COGAT – der israelische "Marshallplan"

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Am vergangenen Wochenende, 26. – 29.Oktober, feierte die islamische Welt ihren höchsten Feiertag, Eid al-Adha, das Opferfest.
Erinnert wird mit diesem Fest daran, dass Ibrahim  Allah seinen Sohn Ishmael opfern wollte, als dieser es von ihm verlangte. Allah sah die Bereitschaft Ibrahims und befahl ihm,  einzuhalten in seinem Tun. Voll Freude opferte Ibrahim zusammen mit Freunden einen Widder für die Bedürftigen. Nachzulesen ist dies im Koran, Sure 37, 99 -113.
In der Thora gibt es die weitaus ältere (ganz bescheiden, das Original!)  Version. Abraham wurde von Gott aufgefordert, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im Gegensatz zum islamischen Plagiat ist der Ort dieses geplanten Opfers bekannt: der Berg Morija, heute als Tempelberg in Jerusalem bekannt.
In diesem Jahr fiel das Opferfest zufällig zusammen mit dem Wochenabschnitt, in dem wir in der Thora über die Spannungen lesen, die zwischen der Mutter (Hagar) von Abrahams Erstgeborenen, Ishmael und der Mutter (Sarah) seines Zweitgeborenen, Isaak, lesen. 
Das islamische Opferfest stellt immer wieder eine Herausforderung für eine, im Ausland kaum bekannte israelische Hilfs-Organisation dar.
COGATCoordination of Government Activities in the Territories bezeichnet eine Spezialeinheit der IDF, deren Aufgabe es ist, als Vermittler zwischen der Israelischen Regierung und der Palästinensischen Autonomiebehörde  im WJL und, wenn auch infolge der Machtübernahme der Hamas stark eingeschränkt, im  Gazastreifen zu dienen. COGAT ist unmittelbar dem Verteidigungsministerium unterstellt, arbeitet aber auch eng mit den Sicherheitskräften, dem Büro des PM und den Stabsstellen der IDF zusammen.
Die Aufgaben der COGAT liegen schwerpunktmäßig in der Durchführung von humanitären Projekten, sowie bei der Unterstützung von wirtschaftlichen und naturschutztechnischen Projekten und dem Ausbau der allgemeinen Infrastruktur. Ziel ist es, die Lebensqualität der palästinensischen Bevölkerung nachhaltig zu steigern. Und ihr den Weg in einen lebensfähigen selbstständigen Staat zu ebnen.
Soweit als möglich werden auch im WJL tätige NGO Gruppen unterstützt, soweit es sich um medizinische, humanitäre, oder entwicklungstechnische Programme handelt, deren Ziele als nachhaltig bezeichnet werden können.
Wie umfangreich die organisatorischen Aufgaben vor dem Fest waren, zeigen wenige Beispiele:
·         200 Ausreisebewilligungen von Palästinensern via Ben Gurion ins Ausland
·         Einreisebewilligungen für Reisende aus Jordanien
·         Ausstellen von Visa über die gesamte Zeit des Festes
·         Erteilung von mehr als 50.000 Visa, beschränkt auf Sonntag und Montag
Im vergangenen Jahr überquerten an den Feiertagen mehr als 25.000 Palästinenser mehrfach die Checkpoints.
Neben diesen punktuellen Aufgaben gliedern sich die Aufgaben in vier Schwerpunkte:
Koordination ziviler Angelegenheiten zur Unterstützung im Alltagsleben:
·        Erstellen von Arbeitsvisa für Palästinenser in Israel (derzeit gibt es ca. 50.000 solcher Bewilligungen, von denen aber nur  34.000 genutzt werden)
·        Erstellen von Übernachtungsbewilligungen in Israel (derzeit gibt es  ca. 9000, von denen aber nur ca. 4.000 genutzt werden)
·        Arbeitsbewilligungen bei israelischen Betrieben  im WJL (derzeit knapp 25.000 palästinensische Arbeitnehmer)
·        Einreisebewilligungen für palästinensische Händler  nach Israel (derzeit knapp 19.000 von denen knapp 16.000 genutzt werden)
·         Planung des Transfers von Kranken in Krankenhäuser im WJL, Ostjerusalem und Jordanien
·         Planung und Organisation des zivilen Ex- und Imports von Gütern auf dem Landweg
·        Gemeinsam mit den Palästinensern durchgeführte Konferenzen und Weiterbildungsseminare  zu Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses
·       Unterstützung jener Bauern, die durch den Sicherheitszaun in ihrer Bewegungsfreiheit eingeengt sind. Nach entsprechender Bedarfsabklärung werden spezielle Durchgänge eingerichtet, die es den Bauern ermöglichen, ihr Land zu bebauen.
Koordination sicherheitstechnischer Belange:
Dieser Bereich ist nur im WJL aktiv, in Gaza wurde er 2007, nach der Machtübernahme der Hamas, sistiert.
Hier geht es darum, in enger Zusammenarbeit mit den palästinensischen Sicherheitskräften
1.    Die öffentlichen Sicherheit aufrecht zu erhalten
2.    Bei gegenseitigen Übergriffen deeskalierend einzugreifen
3.    Präventive Maßnahmen zu setzen, um Gewaltanwendungen zu minimieren
Außen Beziehungen und  internationale Organisationen
Wie schon an anderer Stelle berichtet, ist die Dichte an internationalen Hilfsorganisationen, offizieller und offiziöser Natur weltweit kaum so hoch, wie im WJL und in Gaza, akkreditiert sind derzeit 200 solcher Organisationen, die Zahl der nicht offiziell angemeldeten NGOs ist weitaus höher.
Drei grundsätzliche Ziele werden von offiziell bekannten Organisationen verfolgt:
·        Finanzielle Unterstützung der palästinensischen Behörden (PA) für Budgetleistungen
·        Unterstützung im Aufbau und Verstärkung der Eigenverantwortung
·        Unterstützung von humanitären und infrastrukturellen Projekten
COGAT übernimmt in diesem Segment ausschließlich die Rolle des Kommunikationspartners zwischen den Organen der PA und den Hilfsorganisationen.
Infrastruktur
Dieser wahrscheinlich sensibelste Bereich ist möglicherweise auch  der, der am ehesten in die Medien gerät, ohne zu erklären,  auf welcher Basis Israel scheinbar grundlos reagiert
Hier geht es um alle Fragen bezüglich
·         Bauwesen
·         Trinkwasserbrunnen
·         Aufbereitung von Abwässern
·         Abfallentsorgung
·         Stromversorgung
·         Registrierung von Landansprüchen
·         Baubewilligungen
·         Naturreservate
·         …..
Über die einzelnen Projekte zu schreiben, sprengt den Rahmen. Wer interessiert ist, kann hier darüber lesen:
Für mich ist das ganz klar: Hilfe zur Selbsthilfe. Wie vor vielen Jahren der Marshallplan, der Europa nach dem Krieg auf die Beine half.
Mit einem großen Unterschied:  als der Marshallplan beschlossen wurde, lag Europa am Boden.  Ausgelaugt durch den Krieg. Das Vereinigte Königreich bekam den größten Teil,  gefolgt von Frankreich und Deutschland.
Die Zuteilung schien falsch: Deutschland als Kriegstreiber – und Kriegsverlierer – stand auf dem dritten Platz der Empfängerstaaten….
Die Aufteilung hat sich als gut erwiesen –  sie ist Geschichte.
COGAT wird ihren Weg gehen, bezogen auf die neue Zeit, bezogen auf neue Ansprüche.
 


2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “COGAT – der israelische "Marshallplan"

  1. Anonym

    Ja dieser Marshallplan,genau er ist es das Privileg einer Siegermacht.
    Tarahu

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  2. Tarahu, ja du hast Recht, was den Marshallplan nach dem zweiten Weltkrieg angeht, da war er das Privilieg einer Siegermacht.
    Aber ich hoffe, dass es am Ende unseres langen Weges nicht einen Besiegten und einen Sieger geben wird.
    Sondern, dass Palästina schon als ein Staat entstehen wird, der lebensfähig und autonom sein wird!

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