Eine Reise durch Israel – und viele Fehlmeldungen dazu.

B“H

Stellt euch vor, ihr wollt von Ein Bokek am Toten Meer nach Tiberias am See Genezareth fahren.

Maps.google.com  bietet die direkte Route an, entlang des Toten Meeres und dann durch das Jordantal, 203 Km bei einer Reisezeit von 2:37. Diese Route führt durch jenes Gebiet, welches im Falle eines Friedensvertrages palästinensisch werden wird. So sah es bereits der Plan von 2008 aus, der seinerzeit von PM Olmert vorgelegt wurde. Dieser Plan sieht klar definierte Passagen für Israelis und für Palästinenser vor, von einer Zerschneidung kann also keine Rede sein.

Das WJL ist ein Gebiet, das ich derzeit meide. Ich respektiere die Grenzen, auch die geplanten, und freue mich darauf, eines Tages wieder als gerne gesehener Gast mit oder ohne Visum nach Palästina reisen zu können.
Wenige Kilometer nördlich von Ein Gedi beginnt das WJL und endet erst wieder einige Kilometer südlich von Bet Shean. Die Straße entlang des Toten Meeres führt durch ein Gebiet, dessen Zugehörigkeit erst in einem Friedensvertrag auszuhandeln sein wird, nachdem alle israelischen Vorschläge bisher von palästinensischer Seite erwartungsgemäß abgelehnt wurden.  Die Grenze windet sich entlang des Jordans, an manchen Stellen können jordanische Grenzsoldaten direkt auf Israel hinunterschauen. Und natürlich können uns auch die UNO Blauhelme beobachten, die auf dem Golan stationiert sind. Wären sie nicht da, wären es die Syrer… Die haben uns früher  täglich unter Beschuss genommen.
So, nun nehmen wir die Strecke Ein Bokek – Tiberias noch einmal in Angriff, diesmal auf rein israelischem Staatsgebiet.
Von Ein Bokek geht es steil nach oben bis Arad und von da aus via Be’er Sheva auf der zahlungspflichtigen Nr 6 nach Norden. Insgesamt sind es bis Tiberias 283 Km, für die 3:03 veranschlagt werden müssen.
Also ein Mehr von 80 Km, das entspricht 39,41% und von vom Zeitaufwand her betrachtet, einen Mehraufwand von 27,85%.Alles relativ? Klar!
Angenommen, ihr müsst die Strecke München – Hamburg fahren. Auch hier wieder frage ich maps.google.com. Die kürzeste Strecke liegt bei 791 Km, machbar in einer theoretischen Zeit von 07:03.  So, und nun das Zahlenspiel!  791 Km plus 39,41% macht bereits 1103 Km, für die ihr mindestens 9 Stunden Fahrtzeit einplanen müsst.  In einem Arbeitstag ist das nicht mehr machbar! Und warum kommt es zu diesem Umstand? Irgendwo auf der Strecke hat ein moderner Raubritter beschlossen, dass dies sein Land ist, und dass ihr einen Umweg nehmen müsst, um Zusammenstöße mit ihm zu vermeiden.
Das ist natürlich eine Sichtweise, für die es zwei Seiten gibt!
Nach der Anerkennung Palästinas als Beobachterstaat  bei der UNO hat unsere Regierung den Bau von 3.000 weiteren Wohnungen in der Siedlung Ma’ale Adumim bekanntgegeben.
Ich betone: bekannt gegeben! Nicht beschlossen, nicht aus der Wundertüte gezogen, sondern: bekannt gegeben. Zugegeben, ein diplomatischer Geniestreich war das nicht! Eher schon das „Ätsch! Ich hab dann auch noch was!“ des beleidigten Dritten.
Die Aufregung um die E1 Gebiete, die in der Nähe von Osterjerusalem liegen, liess diplomatische Wellen hochgehen, die einem alles vernichtenden Tsunami glichen.
Ob nun diverse israelische Botschafter einberufen wurden, um sich ihre Schelte abzuholen, oder ob das wieder mal nur „wishful thinking“ war, ob tatsächlich daran gedacht wurde, denen einen oder anderen Botschafter tatsächlich abzuziehen, die medialen Geiferer gaben sich genussvoll der aufgeheizten Stimmung hin. Sie freuten sich schon auf den Eklat, der beim Treffen zwischen PM Benjamin Netanjahu und Kanzlerin Angela Merkel vorprogrammiert zu sein schien.
Und dann kam nur dieses charmante Angie Lächeln: Wir stimmen überein, in dieser Frage nicht übereinzustimmen.“ 
Was genau ist der Vorwurf, der Israel trifft? Ist es (wieder mal) der Bau von Siedlungen auf angeblich palästinensischem Gebiet? Sollte sich bei einer Klage der Palästinenser vor einem der Gerichte, an denen sie ja nun Israel, dank ihres Status als Beobachterstaat anklagen können, herausstellen, dass wir das WJL und Ostjerusalem zu Unrecht besiedeln, können sie doch sicher sein, dass wir bei einem Rückzug aus dem dann ihnen zugeschlagenen Gebiet die gesamte Infrastruktur stehen lassen. Ebenso, wie anno 2005 in Gaza. Damals haben sie nach unserem Rückzug alles kurz und kleingeschlagen, Dörfer, die gesamte landwirtschaftliche Infrastruktur, kein Stein blieb auf dem anderen. Ich hoffe, sie haben aus ihren Fehlern von damals gelernt und akzeptieren unsere modernen Wohnungen als Abschiedsgeschenk.
Was ist das Besondere an M’ale Adumim, auch bekannt als E1 Gebiet oder „Iwan“?
Die Siedlung wurde  1975 auf einem Hochplateau ca. 7Km östlich von Jerusalem gegründet. Eine Siedlung entstanden auf dem Reißbrett. Es gibt keine Möglichkeit für Landwirtschaft, die Böden sind zu karg und die Felder wären viel zu steil. Ma’ale Adumim hat auf einige wenige Industrieansiedlungen gesetzt. Soda Club, heute als Soda Stream weltweit vermarktet, produziert(e) dort seine Flaschen. Nachdem  die europäischen Märkte dank des BDS Movements wegbrachen, wurde das Werk geschlossen, die Produktion ging nach China und viele Arbeitsplätze für Palästinenser gingen verloren.
Und nachdem dort auch mit viel Innovation, Kreativität und Risikowillen nichts wächst, was sich vermarkten lässt, setzt die Stadt seit Jahren auf die Erziehung und Ausbildung ab dem Kindergartenalter bis zum Universitätsabschluss
Der derzeit immer wieder zitierte Vorwurf, der Ausbau dieser aufstrebenden Siedlung würde das WJL unwiderruflich in zwei Teile teilen hält nicht stand, wenn man einmal genau hinschaut!
Extrem falsch und völlig ohne korrekte Hintergründe zeigte die Karte des Morgenmagazins der ARD (moma) die vermeintliche Trennung:

Wie schaut die Realität aus?
Zwischen dem palästinensischen El Azariah und Anata wurde eine Schnellstraße gebaut, die die unmittelbare Verbindung zwischen den angeblich zerschnittenen Nord- und Südgebieten des WJL darstellt.
Zwischen der östlichen Grenze des jüdischen Ma’ale Adumim und dem Toten Meer gibt es einen Korridor für die Palästinenser. Er entspricht mit  ca. 15 Km dem Korridor, den Israel an seiner schmalsten Stelle aufweist, zwischen Tulkarem und Netanya.

Durch dieses Nadelöhr quetschen sich täglich auf drei Nord-Süd  Highways (2, 4 und 6) all jene, die im Norden wohnen und im Großraum Tel Aviv arbeiten. Und natürlich auch jene, die versuchen, einen der park-and-ride Parkplätze entlang der Bahnstrecke zu ergattern.  Es sind Zigtausende, die diese Herausforderung täglich annehmen, nicht nur einmal, sondern zweimal.
Hat sich jemals einer der Pendler beschwert, das Land sei zweigeteilt? Man hat sich arrangiert. Und ebenso werden sich auch die Palästinenser arrangieren müssen.

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