Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigal.

B“H
Vor einigen Tagen konnte man in der beliebten TV Sendung „Rundschau“ im Schweizer Fernsehen ein Interview mit dem ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor sehen.
Avi Primor nimmt politisch und gesellschaftlich selten ein Blatt vor den Mund und ist kein Opportunist.
Als der israelische Innenminister Eli Yishai ein Einreiseverbot gegen Günter Grass  verhängte, nannte er diese Maßnahme: „…übertrieben, ein bisschen hysterisch oder populistisch – auf jeden Fall nicht gerechtfertigt“ Gleichwohl erkannte Avi Primor: „Günter Grass versteht nicht, um was es geht.“ Israel würde den Iran niemals mit Atomwaffen angreifen. Grass‘ Behauptung, Israel wolle den Iran auslöschen, sei lächerlich, da der Iran schließlich fast hundertmal größer als Israel sei. Sein Land, Israel, sei der einzige Staat, der offen mit Vernichtung bedroht wird.
1935 in Tel Aviv geboren, engagierte sich Primor bereits in, für diplomatische Kreise sehr jungen Jahren, für den israelisch-arabischen Friedensprozess unmittelbar nach dem Yom Kippur Krieg (1973) in Genf. Ab 1987 war er Botschafter Israels bei der EG, zwischen 1993 und 1997 Botschafter in Deutschland. Als Ziel seiner Zeit in Bonn und Berlin sah er eine Stärkung der deutsch-israelischen Beziehungen an, dank ihm wurden 1994 die Wirtschaftsbeziehungen Israels zur EU an die der EU zur Schweiz angepasst.
Heute ist Primor Vizepräsident der Uni Tel Aviv, leitet an der Privatuniversität in Herzlyia  das dort ansässige trilaterale Zentrum für Europäische Studien, das sozusagen sein Baby ist. Das interdisziplinäre Zentrum arbeitet eng mit einer jordanischen und einer palästinensischen Universität zusammen.
Was hat er uns zum Thema Iran-Israel (stark gekürzt und sprachlich redigiert) zu sagen und welche ganz anders lautenden Aussagen zum gleichen Thema hören wir von der anderen Seite?
SchweizerFernsehen: „Akbar Etemad sagt, der Westen dränge den Iran dazu, eine Atombombe zu bauen, Israel hat sie längst, mit dem Argument der Selbstverteidigung. Warum, frage ich Sie Herr Primor, soll der Iran das Recht denn nicht haben?“
AviPrimor: „Eigentlich würde ich sagen, der Iran hat das Recht, genauso wie andere Länder. Hätte der Iran eine normale Regierung, ein normales Regime. Aber wenn der Iran ein Regime hat, wie er es hat, von Fundamentalisten, von Fanatikern, von Leuten, die uns immer wieder, mindestens einmal die Woche mit Vernichtung bedrohen, oder uns Vernichtung versprechen, dann müssen wir das natürlich ganz anders betrachten. Wir können nicht den Iran betrachten, so wie wir z.B. Indien betrachten. Weil der Iran ein Land ist, das seine Nachbarn bedroht, das eigentlich auch die Welt bedroht. Ich habe Herrn Westerwelle, den deutschen Außenminister gehört, der sagte „es geht nicht um Israel, es geht um die Welt, es geht um Europa.“ Also, wenn die (die Iraner) alle bedrohen und dazu Atomwaffen brauchen, sind wir natürlich besorgt!“
SF: „Aber dann muss ich trotzdem Sie fragen, Herr Primor, sind Sie soweit einverstanden mit mir, dass es keine Beweise gibt, dass die Iraner diese Bombe wirklich bauen?“
AP: „Es gibt so viele Beweise, alle Geheimdienste stimmen überein, von den Amerikanern, den Europäern, den Israelis und anderen: natürlich strebt der Iran eine Bombe an! Warum sollte es sonst überhaupt eine Sorge geben?“
SF: „Die Geheimdienste interpretieren diese Berichte auch anders. Kann man sagen, was aber sicher real ist, ist diese Angst vor einem Krieg zwischen Israel und dem Iran. Wird Israel aus Ihrer Sicht Ernst damit machen, die Atomanlagen im Iran zu zerstören?“
AP: „Ich glaube nicht, dass Israel das allein machen wird. Aber ich glaube schon, dass Israel die Welt davon überzeugt hat, nicht nur Israel, aber auch Israel, die Welt davon überzeugt hat, dass Atomwaffen in den Händen der Ajatollahs, nicht des Irans, sondern der Ajatollahs, eine Gefahr für uns alle sind. Für die arabischen Nachbarn des Irans – die sind eigentlich das echte Ziel des Irans – für Israel, für den Westen, für die Weltwirtschaft, das heißt, auch für die Schweiz. Und in Folge dessen glauben wir, dass wir nicht alleine diese Gefahr bekämpfen sollen, in Grenzen halten sollen, sondern vor allem sollen es die Amerikaner, die amerikanische Regierung in die Hand nehmen. Aber die ganze Welt muss mitmachen.“
SF: „Sie sagen zu Recht, Sie können es nicht alleine machen….die USA werden sich aber sicher nicht in dies hineinsteigern, dass sie sich vor dem 6. November, vor den Wahlen, an einem Krieg beteiligen würden. Auf wen hofft denn Israel? Auf Mitt Romney, der schon längst gesagt hat, er stehe bereit, um mit Israel sozusagen in die Schlacht zu ziehen?“
AP: „Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied machen wird zwischen Romney und Obama. Es geht um die amerikanischen Interessen. Es geht um die Interessen der Verbündeten Amerikas, z.B. Saudi Arabien, die Golfstaaten, und nicht nur die. Das ist alles ein Weltinteresse, also wer auch am immer an der Spitze der amerikanischen Regierung steht, wird das genau so sehen, wie Obama heute. Davon gehen wir aus. Die große Gefahr meines Erachtens ist diese verbale Eskalation, die wir überall hören. Weil wir ja wissen, das Kriege manchmal ausbrechen, ohne dass jemand sie wirklich haben will. Man rutscht manches Mal rein und das ist tatsächlich eine Gefahr, die ich fürchte.“
SF: „Sie haben ja auch mitbekommen, dass PM Netanyahu von einem Krieg in 30 Tagen mit 500 Todesopfern spricht, das dünkt mich ein wenig salopp. Nahostexperten wie Michael Lüders entwerfen das Szenario eines dritten Weltkrieges, teilen Sie diese Angst?“
AP: „Naja, wissen Sie, Politiker sagen ja viele Dinge, manches Mal sind sie auch  populistisch, manches Mal denken sie auch an die Innenpolitik. Aber im Grunde genommen kann ich Ihnen eines sagen: der Krieg wird in Israel echt gefürchtet. Echt gefürchtet. Kein Mensch macht sich Illusionen, dass einen Angriff gegen den Iran uns nicht treffen wird. Es wird uns sehr teuer kosten, das wissen wir alle. Es wird aber nicht nur uns sehr teuer kosten, die Weltwirtschaft wird darunter leiden, und vor allem auch die Nachbarn, die unmittelbaren Nachbarn des Irans. Die Frage ist nur, wenn man es nicht macht, wird es nicht noch schlimmer sein? Wird die Gefahr für uns nicht noch grösser sein? Es geht ja um Überleben, es geht um eine Vernichtungsgefahr. Zeigen Sie mir noch ein einziges Land auf  Erden, das mit Vernichtung bedroht wird! Gibt’s nicht! Israel ist alleine in dieser Situation. Also haben wir die größte Verantwortung! Allerdings wiederhole ich, ich glaube nicht, dass wir es alleine machen sollen, ich glaube nicht, dass wir es jetzt machen sollen, ich glaube, dass die Führung in den Händen der Amerikaner bleiben soll.“
SF: „Trotzdem gibt es Stimmen, wie der Ex Mossad Chef Meir Dagan, der gesagt hat: so ein Angriff sei das Blödeste, was man machen kann.“
SF bezieht sich hierbei auf ein Interview, welches Meir Daganvor wenigen Monaten CBS „60 Minutes“ gab. Seiner Ansicht nach kann man mit einem Angriff auf den Iran noch mindestens drei Jahre warten. Selbst nicht gerade für zögerliches Verhalten im Angriffsfall  bekannt, warnt er, dass ein Angriff auf den Iran einen flächendeckenden Krieg verursachen könnte, und ergänzt: „Man weiß wie Kriege beginnen, aber nie, wie sie enden.“ Im Gegensatz zu Primor sieht er in der iranischen Regierung keine Gefährdung „Das Regime im Iran ist ein sehr rational (handelndes).“ und verurteilt die Falken, die behaupten, Teheran sei regiert von Klerikern und Verrückten, die ihre eigene Existenz gefährden (würden) um Israel auszulöschen.
Und so tönt es bei Dr. Akbar Etemad[1], der die Verantwortung für das gesamte Atomwaffenprogramm einfach an den Westen abschiebt. Für einen Mann von solch großer Wichtigkeit – immerhin bezeichnet er sich als den Mann, der für das heutige know how in Sachen Atom die Basis gelegt hat –  klingt Etemad in seinem Interview fast eingeschüchtert.
Auf die Frage: „Was denken Sie eigentlich über dieses Mullah-Regime?“ kommt die vielsagende Antwort: „Das geht mich nichts an….. ich mische mich da nicht ein.“           
In Übereinstimmung mit Primor und im Gegensatz zu Dagan gibt er aber zu: „Natürlich, die Leute, welche das Land regieren, machen den Leuten Probleme.“
Den Vorwurf, der Iran wolle eine Atombombe bauen, wischt er vom Tisch: „Aber es stimmt nicht, dass der Iran das tut….. Es gibt diesen Verdacht gegenüber dem Iran, aber das ist nur ein Verdacht….Wir machten nie Bombenvorbereitungen in der Vergangenheit… Leider muss ich ihnen ganz ehrlich sagen: Heute hat der Iran keinen Plan, eine Bombe zu bauen, aber wenn der Druck von den westlichen Ländern weiter anhält, dann drängen sie den Iran regelrecht dazu, Nuklearwaffen zu bauen…. Ich finde, sie (der Iran) haben dann das Recht dazu.“
Aha, der Westen ist also der böse Bube!
Etemad sagt weiterhin im Interview, dass es dem Westen gar nicht um Nukleartechnik ginge, aber um was denn dann?
„Das Problem heute ist doch, dass der Iran heute eine Position vertritt, die der Westen nicht akzeptieren kann… Ich sehe überhaupt keine Lösung in der jetzigen Situation…Ich glaube, Israel und USA schaffen es nicht, den Iran anzugreifen. Tun sie es trotzdem, würde das den ganzen Nahen Osten derart in Aufruhr versetzen, dass sich dies am Schluss gegen sie selber richten würde.“
Womit wir dann eben doch wieder beim Flächenbrand, nicht nur im Nahen Osten wären!
Um nicht in den Verdacht der absichtlichen falschen Übersetzung zu kommen, lasse ich den Poly-terror-o-logen auf seiner eigenen Homepage zu Wort kommen:
Dr. Ahmadinejad stated that the time will come when divine ideals of humans are realized and the rule of monotheism and justice will be established all over the globe.
He said the banner of monotheism and justice would be hoisted and at that time there would be no sign of bullies and Zionists and of tyranny, injustice and humiliation of human beings. President Ahmadinejad said that the arrogant powers should know that their insistence on adventurism, violation of nations’ rights, injustice and aggression would not save them, rather putting them on the downfall as their time is over. President emphasized that “the great nation of Iran” has no doubt about constructing the country and materializing its basic rights.
Hier prallen sie aufeinander: Okzident und Orient, ein hochgebildeter, lebenserfahrener Humanist, der tief in der Geschichte seines Volkes verwurzelt ist auf der einen Seite und ein verblendeter, technokratischer Terrorist und Mörder, der in der Welt der obskuren Mythen lebt und sein Handeln durch diese rechtfertigt, auf der anderen Seite.


[1] Dr. Akbar Etemad wird auch als Vater des iranischen Atom Programmes angesehen. 1963 graduierte er an der Universität Lausanne und wurde Chef der Forschungsgruppe am Institut für Nukelare Abschirmung am Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung in Würenlingen/CH. Sein Spezialgebiet war Neutronenphysik. 1965 ging er nach Teheran zurück und gründete 1974 die Iranische Atomenergie Organisation. (link Wikipedia, iranisches Atomprogramm) Nach dem Sturz des Schahs verließ er erneut den Iran, um 2001 wieder zurück zu kommen.

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