Ramallah – die neue Traumdestination im Nahen Osten?

Ramallah ist die Stadt, die sich als Hauptstadt von Palästina anbietet und schon heute über mehr Infrastruktur verfügt, als Ostjerusalem jemals wird haben können.
Da ist zum einen die  vorzügliche Lage im Hügelland nordwestlich von Jerusalem auf 900 m. Selbst im Hochsommer wird es selten drückend heiß, und ein ständiger leichter Wind verhindert, dass der Kopf überhitzt, wenn das politische Klima wieder einmal Kapriolen schlägt!

Im MövenpickHotel findet man durchaus europäischen Standard, auch was die Preise betrifft. Historische Plätze befinden sich in unmittelbarer Umgebung der aufstrebenden Stadt. Die Wirtschaft boomt, das Wachstum im Jahr 2011 lag im zweistelligen Bereich. Joint ventures und gemeinsame Projekte mit Israel, vor allem im Bereich Tourismus sind kein Wunschdenken mehr.

Auch wenn die erwartete Gästeflut aus dem Ausland derzeit noch auf sich warten lässt, so hat doch eine ganz besondere Gästegruppe Ramallah schon für sich entdeckt.

Spiegel online berichtet heute, sinnigerweise in der Sparte „Unispiegel“ über junge Menschen aus aller Welt, die für einige Monate als Mitarbeiter oder Praktikanten der zahlreichen NGOs hierherkommen. Gemessen an der Kleinheit  des Westjordanlandes ist die Zahl der angemeldeten NGOs mit 1196, davon 285 in Ramallah, sehr hoch.  Gefördert und subventioniert werden sie von gutmeinenden Vereinen und Gesellschaften, die den Kampf gegen Israel in ihren Statuten ganz weit oben stehen haben, und dafür sorgen, dass Israelische Produkte boykottiert werden.

Liest man den Bericht, so ist das Leben in diesem, angeblich besetzten Land nicht so grauenhaft, wie es westliche Medien gerne schreiben. In Ramallah scheint sich eine durchaus lebenswerte Parallelwelt  gebildet zu haben:

„Ramallah ist eine Blase, in der sich die Internationalen wohlfühlen. Das Westjordanland sieht anders aus“, sagt er.

Doch in der Blase lässt es sich gut leben. „Palästina ist das bestgehütete Geheimnis in der Hilfsindustrie. (..) Es klingt cool und gefährlich, weil es als Kriegsgebiet bezeichnet werden kann, aber tatsächlich ist es ziemlich sicher und hat all den Komfort, den Internationale wollen“, zitiert das palästinensische Veranstaltungsmagazin „This week in Palestine“ Emily Watson, die amerikanische Projektmanagerin einer medizinischen NGO. (SPON)

Und ein bisschen weiter unten im Artikel werden zwei, scheinbar typische Alltagssituationen im Leben der Freiwilligen beschrieben:

Als die israelische Armee vor kurzem den Viehstall einer palästinensischen Familie zerstörte, standen die NGO am Schauplatz Schlange. Insgesamt sechs Organisationen waren herbeigeeilt, um den Vorfall zu dokumentieren. (SPON)

Zu den Aufgaben der Schweizerin gehört es auch, sich mit den Bewohnern palästinensischer Dörfer auf einen Tee zu treffen. Präsenz zeigen, heißt das im NGO-Jargon. (SPON)

Na ja, nach ständigen Gefahren und Stress klingt das nun wirklich nicht!

Kann es sein, dass im folgenden Kommentar  zu dem Artikel mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt?

§  #12 Heute 11:41 von atherom

Nun: da gäbe es vielleicht noch eine Erklärung:

Zitat von s.a.l.z
Mir scheint, dass diese Spaßhelfer selbst Entwicklungshilfe benötigen.
Wer mit solcher Unsensibilität in einem Krisengebiet auftritt, offenbart unfreiwillig seine wahren Beweggründe: Abenteuerlust, gemischt mit Multi-Kulti-Gutmenschentum und dem Wunsch nach dem kleinen Kick im Lebenslauf.
Also: Genau prüfen, welche NGO meine Spendengelder bekommt und nach Möglichkeit persönliche Kontaktaufnahme.

Vielleicht ist dieses Gebiet nicht so furchtbar, wie man uns das hierzulande darzustellen versucht (Ulrike Putz), vielleicht ist Israel kein rassistischer Apartheidstaat, über dem sich keine Zeitung traut etwas Positives zu schreiben? Immerhin bringen auch Touristen ganz andere Eindrücke aus der Region, „als vorgeschrieben“. Ich vermute, dass ohne die manchmal recht realitätsfremde Berichterstattung, Friedensbemühungen fortgeschrittener wären…

Also, herzlich Willkommen in Ramallah! Und wenn jemand meint, er käme sprachlich nicht zurecht, weit gefehlt, an jedem Montagabend gibt es einen deutschsprachigen Stammtisch im „Café la Vie“ von 18 – 20 Uhr!

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