Des Königs neue Kleider

B“H

Purim, das Fest, mit dem wir uns an die persische Königin Esther und ihre Rettung des jüdischen Volkes im antiken Persien erinnern, kommt näher. Wir feiern es in diesem Jahr am 23. und 24. Februar.
Mädchen werden sich als Prinzessinnen oder Königinnen verkleiden, Buben werden wohl in diesem Jahr der Hobbits Mode frönen……  Es sind die Tage, an denen auch die Kids der Ultraorthodoxen im Land für einmal ganz unbeschwert sein dürfen. Kinder sein dürfen. Nicht kleine Erwachsene.
Warum verkleiden sich Kinder (und nicht selten auch Erwachsene!) in Israel an diesem Tag? Alle  auffindbaren Erklärungen dazu sind meiner Meinung nach nur folkloristischer Natur und entbehren jeder realen Grundlage.
Hat dieses Fest irgendetwas mit dem Karneval zu tun, der in anderen Ländern meist zeitnah gefeiert wird? Dies ließe sich vielleicht in die zeitliche Nähe zum Beginn der christlichen Fastenzeit hineininterpretieren, die vierzig Tage vor Ostern beginnt und in der man als gläubiger Christ auf den Genuss von Fleisch verzichtet. Daher: „carne valis!“, was man frei mit „Verzichte auf Fleisch“ übersetzen kann. Am letzten Tag vor dem Fasten wurde noch einmal ausführlich gefeiert. Auch Purim wird mit einem Fasttag in Erinnerung an das Fasten Königs Esthers begonnen. Außer dieser Übereinstimmung gibt es ansonsten keine Gemeinsamkeiten. Schon die Abfolge des Fastens und Feierns ist umgekehrt.
Übrigens, eine Ausnahme zum 40 tägigen Fasten bilden die „Mi-carême“ Feste in Frankreich, an die ich mich aus meiner frühen Jugend in den damals französisch besetzten Gebieten Deutschlands gut erinnere.
Im vergangenen Vorfrühling machten ultraorthodoxe Männer vor allem in den überwiegend von ihnen bewohnten Gebieten, aber auch in Jerusalem wieder einmal von sich reden, als sie lautstark das Verschwinden von Frauengesichtern aus der Werbung verlangten. Nicht genug damit, sie unterstützten ihren Protest auch tatkräftig, in dem sie entsprechende Plakate beschädigten. Der in Israel bekannteste Kostümproduzent wurde dringend aufgefordert, auch Bilder von Mädchen ausProspekten, Flyern und Plakaten zu löschen – und folgte willig der Aufforderung. Nun ja, die Ultraorthodoxen stellen wohl seine stärkste Kundengruppe da!! 


Seither verhielten sie sich ruhig, um nun, wo die Tage nach dem derzeit herrschenden Dauertief mit Stürmen und starken Regenfällen irgendwann wieder frühlingshaft warm zu werden versprechen und die Kleidung aus dem winter-dauer-grau wieder Richtung Farbe wechseln wird, wieder ihre Stimme zu erheben.
Rabbi Shlomo Aviner,  ein militanter Vertreter der religiös-zionistischen Fraktion und bekennender Gegner von Frauenrechten hat wieder einmal seine Stimme wortgewaltig erhoben. Die Zielgruppe seiner Philippika sind diesmal: Mädchen ab 3 Jahren und, no na, Frauen.
So fordert er Frauen auf, die Farben: Rot, Nude, Orange, Gelb, Grün, Gold, Silber oder andere intensive, oder gar glänzende Farben zu meiden, ausschließlich undurchsichtige Strumpfhosen – mindestens 40 Denier zu tragen. Die zu verwendenden Stoffe müssen absolut blickdicht sein und dürfen nicht elastisch sein.
Die Länge der Röcke beschäftigt den „frommen Mann“ ganz besonders, er fordert die Frauen auf, auszuprobieren, wie hoch der Rocksaum nach oben rutscht, wenn sie eine Treppe benutzt, oder gar einmal auf eine Leiter steigen muss….
Honi soit qui mal y pense, ich möchte ihm ja keine voyeuristischen Züge unterstellen, aber wie genau muss er fremde (!) Frauen betrachtet haben, dass ihm sogar der winzige Zwischenraum auffiel, der sich ergibt, wenn Knopflöcher zu weit voneinander entfernt angebracht wurden, oder die Bluse beim Waschen ein wenig eingegangen ist (Blusen werden nie zu eng, sie gehen höchstens ein!). Er rät daher dringend dazu immer und überall einen Reißverschluss dem Knopf vorzuziehen.
Der Gipfel seiner Vorschläge ist, dass all diese Vorschriften auch schon für Mädchen ab 3 Jahren, spätestens aber ab dem Moment der Einschulung, also ab 7 Jahren gelten sollen.
Da hilft es auch nicht mehr, dass er abschliessend sagt:How wonderful and pleasant is the modesty of the Jewish woman.“ 
Wie aber sieht es dann mit der Bescheidenheit der männlichen Ultraorthodoxen aus?

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