Nun ist er also wieder daheim!

1940 Tage wurde Gilad Shalit von der Hamas an einem noch unbekannten Ort in Gaza festgehalten.

Bereits seit dem frühen Morgen saß wohl halb Israel vor dem Fernseher, der Austausch sollte gegen 06:00 beginnen. 
So wurden vereinbarungsgemäß 477 Freizulassende an das Rote Kreuz übergeben. Anschließend sollte es Zug um Zug weitergehen: Gilad sollte von den Israelis übernommen und kurz untersucht werden. Anschließend sollten die 27 Frauen freigelassen werden. Der nächste Schritt, die Freilassung der 450 Gefangenen sollte unmittelbar nach Gilads Ankunft in Israel erfolgen.

Im Prinzip ein gutdurchdachter Plan, aber, nicht vergessen, wir leben nicht in Europa!
Ab 08:00 gab es immer wieder sich widersprechende Nachrichten, Ynet meldete, er sei bereits in Tel Nof angekommen, im Fernsehen sprach man davon, die in Ägypten auf ihn wartenden Soldaten hätten ihn bereits in Empfang genommen, Spon meldete die bereits erfolgte Freilassung.

Die Fernsehbilder zeigten eine aufmarschierte ägyptische Ehrenformation, die immer wieder aufs Neue den Befehl erhielt, sich auszurichten. Und die doch nichts anderes tat, als warten. Hamasniks, daran zu erkennen, dass sie mit maßgeschneiderten Anzügen, Hemd und Krawatte der Hitze zu trotzen versuchten, eilten geschäftig telefonierend durch die Szene, offensichtlich auch sie leicht irritiert, wie es nun weitergehen würde.

Um 10:28 wurde offiziell bestätigt: Gilad ist bei den Israelis angekommen. Der erste Schritt in die Freiheit war getan. Die ersten Bilder kamen gegen 11:00. Wer ihn heute unmittelbar nach seiner Freilassung sah, sah einen jungen Mann, abgemagert, mit dunklen Augenringen, bleich, leicht humpelnd und zutiefst verstört und gleichzeitig erleichtert.

Gegen 11:00 wurde im TV ein vorher aufgenommenes  Interview ausgestrahlt, welches vom Ägyptischen Fernsehen übernommen worden war. http://www.youtube.com/watch?v=90bDIBu5npM&feature=player_embedded Ich verzichte auf jeden Kommentar, außer auf den: Dies ist billigster Sensationsjournalismus

Während die gepanzerten Fahrzeuge noch auf die Weiterfahrt warteten, flogen auch schon wieder die ersten Steine, es gab, wieder mal unschuldig Verletzte und einige Kamera Ausrüstungen dürften auch zu Bruch gegangen sein. Darüber konnte ich in den Palästinensischen Online Zeitungen keine Mitteilung finden…

Nach der Ankunft in Tel Nof wirkte Gilad, mittlerweile erneut ärztlich untersucht und geduscht, deutlich frischer.  Noch einmal, wahrscheinlich zum letzten Mal in seinem Leben, trug er die IDF Uniform, die er vor dem Flug nach Israel erhalten hatte. Als Soldat der IDF war er entführt worden und als Soldat kehrte er nach Hause  zurück.

Für die Familie sicher die Nerven raubendste Stunde des heutigen Tages: das offizielle Procedere, das nun folgte: Begrüßung durch Bibi Netanyahu und Benny Gantz, dem obersten Militär. Erst dann durfte sein Vater ihn endlich in die Arme schließen, Avia, die Mutter und Zvi, der Großvater, die sich beide in der Zeit von Gilads Gefangenschaft immer wieder besonders exponiert hatten, blieben heute im Hintergrund. Was sie sich zu sagen hatten, wird immer ihr Geheimnis bleiben – und das ist  auch gut so.

Mittlerweile sind die Shaldis nach Mitzpe Hila zurückgekehrt.

Ich wünsche ihnen all den Frieden, all die Ruhe, die Geduld und Empathie, die sie benötigen, um Gilad, der heute, körperlich weitgehend gesund, aber seelisch wahrscheinlich tief verletzt nach Hause zurückgekehrt ist wieder im Hier und Jetzt ankommen zu lassen.

Ein P.S. ohne ein solches sein zu wollen:

Ich weiß, dass ich hier fast nicht  durchschlüpfen kann, ohne in irgendeiner Form Stellung zu nehmen zur Frage: 1:1000? Und, sind das wirklich Terroristen und nicht nur „Steinewerfer, die da freikamen“?

Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit möchte ich damit beantworten: Ja, 1:1000! Gilat lebt! Die Opfer des Terrors sind tot, niemand kann sie mehr zum Leben erwecken. Jeder von uns erinnert sich an die Toten, die sinnlos Ermordeten. In jeder Stadt, jedem Ort, in jeder Gemeinde – auch bei uns – gibt es Opfer des Terrors zu beklagen. Aber Gilad lebt, er durfte heute heimkehren.  Und ich bin sicher, er wird die Toten niemals vergessen!

Zur Frage, die ich in den letzten Tagen immer wieder hörte: „Ja sind das denn alles Terroristen? Nicht nur einfach Steinerwerfer und Kinder?“

Nicht alle Freigelassenen sind Terroristen, aber viele von ihnen, den ersten 450 Freigelassenen wurden von der Hamas ausgesucht, die nächsten 550 dürfen wir auswählen.  Ich mag hier nicht  nochmal und nochmal die Liste der Täter und der Taten einkopieren.

Was ich aber hier einkopieren möchte, ist ein Interview unseres seinerzeitigen Verteidigungsministers Benjamin Ben-Eliezer mit zwei Selbstmordattentätern.

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