Die Generation der verlorenen Jugend

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Die erste große Gewaltwelle, die 1. Intifada gegen Israel begann im Dezember 1987 und endete weitgehend mit den Verträgen von Oslo vom 13. September 1993 und ihren nachfolgenden Zusatzverträgen.
Schon damals sah sich Israel der 1964 gegründeten PLO,  der Volksfront zur Befreiung Palästinas und der Hamas gegenüber gestellt.
1964 gilt als die Geburtsstunde des Palästinensischen Volkes,  es wurde während der ersten Sitzung des palästinensischen Nationalrats im Mai/Juni 1964 in Ostjerusalem als Kunstgebilde  geschaffen, um den bis dahin geltenden Begriff des „Palästinaflüchtlings“ zu ersetzen, der kein kollektives Nationalbewusstsein schaffen konnte und so den Plänen ihrer Führer, allen voran Jassir Arafat, nicht dienlich sein konnte. 
Die Volksfront zu Befreiung Palästinas wurde bereits kurz nach ihrer Gründung 1968 als militanter Flügel der PLO in Europa und in den USA in die Liste der Terrororganisationen aufgenommen. Stark beeinflusst von den Ideologien des Marxismus-Leninismus hatte sie ganz andere Vorstellungen von einem zu erkämpfenden palästinensischen Staates, als die PLO, von der sie sich Anfang der 90er Jahre abspaltete.  Die PLPF zeichnete u.a. verantwortlich für  die spektakulären Flugzeugentführungen der späten 60er bis späten 70er Jahre und andere Terroranschläge, die weltweit Hunderte von unschuldigen Opfern forderten.
Eine der Terrorattacken, die damals die westliche Welt für Stunden lähmte, war der feige Überfall auf das Olympische Dorf in München 1972, dem 11 der 14 Mitglieder der Israelischen  Olympiamannschaft zum Opfer fielen.  Warum der Befreiungsversuch scheiterte, warum es insgesamt 17 Opfer gab, darunter auch einen deutschen Polizisten, konnte nie zur Gänze geklärt werden. Heuer jährt sich der Tag zum 40. Mal. 1972 entschloss sich der damalige IOC Präsident Avery Brundage, nach einer Schweigeminute, die Spiele weiterlaufen zu lassen.  „The games must go on“ Heuer weigert sich der derzeitige IOC Präsident, Jacques Rogge, eine Erinnerungsminute in das Eröffnungszeremoniell einzubauen. Die Absage auf die diesbezügliche israelische Anfrage kam prompt und löste eine breite Diskussion zwischen Pro- und Kontrastimmen aus. Der deutsche Präsident Joachim Gauck, der heute zu seinem ersten Staatsbesuch zu uns kommt, wird sich sowohl mit den Überlebenden des Massakers, als auch mit den Familien der Opfer treffen. Er beweist zumindest in diesem Punkt mehr Taktgefühl als manch anderer!
Die Geschichte der Hamas (Ḥarakat al-muqāwama al-islāmiyya  =  „Islamische Widerstandsbewegung“, aber auch Arabisch für „Eifer“) ist eine ältere als die der PLO und PLPF. Die Vorgeschichte beginnt bereits mit der Gründung  eines palästinensischen Zweiges der ägyptischen Muslimbruderschaft in Ostjerusalem im Jahr 1946, der selbstverständlich  sowohl den UN Teilungsplan für Palästina ablehnte, als auch die Staatsgründung 1948 für Null und Nichtig erachtete.  Die nachfolgenden arabisch-israelischen Kriege zwangen sie jedoch dazu, sich neu zu strukturieren. Diese Neustrukturierung  gipfelte 1988 – also zurzeit der 1. Intifada – darin, was in der Gründungscharta der Hamas vom 18.08.1988 festgeschrieben, und bis heute nie revidiert wurde.
Das waren die Feinde, mit denen Israel sich konfrontiert sah,  als die 1. Intifada über uns hereinbrach.
Aber was waren die Gründe für diesen Ausbruch der Gewalt? Auch bei noch so penibler Suche wird kaum jemand mehr die wahren Gründe finden! Der offizielle Grund, ein Unfall, bei dem vier Palästinenser starben, wird genauso wenig der Auslöser der 1. Intifada gewesen sei, wie der Besuch von Ariel Sharon auf dem Tempelberg am 28. September 2000 der Auslöser für die 2. Intifada gewesen ist. 
Diese, auch als „Al-Aqsa-Intifada“ bekanntgewordene, zweite Gewaltwelle gegen Israel dauerte offiziell bis zum 08. Februar 2005.
Während der ersten Intifada wurden in Israel 200 Menschen Opfer des palästinensischen Terrors, dazu kamen zahlreiche Verletzte. Die Schwerpunkte der Terroraktionen waren Tel Aviv und Jerusalem. Der Norden des Landes war kaum betroffen.
Ganz anders während der zweiten Intifada! Der Terror machte nun auch nicht mehr vor dem Norden und dem Süden des Landes Halt, die neuen Zentren neben Jerusalem und Tel Aviv lagen nun in Haifa, Afula, Hadera, Netanya, Holon, Rehovot. Die Terroristen suchten gezielt nach Möglichkeiten, um möglichst viele Opfer zu verursachen: Jugendliche in einer Diskothek, Kinder und Jugendliche in Linienbussen nach Schulende, Kinder mit ihren Eltern bei einer Party in einem Einkaufzentrum, Teilnehmer an einem Sederabend in einem Hotel, wartende Passagiere an Busstationen zur Hauptverkehrszeit…  Der Terror zeigte sein grausames Gesicht! Von 2000 bis 2005 wurden allein bei 139 Selbstmordanschlägen 524 Menschen getötet und 7642 Menschen verletzt. Zumeist Zivilisten.
Es war die Zeit, die einer ganzen Generation ihre Jugend und Unbeschwertheit raubte. Wer 1975 geboren wurde, erlebte den Terror zweimal, einmal im Alter zwischen 12 und 18 Jahren und ein zweites Mal im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Die Medien waren noch langsam, Neuigkeiten verbreiteten sich über Radio und Fernsehen und über das Telefonfestnetz. Zumeist war der Terror weit weg, oft im Ausland.
Ganz anders bei den 1988 Geborenen, sie erlebten das Ende der ersten Intifada nur dann bewusst, wenn sie in Tel Aviv oder Jerusalem lebten. Zu Beginn der zweiten Intifada waren sie ebenfalls 12 Jahre, beim Ende 17 Jahre. Die Anschläge rückten in die Zentren der Städte, die Explosionen konnte man hören deutlich hören. Die Angst fuhr bei jeder einzelnen Busfahrt mit. Kaum ein Jugendlicher, der damals nicht schon mit dem Tod konfrontiert wurde und lernen musste, wie bitter es ist, Freunde zu verlieren, Familienangehörige oder Bekannte. 
Eine Generation musste lernen, auf ihre Jugend zu verzichten.


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