Was blieb vom arabischen Frühling übrig?

ב“ה
 
 
 
Was am 17. Dezember 2010 in Tunesien mit der tragischen Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi begann und bis heute künstlich am Leben erhalten wird, wird unter dem Namen „Arabischer Frühling“ in die Geschichte eingehen.
 
Frühling, dem Wort haftet doch Hoffnung auf Erneuerung an?  Eine Hoffnung,  dass nach einer Zeit der Dunkelheit und Kälte wieder Helligkeit und Wärme kommen wird. In der Natur bleibt es nicht nur bei der Hoffnung,  es herrscht Gewissheit darüber. Nicht über den Zeitpunkt, aber über das Eintreffen.
 
Von Tunesien ausgehend erreichten die meist mehrheitlich gewaltsamen Aktionen fast alle Staaten Nordafrikas,  die arabische Halbinsel, Syrien, Jordanien, Irak und den nichtarabischen Iran.
 
Knapp zwei Jahre später die traurige Bilanz:
 
Tunesien,  der Staat wo die Aufstände unter dem Namen „Jasminrevolution“ ihren Anfang nahmen, hat bis heute keine neue, stabile Regierung.  Nachdem der ehemalige Diktator, Zine el-Abidine Ben Ali im Januar 2011 nach Saudi Arabien floh, versprach die EU, den Staat beim Aufbau einer starken Demokratie zu helfen. Sämtliche in der EU angelegten Gelder der Familie Ben Ali wurden eingefroren. Nachdem sich Ben Ali und seine Familie den tunesischen Gerichten entzogen, wurden sie in absentia zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Allerdings sind noch nicht alle Anklagepunkte verhandelt worden.
 
Der derzeitige Regierungschef, im Zivilberuf Ingenieur im Bereich Photovoltaik, Hamadi Jebali  ist Vorsitzender der Ennahda, der islamischen Partei Tunesiens. Diese Partei war unter Ben Ali verboten, zahlreiche Mitglieder verschwanden in den Gefängnissen des Landes.
 
Nach der Revolution erlebte die Partei einen ungeheuren Aufschwung. Ob sie sich in Zukunft, wie gerne proklamiert, moderat und modern präsentieren wird, oder ob sich sie eher an den Worten Jebalis orientiert, wird die nahe Zukunft zeigen. Bei einer Versammlungim vergangenen November, an der auch Abgeordnete der Hamas teilnahmen (!), schwärmte Jebali von „einem göttlichen Moment in einem neuen Staat sowiehoffentlich in einem sechsten Kalifat“ und träumte davon, „die Befreiung Tunesiens mit dem Willen Gottes die Befreiung Jerusalems mitbringen werde.“
 
Tunesien lebt vom Tourismus, die Strände am Mittelmeer sind ganzjährig beliebtes Ziel ausländischer Gäste, die sich in 4* und 5* Hotels verwöhnen lassen.  2010 waren es 7.000.000, im Jahr darauf nur noch  4.500.000.
 
 
Ägypten hat sich des langjährigen Despoten Husni Mubarak entledigt. Ob er für sein Volk gut war oder nicht, es steht mir nicht zu, darüber zu entscheiden. Mubarak wurde im Juni 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt. Unter seinem Regime war es ruhig in Ägypten, keine Kriege mehr mit Israel, die Wirtschaft, vor allem der Tourismus boomte. Nachdem der  1967 zum zweiten Mal von Israel eroberte und 1982 endgültig an Ägypten zurückgegebene Sinai sich rund um das Rote Meer als Tourismusmagnet erwies, stieg die Zahl der Übernachtungen rapide an.  Im Jahr 2010 verzeichnete Ägypten  14.700.00 Anreisen ausländischer Touristen, im Jahr 2011 ging diese Zahl auf 9.840.000 zurück.
 
Bei den ersten „freien und demokratischen“ Wahlen gelangte Islamist Mohammed Mursi, der in den USA studierte, an die Regierung.  Nach 100 Tagen Regentschaft, bezeichnete  er es als „größte Verfehlung“, dass es noch nicht gelungen sei,  die Bevölkerung ausreichend mit Butangas Flaschen zu versorgen und als „größte Errungenschaft“  die Erhöhung der Sicherheit. Mubarak sah sich dem 1979 mit Israel  geschlossenem Friedensvertrag  absolut verpflichtet und hat wirtschaftlich und außenpolitisch profitiert. Wie weit Mursis Zusicherung, am Friedensvertrag mit Israel festzuhalten,  Glauben geschenkt werden kann, bleibt noch abzuwarten.
 
Die Lage an der israelisch-ägyptischen Grenze ist heute angespannter und gefährlicher, als seit Jahren. Es gab Überfällen, Terrorakte, Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Sehen so Sicherheit und Frieden aus?
 
Libyen hätte es nach dem Eingreifen der Nato und dem Tod von Muammar al-Gaddafi, der das Land seit 1969 unter der Knute hielt, verdient, endlich zur Ruhe zu kommen.  Jedoch hat sich an der menschrechtlichen Situation im Land nicht viel geändert. Wie instabil das Land immer noch ist, zeigte zuletzt die perfekt auf den 11.September geplante Ermordung des amerikanischen Botschafters in Bengasi. Diese wird zwar nicht, wie zunächst versucht wurde  zu verbreiten, aufgebrachten Islamisten zugeordnet, die gegen das Mohammed Video protestierten. Heute sieht man die Hintergründe bei Terroristen der Al-Quaida, die Ort und Datum geschickt für ihren Anschlag wählten.
Trotz der jahrzehntelangen Diktatur entwickelte sich Libyen zu einem Staat, der den Schritt in die Moderne schaffen kann: ein entwickeltes Bildungs- und Sozialsystem legen den Grundstein für eine moderne und gesunde Gesellschaft. Unter der Voraussetzung, die verfeindeten Clans, die immer noch hoch angesehen sind, zu befrieden.
 
Syrien versinkt seit Beginn der Aufstände rapide ins Chaos. Präsident Baschar al-Assad, der in Europa erzogene Augenarzt, der eigentlich nie Politiker werden sollte, sah sich nach dem Tod seines Bruders in die Rolle des Nachfolgers seines Vaters gedrängt. Und wie so viele Söhne, die im inneren Konflikt mit der Vaterfigur leben, will er offensichtlich alles besser, alles effizienter machen, als dieser.  So werden tagtäglich überschwemmt mit zunehmenden Horrormeldungen über Massaker, Angriffe, Vernichtungen von Kulturgütern.
 
Aus einem zunächst regional beschränkten, religiös bedingten Konflikt ist längst ein Bürgerkrieg, schlimmer noch, ein Krieg gegen die eigenen Bürger geworden.  
 
Neben zehntausenden Opfern, zumeist Frauen, Kinder und Alte, sind hunderttausende Flüchtlinge zu beklagen, die sich vorwiegend in die Türkei gerettet haben. Nur um dort wieder Opfer der eigenen Regierungstruppen zu werden, die die Grenze zwischen Syrien und der Türkei nicht mehr respektiert und Flüchtlingslager beschießt.
 
Aus der syrischen Revolution wurde ein Flächenbrand, der Einsatz von Chemiewaffen kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Noch kann sich Syrien seines liebsten Freundes Iran sicher sein, aber was ist, wenn Assad sich eingestehen muss, dass seine Tage gezählt sind? Wenn er zu Massenvernichtungswaffen greift? Dass dies die „rote Linie“ für den Iran ein wird, sagte Irans Außenminister in einem Interview im Spiegel.Auch Saddam hat aus purer Rachsucht Israel mit Raketen beschossen.
 
Syrien verfügt(e) über Weltkulturgüter, wie z.B. den Markt von Aleppo. Im Jahr 2010 reisten noch 10.969.000 Gäste an, um ihn und andere, wunderschöne  Orte zu besichtigen.  Die letzten angeblichen Touristen, sogenannte „Pilger“ aus dem Iran befinden sich seit Anfang August in den Händen der Rebellen. Ihnen droht die Todesstrafe. Der ehemals mehr als 50 Personen umfassenden Gruppe wird von den Rebellen vorgeworfen, vom Iran eingeschleuste Elitesoldatenzu sein.
 
Andere Staatsüberhäupter schafften es, sich den Forderungen der zu Recht aufgebrachten Bürger zu stellen, und mehr oder weniger umfassende Veränderungen zu erlauben.
 
Leider muss man aber festhalten, dass all die mutigen Menschen, die sich für eine Befreiung ihrer Staaten eingesetzt haben, die physische und psychische Verletzungen in Kauf nahmen, enttäuscht wurden.  Sie haben Vieles verloren und im Gegenwert fast nichts erhalten.
 
Israel und die palästinensischen Gebiete wurden vom „arabischen Frühling“ nicht unmittelbar erreicht. Zur Vervollständigung auch hier noch die Zahl der ankommenden Touristen:
 
Palästina:                                                           Israel:                                  
 
2008 387.000                                                     2008 2.568.000
2009 395.000                                                     2009 2.321.000
2010 522.000                                                     2010 2.803.000
2011 450.000                                                     2011 3.318.000
2012  235.000 bis Juni                                    2012  1.685.000 bis Juli
 
Und diese Zahlen sprechen doch für sich…..


Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s