Der arabische Frühling scheint leider wirklich in einem palästinensischen Herbst zu enden – oder: „Von Einem, der auszog die Welt zu bezwingen!“

Ich könnte an dieser Stelle in der besten Tradition der Levante und des Vorderen Orients  die Ereignisse der letzten Woche und Tage in Form eines Märchens erzählen, und damit versuchen, mich in die Reihe der großartigen syrischen Märchenerzähler einzureihen. Vielleicht könnte ich so den größeren inneren Abstand wahren.

Ob Rashid al Halak Abu Shad, einer der letzten seiner Zunft, immer noch seine fesselnden „Märchenstunden“ zelebriert, oder ob auch er mittlerweile vom grausamen Terrorregime des Dr. Baschar Hafiz al-Assad zum Schweigen gebracht worden ist – niemand weiß es.

Die UNO Generalversammlung 2011  ist Geschichte, jeder, der meinte, dort sprechen zu müssen, hat dies getan. Im Fall von Israel und Palästina  fiel die journalistische Meute, je nach Präferenz von rechts oder von links, manchmal gar aus der Mitte vorpreschend über die Redner her. Von staatsmännischen Worten war die Rede, von „Häme“, die die Worte überzogen hätte, von „Visionen“ und von „verzweifelten Versuchen“.

Nun, ich habe mir beide Reden angehört, die von Abbas knapp vor Eingang Shabbat – und ich habe darauf gewartet, dass, wie angekündigt, um Punkt 18 Uhr, dem geplanten Beginn der Rede, alle Kirchenglocken (ok, wir haben keine in der Nähe) läuten sollten und alle Muezzins zur Unterstützung rufen würden.  Nichts passierte.

Ich war von der Rede begeistert,  Abbas hatte wunderbare Ghostwriter gefunden,  jedes einzelne Wort passte. Was mir nicht klar war: sprach er nun von den Grenzen von 67 oder von 48. Klang da irgendwas durch, was wie der Wille zum Frieden klang, nach dem Motto: „Komm Freund, machen wir doch einfach da weiter, wo Itzhak und Jassir aufgehört haben!“ Sprach er von einer ausgestreckten Hand? Sprach er von Gemeinsamkeiten? Ich war während der gesamten Rede hellwach, aber ich habe keine einziges solches Wort gehört! Abbas Rede, inklusive der demonstrativen Präsentation des Antrages auf Aufnahme als Vollmitglied der UN hat, wenn ich es richtig beurteile, zu 100% den Nerv der arabischen Seele getroffen! Was mich aber wirklich bei der  – nota bene – Uno Übertragung nervte, war die Stimme und Parteilichkeit der Dolmetscherin (bis sie irgendwann gegen Ende ausgetauscht wurde), sie war absolut nicht professionell neutral, nein weit entfernt davon, ihre Stimme  jubelte und tirilierte, ich hatte das Gefühl, wenn sie nur könnte, sie würde Abbas auf der Stelle um den Hals fallen.  Abbas Rede wurde weltweit in den Medien als hervorragend gewertet, angefangen von seiner Körpersprache, über die Stimmführung, bis hin zu den sparsamen Gesten. Eine wirklich visionäre Passage seiner Rede möchte ich aber keinesfalls verschweigen: „Lasst uns bauen die Brücken des Dialogs statt Checkpoints und Mauern der Trennung und bauen partnerschaftliche Beziehungen auf Parität und der Gerechtigkeit zwischen zwei benachbarten Staaten – Israel und Palästina – statt Politik der Besatzung, Besiedlung, Krieg und die Beseitigung der anderen Seite.“

Die Rede Netanyahus wurde dagegen in Grund und Boden zerstampft. Rumgehampelt sei  er, hätte nur Plattitüden von sich gegeben. Seine Ansprache sei ohne Inhalt, dafür aber voller Häme gegenüber Abbas gewesen. Nein, ich bin nicht neutral, kann es auch gar nicht sein. Ich habe aber keine Häme gehört, ich habe Informationen gehört, und vor allem ich habe ein Angebot gehört, sofort, am gleichen Tag, noch vor Ort mit einem Treffen die Verhandlungen wieder zu starten. Ich habe eine Rede gehört, in der unser Standpunkt ganz deutlich vertreten wurde. Dafür, dass Abbas uns als „trotziges Kind“ bezeichnet hatte, war die Rede sehr gelungen.

Aber leider, die Antwort kam postwendend: Nein danke!
So, und nun warten wir.
Alle.

Abbas war zwischendurch mal kurz daheim. Bis zu seinem Auftritt vor der UNO galt er bei seinen Leuten  als fad und konturlos. Jetzt wurde er gefeiert, von Ramallah, der leider-nein-Hauptstadt, bis in den hintersten Winkel des Westjordanlandes. Seither reist er als Chefdiplomat in eigener Sache durch die Welt und versucht, sich die 9. Stimme  zu sichern, die ein Durchwinken beim Sicherheitsrat ermöglichen soll, sollten die Amerikaner auf ihr Vetorecht verzichten. Allerdings wäre es den Amerikanern lieber, wenn es gar nicht erst zur Notwendigkeit eines Vetos käme, weil sich eben keine neun positiven Stimmen finden.

Auf mich wirkt das ein wenig wie: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Einerseits fühlt sich Amerika, das sich leider immer wieder anhören muss, unser „Vasallenstaat“ zu sein, verpflichtet, die „road map“ zu verfolgen, sprich, auf Verhandlungen zu setzen und einseitige Anträge abzulehnen. Andererseits stehen in den USA im kommenden Jahr Präsidentschaftswahlen an, und Obama, von republikanischer Seite von Anfang an torpediert, darf sich keine groben Schnitzer leisten.

Auch Bibi ist wieder daheim angekommen, ihn hat das innenpolitische Tagesgeschehen  eingeholt. Heute wurde ein weiterer Teil der Zeitstädte abgeräumt, nun steht in Tel Aviv nur mehr ein kleiner Streifen auf dem Rothschild Boulevard. Ich hoffe, dass mit dem Ende der Zeltstädte nicht auch das Ende der cottage cheese revolution gekommen ist!

Während Abbas sich auf „promo“ Tour befindet, lassen seine islamisch-arabischen Kollegen aber wirklich kein einziges Fettnäpfchen aus, um Israel anzugreifen und zu delegitimieren.

Aus New York meldete sich der Botschafter der PA, Maen Rashid Areikat zu Wort und pries vollmundig eine judenreines Palästina, nicht ohne auch in einem Satz sowohl Sinti und Roma, als auch Homosexuelle in vorauseilendem Gehorsam des Landes zu verweisen.  Aus dem Iran meldete sich Chameni und nannte Israel ein Krebsgeschwür,  Ahmadinejad schlägt vor, wir mögen doch alle heimgehen, dorthin von wo wir gekommen sind.

Es mag mir die Frage erlaubt sein, bis zu welchem Zeitalter diese Rückwärtsmigration denn gelten soll? Irgendwann landen wir dann bei ihm und das mag er dann ganz sicher nicht!
Der noch virtuelle Botschafter der PA an der Uno, Abdullah Abdullah überraschte mich heute am meisten mit seinen Worten zum Flüchlingsthema.
Mir kam einfach das Grauen, als ich all das las.  Und dies sind nur ein paar wenige Beispiele!

Nun kennen wir sie, unsere Partner auf dem Weg zum Frieden.

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