerlicht wird, dass das Kreuzchen an der gewünschten Stelle gemacht  wird. Sogar unser derzeitiger PM unterzieht sich der Qual der Direktwerbung via Telefon.
Tja, aber leider kommt nach spätestens fünf Minuten der nächste Anruf, und wie reagiert unser Hirn? Es vergisst, was vorher war, und merkt sich nun die aktuelle Information.
Bei mehr als 20 Parteien, die sich um die 120 Sitze in der Knesset bewerben ist das keine ganz einfache Aufgabe.
Das Wahlsystem ist einfach: wer eine Mehrheit von 61 Sitzen hat, bekommt den Auftrag, die Regierung zu bilden. Gleichgültig, ob allein oder mit einer  Koalition. Üblicherweise gelingt es der Partei mit den meisten Stimmen, eine solche Koalition zu bilden.
Nicht so bei der letzten Wahl, da konnte „Kadima“ (damals Tzipi Livni) die meisten Stimmen auf sich vereinen, aber alle Koalitionsverhandlungen scheiterten. Also bekam die damalige Nummer zwei, „Likud“ (Benjamin Netanyahu) von Präsident Shimon Peres den Auftrag, eine regierungsfähige Koalition zu schmieden.  Was ihm auch gelang.
Und nun, neues Spiel, neues Glück, versucht Bibi, seinen mit Pattex (Uhu) beschichteten Gluteus maximus für eine weitere vier Jahre auf dem ministerialen Komfortsessel zu fixieren und kündigt auch bereits an, anschließend noch ein viertes Mal ins Rennen gehen zu wollen. 

Wer könnte ihn  Likud Beteinu“ (Zusammenschluss) noch daran hindern?

 

Die sympathische Chefin der „Avoda“ (Arbeiterpartei ), Shelly Yachimovich die aber ebenso in der Sozialistischen Internationalen sitzt, wie die Fatah und die mit ihr sympathisierende Andrea Nahles von der SPD? 


Der ganz rechts außen agierende Multimillionär Naftali Bennett, der versucht, die enttäuschten Wähler der Avigdor Liebermann Partei (ehemals Israel Beitenu, jetzt Likud Beitenu) und die russischen Einwanderer zu ködern. Seine nationalistische Partei “Habayit  Jehudi „ (Das Haus Israel) könnte bei den Wahlen die dritt stärkste Partei werden. Bis vor kurzem war Naftali Bennett enger Mitarbeiter im Büro von PM Netanyahu. Seine Unfähigkeit, mit der leicht exzentrischen Sarah Netanyahu auszukommen, gilt als einer der Gründe für seinen Weggang.

Der smarte Yair Lapid versucht mit seiner neuen Partei:  „Jesch atid“  (Es gibt eine Zukunft) die Wähler zu mobilisieren.  Helfen könnten ihm dabei seine Erfahrung und sein Bekanntheitsgrad als Journalist. Seine Bemühungen um eine hohe Zahl an Wählerstimmen konzentriert er auf soziale Netzwerke, wie facebook und twitter. Sein Parteiprogram klingt zu schön, um wahr sein zu können….

 

Ganz entsprechend den Vorschriften der Halacha  zeigt sich die rechts-konservative Shas Partei. Ich möchte mit  gar nicht vorstellen, ob auch eine Enkelin so von ihm gefeiert worden wäre. Wahrscheinlich nicht. Das geistige Oberhaupt der Partei, Rabbi Ovadia Yosef wettert  wortgewaltig gegen alle Modernisierungstendenzen, wobei auch er nicht ungeschoren davonkommt. Haim Amsalem, vor einem Jahr  auf Grund seiner moderateren Ansichten aus der Shas hinaus geworfen, hat  eine eigene Partei gegründet, die er sehr selbstbewusst in Anlehnung an seinen Namen: „Am shalem“ (Das gesamte Volk) genannt hat. Seine Meinung zu seinem ehemaligen Parteioberhaupt ist klar: “Perhaps it’s not nice to say, but it’s no secret. It’s not him anymore.”
 

Auch Tzipi Linvi, die große Verliererin von 2009 zeigt sich modernisierungswillig. Ihr neues Parteibaby heißt einfach „Hatnua“ (Die Bewegung). Nach der herben Enttäuschung der letzten Wahl hat sie sich einige unangemessene verbale Entgleisungen erlaubt und sich als beleidigte Mimose aus der Politik zurückgezogen. Aber, sie kann es  eben doch nicht lassen, und glaubt, sich wieder in die Reihe der regierungsfähigen einreihen zu müssen. Mit einem Parteiprogramm, dass sich ganz geschmeidig zu denen  der anderen neuen Parteien gesellt. Ihr Versuch, gemeinsam mit Shelly Yachimovich und Yapir Lapid eine linke Plattform zu bilden, scheiterte bereits vor den ersten Gesprächen.

Einat Wilf, die klügste Frau in der Knesset will offenbar diesmal nicht mitmachen. Liebe Leser merkt euch den Namen. Sie ist der kommende Politstar, sie weiß es nur noch nicht. Aber wir wissen es.
Und so dürfen wir alle gespannt sein, wie am späteren Dienstagabend die Sitzverteilung in der Knesset sein wird und, vielleicht noch gespannter, welche Koalition sich formieren wird.
Die aktuellen Prognosen (Smith Research) zeigen folgenden Trend:

Likud-Beteinu
33
Avoda
17
Beit Yehudi
14
Yesh Atid
12
Shas
11
Arabische Parteien
11
Hatnua
6
Meretz
6
Tora Judentum
6
Am   Shalem
3
Kadima
2



2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Wahlen ohne Qualen?

  1. Eine nette Einstimmung in die Wahlen in Israel. Danke!
    Man merkt, dass Dich das Wahlfieber schon ein bisschen gepackt hat, stimmt's?
    Ich wünsche Israel Glück!

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  2. Ich gehöre zu den ca. 75%, die schon lange wissen, wen sie wählen……..

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