Über sieben Brücken musst du geh ‘n…….

Bei meinen ersten Besuchen in Jerusalem war es mir noch möglich, den Tempelberg bequem über eine Treppe zu erreichen. Der Eingang lag, irgendwo halb verborgen, zwischen den unübersichtlichen Häusern des arabischen Teils der Altstadt.

Der Rucksack wurde flüchtig durchsucht und man stand auf dem Tempelberg – der, zugegebenermaßen, damals ein wunderschöner Ort der Ruhe inmitten der lauten und überfüllten Altstadt war, und den ich immer wieder gerne aufsuchte.

Sei es, um einfach mal verschnaufen zu können, sei es, um den Film in der Kamera zu wechseln, sei es, um den x-ten Versuch zu starten, den Felsendom zu besichtigen.

Leider gelang mir das nie, und nachdem seit geraumer Zeit der Besuch der Moscheen für Nichtmoslems nur mehr nach vorheriger Bewilligung  durch die Waqf möglich ist, werde ich mich damit abfinden, dieses architektonisch wunderbaren Gebäude wohl nie von innen sehen zu können.

Damals, bis 2004 gab es noch einen, ich möchte fast sagen, pittoresk anmutenden Erdwall, der sich rechts neben der Klagemauer befand und der eine alternative Zugangsroute von der Busstation direkt zum Tempelberg bot. Ich habe diesen Wall vor allem als perfekten Ort für Bilder von der Klagemauer gesehen.

Im Jahr 2004 wurde ein Schneesturm (!) dem Erdwall zum Verhängnis, er brach zusammen und wurde  2007 durch ein Provisorium ersetzt, der, wie alle Provisorien dazu neigt, für die Ewigkeit zu sein.

Seit das Provisorium besteht, dürfen „Juden und Nichtmoslems“ (sic!) den Tempelberg nur mehr auf diesem  Weg betreten,  den Moslems stehen mehrere  Eingangsmöglichkeiten zur Verfügung.

1967, nach der Rückeroberung der Altstadt (politisch nicht ganz korrekt, aber historisch einwandfrei) stand Moshe Dayan mit seinen Truppen auf dem Platz vor der Klagemauer, die allerdings auf den ersten Blick nicht  zu erkennen war. Der Platz war verbaut mit den Hütten jordanischer Siedler. Irgendwann standen sie dann unmittelbar vor der Mauer und konnten es doch nicht glauben, sie waren angekommen!

Im Überschwang seiner Gefühle angesichts dieses Augenblicks beschloss Mosche Dayan, die Hoheit über den Tempelberg an die Waqf zu übergeben … ein historischer Fehler! Aber das wissen wir erst heute!

Kommen wir aber zurück zur Brücke!

Bereits 2007 bestanden Pläne, das Provisorium in kürzester Zeit durch eine neue, viel stabilere Konstruktion zu ersetzen.  Doch, was geschah? Israel wurde beschuldigt, den Tempelberg zerstören zu wollen. Kriege wurden angedroht. Die UNESCO reiste an. Auch wenn niemand eine üble Absicht der Israelis verifizieren konnte: das Provisorium blieb bestehen!

Und dort stand sie, bis zum Herbst 2011 nur beobachtet von der UNESCO, die die brückenerhaltenden Arbeiten ab 2007 als ungefährlich für den Tempelberg einstufte.

Nun wurde es augenscheinlich, dass sie irgendwann zusammenbrechen würde und so quälte sich die derzeitige Regierung durch einen Entscheidungsfindungsprozess, der alle Eventualitäten berücksichtigen wollte.

Das schlussendlich ausschlaggebende Argument kam aus Jordanien, jenem Land, dass vormals die Altstadt annektiert hatte und nun wohl keinen Anspruch mehr anmelden darf. Aber genau von da kam der Protest, dass Israel mit den notwendigen Bauarbeiten eine „massgebliche Veränderung“ vornehmen würde, die ihm nicht zustünde.

Nach drei Tagen wurde die mehr als baufällige Brücke wieder eröffnet, nachdem die moslemische Welt vor Ort lautstark protestiert hatte, von Kriegserklärungen sprach, von möglichen Anschlägen gegen den Tempelberg.

Was für mich bleibt, ist die Erinnerung an die Brücke vor Ramat Gan, die unmittelbar vor der Eröffnung der Makkabiade 1997 zusammenbrach und einige Todesopfer forderte.

Wer übernimmt die Verantwortung, wenn  etwas passiert?

Wer ist hier eigentlich der Geschädigte?

Warum regen sich die auf, die sich aufregen?

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