Flüchtlinge im Sinne der UNRWA

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Heute wurde ich wieder auf- und durchgerüttelt, als ich in einer Mail altbekannte, aber nie in dieser Form zusammengefasste Informationen las.

Von 1993 bis 1996 habe ich im Flüchtlingsheim „Galina“ in Vorarlberg mit bosnisch-muslimischen  Flüchtlingen gearbeitet. In der Zeit, in der ich fast täglich dort war, habe ich etwas gut verstanden: sie alle hatten nur einen Wunsch. Den Wunsch, eine Heimat zu finden, kein Flüchtling mehr zu sein. Es war fast schon zweitrangig, ob diese Heimat, die „alte“ sein könnte, oder eine „neue“. Diese Menschen waren so am Ende angekommen, dass sie für beide Optionen offen waren – solange sich darin nur irgendeine  Hoffnung bot.

Und nun lese ich: „Irgendwann werden alle Menschen Palästina Flüchtlinge sein“ und frage mich, was die Botschaft hinter dieser Nachricht sein kann.

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil von euch zwar auch gewisse Grundkenntnisse zum Thema: „Wer ist ein Palästina  Flüchtling?“ hat, aber ansonsten, genau wie ich, hilflos in der Menge der zu Verfügung stehenden Informationen (seien sie korrekt oder auch nicht) herumrudert.

Daniel Pipes biete eine gut recherchierte Zusammenfassung. Die zentrale Frage bei ihm lautet: „Wer ist  Palästina Flüchtling?“ Nicht „palästinensischer Flüchtling“ (das würde ja nur auf die Ethnie abstellen und nicht auf ein Land  – welches auch immer), sondern, wer, gleich welcher Ethnie zugeordnet, floh aus einem Land – in diesen Fall aus Palästina um die Zeit der Statsgründung Israels.

Graf Folke Bernadotte sollte als erster Vermittler der Uno in Palästina auftreten und schuf dort die Grundlagen für die heute noch aktive Arbeit der UNRWA. Und hier setzt mein Erstaunen ein. Er forderte bereits  im Jahr 1948, dass 300.000 Flüchtlinge das Recht auf Rückkehr haben müssten, sowie, dass die Wüste Negev, ein unangefochten rechtmäßiger Teil Israels an die Araber abgetreten werden müsse. Eine dritte Forderung war, Jerusalem unter internationale Aufsicht zu stellen. Eine unmittelbare Folge war die UNO Resolution 194. Nachdem die Annahme der Resolution die Voraussetzung für die Aufnahme Israels in die UNO war, zögerte Israel nicht lange, sie anzunehmen.
Hingegen ist die Umsetzung der Resolution bis heute nicht erfolgt, wobei eines der größten Hemmnisse die unterschiedliche Interpretation von Art.11 ist:

“…resolves that the refugees wishing to return to their homes and live at peace with their neighbors should be permitted to do so at the earliest practicable date, and that compensation should be paid for the property of those choosing not to return and for loss of or damage to property which, under principles of international law or in equity, should be made good by the Governments or authorities responsible.”

Bis heute steht außer Diskussion, dass wir nach wie vor von unseren arabischen Nachbarn (mit Ausnahme von Jordanien und Ägypten, mit denen wir einen Friedensvertrag haben) nicht anerkannt werden. Daher kann das Recht auf Rückkehr, wie unter Art.11 festgehalten, wohl noch nicht zur Anwendung kommen.

Doch neben den fehlenden politischen Voraussetzungen, darf ein anderer Punkt nicht aus den Augen verloren werden, der eng mit der Frage verbunden ist: wer ist ein Flüchtling im Sinne der UNRWA?

Graf Bernadotte sprach von 300.000 Flüchtlingen, das war im Jahr 1948, die, wenn ich wiederum der Definition der UNO folge: „…Menschen (sind), deren normaler Wohnort das Palästina zwischen Juni 1946 und Mai 1948 war, die sowohl ihre Häuser als auch ihren Lebenserwerb als Folge des arabisch-israelischen Konflikts von 1948 verloren.“ Hier kann es sich also nur um die tatsächliche Zahl der Flüchtlinge handeln!  1950 billigt die UNRWA bereits 750.000 Menschen diesen Anspruch zu. Wie konnte es dazu kommen? Ich habe nirgendwo eine Erklärung gefunden, warum es zu einer Ausdehnung der Anspruchsberechtigten kommen konnte, aber, dass innerhalb von zwei Jahren die Zahl um 250% zugenommen hat, kann nicht nur daran liegen, dass retroaktiv die männlichen Nachkommen und legal adoptierten Kinder der Flüchtlingen hinzu gerechnet wurden. Obwohl dieser einzigartige Schritt die Grundlage dafür darstellt, dass aus dem Flüchtlingsstatus ein vererbbares Recht wird.

Ebensolches gilt auch auf für Flüchtlinge und deren Nachkommen des 6 Tage Krieges.

Ausgenommen vom „Flüchtlingsbonus“ sind derzeit  noch die  Nachkommen der weiblichen Flüchtlinge.

Neben den Pfründen, die sich die UNRWA auf unbestimmte Zeit hin dadurch sichert, dass sie sich heute als Hegerin und Pflegerin von ca. 5 Millionen Menschen sieht, verhindert sie durch ihr Tun, dass eben diese Menschen nicht in die selbstbestimmte Zukunft entlassen werden können, und ihr Schicksal selber in die Hand nehmen müssen. Statt dessen werden sie – manch einer mag das sogar als komfortabel empfinden – am finanziellen Tropf der UNO und damit auch an dem ihrer Spender hängen bleiben, sondern sie werden tagtäglich an das Schicksal ihrer Vorfahren erinnert ohne die Chance, deren Trauma nicht zum ihren werden zu lassen. Im Gegenteil!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Flüchtlinge im Sinne der UNRWA

  1. Anonym

    Hier noch ein wenig Lesestoff zum Thema:

    http://lizaswelt.net/2009/01/19/die-hatschelkinder-der-uno-i/

    http://lizaswelt.net/2009/01/20/die-hatschelkinder-der-uno-ii/

    PS: Vielen Dank für den Solarstromartikel!

    Sven Engel

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