Offener Brief an BR Micheline Calmy-Rey

Heute wurde in der UNESCO positiv über die Aufnahme Palästinas in dieses Gremium abgestimmt. Dies war möglich, obwohl Palästina noch kein Vollmitglied der UN ist.
Im Vorfeld der UN Vollversammlung, bei der Präs. Abbas einen entsprechenden Antrag einbrachte, haben wir, eine Gruppe von Schweizer Juden, die in Israel leben, uns mit einem offenen Brief an die die Schweizer BR, Michelle Calmy-Rey gewandt. Entgegen allen politischen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten blieb jegliche Reaktion aus dem Bundeshaus aus.
Nachdem jetzt seit Veröffentlichung des Briefes nahezu zwei Monate vergangen sind, wurde der nachfolgende Brief mit der Bitte um Weiterleitung an MCR ans „tachles“ geschickt. Zu unserem Erstaunen wurde unserer Bitte nicht entsprochen.

Liebe Schweizer Jüdinnen und Juden,

Nachdem auf unseren Offenen Brief in der jüdischen Schweizer Zeitschrift „Tachles“ (9.9.2011) an Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, mit einer Ausnahme, keinerlei Reaktion aus jüdischen Schweizer Kreisen erfolgt ist, fragen wir, die Initiatoren, warum das sein kann. Selbst stimm- und wahlberechtigte Schweizer Juden, aber in Israel lebend, sind wir täglich mit jüdischer Israelkritik aus unserem Geburtsland konfrontiert und haben damit Gegenrecht, das wir kompromisslos wahrnehmen.

Als jemand der sich intensiv und oft mit israelischen Arabern beschäftigt, viele persönlich kennt und besucht, jedoch ihnen gegenüber aus seinem Herzen keine Mördergrube macht und sie auf Augenhöhe (ein beliebter Ausdruck unter Israels Arabern) direkt und freundschaftlich kritisiert, befremdet mich (Uri Russak) der Leserbrief Bernhard Roms (Tachles, 7.10.2011). Seine nicht ganz klare Bemerkung zum Apartheid-Unsinn gegenüber Israels arabischen Bürgern macht mich stutzig. Gelegentlich vermitteln uns Schweizer Juden, die eine Meinung über Israel äussern, gemischte Gefühle und den Gedanken, sie hätten wenig bis keine Ahnung, von was sie reden oder schreiben. Unsere Erfahrung mit jüdischen, teilweise zionistischen Schweizer Organisationen ist, das geben wir zu, leicht beschränkt, auch wenn Uri einige Jahre Präsident von ARZA Schweiz und Co-Präsident des schweizerischen Zionistenverbandes (s.A.) war. Was wir über die JVJP denken sollte hinreichend bekannt sein: in ihrem Israelhass, dessen Intensität den der Neturei Karta erreicht, ist sie ist eine Schande für die Judenheit. Mit dem Neuen Israel Fond Schweiz hatte Uri die merkwürdige Erfahrung, das seine Anfrage zur Unterstützung  des arabischen Sozialwerks der Kunstgalerie Umm El-Fahm, von dessen Präsidenten in Frage gestellt worden war, nachdem er erfuhr, der Leiter dieses einmaligen Werkes früher höherer israelischer Polizeioffizier gewesen sei. Vielleicht hätte Scheich Raed Salah, Hamas-Filialleiter in Israel, statt dessen ein offeneres Ohr erhalten. Vielleicht hat sich dieser Gesprächspartner verhört, das aber nie richtiggestellt. Uns scheint so etwas dürfe einem offenen, wenn auch Israel gegenüber kritisch eingestellten Menschen, nicht passieren. Oder eben diese Erfahrung enthüllte tatsächlich einen auf vorgefasste Meinungen abonnierten Israelkritiker, der ganz nach Morgenstern denkt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Wir Schweizer Israelis sind heute in der merkwürdigen Lage, dass wir öffentlich vor allem von nichtjüdischer Seite unterstützt werden (wir denken da nicht in erster Linie an evangelikale Christen), sondern an unsere zahlreichen Freunde der GSI und an die nichtjüdischen Mitglieder oder Sympathisanten jüdischer Organisationen wie die Freunde von Kiriat Yearim, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wir wissen, dass Schweizer Juden sich für Israel einsetzen, oft in Zusammenarbeit mit nichtjüdischen Israelfreunden, unter denen wir inzwischen viele wertvolle Menschen kennengelernt haben. Wir wären unseren jüdischen Freunden sehr dankbar, wenn sie sich mit ihrer Unterstützung Israels etwas öffentlicher exponieren würden. Möglichst ohne wenn und aber. Wie wir, muss man die heutige Regierung Israels und ihre Politik nicht mögen, aber das Land verdient Unterstützung, seine heutige Lage ist – Politik hin oder her – grundsätzlich nicht viel anders als vor 63 Jahren. Die arabisch-muslimische Welt liebt uns kein bisschen mehr als in 1948. Zudem, wer weiss, vielleicht sind auch Schweizer Juden einmal auf den jüdischen Staat angewiesen – um nur einen Grund zu nennen, Israels Existenz politisch zu unterstützen.

Laura und Paul Uri Russak, Zichron Yaakov

Esther und Alexander Scheiner, Zichron Yaakov

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