Palaestina, ex monumentis veteribus illustrata – oder: von der Schwierigkeit, sich selber erfinden zu müssen

Ich möchte heute einen Holländer zu Wort kommen lassen, der in den Jahren 1695 und 1696 das Gebiet des heutigen Israel bereiste und so frühe Quellen zu neuzeitlichen Forschungen lieferte, Adrian Reland, oder wie in zahlreichen Quellen genannt: Hadrian Relandus lebte von 1676 bis 1718 in den heutigen Niederlanden. Liest man seine Biografie, so staunt man über die Vielfalt der Interessen dieses Wissenschaftlers.
Die  folgende Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse seines Buches „Palaestina, ex monumentis veteribus illustrata“  habe ich einem Bericht von Avi Goldreich aus dem Jahr 2007 entnommen. Ich möchte hier nur die wesentlichen Punkte einfügen und inhaltlich ergänzen, um die Bedeutung seiner Forschung für uns Juden herauszustreichen.

Reland hat (auf insgesamt 11 Karten) das damalige Palästina kartographiert und die Bevölkerungszahlen aller Dörfer, Ortschaften und Städte aufgenommen.

Darüber hinaus gelang es ihm, alle in der Mishna und im Talmud genannten Orte zu identifizieren. Diese  für uns bedeutsamen Schriften entstanden um das Jahr 200 C.E. in Palästina, bzw. kurze Zeit später in Babylon. Reland belegt seine Forschungsergebnisse mit Quellen in der entsprechenden Sprache, so finden wir Quellenangaben in Hebräisch, Griechisch und Latein.

Seine Forschungsergebnisse lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

1.    Keine der Siedlungen hatte damals einen Namen, der auf Arabische Wurzeln zurückzuführen war, die meisten Namen hatten Hebräische, Griechische oder Lateinische Wurzeln. Auch heute ist das noch so, einige Namen wurden jedoch „arabisiert“, ohne, dass dies einen besonderen Sinn macht. Acco (Acre), Haifa, Jaffa, Nablus, Gaza, Jenin sowie Ramallah, El Halil and El-Kuds (Jerusalem) sind Namen, denen jede historische Wurzeln fehlt. 

Reland konnte z.B. die heutige Stadt Ramallah, die damals „Bet’allah“ (Haus von Allah) hieß, problemlos zurückführen auf den hebräischen Ursprungsnamen „Beit El“ (Haus von Gott)

2.    Das von Reland vorgefundene Gebiet war weitgehend menschenleer,  die wenigen Bewohner wohnten in Jerusalem, Akko, Safed, Tiberias und Gaza. Die meisten von ihnen waren Juden, ein kleinerer Teil waren Christen, sowie eine sehr geringe Zahl an  moslemischen Nomaden, die nach seinen Beobachtungen, quasi als saisonale Wanderarbeiter in die bewohnten Gebiete kamen. Eine Ausnahme bildete die heutige Stadt Nablus, damals als Shchem (Sichem) bekannt (jenem Ort, von dem aus sich die Spur von Dina, der Tochter Jakobs und Leas Dina (Bibel) – Wikipedia verlor). Dort lebten zu seiner Zeit ein islamischer Clan, sowie  einige Shomroniter  (Samariter). Nazereth war die Heimat von ca. 700 Christen, Jerusalem zählte ca. 5000 Bewohner, die meisten von ihnen Juden, der kleinere Teil Christen. In Gaza registrierte er ca. 550 Einwohner, Juden und Christen zu gleichen Teilen. Sie lebten dort in perfekt anmutender Arbeitsteilung: die Juden prosperierten in der Landwirtschaft, die Christen organisierten Handel und Transport. Tiberias und Safed waren offensichtlich auch im 17.s.C.E. fast ausschließlich  durch Juden besiedelt, die Tatsache, dass Reland  keine Schwerpunkte in den Tätigkeiten angibt, führe ich darauf zurück, dass dies die klassischen Orte der „Jüdischen Studien“ waren. Das heutige Umm el-Fahem – ein nur ca. 30 Km von uns entfernter Ort, war seinerzeit ein kleiner christlich dominierter Ort. Heute erlebe ich die Stadt als gespalten: zum einen ist er die Hochburg der Hamas im nördlichen Israel, die größte rein muslimische Stadt des Landes. Zum anderen gibt es aber genau dort auch ein Projekt, das mittlerweile internationale Anerkennung erhalten hat – und dies wohlverdient: die Umm El-Fahem Art Gallery

Für mein Empfinden belegt dieses Buch die durchgängige jüdische Geschichte vom damaligen Palästina bis zum heutigen Israel sehr genau.

Es gibt Historiker, die anzweifeln, dass Reland sich tatsächlich jemals von seiner niederländischen Heimat entfernt hat. Eine Quelle hat mich allerdings überzeugt, dass er wirklich mit seinen Reisen diesen unschätzbaren Fundus an historischen Quellen begründet hat. Eine Gedenkschrift an ihn als Orientforscher aus dem Jahr 1718.

Ich habe schon mehrfach darüber berichtet, wie intensiv die Bemühungen der Palästinenser sind, uns in den Augen der Weltöffentlichkeit zu delegitimieren und zwar als jüdisches Volk, das einen historischen und religiösen Anspruch auf dieses Gebiet hat. Nicht nur, dass sie alles daran setzen, ihre willfährige Anhängerschaft  mit  einer ganz neuen Art von moderner Geschichtsschreibung zu überraschen, nein, sie schrecken auch nicht davor zurück, tief in die Geschichte einzutauchen und  mit Hilfe des Begriffes „Präislamismus“ Orte, Städte, Gebäude und Gebiete für sich zu reklamieren.

Nun frage ich mich, wie kann etwas, das – historisch durch aus belegt – um die Zeit der Zeitwende herum jüdisch war, auf einmal „präislamisch“ sein mit einem gleichzeitig daraus abgeleiteten Rechtsanspruch für die heutige Zeit? (Wiewohl die Sachlage, was den zeitlichen Präislamismus betrifft, sehr wohl stimmt. Nur, dass das Eine mit dem Anderen von der Sache her nichts zu tun hat!)

Mekka und Medina könnten eine „präislamische“ Geschichte  haben, wobei die von Mekka wohl eher eine den Stammesgöttern zugeeignete war, während  die von Medina schon weit früher einen Bezug zum Judentum hatte

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Palaestina, ex monumentis veteribus illustrata – oder: von der Schwierigkeit, sich selber erfinden zu müssen

  1. Sehr interessant. Mich interessiert alles, was mit jüdischer Geschichte zu tun hat.
    Die „Palästinenser“ gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Wenn ich es nicht vergesse, setze ich das Wort immer in Anführungsstriche.
    „Palästinenser“ ist ein Begriff, der – wenn ich mich nicht täusche – erst seit 1964 in Umlauf gebracht wurde nach Gründung der PLO 1964.
    Ursrünglich waren die Palästinenser alle Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina! Aber was erzähle ich Dir da? –

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  2. Du hast völlig Recht, Arafat schuf den Begriff 1964, um der bis dahin namenlosen Gruppe eine gemeinsame, gleichwohl auch künstliche Identität zu geben.

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