BDS = boycotts, divestments and sanctions (Boykott, Investitionsentzug und Strafmassnahmen) – Kann auch verstanden werden als: Beware (of) deep sorrow: Nimm dich in Acht vor großem Kummer!

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Seit geraumer Zeit mäandert eine Bewegung durch die Medien, die fast täglich neue Nahrung durch die unermüdlichen Recherchen von Gutmenschen und nützlichen Idioten erhält. Die Rede ist vom BDS Movement, das sich nicht nur die wirtschaftliche  Zerstörung Israels auf seine Fahne geschrieben hat:
BDS ruft seit 2005 dazu auf, Maßnahmen gegen Israel durchzusetzen,  solange sich Israel nicht den exzessiven und nicht gerechtfertigten palästinensischen Ansprüchen beugt. Gleichzeitig  reklamiert BDS für sich, eine schnell wachsende, weltweite Mehrheit gegen die von ihnen proklamierte Israelische Apartheidpolitik zu rekrutieren.
Der Boykott verläuft auf mehreren Schienen:
Kulturboykott
Vor Kurzem wurde eine Aufführung des Habima Theaters in London gestört, als es im Rahmen des „Globe to Globe Shakespeare Festival“ den „Kaufmann von Venedig“ aufführte. Was war der Grund der Störung? Es gibt in der renommierten Theatercompany Mitglieder, die auch in den sogenannten besetzten Gebieten an Aufführungen teilgenommen haben. Im vergangen  September wurde ein Konzert des Israel Philharmonic Orchestra in London durch Protestkundgebungen unterbrochen, nachdem die BBC sich geweigert hatte, Aufrufen des BDS zur Absage des Konzertes nach zu kommen. Auch die Veranstaltung „Culturescapes Israel 2011“, die im letzten Herbst in Basel stattfand, wurde zur Zielscheibe des Protestes. Der Aufmacher der Presseaussendung „Nein zur Instrumentalisierung von Kultur zu Propagandazwecken“ ist ein Widerspruch in sich, da doch BDS genau das macht, was es Israel vorwirft zu tun!
Akademischer Boykott
Man war sich auch nicht zu blöd, die ITB Berlin 2011 zu einer Plattform des Boykotts zu machen. So ist in einem offenen Brief  als Überschrift zu lesen: „EMPÖRT EUCH! – KEIN TOURISMUS HINTER DER ISRAELISCHEN APARTHEIDSMAUER!“ Das ist aber doch eine explizite Aufforderung, nicht in das Westjordanland zu reisen, und daher wohl eher nicht im Sinne der Bewegung,einem Bündnis aus verschiedenen Organisationen, darunter BDS-Gruppe Berlin und Berlin Academic Boycott!  BAB, nicht zu verwechseln mit der ähnlich lautenden Kölner Musikgruppe , will ganz hoch hinaus und kündigt an:
„…die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Plattform für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (.). Die nationalen, regionalen und lokalen Organisationen und Bewegungen dieser Plattform
• akzeptieren und fördern den Boykott israelischer akademischer und kultureller Institutionen und die Disinvestition von Unternehmen, die zu den gravierenden völker- und menschenrechtlichen Verletzungen Israels beitragen…“
Beispiele für Ein- und Ausladungen von angesehenen Professoren gibt es reihenweise. Die altehrwürdige akademische Kultur, Unstimmigkeiten in den Meinungen zu diskutieren, findet keinen Eingang in das einseitige Denkschema der Verantwortlichen. Statt sich einer Diskussion zu stellen, schlägt man lieber wild um sich und tötet die andere Seite ab. Wo bleibt der eherne Grundsatz des Römischen Rechts: Audiatur et altera pars? Angst vor den eigenen Grenzen begründet Wut, die sich gegen den Anderen, Unbekannten wendet; das ist umso Vieles einfacher, als sich mit  sich selber zu auseinander zu setzen und seine eigenen Beweggründe zu erforschen!
Nun ja, nicht jeder Konsument muss kunstbeflissen sein, und nicht Jedem ist es gegönnt, akademische Weihen empfangen zu haben. Aber allen Menschen ist ganz sicher etwas gemeinsam: sie sind allesamt Konsumenten.
Konsumboykott
Und somit trifft die dritte Boykottschiene Jeden. Die Öffnung der Märkte hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Vergrößerung des Angebotes geführt, Boykottaufrufe gegen  Kleidung, die von Kindern in den sweatshops Asiens produziert wurden, verhallten in der Regel ebenso schnell und ungehört, wie der Aufruf, Produkte aus Ländern zumindest kritisch zu hinterfragen, in denen tagtäglich Menschen gefoltert und ermordet werden. Produkte „made in China“ sind nicht nur in den Regalen von Billiganbietern präsent, nein, man findet sie mehr und mehr auch bei bekannten und überteuerten Markenprodukten bis hin zum Luxussegment. Mal offen deklariert, mal muss man ganz genau bis hinter die Produktionskulissen schauen.
Anders bei Produkten aus Israel: Bereits am Strichcode, beginnend mit 729 erkennt der boykottwillige Konsument, dass das ausgesuchte Produkt aus Israel stammt und deswegen nicht in den Warenkorb darf! Produkte wie Ahava Kosmetik, Soda Stream, Teva Pharma u.a., die im Israelischen Kernland als globale Unternehmen produzieren, werden ebenso boykottiert, wie z.B. Caterpillar und Veolia, ausländische Unternehmen mit Unternehmenssitz im Ausland, die auch in Israel aktiv sind. Jaffa Orangen stehen ebenso auf dem Index, wie Olivenöl, Tehina,  Avocados, Nicola Kartoffeln und Erdnüsse.  
Einen Schritt in die richtige Richtung haben gerade die MIGROS, und bereits vor einiger Zeit auch der COOP gemacht: sie verzichten auf einen generellen Boykott und überlassen es den mündigen Kunden, selbst zu entscheiden, ob sie ein in Israel oder im Westjordanland produziertes Produkt kaufen möchten, oder nicht, indem sie eine klare Auszeichnung vornehmen. Ob die Konsumenten also „Spanische Nüssli“ mit dem typischen dumpfen Kellergeschmack aus hier nicht genannten Drittländern kaufen möchten, oder ob sie den perfekten Geschmack israelischer Erdnüsse vorziehen (You can’t stop eating them!!)  Das ist kundengerecht und politisch korrekt! Dem Kunden ist die Herkunft in der Regel gleichgültig, solange Qualität und Preis stimmen, wenn aber BDS in das gutgeölte Marktgetriebe eingreift, wird aus dem autonomen Konsumenten ein manipulierter homo politicus!
Mit welchen Folgen? In der Westbank gibt es ca. 15.000 palästinensische Arbeitnehmer mit einem festen Arbeitsplatz, entweder in Israelischen Betrieben oder in israelisch-palästinensischen Gemeinschaftsprojekten, die ca. 15.000 Familien ernähren.  Gehen wir von einer durchschnittlichen Familiengrösse von 10 Personen aus (Ehepaar, Eltern, 6 Kinder), so bedeutet dies, dass die 15.000 Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen aus Israel 150.000 Menschen ernähren. Bricht durch den anhaltenden Boykott der Export und in Folge auch die Produktion zusammen, werden als erstes die palästinensischen Arbeitnehmer entlassen. Bei einem Durchschnittseinkommen von $ 1.000,– pro Person/Monat, gehen der palästinensischen Wirtschaft  $ 15.000.000 im Monat und $ 180.000.000 pro Jahr verloren. Ist das nicht wieder ein Schuss, der nach hinten losgeht?
BDS diffamiert Israel und straft dabei, im Sinne eines billigend in Kauf genommenen Kollateralschadens genau die Menschen, denen es vorgibt, helfen zu wollen. Israel muss den ideellen Schaden erdulden, die Palästinenser aber den finanziellen.
BDS wurde genau von den Politikern geschaffen, mit denen Israel über einen möglichen Friedensvertrag verhandelt. Ursprünglich als Druckmittel zur Durchsetzung von unrealistischen und unbegründeten Ansprüchen gedacht, hat es sich längst zu einer politischen Waffe entwickelt, die friedensverhindernd ist.
Dass uns das sauer aufstößt kann niemanden verwundern!

4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

4 Antworten zu “BDS = boycotts, divestments and sanctions (Boykott, Investitionsentzug und Strafmassnahmen) – Kann auch verstanden werden als: Beware (of) deep sorrow: Nimm dich in Acht vor großem Kummer!

  1. Anonym

    Esther, vielen Dank für die gute Zusammenfassung all dessen, was BDS bedeutet bzw. beinhaltet.

    Das Fatale daran ist, dass BDS so „subtil“ daherkommt!

    Kurze Anmerkung zu „bab“: Die Kölner Musikgruppe nennt sich „bap“. Aber nur vom Hören her wirklich ein wenig „verwirrend“!

    Alles Liebe und Shalom!

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  2. Danke für den Hinweis, ich habe es abgeändert!
    esther

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  3. Anonym

    Jenas Obürgermeister Albrecht Schröter, der sich der Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“ (initiiert von der katholischen „Friedensbewegung pax christi“) angeschlossen hatte, weist in der neuesten Ausgabe der „Jüdischen Allgemeinen“ (07.06.2012) jegliche Vorwürfe des Antisemitismus zurück. „Entschieden weise ich den böswillig gegen mich erhobenen Antisemitismus-Vorwurf zurück!“ –

    STARKER TOBAK!

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  4. Ich bin kein Fan von BDS, aber zum Teil befürworte ich Boykottmaßnahmen gegen den israelischen Staat und das israelische Kapital. Leider müssen wir zugeben: Dieser Staat wir sich nicht mehr am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, in dem es seit Jahrzehnten steckt. Zu diesem schmerzenden Schluss kam ich zu Beginn der 2. Intifada, und trotzdem lebe ich noch hier, gleich um die Ecke, übrigens, in Tiv'on. Der Internationale Gerichtshof hat sich schon 2004 deutlich gegen die Mauer ausgedrückt. Trotzdem ist auch auf internationaler Ebene nichts geschehen. Ich hänge hier etwas an, das damit zu tun hat:
    http://abumidian.wordpress.com/deutsch/nicht-in-unserm-namen/brook/

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