Bethlehem – das wir kennen

Wir schreiben den 24.12.0000, ein Datum, das es so nie  gab.

Weder der Julianische noch der Gregorianische Kalender waren zu diesem Zeitpunkt erfunden.  Es gab  nur einen Kalender, der bis heute noch unverändert gilt, der Jüdische, der sowohl für die Religion, als auch für die Landwirtschaft von größter Bedeutung war.

Der hypothetische 24.12.0000 entsprach dem 10. Teweth 3761.

Und genau an diesem Tag, so sagt man,  wurde in einem Stall jenes Kind geboren, das später, als Erwachsener, einen so großen Einfluss auf die, zunächst nur westliche Welt haben sollte.

Hier kann man die Geschichte nachlesen, die Abertausende immer wieder  berührt, und die in unzähligen Familien am 24.12. jeden Jahres vorgelesen wird.

Doch war es wirklich genauso? Stimmt der Ort? Stimmt das Datum?

Na ja, in einem Punkt kann ich die Geschichte bestätigen.  Wer auch immer behauptet, es sei viel zu kalt gewesen, um nachts noch Herden auf den Feldern zu haben –  die derzeitige Außentemperatur  in ca. 97 Km Luftlinie vom bekannten Ort  Bethlehem, und ca. 37 Km vom weitgehend unbekannten  Bethlehem haGlilit entfernt, beträgt gegen 22 Uhr  noch 14,1°C, also durchaus noch eine Temperatur, um die  Herden auf den  Weiden zu lassen.

Gestern waren wir wieder mal in  Zipporis, ein für die Geschichte Israels  sehr bedeutender Ort. Zipporis liegt 3167 Meter (!) von Nazereth entfernt. Zipporis liegt 8233 Meter von Bethlehem entfernt, Nazereth trennen von Bethlehem 9626 Meter..

Was verbindet  Zipporis und Nazereth in Bezug auf Jesus? Zipporis, gegründet im 2. s. B.C.E. gilt als Geburtsstadt Marias, Ruinen einer Kapelle sind nach ihren Eltern, Anna und Joachim,  benannt.

Die römischen Statthalter lebten hier, bevor sie in Tiberias ihren, im Kampf müde gewordenen, Körper in heißen Quellen badeten. Oder nach einer der beliebten Dionysos Feste den Restalkohol aus ebendiesem schwitzten

Für Juden ist Zipporis der Heimat- und Wirkungsort eines der bedeutendsten Gelehrten der Zeit nach der Zerstörung des 2. Tempels: Rabbi Yehuda HaNassi. Darüber hinaus bestand zu dieser Zeit in Zipporis eine der bedeutendsten Torahschulen.

Im Jahr 4 B.C.E ließ Quintillius Varus die Stadt zerstören, der Wiederaufbau begann unmittelbar danach durch  Herodes Antipas, dem Sohn Herodes des Großen.  Es liegt nahe, dass Josef, der Zimmermann aus Nazereth seinen Lebensunterhalt großteils bei den Wiederaufbauarbeiten von Zipporis verdiente,  und auch Jesus dort seine Lehrjahre als Zimmermann absolvierte.

Betlehem HaGlilit wird erstmals im Buch Joshua erwähnt (19,15) und wird damit sehr früh in der Zeit der jüdischen Besiedlung nach dem Tod Moshes erwähnt. Die Aufteilung von Kanaan erfolgte unter den 12 Stämmen Israels, Bethlehem ging  an den Stamm Sebulon.
Ich muss an dieser Stelle kurz einfügen: wieso 12 Stämme? Auch wenn Frauen zu der Zeit in der Erbfolge praktisch keine Bedeutung hatten, wo ist Dina geblieben? Dina, die Tochter Leas, sie verschwand irgendwo in den Nebeln der Geschichte!

Aber da war doch die bekannte Volkszählung. Tatsächlich, und nach heute gut abgesicherten Quellen fand diese erst  im Jahr 9 C.E. statt, und niemand musste wohl in seine „Heimatstadt“ gehen, man stelle sich vor, welche logistischen Probleme diese Aufforderung ausgelöst hätte!

Warum also müsste eine hochschwangere Frau zu Fuß, oder teilweise auf einem Esel reitend, die Entfernung von mehr als 100 Km zurückgelegt haben? Kaum vorstellbar, vor allem, nachdem die Geburt ja unmittelbar nach der Ankunft dort einsetzte, wie Lukas erzählt.

Alles nur ein Weihnachtsmärchen?

Nein, es gibt einfach zu viele Quellen, die belegen, dass es mehr als ein Märchen ist. Aber eines, in dem Orte und Daten mit der Zeit so verfälscht wurden, dass es heute schwer fällt, die Wahrheit zu finden. 

Bethlehem bei Jerusalem, oder Bethlehem HaGlilit? Für mich ist der zweite Ort passender, ein kleiner, verschlafener Ort, der so Vieles überlebt hat. Kein Touristenort. Ein Ort, in dem noch Pferdefuhrwerke fahren. In dem die Zeit noch ein wenig langsamer verrinnt. Viel turbulenter ging es kurz vor Weihnachten wieder mal in der Geburtskirche zu, als sich rivalisierende Mönche nicht einig werden konnten, wo genau die Trennlinie zwischen ihren Sektoren liegt und sich darüber mit Besenstielen fast die Köpfe eingeschlagen hätten (nicht zum ersten Mal übrigens!)

7 Kommentare

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7 Antworten zu “Bethlehem – das wir kennen

  1. Liebe Esther, nun hast du eine neue Theorie in die Welt gesetzt, die gar nicht übel ist und Sinn macht. Bethlehem Haglilit heisst Bethlehem Galiläas‎‎, ist ein besonders schönes Dorf nur etwa 20 Minuten von uns in Zichron Yaakov entfernt, nahe Tivon, nur 10 km von Nazareth entfernt. Es liegt in einem riesigen Eichenhain mit alten Steinhäusern deutschen Stils, wie die deutsche Kolonie in Haifa – beide ehemalige Templerkolonien. Schon im Buch Josua 19:15 ist es vermerkt als Stadt mit Namen Zebulun.
    Bestimmt wäre es ein weit angenehmerer Geburtsort als das noch heute im Winter gelegentlich verschneite, verregnete und unwirtlichen Bethlehem bei Jerusalem. Und den Stern der drei Könige könntes es ebenso an beiden Orten gegeben haben.

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  2. Horst

    Ja meine liebe Esther, so wie ich es aus den internationalen „Boxpresseclubs“ vernahm, werden im Jahr 2012 die Mönche dort nach
    Gewichtsklasse eingeteilt, damit die Verhältnisse besser verteilt sind, die Einstellung eines Referees ist aber erst für 2013 geplant

    Gruß Horst

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  3. Maximilian Teusch

    Das ist ja sehr interessant, dieses zweite Bethlehem in Israel. Dann gibts aber noch zwei Bethlehem, eines bei Bern und sogar in den USA. Man müsste nun abwarten, bis der Vatikan in Bethlehem bei Nazaret Grundstücke kauft, für eine neue Geburtskirche. Dann werden es auch die Palästinenser als ihr Kulturerbe bei der UNESCO anmelden.
    MfG, Maximilian Teusch

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  4. Anonym

    Maximilian
    Ja dieses Bethlehem in den USA dort gibt es die besten Stahlkochereien der USA.Stahl für die Rüstung und den Krieg.
    Welch Zufall doch dieses ist,zum Trost sei gesagt
    Boxhandschuhe sind aus Leder und nicht aus bestem Bethlehem Steel Made in USA
    Gruß Horst

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  5. Shalom Esther, der 1. Kommentar ist mir irgendwie abhanden gekommen. Ich versuch es jetzt nochmal!
    Dein Blog ist sehr informativ, vielen Dank! Werde mich nach und nach „durchkämpfen“ (und vielleicht ab und zu „Spuren“ hinterlassen).
    Dieser Artikel gefällt mir auch gut. Ich habe kürzlich gelesen, dass Jesus zur Zeit des Laubhüttenfestes geboren sein soll.
    Die Vorstellung Deines Bethlehems gefällt mir auch, viel idyllischer als das „Touri-Bethlehem“. War allerdings zur Weihnachtszeit noch nicht dort. Ich finde, 1x dort gewesen sein, muss reichen!!! Spüre kein Verlangen danach!
    Was Du von den Mönchen erzählst, kann einem auch in der „Grabeskirche“ in Jerusalem passieren. Beste Zeit: Ostern! Da kann es einem passieren, dass 2 verschiedene Mönchchöre versuchen, sich gegenseitig an Lautstärke zu übertreffen. Auch dort muss man sich nicht öfter aufhalten. Es gibt so viele andere echt interessante Plätze! …
    Apropos jüdischer Kalender: Ich würde vorschlagen, dass dieser allgemein – für alle gültig – eingeführt wird. Es ist z.B. einfach genial, den Shabbat am Abend anzufangen und auch am Abend aufzuhören.
    Viele Grüße!

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  6. Danke für deinen Kommentar, faehrtensuche! In der Grabeskirche kommt noch dazu, dass die Warteschlange am „Grab“ dafür sorgt, dass die Gemüter (sowohl die der Wartenden, als auch die der Mönche) durch den exzessiven Einsatz von Weihrauch zusätzlich aufgeheizt wird. Wirklich kein Ort, den man mehr als einmal besuchen muss. Galiläa ist da schon viel beschaulicher!
    Liebe Grüsse

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  7. Dazu auch noch eine kurze Episode. Ich hatte es gewagt, auf der Bank nicht nur „einfach“ zu sitzen, sondern meine Beine übereinanderzuschlagen. Ein Mönch sieht das, stürzt auf mich zu und staucht mich zusammen, dass ich mich so „ungebührlich“ an einem „so heiligen Platz“ hinsetze!
    Auch die Mönche untereinander sind nicht immer die „Höflichkeit in Person“ (nicht nur beim Singen!)

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