Musik, Widerstand und Völkerverbindung

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Was haben  Musik, Widerstand und Völkerverbindung miteinander zu tun?
Musik kann die Aufgabe übernehmen, einen Kontrapunkt zu setzen, in den Widerstand zu einer ansonsten unhaltbaren Situation zu gehen. Ein Lebenszeichen zu setzen,  sich zu behaupten.
Musik kann zu Propagandazwecken missbraucht werden. Dies geschah intensiv und geplant zur Zeit des Naziregimes. „Entartete Nigger Musik“ sowie Musik jüdischer Komponisten waren die ersten Ziele des Nazi Boykotts
Es ist bezeichnend, dass unterdrückte Menschen, ja ganze Ethnien sich oft sehr stark auszudrücken gelernt haben. Die „Negro Spirituals“ (nein, das ist nicht rassistisch, das ist die korrekte Bezeichnung für diese Musikgattung) gelten als Vorläufer der bekannten Gospels. Nicht nur dank Sister Act mit der unschlagbaren Whoopie  Goldberg  gelangten die Gospels zu einem ungeheuren Revival!  Und, das berühmte Lied „Die Gedanken sind frei“.
Die Nachricht versteht jeder! „Wir leiden, es geht uns schlecht. Aber unsere Musik hilft uns, zu überleben.“
Wir Juden haben im Laufe der Jahrtausende immer wieder Situationen erdulden müssen, in denen wir unsere Hoffnungslosigkeit, aber auch unsere Hoffnung, zu überleben nur mehr in Töne fließen lassen  konnten.
Zur Zeit der Shoa wurde die Musik von den Nazis instrumentalisiert: Goebbels (der sogar so weit ging, fünf seiner Kinder in einem Film über die Euthanasie an Behinderten auftreten zu lassen) förderte die Musik in den Vernichtungslagern. Die Orchester waren Teil der Propaganda, dienten den SS-Schergen und ihren Familien zur Unterhaltung und Entspannung. Dass sie morgens und abends die aus- und wieder einrückenden Gefangenen bis zum Lagertor begleiten mussten, kann nur als Ausdruck größtmöglicher Menschenverachtung verstanden werden!
Brundibar wurde im Jahr 1938 komponiert und  55 Mal im KZ Theresienstadt aufgeführt, bei keiner Aufführung waren die Sänger die gleichen. Keines der Kinder entging der Deportation und den Gaskammern, obwohl Theresienstadt als „Vorzeigeprojekt“ der Nazis galt, und die Kinderoper der Propaganda diente.
Das Moorsoldatenlied wurde erstmals 1933 (!) im KZ Börgermoor aufgeführt.

Die Gefangenen waren hauptsächlich politische Gegner des Nazi Regimes. Einer der Sänger, Ernst Busch, schloss sich den internationalen Brigaden gegen Franco an, denen auch 300 Juden aus dem britischen Mandatsgebiet angehörten. Auf diesem Weg wurde das Lied international bekannt.
Daniel Barenboim, zweifelsfrei ein begnadeter Pianist und Dirigent, sieht Friedensarbeit als eines seiner Lebenswerke an und gründete 1999 das West-Eastern Divan Orchestra. Dieses Orchester wird gebildet von Musikern zwischen 14 und 25 Jahren, die aus levantinischen Ländern, sowie aus Andalusien kommen. Sie treffen sich für eine intensive Übungs- und Auftrittsphase einmal im Jahr für einige Wochen in Sevilla. Die Liste der Ehrungen, die Barenboim für seinen misslungenen Versuch, friedensschaffend zu wirken, erhalten hat, ist lang; den Anfang machte die Ehrendoktorwürde der Hebrew University Jerusalem. Der Höhepunkt aller Ehrungen ist möglicherweise die  Verleihung der Ehrenstaatsbürgerschaft des (noch nicht existierenden) Staates Palästina im Jahr 2008. Zum Eklat kam es, als ihm 2004 der Wolf Preis für Kunst in Jerusalem  verliehen wurde. In der Begründung für die Wahl Barenboims hieß es, er sei „..eine Person mit tiefem musischen und humanitären Engagement, die sich als einer der großen Musiker unserer Zeit ausgezeichnet hat.“ Der Preis wird vergeben für „Verdienste zum Wohle der Menschheit und freundschaftliche Beziehungen unter den Völkern“.Barenboim gab in einem Interview vor der Zeremonie ein Statement ab, das ihn genau dafür disqualifiziert. „Ich sehe die Siedlungen als ein Krebsgeschwür, das den ganzen Prozess befällt (an). Wir haben dort nichts zu suchen.“ und attackierte den Staat Israel in seiner anschließenden „Dankesrede“. Dies tat er so perfide, dass man gut hinhören musste, um diese Kritik, die sich um Zitate aus der Unabhängigkeitserklärung rankten und sich als, wie er selber sagte: „rhetorische Fragen“ präsentierten, zu erkennen. Menahem Alexenberg von der Wolf Foundation und Jurymitglied brachte es auf den Punkt: “Die Vorstellung, dass man die politische Situation hier völlig ignorieren kann, dass man meint, man könne Frieden schließen mit Menschen, die dir täglich nach dem Leben trachten, die dich töten wollen, das geht nicht, mit solchen Menschen führt man Krieg. Die Arabische Nation, die islamische Welt wollen Israel als einen freien, unabhängigen Staat zerstören. Und er unterstützt diesen Prozess!“ 

Oh ja, Barenboim liebt Israel, dessen Staatsbürgerschaft er hat. Er spielte 2001 Wagner hier und wunderte sich, dafür heftig kritisiert zu werden. Dabei beschreibt er auf seiner Homepage ausführlich die Gründe, die bis heute zur fast völligen Ablehnung Wagners in Israel geführt haben. Und versucht selbstverständlich, diese klein zu reden. „Zu den nationalistischen Bewegungen im Europa des späten 19. Jahrhunderts gehörte ganz selbstverständlich ein gesundes Maß an Antisemitismus.“ Das Resultat war dann der Holocaust. Und heute gehört es zum guten Ton von durchaus vergleichbaren Strömungen in der islamischen Welt, Juden zu töten und Israel von der Landkarte zu entfernen!

Und nun noch dies! In der aktuellen Printausgabe des „Spiegel“ 25/2012 gibt es ein unsägliches Interview mit Barenboim unter dem Titel „Wir brauchen einen Psychiater!“  Wen meint er mit „wir“? Er und die Palästinenser, oder er und die Wagnerianer, oder gar er und die Juden- und Israelhasser?
Zu Wagners Musik sagt er: „Seine Musik ist sehr emotional, und gleichzeitig hat Wagner eine außerordentliche Kontrolle über die Wirkung, die er erzielt. Deshalb hat Wagners Musik auch etwas Manipulatives – womit ich nicht sagen will, dass sie nicht ehrlich sei. Ich glaube, sie ist von geradezu totaler Ehrlichkeit, aber sie ist eben auch manipulativ“.
Zur Frage des arabischen Hasses auf Israel fallen ihm folgende Worte ein: „Ich bin nicht blauäugig. Ich weiß sehr gut, dass es keinen Araber, keinen Muslim auf der Welt gibt, der sagen würde: Es muss einen jüdischen Staat im Nahen Osten geben.“
Auch in der Frage der Lösbarkeit des Konfliktes hat Barenboim klare Ideen und beweist seine hellseherischen Fähigkeiten: „In Wahrheit weiß doch jeder, was am Ende dieser Geschichte steht: der Rückzug Israels auf die Grenzen von 1967 und eine praktikable Lösung der Jerusalem-, der Grenz- und der Rückkehrerfrage.“ Und: „Wir brauchen kein Nahost-Quartett aus Uno, Russen, Europäern und Amerikanern. Wir brauchen einen Psychiater.“
Noch einen drauf setzt er in der Frage zu den Delphin U-Booten: „Ich kann nur sagen: Wagner verbieten und gleichzeitig deutsche U-Boote kaufen, das ist doch absurd. Deutschland hat sich beispielhaft mit seiner Vergangenheit auseinander gesetzt. Nur deshalb kann ich als Jude überhaupt in Deutschland leben.“
Schade, dieser begnadete Künstler hat seine besten intellektuellen Tage offensichtlich hinter sich, es gibt keine Grenzen von 1967, es gibt eine Waffenstillstandslinie, auch Barenboim muss das anerkennen. Barenboim hat sich zu einem verblendeten ältlichen Herrn gewandelt, der zwar nicht mit letzter Tinte schreibt, stattdessen aber zum Wanderer zwischen den Welten wird, der nirgends Ruhe finden kann. Warum tut er das? Gehört er zu den selbsthassenden Juden? Dann braucht er, Barenboim,  einen Psychiater.
Dieses Spiegel Interview reflektiert antizipierte Ergebnisse. Für eine sachliche Diskussion ist es wertlos.
Hier mein Leserbrief an den Spiegel
Ich finde es völlig unangebracht,  Daniel Barenboim im Spiegel eine Plattform zu geben, von der aus er seine einerseits Israel-hassenden und  andererseits  Palästina-liebenden Ansichten verbreiten kann.  Barenboim, der geniale Künstler,  der so viele Chancen hatte, allein mit der Wahl seiner Musikstücke zum Botschafter des Friedens zu werden, hat diese Chancen nicht genutzt. Im Gegenteil, er hat neue Gräben gezogen. Und mehr, er hat sich im Laufe der Jahre zum Israelprügler par excellence gewandelt.  Nicht nur, dass er  2004 unseren Staat anlässlich einer Preisverleihung in inakzeptabler Weise attackierte, nein, auch in diesem aktuellen Interview zeigt er Fahne, allerdings mit grotesken  geschichtlichen  Wissenslücken, besonders in einem Punkt. Es gibt keine Grenzen von 1967, es gibt nur Waffenstillstandslinien! Barenboim  reklamiert für sich, das Ergebnis des Friedensprozesses zu kennen, daher stellt diese „kleine“ historische Ungenauigkeit für ihn kein Problem dar.

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